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Geschichte: Fanfiktion
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von Nemain
erstellt: 28.10.2007
letztes Update: 27.05.2011
Geschichte, Allgemein / P18
(abgebrochen)
Warum war sie eigentlich noch einmal hierher gekommen, fragte sie sich unbehaglich …
„Sequana, du weist was für uns auf dem Spiel steht! Du musst es tun!“
„Wieso denn? Ich bin eure Tochter und ihr lasst mich zu, zu…“, fragte sie leise.
„Sequana, jetzt reiß dich aber mal zusammen!“
Ihre Mutter war eine sehr strenge Frau, worauf Sequana immer den Blick senkte, wenn sie in die unerbittlichen Augen ihres weiblichen Familienoberhauptes blickte. Ihr Vater war ein sanfteres Gemüt, aber er stand hinter seiner Frau und somit hinter ihrer Entscheidung. Dennoch schlug er eine gutmütigere Tonlage an.
„Mein Herz! Du weisst wir lieben dich über alles! Aber wir können das nicht allein tun. Tu es für uns! Vergiss nicht! Zu niemandem ein Wort, wie dein wahrer Name lautet!“
Sequana seufzte. Was blieb ihr anderes übrig? Sie liebte ihre Eltern doch, egal welche Eigenheiten sie hatten!
Im Nachhinein verfluchte sie sich trotzdem selbst und ihre Eltern. Ihr eigenes Fleisch und Blut in die Höhle des Löwen zu schicken!... Sollte man eigentlich nicht seine Kinder beschützen und sie nicht ins Verderben rennen zu lassen?
Sie war mit dem Grünen Wind gereist, um Zeit zu haben, es sich anders zu überlegen. Aber wo sollte sie hin? Nach Hause konnte sie nicht mehr, wenn sie das hier nicht durchzog ,nach Terreille auch nicht. Sie hatte ja nicht mal genügend Geld um sich etwas zu Essen leisten zu können, wie sollte sie da in ein anderes Reich kommen? Sie kam sich ziemlich erbärmlich vor, als sie Burg Sa Diablo vor sich aufragen sah. Ihre Angst wurde mit jedem Schritt größer und mit einem gehetzten Blick sah sie sich immer wieder um.
„Ich will hier weg!“, wimmerte sie und fand sich wenige Augenblicke auf dem Boden wieder, da sie unsanft auf ihr Hinterteil fiel. Ängstlich sah nach oben, in wen sie denn da überhaupt hinein gelaufen war und erkannte einen Eyrier.
„Mutter der Nacht!“, murmelte sie ängstlich und sah den Krieger an, als würde sie jeden Moment in Ohnmacht fallen. Eyrier an sich waren ja schon gefährlich genug, aber hier hatte sie auch noch einen Kriegerprinzen vor sich. Kriegerprinzen waren für ihr Temperament bekannt und für ihre doch leichte Reizbarkeit. Sie wollte sich auf keinen Fall mit ihm anlegen!
Der Eyrier kniff die goldenen Augen zusammen, hielt ihr aber eine Hand hin. Er diente und würde jeder Hexe seinen gebührenden Respekt erweisen.
„Lady.“
„Prinz!“, erwiderte sie ebenso förmlich wie er.
„Wohin des Weges?“, fragte er mit einem Timbre, dass eher wie ein Knurren klang und Sequana leicht erschauern ließ. Hatte sie etwas falsch gemacht, würde sie jetzt einem wild gewordenen Kriegerprinzen gegenüber stehen müssen?
„Burg Sa Diablo!“, gab sie eingeschüchtert zur Antwort. Der Fremde nickte, schien sie aber nicht so schnell gehen lassen zu wollen.
„Wie heißt ihr?“
„Nemetona!“, gab sie nach minimalem Zögern Auskunft. Sie hatte sich beherrschen müssen, nicht ihren wahren Namen auszuplaudern.
„Kalzivar!“, meinte der Eyrier und lächelte verkniffen. Also wenn das ihr die Angst vor ihm nehmen sollte, dann war dieses Lächeln nicht gerade förderlich!
„Was wollt ihr in Burg Sa Diablo?“
„Warum wollt ihr das wissen?“, wollte sie argwöhnisch wissen.
„Ich unterstehe dem Wachmann der Lady! Ich bin befugt, das zu fragen!“
Sequana zögerte kurz. „Nun ja… Ich möchte der Lady dienen!“
Jetzt lächelte der Eyrier wirklich, sodass sich Sequana etwas entspannen konnte. „Ah.. na dann!“
„Wie ist die Lady denn so?“, fragte Sequana nun etwas mutiger geworden.
