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Geschichte: Fanfiktion
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von Violinchen
erstellt: 27.05.2008
letztes Update: 05.11.2008
Geschichte, Mystery / P12
(abgebrochen)
Prolog
Das Mädchen zog sein Schultertuch enger um sich und beschleunigte seine Schritte. Es fröstelte und bemerkte besorgt, dass die Dämmerung langsam, aber unaufhaltsam hereinbrach. Die Sonne versank als rot glühender Ball hinter den Baumwipfeln, die sich als schwarze Silhouette gegen den rötlichen Himmel abhoben. Der Wind fuhr ihr unter ihre Röcke und die flatternden Röcke erschwerten ihren schnellen Gang. Er zerrte an ihrer Haube und wehte ihr ein paar widerspenstige Strähnen, die sich unter der züchtigen Haube hervorgestohlen hatten.
Inzwischen hatte sich der Himmel bereits merklich verdunkelt und nur noch vereinzelte Sonnenstrahlen hinter den Wäldern brachten die paar Wolken am Firmament zum Leuchten. Die rot leuchtenden Wolkenbahnen waren die einzigen Lichtpunkte in dieser grauen düsteren Landschaft. Außer ihr war keine Menschenseele um diese Zeit mehr hier draußen. Außer ihr hatten sich alle schon in ihren Häusern verbarrikadiert, saßen um das warme Herdfeuer und beteten, dass am nächsten Morgen kein weiteres Opfer der Bestie draußen vor dem Dorf lag. Sie brach in Schweiß aus und ihr Herz begann unweigerlich heftiger zu schlagen, als ihr die Vorkommnisse der letzten Monate in den Sinn kamen. Sie raffte die Röcke und begann zu laufen. Aus den Wäldern erscholl das Heulen der Wölfe. Erst vereinzelt, dann die vereinte Antwort des Rudels. Ihr Herz klopfte zum Zerspringen und sie fühlte, wie Bäche von Angstschweiß zwischen ihren Brüsten hinabliefen. Das Dorf war noch so weit. Sie warf einen hastigen Blick über die Schulter und musterte panisch den Waldrand. Zeigten sich da schon unheilvolle Schatten? War ihr das Rudel schon auf den Fersen? Würde sie heute Nacht hier draußen sterben? Sie begann inbrünstig zu beten. Plötzlich vernahm sie das Knacken von Zweigen unter schweren krallenbewehrten Tatzen, dazu unheilvolles tiefes Knurren. Wie gelähmt blieb sie stehen und wandte sich langsam um, als ob sie dadurch ihren Tod hinauszögern könnte. Was sie da erblickte, verschlug ihr den Atem und aus ihrer Kehle brach ein unmenschlicher verzweifelter Schrei hervor. Die Bestie war riesig, mit zotteligem Fell, blitzenden Reißzähnen und hochgezogenen Lefzen, von denen der Geifer troff. Ihr Herz setzte aus, als das Vieh zum Angriff ansetzte und sich mit einem brüllenden Knurren auf sie stürzte.
Jeanne Boulet war vierzehn Jahre alt, als sie an diesem Novemberabend draußen vor dem Dorf von der Bestie von Gévaudan zerrissen wurde.
Am nächsten Morgen machte sich Cathérine Chalet, die Tochter des Scharfrichters, kurz nach Sonnenaufgang auf ihren Weg, um Kräuter zu sammeln. Die Kräuter würde sie in der rußigen Küche zum Trocknen aufhängen und den Winter über daraus ihre Heilsalben, Tinkturen und Tränke herstellen. Cathérine fröstelte und wickelte sich ihr Tuch enger um den Leib. Der Frost würde nicht mehr lange auf sich warten lassen. Aus den Wiesen stiegen Nebelschwaden empor und wiegten sich sachte in der kühlen Morgenluft. Die Tochter des Henkers sog gierig die kalte Luft ein und schloss genießerisch die Augen. Sie liebte diese Stunden, in denen sie alleine durch die Natur wanderte. Im Dorf gehörte sie zu den Geächteten und wurde mehr geduldet, als geachtet. Keiner wechselte ein Wort mehr als nötig mit ihr und jeder war peinlich darauf bedacht, sie niemals zu berühren. Die Kate ihres Vaters stand am Rande des Dorfes und dorthin verirrte sich selten einer der Dorfbewohner. Besuch kam nur nach Einbruch der Dunkelheit, verstohlen wie Diebe schlichen die Dörfler dann vereinzelt zur Kate des Henkers und klopften zaghaft an die Tür. Hastig traten sie nach einem letzten prüfenden Blick über die Schulter ein, wenn geöffnet wurde und brachten gemurmelt ihr Anliegen vor. Meist ging es um heilkräftige Salben, Tinkturen, vielfach fragten sie aber auch nach magischen Amuletten und Tränken und dergleichen. Dafür war die Henkerstochter wieder gut genug, dachte Cathérine desöfteren grimmig. Sie wusste längst, dass über sie als Hexe gemunkelt wurde. Sie tat das Geschwätz mit einem nachlässigen Schulterzucken ab. Sie glaubte nicht an Magie, aber sie war nicht abgeneigt, sich durch den Aberglauben der Menschen so manchen Groschen dazu zu verdienen.
Sie steuerte auf den Waldrand zu, als sie plötzlich vor sich ein Bündel auf dem Weg liegen sah. Sie verlangsamte ihre Schritte und trat vorsichtig näher. Das Mädchen lag verkrümmt da, die Hände zu Krallen verkrampft und die Augen im Todeskampf weit aufgerissen. Betroffen sank Cathérine in die Knie. Stumm strich sie dem Mädchen über das seidige Haar, das unter der verrutschten Haube zum Vorschein kam. Sie kannte das Mädchen, Jeanne Boulet. Sie war ein fröhliches und aufgewecktes Mädchen gewesen. Und jetzt lag sie tot hier draußen, wie alle anderen vor ihr, die der Bestie zum Opfer gefallen waren. Rasch stand sie auf und lief zum Dorf zurück, wo sie Alarm schlug.
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