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Geschichte: Fanfiktion
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von Zwiebelfisch
erstellt: 18.05.2008
letztes Update: 18.05.2008
Geschichte, Drama / P6
(fertiggestellt)
Ich bin nach langer Schreibpause (Abitur und so was) wieder zurück. Die Geschichte hab ich schon Ende März geschrieben und sie sollte eigentlich für „Tribut an Blaise Zabini“ veröffentlicht werden, aber da sich die Autorin leider lange nicht mehr gemeldet hat und ich das kleine Stück irgendwie ganz gut finde, dacht ich mir, ich veröffentliche sie halt selbst. Wurde ja auch langsam mal wieder Zeit... Meine Egosau ist nur noch ein kleines Egoferkelchen und müsste dringend wieder mit Reviews gefüttert werden...
Gebetat hat diesmal mein sehr gründlicher Freund, es dürften also im Prinzip keine Fehler mehr drinnen sein (hoffe ich!)
So, nun viel Spaß beim Lesen und schreibt mir Eure Meinung bitte!
„Dystopie die, Literatur: v. a. in der englischsprachigen Literaturwissenschaft gebräuchliche Bezeichnung für die literarische Gestaltung einer nicht funktionierenden bzw. scheiternden Utopie (auch Antiutopie), besonders in Form von Endzeitvisionen.“
(Nur nochmal ne kleine Begriffserklärung aus Meyers Onlinelexikon!)
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Tropf, tropf, tropf... kaltes, dreckiges Wasser tropfte aus dem Riss in der Decke in die mittlerweile schon etwas größere Pfütze neben seiner alten, fleckigen Matratze. Eine Ratte huschte vorbei und ein erneuter Tropfen lies die Oberfläche der Pfütze sich unruhig kräuseln. Es regnete seit Stunden und das gleichmäßige Rauschen, das ihn normalerweise in einen Zustand der Ruhe versetzte, hielt ihn wach.
Neben ihm drehte sich sein ständiger Begleiter unruhig hin und her. Die heutige Nacht war vergleichsweise ruhig. Wenn er daran dachte, was sie bis jetzt bereits durchmachen mussten. Mittlerweile hatte er sich fast damit abgefunden. Eine Zukunft hatten sie nicht mehr, die Gegenwart war eine einzige Katastrophe und die Vergangenheit kann man nicht mehr ändern. Man muss sich mit seiner Situation arrangieren, versuchen mit sich selbst und den Umständen klarzukommen.
Er konnte das. Zumindest die meiste Zeit. Es war nicht so, dass er Draco nicht vermissen würde. Dass er seine Familie, sein früheres Leben, seine Zukunft nicht vermissen würde. Aber er hatte es besser verkraftet als Harry. Der war durchgedreht. Manchmal hatte er seine guten Tage, da war er fast wieder normal. Aber die meiste Zeit war er mehr als nur ein wenig neben der Spur. Fast schon besessen von dem Gedanken, die anderen wieder zu finden. Blaise wusste, dass sie spurlos verschwunden waren. Gefangen genommen, getötet, untergetaucht - wer wusste das schon?
Wie oft hatte er versucht, Harry von dieser sinnlosen Suche abzubringen? Das ewige Umherstreunen, das Untertauchen, das alles zerrte an seinen Nerven. Die Welt, wie sie sie kannten gab es nicht mehr. Matrix war ein Scheissdreck gegen die Welt, in der sie lebten. Hier hatte man keine schönen Illusionen, die einem vorgaukelten, dass alles in Ordnung ist. Hier ist nichts mehr in Ordnung. Hier wird nie wieder etwas in Ordnung sein.
Wie alles angefangen hatte? Nun, das ist eine gute Frage. Der Dunkle Lord war zurück - und niemanden hatte es eigentlich so richtig beängstigt. Er hat die Menschen angezogen, wie eine Lampe die Motten. Sie sind blindlings in ihn rein geflogen und verbrannt. Aber das interessierte ja niemanden. Er sah gut aus, er war charmant, er hat alles revolutioniert. Und dann hatte er eine Autokratie geschaffen, die ihresgleichen suchte.
Es war vor genau 3 Jahren, 7 Monaten und 24 Tagen gewesen, als er sich zum ersten Mal wieder in der Öffentlichkeit gezeigt hatte. Ein grauer Anzug, wie ihn die Muggel tragen, ein stilvoller Umhang, ein gepflegtes Äußeres. Kein Vergleich zu dem Monster, das Harry im vierten Schuljahr wieder auferstehen gesehen hat. Ein Treffen mit dem Zaubereiminister, diverse Treffen mit allen ranghohen Tieren und wichtigen Familien der Zaubererwelt und alle waren begeistert. Man verzieh ihm. Die Angst war weg, die Faszination war geblieben.
