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Geschichte: Fanfiktion
/ Prominente
/ Musik
/ Tokio Hotel
/ Was fällt dir ein, du...!!!
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von Golden Sun
erstellt: 31.03.2008
letztes Update: 23.10.2008
Geschichte, Romanze / P18 Slash
(fertiggestellt)
@ jennii: Dir haben die Sprichwörter gefallen? Es wird schon noch paar davon geben, ich bin so ein Sprichwörterfreak, ich benutz die echt gerne in passenden Situationen. Allerdings lass mich bloß mit Bratwürsten in Ruhe.^^
@ GutesMädchen: Deinem Nickname kann ich entnehmen, dass du eingefleischter Bu/Bi-Fan bist. Du hast doch auch ne Billshido-Story am Laufen – hab ich Recht? Sehr schön, es gibt eh viel zu wenige davon.^^
@ sweet secret: Irgendwie hab ich auch so das Gefühl, dass es allmählich mehr Bu/Bi-Storys gibt….eine erfreuliche Entwicklung :-). Und du hast mich total durchschaut, bei Billshido blüh ich immer auf. Ich hab mit so einer Story vor 1 ½ Jahren angefangen und sie ziehen sich wie ein roter Faden durch meine Schreibarbeiten, da ist immer noch genug Potential da, für mehr Geschichten. Den“Auftrag“ hab ich auch folgerichtig im Moment etwas hinten angestellt, ich schreib z.Zt. lieber hier dran.
@ Coulered Gothic: Schön, dass du der Story und auch Bushido ne Chance gibst. Je mehr ich mich mit ihm (zwangsläufig) beschäftigt habe, desto sympathischer und interessanter kam er für mich rüber. Letztes gutes Beispiel, wie intelligent und clever er ist, war sein Auftritt beim Kerner, wo er zugibt ein Rechtschreibefanatiker zu sein. Das andere Gehabe von ihm ist nur Fassade, in Wirklichkeit kann man ihn durchaus mögen. Mal sehen, ob ich das glaubhaft rüberbringen kann.^^
@ tedthebear: Natürlich wird das ne Billshido Story, schau mal im Header nach.^^ Und hier kriegst du auch deinen Nachschub ;-)
@ Levi: Natürlich ist der gute Bushido nett zu Bill…das ganze Rappergehabe ist doch nur Getue, in Wirklichkeit ist er doch ein ganz Netter ;-)
@ romy88: Klar kann Bushido so was Nettes sagen, der ist nicht so böse, wie er tut ;-) Und natürlich hast du Recht, in der Fiktion ist alles erlaubt.^^ Danke für dein Lob!
@ Musikfreak94: Da geht es dir wie mir, ich liebe auch Billshido-Storys ;-)
@ kleines Beisl: Ich nehm auch kleine Reviews, besser als gar nix ;-)
@ NaughtyKittyKat: War klar dich hier zu finden *ggg*. Ich begrüße dich hiermit ganz offiziell zu meiner ersten mehrteiligen Billshido-Story!
@ alisa: Natürlich mach ich weiter, bin ganz heiß drauf.^^ Freu mich, dass es dir gefällt.
@ sarahmith: Tja, ob ich immer so schnell sein werde, kann ich nicht versprechen, aber zumindest beende ich jede FF, die ich angefangen habe.
@ Twin-Fan: Yeah, ich hab’n Fan! *g* . Dann sei mal gespannt, ob es ne schnelle Nummer oder die langsame Annäherung sein wird.^^
@ sabine: Neee, es lässt mich nicht los. Ich muss aber auch sagen, alles hat bei mir mit diesem Pairing begonnen, „Kiss from a Rose“ war meine allererste FF, erst danach hab ich auch Twincest-Geschichten geschrieben.
@ Lulu04: Schön, dass du nicht schweigst, ich hab genug Schweiger lt. Statistik *g* . Die Weiterführung folgt sogleich….
@ schaefchen: Du warst die Erste! *knuddel dich* Ja, wie du weißt…ich liebe Billshido-Stories. Ich muss auch meine Nische finden, bei den Bill/Tom-Geschichten hab ich so große Konkurrenz ;-) Nee, im Ernst jetzt, ich glaube Billshido liegt mir einfach besser, ich hatte ja damals auch damit angefangen, noch ehe ich irgendwas von Twincest gehört hatte. Jetzt geh ich „back to the roots“ :-)
Bereit zur zweiten Runde?
