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von eilian    erstellt: 06.11.2007    letztes Update: 06.11.2007    Geschichte, Drama / P12    (fertiggestellt)
Mit diesem Text verhält es sich so ähnlich wie mit den "Nachgedanken". Es handelt sich also um eine fiktive Situation, um meine realen Gedanken & Gefühle besser darzustellen...
ABER: Das Ganze ist jetzt auch schon wieder ne Weile her, also brauch sich niemand Sorgen um mich zu machen... ^^
Elè

Deine Haare kitzeln mein Gesicht. Mein Kinn, meine Nase, meine Lippen.
Das Gras kitzelt meinen Nacken, meine nackten Oberarme, meine Schulter.
Meine Fingerspitzen streichen sanft über deine Haut, folgen blind den Linien deines Unterkiefers, den Sehnen, die sich unter der Haut deines Halses abzeichnen, bis hinunter zum Ansatz deiner Schlüsselbeine.
Ich berühre dich kaum, spüre mehr das Gewicht deines Kopfes auf meiner Brust als das, was meine Finger langsam ertasten.
Du bist zu einem unbestimmten Gefühl von Wärme und süßer Schwere geworden, unwirklich, unglaublich, unbeschreiblich.
Dein rechtes Schulterblatt drückt so stark gegen meine Rippen, dass ich mich frage, ob du es wirklich bequem hast. Doch du sagst nichts. Liegst nur da.
Obwohl ich dein Gesicht nicht sehen kann, weiß ich, dass du die Augen geschlossen hast.
Mit einem Mal fällt mir auf, dass ich gar nicht mehr weiß, wie wir hier her gekommen sind, ins Gras, in den Schatten dieses umgestürzten Baumes.
Es ist auch gar nicht mehr wichtig.
Noch nie zuvor habe ich dich so entspannt gesehen. Du, die du immer in Bewegung bist, immer irgendetwas zu tun haben musst.
Ist das hier nicht alles, was ich gewollt habe?
Aber ich, die ich nicht mehr herbeigesehnt habe als diesen Augenblick mit dir, habe Angst. Angst, mich zu verraten.
Dein Kopf ruht auf meinem Herzen. Und wie so oft quält mich die Frage, ob ich dich nicht aufgeben sollte, nie mehr so an dich denken wie jetzt. Dich zu haben, hieße andere zu verletzen. Ist mir die Gesamtheit der anderen wichtiger geworden, als du es bist?
In meinem Kopf dreht sich alles nur um diesen winzigen Punkt, während ich spüre, wie der Abdruck, den du in meiner Seele hinterlässt, immer tiefer wird.
„Was denkst du?“ Keine Romantik in deiner Stimme, nicht einmal besonders viel Freundlichkeit, doch in den letzten Monaten habe ich gelernt, die subtilen Veränderungen wahrzunehmen, die Gefühle in deine Worte legen.
Soll ich dir antworten? Ich könnte nicht anders, als dir die Wahrheit zu sagen, also schweige ich.
„Hmm.“
Als du lachst, habe ich genau vor Augen, wie sich das Netz winziger Falten um deine Augen- und Mundwinkel ausbreitet. Und plötzlich kommt mir ein weiterer Gedanke, einer, den ich ohne Bedenken aussprechen kann.
„Ich will nicht fort.“
Du lachst wieder, doch der Klang deines Lachens ist nicht länger einer der reinen Freude. Dein Lachen ist ernst geworden. Und mit einem Mal überkommt mich das Gefühl, dass ich nichts falsch machen kann, egal was jetzt passiert. Alles, was mich eben noch so schwer gemacht hat, verschwindet, löst sich auf in diesem Augenblick, in dem alles im Gleichgewicht zu sein scheint.
Ich richte mich halb auf, ohne etwas zu sagen und du neigst den Kopf nach hinten und siehst mich an mit deinen Augen, die so dunkel sind, dass sie schwarz erscheinen. Erstaunen blitzt in ihnen auf, als ich mich vorbeuge und dich sanft auf die Stirn küsse, kurz unterhalb des Haaransatzes.
„Du wirst mich vergessen.“ Wie von selbst drängen sich die Worte durch meine geschlossenen Lippen.
Es ist dieser Moment, in dem das Unglaubliche, das Unfassbare passiert. Als wäre es das Natürlichste auf der Welt setzt du dich jetzt selbst auf, drehst dich zu mir um und küsst mich auf den Mund. Es ist nicht der leidenschaftliche Kuss, den ich mir erträumt habe, aber er ist sanft und warm und so zärtlich, dass er mich zitternd und nach Luft schnappend zurück lässt.
Warum? In meinem Kopf dreht sich alles. Habe ich mich verraten? Hast du es die ganze Zeit lang gewusst?
Eigentlich ist es mir egal, ich will die Arme um dich schlingen und dich nie wieder loslassen. Doch ich tue es nicht, ich sinke nur zurück und liege da, zitternd bis ins Innerste, wartend auf deine nächste Handlung. Ich selbst bin zu keiner Bewegung fähig, jeder Einzelne meiner Muskeln scheint eingefroren zu sein unter deiner Berührung.
Wie Schneeflocken verteilen sich deine Küsse über mein Gesicht, sanft und zugleich stechend, brennend, während deine schwarzen Haare dir über die Augen fallen und mich zu streicheln scheinen. Meine eigenen Augen sind plötzlich nutzlos geworden, also halte ich sie fest geschlossen.
Ich kann jede deiner Berührungen bis in mein Innerstes spüren, sehe sie vor mir, kann beinahe die leisen Luftzüge wahrnehmen, die du verursachst, so sensibilisiert ist meine Haut. Und doch bin ich es, die langsam die Hand hebt und sie auf deine Lippen legt.
Ich weiß, dass du mich liebst.
Aber nicht so, wie ich dich.
Niemals so.
Ich liebe dich noch mehr für diesen Versuch, mir meinen Wunsch zu erfüllen.
Aber ich kann dein Geschenk nicht annehmen.
Es zerreißt mich, in deinen Augen die Enttäuschung sehen zu müssen.
Dabei sollte ich an deiner Stelle sein, sollte ich es sein, die mit langsam ersterbenden Licht in den Augen auf die andere herab blickt. Ich sollte enttäuscht sein, nicht du.
Aber so ironisch es klingt, die letzten Augenblicke haben mir gezeigt, dass es etwas gibt, das mir wichtiger ist als mein eigenes Glück.
Deines.
Ein kleiner Teil von mir lacht höhnisch auf, verspottet mich für meinen falschen Stolz, doch ich weiß, dass es nicht der Solche ist, der mich dazu antreibt, mich aufzusetzen und dir behutsam die Haare aus dem Gesicht zu streichen. Etwas verblüfft siehst du mich an, aber dennoch ergreifst du meine ausgestreckte Hand und lässt dich von mir hochziehen.
Immer noch schweigend nicke ich in die Richtung, in der ich die anderen vermute, die wahrscheinlich schon nach uns suchen.
Du legst den Arm um mich und gehst langsam neben mir her.
Es gibt Augenblicke, die gleichermaßen enttäuschend und erleichternd sind.
Es gibt Momente, die Einen gleichzeitig trunken von Glück und schreiend nach mehr zurücklassen.
 
 
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