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Die Überbringer schlechter Nachrichten
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von Kuschelkueckchen    erstellt: 15.01.2008    letztes Update: 24.08.2008    Drama / P16     6 Reviews
Jahr 23 Imperialer Zeitrechnung – Planet Yhatris – Raumhafen der plantaren Hauptstadt

Der Wind fuhr kalt und schneidend unter ihr Cape, zog es mit sich und ließ es hinter ihr flattern wie eine Sturmwolke, fraß sich durch ihre schwarze, an die Uniform der imperialen Flotte angelehnte Kleidung, und sie blickte unverwandt zum grauen Winterhimmel hinauf.

„Es ist kalt, Ma'am. Sie holen sich noch eine Lungenentzündung hier draußen“, bemerkte Sergeant Dag Whitehouse, der Kommandeur ihrer Leibwache, an ihrer Seite, doch Gouverneurin Yelia Trasca des imperialen Sektors Yhatris schüttelte nur leicht den Kopf, während der Soldat die Klappe seines Holsters öffnete.

„Außerdem könnte jeder Ewok mit einem Blastergewehr Sie erschießen, während Sie hier stehen“, fügte er übertrieben verdrießlich hinzu in einem Versuch, sie aufzuheitern.

„Das denken Sie doch nicht wirklich, Sarge, immerhin haben Sie und ihr Anhang doch sicherlich das Gelände dreimal überprüft und überwachen alles, was sich bewegt und größer ist als eine Fliege“, antwortete sie lustlos, und er schien zu spüren, dass ihr heute nicht nach seinen Scherzen zumute war.

Nicht, nachdem sie das Gesicht des Admirals gesehen hatte, als er ihr mitgeteilt hatte, dass er den Planeten besuchen würde, um ihr die Nachrichten aus Coruscant zu überbringen. Natürlich, es hätte ihn keine Sekunde gekostet, die Transmission auf ihr persönliches Terminal an ihrem Schreibtisch zu schicken... aber seine Miene... Es gab Botschaften, die überbrachte man entweder persönlich oder gar nicht, und Yelia Trasca hatte im Verlauf der letzten zwölf Jahre gelernt, einen Mann zu erkennen, der eine solche erhalten hatte.

Bei dem Gedanken daran, was es wohl sein mochte, das den ältlichen Admiral mit den ruhigen braunen Augen so aus der Fassung gebracht hatte, fröstelte sie auch ohne das Zutun der schneidenden Kälte auf dem Landefeld.

„Ist Ihnen wirklich nicht kalt, Ma'am? Soll ich Ihren Mantel holen lassen?“ Sergeant Whitehouse hatte ganz offensichtlich ihre unbehagliche Geste bemerkt, doch sie schüttelte nur den Kopf, während sie ihr dickes Cape enger um sich schlang.

„Sicher?“, hakte er nach, und sie wandte ihm nun doch den Kopf zu, blickte für einen Augenblick auf seine breite, muskulöse Gestalt hinunter, zwang ein Lächeln auf ihre Lippen, das weder sie noch ihn täuschte.

„Vollkommen sicher, Sarge.“

Sie mochte den stämmigen Sergeant mit dem Drei-Tage-Bart, die Stoppeln schienen einfach nicht zu verschwinden, egal, wie oft sie versuchte, ihm zu erklären, dass der Kommandant der Leibwache einer imperialen Gouverneurin wenigstens rasiert zu sein hatte, sie mochte ihn sehr. Und er mochte sie, was wohl der einzige Grund war, aus dem er hier neben ihr stand, der Grund, aus dem sie es nicht geschafft hatte, ihn dazu zu überreden, ins Exil zu gehen. Wie alle anderen, die sie liebte, diejenigen, die noch übrig waren davon...

„Ma'am!“

Sie blickte hoch und entdeckte den schwarzen Punkt unter den hellen, grauen Wolken, der anschwoll, größer wurde, bis sie die charakteristische Form einer Lambda-Fähre erkennen konnte, die sich langsam auf das Landefeld herabsenkte. Ihre Düsen wirbelten Staub auf, und Yelia hielt schützend den Arm vor die Augen, bis der Sturm aus heißen Abgasen und Schmutz abgeebbt war und das kleine Raumschiff seine Rampe ausfuhr.