„Herzallerliebst! Einerseits wie eine verspielte Katze und dennoch so gefährlich wie ein Drache.“, meinte er grinsend. Ungläubig starrte sie ihn an.
„Das ist nicht Euer Ernst?!“
„Wieso denn nicht?“
„Sie ist Hexe!!“
„Ja und? Sie ist dennoch nicht anders als andere Frauen!“, erwiderte er scharf.
„Wie Ihr meint!…“ antwortete sie schnell. Dann deutete sie zur Burg. „Ich muss dann!...“
Still sah er sie an, dann nickte er kurz, lächelte sie dabei aber freundlich an.
„So schlimm wird es schon nicht werden!“
„Woher wollt ihr das wissen?“, wollte sie erstaunt wissen. Sie war jetzt schon hoffnungslos mit den Bewohnern des Schlosses überfordert, obwohl sie noch nicht einmal einen Einzigen kannte, und dann redete dieser Eyrier auch noch in Rätseln. Wie sollte sie das nur überleben?
„Weil es so ist!“
„Nein, ich meinte woher Ihr wissen wollt, dass ich Angst habe?!“
Er lachte schallend. „Das sieht man aus fünfzehn Meter Entfernung!“. Damit schwang er sich in die Luft und war im nächsten Moment auch schon verschwunden.
Sequana sah ihm perplex hinterher, setzte dann aber langsam ihren Weg zur Burg Sa Diablo fort.
Sequana hatte schweißnasse Hände, als sie auf die Tür vor sich starrte. Warum sollte sie noch mal hier her kommen?, fragte sie sich jetzt schon zum zweiten Mal. Weil kein anderer Hof mehr Hexen aufnahm! Das hatten ihre Eltern Sequana gesagt. Sie konnte noch umkehren! Aber dann würden ihre Eltern sie für unfähig halten und irgendwie musste sie ja das Geld zusammen bekommen, um wieder nach Terreille zu gelangen. Sie wollte nichts sehnlicher, als wieder in das Land ihrer Kindheit und Schauplatz ihrer glücklichsten Zeit ihres Lebens zurück zukehren. Wenn sie ehrlich war, dann war sie nur aus Eigennutz hierher gekommen und nicht um ihren Eltern zu helfen. Sie wurde ja eh nur belächelt. Sie war ängstlich und ab und zu auch ziemlich unbeholfen. Sie wollte lieber ihre Ruhe, als sich auf Festen einen Mann zu suchen, denn hier fühlte sie sich nicht willkommen, weil ihr einfach die Wurzel fehlten. Die Wurzeln, die sie in Terreille in Form einer Doppelgängerin und besten Freundin zurück gelassen hatte
Sequana atmete noch einmal tief durch, dann betrat sie den großen Saal. Die hohen Säulen, die die Decke zu tragen schienen, waren mit unterschiedlichen Mustern behauen und der weiße Marmor Fußboden war blank geputzt. Aus den Mauer schien die schwarze dunkle Macht förmlich zu pulsieren. Dies war ein Ort von großer Macht, aber was hatte sie anderes erwartet? Hier hatte zu ihren mächtigsten Zeiten gelebt. Doch da war nicht nur eine weibliche Signatur sondern auch zwei männliche. Hier an diesem Ort kamen die gefährlichsten, aber auch stärksten Blutleute zusammen und lebten hier. Alles in Allem war die Burg eigentlich ein einschüchternder Ort. Doch von alledem bemerkte Sequana nichts. Sie starrte nur geradeaus und hielt sich verkrampft an ihrer Gürtelschlaufe ihres grünen Leinenkleides fest. Sie sah jetzt schon auf die vier Personen, die am Ende des Raumes standen, um nicht sofort in Ohnmacht zu fallen. Hatte sie sich nicht vielleicht doch ein zu großes Ziel gesetzt, was sie unmöglich allein bewältigen konnte?
Zögernd setzte sie einen Fuß vor den anderen, um sich näher an die kleine Gruppe heran zu wagen. Und warum zum Henker gab es hier keinen Butler…Immerhin wäre dann erst mal eine Person zwischen ihr und den Herren der Burg, um mal leicht anzutesten, ob die Personen auch in guter Stimmung waren. War das in Schlössern nicht immer die Regel? Aber das hier war Burg Sa Diablo! Hier war alles irgendwie auf eine bestimmte Art und Weise anders. Als sie näher kam, sah sie, dass es der Kriegerprinz von Ebon Rih, ebenso der Kriegerprinz von Dhemlan, der Höllenfürst und Hexe höchst persönlich waren, die ungezwungen im kleinen Kreis standen.
