■
Geschichte: Fanfiktion
/ Bücher
/ Harry Potter
/ Harry Potter und das Geheimnis des Klosters
||||
10px|12px|15px|17px|19px
Times|Arial|Helvetica
25%|50%|75%|100%
Linksbündig|Blocksatz
gering|normal|groß|sehr groß
von Xera
erstellt: 11.01.2008
letztes Update: 23.08.2008
Geschichte, Abenteuer / P18 Slash
(fertiggestellt)
September 2006
DER TAGESPROPHET
NEUE ATTACKE „DER ABTRÜNNIGEN“
London. Lavender Brown. Die Ministeriumsangestellten Jeff und Marina Wallace starben gestern bei einer weiteren Attacke „der Abtrünnigen“, einer Bande von Kriminellen, deren Anführer vermutlich der Todesser Draco Malfoy ist. Der Leichnam von Jeff Wallace wies Spuren von Folter auf. Die Haupttheorie der Auroren, abgeleitet vom Zustand des Hauses, ist, dass die Abtrünnigen einen Gegenstand aus dem Besitz der Familie Wallace gesucht haben. Noch ist man sich im Unklaren darüber, um was für ein Objekt es sich handeln könnte. Die Möglichkeit, dass es sich dabei um einen weiteren Horkrux handeln könnte, wurde nicht ausgeschlossen.
Dies war der fünfte Mord in diesem Jahr, den diese Kriminellenbande verübt hatte. Das Ministerium macht erneut darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, die bekannten Sicherheitsregeln zu befolgen. Denken Sie daran, die Schutzzauber ihrer Häuser regelmäßig zu überprüfen und lassen Sie sich die Identität der Personen, die Zugang zu ihrem Haus haben, bestätigen.
Harry runzelte die Stirn, als er den Zeitungsbericht zu Ende gelesen hatte. Die Abtrünnigen, so nannten sich jetzt die überlebenden Todesser, die von Malfoy angeführt wurden. Sie wurden 2003 aktiv und nur unter diesem Namen hatten sie schon zwölf Menschen ermordet. Immer wenn sie erneut zuschlugen, fühlte er sich unendlich schuldig. Er konnte immer noch nicht glauben, dass er so blöd gewesen war, Mitleid mit dieser verräterischen und bösen Schlange zu haben. Ohne seine bescheuerte Geistesschwäche wäre Malfoy nur ein Körper ohne Seele und all diese Unschuldigen würden noch leben. Eine Super-Leistung des Retters der magischen Welt. Und dass er jetzt nicht hinter einem Schreibtisch saß und Berichte ausfüllte, verdankte er nur der Tatsache, Idiot hin oder her, dass er immer noch der mächtigste Zauberer Großbritanniens war. Gut, er hatte Gelegenheit sich zu beweisen und diesen Anfängerfehler mehr oder weniger in Vergessenheit geraten zu lassen, aber er empfand immer noch einen Stich im Herzen, wenn er daran dachte. Wenn er eines Tages auf Malfoy treffen würde, würde er ihn dafür bezahlen lassen. Oh ja!
„Harry, kannst du noch in die Winkelgasse gehen und eine Flasche von dem Trank gegen Hornklubs besorgen, bevor du heimkommst?“, fragte ihn Ginny, die gerade die neuste Ausgabe von „Herz einer Hexe“ las.
„Kein Problem.“
„Wirklich? Wenn du denkst, dass du es vergisst, sag es mir und ich gehe. Wenn wir nichts gegen sie unternehmen, ist der Garten ruiniert.“
„Wie, denkst du, soll ich wissen, dass ich es vergesse?“, fragte Harry neugierig.
„Holst du es oder nicht?“
„Klar doch.“
Ginny lächelte ihm zu, gab ihm einen Kuss und Harry erwiderte das Lächeln, froh, sie bei guter Laune zu sehen. In letzter Zeit hatte er das Gefühl, dass sie sich immer weiter voneinander entfernten, weil sie beide viel zu sehr von ihrer jeweiligen Arbeit in Anspruch genommen wurden. Die Schichten der Auroren waren ein Fluch, aber es half auch nicht, dass Ginny die Sucherin von Puddlemere United war. In der Hauptsaison verbrachte sie die Hälfte der Zeit mit ihrer Mannschaft. Es konnten drei, vier Tage vergehen, ohne dass sie sich sahen, und dann suchten sie nicht die Nähe zueinander wie früher, sondern sahen sich an, als hätten sie sich gerade erst daran erinnert, dass sie mit jemandem zusammenlebten.
