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Geschichte: Fanfiktion
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von MagicSunny
erstellt: 01.06.2008
letztes Update: 29.07.2010
Geschichte, Allgemein / P16 Slash
(abgebrochen)
2. Kapitel
Der Fahrtwind war leicht und sehr angenehm. Die Sonne strahlte von einem nahezu wolkenlosen Himmel herab und tauchte die Umgebung in ein fließendes Licht. Glinda saß auf dem rotbetuchten Rücksitz einer offenen Kutsche, die von vier weißen Rössern gezogen wurde, und fuhr durch die Straßen der Smaragdstadt. Ab und zu winkte oder nickte sie lächelnd den Passanten zu, doch die meiste Zeit über lies sie ihren Blick unbestimmt über die Häuser schweifen und kaute an der Innenseite ihrer Unterlippe herum, während sie vollkommen mit ihren Gedanken abdriftete.
Sie trug ein schlichtes rotes Kleid, das ihre schlanke Taille betonte, und sie hatte sich die blonden Locken mit einem Band im Nacken zusammengebunden. Trotz ihrer eher unbeeindruckenden Kleidung sah sie immer noch wunderschön aus, das wusste sie genau. Sie fühlte sich auch gut in diesem Kleid, denn der Stoff schmiegte sich sanft an ihren Körper. Sie hatte sich bewusst gegen ein besonders schickes Kleid entschieden, denn es würde nicht in einen Kindergarten hinein passen, wobei sie damit sicherlich nicht aufgefallen wäre, denn heute verkleideten sich nicht nur die Kinder, sondern auch viele der Erwachsenen und die Erzieherinnen des Kindergartens. Glinda hatte auch dieses Jahr schon einige mehr oder weniger gelungene Kopien von sich selbst – und natürlich von Elphaba - gesehen und es würden noch mehr werden.
Die Kutsche bog in eine von beiden Seiten von kaltgrauen Hauswänden umgebene schmale Seitenstraße ein. Keine geeignete Einfahrt für einen Kindergarten, ging es Glinda durch den Kopf, daran sollte sich endlich einmal etwas ändern. Die Gasse endete in einem kleinen runden Platz, in dessen Mitte das Gefährt nun zum Stehen kam. Der Kutscher glitt von seinem Platz auf den betonierten Boden hinunter, öffnete eine der Seitentüren der Kutsche und hielt der guten Hexe die Hand hin. Sie ergriff diese und lies sich aus dem Sitzwagon helfen. Als sie stand, befreite sie ihre Hand galant aus dem Griff des Mannes. „Ich danke Ihnen. Sie haben sich, wie jedes Jahr, wieder Ihre kostbare Zeit von mir rauben lassen“, sagte sie und lächelte freundlich.
„Kein Problem“, erwiderte der Kutscher und verbeugte sich kurz. „Immer wieder gerne.“
Glinda sah ihm zu, wie er sich schwungvoll wieder auf seinen Fahrersitz setzte und wandte sich dann zum schmucklosen Eingang des Kindergartens um. Die Mauer war aus ebensolchen grauen Steinen gehauen, wie schon die Gasse, die zu diesem Rondo führte. Der Innenhof war komplett von Hauswänden umgeben und bot wenig Platz zum ausgiebigen Turnen der Kinder. Auch anderweitige Spielgelegenheiten suchte man hier vergebens. Glinda wusste, dass das Innere des Kindergartens nicht viel mehr Gelegenheit zur Bewegung hergab, doch wenigstens gab es dort Kinderbücher und einige Brettspiele zur Beschäftigung der kleinen Racker. Sie hatte sich schon vor Jahren vorgenommen, etwas daran zu ändern, am besten einen neuen Kindergarten zu bauen, beziehungsweise bauen zu lassen, aber die Zeit dazu hatte einfach gefehlt. Es musste einfach sehr viel in Oz getan werden. Die Missstände der Bevölkerung waren groß, nun nicht mehr so groß wie früher einmal, aber immer noch enorm. Wenigstens hatte sie die Wasserversorgung im ganzen Land schon geregelt und die Arbeitsplätze waren zahlreicher geworden. Die Wiedereingliederung der TIERE in die Gesellschaft hatte viel Zeit und Mühe gekostet, sich aber gelohnt, denn sie war erfolgreich gewesen. Doch ein Land brauchte weit mehr als das. Es brauchte eine geordnete Gesellschaft, die auch auf die kleinen Leute einging und sich um Minderbemittelte kümmerte. Die niemanden wegen eines Unterschiedes verschmähte, auslachte oder verstieß oder gar alles zusammen. Waren nicht alle Menschen irgendwie unterschiedlich? Warum hatte diese individuelle Unterschiedlichkeit denn gerade dafür gesorgt, dass Elphaba sterben musste, nur weil der Fluch einer grünen Hautfarbe und ihr ungewöhnliches magisches Talent ihr Leben geformt hatten? Sie hatte doch stets nur für das Recht gekämpft, für ihr Recht, das ihr zustand. Sie hatte doch versucht Gutes zu tun. Hieß es nicht leben und leben lassen? Nein, nein auf dieser Schiene denkst du jetzt nicht weiter, schalt sich Glinda selbst. Die Welt ist nun einmal ungerecht, das weißt du genau! Sie hatte es sich zur Gewohnheit gemacht an diesem Feiertag ihre Gedanken weit weg von der wahren Elphaba und zu der Illusion der bösen Hexe des Westens zu leiten. Sie musste ihre Rolle immerhin überzeugend spielen und dürfte sich keine Blöße geben, sie dürfte dem Volk von Oz nicht zeigen wie viel sie mit der bösen Hexe des Westens wirklich verband, auch wenn sie oft daran dachte es einfach auf einer Pressekonferenz oder Ähnlichem preis zu geben. Dennoch, Elphaba hatte sie damals behelligt es nicht zu tun und sie hatte nicht vor ihr Versprechen zu brechen.