Natürlich gab es warnende Stimmen, die gesagt haben, dass er sich nicht geändert hat, dass er etwas Böses im Schilde führt, dass man nicht auf ihn hören sollte. Doch die Stimmen verstummten. Entweder freiwillig oder man sorgte dafür. Dumbledore verschwand spurlos, Snape lebte zurückgezogen in einem kleinen Häuschen irgendwo in Cornwall, McGonagall war nun Professorin für Verwandlung in Beaubaxton.
Voldemort, beziehungsweise Tom Riddle, wie er sich jetzt wieder nannte, wurde zum Berater des Zaubereiministers. Wenig später starb Rufus Scrimgeour angeblich bei einem Kampf gegen Rebellen in den Bergen von Schottland. Sie waren dabei gewesen. Sie hatten den grünen Strahl gesehen, der Scrimgeour von hinten getroffen hatte. Es war nicht Harry gewesen, der für ihn verantwortlich war.
Nach diesem Vorfall begann die Harry-Potter-Hetzjagd. Durch geschickte Propaganda und gefälschte Augenzeugenberichte war es dem Dunklen Lord möglich gewesen, Harry Potter, der angeblich auf der Seite der Rebellen gekämpft hatte, für den heimtückischen Anschlag auf das Leben des Ministers verantwortlich zu machen.
Wenn man es von einer neutralen, unbeteiligten Seite aus betrachtet, muss man Voldemort einen gewissen Respekt zollen. Er hatte es mit einem Schlag geschafft, sich den Weg nach oben freizuräumen und seinen ärgsten Widersacher zu diskreditieren. Auf einmal hassten alle den ehemaligen Retter der Zauberwelt, der angeblich den Minister hinterrücks getötet hatte. Einen Monat später hatte man Voldemort zum Minister ernannt und auf Harry wurde ein Kopfgeld erhoben, das mit jedem Monat, in dem man ihn nicht gefasst hatte, weiter stieg.
Seitdem waren sie auf der Flucht. Seit 3 Jahren, einem Monat und 5 Tagen. Man gewöhnt sich wirklich an fast alles. Daran, dass man seine Familie nicht mehr sieht. Dass man keine Nacht ruhig schlafen kann. Dass eine heiße Dusche zu einer Besonderheit und genug zu Essen zur Seltenheit wird. Aber woran man sich nicht gewöhnt, ist die Tatsache, dass einer nach dem anderen verschwunden ist.
Viele Schüler aus ihrer Abschlussklasse hatten sich ihnen angeschlossen. Allen voran natürlich Hermine und Ron. Er hatte sich Harry angeschlossen und mit ihm auch Draco. Neville Longbottom, die Weasley-Brüder, ihre kleine Schwester. Seamus Finnigan und Dean Thomas. Und noch einige andere. Bei manchen war es klar gewesen, dass sie zu Harry halten würden. Bei manchen jedoch nicht. Bei Draco und ihm zum Beispiel. Es war nicht so, dass er Potter gehasst hatte. Er war ihm nur einfach völlig egal. Seine Eltern waren nett zu ihm, er führte ein Leben im Reichtum, er hatte eine glänzende Karriere im Ministerium vor sich.
Warum zur Hölle war er dann hier gelandet? In einem alten, verfallenen Haus auf einer fleckigen Matratze neben einer Pfütze und einer Ratte, die irgendetwas verspeiste, etwas, das er sich lieber nicht genau ansehen wollte? Wegen Draco natürlich. Warum auch sonst?
Dracos Eltern waren nie so liberal wie seine gewesen. Sein Leben stand in allen Details fest, mit der Sekunde in der er geboren war. seine Schule, sein Umfeld, seine Frau, seine Karriere. Die kühle Arroganz, zu der er erzogen war, begann erst später, viel später, in der fünften Klasse zu bröckeln. Das hatte nicht einmal unbedingt etwas mit Potter zu tun, so wie viele es vermutet hatten.
Er hatte sich verändert, war ruhiger geworden, nicht mehr so arrogant. Selbst mit ihm hatte er kaum noch gesprochen und sich immer in der Bibliothek verkrochen. Nach einem halben Jahr war er plötzlich wieder der Alte. Nunja, nicht ganz, aber fast. War Draco früher der festen Überzeugung, dass Voldemort die Lösung aller Probleme darstellt, war er mittlerweile der genauso festen Überzeugung, dass nur Harry und seine Freunde sie alle retten konnten.