„Schlechtes Zeichen, Harry. Schlechtes Zeichen.“ Manchmal wusste er schon nicht mehr, ob er wirklich in sie verliebt war,... aber war das so wichtig? Wenn er nicht in sie verliebt war, so war er sich sicher, dass er sie mochte. Er konnte sich nicht vorstellen, sein Leben mit jemand anderem zu teilen. Außerdem hatte er nicht vor, die Weasleys durch eine Scheidung von Ginny zu verlieren. Und alle Paare machten mal schlechte Zeiten durch. Hermione hatte nach einem Riesenkrach mit Ron eine Woche im Haus ihrer Eltern verbracht. Remus und Tonks waren mal zusammen, mal nicht. (Wie war es möglich, dass die Aurorin nicht merkte, dass Moony die Hälfte der Zeit damit verbrachte, Sirius Black nachzutrauern?) Fleur hatte Bill Weasley bestimmt ein Dutzend Mal aus dem Haus geworfen. Wahrscheinlich passierte mit ihm und Ginny nur dasselbe.
Ron machte seinen gewohnten Auftritt durch den Kamin und widmete sich seinem nicht weniger üblichen zweiten Frühstück.
„Es ist ein Wunder, dass du nicht aus allen Nähten platzt.“
„Mutter Natur hat mich mit einer athletischen Figur bedacht“, antwortete Ron, während er genüsslich einen Marmeladetoast aß.
„Es ist so, weil du noch jung bist“, meinte seine Schwester, „wenn du weiter so ißt, wirst du zu einem fetten alten Mann werden, wie der Onkel von Harry.“
„Niemand kann so fett werden, wie der Onkel von Harry.“
„Doch, mein Cousin.“
„Klar, außer dem Wal. Bleibt es dabei, dass wir diesen Samstag nach dem Spiel zusammen essen?“
Ginny und Harry schauten sich an und bejahten. „Klar.“
------------------------------------
„Hast du von dem neuen Mord gehört?“, fragte Harry Ron, als sie im Ministerium ankamen.
„Ja, ich habe es heute Morgen gelesen. Diese Hurensöhne. Zeichen von Folter... Wer weiß, was das zu bedeuten hat.“
Harry schüttelte den Kopf. Das einzig Tröstliche an Malfoys Flucht war, dass der Sekretärin, deren Gestalt einer seiner Komplizen durch Vielsafttrank angenommen hatte, nichts passiert war.
„Hoffentlich gibt Robards uns diesen Fall.“
Ron wusste genau, warum Harry das sagte, und klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter.
„Quäl dich nicht, Kollege. Du bist viel zu nett, das ist dein Problem. Aber es gefällt uns, dass du so bist, so zart und süß“, fügte er spöttisch hinzu.
„Ich werde nicht so nett sein, wenn ich ihn finde.“
„Du warst ein Anfänger, Harry.“
Der Großteil der Auroren war schon angekommen und wartete auf ihre Aufträge. Gawain Robards, der Chefauror, kam um Punkt neun und grüßte sie mit seinem gewohnten Grunzen, bevor er den Tagesplan mit ihnen durchging. Tonks und ihr Team wurden auf einige Snidget-Dealer angesetzt. Das von Shacklebolt sollte Gerüchte über eine satanische Sekte in Schottland in der Nähe von Aberdeen untersuchen. Ron und er horchten auf, als Robards ihnen mitteilte, dass sie sich das Wallace-Haus ansehen und die Sicherheitszauber überprüfen sollten.
„Alle ihre Freunde und Bekannten sagten aus, dass sie zwei Paranoiker waren, die ihre Schilde niemals senkten. Wenn sie zerstört wurden, will ich wissen wie.“
Genaugenommen war das zwar nicht so, als hätten sie den Fall bekommen, aber es kam dem doch schon sehr nahe. Harry kam sich wie ein Spürhund vor, der eine frische Spur entdeckt hatte. Vielleicht würden sie etwas finden, was ihnen helfen würde, Malfoy zu fassen. In ihm brannte das Bedürfnis, seinen Fehler wieder gut zu machen. Am liebsten wäre es ihm gewesen, direkt dorthin zu apparieren und so schnell wie möglich mit der Arbeit anzufangen, aber da weder er noch Ron jemals im Wallace-Haus gewesen waren, mussten sie zum Besendepot gehen und dann aufs Dach.
„Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich meinen mitgebracht“, meinte Harry und betrachtete missbilligend den alten Nimbus 2000, den er in den Händen hielt.
„Du hast eine Menge Schnatze mit so einem Besen gefangen“, erinnerte ihn Ron, während er einen Desillusionierungszauber über sich sprach, damit die Muggel sie nicht sehen konnten.
Harry traf dieselbe Vorkehrung und schon bald flogen sie zum Haus der jüngsten Opfer der Abtrünnigen. Zuvor hatten sie noch den Bericht über den Überfall gelesen. Sie war eine Ravenclaw, die in der Abteilung für internationale Beziehungen zwischen Zauberern und Hexen gearbeitet hatte. Er war ein Unaussprechlicher, was die Untersuchungen unweigerlich verkomplizierte, da ihnen niemals jemand erzählen würde, an was er gerade gearbeitet hatte, auch wenn es einen direkten Zusammenhang mit seinem Tod geben sollte. Dazu war er noch ein Slytherin, der gegen Voldemort gekämpft hatte. Vielleicht wollten sich Malfoy und seine Bande deswegen an ihm rächen.
Als sie ankamen, waren schon drei Auroren dabei, das Innere des Hauses zu untersuchen. Harry und Ron grüßten sie im Vorbeigehen und schauten sich neugierig um. Die Leichen waren schon entfernt worden, aber die beiden waren ohnehin mehr daran interessiert, ob schon etwas entdeckt worden war. Danach verbrachten sie den Morgen damit, die Schutzzauber zu überprüfen. Es war keine spannende Arbeit, aber es hatte sich herausgestellt, dass Harry darin sehr gut war. Seine magischen Fähigkeiten waren so weit entwickelt, dass er manchmal solche Dinge einfach fühlen konnte. Kurz nach Mittag war er sich ziemlich sicher, wie sie die Schilde durchbrechen konnten. Es war ein sauberer Gegenzauber. Die Angreifer wussten ganz genau, wie sie die Schutzzauber durchbrechen konnten.
„Dann ist es möglich, dass es jemand Bekanntes war“, murmelte Ron.
„Allerdings, er kannte diese Schutzzauber genau.“
„Wallace war ein Slytherin. Er kann mehr als einen Bekannten in Malfoys Bande haben.“
Manchmal hegte Harry den Verdacht, dass die Abtrünnigen die Gesellschaft mit Hilfe von Anhängern Voldemorts, die das Dunkle Mal nicht angenommen hatten und die, frei von jeglichem Verdacht nach dem Krieg – so frei wie die Slytherins eben sein konnten – ein doppeltes Spiel spielten und ihre alten Kameraden beschützten, infiltriert hatten. Er war nicht der Einzige, der das glaubte, aber bis jetzt gab es noch keine soliden Beweise dafür.
Lärm aus dem Haus veranlasste sie hinein zu eilen, um zu sehen, was passiert war. Sie fanden ihre Kollegen vor, die schuldbewusst auf eine zerbrochene Vitrine voller Schulpokale und Fotos blickten.
„Ein Unfall“, erklärte der leitende Auror und schaute seine Kollegen verzweifelt an.
Die Auroren begannen alles aufzusammeln und, so gut es ging, wieder zusammenzusetzen. Harry ergriff die Möglichkeit sie zu fragen, ob sie während des Vormittags noch etwas entdeckt hätten. Der Leiter erzählte ihnen von einigen Haarsträhnen, die sie im Schlafzimmer gefunden hatten, und die augenscheinlich keinem der Hausbewohner zu zuordnen waren. Sie waren der Zentrale überstellt worden, um mit ihnen Vielsafttrank zu brauen, um zu sehen, in wen man sich verwandelte.
„Waren sie blond?“
„Nein, braun.“
Aber das hieß noch nichts, klar. Malfoy konnte sich das Haar dunkel gefärbt haben oder es gehörte einem seiner Anhänger. Das A in einem Kreis an den Wänden im Wohnzimmer war das Zeichen der Abtrünnigen.
Als die Vitrine wieder an ihrem Platz stand, gingen Harry und Ron nach draußen. Der Rothaarige wollte schon gehen, aber Harry war neugierig, ob er noch etwas finden würde und wollte noch eine Weile bleiben.