Sie hatte gerade die Hand erhoben um an die Tür des Kindergartens zu klopfen, als der Kutscher ihren Namen rief. Sie drehte sich um und sagte: „Ja, Joanni, was gibt es noch?“
„Ich wollte mich nur erkundigen, wann ich Sie wieder abholen und zurück zur Burg bringen soll. Sie wollen sich doch sicher noch umziehen“, erwiderte der Mann mit lauter, rauer Stimme und musterte ihre Gestalt von oben bis unten mit einem seltsamen Blick.
Glinda überlegte einen Moment und blickte an sich herunter. Joanni war stets ein Mann der auf Äußerlichkeiten wert legte, der den Reichtum eines Menschen anhand seiner Kleidung bestimmen konnte - es sich zumindest einbildete es zu können - und selbst nur teure Stoffe am Leibe trug und nur so viel wie wirklich nötig war, denn in seinem Geldbeutel befand sich keineswegs ein meisterhaftes Vermögen. Er war der Meinung, jede Frau die etwas auf sich hielt, musste Kleider mit Perlenbesatz tragen. Doch hatte sie, Glinda, die gute Hexe, diese Marotten, die auch sie einst gehabt hatte, nicht schon längst abgelegt? Natürlich, als politische Größe und Repräsentantin des Landes Oz musste sie zeigen, dass sie gepflegt war. Die Länder hinter den angrenzenden Wüsten waren wenig erforscht, doch Reisende fanden immer häufiger nach Oz und auch wichtigere Personen, andere Herrscher beispielsweise, fanden den Weg in die Smaragdstadt. Dennoch, ein sündhaft teures Kleid zeigte nicht den Reichtum eines Landes oder den Stand der Gesellschaft. Das Kleid, das eine Herrscherin am Leibe trug, musste ordentlich aussehen, elegant und aus feinem - nicht unbedingt teurem - Stoff sein. Und genau solch ein Kleid trug sie doch, es war schlicht, dennoch feminin und sah gut aus. In den vergangenen Jahren war ihre Einstellung ein wenig anders gewesen. Sie liebte es auch heute noch sich schön zu kleiden, auch mal mit teuren Stoffen, früher allerdings trug sie nur sündhaft teure Kleidung und sie hatte den Wert nicht wirklich anerkannt, wahrscheinlich war dies auch eine Facette des jugendlichen Anpassungsdranges gewesen. Doch jetzt, nach dem sie seit einigen Jahren an der Spitze der Gesellschaft stand, wo sie zweifelsohne schon immer hingewollt hatte, war ihr bewusst geworden wie verschwenderisch doch ihr Lebensstil einmal gewesen war. Sie brauchte das Geld nun an anderen Ecken und Kanten und sie rief der oberen Schicht immer wieder ins Gedächtnis, wie viel sie doch mit ihrem Geld zu verändern vermögen würden, wenn sie es nur richtig anlegen würden.
Sie wandte den Blick wieder nach oben und sah Joanni an, während ihre Mundwinkel sich fein nach oben zogen. „Ich danke Ihnen, aber Sie müssen mich nicht wieder abholen. Ich werde später von hier aus durch die Stadt und zum Festplatz gehen und mich in diesem Kleid dem Volk präsentieren. Wenn ich andere Pläne haben würde, hätte ich Sie davon bereits in Kenntnis gesetzt und Sie haben doch sicher nichts gegen einen freien Vormittag, nicht Mister Schuan?“, fragte sie süffisant. Sie wusste genau, dass Joanni das Geld, das er verdiente, während er sie herumfuhr, brauchte und da es Fahrtweise abgerechnet wurde, brachte sie ihn um seinen Lohn. „Wenn Sie mich jetzt bitte entschuldigen würden, ich bin verabredet“, setzte Glinda nach, drehte sich ohne weiteres wieder zum Eingang des Kindergartens und klopfte an die schwere Tür.
