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von Keyla    erstellt: 15.02.2008    letztes Update: 15.02.2008    Geschichte, Allgemein / P6    (fertiggestellt)
Rating: PG
Anmerkung: Die Idee für diese FF spukte mir schon eine ganze Zeit lang i Kopf herum und nun hab ich sie endlich aufgeschrieben.
Ich lese gerne Animorphs und verfolge immer wieder gerne den fünf Kids plus Andalit. Doch ich habe mich auch immer gefragt, wie die Controller sich fühlen, als Gefangene in ihrem eigenen Körpern.
Würde mich über Feedback freuen.
Disclaimer: Bis auf meine erfundenen Figuren gehören alle Figuren nicht mir sondern K. A. Applegate.



Die Schreie erklangen aus allen Richtungen. Doch das war nicht das, was Nicky eine Gänsehaut über den Rücken laufen ließ. Das Gelächter das von einem anderen Teil der riesigen Höhle herüberdröhnte machte ihr zu schaffen.

Das Gelächter der freiwilligen Wirte. Die Menschen, die sich gegen ihre Rasse gestellt hatten. Die für Nicky zu Verrätern wurden. Jetzt saßen sie dort hinten und schauten irgendeine Serie auf einem Plasmabildschirm, aßen Popcorn und machten Witze.

Nicky saß an der Rückwand des Käfigs, der zwischen einem weiteren Käfig für Menschen und einem für Hork-Bajirs stand, und sah traurig zu dem Infizierungspier, der einige Meter über den riesigen Yirkpool reichte.

Dort schwammen diese widerlichen, grauen Nacktschnecken, die ganze Rassen versklavt hatten. Dort schwamm auch Elraf Eins-drei-neun. Der Yirk, der immer wieder ihren Körper übernahm. Seit Monaten, die für Nicky wie Jahre vorkamen.

Sie erinnerte sich noch, als sie das erste Mal hier herunter geschleppt wurde. Sie hatte sich mit Händen und Füßen gewehrt und selbst als einer der Hork-Bajir-Controller ihr eine seiner Klingen an den Hals setzte, hatte sie noch gestrampelt und geflucht, dass ihr Vater ihr mit Sicherheit drei Monate Hausarrest aufgebrummt hätte.

Eine milde Strafe angesichts der Folter, die sie und alle anderen Opfer der Yirks durchmachten.
Seit dem hatte sie alles, was sich außerhalb dieser Höhle befand, nur passiv sehen können. Wie durch einen Fernseher.

Am Anfang hatte Nicky in ihrem Kopf geschrieen, hatte rebelliert und versucht, die Kontrolle über ihren Körper zurück zu erlangen, doch Elraf hatte nur gelacht. Inzwischen verwendete sie eine andere Methode.

Sie nervte den Yirk, lenkte ihn ab und hatte es so einmal geschafft, ihn zum Ausrasten zu bringen, was dazu geführt hatte, dass sie für wenige Sekunden die Kontrolle zurückgewinnen konnte. Das war bei irgendeinem Abendessen vor Wochen oder Monaten passiert.

Sie hatte ihren Vater angeschrieen, ihre Mutter, ihren kleinen Bruder, dass sie, Nicky, von einem Yirk übernommen worden war, dass die Yirks dabei waren, die gesamte Menschheit zu unterwerfen.

Doch Nicky lag nicht nur die Menschheit am Herzen. Nein, als sie herausgefunden hatte, dass die Yirks später vorhatten, die Natur zu zerstören, die Tiere auszurotten und die Erde trostlos und kahl zu machen, war sie total ausgetickt.

Ihre Großeltern besaßen eine wundervolle Farm, zu der sie – vor allem als sie noch klein war – immer gefahren waren. Dort hatte sie reiten gelernt, geholfen, die Tiere zu füttern und auf den Weiden und in dem angrenzenden Wald einen Teil der Schönheit der Natur kennen gelernt.

Nickys Aufmerksamkeit wurde auf einen Jungen gelenkt, der nun heulend in ihren Käfig geschubst wurde.
Die meisten weinten, viele wehrten sich und einige versuchten sogar abzuhauen, doch nichts von alldem ließ diesen wahren Albtraum aufhören.

Nicky hatte inzwischen aufgehört, ständig zu weinen. Nur ab und zu tat sie es noch. Hin und wieder versuchte sie sogar, sich zu wehren und davon zu laufen, doch sie hatte kapiert, dass es keinen Ausweg gab.

Nur ab und zu sah sie einen Hoffnungsschimmer. Immer dann, wenn die andalitischen Krieger hier unten aufkreuzten, machte ihr Herz große Hüpfer. Denn immer wenn sie sah, wie die Andaliten hier unten kämpften, wusste sie, dass es noch Hoffnung gab, dass jemand für sie alle kämpfte.

