Anzeigeoptionen|Review schreiben|Regelverstoß melden|★SocialBookmark
◄   Schriftgröße|Schriftart|Zeilenbreite|Ausrichtung|Zeilenabstand
◄   10px|12px|15px|17px|19px
◄   Times|Arial|Helvetica
◄   25%|50%|75%|100%
◄   Linksbündig|Blocksatz
◄   gering|normal|groß|sehr groß
 
»
von Golden Sun    erstellt: 31.03.2008    letztes Update: 23.10.2008    Geschichte, Romanze / P18 Slash    (fertiggestellt)
Autor

Golden Sun


Rating

P 18/Slash/Lemon


Warnungen

siehe Rating außerdem sieht es stark nach Billshido aus ;-)


Hauptpersonen

Bushido/Bill


Disclaimer

Ich würde den Hauptpersonen nie die beschriebene Handlung unterstellen und die Personen gehören natürlich auch nicht mir (sie gehören, soviel ich weiß, überhaupt niemandem^^) und verdienen tu ich auch nix mit der Geschichte...niente…nada…nullo…


Bemerkungen

Ich habe noch keinen Plan, wie lang die Story sein wird, aber meine Geschichten dauern nie unendlich lang ;-)

Sie wird aus Bills Sicht erzählt.


Kurze Inhaltsangabe

Bushido treibt sich im selben Club herum, in dem die Mitglieder von Tokio Hotel abfeiern. Mit Bushido und Bill prallen zwei ganz unterschiedliche Persönlichkeiten aufeinander und natürlich hat Bill auch noch nicht vergessen, was Bushido für einen abartigen Wunsch hegt. Schließlich hatte er das oft genug in den Medien herumposaunt. Trotz seiner anfänglichen Abneigung kann Bill es irgendwann nicht mehr leugnen, dass er sich auf seltsame Art und Weise von dem Rapper angezogen fühlt.




1. Sprichwörtlich

Ich spürte Toms Ellenbogen schmerzhaft in meiner Seite, während ich mich mit Gustav über Tätowierungen im Allgemeinen und ganz besonders über seine konkreten Pläne diesbezüglich unterhielt. Zu diesem Thema konnte ich einiges Wissenswerte beisteuern, was Gustav durchaus zu schätzen wusste und demzufolge sprach ich schnell und viel und hatte überhaupt keine Lust, mich durch Toms penetrante Ellenbogenstöße davon ablenken zu lassen. Widerwillig schubste ich seinen Arm beiseite und drehte mich noch ein wenig weiter von ihm weg, um mich mit Gustav zusammen ganz dem Fachgeplänkel hinzugeben.

„Bill! Bi-hill! Jetzt guck doch mal!“ Tom gab keinesfalls klein bei, was mich bei seinem Sturkopf auch schwer verwundern würde. Wieder traf mich sein spitzer Ellenbogen unter der Rippe, um meinen Redeschwall endlich zu unterbrechen.

„Mein Gott! Was ist denn, du Nervensäge!?“, fuhr ich ärgerlich herum und sah Tom böse an. Er würde keine Ruhe geben, bis ich ihm nicht meine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkte, soviel war mir inzwischen klar geworden. Sein Gesicht zierte ein frivoles Grinsen, was sich auch durch meinen kleinen Ausbruch nicht vertreiben ließ.

„Schau mal da drüben. Da will jemand was von dir“, raunte er mir in einem monotonen Singsang zu und versuchte dabei seine Lippen möglichst wenig zu bewegen.

Ich runzelte die Stirn. Was meinte er damit? Hier wollte jeder Zweite was von mir, also WAS, bitteschön, sollte die Aufregung? Trotzdem schaute ich brav in die feiernde Menge, um herauszufinden, wem Tom mir zeigen wollte, damit er endlich Ruhe gab. Mein Blick überschaute rasch die Gesichter. Nichts Auffälliges dabei, was mich nicht wunderte. Tom sah mal wieder Gespenster oder er hatte ein Bier zuviel getrunken, mutmaßte ich und zuckte gleichgültig mit den Schultern.