Wenig später saß sie mit einer Tasse Minzetee in dem großen Gemeinschaftsraum und beobachtete die Kinder. Sie liefen umher, bemalten sich die Gesichter mit dunkler grüner Farbe und streiften sich schwarze Hosen, Röcke und Oberteile über. Die Mädchen bekamen die langen Haare zu Zöpfen geflochten und die Jungen erhielten eine kleine silberne Anstecknadel, als Ordenszeichen der Hexenjäger. Einige der Knaben trugen auch grüne Offizierskleidung und marschierten probeweise quer durch das Zimmer.
Glinda nippte kurz an ihrem Tee, stellte die Tasse zurück auf den Tisch und schlug die Beine übereinander. Es war schön den Kindern zuzusehen und ihnen nahe zu sein, zumal sie selbst kinder- und ehelos war. Für die private Weiterentwicklung in Sachen Familie hatte ihre Zeit einfach nicht gereicht. Deshalb genoss sie es jedes Mal, wenn sie hier war und das war sie nicht nur an diesem besonderen Feiertag, sondern immer, wenn sie ein wenig Zeit übrig hatte.
*****
Elphaba hatte sich am Stadtrand ein kleines Zimmer gemietet. Es war billig gewesen und bot somit nur das Wichtigste: ein Bett, einen Schreibtisch, einen Schrank und ein Badezimmer. Die grüne Frau saß an dem Tisch und las noch einmal die paar Zeilen, die sie in der vergangenen Nacht, nachdem sie bei Glindas Burg gewesen war, geschrieben hatte. Sie hatte für diesen Brief Stunden gebraucht, denn sie hatte mehr als einmal neu anfangen müssen, da sie sich verschrieben, Tinte verschmiert oder die Buchstaben unsauber geformt hatte, auch der Ausdruck war manches Mal nicht angebracht gewesen. Doch jetzt lag die vollendete Version des Briefes vor ihr. Sie erhob sich von dem Schemel, auf dem sie so lange gesessen hatte und streckte alle Gliedmaßen durch. Dann beugte sie sich erneut über den Tisch, faltete den Brief sorgsam und versiegelte ihn mit ein wenig Wachs, bevor sie die rote Kerze löschte und noch einmal ihre Schreibfeder zur Hand nahm. Sie tunkte diese in das Fässchen mit Tinte und schrieb anschließend den Namen des Empfängers auf das Stück Papier: Glinda – Herrscherin von Oz.
Dann räumte sie ihre Schreibutensilien auf und steckte den Brief in ihre Rocktasche. Sie fuhr zusammen, als der Glockenklang einer nahe gelegenen Kirchenuhr die Mittagstunde ankündigte. Sie blickte zum Fenster hinaus, ohne wirklich darauf zu achten was sie sah und wandte sich dann schnell wieder ab. Sie sollte sich auf den Weg in die Innenstadt machen, immerhin sollte die Rede der glorreichen Glinda um ein Uhr auf dem zentralen Markt- und Festplatz beginnen und sie wollte kein einziges Wort ihrer Freundin verpassen. Sie fragte sich was Glinda wohl sagen würde, immerhin feierte man heute das Jubiläum des Todes der bösen Hexe des Westens, also mussten wohl einige Worte über die grüne Frau fallen. Elphaba wusste, dass es keine guten Worte werden würden, dazu hatte das Volk von Oz sie zu lange gejagt und letztendlich war sie getötet worden, der Legende nach zumindest. Niemand scherte sich um die wahre Natur einer Gejagten, wenn diese denn erst einmal tot war.
Sie nahm sich das schwarze Tuch vom Bettende und legte es um ihre Schultern. Ihr geliebter Fiyero hatte es ihr für die Reise geschenkt, ebenso das paar Handschuhe, welches sie anschließend über ihre Finger streifte. Ein jäher Gedanke nahm in ihr Gestalt an: was wäre, wenn sie sich einfach auf dem Marktplatz als lebende böse Hexe des Westens preisgeben würde? Würde die Hexenjagd von neuem beginnen, oder würde es anders kommen? Würde sie vielleicht doch noch als wundervoll gelten? Immerhin hatte sie überlebt und es würde so aussehen, als sei sie von den Toten auferstanden und dies geschah wahrlich nur mit den Heiligen.
TBC?
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