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von Luca    erstellt: 17.06.2008    letztes Update: 05.11.2008    Geschichte, Allgemein / P12    (abgebrochen, keine anonymen Reviews)
Die nächsten Tage verbrachte der hohe Kirchenmann aufmerksamer als sonst. Fast, als fürchtete er, sein unheimlicher Besucher könne wieder auftauchen. Misstrauisch sandte er erst seine Wachen durch Räumlichkeiten, in den er sich längere Zeit allein aufzuhalten gedachte, skeptisch sah er sich in Kirchen und Empfangssälen um, ja selbst die eigenen Gemächer schienen ihm nicht mehr sicher.
Erkundigte sich jemanden nach seinem seltsamen Verhalten, so erklärte er mit beherrschter Stimme, er habe Grund zu der Annahme Gott wolle ihn prüfen, seine Demut ergründen.. und dabei wolle er niemanden in seiner Nähe wissen.
Scheinheilig, das war ihm nur zu klar.. grade Demut ließ sich am Besten lernen und beweisen, wurde sie einem vor allen Leuten abverlangt. Doch das Privileg, dabei allein sein zu dürfen, brachte sein Stand mit sich; auf eine Geste von ihm räumte man einen Raum ohne zu fragen, warum.

Grade rollte sein Wagen mit Funken schlagenden Rädern über einen der großen Plätze der Stadt. Eigentlich war sein Ziel der Hof des Monarchen, aber in Anbetracht der Tatsache, dass seine Kutsche trotz Geleit Bewaffneter kaum Durchlass fand, ließ ihn daran zweifeln pünktlich erscheinen zu können.
Seine Leute gingen recht rücksichtslos zu Werke, während sie die Massen auseinander drängten. Erbarmungslos trieben sie ihre Pferde zwischen die Leute und wer nicht schnell genug zur Seite wich, hatte eben die Konsequenzen zu tragen.. immer wieder hörte man wilde Flüche und Schmerzenslaute, wenn jemand von einem Pferd getreten worden war oder den Stiefel eines Gardisten in die Rippen bekommen hatte.
Missbilligend hob der Kardinal den schweren Stoff des Vorhangs an, der die Sicht in den Wagen, aber auch aus jenem hinaus unmöglich machte.
Der Platz lag vor ihm, die Menschen drängten sich darauf. Erstaunlich viele zu dieser Stunde. Was mochte wohl der Anlass sein?

Diese Frage beantwortete sich rasch von allein, denn kaum hatte er zu Ende gedacht, erklang von vorn Musik. Ein Raunen ging durch die Menge und die Leute drängten mehr nach vor. Jetzt wurde für de La Roque ein Aufbau sichtbar, eine schlichte Bühne, überdacht mit bunten Stoffen. ‚Theatervolk’, dachte der Kardinal grimmig. ‚Volksverhetzer und weniger wert als Tiere’.
Er beugte sich vor und schlug mit den Fingerknöcheln hörbar gegen die Wand des Wagens, die den Kutscher zugewandt war. Die Männer auf dem Bock standen schon lange genug in seinen Diensten, das sie wussten, dass die Fahrt hier erst einmal zu Ende war.
Kurze Zeit später klopfte es am Verschlag und einer der Kutscher öffnete die Tür einen Spalt.
„Eminenz?“
„Was rottet sich hier soviel Volk zusammen? Versammlungen dieser Größe sind ohne meine Erlaubnis verboten. Auflösen!“
Knapp und kalt klangen seine Worte und der Uniformierte beeilte sich zu nicken. „Sehr wohl, Eminenz.“
Der Mann stieg wieder auf den Bock, während der Gottesdiener sich zurücksinken ließ. Die Männer würden den Wagen nun in Richtung des Straßentheaters lenken.
Während er vor sich hinstarrte, spürte der Kardinal kalte Wut in sich aufsteigen. Das Volk war derart dumm, dass es auf die Reden und den schönen Schein einiger Gaukler hereinfiel. Woher wollten die Menschen denn wissen, was gut für sie war? Diese Theaterleute sympathisierten nur zu oft mit den verräterischen Hugenotten und er war überzeugt, dass sie ihnen auch die eine oder andere Information zuspielten. Diese Herumtreiber spionierten doch überall…
Wenn sich die Menschen nur dem fügen würden, was er anordnete.. was seine Majestät anordnete, um genau zu sein – er war lediglich ein einfacher Berater, dann hätte sie es alle viel einfacher und würden den Zorn des Herrn nicht so schnell erregen. Einfältiges Volk, zu stolz sich einem Führer zu unterwerfen und zu naiv, sein Leben selbst bestimmen zu können…
Er würde dem König empfehlen die Steuern anzuheben. Das würde die Menschen ein wenig zur Räson bringen und ihren Blick auf das Wichtigste lenken: Arbeit zu haben und ein Dach über dem Kopf zu besitzen. Und sie konnten sich damit rühmen, mit ihren Geldern den Hof und somit das Land zu unterstützen. Es galt Truppen zu mobilisieren, Kriegsgerät zu bauen und Soldaten auszubilden, Vorhaben, die ausreichend finanzielle Mittel erforderten.

