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von LadyAurora
erstellt: 06.04.2008
letztes Update: 09.04.2009
Geschichte, Romanze, Familie / P18
(fertiggestellt)
„Liebe ist Scheiße.“
Selene:
Seit einer geschlagenen Stunde stand ich schon in der Wartehalle des Flughafens.
Wo bleibt er?, fragte ich mich.
Nervös sah ich auf meine Uhr, kurz nach sechs. Sein Flug war um fünf gelandet. Warum zum Teufel dauerte das so lange? Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich auch eine Stunde länger im Bett bleiben können. Wahrscheinlich hatte er wieder Unmengen an Koffern mitgenommen. Ich hatte noch nie einen Mann kennen gelernt der solche Mengen an Gepäck mitnahm.
Da sah ich ihn, er hatte, oh Wunder, oh Mirakel, nur einen Koffer und einen Rucksack dabei. Sein Kap hatte er tief ins Gesicht gezogen, hier in Italien würde er sofort erkannt werden.
„Hey.“, begrüßte er mich, wie immer mit einem Kuss auf die Wange.
„Du siehst scheiße aus.“, stellte ich lapidar fest und ging in Richtung Ausgang.
„Ja, danke, sehr aufmunternd.“, Kimis Stimme triefte nur so vor Sarkasmus und ich musste schmunzeln.
Ich öffnete den Kofferraum meines neuen Fiat Bravo und Kimi hievte seinen Koffer hinein.
„Was schleppst du da wieder alles mit dir rum?“, fragte ich mit hochgezogener Augenbraue.
„Nur das Nötigste.“, Kimi steckte mir die Zunge raus und ging zur Beifahrertür.
„Das sehe ich.“, ich schlug den Kofferraum zu und ließ mich hinters Steuer sinken. „Du wirst nur eine Woche hier sein, keinen ganzen Monat.“
Kimi überging meinen Kommentar. „Wohnst du direkt in der Stadt?“, fragte Kimi als ich den Motor anließ.
„Nein, etwas außerhalb in einer Eigentumswohnung. Es wird dir gefallen.“, prophezeite ich ihm, ich kannte seinen Stil und der traf auch auf meinen zu.
„Ich lass mich überraschen.“, meinte er und schnallte sich an.
„Ja.“, antwortete ich und fuhr vom Parkplatz des Flughafens.
Er saß da wie ein Häufchen Elend, es würde schwer werden ihn aufzumuntern, aber ich würde mein Bestes geben.
„Was ist passiert?“, harkte ich nach einer geraumen Weile nach. Es waren noch gut zehn Minuten bis zu mir nach Hause.
Kimi starrte aus dem Fenster. „Sie ist schwanger.“
„Was?“, entsetzt sah ich ihn an. „Wer ist der Vater?“
Kimi sah mich an, seine wunderschönen blauen Augen wirkten müde und leer. „Er.“, war das Einzige was er sagte.
Ich war entsetzt. Wie konnte Jenni ihm so etwas nur antun. „Kimi, das tut mir so Leid.“, sagte ich ehrlich und ergriff seine Hand, die ich aufmunternd drückte. „Wie kann sie dir so etwas nur antun? Ich begreife das wirklich nicht. Ich meine du bist…“, ich brach ab, bevor ich mich noch um Kopf und Kragen redete.
Er sah mich etwas verwundert an, seine Hand lag immer noch unter meiner. „Ich bin was?“, harkte er nach.
„Du bist ein so wunderbarer Mensch.“, gab ich offen zu und mir stieg die Schamesröte in die Wangen. Zum Glück konnte er das im Dunkeln nicht sehen.
Ich weiß nicht ob er einfach nur sprachlos war oder mir keine Antwort geben wollte, auf jeden Fall bekam ich keine.
Schweigsam fuhren wir weiter.
„Ich bin dir echt dankbar für deine Hilfe und das du für mich da bist.“, bedankte er sich erneut.