„Nei-hein, nicht dort! Do-hort!“, lenkte Tom meine Suche in konkretere Bahnen und drehte dabei meinen Kopf unsanft Richtung Bar.

Meine umherschweifenden Pupillen blieben an einem mir sehr wohl bekannten, verschmitzt grinsendem, 3-Tage-Bart-Gesicht hängen, welches mich unverschämt von oben bis unten musterte und sich dabei augenscheinlich auch noch absolut cool vorkam. Leider war ich in dem Moment nicht cool genug, um darüber gelassen hinwegzusehen, sondern riss meine ohnehin zu auffälliger Größe geschminkten Augen noch ein Stückchen weiter auf, so dass mehr vom Weiß des Augapfels zu sehen, war, als mir lieb war.

„Scheiße, was macht DER denn hier?“, platzte es aus mir heraus.

Besagte Person nickte mir daraufhin wohlwollend zu und bedeutete mir mit einem eindeutigen Handzeichen, zu ihm zu kommen. Ich war so perplex, dass ich überhaupt nicht reagierte, sondern nur versuchte, meine Glubschaugen wieder unter Kontrolle zu bekommen. Ja, hat der sie noch alle? Was glaubt er, wer er ist? Der denkt doch nicht im ernst, dass ich freiwillig zu ihm hingehe! Empörung machte sich in mir breit und spiegelte sich auch auf meinem Antlitz wieder. ‚Arschloch!’ dachte ich, ehe ich mich wieder Gustav zuwandte und verzweifelt den Faden für unser unterbrochenes Gespräch wieder aufzunehmen suchte.

Ich fing einfach an, irgendetwas zu quatschen, damit keine unnötige Stille entstand, die Raum für Sticheleien seitens meiner Bandmitglieder ließ, doch Gustav schaute mich nach ein paar gedankenlos dahin geplapperten Sätzen schief an. „Bill, stopp mal, das hast du mir eben schon mal erzählt. Der Typ scheint dich ja ganz schön durcheinander zu bringen“, eröffnete er mir in aller Schonungslosigkeit und wieder hatte ich keine passendere Reaktion parat, als zu hilflos zu verstummen und  wie ein aufgeschrecktes Reh im Scheinwerferlicht dreinzuschauen.

„Ihr spinnt doch alle!“, schimpfte ich nach kurzer Denkzwangspause los und ärgerte mich aber am meisten über mich selbst, dass ich nicht in der Lage war, die Sache so gleichgültig abzutun, wie ich eigentlich sollte oder müsste oder wollte…ach egal.

„Na na, Bill! Du kennst hoffentlich das Sprichwort: ‚Getroffene Hunde bellen’, mischte sich überflüssigerweise auch noch Georg in unser Gespräch und mir blieb nur noch, die Augen resignierend nach oben zu richten. ‚Sehr schön Herr Oberlehrer!’

„Vielleicht könnt ihr damit mal wieder aufhören!“, verlangte ich genervt von den Dreien und holte meinen Blick wieder von der Decke.

„Ich hab nicht damit angefangen, sondern ‚Mr. Obercool’ alias Bushido“, meldete sich Tom wieder zu Wort und deutete mit dem Daumen an die Bar, an der immer noch der Rapper saß und amüsiert zu uns herüberschaute.

Ich schlug schnell nach Toms vorwitzigem  Zeigedaumen, was er mit einem gequälten „Aua!“ quittierte.

„Jetzt zeig nicht auch noch hin, du Heini!“, meckerte ich mit meinem Bruder, der mich jetzt offen anschmollte und übertrieben fürsorglich seinen Finger massierte.