Teil 2: Was tu ich da überhaupt?
Jetzt war es zu spät, ich hatte bereits ja gesagt, dass er bei mir eine Chance bekam. Natürlich meinte ich damit, dass er eine Chance bekam, seine Ausfälligkeiten wieder gutzumachen und nun saß ich hier mit ihm und war ihm näher, als ich mir je im Leben hätte vorstellen können. Und das Schlimmste daran war, dass das nicht nur seine Schuld war. Ich war alt genug, ja ich war sogar schon volljährig! Ich könnte ja paar Zentimeter zurückrutschen oder ich könnte auch einfach aufstehen und nach meinem angetrunkenen Bruder suchen.
Doch nix da, ich blieb wie angewurzelt sitzen und lauschte mit glänzenden Äuglein, was er mir zu erzählen hatte. Zwischen seinen amüsanten Ausführungen streute ich lediglich ein bewunderndes „ah!“ oder ein ungläubiges „Wirklich?“ ein, viel mehr an geistreichem Vokabular kam mir in der letzten halben Stunde nicht über die Lippen. Man stelle sich das vor, wo ich doch selbst so ein unheimlich mitteilungsbedürftiges Kerlchen war, dass ich damit selbst Tom überflügelte, die unumstrittene Nummer zwei der Quasselstrippen im Tokio Hotel.
Im Moment wunderte ich mich darüber allerdings noch wenig bis überhaupt nicht, denn all meine Sinne waren auf mein Gegenüber konzentriert. Er plauderte frei von der Leber weg, erzählte mir Storys und kleine Anektötchen aus seinem Rapperdasein und unterhielt mich auf eine charmante Weise, die ich ihm niemals zugetraut hätte. Einmal klatschte ich vor Vergnügen in die Hände und ließ mich sorglos an die Polsterlehne zurücksinken, als ich seinen Arm um meine Schulter spürte. Wie von der Tarantel gestochen, fuhr ich wieder hoch und setzte ich mich gerade hin. Es war mir bei unserem zwanglosen Geplauder gänzlich entfallen, dass er immer noch seinen Arm auf der Lehne liegen hatte, ich musste ernsthaft an mir arbeiten.
Wie nicht anders zu erwarten, entging ihm diese Szene nicht und er schaute mich nach einem kurzen Grinsen abwartend an. Musste ich jetzt dazu was sagen? Mir war gerade überhaupt nicht danach und so übernahm er es mal wieder, die Peinlichkeiten offen auszusprechen.
„War dir das unangenehm? Oder stören dich nur die Leute, die bemerken könnten, dass ich meinen Arm um dich gelegt hab?“
„Ich...ähhm…“
Er seufzte tief. „Und dabei warst du gerade dabei, mal ein bisschen lockerer zu werden“, unterbrach er meinen missglückten Erklärungsversuch und wenn ich genau hinhörte, dann schwang in seinem Tonfall eine nicht zu überhörende Portion ehrliches Bedauern mit.
Immer, wenn ich nicht wusste, was ich machen sollte, fing ich an, meine Unterlippe zwischen die Schneidezähne zu ziehen und genau jetzt war wieder so ein Zeitpunkt, der das erforderlich machte. Es war mir weder unangenehm gewesen, noch hatte ich in dem Augenblick an die Leute gedacht, die noch anwesend waren. Vielmehr war es ungewohnt, einfach nur ungewohnt, dass ich in irgendjemandes Armen lag, noch dazu in eindeutig männlichen. Der Einzige, der mich in letzter Zeit um meiner selbst willen umarmte und der männlichen Geschlechts war, war Tom, aber Tom hatte auch nie den abartigen Wunsch, dass ich ihm einen blasen soll – jedenfalls soweit mir das bekannt war.
„Ich bin doch locker“, war mein kläglicher Versuch, meine Unsicherheit zu überspielen und hatte nach diesen wenig überzeugenden Worten sofort wieder meine Unterlippe in Bearbeitung.
