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von Xera    erstellt: 11.01.2008    letztes Update: 23.08.2008    Geschichte, Abenteuer / P18 Slash    (fertiggestellt)
Kapitel 2: Das Ende eines Traums

Montags, mittwochs und freitags nach der Arbeit ging Harry immer in ein von Muggeln geführtes Fitnessstudio in der Nähe des Ministeriums. Es war nur von 24 Uhr bis 6 Uhr geschlossen, so dass es immer offen war, wenn sein Arbeitstag zu Ende war, egal, wie seine Schicht lag. Manchmal wurde er von Ron begleitet, aber die Zauberer waren der körperlichen Ertüchtigung befremdlicherweise abgeneigt, zumindest dem, was Muggel darunter verstanden. Selbst die Auroren hatten keinerlei Trainingseinheiten, die denen der Polizei ähnelten. Letzten Endes mussten sie Verbrecher ja auch nicht auf der Straße verfolgen und sehr selten gab es einen Kampf mit Körpereinsatz. Aber ihm gefiel es, sich auch ohne Zauberstab stark und sicher zu fühlen.

Wenn er in den ersten Morgenstunden nach einer Nachtschicht dorthin ging, traf er vor allem auf Rentner und Arbeitslose mittleren Alters, die in Form bleiben wollten, sowie einige Studenten, die mit ihren Muskeln angaben. Nachmittags und besonders abends traf er vor allem auf  Kerle in seinem Alter. Harry war mit einigen befreundet: Die Übungen machten mehr Spaß, wenn man miteinander scherzen konnte. Hier kannte ihn niemand und alle dachten, er sei nur ein weiterer Kerl, der seine Zeit mit Saisonarbeit verbrachte, und er unterstützte diese Einstellung. Ginny hatte ihn einmal begleitet und sie fand seine Bekannten grob und unerträglich, aber Harry gefielen sie.

An diesem Nachmittag versuchte Harry, ernst zu bleiben, als sein Freund Brad in gut hörbarer Lautstärke von seinem Arbeitstreffen mit einer nymphomanischen Hausfrau erzählte. Dann sah er von weitem, wie sich Oliver Chapman näherte, den alle wegen seiner Ähnlichkeit zu einem Fußballstar Beckham nannten, und er wurde etwas nervös. Chapman war der Grund dafür, dass er darüber nachzudenken begonnen hatte, ob er vielleicht doch nicht so heterosexuell war, wie er immer gedacht hatte. In Hogwarts hatte er die ein oder andere Fantasie über einen Jungen gehabt, aber er schob es auf die Teenagerzeit und das Brodeln seiner Hormone. Und der Blow-Job von diesem Kerl... na gut, da war er betrunken gewesen. Er ließ dem keine besondere Bedeutung zukommen. Seit er sich in Ginny verliebt hatte, war sie die einzige Hauptdarstellerin seiner heißesten Träume... bis dieser blonde Typ mit dem Körper eines Models sich vorgedrängt hatte. Er hatte nicht nur ein halbes Dutzend Mal von ihm geträumt, sondern hatte seinetwegen auch schon zweimal unter der Dusche eine Erektion gehabt, die ihn in unvorstellbare Verlegenheit und Scham gebracht hatte.
Und es war nicht so, dass es ihm viel bedeutete, dass er sich von Männern angezogen fühlte, da es in der Zauberwelt diese Vorurteile nicht gab, aber er war verheiratet, es war daher nicht in Ordnung, dass er sich einen runterholte, während er an jemand anderen als Ginny dachte, egal welchen Geschlechts derjenige war. Das war wahrscheinlich das Letzte, was seine zerbröckelnde Ehe noch gebrauchen konnte.

Harry fügte dem Muskeltrainer 10 Kilo hinzu und entschied, es sei eine gute Idee, die doppelte Anzahl an Zügen zu machen wie sonst.

„Wow, Potter will’s heute wissen“, kam der Kommentar von einem Kerl voller Tätowierungen.

„Die Rothaarige lässt ihn bestimmt gerade nicht ran“, spöttelte Brad.

„Leck mich!“, antwortete Harry ohne im Geringsten beleidigt zu sein.

Für Brad stand immer alles im Zusammenhang mit Sex. Alle Niederlagen von Arsenal und bei seinen Liebschaften hatten ihren Grund im Sex, genauso wie der Einsturz der Zwillingstürme, der Irakkrieg, die Leistungen des GameBoy Advance sowie die Handtaschen von Königin Elizabeth.

Als er das Fitnessstudio verließ, war es schon 16 Uhr. Harry suchte einen Platz, an dem ihn niemand sehen konnte, und apparierte in die Winkelgasse. Erneut unter Zauberern, musste er wieder daran denken, was vormittags passiert war. Dass er diesen Jungen gefunden hatte, konnte der Anfang vom Ende der Abtrünnigen sein. Er war zwar nicht sehr gut in Legilimentik, aber es gab Ministeriumsexperten, die mit etwas Glück die Mörder aufgrund ihrer Stimme, ihres Körperbaus oder der Art ihrer Gegenzauber identifizieren konnten.