„Wieso denn nicht? Weiß doch eh jeder, dass er dich geil findet und sich von dir einen blasen lassen will“, setzte er noch einen drauf und schaute mich mit unschuldigen braunen Augen an.

In meinem Magen breitete sich ungewollt eine Hitze aus, deren Wellen sich bis ins Gesicht fortpflanzten und eine verräterisch rötlichen Teint produzierten. ‚Danke Tom, jetzt hast du’s wieder mal geschafft!’

„Wenn du nicht gleich dein dummes Maul hältst, dann… ähm …dann…! Und außerdem…was lungerst du überhaupt hier rum? Geh und such dir paar Weiber!“, blaffte ich Tom an und gab ihm einen kleinen Schubs, um ihm beim Weggehen behilflich zu sein. Er stolperte einen Schritt zurück, um sich sofort wieder neben mich zu stellen.

„Ich bleib lieber in deiner Nähe, hier ist es interessanter…oder scheint es zumindest gerade zu werden“, grinste er sensationslüstern nach einem Blick an die Bar und tat einen weiteren Schluck aus seiner Bierflasche.

„Hast Recht, dann kannst du vielleicht noch was dazulernen, z.B., wie man jemandem eine Abfuhr erteilt“, antwortete ich ihm darauf mit falschem Lächeln, was er mir punktgenau zurückgab. Bushido hatte seinen Platz inzwischen verlassen und kam direkt auf uns zu. Eine Tatsache, die das mulmige Gefühl in meinem Bauch um ein Vielfaches verstärkte. ‚Nein, oder?’, dachte ich bloß, als er ohne Umwege an uns heran trat und ein lockeres „Hallo Jungs, wie geht’s?“ in die Runde warf.

Ich sah fassungslos zu, wie meine treuen Freunde, Brüder und sonstigen Bandmitglieder den Rapper freudig begrüßten, ihm auf die Schulter klopften und höfliche Floskeln austauschten. Müssten sie ihm eigentlich nicht ein klein wenig böse sein? Wenigstens ein klitzekleines bisschen? Weil er doch auch so böse war und diese bösen, bösen Sachen über mich gesagt hat? Augenscheinlich nicht, es machte zumindest nicht den Eindruck oder sie waren sehr gute Schauspieler - was ich wiederum bezweifelte. Ich zwang mich zu einem Lächeln, um nicht als Spielverderber hingestellt zu werden.‚Lächeln ist die schönste Art, seinen Gegnern die Zähne zu zeigen’, fiel mir dazu ein. Soll mir mal einer sagen, ich würde keine Sprichwörter kennen.

„Hallo Bill, alles klar?“, wurde ich daraufhin auch gleich direkt angesprochen und mir wurde eine Hand gereicht.

„Ähm…ja, alles klar“, schwindelte ich, inklusive dezentem Erröten drauflos und ergriff zögerlich die mir entgegen gestreckte Hand. Wider erwarten war die Berührung nicht unangenehm. Der Händedruck war fest, aber nicht so fest, dass es die Finger meiner Hand zusammendrückte, was bei meinen klobigen Ringen ziemlich schmerzhaft sein konnte, wie ich schon so manches Mal erfahren durfte. Außerdem waren seine Hände warm und trocken, ganz im Gegensatz zu meinen.

„Sicher?“, grinste er mich an und ich zog beleidigt meine Hand zurück, die er immer noch in der seinen hielt.

„Ja, ganz sicher!“, fuhr ich ihn gereizt an und drehte mich hochnäsig von ihm weg. Sein wissendes Grinsen brannte mir die ganze Zeit im Nacken, als ich verzweifelt versuchte, das Gespräch mit Gustav fortzuführen. Der zeigte aber mittlerweile nur noch wenig Interesse an meinem Gestotter, denn sein Blick schweifte immer wieder ab, bis er mich und die anderen drei plötzlich stehen ließ, weil er angeblich eine gute Bekannte in der Menge entdeckt hatte, die er unbedingt begrüßen müsse.