Er wischte sich mit beiden Händen über sein Gesicht und ließ sie langsam sinken. „Nein, bist du nicht“, stellte er danach nüchtern fest und schaute mich an, wie ein Psychiater, der einen hoffnungslosen Fall auf der Couch liegen hatte.
Stimmt, war ich nicht. Ich war immer noch angespannt und nervös, hatte dies nur zwischenzeitlich mal kurz vergessen.
„Du erwartest zu viel von mir“, war meine Antwort darauf und ausnahmsweise erzählte ich mal keinen Müll, sondern die reine Wahrheit.
Er schüttelte langsam mit dem Kopf. „Nein, ich hab nicht mal erwartet, dass du dich überhaupt mit mir unterhalten wirst. Aber jetzt sitzt du wirklich hier und …“, er holte tief Luft „…naja, ich hatte mir gewünscht, es geht in dem Tempo weiter.“
Meine Augen wurden wiedermal größer als geplant. Was hatte er vor? Wohin sollte es weiter gehen? Und wie weit? Ich wollte gerade meinen wirren Gedankengängen folgen, als es hinter mir einen dumpfen Plumps tat und ich durch die Dynamik der Federung nach hinten gegen einen warmen Körper gedrückt wurde. Empört drehte ich meinen Kopf, um festzustellen, welches besoffene Schwein sich erdreistete, sich ungefragt neben mich zu setzen oder besser: zu werfen. Ich funkelte also mit meinem vernichtendsten Blick über meine Schulter und das erste, was mir auffiel, waren mir sehr vertraute Gesichtszüge mit mir ebenfalls sehr vertrauten Dreadlocks. Tom griente übers ganze Gesicht und ich griente mäßig erfreut zurück.
„Na Kleiner, unterhältst du dich gut?“ erkundigte er sich aufdringlich laut und fläzte sich lässig in das Polster. Er hatte eine dezente Alkoholfahne und auch sein Blick war nicht mehr ganz geradeaus. Sag mir nur noch ein Mensch, nur ich hätte einen Silberblick! Derjenige hat Tom noch nicht nach 3 Drinks gesehen. Immerhin waren wir eineiige Zwillinge, wir teilten sogar die kleinen Eigenarten, die uns so unwiderstehlich machten.
„Bis jetzt ja“, beantwortete ich pikiert seine Frage und ich setzte eine Mine auf, die ihm zeigen sollte, dass er im Moment nicht unbedingt erwünscht war und er schnell wieder die Flocke machen soll, wenn er sich nicht meinen Zorn aufladen will.
Doch Tom übersah mit blankem Mutwillen meine mimische Aufforderung zu verschwinden. Er legte seinen linken Fuß auf den rechten Oberschenkel, wippte mit dem Knie und drückte sich insgesamt noch weiter in die Polster des hellen Sofas.
„Dann ist’s ja gut. Lasst euch von mir nicht stören“, hörte ich ihn zu meinem Entsetzen sagen und muss ihn daraufhin wohl ziemlich bedeppert angeschaut haben.
Desillusioniert darüber, dass er es sich vielleicht noch anders überlegen und das Weite suchen würde (er würde es nicht, ich wusste es, weil er mein Bruder war), drehte ich mich wieder zu Bushido um, der sich das Lachen nur schwer verkneifen konnte. Er zog nur kurz die Augenbrauen und eine Schulter hoch, als wolle er mir mitteilen, dass es wohl das Schicksal so wollte, dass wir gerade jetzt gestört wurden. Sonst protestierte er nicht weiter.
Das „Schicksal“ machte sich derweil hinter mir breit und beanspruchte soviel Platz, dass ich mich genötigt sah, etwas von ihm abzurücken, weil mir sonst sein dauerndes Beingewippe auf die Nerven ging. Entschuldigend sah ich Bushido an, der mir, auf dem nicht allzu großen Sofa, ein bisschen mehr Platz einräumte, damit ich meine Beine unter Dach und Fach bekam. Es war trotzdem schlichtweg unbequem auf dem niedrigen Sitzmöbel und irgendwie fand ich keine Sitzposition mehr, die ich länger als eine Minute ausgehalten hätte, ohne dass am nächsten Tag ein Muskelkater zu befürchten war.
Bushido bemerkte meine verzweifelten Versuche, mich von Tom zu distanzieren und ihm dabei doch nicht zu nah zu kommen und nahm mir wiedermal eine Entscheidung ab.
