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von Jannchen    erstellt: 21.03.2008    letztes Update: 09.05.2008    Geschichte, Romanze / P6    (fertiggestellt)
Wow, mal wieder so viele schöne Kommis, deswegen habe ich mal schnell weiterübersetzt. Das nächste Kapi, gibts auf jeden Fall heute oder Morgen, ich hoffe, das hier reicht erstmal! =)
Ich würde so gerne mal etwas zu euren Kommis schreiben, aber hab gerade im moment keine Zeit, beim nächsten Kapi mach ichs aber auf jeden Fall!
Isch liebe Eusch.

lg jannchen



Unvermeidbar


Sie stand vor dem Eingang des Friedhofes und versuchte krampfhaft hineinzugehen. Sie war nie wieder nach Forks zurückgekehrt. Es schien wie ein Filmausschnitt aus einem Leben, das sie nicht mehr kannte.

Sie näherte sich langsam dem Eingang, schaute sich um und suchte nach dem Namen. Letztendlich stand sie vor dem Stein und ließ die Informationen in ihr Gedächtnis dringen.  Informationen, die sie eigentlich nicht wollte, da sie sie nicht akzeptieren wollte.

Das, was ihr passiert war, hatte ihn umgebracht. Er starb knapp ein Jahr nachdem sie verschwunden war. Ihr Charlie, war nur noch eine vage Erinnerung. Sie erinnerte sich zum größten Teil an sein Aussehen und an einige seiner Hobbys: Fischen und Sport. Aber diese Erinnerungen waren matt und nicht mehr stark in ihrem Verstand.

Aber sie erinnerte sich daran, dass sie ihn geliebt hatte und dass er sie ebenfalls geliebt hatte.

Es war eine seltsame Art der Ironie , dass sie einst so verzweifelt verwandelt werden wollte, dass sie dachte das wäre das einzige Leben für sie, das einzige Leben das sie wollte. Und schließlich war es das einzige Leben, das ihr übrig geblieben war.

So unklar ihre Erinnerungen an ihr Menschenleben war, umso deutlicher waren die Erinnerungen an ihn. Edward.
Sie konnte sich noch genau an ihn erinnern: Ein Farbklecks, der von Grauem umgeben war. Sie konnte ihre Augen schließen und immer noch perfekte Bilder von ihm malen. Sie konnte immer noch seine samtene Stimme hören und das Zittern spüren, das es in ihr auslöste.

Es war eine grausame Ironie, das sie sich immer noch so genau an den erinnern konnte, der ihr dieses Leben gebracht hatte. Sie hatte sich nur von ihm verwandeln lassen wollen . Sie wollte die Ewigkeit, aber nur wenn sie ihn beinhaltete. Und dann hatte er sie verlassen. Er hatte gesagt, er wollte sie nicht für die Ewigkeit und nicht für den Moment. Er hatte die ganze Welt zerstört in der sie leben wollte.

Die einzige klare Erinnerung die sie neben Edward hatte war: Jacob. Ihre Sonne, ihr kostbarster Freund, dergekommen war und die Stücke ihres zertrümmerten Herzes und ihres zerrießenen Leben einsammelte. Auf eine andere Weise als Edward, war er zum wichtigsten Menschen in ihrem Leben geworden.

Bevor sie verwandelt wurde, realisierte sie einige Dinge. Sie erinnerte sich, dass sie sich vorstellen konnte mit Jacob zusammen zu sein. Sie hatte gewusst, dass sie nie ganz komplett mit ihm sein würde, aber das sie überhaupt etwas mit ihm sein konnte. Sie hatte gewusst, dass sie ihn hätte lieben können, nicht wie Edward, aber genug um ein Leben mit ihm zu verbringen.
Und das, wie alles andere, wurde ihr genommen.
Ihr Verstand wanderte zu jenem Tag zurück. Die einzige Erinnerung, neben denen an Edward, die kristallklar war.

Sie erinnerte sich daran Zuhause gewesen zu sein. Sie war so frustriert gewesen, dass sie Tag und Nacht beobachtet, wie ein Kind beschützt wurde und das Rudel in Gefahr brachte.
Sie erinnerte sich daran, dass an jenem Tag nicht Jacob Wache hielt, sondern jemand anderes, damit er ein wenig Schlaf bekommen konnte. Sie war in der Küche gewesen und hatte Essen zubereitet. Sie dachte über sich und Jacob nach, das sie zusammen sein könnten, dass es nicht genau das war, was sie wollte, das sie aber relativ glücklich machen könnte.

Sie erinnerte sich daran, dass sie sich umgedreht hatte um nach einem Teller zu greifen, als Victoria vor ihr stand. Ihr Haar stand wild um ihren Kopf, ihre Augen schauten begierig und der Wahnsinn spiegelte sich in ihrer Haltung.
Jede Minute und jedes Detail danach hatte sich in Bellas Gedächtnis eingebrannt. Sie hörte immer noch Victorias hysterisches Lachen, hoch und schrill. Sie wusste noch, dass sie keinen Muskel bewegen, kein Wort sagen und nur in Victorias verzerrtes Gesicht starren konnte.
Und sie erinnerte sich, dass sie betete, dass Jacob jeden Moment da sein würde. Es war der erste Gedanke in ihrem Kopf: „Lass ihn kommen, bitte!“, der Gedanke sich in ihrem Kopf immer und wieder abspielte.