Der Junge, der mit großer Wahrscheinlichkeit erst sechs war, schrie immer wieder herzzerreißend: „Maammiiiii!“

In Nicky fing die Wut auf die Yirks, die sie für einen Moment vergessen hatte, wieder an zu brodeln. Wie konnten die Yirks so was nur einem kleinen Jungen antun? Einem Kind, das gerade mal imstande war, bis zwanzig zu zählen.

Mit verweinten Augen sah sich der Junge im Käfig um. Einige der Leute schrieen und griffen durch die Gitterstäbe nach draußen, andere weinten und zwei Männer warfen den Hork-Bajirs, die die Käfige bewachten, wilde Flüche und Verwünschungen zu.

Doch keiner kümmerte sich wirklich um den kleinen Jungen. Und plötzlich wurde sich Nicky bewusst, dass dieser Junge im selben Alter war wie ihr kleiner Bruder Luke. Früher fand Nicky ihren kleinen Bruder nervig und ätzend, doch inzwischen flehte sie den Yirk auf Knien an, ihn in Ruhe zu lassen.

Sie wollte nicht, dass Luke dasselbe durchmachen musste wie sie.
„Hey Kleiner“, sagte sie und winkte den Jungen herbei. Dieser ging zu ihr und vergrub sofort weinend sein Gesicht in ihrem T-Shirt.

„Scht. Alles wird gut“, flüsterte sie und streichelte ihm übers Haar.

„Ich will zu meiner Mami“, schluchzte der Kleine.

„Ich weiß“, sagte Nicky und schaukelte vor und zurück. „Ich auch.“ Trotz dass sie, Nicky, schon sechzehn war, sehnte sie sich nach der Umarmung ihrer Mutter. Sehnte sich danach, das Auf und Ab ihres Brustkorbes selbst zu fühlen, nicht durch einen Schleier, durch den sie nur alles von weit weg sehen und fühlen konnte.

Wie ein kleines Kind, wünschte sich Nicky, in die Arme ihrer Mutter zu laufen, wenn sie weinte, sich schlecht fühlte oder Angst hatte. Und dann der beruhigenden Stimme ihrer Mutter zu zuhören, wenn sie tröstende Worte sprach und dann mit ihr Nickys Lieblingslied sang.

Während Nicky nun da so saß, den Jungen beruhigend schaukelte, dachte sie an dieses Lied, durch das sie immer wieder fröhlich geworden war. Es war ein Kinderlied. Eines, das jedes Kind kannte, für Nicky jedoch eine besondere Magie besessen hatte, als sie klein war.

Neben ihr im Käfig bemerkte Nicky eine Hork-Bajir-Frau, die zu ihr und dem Jungen herübersah. Nicky lächelte ihr zu. Die Hork-Bajir kam an den Käfigrand und streckte ihren klingenbesetzten Arm zu ihr.

Nicky fürchtete sich nicht vor ihr. Sie wusste, dass die Hork-Bajir ein sehr friedlich lebendes Volk gewesen waren und ihre Klingen nicht zum Kämpfen da waren.

Die grüne Hand der Hork-Bajir streichelte langsam über den Kopf des Jungen. Dieser sah zu ihr auf und langsam verrannen die Tränen, dennoch wurde der Junge noch immer von Schluchzern heimgesucht.

Nicky atmete einmal tief durch. Sie hatte das Kinderlied schon seit Jahren nicht mehr gesungen und war sich nicht sicher, ob sie den eigentlich sehr kurzen Text noch konnte.

„Twinkle, Twinkle little star
how I wonder what you are
up above the world so high
like a diamond in the sky
Twinkle, Twinkle little star
how I wonder what you are.”

Während Nicky leise gesungen hatte, hatten der Junge und die Hork-Bajir ihr interessiert zugeguckt.
„Als ich klein war, hat meine Mutter mir dieses Lied oft gesungen, wenn ich traurig war“, erklärte Nicky dem Jungen.

Und plötzlich begann der kleine Junge mit noch zittriger Stimme das Lied von neuem zu singen. Nicky stimmte mit ein. Ab der dritten Zeile setzte sogar die Hork-Bajir ein und zusammen sagten sie als Trio dieses einfache Kinderlied.

Nicky hatte dabei so viel Spaß und sang immer wieder diese eine Strophe und nach einigen Minuten hatten einige Menschen und sogar einige Hork-Bajirs in anderen Käfigen begonnen mitzusingen.

Nicky wusste, dass das die Yirks nicht beeindrucken würde, doch so konnten sie – sowohl Mensch als auch Hork-Bajir – den Yirks zeigen, dass sie dennoch eine Gemeinschaft waren, dass sie zusammenhielten. Und niemand sie trennen konnte.

Ende
 
 
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