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von Pandora02    erstellt: 20.12.2007    letztes Update: 30.12.2007    Geschichte, Romanze / P18 Slash    (fertiggestellt)
Lois hatte Recht gehabt. Sein 5 Uhr Termin wartete. Kunststück. Schließlich war es inzwischen halb sechs.

„Hi. Ich bin der Lex, der Fotograf. Tut mir leid, dass ich spät dran bin.“ Guck, wie nett ich bin, Lois. Sie reichten sich die Hände.

„Oh, Mister Luthor. Guten Tag, ich… ah… ehm… ich freue mich, dass… hm… ich meine, kein Problem, das mit dem Warten.“

Jeans mit Bügelfalten, ein Flanellhemd und eine Baseballkappe, die das halbe Gesicht verdeckte. Ein Landei! Na, das fing ja super an. Und Stottern gab es anscheinend gratis dazu. Nun, er musste ja nicht reden. Hauptsache, der Typ konnte sich in einem Designeranzug gerade halten. In Gedanken drehte er Lois noch schnell den Hals um, bevor er sagte: „Sag Lex zu mir. Ist kürzer. Wie heißt du?“

„Uhm… Clark. Clark Kent.“ Das Model nahm seine Mütze ab. Lex bemerkte, dass er sie mit den Händen knetete und sich nervös umschaute.

„Möchtest du was trinken, bevor wir loslegen? Kaffee? Tee? Scotch? Oder ´n Bier?“ Das würde ihn entspannen. Nichts war schlimmer als ein nervöses, verklemmtes Model.

„Tee wäre nett. Danke“, antwortete der Junge, der beharrlich auf den Fußboden starrte.

„Okay, setz dich. Ich nehme an, meine Redaktion hat dir erklärt, worum es geht?“, fragte Lex, während er mit dem Wasserkocher hantierte. Er liebte es, meine Redaktion  zu sagen. Wo waren noch gleich die Teebeutel? Das war der erste, der keinen Alkohol zur Entspannung wollte.

„Fotos für einen Adventskalender, haben sie mir gesagt. Ein bisschen… ähm… erotisch.“

Lex hörte den Jungen förmlich erröten und unterrückte ein Grinsen. Vielleicht könnte er ihn als ungezogenen College Boy in Schuluniform inszenieren. „Mehr haben sie dir nicht verraten?“, fragte er laut. „Typisch. Ist Earl Grey okay? Hier ist noch Kamillentee, aber ich fürchte, der ist von vor dem Krieg. Und ich meine nicht den im Irak.“

„Äh. Ja, danke.“

Lex reichte seinem Model eine dampfende Tasse, goss sich dann ebenfalls einen Beutel Earl Grey auf und lehnte sich an den Tisch, auf dem seine Kameras und Objektive ausgebreitet waren. Er sah zu, wie der Junge sorgfältig auf den Tee pustete, bevor er trank. Oha. Das Fotografenhirn klickte. Das war der perfekteste Schmollmund, den er je gesehen hatte. Er war positiv überrascht. Wer hätte das gedacht?

„Also, erzähl doch mal, Clark - Clark war richtig, oder? Machst du das hier hauptberuflich?“ Lockere Konversation war die zweite Stufe seiner Entspannungstaktik.

Sein Gast sah auf und schüttelte den Kopf. Lex wollte in diesem Moment einen Schluck trinken, stoppte jedoch mitten in der Bewegung. Was war das? Sein Hirn notierte gleich zwei Tatsachen. Erstens: Perfekte Wangenknochen. Zweitens: Diese Augen! Riesengroß und anscheinend meergrün. Und dann die Wimpern! Sollte seine Redaktion ausnahmsweise keinen 08/15-Typen erwischt haben? Die anderen sieben waren hübsch bis schön gewesen, aber austauschbar und daher langweilig. Das wurde ja immer interessanter.

„Nein. Ich mache das nur manchmal, um mir das Studium zu finanzieren. Ich möchte Journalist werden“, fügte Clark ernsthaft hinzu.

„Hey, dann sind wir ja beinahe Kollegen!“, grinste Lex. „Ich könnte fragen, ob wir einen Praktikanten beim Gaily Planet  gebrauchen können.“

„Oh, danke, aber… nun, ich dachte eher an seriöse Nachrichten.“ Mit einem Schlag wurde Clark knallrot um Gesicht. „Nein, so hab’ ich das nicht gemeint. Tut mir leid, ich… ich wollte nicht sagen, dass…“

Lex lachte. Der Junge war ja richtig niedlich, wenn er sich vor Verlegenheit wand. Vielleicht verbirgt er unter seinen Hinterwäldlerklamotten noch mehr Überraschungen, dachte Lex. Seine Neugier war geweckt.

„Schon gut, keine Sorge. Wir sind hier nicht unbedingt die Hochburg der aktuellen Tagespolitik. Muss dir nicht unangenehm sein. Bist du eigentlich schwul?“

Clark gefror und wurde noch roter. Er öffnete schon den Mund, aber Lex kam ihm zuvor: „Sorry, das war indiskret. Vergiss es. Nur weil du dich für ein Schwulenblatt ablichten lässt, musst du’s ja nicht selber sein. Die meisten sind es allerdings. Obwohl es nicht alle zugeben. Da war zum Beispiel letztens dieser Sportler. Hat sich vertraglich zusichern lassen, dass wir mit keinem Wort irgendwas andeuten, das vermuten ließe, er sei homosexuell. Beim Shooting hat mir in jedem zweiten Satz gesagt, er sei so was von hetero, aber du hättest ihn posieren sehen sollen. Hat sich mächtig ins Zeug gelegt, immer wieder gefragt, mögen es die Männer so oder so? Er konnte gar nicht schnell genug seine Klamotten loswerden. Und zuletzt musste ich ihn förmlich davon abhalten, alles zu geben. Wenn du verstehst, was ich meine.“

Clark war immer noch rot, aber er lachte. Ein gutes Zeichen. Der Junge entspannte sich. Seine Taktik ging auf. Nun wurde es langsam Zeit, zur Sache zu kommen. Lex verengte die Augen zu Schlitzen und studierte sein Gegenüber. Hohe Wangenknochen, das Kinn war markant, die Schultern anscheinend kräftig und gerade. Ja, daraus konnte man etwas machen. Womöglich würde dieses finale Shooting für den Kalender doch nicht so öde werden wie befürchtet.

„Okay, - hör zu, es läuft folgendermaßen. Wir fangen ganz klassisch an, schwarzer Anzug, Hemd, Krawatte. Danach wird es etwas sportlicher. Jeans, dazu ein T-Shirt, Top oder freier Oberkörper, das müssen wir mal sehen. Und zum Schluss experimentieren wir ein wenig. Weiße Boxershorts kann ich mir bei deinem Teint gut vorstellen. Vielleicht aber auch bloß ein Laken. Wir werden testen, was dir liegt. Die Redaktion hat uns eine Klamottenauswahl besorgt, aber ich bin berühmt für meine Improvisationen. Hast du irgendwelche Fragen?“

„Nein“, antwortete Clark ohne zu zögern. „Meinetwegen kann es losgehen, Mister Lu--, ich meine, Lex.“
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