„Ich hätte da ne Idee, wo du bequemer sitzt.“
Ich horchte auf. Gab es in diesem verdammten Club noch irgendwo höhere Stühle? „Und wo?“, fragte ich interessiert. Wenn ich mich nicht komplett lächerlich machen wollte, dann musste ich von diesem dämlichen Sofa runter und außerdem weg von Tom, das wurde mir eben klar.
„In meinem neuen 7er“
„7er?“, ich musste wohl eine Blockade im Gehirn haben, seit ich mich mit ihm unterhielt, denn diese Zahl versprach mir nur wenig Sitzkomfort.
„Ja, ich hab seit letzter Woche einen neuen BMW. Wenn du Lust hast, fahr ich dich ein bisschen durch die Stadt und zeig dir paar Sachen.“ Er ging nicht auf meinen kurzen Aussetzer ein, sondern machte mir dafür den verlockenden Vorschlag, weg von diesem Sofa und meinem betrunkenen Bruder zu kommen. Mich wunderte in dem Moment nur, dass er mit dem Auto in einen Club fuhr. Nahm man sich da nicht ein Taxi, damit man auch was trinken konnte?
„Kannst du denn überhaupt noch fahren?“, fragte ich ihn denn auch gleich mit einigem Misstrauen in der Stimme. Doch noch als ich die Worte aussprach, fiel mir auf, dass ich ihn die ganze Zeit nichts hatte trinken sehen. Wahrscheinlich war er fahrgeil und nahm sich deswegen zurück. Verständlich, bei einem neuen Auto, würde ich wahrscheinlich genauso machen. So spann ich mir die passende Antwort zusammen und hörte darauf überrascht seine Version:
„Warum soll ich nicht noch fahren können? Ich trinke keinen Alkohol.“
Ich konnte es kaum glauben, wie man überhaupt keinen Alkohol trinken konnte und teilte ihm das auch in aller Verständnislosigkeit mit. Er zuckte nur mit den Schultern. „Was ich will, krieg ich auch ohne Alkohol und außerdem stört Alkohol in den meisten Fällen nur.“
Ich wagte gar nicht nachzufragen, was er wollte und bei was Alkohol nur störte, denn ich wusste nicht, ob ich unbefangen mit der Antwort umgehen konnte und so pflichtete ich ihm nur nickend bei.
„Also was ist jetzt? Kommst du mit und wir drehen ne Runde, oder willst du dir hier die Beine verknoten und später deinen Bruder ins Hotelzimmer schleppen müssen?“ Diese Worte sagte er nah an meinem Ohr, damit sie nicht bis zu Tom vordrangen und sein heißer Atem verfehlte seine Wirkung nicht. Meine Entscheidung war schon lange gefallen, ich würde – ja, ich wollte mit ihm mitfahren. So viel Menschenkenntnis besaß ich mittlerweile, dass ich davon ausgehen konnte, dass er mich unbeschadet wieder abliefern würde. Und außerdem mochte ich Autos und fuhr auch gerne damit. Im Moment noch unerlaubt, aber in Kürze würde auch ich meinen Führerschein endlich in der Tasche haben, um genau wie Tom unabhängig und frei über die Landstraßen zu brettern.
Ich musste nur irgendjemand Bescheid geben, damit keine Suchtrupps nach mir losgeschickt wurden, wenn ich plötzlich nicht mehr im Club war. Eigentlich müsste ich Tom sagen, wohin ich vorhatte zu gehen, doch in seinem Zustand erschien es mir fragwürdig, ob die Botschaft ankommen würde. Und so entschied ich mich, ihn später mit dem Handy anzurufen, damit er und die anderen sich keine Sorgen machten.
„Okay, ich komm mit. Aber nicht so lange, ja?“ ‚Nicht so lange’…was erzählte ich bloß wieder für einen Quatsch. So lange es dauerte, dauerte es eben. Mein Gott…ich war volljährig! An das Gefühl musste ich mich scheinbar erst gewöhnen.