„Kimi, das ist selbstverständlich.“, widerholte ich und sah zu ihm rüber. „Ich bin deine beste Freundin.“, ich lachte. „Zumindest denke ich, dass ich das bin.“
Ich bog auf den Parkplatz ein, der mit meinem Nummernschild versehen war. „Das bist du auf jeden Fall.“, bestätigte er mir.
„Wir sind da.“, meinte ich und stieg aus.
Kimi sah an dem vierstöckigen modernen Hochhaus empor, es war vor gut zwei Jahren erbaut worden. Was Kimi allerdings noch nicht sehen konnte, war, dass die gesamte Rückwand des Hauses aus Glas bestand.
„Wow.“, staunte er. „Sieht interessant aus.“
„Ich kenne den Architekten gut.“, fing ich an zu erzählen, während ich die Tür aufschloss. „Dadurch bin ich an die Dachgeschoßwohnung herangekommen und konnte sie zu einem relativ günstigen Preis erstehen.“, Kimi folgte mir durch das Treppenhaus. Die Stufen der offenen Treppe waren aus dunklem Holz gefertigt, allerdings ging ich schnurstracks auf den Aufzug zu.
„Du bist faul.“, kam es daraufhin nur von Kimi.
„Hey.“, gespielt warnend zeigte ich mit dem Finger auf seine Brust. „Ich nehme nur Rücksicht auf dich, du hast schließlich einen schweren Koffer zu schleppen.“
Schmunzelnd betrat ich den Aufzug, dessen Wände komplett aus Spiegeln bestanden.
„Wie nett von dir.“, meinte Kimi dann und sah mir etwas irritiert dabei zu, wie ich den Schlüssel in das dafür vorgesehene Schlüsselloch steckte und die Vier drückte.
„So bin ich eben.“, gab ich zurück. „Wie war doch noch das Eine der Zehn Gebote? Liebe deinen Nächsten wie dich selbst?“
Leise setzte sich der Aufzug in Bewegung.
„Als ob du in die Kirche gehst, oder die Bibel liest.“, er grinste mich an. „Eher gehen in Alaska Giraffen spazieren.“
„Aber du!“, gab ich zurück.
Ein leises Bing und die Tür öffnete sich.
„Willkommen in meinem bescheidenen Heim.“, einladend breitete ich die Arme aus und lies meine Handtasche auf die Kommode neben dem Aufzug fallen.
Der Aufzug führte direkt in mein Wohnzimmer, was aber auch nur bei der Dachgeschoßwohnung der Fall war.
Direkt geradeaus befand sich die Glasfront, die auf meinen Balkon führte. Man hatte einen wunderschönen Blick über Rom, da das Haus auf einem kleinen Berg stand.
Staunend ging Kimi zur Schiebetür, die nach draußen führte. Die Sonne ging gerade auf und tauchte die Stadt in ein wunderschönes rotes Licht.
„Wunderschön oder?“, fragte ich und trat neben ihn auf den Balkon.
„Das ist Wahnsinn.“, bestätigte er. „Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich schon viel früher gekommen.“
Ich boxte ihn sanft gegen die Schulter. „Schleimer!“
Es war noch angenehm warm draußen und ein leichter Sommerwind wehte durch die Nacht, so dass meine langen, weißen Seidenvorhänge leise über den Parkettboden wehten.
Müde ließ ich mich auf das große Sofa fallen, dass zu der Fensterfront hin ausgerichtet war und schon sah ich einen hellen Schatten an meinen Füßen vorbei huschen. Er sprang sofort neben mir aufs Sofa und begann verdächtig zu schnurren.
„Hey mein Großer.“, sanft strich ich meinem Kater über den Rücken, den er schnurrend durchbog und sich genüsslich an mir rieb.
Kimi stand noch immer auf dem Balkon und bewunderte die Aussicht.
„Willst du was trinken?“, rief ich ihm auf den Balkon zu.
„Ja.“, war seine knappe Antwort.
„Kaffee?“
„Ja, was sonst?“, wiederholte Kimi.
Ich ging in meine offene Küche, die nur mit einem Tresen vom Wohnzimmer getrennt war. Mein Kater trottete mir hinterher.