Der Wagen hielt und man öffnete ihm den Verschlag. Während sich seine Wachen knapp verneigten, stieg er aus und ließ den Blick schweifen. Anerkennend nickte er den Kutschern dann zu, beide Männer hatten sich wieder mehr als bezahlt gemacht: Sie hatten die Karosse in größerem Bogen um den Platz herum gelenkt und waren so hinter die Bühne gelangt – unbemerkt von Volk und Darstellern.
Der Gottesdiener blickte sich um. Einen Moment war ihm, als würde er beobachtet, als versuche jemand in ihn hinein und auf den Grund seiner Seele zu blicken. Kalt lief es ihm dabei über den Rücken. Er ließ sich nichts anmerken, natürlich nicht, doch hätte er sich gerne eingehender umgesehen. Dazu aber blieb keine Zeit.
Ein paar knappe Gesten, dann traten er und seine Wachen von hinten an die Bühne heran. Vorneweg zwei Gardisten, im Anschluss er selbst mit Jacques an der Seite, dahinter noch einmal zwei Mann.
So schritten sie unbemerkt auf die Bühne zu und traten die wenigen Stufen zu dem Podest hinauf. Noch während die ersten beiden Soldaten das Tuch zur Seite zogen und somit ins Blickfeld der Zuschauer traten, ging ein Raunen durch die Menge und zeitgleich begannen die Leute zurückzuweichen. Den Mitgliedern des Ensembles schien das nicht aufzufallen, der Conférencier am vorderen Rand der Bühne riss seine Späße, während die anderen dazu tanzten und die jeweiligen Situationen ausspielten.
Die Darsteller arbeiteten mit einfachsten Requisiten, zum einen um die Satire ihrer Scherze besser erkennen zu lasen, zum anderen, weil es dem Theater sicherlich auch an nötigen finanziellen Mitteln für aufwändige Ausstattung fehlte.
Die einfach Kostümierten nutzen Steckenpferde und hielten Masken an Stäben vor die Gesichter um die dargestellten Personen zu zeigen. Grade schritt ein Mann auf die Bühne, dessen Maske ein rotes Barett und einen sehr verschlagenen Gesichtsausdruck aufwies. Er trug einen Mantel um die Schultern und ein Übergroßes Holzkreuz auf der Brust.
Während seines Auftrittes erklang die Stimme des Conférenciers:
„… Hugenotten unser’m wahren Glauben spotten, schlachten wir sie einfach mal.. sagt sich unser Kardinal!
Er kann mit zwei Zungen reden, süß und unberechenbar, als ob er im Garten Eden höchstpersönlich Schlange…“