Vizeadmiral Alain Natrán trat hinunter, mit schnellen Schritten, die so gar nicht zu seinem pompösen Selbst passen wollten, und auch die beiden Sturmtruppler, die hinter ihm aus der Fähre traten, schienen ein wenig verwirrt zu sein, auch wenn das durch ihren Gesichtspanzer nicht besonders leicht festzustellen war.

„Admiral.“ Sie machte ein paar Schritte auf ihn zu, starrte ihn an, als sie die gehetzte Furcht in seinen Augen bemerkte, die Ungewissheit, die Angst. „Was ist passiert?“

Er blickte zu Boden, die Lippen verkniffen, und wrang seine Hände hinter dem Rücken. „Ich... ich muss Ihnen bedauernd mitteil... verdammt, der Imperator ist tot!“

Für einen Moment schien die Galaxis stillzustehen, sie konnte Natrán nur anstarren, nicht glauben, was er da gesagt hatte, und sie verbannte den Funken von Hoffnung tief in ihre Brust, dorthin, wo er sein sollte. Sie durfte nicht hoffen, denn Hoffnung machte sie verletzlich. „Ich darf davon ausgehen, dass dies ein geschmackloser Scherz ist, Admiral?“ Und trotzdem, sie hatte seinen Blick gesehen, seine Angst...

„Kein Scherz, Gouverneurin Trasca... ich habe ebenfalls gehofft, dass es so ist, aber... er ist tot. Wirklich tot, genauso wie Darth Vader...“

Er klang erschöpft, müde, und sie presste sich die Hand vor den Mund, um den erstickten Laut, der hervordringen wollte, zu unterdrücken, um ihr Zittern zu verbergen, wie ihre Knie weich wurden... Whitehouse packte sie an der Schulter, sie spürte erst jetzt, dass sie getaumelt war, und seine beruhigende Präsenz ließ sie ihr Gleichgewicht wiederfinden.

„Das ist schrecklich...“, murmelte sie, während ihr Inneres zu frohlocken begann, ihr Verstand lange vergessene Pläne hervorgrub, Ideen, und die Hoffnung wuchs.

Natrán betrachtete sie für einen Moment, so als ob er sich über ihren Zustand nicht sicher wäre, und sie nickte kurz, schüttelte die vage Benommenheit ab, die sie für einen Moment umfangen hatte. „Gehen wir nach drinnen, Admiral, bitte...“

Der Weg über das Landefeld schien sich ewig zu dehnen mit dem kalten Wind und der quälenden Ungewissheit. Was war geschehen? Wer hatte den Imperator getötet, dieses alte Reptil aus seinem Palast auf Coruscant gezerrt, von dem aus er Marionetten in der ganzen Galaxis gesteuert hatte? Und, noch wichtiger, wer hielt jetzt die Macht in Händen? War es jemand, gegen den sie einen Chance hatte in ihrem Ringen?

Sie traten durch eine automatische Tür in den kleinen Verwaltungskomplex, den man für den hohen Besuch geräumt hatte, und wollte den Admiral schon weiterbitten, als er hastig den Kopf schüttelte. „Ich muss sofort auf die Defiance zurück, Gouverneurin, ich würde es also vorziehen, hier zu bleiben. Die Situation ist im Moment ausgesprochen instabil, wenn Sie verstehen...“

Anstelle einer Antwort nickte sie nur und wies auf eine der gepolsterten Sitzecken, die für hochrangige Fluggäste vorgesehen waren, er nahm Platz und strich seine Uniform glatt. Auch sie hockte sich auf die Kante eines der Stühle, während Whitehouse misstrauisch hinter sie trat, um sie gegen jede mögliche Gefahr zu verteidigen, genauso, wie die beiden Sturmtruppler zu beiden Seiten der Tür Aufstellung nahmen.

Nur mit Mühe und der Erfahrung aus mehr als zwanzig Jahren Politik schaffte sie es, ruhig und beherrscht zu wirken, nichts von der Aufregung, die sie durchdrang, nach außen quellen zu lassen, und sie ließ sich sogar ein wenig tiefer in ihren Sessel sinken.

