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von Ahasveros    erstellt: 01.10.2007    letztes Update: 26.03.2008    Geschichte, Drama / P18 Slash    (abgebrochen)
Zusammenfassung: Der König von Makedonien, Philippos, gibt seinen gerade achtzehnjährigen Sohn Alexander zur weiteren Erziehung in die Hände seines altgedienten Generals Kleitos. Hephaistion, der Freund seines Sohnes, soll ihm entfremdet werden. Philipp ahnt nicht, dass er mehrere Leben damit zerstört.


Fandom: Alexander der Große
Cast: Philipp, Alexander, Hephaistion, Kleitos, Olympias und Pausanias.
Rating: Unterschiedlich, bis zum höchsten Rating
Warnungen: Die üblichen. Diese Zeit war kein Zuckerschlecken.




1. Philipps Plan


Der König schüttelte den Kopf.

„Es passt mir ganz und gar nicht. Ganz und gar nicht!“

Philippos stand auf und tigerte um den Tisch, wie ein eingesperrtes Raubtier. Seine Unruhe war zu sehen und zu spüren. Er zog die Augenbrauen zusammen, hieb dann wieder mit den Faust auf den Tisch, explosiv und unerwartet, um schlussendlich sich wieder auf dem großen thronartigen Sessel hinter dem Tisch fallenzulassen.

Kleitos sah ihm zu, rührte sich nicht, wagte sich nicht, sich zu rühren.

Gefühlsausbrüche dieser Kategorie waren wie ein Unwetter zu überstehen – mit Geduld und Ausdauer, aber keinesfalls war es nun angebracht, zu reagieren, denn dann provozierte man höchstens die nächste Stufe des Desasters, und die konnte tödlich sein. So bewahrte Kleitos Stillschweigen, obwohl er sehr viel zu sagen gehabt hätte, doch Philippos’ Autorität schüchterte selbst ihn ein, den erfahrenen Krieger.

„Ich werde dem ein Ende bereiten, genau das werde ich tun!“ ereiferte sich Philippos weiter. „Ich habe lange genug zugesehen, mir das Gejammere meine Frau angetan – die übrigens Recht hat, in diesem Falle hat sie Recht! – und jetzt werde ich handeln, Kleitos, ja, genau das werde ich tun. Wenn gutes Zureden nichts nützt, die Androhung von Strafe auch nicht, dann muss gehandelt werden, und jetzt wird gehandelt. Ich handle jetzt!“

Durch mehrmaliges Wiederholen seines Vorsatzes hatte sich Philippos nun endgültig dazu durchgerungen und sich auch selbst davon überzeugt, dass er eingreifen würde, nicht mehr länger zusehen.

„Er ist 18! Bei allen Göttern, was glaubt er, was er da tut? Das ist ungeheuerlich! Wäre er der Sohn eines Bauern, wir würden darüber lachen! Aber er ist MEIN Sohn, er ist, wenn er mir nicht noch länger auf den Nerv geht, mein Thronerbe, und ich erkläre hiermit diese Sache für beendet! Ab heute läuft das so, wie ich mir das vorstelle, so wie es immer war, wie es gut ist und gesund. Schluss mit dem Affentheater, ich kann es mir nicht mehr ansehen! Und Aristoteles unterstützt das auch noch! Ich bin entsetzt, ich wünsche, dass das aufhört. Und DU, du wirst mir dabei helfen, Kleitos!“

Kleitos senkte sein Haupt und wartete auf den Befehl seines Königs.

Jahre waren vergangen, da er mehr war als nur einer der engsten Freunde des Königs, da er von ihm erwählt worden war, als Günstling, mit ihm sein Bett teilte, doch die Zeiten waren vorbei. Längst war aus dem Knaben Kleitos ein erwachsener Mann geworden, ein Krieger, ein verdienter Vertrauter des Königs, und man nannte ihn Kleitos, den Schwarzen, weil seine Haare und sein Bart schwarz waren wie das Gefieder eines Raben. Zuverlässig, treu und den alten Werten des Reiches ergeben diente Kleitos Philippos von Makedonien und würde es auch nun tun – was auch immer sein König von ihm verlangen würde.