„Sag Robards, dass ich noch etwas bleibe, um die Zauber nochmals anzuschauen. In einer halben Stunde komme ich dann, okay?“
Ron zuckte mit den Schultern.
„Wie du willst. Aber glaub nicht, dass ich den Bericht alleine schreibe. Den technischen Teil überlasse ich dir.“
„Abgemacht.“
So disapparierte Ron und er drehte noch eine Runde ums Haus und untersuchte die Spuren. Die Auroren und Reporter hatten auch die ihrigen hinterlassen, daher waren sie sehr verwirrend.
Plötzlich hörte er ein Knacken und er drehte sich schnell und instinktiv in Richtung des Geräusches um.
In etwa fünfzig Meter Entfernung, halb versteckt hinter einem Baum, beobachtete ihn ein Junge von etwa neun, zehn Jahren mit aufgerissenen Augen, bevor er sich umdrehte und floh. Harry zögerte nicht und lief hinter ihm her, und fragte sich, wer das wohl sein konnte. Das Ehepaar Wallace hatte nur eine Tochter und es gab in der Umgebung keine anderen magischen Familien mehr. Auch konnten sich die Muggel den Häusern von Zauberern niemals nähern, wenn diese so geschützt waren wie dieses.
„Warte! Ich tu dir nichts! Warte!“
Der Junge war schnell, aber Harry auch und er hatte auch die längeren Beine, so dass er ihn bald eingeholt hatte. Als er ihn am Arm packte, fing der Junge zu schreien an und versuchte sich freikämpfen. Harry fixierte ihn vorsichtig, während er in einem Tonlage mit ihm sprach, von der er hoffte, dass sie beruhigend war. Wer wusste, was er gesehen hatte, vielleicht war er traumatisiert.
„Ich tu dir nichts! Ich will nur mit dir reden, okay? Ruhig... Ich bin ein Auror, du musst keine Angst haben.“
„Was ist ein Auror?“, fragte das Kind, ohne im geringsten seine Gegenwehr einzustellen.
Harry schaute ihn überrascht an.
„Du bist ein Muggel?“
„Selber!“
„Beruhig dich doch! Weißt du, was ein Muggel ist?“
„Sie sind ein Perverser! Lassen Sie los oder ich ruf nach meinen Eltern!“
Er musste ein Muggel sein. Harry war nicht sehr eingebildet, aber er wusste, dass es in der Zaubererwelt niemanden gab, der noch nicht von ihm gehört hatte. Aber.. wie war es möglich, dass ein Muggel so nahe an ein Zaubererhaus herangekommen war? Es gab nur eine mögliche Erklärung dafür.
„Wir machen das jetzt so. Ich frage dich jetzt etwas. Und wenn du mir geantwortet hast, laß ich dich los, okay? Aber du musst keine Angst haben. Ich bin eine Art von Polizist und würde dir niemals wehtun. Verstanden? Abgemacht?“
„Okay", antwortete der Junge misstrauisch. „Was wollen Sie wissen?“
„Sind dir schon mal komische Dinge passiert? Zum Beispiel... Hast du schon mal etwas, wie von Geisterhand fliegen, gesehen? Hast du gesehen, wie Dinge verschwunden oder aufgetaucht sind?“
Dem Gesichtsausdruck des Kindes nach zu schließen hatte er ins Schwarze getroffen. Er war ein muggelgeborener Zauberer, wie Hermione. Wahrscheinlich wusste er es nicht einmal.
„Meine Eltern wollen nicht, dass ich darüber rede.“
Harry wagte es, ihn mit nur einer Hand festzuhalten und holte mit seiner anderen seinen Zauberstab hervor.
„Deine Eltern wissen nicht, dass du, genauso wie ich, ein Zauberer bist.“
Mit einem kleinen Schlenker verwandelte er einen etwa faustgroßen Stein auf dem Boden in eine Maus mit rosarotem Schwanz und rosaroter Schnauze. Der Junge schaute ihn mit großen Augen an.
„Cool!“
„Danke. Du wirst das auch mal lernen. Wie heißt du?“
„Ian Tennant“
„Wie alt bist du?“
„Neun“
„Tja, Ian Tennant, innerhalb von zwei Jahren wirst du einen Brief von Hogwarts, der Schule für Zauberei und Hexerei, bekommen. Dort werden sie dir beibringen, mit dem Zauberstab umzugehen, dann kannst du das gleiche machen, was ich gerade gemacht habe.“
Ian kniff die Augenbrauen skeptisch zusammen.