Soviel zum Thema ‚Gute Freunde, auf die man sich verlassen kann’. Hilfe suchend schaute ich mich nach einer neuen Ablenkung um, die mir aber verwehrt blieb, denn Georg und Tom ließen sich kpl. von diesem schmutzigen Typen einwickeln, der mit ihnen zusammen scherzte und dreckig lachend über die anwesenden Gäste herzog. Warum ging ich nicht einfach weg? Ich könnte doch mal auf der Toilette nach meiner Frisur schauen oder mir den Lipgloss erneuern, stattdessen stand ich hier herum und fühlte mich seltsam unwohl, weil ich diesem Kerl nicht so unbefangen gegenübertreten konnte, wie ich das gerne tun würde.

Ich nestelte nervös am Etikett meines Bit Copa und fetzte es in kleinen Streifen herunter. Jeden Streifen rollte ich zu kleinen Kügelchen zusammen und schnippte ihn ungeschickt davon. Den Abend hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt und eigentlich hatte er ja auch ganz nett begonnen, bis dieser…dieser Typ aufgetaucht war und mir die Stimmung verdarb. Nachdem ich das Etikett vollständig zu Papierkugeln verarbeitet hatte, brauchte ich wieder eine neue Beschäftigung, die da hieß Löcher in die Luft zu starren und bloß nicht dem Blick dieses…dieses Typen zu begegnen. Mist, schon wieder passiert! Warum gehorchten mir nicht mal mehr meine Augen?

Meine Wahrnehmung funktionierte aber noch soweit, dass ich voller Schreck mitbekam, dass sich Georg auch aus unserer illustren Runde verabschiedete, weil er einen Anruf auf sein Handy bekam, der ihm anscheinend sehr wichtig war. Mit dem Telefon am Ohr schlenderte er davon und ließ mich nur mit meinem Bruder als Schutzschild zurück. Und dabei hatte Tom schon ordentlich einen sitzen und war somit im Ernstfall keine echte Hilfe für mich.

Meine Sinne schalteten jetzt endgültig auf Alarm, als dieser Bushido meinem Bruder etwas ins Ohr flüsterte, dieser darauf  verschlagen grinste und sich bei mir mit den Worten: „Ich muss mal was abchecken!“,  auf Nimmerwiedersehen verabschiedete. Ich sah ihm halb hilflos und halb sehnsüchtig hinterher. Das wird er mir büßen, denn noch vor ein paar Minuten, fand er es hier doch so wahnsinnig interessant, dass er sich nicht mal mit Gewalt wegstoßen ließ. Das hatten sie ja richtig dolle hingekriegt, jetzt war ich tatsächlich mit meinem Erzfeind allein auf weiter Flur.

Fieberhaft überlegte ich, wie ich mich unauffällig abseilen könnte, doch erstens verunsicherte mich seine Gegenwart dermaßen, dass mir das Denken unheimlich schwer erschien, und zweitens kam er meinem geplanten Abgang zuvor, indem er anfing zu reden: „Na siehst du, jetzt bist du doch bei mir gelandet. Warum denn nicht gleich so?“

Ich schaute ihn zunächst ziemlich entgeistert an, ehe ich mich zu einem schiefen Lächeln durchrang. Ja, das war durchaus witzig, wie sie das alle hingekriegt hatten und wär’s gerade nicht so dermaßen peinlich, könnte ich sogar lauthals drüber lachen.

„Jetzt guck nicht so ängstlich, ich fress dich schon nicht auf“, versuchte er mich zu beruhigen und legte mir seine Hand auf die Schulter, um mich zu einer kleinen Sitzgruppe zu dirigieren. Mir blieb nichts anderes übrig, als mich seinem Willen zu beugen und artig mitzugehen. Wo sollte ich auch sonst hin flüchten? Die Toilette fiel definitiv aus. Was wäre, wenn er mir dahin folgt und wir dort ganz allein wären? Schnell wischte ich die aufkommenden Bilder vor meinem inneren Auge wieder weg. Nein, dann doch lieber hier bleiben, wo sich noch mehrere Leute aufhielten.