„GENUG!“
Die Stimme des Kardinals donnerte über den Platz und er trat zwischen den beiden Wachen  auf die Bühne. Die Augen des Kirchenmannes blitzen gefährlich.
„Elender Narr!“, ging er den Erzähler an, „was erlaubt Ihr Euch? Das ist Blasphemie, Gotteslästerung! Ich warne Euch…“
Zu seinem Ärger ging der Schauspieler nicht so darauf ein wie erhofft: er kuschte nicht. Statt dessen begann er breit zu grinsen, während sich seine Kollegen auf der anderen Seite der Bühne sammelten.
Derweil trat Jacques vorne an die Bühne, begleitet von den anderen beiden Männern.
„Das Stück ist vorbei! Geht nach Hause.. oder wir helfen nach!“, hallte seien Stimme laut über den Platz. Hatten die Leute sich vorher bereits zurückgezogen, als des Kardinals Männer auf der Bühne erschienen, so begannen sie nun eilig sich zu zerstreuen. Man lachte über den Kardinal.. doch fürchtete man ihn zu sehr, als dass man sich seinen Anweisungen oder denen seiner Garde widersetzt hätte.
Zeitgleich erhob der Conférencier das Wort – wenn auch erst nach einem langen Blick gen Himmel, wobei er dem Kardinal den Rücken zuwandte und zwei Schritt weiter auf die Bühne hinaus trat.
„Höre ich eine Stimme aus dem Himmel?“ Sein Blick suchte das Himmelszelt ab, bevor er sich umwandte. „Ah.. oh nein, es ist der Kardinal.. ich habe Euch gar nicht erkannt. Ihr gebt Euch immer so von oben herab.. so steif…“ Der Mann legte den Kopf schräg. „Vergebt mir meine offenen Worte, aber wirklich so steif.. ist das erlaubt im Zölibat?“
Seine Kollegen lachten laut auf, einer aber machte seinem Zorn über die Regentschaft de La Roques Luft.
„Zölibat, ach was.. Jeder weiß, dass niemand so enthaltsam lebt, wie es die katholische Kirche vorschreibt. Auch Ihr nicht, Kardinal. Ihr sonnt Euch nur in Eurem Ansehen, verfasst Gesetze.. und derweil wird das Volk geknechtet und gequält!“ Der dunkelhaarige Mann hatte sich bis auf einen Schritt an den Gottesdiener heran gearbeitet, dann wurde er von den den Kardinal flankierten Wachen aufgehalten.
Kurz war es totenstill, niemand sprach ein Wort. Dann aber wurde die ohne hin schon uneilverkündende Miene de La Roques noch härter und unnachgiebiger, während er langsam die Hände auf den Rücken legte. Seine Stimme klang eisig und schneidend: „So.. dieser Auffassung seid Ihr also? Bon.. ich hätte nie gedacht, dass sich ein verfluchter Hugenotte zu so etwas hinreißen lässt..“
Er nickte dem Mann zu seine Rechten knapp zu und dieser versetzte dem Schauspieler einen heftigen Schlag in den Magen. Gleichzeitig packten zwei Mann den Erzähler und hielten ihn fest, während die übrigen Theaterleute sich angstvoll in der Ecke zusammen drückten.
„Eminenz! Nicht doch!… Eminenz!“ Man ignorierte den Conférencier.
Der Aufwiegler wurde von den beiden Gardisten, die ihn hielten, brutal zusammengeschlagen, er kassierte Hiebe auf Gesicht, Brust und Bauch, zuletzt, als er schon am Boden lag und um Gnade flehte, trat man ihm noch zweimal fest in den Magen. Er krümmte sich zusammen und wimmerte leise, doch die Kardinalsgardisten schienen das Interesse an ihm verloren zu haben. Das nutzen seine Kameraden um ihm zu Hilfe zu eilen und ihn außer Reichweite der Leute des Kardinals zu ziehen.. so leerte sich die Bühne rasch.

Inzwischen hatten die beiden Männer, die den Conférencier gepackt hatten, diesen zu de La Roque gezerrt und vor ihm in die Knie gezwungen. Düster starrte der hohe Gottesdiener auf den Mann herab. Dem allerdings schienen Spot und Scherz völlig abhanden gekommen zu sein, mit einer Mischung aus Ernst und Wut erwiderte er den Blick des Kirchenmannes.
„Ich hatte Euch gewarnt, Narr. Jetzt tragt die Konsequenzen.“ Der Kardinal hob den Blick und deutete auf den Aufbau, während er Jacques ansah. „Niederbrennen!“

„Nein! Eminenz, ich flehe Euch an, tut das nicht! Nicht doch...! Bitte! Eminenz...!“
Ohne Möglichkeit einzugreifen oder sein Hab und Gut zu schützen musste der Conférencier zusehen, wie Jacques und zwei weitere Gardisten sein Theater niederzureißen begannen und die Reste zum Schluss in Brand steckten. Der Kardinal erhörte sein Flehen nicht und die Männer, die seine Arme auf dem Rücken fixierten, zwangen ihn zuzusehen, bis Requisiten und Aufbauten lichterloh brannten.
De La Roque selber hatte sich längst abgewendet und war mit kurzem, dunklen Lachen in seinem Wagen verschwunden., seine Leute folgten ihm, den verzweifelten Schauspieler vor den Überresten seiner Existenz zurücklassend. Schweigend saßen die Soldaten auf.
„Zum Hof“, befahl es aus dem Inneren des Wagens und die Kutscher, trieben die Pferde an. Es war nicht mehr weit und jetzt kamen sie auch schnell voran. Die rüde Auflösung der Versammlung würde sich nur allzu schnell herumsprechen – es war zu bezweifeln, dass sich noch groß Straßentheater in die Stadt wagten.