Bushido war sichtlich erfreut über meine Zusage und nickte beschwichtigend zu meinen Bedenken zur Dauer unseres Ausfluges. Doch hatte ich das seltsame Gefühl, er tat das nur, um mich endgültig zum Mitkommen zu überreden, in Wirklichkeit waren seine Pläne ganz anderer Natur. Trotzdem ging ich ganz freiwillig mit, einfach, weil ich es wollte. Es war meine Entscheidung. Ich würde mit Bushido Auto fahren…na und? War das verboten? Was sollte schon passieren, immerhin hatte er auf die Straße zu schauen und konnte nicht während des Fahrens… aber ich hingegen könnte durchaus….
Oh man, warum dachte ich nur immer solches Zeug? Bisher war er doch richtig nett zu mir, keinerlei Anzeichen dafür, dass er mir irgendwie an die Wäsche wollte…und er hätte die Möglichkeit durchaus gehabt. Ich meine…nicht das ich ihm das erlaubt hätte! Wo kämen wir denn da hin?! Meine Augen glitten prüfend über seinen dicken dunklen Pullover, den er unter einer abgewetzten braunen Lederjacke trug. Mich wunderte, dass ihm nicht zu warm war, mir war es das jedenfalls und ich trug nur ein kurzes T-Shirt zu meiner Jeans.
„Wenn du hier kurz wartest? Ich komm gleich zurück, ich bezahl nur schnell meine Rechnung“, bedeutete er mir, während er aufstand und in seiner Jackentasche wühlte. Er wollte sich schon umdrehen, als er sich noch einmal kurz zu mir herunterbeugte und eine Hand auf meine Schulter legte.
„Was du deinem Bruder erzählst, ist mir egal, aber lass ihn bitte hier, ja?“ Schmunzelnd entfernte er sich endgültig Richtung Bar und ich blickte ihm mit gemischten Gefühlen hinterher. Das mulmige Gefühl in der Magengegend war zurückgekehrt. Einerseits war da die leichte Angst vor dem Alleinsein mit ihm und andererseits wollte ich komischerweise genau das. Es war seltsam und ich fand keine schnelle Antwort darauf.
Tom…richtig, der war ja auch noch da. Zögerlich blickte ich mich nach ihm um und legte mir einen Plan zurecht, wie ich ihn auf die sanfte Tour loswerden konnte. Doch der hatte sich mit einem Blick auf ihn erübrigt. Tom hatte es anscheinend so überaus spannend bei uns auf dem Sofa gefunden, dass er kommentarlos eingeschlummert war. Sein Kopf lag schief auf seinen Schultern und sein Mund war einen Spalt breit geöffnet. Ein sehr friedliches Bild, was mich unwillkürlich zum Lächeln brachte. Ich überlegte, ob ich ihn einfach so hier zurücklassen konnte oder ob er mir das übel nehmen würde, doch auch diese Entscheidung wurde mir abgenommen, da Georg wieder auftauchte, der uns schon überall gesucht hatte. Ich ergriff die Gelegenheit beim Schopfe und winkte ihm, herzukommen.
„Passt du jetzt mal auf den da auf, ich hab noch was vor“, machte ich einem vergnügt aussehenden Georg klar und drückte ihn neben meinen Zwilling auf das Sofa. Georg ließ sich meine Aufforderung widerstandslos gefallen und setzte sich artig neben meinen Bruder. Als er aber den schlafenden Tom erblickte lachte er laut auf und schlug sich auf die Oberschenkel.
„Was hast du dem denn eingeflösst?“, meckerte er schadenfroh und strahlte dabei über das ganze Gesicht.
„Keine Ahnung, du weißt doch, dass er nichts verträgt“, zuckte ich mit den Schultern und zog mich eilends zurück, ehe Georg noch andere Fragen stellen konnte, die ich ihm jetzt beim besten Willen nicht beantworten wollte und auch nicht konnte. Mein Ziel war die Bar, an der ich den breiten Rücken meines … ähm … meines Gesprächspartners erkannte und ich wartete in unauffälliger Entfernung darauf, dass er endlich fertig wurde. Ich beobachtete, wie er der Bedienung zunickte und sich verabschiedete. Danach schaute er sich suchend um, ehe er mich an eine Säule gelehnt stehen sah. Sobald sein Blick auf mich fiel, erhellte sich seine Miene und er schritt direkt auf mich zu.