„Aber ich bin kein Zauberer. Es gibt keine Zauberer.“
„Ich habe gerade einen Stein in eine Maus verwandelt.“
„Das waren bestimmt Special Effects!“
Harry versuchte, nicht zu lachen.
„Special Effects? Im echten Leben gibt es keine Special Effects.“
„Es gibt auch keine Magie!“
Harry öffnete den Mund, um diesen Punkt zu diskutieren, schloss ihn aber gleich wieder. Was sollte es. Er würde alles verstehen, sobald er den Hogwartsbrief bekam.
„Na gut, wie du willst. Ian, es ist aber wahr, dass ich ein Polizist bin. Und gestern ist etwas sehr Schlimmes in dem Haus passiert. Warst du dort? Hast du etwas gesehen?“
Das Kind presste die Lippen aufeinander und schaute ihn misstrauisch an.
„Du brauchst keine Angst zu haben. Sag... Hast du etwas gesehen oder gehört?“
Ian biss sich auf die Lippen.
„Die waren komisch“, sagte er schließlich. „Letzte Woche habe ich gesehen wie sie etwas mit... mit... Ungeziefer im Garten gemacht haben.“
„Haben sie das Ungeziefer in der Luft geschleudert und weit weg geworfen?“, fragte Harry, der annahm, dass es sich um eine Entgnomungsaktion handelte. Der Junge nickte mit dem Kopf. „Was hast du noch gesehen?“
„Gestern, so um sechs... und ich habe wirklich nur beobachtet, okay? Und dann... Sie werden mich nicht auslachen, oder? Oder sagen, dass ich lüge?“ Harry versprach ihm ruhig, dass er ihn ernst nehmen würde. „Da sind plötzlich drei Personen vor der Tür aufgetaucht. Aus dem Nichts, verstehen Sie? Und später sind sie ins Haus gegangen. Und dann... dann habe ich Schreie gehört und komische Geräusche und dann bin ich weggelaufen.“
Harry nickte, zufrieden, dass sie nun einen Zeugen hatten. Aber die Situation war heikel. Da er Muggeleltern hatte, sprach einiges dafür, dass das Ministerium lieber auf seine Aussage verzichten würde. Wenn er wenigstens schon den Hogwartsbrief bekommen hätte...
„Hast du irgendjemanden was sagen hören? Einen Namen vielleicht?“
Der Junge zuckte unsicher mit den Schultern und Harry fasste einen Entschluss.
„Ian, ich werde einen Zauber an dir probieren. Keine Angst, es tut nicht weh. Ich möchte nur, dass du dich auf das, was du gestern gesehen und gehört hast, konzentrierst. Ich werde es dann so sehen als wäre ich in deinem Kopf. Einverstanden?“
Nicht sehr überzeugt, stimmte der Junge zu und Harry zielte mit dem Zauberstab auf ihn.
„Legilimens“
------------------------------------
Drei Personen in schwarz tauchten vor der Eingangstür auf. Ihre Gesichter waren von Kapuzen verdeckt. In totaler Stille zielten sie mit ihren Zauberstäben auf das Haus und drei blaue Strahlen verursachten purpurne Funken in der Luft. Harry verstand, was Ian nicht verstehen konnte: Die Schutzzauber waren zerstört worden. Eine Sekunde später verschwanden sie und Schreie kamen aus dem Haus.
„Gebt uns was wir wollen oder wir töten euch!“
„Ich weiß nichts!“
„Crucio!“
Die Schreie von Wallace hallten im ganzen Wald wieder.
„Wo ist der Schlüssel zur Pforte?“
„Ich weiß nicht wovon ihr redet!“
Die Schreie nahmen an Intensität und Grauen zu und Harry brach den Zauber sofort, als er merkte, dass Ian geflohen war, da alles, was er noch sah, vorbeisausende Bäume waren.
Der Junge schaute ihn wieder mit großen Augen an.
„Ich habe Sie in meinem Kopf bemerkt.“
„Das nennt man Legilimentik. Das wirst du auch auf dieser Schule lernen.“
Das war der Beweis für Ian, um an Magie zu glauben, und er bombardierte Harry mit Fragen, die dieser so gut wie möglich zu beantworten versuchte, ohne in Einzelheiten zu gehen. Als sie eine Weile geredet hatten, fragte er den Jungen nach seiner Adresse und dieser gab sie ihm.