„Es war Bestimmung, dass es so passiert“, hatte Victoria lachend gesagt. Bella hatte sie nur ,unfähig zu Sprechen oder sich zu Bewegen, angestarrt.  

„Ich werde keine Zeit mit einem Small-talk verschwenden“, hatte sie geknurrt. Sie war durch die Küche gestürmt und hatte Bellas Haar gegriffen. Bella war sich sicher, dass sie einen Schrei getan hatte, obwohl sie gewusst hatte, dass es ein keinen Sinn machte. Aber als sich Victorias Zähne in ihren Hals bohrten, hatte sie erstickt ein Wort herausgebracht.

Unvermeidlich.

Victoria war zu ihr gekommen und hatte ihr den letzten Rest ihres Lebens genommen, indem sie sie verwandelt hatte. Sie hatte gewusst, dass etwas passiert und dass sie nicht sterben würde. Weder sterben noch unter die Erde zu kommen. Es war alles unvermeidbar gewesen. Sie hatte noch nicht einmal geschrieen. Sie hatte gewusst was passiert und sie hatte nicht geschrieen.

Und dann passierte das, was sie gewusst hatte, passieren würde. Es war vollkommen still, bis die Tür mit einem Krachen aufgebrochen wurde und ein lautes Knurren im ganzen Haus zu hören war. Sie erinnerte sich, dass sie von Victoria losgelassen wurde und auf den Boden gefallen war. Sie erinnerte sich an wildes Knurren und schließlich lautes Gekreische. Sie erinnerte sich daran, dass Sam sie bei den Schultern gepackt hatte und ihren Namen rief. Sie erinnerte sich ihn völlig betäubt angestarrt zu haben und immer wieder Jacobs Namen gemurmelt zu haben.
Dann hatte es angefangen zu brennen und sie schrie. Ihr ganzer Körper wurde von dem Feuer aufgefressen und niemand konnte es löschen. Sie erinnerte sich, dass jemand Jacob anrief und es war wie eine Ewigkeit bis er schließlich auftauchte, sie auf seinen Armen trug und schmerzerfüllt weinte.

Sie erinnerte sich daran, dass er mit ihr losgerannt war. Sie konnte immer noch seine gequälten Rufe hören und ihre schmerzreichen Schreie. Sie erinnerte sich, nach einem langen Ritt, abgesetzt worden zu sein. Er hatte sie flach auf den Boden gelegt, sein Gesicht nah an ihres und ihr leise zugeflüstert, dass er sie für immer lieben würde und das es ihm so leid tat, dass er sie nicht hatte beschützen können.
Sie erinnerte sich erstickt geantwortet zu haben, dass sie ihn auch liebte, bevor er für immer fortging.

Über die Tage ihrer Verwandlung legte sich der Schleier der Qualen. Sie hatte dort auf dem Boden gelegen und schrie tagaus tagein. Als die Verwandlung abgeschlossen war, fand sie sich auf einem Waldboden in den Bergen wieder. Jacob war weit mir ihr gelaufen.

Sie erinnerte sich daran, wie anders sich ihr Körper anfühlte, so fremd. Sie fühlte plötzlich alles sehr intensiv: Jedes Geräusch verstärk und ihr Blick weit und klar. Und das Brennen. Das Brennen in ihrem Rachen: der Durst.

Sie hatte nicht lange gebraucht um zu Jagen. Das erste Tier, das ihr über den Weg gelaufen war, hatte sie in wenigen Sekunden erlegt. Und jedes Tier danach.

Sie war eine lange Zeit in den Bergen geblieben, das sie nicht wusste, wo sie hingehen konnte.
Sie rief sich ins Gedächtnis, wie gefährlich Neugeborene für Menschen waren. Sie hatte nicht das Risiko eingehen wollen, jemanden zu verletzen.
Deswegen entschied sie in den Bergen zu bleiben, vorerst. Nach einer langen Zeit des Nachdenkens, beschloss sie an den einzigen Ort zu gehen, der Sinn machte. Zu dem Haus. Wo keine Menschen sein würden. Wo nichts sein würde.
Dort blieb sie lange. Jahre. Das einzige was sie tat war jagen und denken. Sie dachte über ihre Vergangenheit und über ihre unbestimmte Zukunft nach.