„Gut, Kleitos. Was ich von dir verlange, ist hoffentlich keine übertriebene Bitte... ich wünsche, dass du dich um meinen Sohn kümmerst.“

„Philipp, das tue ich bereits“, warf Kleitos ein, doch Philippos winkte ab. „Lass mich zu Ende reden, Kleitos. Ich weiß, dass du dich um meinen Sohn kümmerst – dass du auf ihn aufpasst, dass er seinen heißblütigen Schädel nicht irgendwo anrennt, dass er sich nicht zu weit vorwagt – doch das meine ich nicht. Ich spreche von einem – innigeren Kümmern. Von – du weißt schon, von was ich spreche. Ich wünsche die Erziehung meines Sohnes in deiner Hand – und zwar die Erziehung zu einem Mann. Ich wünsche, dass du aus ihm das machst, was du bist – und vor allem, dass du ihn von diesem athenischen Bastard fern hältst. Von seinem überaus geliebten Hephaistion, diesem langhaarigen Lustknaben, der ihm diesen Floh mit dem Rasieren ins Ohr gesetzt hat, der veranlasst, dass er riecht wie ein ganzes Knabenbordell, der ihn dazu treibt, sich täglich mehrere Male zu waschen, der ihm die Haare von der Brust schabt, so er schon welche hat – und der ihn zu einem Weib macht mit seinem Liebesgesäusel und seinem Gerede von Achilles und Patroklos. Das können wir hier nicht gebrauchen, Kleitos! Ich verlange, dass du die beiden trennst, dass du dich um meinen Sohn kümmerst, dass du ihn zu einem Mann erziehst, und dass er von dir lernt, in jeglicher Hinsicht. In jeglicher, hast du verstanden! In jeglicher.“

Kleitos spürte, wie es ihm, dem sonst so abgebrühten, heiß und kalt gleichzeitig wurde.

Alexander sollte in seine Obhut gegeben werden – jetzt noch, da er schon lange dem Knabenalter entwachsen war! - , und er sollte einen Keil zwischen Hephaistion und Alexander treiben, zwischen den unzertrennlichen jungen Makedonen, die Tag und Nacht zusammen verbrachten und vermutlich durch sehr romantische Bande aneinander gefesselt waren.

Alexander würde sich furchtbar wehren und Hephaistion...

Kleitos vermochte sich nicht vorzustellen, auf welche Gegenwehr er stoßen würde - sicherlich nur mit Gewalt zu brechen, und nicht an Hephaistion vorbei.

„Was wird mit Hephaistion geschehen?“ fragte er sogleich nach, und Philipp hieb wieder mit der Faust auf den Tisch. „Den würde ich am liebsten zurück dorthin schicken, wo er herkam, den arroganten Kerl! Da das aber leider nicht möglich ist, wird er bei mir im Palast dienen. Unter meiner Aufsicht, Tag und Nacht. Er geht mir nicht mehr aus den Augen, keinen Augenblick! Ich werde mich schon ausführlich um ihn kümmern, das kannst du mir glauben. Aus dem mach ich auch noch einen Mann! Und du, du wirst dich gleich heute um Alexander kümmern. Nimm ihn mit, reite mit ihm aus, und dann erkläre ihm, was geschehen wird. Rechne mit Widerstand, der Bengel hat das Blut der Schlange in sich! Aber du wirst ihn brechen, diesen Widerstand, ich vertraue dir. Gib mir meinen Sohn so zurück, wie ich ihn haben will! Als Mann, der weiß, was seine Pflicht sein wird.“

Kleitos seufzte kurz, dann willigte er ein. „Dann soll es so sein, mein König, mein Freund.“

Philippos stand auf, hinkend kam er auf Kleitos zu, umarmte seinen Freund. „Ich weiß, dass Alexander bei dir gut aufgehoben ist!“ flüsterte er verschwörerisch und zwinkerte mit seinem gesunden Auge.


*tbc*
 
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