Verkrampft ließ ich mich neben ihm auf einer Art Sofa nieder und drehte meine Flasche Leichtbier in den Händen, in der sich nur noch eine abgekaute Limettenschale befand. Das Fruchtfleisch hatte ich bereits mit den Zähnen abgezusselt.

„Du bist ja immer noch so nervös“, stellte Bushido fest, nahm mir die leere Flasche weg und stellte sie so auf den Tisch, dass ich nicht mehr rankam. „Was muss ich eigentlich tun, damit du mich wieder leiden kannst?“, fragte er gleich hinterher und lächelte mich zuvorkommend an.

Ich zwang mich, ihm fest ins Gesicht zu sehen, um herauszufinden, ob er mich lediglich verarschen will oder ob er es tatsächlich ernst meinte. Ich kannte ihn zu wenig, als dass ich das eine oder andere hätte ausschließen können, deswegen beschloss ich instinktiv, dass ein gesundes Mistrauen durchaus angebracht wäre.

„Wieso sollte ich dich nicht leiden können? Ich kenn dich ja gar nicht so genau“, gab ich möglichst unbefangen zurück und spielte, statt mit der Bierflasche, jetzt mit meinen Ringen.

„Das lässt sich ändern“, raunte er plötzlich ganz nah an meinem Gesicht, so dass ich ein wenig zurückschreckte. Trotzdem konnte ich nicht verhindern, dass mir sein Geruch in die Nase stieg, der fremdartig und männlich, aber trotzdem alles andere als unangenehm war. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie sich sein Arm auf der Sofalehne platziert hatte und bis hinter meinen Rücken reichte. Ich setzte mich gerade hin und drückte das Rückrat durch.

„So, dann erzähl mir mal was von dir, mich scheinst du ja schon ganz gut zu kennen“, erwiderte ich und wunderte mich selbst über den kecken Tonfall in meiner Stimme.

„Hm, ich glaube nicht, dass ich dich schon so gut kenne. Ich denke nämlich, dass hinter deiner hübschen Fassade noch viel mehr steckt, als du in der Öffentlichkeit bereit bist zuzugeben Das macht dich für mich so interessant.“

Seine Worte musste ich erst einmal verdauen. Wie jetzt? War er wirklich ernsthaft an meiner Person interessiert oder wollte er sich nur wichtig machen?  

„Und du würdest das gerne herausfinden, ja?“, fragte ich frech nach. Ich fühlte mich von Minute zu Minute sicherer und fragte mich, wieso ich vorhin so einen Aufstand gemacht hatte. So unsympathisch war er doch gar nicht. Was sie nur alle hatten…

Er grinste mir offen ins Gesicht. „Wenn du nicht wieder versuchst wegzulaufen.“

„Ich bin nicht weggelaufen, ich bin nur nicht zu dir hingekommen“, berichtigte ich seine Worte und fing beiläufig an, meine Haarsträhnen durch meine Finger gleiten zu lassen, sie zu drehen und daran zu ziehen.

„Deine Hände müssen wohl immer mit irgendetwas spielen...hm?“ Ehe ich mich versah, hatte er meine Hand genommen und legte sie auf seine Handinnenfläche, um sie zu betrachten. Ich wagte nicht, sie zurückzuziehen und sah auch keinen Grund dazu. Fasziniert sah ich jetzt deutlich den Kontrast, meiner hellen Haut zu seiner dunkleren. Er betrachtete meine sorgfältig lackierten Nägel, berührte sanft meine Finger, mein Handgelenk und zeichnete die bläulichen Äderchen auf dem Handrücken nach. Ich hielt die Luft an.

