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von Calynka    erstellt: 09.05.2008    letztes Update: 09.05.2008    Geschichte, Allgemein / P6    (fertiggestellt)
Tchibo – Jede Woche kostets Geld.

Der Wecker trällert munter seine Musik. Es ist zu früh. Ein Knopfdruck, umdrehen, das Kissen über den Kopf. Doch dieser Wecker lässt sich nicht so einfach hintergehen. Kurze Zeit später geht das Gepiepe los. Natürlich, denn in diesem einen Wecker stecken gleich zwei Krachmacher. Das Tchibo-Kuschel-Kissen fliegt in die Ecke, die TCM-Lärmmaschine wird ausgestellt und wiederwillig findet auch die Lampe von eben derselben Firma ihren Sinn. Aufstehen ist angesagt.

Flux geht’s hinab in die Küche. Noch geschwind die Kaffeemaschine angeworfen – Senseo, denn die Tchibo-Kaffee-Kapseln waren mir dann doch zu doof, Toast reinhauen und ins Bad.

Dort geht das Geträller von vorhin weiter. Duschradio, eine tolle Erfindung und natürlich passend zum Badezimmereimer und der blauen Klobürste. Nicht zu vergessen den Wandhacken, an denen farblich abgestimmte Handtücher einer gewissen Firma hängen. Sie finden Verwendung. Nur die Saugnäpfe der Aufhänger verabschieden sich mal wieder. Ich werfe sie zu den Saugzahnbürstenhaltern, die schon seit längerem ihren Platz im Schrank gefunden haben. Der Spiegel steht mittlerweile auch, anstatt an der Wand zu hängen. Nun gut, man kann nicht alles haben.

Rein in die frischen Klamotten. Die neuen Tchibo-Hotpants müssen heute ran. Die Socken, die damals so bequem aussahen, dass gleich ein ganzes Dutzend seinen Weg in den Schrank gefunden hat, dürfen dann natürlich auch nicht fehlen. Bequem sind sie übrigens wirklich. T-Shirt der gleichen Marke? Nein, das wäre nun doch zu viel. Ein anderes muss her, dazu eine normale Jeans. Aber der Kapuzen-Pulli auf dem TCM prangt muss dann doch noch angezogen werden. Die Frage ist nur welcher. Der weiße, der braune oder der schwarze?

Ich entscheide mich für den schwarzen. Die Dinger sind einfach so bequem. Den roten damals hatte ich dann aber doch nicht gekauft. Wir wollen es ja nicht übertreiben.
Fertig. Wieder in die Küche. Der Toast ist mittlerweile längst fertig, die Kaffeemaschine bereit. Zumindest hier noch keine Spur von Tchibo. Noch nicht. Denn schon kommt das blau-weiße Frühstücksbrettchen zum Einsatz. Gut zumindest nur ein Teil hier. Schnell Frühstücken, einen Blick auf die Tchibo-Digital-Wanduhr… Mist, schon wieder so ein Ding und spät dran bin ich nun auch.
Noch schnell die neueste weiße Jacke an – die gab es vor 4 Wochen, ratet mal wo -  und ab zur Arbeit.

Wie sollte es anders sein, arbeite ich im Einzelhandel und dort gibt es… richtig: Ein Tchibo-Regal. Selbstverständlich immer direkt in Richtung des Lagers, in das ich täglich mindestens 20 Mal muss. Man könnte das Regal auch umgehen. Einen großen Bogen um die Tiefkühltruhen machen und im Vorbeigehen die Metzgerei grüßen. Doch das ist mir zu umständlich. Lieber laufe ich dann so an dem Regal vorbei und gucke jedes Mal im Vorbeilaufen was es denn neues gibt. Heute gibt es auch noch neue Ware. Na toll. Die letzten Wochen hatte ich Glück. Gartenartikel, Kindersachen und Klamotten ab Größe 40. Nichts für mich. Mein Geldbeutel hat es mir gedankt.

Man muss ja nun auch nicht jeden Mist kaufen. Manchmal bin ich so geschockt über die neue Ware, dass ich doch tatsächlich stehen bleibe und zweimal hingucke. Ein Musikspielender Tortenheber?  Salzmühle mit Licht? Funktionsstrümpfe mit Aloe Vera? Eine PC-Maus in Form eines Autos?