„Die Nachrichten widersprechen sich bis jetzt noch, und manche wirken regelrecht panisch, aber was ich herauslesen konnte, ist: Der Imperator starb, als sein Todesstern über Endor explodierte. Auch Darth Vader befand sich an Bord, und in der imperialen Flotte brach Chaos aus. Die Executor war zuvor in den Todesstern gestürzt, und die Rebellentruppen vernichteten einen Großteil der verbliebenen Schiffe.“

„Eine Katastrophe...“, wisperte sie mit großen Augen. Eine wunderbare, glückbringende Katastrophe... „Aber... was geschah danach?“

„Ich weiß es nicht... Coruscant steht unter der Kontrolle von Sate Pestage...“ Trotz seiner endlosen Loyalität und Ergebenheit dem Imperium gegenüber, mit dem er Trasca fast in den Wahnsinn getrieben hätte in den letzten Jahren, schien ein Schatten von Zweifel im Gesicht des Admirals zu liegen, ein Unbehagen, und sie verstand es. Großwesir Sate Pestage war nicht der Mann, die unzufriedenen Generäle, Admiräle und Moffs zu einen, das galaktische Reich zu erhalten, das sein Herr aufgebaut hatte...

Natrán schüttelte den Kopf. „Mehr weiß ich nicht, es gibt Gerüchte, dass sich die ersten Sektoren von der Zentralverwaltung gelöst hätten, aber ich konnte sie nicht bestätigen lassen...“

Sie nickte knapp, und er erhob sich ruckartig. „Meine Zeit ist knapp, Gouverneurin, und wahrscheinlich sind schon neue Meldungen eingetroffen. Ich lasse sie in Ihre Büro übertragen, aber mir war wichtig, dass Sie als treue Dienerin des Imperators persönlich davon erfahren... es gibt Nachrichten, die überbringt man entweder persönlich oder gar nicht...“

„Ich weiß“, nickte sie, „und ich danke Ihnen, Admiral.“

Er war ein höflicher Mann, stellte sie fest, als sie neben ihm nach draußen ging, um ihn zu seinem Shuttle zu begleiten, und abgesehen davon, dass er für den größten Schlächter in der galaktischen Geschichte arbeitete, eigentlich recht anständig. Zu schade, dass er sterben musste, aber für den Plan, der sich langsam in ihrem Kopf entspann, war es unumgänglich, dass er aus dem Weg geräumt wurde – fähig und dem Imperium gegenüber loyal war eine Kombination, die sie in den nächsten Wochen nicht in ihrer Nähe sehen wollte.

„Erlauben Sie mir, dass ich Ihnen mein Beileid ausspreche, Admiral“, meinte sie leise, als er sich schon der Rampe der Lambda-Fähre zugewandt hatte, und er drehte sich wieder zu ihr und drückte die ihm dargebotene Hand. „Ich Ihnen ebenfalls, Gouverneurin.“ Kurz nickte er noch, dann verschwand er endgültig, und sie wurde von Whitehouse über den Platz zu ihrem gepanzerten Repulsorfahrzeug gescheucht, die Fahrt zum Regierungssitz des Sektors gab ihr genug Zeit, nachzudenken...


Jahr 11 Imperialer Zeitrechnung – Planet Yhatris – Raumhafen der plantaren Hauptstadt

„Konsulin Trasca.“ Der Pilot war jung, fast zu jung, wie sie fand, doch sein kleiner, schneller Sternjäger glitzerte im warmen Licht der Frühlingssonne, und er wirkte sorglos, unschuldig, wusste nicht, dass die Nachrichten, die er überbrachte, über das Schicksal seiner Welt, seines Sektors entscheiden konnten.

„Ich konnte das Cassidon-System ungestört erreichen, Ma'am, allerdings befand sich eine Sternzerstörerflotte der Imperialen im Orbit um den Hauptplaneten, und eine Einsatzgruppe sammelte sich bei den Monden von Cassidon VI. Nach den Nachrichten, die ich abfangen konnte, steht der gesamte Ltuuru-Sektor unter imperialer Kontrolle, Ma'am, und wenn Sie mir die Vermutung gestatten: Ich denke, die Einsatzgruppe, die ich entdeckt habe, wird zusammengestellt, um die Republik Yhatris anzugreifen.“

Wozu sonst, Idiot, oder denkst du, die Imps wollen nur gemütlich picknicken? Der Gedanke schlich sich in ihren Geist, bevor sie ihn unterdrücken konnte, doch sie verhinderte gerade noch, dass sie ihn laut aussprach. Der Junge konnte nichts für ihre gereizte Stimmung, eine Stimmung, in die sich zu einem guten Teil Angst mischte. Ltuuru war der letzte Nachbarsektor gewesen, der die Republik Yhatris noch von dem hungrigen Moloch des Imperiums getrennt hatte, und nun war sie ihm schutzlos ausgeliefert, geradezu umzingelt.