„So lang und schmal und doch voller Kraft…sehr, sehr schön. Sie sind wie du.“

Er fing meinen ungläubig verstörten Blick auf und sah mich fragend an. „Was ist? Glaubst du mir nicht?“

Ich wusste nichts darauf zu antworten, bei einer plumpen Anmache hätte ich treffgenau zurückgefeuert, aber Komplimenten hatte ich wenig entgegenzusetzen. Drum schüttelte ich erst den Kopf und nickte gleich hinterher. Ich war eindeutig durcheinander. Wenn ich DAS Tom erzählen würde, der würde sich nicht mehr einkriegen. Ich sah ihn gedanklich im Kreis hüpfen und sich vor Lachen auf die Schenkel schlagen. Der Gedanke an Toms schadenfrohe Hüpforgie brachte mich wieder runter.

„Was soll das eigentlich?“, stellte ich ihn mit fester Stimme zur Rede und entzog ihm unwirsch meine Hand. So konnte das nicht weitergehen, wie sagte man so schön: Erst reicht man ihm den kleinen Finger, dann nimmt er die ganze Hand. Wieso, zum Teufel, fielen mir heute diese ganzen Sprichwörter ein? Ach ja, Georg hatte damit angefangen.

„Ich wollte nur überprüfen, ob deine Hände immer noch so kalt und feucht sind, wie vorhin, als ich zu euch kam.“

Seine ruhige, besonnene und im Moment auch deutlich überlegene Art, brachte mich immer wieder aus dem Konzept, sofern ich je eins hatte. Schnell wischte ich meine Handflächen an meiner Hose ab. Ja, verdammt, sie waren immer noch kalt und feucht! Aber was ging ihn das überhaupt an! Es passte mir hinten und vorne nicht, dass er über meinen physischen Zustand Bescheid wusste. Dann konnte ich ihm ja gleich erzählen, dass mir seine Nähe Herzklopfen bereitete und sich jede Faser in meinem Körper anspannte, wenn er mich berührte. Schnell überlegte ich mir eine Ausrede.

„Die Bierflasche war so eiskalt, ich hatte sie die ganze Zeit in der Hand und deswegen…“

Bushido schüttelte grinsend den Kopf und unterbrach mich. „Warum gibst du es nicht einfach zu, dass du aufgeregt und unsicher bist? Das du nicht weißt, was du von mir halten sollst und wie du dich mir gegenüber verhalten sollst, nachdem ich dich so derbe öffentlich angemacht hab?“

Bingo! Er brachte es auf den Punkt und mich an den Rand eines Nervenzusammenbruches. Ich ließ die Schultern fallen und nickte resigniert. Dabei hob ich  langsam meine Augen, die bisher verschämt auf den dunklen Stoff des Sofas gerichtet waren und blickte in zwei ebenfalls braune Augen, die einen liebevollen, ja schon fast fürsorglichen Ausdruck angenommen hatten und mein Gesicht genauestens musterten. Sekunden verstrichen, ohne das einer ein Wort sagte, bis mich fremde, aber warme und angenehme Finger an der Schläfe berührten und langsam meine Wange hinunter glitten. Von dieser unerwartet zärtlichen Geste überfordert, fielen mir die Augen zu und ich vernahm wie von fern seine Worte.

„Ich bin manchmal ein richtiges Arschloch, weißt du? Ich seh etwas, was mir gefällt – sogar sehr gefällt und will es unbedingt haben. Und ich muss auch jedem davon erzählen. Jeder soll es wissen. Dabei passiert es manchmal, dass ich ein bisschen übers Ziel hinausschieße und übertreibe, naja, sogar ganz schön heftig übertreibe. Hinterher tut es mir dann aber Leid und ich will es unbedingt wieder gut machen…wenn du mich lässt.“

Den letzten Satz flüsterte er fast und doch verstand ich ihn sehr gut. Rutschte da jemand vor mir auf Knien herum und bat um Verzeihung? Mein Atem ging viel zu schnell, ob es an seiner Berührung oder an seinen Worten lag, konnte ich nicht sagen, fest stand, dass ich den heutigen  Abend rot in meinem Kalender anstreichen würde. Warum gab es jetzt keine Kamera, die alles auf Film festhielt, der dann auf Youtube in alle Himmelsrichtungen verbreitet werden wurde? Klar, weil er DAS nie öffentlich zugeben würde! Bei dem Gedanken fand ich auch meine Sprache wieder.