Manchmal kam er nicht so recht mit, was Draco nun glaubte, wovon er überzeugt war oder nicht. Bis jetzt hatten sich seine Eltern raus gehalten und ihn auch nicht dazu gezwungen irgendeine Partei zu ergreifen. Aber ab dann ging alles eigentlich ziemlich schnell. Als Voldemort wieder auftauchte, hatte er sich Harry angeschlossen. Draco war dagegen gewesen. Er wollte ihn unterstützen, nicht aber sich öffentlich zu ihm bekennen. Es erschien ihm zu gefährlich, er hatte Angst um ihn und um sein eigenes Leben.
Und wie immer hatte er Recht gehabt. Einer nach dem anderen war verschwunden. Zuerst traf es Rons kleine Schwester. Ginny. Nettes Mädchen, er hatte sich auf ihrer Flucht ein paar Mal mit ihr unterhalten. Dann war sie verschwunden. Erst war sie hinter ihm, dann war sie weg. Kein Kampf, kein Geschrei, keine Spur mehr von ihr. Einfach weg. Ron war außer sich vor Wut und Verzweiflung. Er war sogar ihm an die Kehle gesprungen, hatte ihn beschuldigt, sie an die Todesser, die sich nun natürlich als wohltätige Anhänger tarnten, verraten zu haben. Er hatte nichts geantwortet, konnte nichts antworten.
Sie waren die nächsten zwei Tage immer unterwegs, kaum Rast, nicht geschlafen. Am Abend des zweiten Tages drehte Ron durch. Seit Ginny verschwunden war, hatte er kaum ein Wort gesagt und nun saß er am Feuer und schaukelte leicht hin und her. Zuerst war es niemandem aufgefallen, alle waren zu sehr mit ihrem eigenen Kummer beschäftigt, doch mit einem Mal fing er an zu summen. Erst ganz leise, dann immer durchdringender. Es war schrecklich. Ron, der normalerweise, groß, schlaksig und immer recht gut drauf war, sah im Feuerschein zusammengeschrumpft und eingefallen aus. Hermine versuchte ihn zu beruhigend, doch es half nichts. Plötzlich sprang er auf und ging immer im Kreis um das Feuer. Dann begann er zu reden. Niemand verstand ihn, wenig später wurde er lauter. Es schien, als führe er ein Gespräch mit Harry.
Es war schrecklich. Mit ruhiger Stimme rechnete Ron mit Harry ab. Die ganzen Jahre in denen er fast erschlagen, erstickt, ertrunken, gefoltert und getötet wurde, all das brach hervor. Und dann war er weg. Immer weiter, durch den Schnee in den Wald hinein. Jeder hatte versucht ihn aufzuhalten, Draco schickte ihm einen Stupor hinterher, wofür er von Harry fast getötet wurde, aber nichtmal das hat geholfen. Er prallte einfach an Ron ab, und dieser steuerte immer weiter in den Wald hinein. Wenige Minuten später konnte man nichts mehr erkennen, nichtmal eine kleine Spur feuerrotes Haar.
Niemand wusste, was seitdem mit Ron passiert war, ob er von den Todessern geschnappt wurde, verhungert oder erfroren war oder ob er es irgendwie geschafft hatte zu überleben, was alle insgeheim hofften, jedoch wussten, dass die Chancen hierfür minimal waren. Die Sache mit Ginny jedoch war weitaus schlimmer. Sie wussten, was mit Ginny passiert war. Von Zeit zu Zeit schaffte es einer von ihnen, irgendwo einen Tagespropheten zu organisieren und als sie es drei Monate nach ihrem Verschwinden wieder einmal geschafft hatten, stand es ganz groß auf der ersten Seite:
„Rebellin aufgetaucht!
Die 17jährige Ginny Weasley, Sprössling einer der ältesten, reinblütigen Zaubererfamilien Englands wurde gestern 7 Monate nach dem kaltblütigen Anschlag von einer Gruppe Rebellen um Harry Potter auf den damaligen Zaubereiminister Rufus Scrimgeour gefasst. Die junge Hexe zeigte sich erstaunlich kooperativ und konnte Lord Voldemort und seinen Beratern einige nützliche Informationen über den Aufenthalt der Gruppe geben. Wie es gelungen war, die Hexe zu fassen, warum sie sich entschieden hat, sich wieder der richtigen Seite anzuschließen und wie es nun weiter geht erfahren sie auf Seite 3.“
Daneben war ein Foto von ihr, völlig heruntergekommen, Dreck im Gesicht, zottelige Haare. Es brach einem das Herz. Als sie weiter zogen waren sie noch schweigsamer, noch geknickter als vorher. Und bald traf es den nächsten. Manchmal wunderte er sich, wieso grade er aus allen Abenteuern und brenzligen Situationen heil herausgekommen war. er war kein überragender Zauberer wie Harry, nicht so schlau wie Hermine, nicht so schnell wie Draco, nicht so einfallsreich wie die Weasley-Brüder. Er war einfach Blaise, etwas langsamer, etwas weniger klug, etwas weniger geschickt als andere. Nicht schlecht. Aber auch nicht überragend gut.