„Werden diese Leute zu mir kommen, um mit mir zu reden?“
„Ich hoffe doch. Aber falls niemand kommt, ist es besser, wenn du deinen Eltern nichts davon erzählst, zumindest nicht bis dein Hogwartsbrief kommt, verstehst du?“
Der Junge nickte mit dem Kopf.
„Ja, sonst schicken sie mich in die Klapse. Ich muss jetzt gehen. Tschüß Harry, man sieht sich.“
„Tschüß. Und geh bitte nicht mehr in die Nähe des Hauses. Es ist kein sicherer Ort.“
-----------------------------------
Einige Minuten später betrat Harry das Büro von Robards.
„Ich habe einen Zeugen des Angriffs gefunden“, sagte er ohne Umschweife.
Der Chefauror runzelte leicht die Stirn.
„Was?! Machen Sie die Tür zu, Potter!“
Harry gehorchte und näherte sich erneut dem Schreibtisch.
„Sie haben einen Zeugen gefunden? Von dem Mord an den Wallace?“
„Ich hatte gerade die Untersuchung der Schutzzauber beendet, als ich ihn gesehen habe. Ein Junge namens Ian Tennant. Er wohnt in einer Siedlung etwa drei Kilometer vom Haus der Wallace entfernt.“
„Ein Muggelkind?“, fragte er überrascht und ungläubig.
„Ein Zauberer mit Muggeleltern“, korrigierte Harry. „Er ist neun Jahre alt, so dass er noch nie von Hogwarts gehört hat und nichts von unserer Welt weiß.“
Robards war natürlich interessiert.
„Haben Sie ihn befragt?“
„Ja, Sir. Ich war nicht sicher, ob man es ihm wegen den Umständen erlauben würde, vor dem Zaubergamot auszusagen, und ich dachte, es ist besser, die Information so zu bekommen, auch wenn es auf inoffizielle Art und Weise war.“
„Natürlich. Was hat er gesehen?“
Harry erzählte ihm, was er dank der Legilimentik herausgefunden hatte.
„Sie fragten nach einem Schlüssel, einem Schlüssel für eine Pforte. Es kann sein, dass die Familie Wallace etwas in einem Geheimzimmer im Haus versteckte. Etwas, was die Abtrünnigen unbedingt finden wollten.“
„Ich weiß nichts von einem Geheimzimmer, aber ich werde veranlassen, dass das Haus nochmal durchsucht wird.“ Der Auror trommelte nachdenklich mit den Fingern auf den Schreibtisch. „In Ordnung... Potter, haben Sie sonst noch jemandem von dem Kind erzählt?“
„Nein, Sir.“
„Auch nicht Weasley?“
„Nein, ich habe ihn noch nicht gesehen. Ich bin direkt zu Ihnen gekommen.“
Robards zwirbelte seine Bartspitze.
„Die Sicherheit dieses Kindes hat nun höchste Priorität. Ich muss mit dem Minister reden, ob wir eine Ausnahme für ihn machen können und dann mit seinen Eltern reden. Potter, es ist von äußerster Wichtigkeit, dass Sie darüber absolutes Stillschweigen bewahren! Niemand darf von der Existenz dieses Zeugen erfahren, bis wir eine Entscheidung über die weitere Verfahrensweise mit ihm getroffen haben. Habe ich mich klar ausgedrückt?“
„Ja, natürlich. Sir... Weasley und ich sind sehr daran interessiert, diesen Fall übertragen zu bekommen.“
Der Reinfall mit Malfoy vor vier Jahren schwebte unausgesprochen zwischen ihnen.
“Sie dürfen das nicht zu etwas persönlichem werden lassen.“
„Aber es ist persönlich“, antwortete Harry standhaft. „Geben Sie mir eine Chance. Ich versichere Ihnen, dass ich Sie nicht enttäuschen werde.“
Der Auror betrachtete ihn kalkulierend.
„Lassen Sie mich darüber nachdenken, Potter!“, sagte er in einem Ton, der klar machte, dass er nun gehen konnte. Harry verstand, dass er nicht sofort eine Antwort bekommen würde, und stand auf um zu gehen. Bevor er aus der Tür war, sagte sein Chef noch: „Gut gemacht, mein Junge!“
„Danke, Sir.“
||||
10px|12px|15px|17px|19px
Times|Arial|Helvetica
25%|50%|75%|100%
Linksbündig|Blocksatz
gering|normal|groß|sehr groß