Und sie war die Konsulin, die dem Senat vorstand, keine Machtträgerin, sondern nichts als eine Prima inter Pares, und all ihre Kollegen hatten sich dazu entschlossen, ihren Kopf in den Sand zu stecken und nicht herauszukommen, bis die imperiale Flotte sie in den Arsch trat.
„Danke, Flight Officer...“, sie schielte hastig auf die Plakette an seiner Brust, „Zugom.“

„Es war mir eine Ehre, Ma'am“, antwortete der junge Mann stolz, doch sie sah ihn schon fast nicht mehr, so schnell hatte sie sich abgewandt und schritt über den Asphalt, auf dem Weg gesellte sich Sergeant Dag Whitehouse, seines Zeichens Mitglied der Senatsgarde und für ihren Schutz verantwortlich, zu ihr.

„Na, was ist Ihnen denn über die Leber gelaufen“, bemerkte er gut gelaunt und rückte den Riemen seines Blastergewehres auf der Schulter zurecht, schon oft seit dem Beginn ihrer politischen Karriere hatte sie sich gefragt, ob er das Wort Subtilität eigentlich kannte, wenn sie nach seiner Bewaffnung ging, war das nämlich nicht der Fall.

Trotzdem wusste sie seinen Humor, seine trotz seiner fehlenden Unaufdringlichkeit zweifellos vorhandene Tüchtigkeit und den Scharfsinn, der sich hinter diesem flächigen Gesicht verbarg, durchaus zu schätzen, zudem war er das einzige Wesen in ihrem beruflichen Umfeld, dem sie vollkommen und bedingungslos vertrauen konnte – eine unschätzbare Tugend auf dem politischen Parkett der Republik von Yhatris.

„Nur ein junger Mann mit schlechten Nachrichten“, antwortete sie ein wenig abwesend, während er sie zu ihrem Wagen führte und die Tür vor ihr öffnete, damit sie einsteigen konnte. Fast schneller, als ihr lieb war, erreichten sie auch das Senatsgebäude, das als Regierungssitz der Republik diente, und sie musste sich zwingen, nicht zu den Turboliften zu hasten, sondern ihren Schritt zu dämpfen, bis sie ihr Büro erreichte und die Tür hinter sich und Whitehouse zuzog.

An dem Computerterminal auf ihrem Schreibtisch blinkte das Symbol für eine neue Nachricht, und sie rief sie ab, während sie ihren Mantel auszog und achtlos auf einen der Besucherstühlen warf. Der Hologrammprojektor warf ein Bild ihres Sohnes in die Luft, und sie betrachtete ihn, ihre Miene wurde weicher, verbarg die harten Linien und Kanten ihrer Gesichtszüge.

„Hallo Mommy, kommst du heute zum Abendessen nach Hause? Daddy hat gekocht, und er meinte, wenn ich brav bin, bekomme ich gebackene Yonafrüchte, und die magst du doch auch...“ Sein flehender Blick rief Schuldgefühle in ihrem Bauch wach, sie wusste, sie nahm sich zu wenig Zeit für ihre Familie, aber jetzt, gerade jetzt, konnte sie sie nicht aufwenden. Denn was nutzte es Duncan, wenn sie jetzt bei ihm war, während die Welt, in der er einmal leben sollte, in Trümmer fiel... „Ich hoffe, du kommst, Mommy. Bis dann!“

Sie stellte die Aufzeichnung ab, ließ sich auf ihren Stuhl sinken, griff nach dem Holowürfel, der ihren Sohn zeigte, und legte ihn in die oberste Schublade des Schreibtischs. „Ich brauche ein paar Leute hier, Dag.“

Er schniefte indigniert und streckte sich auf einem der Besucherstühle aus. „Hast du dafür nicht eine Sekretärin?“ Trotzdem machte er Anstalten, sich wieder zu erheben. „Also, wen brauchst du?“