„Du willst dich bei mir entschuldigen und es wieder gutmachen? Also dass muss ich mir noch überlegen “, gab ich mich betont zurückhaltend, obwohl es mich irgendwie rührte, dass er es überhaupt angesprochen hatte. Vielleicht hatte ich ihn doch falsch eingeschätzt und er  war gar nicht ganz so böse. Dann durfte ich aber auch nicht ganz so herzlos sein und musste ihm die Chance einräumen.

„Wie willst du es denn wieder gutmachen?“, fragte ich gleich neugierig hinterher, denn das würde mich echt mal interessieren. Seine Finger hatten inzwischen die Reise über meine rechte Gesichtshälfte beendet und zogen sich wieder zurück. In mir kam ein leises Bedauern darüber auf.

„Hm, also ich würde dir zeigen, wie ich wirklich bin und dass es auch paar Gründe gibt, mich zu mögen“, schlug er achselzuckend vor und schaute mich erwartungsvoll an, als hätte er mir gerade den Himmel auf Erden versprochen.

Ich überlegte angestrengt, was das für mich bedeuten würde. Ob das gut oder eher schlecht wäre und bekam als Resultat schon wieder feuchtkalte Hände.

„Wirklich?“, fragte ich noch einmal törichterweise nach und versuchte ein Gefühl für dieses Versprechen zu bekommen, wobei mir die Berührung meiner Haut durch seine Hände immer noch allgegenwärtig war und wohl maßgeblich meine Entscheidung beeinflusste.

Er lächelte nachsichtig. „Ja, wirklich. Also lässt du mich?“

Ich ahnte nicht im geringsten, auf was ich mich gerade einließ, aber mein viel zu weiches Innere verlangte von mir, dass ich es ihm gestattete und so nickte ich zögerlich mit dem Kopf.

„Du wirst es nicht bereuen, das versprech ich dir“, versprach er mir mit dunkler Stimme und lullte mich damit endgültig ein. Er kam mir dabei schon wieder gefährlich nah, seine Nase berührte seitlich fast mein Haar und in mir kam der seltsame Vergleich auf, als würde ein wildes Tier an seiner Jagdbeute schnuppern, die ihm hilflos ausgeliefert war.

Mein Herz pochte aufgeregt vor sich hin und ich fühlte mich wie beschwippst, obwohl ich mich den ganzen Abend nur an diesem einen Bit Copa festgehalten hatte. Das dieser Typ irgendeine verheerende Wirkung auf mich hatte, konnte ich beim besten Willen nicht mehr abstreiten, nur würde ich das natürlich vor anderen nie zugeben, schon gar nicht vor Tom.


Ende Teil 1


Jau...wer die Geschichte halbwegs lesenswert findet, der darf mir das ruhig mitteilen, alle anderen bitte ich zu schweigen.^^
 
»
Anzeigeoptionen|Review schreiben|Regelverstoß melden|★SocialBookmark
◄   Schriftgröße|Schriftart|Zeilenbreite|Ausrichtung|Zeilenabstand
◄   10px|12px|15px|17px|19px
◄   Times|Arial|Helvetica
◄   25%|50%|75%|100%
◄   Linksbündig|Blocksatz
◄   gering|normal|groß|sehr groß
> Nutzungsbedingungen <   > Datenschutz <   > Impressum <          v3.3-6311