Ich schaffte es nicht, ihn anzusehen, als er zu mir kam, sondern spielte mal wieder zur Ablenkung mit meinem Silberarmband, was ich am Handgelenk trug. Ich hatte den Verdacht, dass mein Gesichtsausdruck vielleicht zu viel verraten könnte und ich mich wieder in etwas hineinmanövrierte, was ich bereuen könnte. Er war bis jetzt immer sehr direkt zu mir gewesen, er erkannte in erschreckender Klarheit meine Gefühlslage und sprach sie ebenso deutlich aus. So deutlich, dass es mir die letzten Male ungewollt die Röte ins Gesicht trieb. Ich wehrte mich verzweifelt dagegen, mich noch weiter zu öffnen, auch wenn ich zugeben musste, dass es durchaus seinen Reiz hatte.
Er stand schließlich vor mir und verstaute sein restliches Geld in der Jackentasche, nachdem er einen prüfenden Blick darauf geworfen hatte. Ich schielte ihn aus den Augenwinkeln an und fragte mich, was ich eigentlich gerade tat. Noch vor einer guten Stunde hätte ich ihn am liebsten zum Teufel gewünscht und jetzt war ich im Begriff, mit ihm allein den Club zu verlassen, um ne Runde durch die Stadt zu fahren. War ich eigentlich noch ganz richtig im Kopf? Ich beruhigte mich mental, nein, eigentlich war ich, Gott sei dank, noch nie ganz richtig im Kopf, deswegen stand ich auch jetzt dort, wohin es nur die Wenigsten schafften (die alle wahrscheinlich auch nicht ganz richtig im Kopf waren).
Für sinnlose Bedenken war es sowieso zu spät, das hätte ich mir früher überlegen sollen. Vorher, als ich noch die Möglichkeit dazu hatte und nicht jetzt, wo mich dieser seltsame Tatendrang erfasst hatte, irgendwas mit ihm zusammen zu unternehmen.
„Kommst du jetzt mit oder hast du plötzlich Schiss gekriegt?“ Sein Autoschlüssel baumelte in geringem Abstand vor meinem Gesicht und forderte mich damit auf, mich in Bewegung zu setzen. Innerlich gratulierte ich Bushido mal wieder für seine Einschätzung der Lage. 10 von 10 Punkten waren ihm sicher.
„Wovor sollte ich Schiss haben?“, bemühte ich mich gleichgültig und eine Spur erstaunt zu klingen, obwohl es da durchaus ein paar Argumente gab, die sich nicht leugnen ließen.
Sein Mund verzog sich zu einem wissenden Grinsen und ich wusste in dem Augenblick genau, woran er dachte. Hastig vergrub ich meine Hände in den Hosentaschen und stieß mich von der Säule ab. Wo war noch mal der Ausgang? Ach ja, dort hinten. Ich lief zielstrebig vor ihm her. Das meine Knie ein klein wenig wacklig waren, ignorierte ich genauso gekonnt, wie die neuerliche Hitzewallung, die sein Grinsen bei mir ausgelöst hatte.
Die frische Nachtluft schlug mir kalt ins Gesicht und umspielte meine nackten Arme. Meine Jacke hatte ich vorhin im Van gelassen, damit sie im Club nicht abhanden kam. Eine Vorsichtsmaßnahme, die mir gerade einen krassen Nachteil aufzeigte. Ich müsste mir erst den Schlüssel von Saki besorgen, um daran zu kommen und dazu hatte ich jetzt keine Lust. Er würde mir Fragen stellen und sich Sorgen machen und darauf hatte ich im Moment keinen Bock. Ich nahm mal an, dass es in Bushidos neuem 7er eine Heizung gab und ich nicht lange frieren musste.
Ich blieb stehen, weil ich nicht wusste, wo sein Auto stand und er stellte sich neben mich, um mich von der Seite anzusehen.
„Du frierst, Kleiner“, stellte er auch sogleich fest, um sich in gleichem Atemzug die Jacke auszuziehen.
„Geht schon, wir steigen doch sowieso gleich ins Auto“, bibberte ich vor mich hin und presste die Arme dicht an meinen Körper. Das ‚Kleiner’ überhörte ich geflissentlich. Warum mussten mich ständig alle ‚Kleiner’ nennen? Am schlimmsten war darin mein Bruder, der damit seinen Ältestenstatus aufrecht erhalten wollte, obwohl er natürlich in Wirklichkeit kleiner war als ich und jetzt fing Bushido auch noch damit an. Ich war nicht kleiner, ich war nur jünger und das sogar erheblich.