„General Trala Mahon, Admiral Mark Takal, Direktor Tan We, Direktorin Dina Clay, General Sid Trek und Senator für Inneres Lirr Mann.“

Whitehouse pfiff anerkennend. „Die Bosse aller Typen mit Waffen in der ganzen Republik. Du willst ein ziemlich großes Loch sprengen, Yelia.“

Sie nickte leicht, abwesend. „Ein republikumspannendes schwarzes Loch, ja... und ich muss am richtigen Ende sitzen.“

„Du planst noch immer deinen kleinen Coup d’Ètat? Aber was machst du danach? Das Imperium sitzt uns an der Gurgel.“

Ihre blauen Augen durchbohrten ihn wie ein Paar Turbolaser. „Ich gebe ihnen alles, was sie verlangen. Yhatris, ihre kleine, perfekte Westentaschenprovinz.“

„Was?“ Er richtete sich auf, starrte sie an, Fassungslosigkeit und das Gefühl, verraten worden zu sein, in seinem Blick.

„Dag...“ Ein gequältes Lächeln schlich über ihre Lippen. „Du weißt verdammt noch mal, was mir Yhatris bedeutet. Es ist meine  Heimat, und ich will nicht, dass das Imperium sie auffrisst... einfach so. Ich will, dass das alles nur ein böser Traum ist, und die imperiale Flotte sich in Luft auflöst. Aber das geht nicht, und ich will verdammt sein, wenn ich hier sitze und den Kopf in den Sand stecke wie die Vollidioten im Senat.“

Whitehouse starrte sie noch immer an. „Und dafür vernichtest du die Republik? Ist das nicht ein wenig wie... wie den Patienten zu töten, um die Krankheit zu heilen?“

Sie seufzte leise und ließ sich in ihren Stuhl zurücksinken. „Du kennst die Berichte aus den Nachbarsektoren... sie übernehmen die Macht und unterdrücken alles, was auch nur aussieht, als ob es politisch interessiert wäre. Und du kennst Yhatris, und vor allem die verdammte sture Unabhängigkeit der Leute hier. Wenn man die Sturmtruppler auf sie loslässt, ist hier bald niemand mehr übrig, den sie versklaven könnten...“

„Du willst also die Republik zerstören, um die Republik zu retten.“ Er klang bestürzt, erschrocken, gequält, blickte sie an, und die Unsicherheit auf seinem Gesicht ließ sie innerlich zusammenzucken. So hatte sie ihn noch nie gesehen, immer hatte er gelacht, wenn sie es brauchte, und einen seiner Scherze über jedes Thema gemacht, auch über jene, die sie für weltbewegend und wichtig gehalten hatte, damals, und von denen sie jetzt wusste, wie trivial und einfältig sie doch gewesen waren. Und jetzt lächelte er nicht, zweifelte nur, und trotzdem zwang sie sich, vorsichtig zu nicken. „Ja... und was können wir schon dabei verlieren? Wenn alles gelingt, dann kann ich die Yhatrianer schützen, zumindest ein wenig... und wenn nicht, was könnte ich schon verlieren?“

„Alles?“, schlug er vor, und doch, hinter diesem bitteren Ernst klang noch etwas anderes mit, Erleichterung, die sie nicht so recht einzuordnen vermochte, trotzdem antwortete sie leichthin: „Natürlich alles.“

Er sah sie kurz an, dann griff er in einer Geste, die merkwürdig sanft wirkte für einen Mann wie ihn, der fast ebenso breit war wie groß, nach ihrem Mantel, der neben ihm lag, und hängte ihn auf den dafür vorgesehenen Haken in einer versteckten Wandnische. Fast beiläufig meinte er auf dem Weg zur Tür: „Da wir schon dabei sind, alles zu riskieren, sollten wir doch besser sofort damit anfangen. Was soll ich deinen zukünftigen Gästen bestellen?“

„Dass sie ihre Ärsche hierher bewegen sollen, aus irgendeinem hochwichtigen Grund – vielleicht, weil sie ein Formular mal wieder nicht in fünffacher Ausfertigung eingereicht haben, oder etwas in der Art.“

Seine übliche Neckerei blieb aus, stellte sie fast schon enttäuscht fest, und doch wusste sie, er würde tun, was sie wollte, besser, als wenn sie es ihm haargenau aufgetragen hätte... und in diesem Moment verstand sie, warum er erleichtert gewirkt hatte – er hatte eine Entscheidung getroffen, die Entscheidung für sie getroffen und gegen alles, woran er glaubte, oder sie wäre bereits tot, erschossen von dem Mann, der sie eigentlich beschützen sollte. „Danke, Dag“, wisperte sie nur, dann begann sie, Vorbereitungen zu treffen.