Ihm sollte es Recht sein. Ein Punkt weniger, auf den er sein Augenmerk richten musste. Momentan banden ihn völlig andere Aufgaben. Er hatte durch seine Spione erfahren, dass man einen Mord plante. Es hieß, man wolle den König meuchelt, am besten seinen ersten Minister gleich mit. Das wäre dann er… doch er hegte noch nicht den Wunsch die Bühne des Lebens zu verlassen. Noch konnte er dem Herrn hier viel besser dienen.
Allerdings war es nicht ratsam dem jungen Monarchen zu erklären, was man plante. Er neigte zu unüberlegten, voreiligen Reaktionen, Handlungen, die die Pläne des Kardinals empfindlich stören konnten. Das galt es zu verhindern, am geschicktesten war es, zog man die Verräter leise aus dem Verkehr und richtete sie vor dem König selbst hin.
Das verschaffte dem Souverän das Gefühl, bestens geschützt zu sein und dem Kardinal freie Hand für weitere Anordnungen und Gesetzesentwürfe, zudem wog sein Wort dem König von Mal zu Mal mehr.
Er schmunzelte. Er wusste, dass man auf den Strassen witzelte, dass er das Land regierte. Allerdings war ihm auch der Wahrheitsgehalt dieser Worte bewusst. Wenn der König ihm Entscheidungen nicht gleich überließ, so hörte er auf seinen Rat – und im Endeffekt blieb sich das dann gleich..  der König segnete ab, was er verfasste.

Er schloss die Augen, während er sich zurücklehnte und die Hände auf dem Bauch faltete. Das die Finger der Rechten mit dem Kreuz spielten, dass ihm um den Hals lag, merkte er nicht einmal.
Vermutlich war seine Majestät verärgert über die Verspätung seines ersten Ministers. Bon.. so galt es den Souverän zu beschwichtigen. Keine allzu schwere Aufgabe, er würde einfach berichten, was sich hier zugetragen hatte und die Person des Königs etwas mehr einbringen. Wenige Sätze würden langen um den Monarchen von seinem Handeln zu überzeugen und ihn es gutheißen zu lassen.. er ließ seine Gedanken wandern.
Ein unangenehm kühler Wind fuhr mit einem Male durch das Wageninnere. Seltsam, so kühl war es draußen doch gar nicht..? Nun, vermutlich fuhren sie schlicht durch eine schattige Gasse. Tief atmete er ein.. und fuhr hoch, die Augen aufreißend.
Dieser Geruch..  Gestank traf es wohl eher..  war das nicht? Seine Gedanken rasten. Er  konnte diesen Geruch.. wo hatte er..? Ah, natürlich. Vor längerer Zeit in der Kathedrale, in die er sich zum Gebet zurückgezogen hatte.. Seither hatte er es vermieden, längere Zeit allein zu bleiben und sich inmitten seiner Leibgarde sicher gefühlt. Aber das jetzt..?
Der Blick des Kardinal hastete in der Kabine umher. Nichts, niemand. Leise und rau lachte der Gottesdiener. Wer sollte hier auch eindringen und vor allem wie? Der Wagen waren flankiert von seinen Leuten, jeder, der eindringen wollte, würde aufgehalten werden.