Ihre Eltern waren noch immer durch Hekatah’s Kult verängstigt. Sie hatten sie vor Hexe gewarnt und sie musste ihnen hoch und heilig versprechen, dass sie niemandem offenbarte, dass sie ein graues Juwel trug. Aber ob sie es vor Hexe verheimlichen konnte stand auf einem ganz anderem Blatt. Denn die einstmals stärkste Königin, die es je in der Geschichte des Blutes gegeben hatte, hatte Mitternachtsschwarze Juwelen getragen, die so tief in den Abgrund reichten, dass sie eigentlich jede Macht erspüren konnte. Zumal es ja auch an der Signatur eines Angehörigen des Blutes anhaftete, welches Juwel er trug. Und Jaenelle Angelline, war dafür sehr empfänglich. Nun trug sie allerdings ein Juwel, dass jede Kaste zu beinhalten schien. Dieses Juwel war einzigartig und wurde „Schatten der Dämmerung“ genannt. Schon das allein schüchterte Sequana unglaublich ein und diese saphirblauen Augen, die sich auf sie richteten, halfen nicht wirklich dabei, die junge Frau zu beruhigen.
Ängstlich stand sie kurz darauf vor dem herrschenden Paar in Kaeleer.
„Mein Name ist Nemetona le Strange. Ich bitte den Kriegerprinz von Dhemlan, mich einem Kreis seines Hofes zuzuteilen!“, bat sie flüsternd, aus Angst, dass ihr die Stimme versagen könnte, und schlug die meerblauen Augen nieder. Sie senkte den Kopf, sodass ihr schwarzes langes Haar leicht nach vorne fiel, um ihr ovales Gesicht mit dem markanten Wangenknochen und dem spitzen Kinn zu verdecken. Die dicken langen Strähnen reichten ihr bis zu der Mitte ihres Rückens, woraus ihr Gesicht allerdings ziemlich blass hervorstach.
„Lady, Ihr wisst doch sicherlich, das nur eine Königin einen Hof bilden kann!?“, meinte Daemon Sadi mit seinem allseits bekannten tiefen, dunklen und verführerischen Timbre. Sequana erschauerte. Sie ließ also auch nicht seine Ausstrahlung kalt. Aber das hätte sie wissen müssen. Man nannte ihn nicht umsonst den Sadisten, denn er ließ keine andere Frau an sich heran, ohne ihr im Bett auf irgendeine erdenkliche Weise weh zu tun, und keine andere Frau als Hexe hatte er geschworen zu lieben und sie war auch nur diejenige, die ihn zum brennen brachte.
Plötzlich fest entschlossen sah sie dann Jaenelle Angelline in die Augen. Sie würde nicht klein bei geben! Sie würde ihren Entschluss nicht bereuen. Sie wollte zurück in ihre Heimat und das würde sie schaffen. „Lady ich bitte euch! Lasst mich an eurem Hof dienen!“
Die uralten Augen Jaenelle Angelline’s – oder sollte man doch lieber Hexes sagen? - richteten sich auf sie und mit ebenso alter Stimme fragte sie: „Warum Nemetona und nicht euer wahrer Name?“
Erstarrt sah Sequana Hexe an. Sie hätte wissen müssen, dass sie es herausfinden würde, aber sie war so töricht gewesen, zu hoffen, dass ihre Scharade nicht auffliegen würde. Sequana wurde noch etwas blasser als sie so und so schon war. Wenn sie jetzt schon wusste, dass ihr angegebener Name falsch war, dann würde sie auch wissen, dass ihr Juwel nicht grün, sondern grau war. Sie entschloss sich es dennoch drauf ankommen zu lassen und nur teilweise mit der Sprache raus zu rücken.
„Es stimmt!“
„Was stimmt?“, fragte der Höllenfürst freundlich. Trotzdem hörte sie den drohenden Unterton in seiner Stimme, das wie ein entfernter Donner klang. Er würde seine Lady beschützen, egal wer der Feind war. Und das galt auch für Lucivar Yaslana, den eyrischen Kriegerprinzen und Daemon Sadi, beide Söhne des Höllenfürsten.
Sequana schluckte schwer.
„Mein Name ist nicht Nemetona! Mir wurde aufgetragen mich als Nemetona le Strange auszugeben. Mein wahrer Name lautet Sequana du Lac!“, dabei starrte sie die ganze Zeit auf den Fußboden. Das war allemal besser, als in die verstörenden blauen Augen von Lady Angelline zu blicken.
„Lady, seht mich an!“, befahl der Höllenfürst sanft, der sich anscheinend wieder unter Kontrolle zu haben schien. Er war schon immer eher der besonnene Typ gewesen, weil er auch mittlerweile mehr als fünfzigtausend Jahre erlebt hatte, um sich erst einmal die Sache genau anzusehen, abzuwägen und dann zu entscheiden. Und er hatte entschieden. Scheu sah Sequana auf.
