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von Lady of Stories    erstellt: 10.02.2008    letztes Update: 29.04.2008    Geschichte, Romanze / P12    (fertiggestellt, keine anonymen Reviews)
„Hatte ich schon erwähnt, dass du es warst, der mich ermordet hat?“

Dracula drehte sich auf dem Laufsteg, der hoch über dem zerstörten Labor hing, in Richtung des großen Fensters, auf das van Helsing zutaumelte. Der Vollmond war hinter einer Wolke verschwunden, und der Vampirjäger, nun wieder in menschlicher Gestalt, sah zu dem Vampir auf, der ihm gerade seine Vergangenheit zu Füßen legte.

„Was für ein Fluch, was für eine Last, des allmächtigen Gottes linke Hand zu sein.“

Van Helsing wich weiter zurück, dabei drehte sich sein Kopf zum Fenster. Er musste nur abwarten, bis der Vollmond wieder zum Vorschein kam… Ruckartig wich er noch weiter zurück, als Dracula unmittelbar vor ihm landete.

„Ich will nur leben, Gabriel, und den Fortbestand meiner Art sichern“, sagte Dracula und ging langsam auf seinen Widersacher zu. „Und vielleicht“, hier hielt er seine linke Hand hoch, den Mittelfinger eingeknickt, „erhalte ich ja auch meinen Ring zurück.“
Van Helsing sah auf den Ring, den er an seiner rechten Hand trug. Das also war das Geheimnis seines Erbstückes; es war Teil der Erinnerungen, die van Helsing vor vielen Jahren verloren hatte, und denen er bis heute nachjagte. Als er den Kopf hob, bemerkte er, dass Dracula wieder näher gekommen war. Abermals trat der Vampirjäger zurück, bis er beinahe unter dem Fenster stand.

„Hab keine Angst, Gabriel, hab keine Angst.“ Draculas Stimme klang lockend, zugleich aber auch ein wenig verängstigt. Er wusste, worauf der Mann vor ihm wartete. Und was geschehen würde, wenn er auch nur einen Augenblick lang unaufmerksam war. „Ich gebe es dir zurück, dein Leben“, hier machte der Vampir eine ausladende Armbewegung, „und alles, was du vergessen hast.“

„Manche Dinge bleiben besser vergessen!“ Van Helsing ging in die Knie, als der Vollmond hinter der Wolkendecke hervorkam. Die Verwandlung des Menschen in einen Werwolf war grauenhaft mit an zusehen; es schien, als würde die Haut mitsamt den Knochen aufbrechen. Darunter kam braunes, zottiges Fell zum Vorschein.
Das Gesicht van Helsings zog sich in die Länge, ihm wuchs eine Wolfsschnauze mit langen, spitzen Zähnen, Klauen anstatt Hände befanden sich an den nun massigen Unterarmen. Seine gelben Raubtieraugen richteten sich auf Dracula, als er sich aufrichtete.

Der Vampir nutze den winzigen Moment, den der Werwolf ihn musterte und sprang nach oben, bereit, sich abermals zu verwandeln. Doch im selben Moment machte der Werwolf einen Satz, riss den Vampir mit sich und prallte vor ein breites, kreisrundes Auffangbecken. Mit einem gezielten Biss riss der verwandelte van Helsing dem Vampir die Kehle auf und sprang zurück. Noch während der tödlich verwundete Körper zu Boden glitt, verwandelte der Vampir sich in Dracula zurück.

Das Letzte, was der Vampir bemerkte, bevor ihm schwarz vor Augen wurde, war Anne Valerious, die mit den Worten „Für Gott!“ auf den Werwolf zulief und ihm eine Spritze in den Nacken stieß. Der Werwolf schleuderte die junge Frau von sich; sie fiel auf eine Liege und blieb mit gebrochenem Genick liegen.

So geht die Linie der Valerious zu Ende, dachte Dracula und schloss die Augen.

               
 
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