„Bis dahin bist du erfroren, so dünn angezogen, wie du bist“, machte mir seine besorgte Stimme klar und schon hatte ich eine schwere, nach Leder, Parfüm und Mann riechende Jacke auf meinen schmalen Schultern hängen. Seine Fürsorge rührte mich ein bisschen und ich lächelte ihn von der Seite aus an.
„Danke“, presste zwischen meinen Lippen hervor und zog die Jacke enger um meinen Körper. Sie schützte mich vor dem scharfen Wind und ich fühlte mich warm eingehüllt und geborgen darin.
„Na komm“, bedeutete er mir lächelnd und schob mich, mit seiner Hand zwischen meinen Schultern seitlich vor sich her. Er war sehr dicht hinter mir und lenkte mich mit sanftem Händedruck durch die parkenden Autos, bis wir zu einem ziemlich großen Schlitten kamen, den ich als 7er BMW erkannte. Wir waren noch ein paar Meter davon entfernt, als er auf die Fernbedienung drückte und die Lichter im Fahrzeug angingen. Seine dunkle, glänzende Farbe gefiel mir und überhaupt sah das Auto sehr einladend und schick aus. Passte das Teil überhaupt zu einem ‚Skandalrapper’?
Bushido führte mich mit unverhohlenem Besitzerstolz um den BMW herum und öffnete mir die Beifahrertür, damit ich einsteigen konnte. Ich ließ mich auf den weichen Sitz fallen und war froh, nicht mehr dem lästigen Wind ausgesetzt zu sein, der meine Frisur durcheinander gewirbelt hatte. Meine erste Tat war dann auch, den Schminkspiegel herunterzuklappen und meine verirrten Strähnen zu ordnen. Ich musste nicht viel tun, da ich heute eine äußerst wirksame Haarspülung benutzt hatte, die mein Haar mit dem Lack des 7er um die Wette glänzen ließ. Ich strich nur ein paar Strähnen aus der Stirn, wischte kurz unter dem linken Auge entlang und klappte die Sonnenblende wieder hoch.
„Du musst dich anschnallen“, kam es vom Fahrersitz und ich langte nach dem Gurt und zog ihn quer über meinen Oberkörper, um ihn einrasten zu lassen. Ich zerrte wohl etwas hastig an dem Teil, so dass es sich nicht weiter bewegen ließ und ich den Gurt nicht zubrachte. Etwas unbeholfen in der dicken Lederjacke unternahm ich einen weiteren Versuch, doch das blöde Ding klemmte irgendwie. Es ging nicht.
„Warte, ich helf dir“, bot sich Bushido an, der mein hilfloses Tun beobachtet hatte und beugte sich weit zu mir herüber. Gefühlvoll zog er an der Gurtleine, die jetzt komischerweise nicht mehr blockierte, als er sie anfasste und schaffte es, beim ersten Versuch die Schnalle in der Mitte einzurasten.
Ich hatte mich bei seiner Aktion instinktiv tiefer in meinen Sitz gepresst. Sein herbes Parfum kam in dem kleinen Raum viel deutlicher zum Tragen und kitzelte mir in der Nase und außerdem lehnte er für einen kurzen Moment fast ganz über mir mit seinem Oberkörper. Die Wolle seines dicken Pullovers streifte meinen Arm und sein sorgfältig ausrasierter Nacken war nur ein paar Zentimeter von meinen Augen und meinem Mund entfernt. Ich atmete hastig und stoßweise und beruhigte mich erst wieder ein wenig, als er sich zurück auf seinen Platz setzte, um den Anlasser zu betätigen.
Er sollte endlich losfahren und um Gottes Willen sollte er mich jetzt bloß nicht wieder so genau anschauen. Mein Gesicht war nicht dafür gemacht, Gefühle zu verbergen.
Ende Teil 2
Soooo meine Lieben….Reviews sind so willkommen, wie ein Sechser im Lotto ;-) Bis zum nächsten Teil!
LG Golden Sun
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