Mehrmals atmete er bewusst tief ein, schnupperte dem Gestank nach, der nun wieder schwächer zu werden begann. Spielten ihm seine Sinne einen Streich? War er überarbeitet, müde?
‚Reiß dich zusammen, alter Narr’, rief er sich selbst zur Ruhe. Wenn er ehrlich war, wusste er immer noch nicht zu sagen, ob das Geschehen in der Kathedrale real war oder er nur geträumt hatte. Natürlich war ihm mehr danach zu sagen, es sei ein Traum gewesen, aber war er dafür nicht etwas zu realistisch gewesen?
„Richtig, Kardinal.. es war kein Traum. Wir sind uns begegnet, vor nicht allzu langer Zeit.:“
Leise wisperte es in sein Ohr, grausam höhnisch. „Bedauerlicherweise wusstest du meinen Besuch nicht sonderlich zu schätzen.. ich bin dein Tod, Kardinal…“ Die gleiche Tonlage wir Tage zuvor in der Kirche. Aber an einem Ort, wo er seinen Gegner am wenigsten erwartet hatte.
Er wollte aufschreien, seine Wachen alarmierten.. doch er brachte keinen Ton heraus. Vielmehr war ihm, als legten sich eiskalte Hände um seinen Hals und begannen, einem Schraubstock gleich, zuzudrücken und ihm die Luft abzuschnüren.
Verzweifelt bäumte er sich auf. Trübte sich sein Blick bereits? Es schien im, als wabere Nebel in der Kutsche, als fülle er den Fahrgastraum völlig aus und schlucke ale Geräusche. Nicht einmal seiner Kleider aus Seide und Satin hörte er noch rascheln, nur ein krächzendes Atmen, dass er dem Angreifer zuschrieb, der ihm immer noch unsichtbar war.
De La Roque riss seine Hände an den Hals um den Griff des Unheimlichen zu sprengen. Vielleicht hätte sein Vorhaben sogar Erfolg gehabt.. wären dort die Hände einer zweiten Person gewesen. Er fühlt aber nichts weiter als seinen eigenen Hals, bar jeder Berührung durch Fremde.. und kämpfte dennoch immer verzweifelter um Luft zum Atmen.
Ihm war, als wolle seine Lunge bersten, sie brannte bereits schmerzhaft, zugleich hatte er das Gefühl, ihm quollen sie Augen aus dem Kopf und ihm werde heiß und heißer. Keuchend rang er um Luft ohne seine Lungen jedoch füllen zu können.
„Ich bin dir ganz nah, Kardinal Vielleicht bin ich dein Gewissen? Oh, ich weiß, du konsultierst mich nicht oft, aber ich bin da.. und ich sage dir, was du falsch machst. Das Theater.. es war doch nur dein eigener Stolz, der dich den Besitzer in den Ruin stürzen und seinen Darsteller halbtot prügeln ließ. Kardinal..“
Kurz war ihm, als spüre er heißen, übelriechenden Atem am Ohr, dann schien sich eine der unsichtbaren Hände um seinen Hals zu lösen. Sie wanderte nach oben und legte sich auf seine Stirn, ihm so den Kopf zurückbiegend.
Dadurch löste sich der Druck um seinen Hals herum etwas und er schaffte es wieder Luft in seine Lungen zu Pumpen, auch wenn das Atmen schmerzte.
„Du entkommst mir nicht.“
Dann war es vorbei. Von jetzt auf gleich ließ der Griff an seinem Hals nach, die Hand verschwand von seiner Stirn und er konnte den Kopf wieder sinken lassen. Während er das tat, sank er ernüchtert zurück.. nur um sich sofort wieder anzuspannen. Ihm gegenüber auf der Bank saß das Wesen in der Mönchkutte.

Eigentlich kam er erst jetzt dazu, die Gestalt richtig zu betrachten. Unter der Kapuze, dort, wo das Gesicht sein sollte, ballte sich undurchdringliche Schwärze. Anstelle der Augen funkelten zwei Punkte in immer wechselnden Farben. Derzeit war es ein grünblau.. ein kalter, unnachgiebiger und doch auf nicht zu erklärende Art faszinierender Farbton. Hände und Füße waren von der Kutte vollständig bedeckt, der Kardinal wusste aber vom letzten Treffen noch, dass sich unter dem Stoff eine mehr als ausgemergelte Gestalt befinden musste, denn die Arme des Wesen waren nunmehr Haut und Knochen. Dazu aber verfügte das Wesen über schier übermenschliche Kräfte.

De La Roque sank auf seiner Seite etwas zusammen, während er sein Gegenüber mit dunklen Augen anstarrte und sich bemühte, die Mischung aus Wut und Angst in sich zu beherrschen.
„Mache ich dir Angst, Kardinal?“
Natürlich war die Antwort „ja“. Und deshalb blieb sie unausgesprochen.
„Natürlich mache ich dir Angst:“
Die Stimme des Wesen klang auf ekelhafte Weise belustigt, es kicherte und dieses Kichern jagte dem Kardinal einen Schauer über den Rücken. Er fror und legte die Arme um sich. Hastig huschte der Blick seiner Augen umher ohne dass er den Kopf bewegte.
„Wache!“
Nichts geschah. Für den Bruchteil eines Augenblicks hatte er das Gefühl, das Wesen zucke zusammen.. aber das tat es wohl nur, um jetzt lauthals loszulachen. Kreischend japste es nach Luft, während sein Lachanfall es schüttelte.
„Gibt dir keine Mühe, Kardinal. Niemand wird dich hören – du bist bei mir! Und wenn ich will, wird auch niemand dich finden.“
Diese Worte sorgten nun dafür, dass die Miene des Kirchenmannes weiß wurde, was das Wesen wieder in lautes Gelächter ausbrechen ließ.
Lauter und lauter lachte es.. und platze. Mit einem ohrenbetäubenden Knall zerbarst es direkt vor ihm in unzählige kleine Teile, die sich mit dem Nebel im Wageninnern vermischten. Im Anschluss fiel der Nebel zu Boden, als sei er mit einem Male zu schwer geworden und sickerte durch das Holz hinunter auf die Straße.
Dann war der Spuk vorbei…
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