Es dauerte nicht lange, bis sie zumindest einen Teil ihrer Zukunft wusste: Sie würde allein sein. Es gab keine andere Option. Es zerrte an ihr, dass sie nun das war was sie immer hatte sein wollen, aber ohne Edward, denn er hatte sie nicht mehr gewollt. Und als sie versucht hatte ein Leben ohne ihn zu leben, wurde es ihr ebenfalls genommen.
Ihr war überhaupt nichts mehr geblieben. Als Edward sie verlassen hatte, hatte sie Menschen um sich, die zu ihr hielten. Nun aber war sie in einem leeren Haus und hatte niemanden mehr. Sie lächelte bitterlich ihr wunderschönes Spiegelbild an, als sie es zum ersten Mal erblickte. Makellos und ihre Augen strahlten in einem wunderbaren topaz.
Sie dachte nie daran, wie glücklich sie damals gewesen wäre über diese Anmut. Heute aber verfluchte sie sich selbst: Was sollte sie mit einer Ewigkeit, wenn sie alleine war?

Schließlich wollte sie es riskieren unter Menschen zu gehen. Nicht nach Forks, das wäre zu riskant gewesen. Deswegen ging sie in eine andere Stadt in Washington. Das erste Mal als sie den Geruch eines Menschen gerochen hatte, war sehr hart, doch sie war zu diesem Zeitpunkt gut gefüttert und schon seit einigen Jahren ein Vampir.
Nach einiger Zeit fiel ihr auch der Umgang mit Menschen nicht mehr so schwer und sie begann ein ähnliches Leben wie die Cullens zu führen, mit gefälschten Papieren und endlosen Schuljahren.
Geld war ganz zu Anfang ein Problem. Sie war auch nicht stolz darauf, dass sie gestohlen hatte, obwohl sie wusste das sie auch im freienüberlebt hätte. Doch so ein Leben wollte sie nicht. Sie wollte zumindest ein Symbol der Normalität.
Anschließend begann sie Jobs in Supermärkten und Lagerhäusern und welche für viel Geld. Und nachdem sie in mehrere Städte gezogen war, wusste sie auch wie man an die Leute herankam, die die Ausweise besorgen konnten, die man benötigte.    

Sie benutzte nie Bella Swan, denn sie war nicht mehr Bella Swan. Sie war das Ding das in der leeren Hülle, Bella Swans Körper, lebte. Sie kannte Bella Swan nicht mehr. Sie kannte niemanden. Sie wusste nicht wer sie war. Sie wusste nur, dass sie nicht mehr Bella war. Sie wählte andere Namen.

Und wie die Cullens früher, mied sie alle Menschen. Außerdem musste da etwas in ihrem Gesicht sein, dass den Personen automatisch vermittelte, dass sie nicht an Kontakt interessiert war.
Sie wusste noch nicht einmal wie oft sie bis heute die High School besucht hatte. Sie hatte es nie mit dem College versucht. Es war so einfach die High School immer und immer wieder durchzulaufen. Im College hätte sie aufmerksam sein müssen und etwas neues lernen.

Sie war immer nah bei Forks geblieben, gewöhnlich in Städten in Washington. Es war einfacher als sie gedacht hätte. Papiere waren einfach zu besorgen und nach einer Weile begannen die Tage zur Routine zu werden und die Jahre vergingen unbemerkt.

Aber genau wie in ihrem Menschenleben, waren ihre Gedanken durchgehend bei Edward. Manchmal Erinnerungen, dann wieder Gedanken was er wohl im Moent tat. Sie hatte nie nach ihm gesucht und  hatte es auch noch nie versucht.
Denn Bella Swan gehörte zu Edward und sie war nicht Bella. Ihre Erinnerungen schienen wie ein Film, indem sie zwei Verliebte sah. Doch keine der Beiden war sie.

Sie versuchte ihn zu hassen. Sie schaute auf ihr Menschenleben zurück, auf alles was ihr passiert war und versuchte ihn zu hassen, aber sie konnte nicht. Sie fühlte nur Bitterkeit. Ihr ganzes Leben bestand aus Gleichgültigkeit. Sie fühlte nichts, nichts mehr. Einige Jahre hatte sie zornig verbracht, andere traurig und wieder andere grollend. Und nun verbrachte sie die Jahre in Gleichgültigkeit.

Sie hatte die Entscheidung nach Forks zurückzugehen, hin und her überdacht. Schließlich entschied sie sich zu kommen, den etwas in ihrem Kopf sagte ihr, es war Zeit zurückzukehren.
Sie hatte sich alle Papiere, die sie brauchte, besorgt, hatte einen Job in Port Angeles gefunden und hatte ein kleines Zimmer in Forks gemietet, indem kaum andere Menschen lebten.
Und morgen, würde sie in die Forks High School gehen, zu dem Ort, der den Kurs ihres jetzigen Lebens bestimmt hatte.


Sie ging weiter zu dem Grabstein neben dem Charlies und starrte es eine Weile nur an. Eins Stein mit niemanden darunter. Sie stellte sich ihre Eltern vor, die so viele Male davor gestanden haben mussten, die geweint hatten um ihre Tochter, über die niemand wusste was ihr passiert war. Dies bereitete ihr Schmerzen.

Sie las den Namen immer wieder. Isabella Marie Swan. Bella Swan. Bella.

Sie war nicht Bella. Und nicht Bella würde morgen in die Schule gehen.
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