Ja, da gucke selbst ich blöd und ich kenne das nun seit rund 6 Jahren. Sowas kommt mir eindeutig nicht ins Haus. Und jedes Mal schüttele ich den Kopf und frage mich, wer so einen Mist nur kauft. Von den kitschigen Weihnachts- und Osterartikeln will ich hier auch gar nicht anfangen. Das ist zum Glück schon wieder rum.

Diese Woche gibt es mal wieder reduzierte Artikel. Das sind alles Rückläufer, die damals nicht verkauft wurden. Und so trifft man ständig wieder auf neue Bekannte. Diese Muschelleuchten bei denen ich mich schon vor Monaten gefragt habe, welchen Sinn die machen sind auch wieder mit dabei. Ich ignoriere es für heute einfach und arbeite weiter. Tatsächlich schaffe ich es auch nach Feierabend nicht nochmal daran vorbei zu gehen. Wer weiß, was sich vermeintlich Brauchbares doch noch dazwischen verbirgt. Werde ich ja morgen sehen, denn auch da werde ich wieder Richtung Lager müssen.

Zu Hause geht’s nach einem Mittagessen, abgesehen von der Pfanne, Tchibo-frei. Weiter an den PC. Auch hier TCM, jedoch wirklich nur die Boxen. Die Maus steht noch immer Originalverpackt am Boden. Die bringe ich wohl doch zurück. Brauch ich doch nicht. Der USB-Verteiler funktionierte auch nicht wie er sollte, also blieben die Boxen einsam. Noch nicht mal ein Mauspad habe ich mir hier geleistet. Stattdessen sitze ich auf meiner Couch, mit einem Tchibo-Kissen im Rücken. Mittlerweile aber mit schwarzem und rotem Bezug, so sieht man es denen nicht mehr an.

Ja, irgendwie erschreckt es mich schon, wie sehr man sich doch auf einen Hersteller fixieren kann. Selbst wenn ich noch so gerne über das Tchibo-blau und Tchibo-rosa lästere, so landet doch zumindest immer irgend etwas anders mit nicht ganz so penetranter Farbgebung im Einkaufskorb. Ob man es nun braucht oder nicht, merkt man dabei dann doch meist erst zu Hause. Wobei ich nun einfach mal behaupte, dass ich 50 Prozent der Tchibo-Sachen nie gekauft hätte, wäre es mir nicht in dem schicken kleinen Regal, oder im Schaufenster entgegengesprungen. Brauchen tue ich sie dennoch und irgendwie  ist es halt doch jede Woche eine neue Überraschung, was Tchibo sich da wieder für tolle und manchmal auch etwas kitschig schwachsinnige Dinge hat einfallen lassen.

Doch selbst mit dieser Gewissheit… man tut es doch immer wieder. Kaum sieht man etwas neues Tolles, so sind die unnützen Handtuchhalter, die nicht halten vergessen, ebenso wie die Wetteruhr, die zwar Temperatur und Luftdruck anzeigt, seit Wochen aber nur noch Regen bringt.

Kaum ist wieder Dienstag, mancherorts auch Montags oder Mittwochs, und die neues Tchibo-Welt ist da, stehen wir Tchibonisten auch schon wieder davor und gucken uns die Augen wund.
Glücklich seien die, die völlig unbeeindruckt an dem Regal vorbeischlendern – ihr wisst ja gar nicht, was ihr verpasst!

Jede Woche eine neue Welt.
Jede Woche die Gefahr neues unnützes Zeug zu kaufen.
Jede Woche freuen wir uns dennoch.

Und eines ist sicher: Alles was wir nicht kaufen, wird irgendwann wieder in den Regalen hängen und darum betteln gekauft zu werden, solange bis der Tag kommt. Irgendwann wird auch der musikalische Tortenheber zurückkehren, da bin ich mir sicher.

Mit dieser Erkenntnis wird auch heute wieder ein Tchibo-reicher Tag zuende gehen. Heute nichts gekauft, sich dafür mal 5 Minuten Gedanken darüber gemacht. Etwas daraus gelernt? Klar, bis zur nächten Woche, denn wer weiß schon was da kommt? Gut, das Vorschauheftchen, aber was ist mit übernächster Woche? Oder die danach?
In diesem Sinne, schnappe ich mir nun meine Allround-Fernbedienung mit den bekannten drei Buchstaben und freue mich auf einen möglichst Tchibo-freien Abend vor dem TV. So lange, bis mir deren Werbung entgegen lacht.

Tchibo - Jeden Tag aufs neue.

Nur gut, dass ich damit nicht alleine bin.
 
 
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