Jahr 23 Imperialer Zeitrechnung – Planet Yhatris – Ehemaliges Senatsgebäude, Büro der Imperialen Gouverneurin

Das Büro sah noch fast genauso aus wie damals, zwar waren die Zeichen und Insignien der Republik Yhatris denen des Imperiums gewichen und ein Portrait des Imperators prangte nun an der Wand über dem Schreibtisch, aber die Frau, die den Raum benutzte, war dieselbe geblieben. Auch derselbe Holowürfel von ihrem Sohn stand auf dem Tisch, ein lachender Fünfjähriger blickte sie an, daneben stand ein offizielles, genauso altes Bild ihres Mannes, eines Lieutenants der Flotte.

Natürlich, sie hatte neuere Hologramme von beiden, mittlerweile war aus ihrem kleinen Jungen ein hoch aufgeschossener Teenager geworden, und in den kurzen, dunklen Locken ihres Mannes schimmerten schon erste graue Strähnen. Doch die Bilder hier aufzustellen wäre fast noch gefährlicher, als im imperialen Senat auf Coruscant zu erklären, dass eben dieses Imperium nur ein mächtiger Unterdrückungsapparat war – denn sie wären der unumstößliche Beweis gewesen, dass ihre Familie noch lebte.

Was sie, nach der Explosion ihrer Vorstadtvilla, eigentlich nicht mehr tat, zumindest, sofern es die Öffentlichkeit im Yhatris-Sektor betraf. Es tat zwar weh, zu wissen, dass sie so weit weg war, aber die Sicherheit, die ihr Mann und ihr Sohn dadurch bekamen, wog den Schmerz auf, unerkannt lebten sie auf einem Provinzplaneten am anderen Ende der Galaxis, auf einer Welt, zu unbedeutend, als dass das Imperium sich um sie gekümmert hätte.

Sie lächelte fast ein wenig, sie wollte sie wiedersehen, ihren kleinen Jungen in den Arm nehmen, der nicht mehr klein war. Und dieses Ziel war in greifbare Nähe gerückt, seit der Imperator tot war...

„Woran denkst du?“ Sie musste wirklich gelächelt haben, denn Whitehouse betrachtete sie merkwürdig wissend, und sie streckte sich leicht. „Der Todesstern ist wirklich eindrucksvoll explodiert“, bemerkte sie mit einem kleinen Kopfnicken in die Richtung des Hologrammprojektors, der die Schlacht der Rebellenflotte und der imperialen Streitkräfte wiedergegeben hatte. „Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, wie uns das helfen kann.“

Er zuckte mit den Schultern. „Wirf die Sturmtruppen hinaus und reiß dir die imperiale Flotte unter den Nagel, dann hast du gewonnen. Die Idioten im Kern sind viel zu beschäftigt damit, ihre neue Hackordnung zu finden, um uns zu belästigen. Und ein Sektor, der eigentlich als loyal gilt, wird nicht besonders viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen.“

Ein Lachen brach aus ihr heraus, trocken, aber trotzdem lag zumindest ein Funken Heiterkeit darin. „So wie du das sagst, klingt alles so einfach – obwohl du genau weißt, dass es das nicht ist. Und eigentlich planen wir doch schon seit zwölf Jahren für diesen Tag, nicht wahr? Auch wenn die Gelegenheit nicht ganz so aussieht, wie wir gedacht hätten...“
Ihre schmale, knochige Gestalt verschwand fast im dicken, braunen Lederpolster ihres Stuhles, obwohl sie nun die imperiale Gouverneurin war, sah die Einrichtung ihres Büros noch immer... freundlich aus, hell, nett, genauso wie die der kleinen Wohnung, die sie im Senatsgebäude bezogen hatte, nachdem ihr Haus in Folge der Explosion abgebrannt war.