Und trotzdem blieb er übrig, zusammen mit Harry. Immer auf der Flucht, immer kurz vorm Sterben. Mittlerweile hatte er keine Angst mehr. Er war ruhig, gefasst, manchmal wünschte er sich sogar, dass alles endlich vorbei war. Er suchte nicht mehr nach den anderen. Irgendwie wusste er auch, dass Draco nicht mehr lebte. Es gab keine besondere, magische Verbindung zwischen ihnen. Kein Stein, keine Kette, kein Amulett. Nur eine einfache, freundschaftliche Verbindung. So wie Harry wohl insgeheim spürte, dass Hermine tot war, wusste er, dass Draco niemals zurückkommen würde.
Die Sache mit Hermine traf ihn besonders hart. Vielleicht weil er maßgeblich an ihrer Rettung beteiligt war. Und weil sie sie dann doch geholt hatten. Sie wurden im Frühling von einer Schar Todesser überrascht, es kam zum Kampf, Neville fiel, viele wurden schwer verletzt und Hermine nahmen sie mit. Es gelang ihnen, ihren Standort auszumachen und tatsächlich hatten sie es auch irgendwie geschafft, sie zu retten. Nachdem sie alle, völlig traumatisiert und am Ende ihrer Kräfte, geflohen waren, war sie am Ende doch verschwunden. An der Wand ihres Zeltes stand eine Nachricht, große, rote Buchstaben, geschrieben mit einer Flüssigkeit, die man als Blut hätte identifizieren können, wenn man gewollt hätte. Man wollte nicht.
„Und ihr entkommt uns ja doch nicht...“
Simpel. Einprägsam. Vielleicht ein wenig pathetisch. Zweifellos nicht ohne Stil. Grausam.
An diesem Punkt begann bei Harry der Wahnsinn. Langsam, schleichend, aber mit der Zeit deutlich bemerkbar. Er wurde immer unruhiger, unkontrollierter, manchmal konnte man ihn beobachten, wie er eine bestimmte Stelle fixierte und stundenlang nur vor sich hinstarrte. Seine besten Freunde verschwunden, seine ehemalige Freundin in Gefangenschaft des Dunklen Lords. Er verstand, warum er durchgedreht war. An seiner Stelle wäre er auch durchgedreht.
Der große Harry Potter war besiegt. Nicht offiziell. Man suchte, jagte immer noch nach ihm. Aber Blaise wusste, dass er nicht mehr kämpfte. Auf der endlosen, sinnlosen Suche nach seinen Freunden hatte er den Verstand verloren. Und Blaise war nur noch hier um auf ihn aufzupassen. Die Rebellen glaubten an Harry. Niemand wusste, wo er steckte und vor allem wusste auch niemand, in welchem Geisteszustand er sich befand. Trotzdem gab er ihnen Hoffnung. Solange diese Hoffnung noch existierte, gab es Widerstand. Nicht alle hatten aufgegeben und sich untergeordnet.
Wenn sie Harry schnappen liese, würde die Hoffnung sterben. Und Blaise wusste, wie es war, wenn alle Hoffnung von einem gewichen war. Wahrscheinlich war das der Grund, warum er ihn nicht einfach seinem Schicksal überlies und versuchte, alleine durchzukommen. Vielleicht könnte er seine Eltern finden, angeblich waren sie auch nach Frankreich geflüchtet, wie McGonagall. Er könnte eine Ausbildung machen und sich neue Freunde suchen.
Jedoch blieb er bei Harry, schlief in abbruchreifen Häusern, lebte das gehetzte Leben eines Flüchtlings. Weil er nicht den Leuten da draußen die Hoffnung nehmen wollte.