Ich schaltete meine automatische Kaffeemaschine an und stellte zwei Tassen darunter, die sich auch gleich mit dem heißen Gebräu füllten.
Meinen Kaffee versah ich mit Milch und Kaffee, bevor ich meinem und Kimis schwarzem Kaffee zu ihm auf den Balkon ging.
Er hatte es sich auf eine Liege bequem gemacht und starrte in den morgendlichen Himmel.
Ich setzte mich zu ihm, an das Fußende der Liege.
„Hier.“, ich hielt ihm seine Tasse hin.
„Danke.“, er nahm einen Schluck und stellte sie dann neben die Liege auf den Boden.
„Ich fange ja nur sehr ungern wieder davon an.“, ich nippte an meiner Tasse. „Aber wie soll das jetzt mit dir und Jenni weiter gehen?“
„Ganz ehrlich Selene?“, er schaute zu mir rüber. „Ich habe keine Ahnung.“
„Willst du dich scheiden lassen?“ Er antwortete nicht sondern sah mich nur weiter an. „Kimi?“
„Ja…, also ich weiß nicht, darüber habe ich noch nicht nachgedacht, aber wahrscheinlich schon.“, er machte eine Pause. „Ich kann ihr nicht mehr vertrauen. Ich meine, wie soll ich zu einem Rennen fahren und mich konzentrieren, wenn ich immer im Hinterkopf daran denken muss, ob sie mich wieder betrügt? Oder was sie gerade macht?“, er griff zu seiner Tasse. „Das kann nicht gut gehen und dann ist da ja immer noch das Kind.“ Ich sah wie sich seine Miene verhärtete.
„Liebt sie ihn?“
„Das habe ich nicht gefragt und ich will es auch gar nicht wissen.“, gab er etwas patzig zurück.
Ich sah wie mein kleiner Mitbewohner um die Ecke auf den Balkon geschlendert kam. Mit einem Satz war er bei Kimi auf der Liege.
„Hey, wer bist du denn?“, fragte er und kraulte ihn unterm Kinn, worauf er zufrieden zu schnurren begann.
Ich wunderte mich, normalerweise war er Fremden gegenüber nicht so zutraulich.
„Das ist Da Vinci.“, klärte ich Kimi auf.
„Da Vinci?“, Kimi sah mich belustigt an.
„Ja, Da Vinci.“
„Das ist ein cooler Name.“, pflichtete er mir bei und kraulte Da Vinci weiter unterm Kinn. „Passend zu einer römischen Katze.“ Da Vinci hatte sich mittlerweile auf Kimis Schoß niedergelassen und schnurrte zufrieden. „Ich wusste gar nicht dass du eine Katze hast. Wer kümmert sich um ihn, wenn du beim Rennen bist?“
„Die Mieterin unter mir.“, erklärte ich.
„Aha.“, registrierte Kimi und nahm noch einen Schluck von seinem Kaffee.
Gedankenverloren starrte ich in den mittlerweile hell erleuchteten Himmel.
Ich war mir immer noch nicht hundertprozentig sicher, was ich von der Trennung von Kimi und Jenni halten sollte, ob das gut oder schlecht war. Allerdings wusste ich, dass ich nun wenigstens eine Chance hatte, ob nun groß oder klein, dass würde sich noch herausstellen. Ich hatte aber auch Angst davor mit meinen Gefühlen unsere Freundschaft zu gefährden, denn das wollte ich auf keinen Fall.
Ich verstand Kimi so gut, die Gefühle die im Moment in ihm tobten. Betrogen zu werden war kein schönes Gefühl. Man fühlte sich hintergangen und ungeliebt. Man spürte, dass man entbehrlich war und das machte einem Angst, mehr als alles andere auf der Welt.
„Und? Hast du irgendeine Weisheit über das Leben, nach dem was passiert ist?“, fragte ich schließlich.
„Ja.“, er nickte. „Liebe ist Scheiße.“
Wenn er wüsste wie Recht er damit hatte.
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