„Warum?“, fragte er, was Sequana verwirrte.
„Warum?“, echote sie und verstand das simple Wort, aber die dennoch komplexe Frage nicht.
„Warum solltet ihr mit falschem Namen hier herkommen?“
„Meine Eltern befahlen es.“
„Wie heißen sie?“, hakte er freundlich nach.
„Damien und Clarice du Lac.“
„Woher kommst du?“
„Glacia!“, antwortete sie wahrheitsgemäß. Es stimmte ja auch, denn doch fehlten ihr die typischen Merkmale der Glacianer. Sie war ja nur in ihrer Kindheit dahin gezogen.
„Ihr seit dennoch nicht von Kaeleer.“, stellte der Priester des Stundenglassabbates fest.
„Nein. Ursprünglich stammen wir aus dem Grenzgebiet von Dena Nehele.“
Saetan atmete zischend ein. „Lady kann es sein, das euch eure Eltern noch unter dem Einfluss der Hohepriesterin standen?“
Zögerlich nickte Sequana.
„Also ist auch Hexe ein Monster, das aus der Hölle entsprungen zu sein scheint, sehe ich das richtig? Und das Daemon Sadi und Lucivar Yaslana Bastarde und Lustsklaven mit den dunkelsten Juwelen sind, die es je gegeben hat.“, mutmaßte der Höllenfürst weiter.
Kalt fixierten Lucivars goldene Augen Sequana. „Glaubst du das auch?“
„Nicht alles. Die Vergangenheit von euch ist sozusagen ein offenes Buch! Und ich werde wohl die Letzte sein, die das Recht dazu hat, darüber zu urteilen. Das ihr allerdings diejenigen mit den dunkelsten Juwelen sind, dass bestreite ich.“
Langes Schweigen war die Antwort. Betreten sah sie zu Boden. „Verzeiht Prinz. Es ist kein angemessenes Gespräch mit einem Kriegerprinzen.“
Schmunzelnd sah Saetan auf sie herab. „Lady, woher wollt Ihr wissen, dass es noch jemanden gibt?“
Er ging mit einer Leichtigkeit über Sequanas kleinen Fauxpas hinweg und wandte sich stattdessen wichtigeren Fragen zu.
Sie sah auf. Etwas mutiger geworden, zählte sie an den Fingern ab. „Also da wären erst einmal Sie, Höllenfürst! Ihr tragt Schwarz. Ebenso Hexe! Oder trug, besser gesagt! Dann wären da noch Prinz Yaslana und Prinz Sadi. Und Lady Estrell!“
„Wer ist Lady Estrell?“, kam es einheitlich aus drei männlichen Kehlen.
„Eine Freundin aus Kindertagen. Sie trug als Geburtsjuwel Saphir! Und ich glaube zu wissen, dass sie nun Schwarzgrau trägt! Etwas anderes käme nicht in Frage.“
Der Höllenfürst trat näher an Sequana heran. „Ist das wahr?“
„Süße Dunkelheit ja! Wenn es in Terreille auch nur noch ein Register gibt, dann wird sie noch zu finden sein.“, bekräftigte Sequana, konnte sich sogar zu einem kurzen Lächeln hinreißen lassen.
Schweigend sahen die vier sich an. Dann sah Jaenelle Angelline auf Sequana.
„Sequana du Lac, ich begrüße dich herzlich im 15. Kreis meines Hofes! Ihr dürft euch entfernen.“
Ein glückliches Lächeln breitete sich in Sequanas Gesicht aus, als sie den Saal verließ um sich von einem der Dienstmädchen ihr neues Zimmer zu zeigen.
***
Anmerkung Der Autorin:
Nemetona: Bei den gallischen Kelten war Nemetona eine Kriegsgöttin. Beim Volk der Nemeter (zwischen Rhein und Mosel angesiedelt) war sie die Stammesgöttin.
Sequana: ist die Göttin der Quelle des Flusses Seine Siewird im gegürteten Faltengewand, mit gescheiteltem, gelockten Haar , die Hände in willkommen heißender, spendender Geste. Der linke Zeigefinger zeigt dabei zur Erde, was ihre Rolle als Mutter- und Andersweltgöttin darstellen soll. Sie steht auf einer Barke, deren Bug einen Entenähnlichen Kopf aufweist. Im Schnabel der Ente steckt eine Kugel als Symbol für die Sonne. Sie wurde als gütige Heilerin angebetet , die die Krankheiten mit göttlicher Macht von den Menschen nimmt.
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