In der Nähe des Zaubertrankladens traf er auf Pansy Parkinson. Die Ex-Freundin von Malfoy war während des Krieges neutral geblieben und hatte der Säuberung im letzten Moment entkommen können, indem sie ihren Vater als Todesser denunzierte, aber das Ministerium ließ sie überwachen, nicht immer diskret, weil man annahm, dass sie ab und zu den Kontakt zum Anführer der Abtrünnigen suchte. Falls sie das wirklich tat, hatte man sie bis jetzt noch nicht dabei erwischen können. Die junge Frau machte eine abfällige Geste, als sie ihn sah und ging an ihm vorbei, als würde sie ihn überhaupt nicht kennen. Harry ignorierte seine alten Schulkollegen aus Slytherin normalerweise – die wenigen, die übrig waren, da der Großteil nach dem Krieg verschwunden war oder sich wahrscheinlich Malfoy angeschlossen hatte – aber an diesem Nachmittag konnte er sie nicht einfach vorbeigehen lassen, nicht, wenn die Körper der Wallace noch warm waren.

„Wie kannst du nachts schlafen, Parkinson?“

Sie blieb abrupt stehen und blieb einige Sekunden ruhig, bevor sie sich umdrehte und Harry mit einem Blick bedachte, der noch abfälliger war als der vorherige.

„Redest du mit mir, Abschaum?“

Harry kreuzte die Arme und hob eine Augenbraue an.

„Abschaum? Nicht ich bin es, der mit Mördern verkehrt!“

„Ich wäre mir da nicht so sicher.“

„Willst du mir etwas unterstellen?“

Sie rückte  ihren Schal gerade.

„Nein, nichts. Du glaubst immer noch alles, was sie dir erzählen.“

Harry verzog das Gesicht.

„Oh, natürlich... Weil dein Freund, der Mörder, unschuldig ist, nicht wahr? Hast du heute schon den Tagespropheten gelesen Parkinson? Weißt du schon was mit den Wallace passiert ist?“

„Im Gegensatz zu dir habe ich ein Leben. Tschüß Potter. Stirb bald!“

Sie war schon am Gehen, aber Harry wollte sie nicht so ohne weiteres davonkommen lassen.

„Du wirst durch seine Schuld noch in Askaban enden, merkst du das nicht?“

Pansy lachte unangenehm auf.

„Als würde dich das interessieren. Lass mich in Ruhe, Narbengesicht.“

Harry runzelte die Stirn, als sie disapparierte. Pansy konnte er noch nie leiden, aber er war sich sicher, dass sie keine Mörderin war. Ihr großer Fehler war, dass sie sich in diesen großen Misthaufen Malfoy verliebt hatte. Wahrscheinlich manipulierte er sie, um ihre Hilfe zu bekommen. Ob es ihm etwas ausmachte, sie so einem Risiko auszusetzen? Nein, für Malfoy war die wichtigste Person niemand anderes als er selbst.

Er dachte noch an die beiden, als er den Laden mit dem Zaubertrank, den Ginny wollte, verließ  und sich plötzlich Hermione gegenüber sah.

„Hey Harry, was für ein ernstes Gesicht. Du hast dich doch nicht mit Ron gestritten, oder?“

„Nein“ Er gab ihr einen Kuss auf die Wange, „Ich bin auf Pansy Parkinson getroffen und... na ja, du weißt ja wie sie ist.“

„Ich kann’s mir denken“, sagte Hermione, die während der sechs Jahre in Hogwarts einige Zusammenstöße mit ihr  gehabt  hatte und sie auch nicht leiden konnte. „Pah, ignorier sie einfach. Zerbrich dir nicht den Kopf darüber. Hör mal, hat Ron dir das für nächsten Samstag ausgerichtet?“

„Ja, ihr könnt mit uns rechnen. Auch wenn Ginny erst nach dem Spiel kommt.“

Hermione nickte, sah ihn dann  aber mit einem Ausdruck an, der Harry ein wenig unangenehm war.

„Harry, bitte reg dich nicht auf, wenn ich das jetzt frage, aber bei dir und Ginny ist alles in Ordnung, oder?“

„Was?“, fragte er überrascht, „natürlich, das heißt, ja, selbstverständlich.“

„Okay, Okay. Vergiss es.“

„Besser so.“

Aber Hermione war niemals in der Lage, die Nase aus den Angelegenheiten anderer Leute herauszuhalten, auch wenn sie wusste, dass es unerwünscht war.

„Es scheint so, dass ihr gelegentlich etwas distanziert wirkt“, sagte sie fast entschuldigend.

Harry gefiel es nicht sehr zu sehen, dass noch jemand anderes das Gleiche bemerkt hatte wie er. Das machte alles realer.

„Zwischen uns läuft es gut, Mione. Mach dir keine Sorgen. Du weißt doch, dass die Quidditchsaison immer etwas anstrengend ist.“

Hermione nickte wieder und ließ es gut sein.