Sie gingen nicht mehr in irgendwelche Wälder. Man könnte meinen, sie würden einem doch mehr Schutz bieten, als Häuser am Stadtrand oder freie Felder. Aber seit Draco verschwunden war, hatten sie nie wieder auch nur einen Fuß in einen Wald gesetzt. Er und Draco sollten Feuerholz sammeln. Bewaffnet mit ihren Zauberstäben gingen sie in ein kleines Wäldchen irgendwo in Schottland. Sie hatte ausgemacht möglichst in der Nähe des anderen zu bleiben. Sie unterhielten sich nicht. Unterhaltungen waren selten geworden. Meisten sprach man nur das Nötigste.
Das Wetter war relativ trocken, schon nach kurzer Zeit hatte er die Arme voll geeigneter Stöcke. Er drehte sich um, um nach Draco zu sehen. Nichts. Bäume. Wurzeln. Ab und an ein Strauch. Über ihm blauer Himmel, ein paar kleine Schäfchenwölkchen. Es zwitscherten keine Vögel, kein Tier war zu sehen. Diese Wirkung hatten die Todesser meistens auf ihre Umgebung. Alles, was Beine oder Flügel hatte, floh. Er bekam eine Gänsehaut und schweiß rannte ihm den Rücken runter, verklebte sein T-Shirt. Er zückte seinen Zauberstab und rief mit zittriger Stimme nach Draco. Er antwortete nicht. Niemand antwortete.
Langsam ging er zurück zum Lager. Als die anderen sein Gesicht sahen und die Tatsache bemerkten, dass er alleine zurückkam, brachen sie wortlos das Lager ab und suchten sich eine andere Stelle. Die nächste Woche sprach er kaum. Nachts träumte er, dass die Todesser auch ihn geholt haben. Er war teilweise regelrecht enttäuscht, wenn er aufwachte und merkte, dass er immer noch in seinem kalten, klammen Schlafsack lag.
Das war die bevorzugte Masche der Todesser: leise, still und heimlich holten sie ihre Opfer, hinterliesen keine Spuren und machten einem damit solche panische Angst, dass man kurz vor dem Verrücktwerden stand. Anfangs vermisste er Draco so sehr, dass er es fast körperlich spüren konnte. Wenn er glaubte, dass er allein war, sprach er sogar mit ihm. Fünf Monate nach seinem Verschwinden wusste er, dass er niemals zurückkommen würde.
Neben ihm stöhnte Harry und drehte sich auf die andere Seite. Draußen dämmerte es bereits. Wenn Harry aufwachte, würden sie losziehen und versuchen, etwas zu essen zu bekommen. Blaise Zabini und Harry Potter. Der eine passte auf den anderen auf. Alleine, verzweifelt, hoffnungslos. Unterwegs in eine nicht vorhandene Zukunft.
„Schau mal Blaise, da drüben sind Ron und Hermine.“
Auf solche Aussagen seitens Harry reagierte er bereits gar nicht mehr. Die ersten paar Male war er freudig hochgefahren, hatte sich umgesehen und gehofft, die schlaue Hexe und den schlaksigen Rothaarigen wieder zu sehen. Inzwischen wusste er, dass das alles Teil einer Welt war, in die sich Harry zurückgezogen hatte und zu der er keinen Zutritt hatte.
„Komm Harry, wir müssen los, bald geht die Sonne auf und wir brauchen noch was zu essen.“
„Keine Sorge Blaise, ich bin mir sicher, Draco wird schon was organisieren. Darin ist er gut, weißt du? Er kann alle möglichen Sachen organisieren. Und Hermine kennt viele Schutzzauber. Die beiden sind ein tolles Team, nicht wahr?“
„Ich weiß Harry, ich weiß.“
Diese Art von Gesprächen war normal. Ihm traten keine Tränen mehr in die Augen, wenn er sie führte. Er antwortete und Harry war glücklich. Hatte er seine klaren Phasen, redeten sie kaum. Aber immer wenn er wieder abdriftete, sich in seine Welt verkrochen, redeten sie über früher. Beziehungsweise Harry redete und er hörte zu und versuchte zu antworten, ohne wahnsinnig zu werden.
Schweigend sammelten sie ihre wenigen Habseligkeiten zusammen. Die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne schienen durch ein zerbrochenes Fenster und malten seltsame Schatten an die Wand, als Blaise ohne sich umzudrehen durch die zerborstene Tür auf die Straße trat. Harry folgte ihm und gemeinsam gingen sie die noch verlassene Straße hinunter, vorbei an den großen Plakaten, mit denen fast alle Wände mittlerweile bepflastert waren.
„Lord Voldemort: für eine sichere und saubere Zukunft!“
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Hoffe, es hat euch Spaß gemacht, wir lesen uns bestimmt bald wieder!
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