„Jep“, bemerkte er nur diplomatisch, sagte aber ansonsten nichts, da er bemerkte, wie tief sie in Gedanken versunken war.

„Allerdings haben wir nicht viel Zeit. Ich weiß nicht, ob der momentane Zustand des Imperiums chronisch wird oder ob sich wieder ein starker Führer herauskristallisiert, aber im zweiten Fall muss Yhatris stark genug sein, sich zu verteidigen, wenn er sich entschließt, uns wieder zu erobern.“ Es waren leere, bedeutungslose Worte, gesprochen, um von dem eigentlichen Dilemma abzulenken – sie musste etwas tun, und von all den Plänen, die sie ausformuliert hatten, passte einer ganz besonders gut auf diese Situation.

Nur sie konnte den Befehl geben, und er wartete geduldig, betrachtete sie nur mit diesen braunen Augen, die Vertrauen und Verständnis ausdrücken wollten, und sie war dankbar dafür. Er kannte die Qual in ihrem Inneren, die Schuldgefühle, die Nächte, in denen sie nur weinte, nur wollte, dass alles aufhörte... die Alpträume, die Menschen, die sie ermordet hatte und die sie in ihnen anklagten... und gerade war sie dabei, ihrer Schuld noch mehr unschuldige Leben hinzuzufügen. Für das höhere Gut, für das Überleben der Republik, und sie hasste sich dafür, mehr noch als das Imperium.

Ihre Hände krampften um die Tischplatte und sie richtete sich halb auf, starrte durch die Fenster nach draußen auf die Stadt, die unter dem grauen Winterhimmel verschwand, auf die Sturmtrupplerkaserne, die sich in Sichtweite des Senats erhob. Bald würde sie dort nicht mehr stehen... und die umliegenden Häuser, in denen die Menschen wohnten, die sie eigentlich schützen wollte, auch nicht.

„Wir werden Schaukelpferd wohl ein wenig modifizieren müssen, aber in den Grundzügen ist er angemessen, denke ich. Gib Foxtrott den Befehl, den Großvater aus dem Verkehr zu ziehen, aber mit weiteren Aktionen abzuwarten. Er bekommt Nachricht, wenn die weiteren Schritte eingeleitet werden.“

Whitehouse nickte zustimmend, und sie war erleichtert darüber, egal, was er sonst auch sagte, in militärischen und geheimdienstlichen Operationen kannte er sich besser aus als sie, auch wenn er seine Erfahrung eher von der gegenüberliegenden Seite bezog. Normalerweise wollte er Menschen beschützen und sie nicht umbringen, trotzdem machte das seine Einsichten wertvoller als die einer bloßen Amateurin, wie sie es war.

Er erhob sich aus seinem Stuhl und wisperte ein paar Worte in das kleine Komlink, das an seinem Kragen befestigt war. „Ich schicke Private Jerk hoch, um die Wache vor deiner Tür zu verstärken.“

„Danke. Und wo du schon mal unterwegs bist, mach einen Halt in der Cantina und hol dir was zu essen. Du hast heute Morgen meine Launen ertragen, den Raumhafen gesichert, den Raumhafen überprüft, bist mit mir am Raumhafen herumgestanden, hast einen Admiral und zwei Sturmtruppler misstrauisch beäugt, mich auf der Fahrt hierher beschützt und mir jetzt moralische Unterstützung gegeben, und dabei keinen Bissen gegessen.“

Trocken lachte er, setzte aber zu einem spöttischen Salut an. „Aye, Ma’am.“

Er trat durch die Tür, sie erhaschte gerade noch einen Blick auf den Private, der an der Schwelle Position bezog, und sie fiel wie knochenlos gegen die Lehne ihres Stuhles. Die Entscheidung war getroffen, und was jetzt geschah, entzog sich ihrem Einfluss, wenn auch nicht ihrer Verantwortung. Sie würden agieren, die Imperialen würden reagieren, und die Dinge ihren Lauf nehmen.

Das Gefühl war merkwürdig befreiend, und sie schloss die Augen, lächelte ein wenig. Wenn alles gut ging, konnte sie Duncan bald wieder in den Arm nehmen... bald.
 
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