„Klar. Aber Harry... wenn du jemanden zum Reden brauchst, weißt du, dass du auf mich zählen kannst, nicht wahr? Ich würde Ron nie ohne deine Erlaubnis etwas erzählen. Ich will damit sagen... du und ich wir sind Freunde, okay?“

„Die besten“, stimmte er zu und umarmte sie kurz. „ Aber es gibt nichts zu bereden, wirklich. Du weißt ja schon, wie das alles ist.

Es war viel zu kalt, um weiter auf der Straße  zu reden, und Hermione hatte es so eilig, dass sie sich dagegen entschied, mit ihm in ein Café zu gehen um weiter zu reden. Harry schaute ihr mit einem kleinen Lächeln nach, denn der Gang seiner Freundin war immer noch so energisch wie damals in Hogwarts und es war nicht sehr schwer sich vorzustellen, wie sie in St. Mungos nach links und rechts Befehle erteilte. Aber obwohl er sie liebte wie eine Schwester, konnte er nicht mit ihr über Ginny reden. Er wollte sie nicht in die Lage bringen, etwas vor Ron geheim halten zu müssen und in Wirklichkeit wollte er mit niemandem darüber reden. Es wäre wie zugeben zu müssen, dass Ginny und er Probleme hatten und er wollte keine Probleme mit ihr haben.
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Harry apparierte vor seine Haustür. Obwohl Harrys Haus magisch gebaut worden war, hatte es ein sehr muggelhaftes Aussehen, mit zwei Stockwerken und einem kleinen Dachboden. Harry benutzte seinen Zauberstab, um durch die Schutzzauber zu kommen, und öffnete die Tür. Der Mantel von Ginny war über das Sofa geworfen, aber es kam ihm merkwürdig vor, dass keine Gerüche aus Richtung Küche kamen, da seine Frau um diese Zeit normalerweise das Essen zubereitete.

„Ginny?“

Niemand antwortete und Harry sagte sich, dass sie vielleicht im Bad war. Etwas hungrig suchte er einige Cracker, um die Zeit zum Abendessen zu überbrücken und ging zurück ins Wohnzimmer. Da bemerkte er, dass unter dem Mantel noch ein dunklerer lag. Er warf einen Blick darauf und sah, dass es ein Männermantel war. Er erinnerte sich nicht daran, dass Ron so einen Mantel hatte, aber es konnte genauso gut der Mantel einer ihrer anderen Brüder sein, oder der von einem Freund.

„Ginny!“ rief er lauter.

Im Haus war es totenstill. Harry schaute sich weiter um und entdeckte etwas an der Treppe, die zum ersten Stock führte, es waren Ginnys Schuhe. Es sah so aus, als hätte sie sie einfach achtlos fallen lassen. Harry hob sie auf und betrachtete sie mit einem schlechten Gefühl im Bauch.

Vielleicht war er nicht der Einzige, der begonnen hatte, an andere Personen zu denken.

Aber er wollte nicht akzeptieren, dass seine Ehe zu Ende war und versuchte, sich selbst zu täuschen. Er hatte diese Problemchen, weil er ein Kerl war, und Kerle hatten ab und zu Anwandlungen von Lust, aber das hatte nichts zu bedeuten, nichts, überhaupt nichts. Sie hatten noch nie etwas bedeutet. Und Ginny konnte ihm nicht untreu werden, da es als Tatsache galt, dass sie zusammen alt werden würden, mit ihren Enkeln spielen würden usw. Es konnte einfach nicht anders sein. Während er die Treppe in Richtung Schlafzimmer hochstieg, sagte er sich immer und immer wieder, dass es für das alles eine logische Erklärung geben musste. Die Tatsache, dass überhaupt nichts Verdächtiges zu hören war, verstärkte seine Hoffnungen.

Die Schlafzimmertür stand halb offen. Harry stieß sie sanft auf und bläute sich ein, dass er sich wie ein Idiot vorkommen würde, sobald er gesehen hätte, dass dort niemand war.

Was er sah, ließ Harry wünschen, blind geboren worden zu sein.

Ginny lag im Bett, nackt, zusammen mit einem ihrer Teamkollegen, Marcus Schmidt.

Und die beiden waren tot.

Ihre Gedärme waren im ganzen Schlafzimmer verteilt, sie hingen sogar von der Deckenlampe wie makabre Dekorationsartikel.
Harry fühlte sich als sei er verrückt geworden.

Plötzlich drehte sich ihm der Magen um und er erbrach das Wenige, was er gegessen hatte. Dann fiel er auf seine Knie, Tränen liefen über seine Wangen, während ihn die Erkenntnis dessen, was geschehen war, wie ein Schlag traf.

„Ginny“, murmelte er verzweifelt, „ Nein, Ginny.....“

Plötzlich hörte er etwas, eine Art Geräusch, das entsteht, wenn Stoff zerreißt, und er wurde sich klar darüber, dass die Mörder von Ginny und Markus Schmidt immer noch im Haus sein konnten. Instinktiv griff er so schnell er konnte zu seinem Zauberstab, aber er war trotzdem zu langsam, denn ein doppelter Stupor traf ihn voll und es wurde schwarz um ihn.
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