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von Anubis86    erstellt: 31.08.2007    letztes Update: 07.05.2012    Geschichte, Romanze, Abenteuer / P16    (in Arbeit)
Waffenstillstand?


Die junge Frau spürte, wie die Angst sie zu übermannen drohte und kämpfte ihre aufsteigende Panik tapfer nieder. Noch hatte man keinerlei Bestrafung über sie verhängt, geschweige denn durchgeführt – und würde der Kapitän sie unbedingt tot sehen wollen, hätte er sie mit Sicherheit schon längst über Bord geworfen. Nein was auch immer er vorhatte – offenbar war es für seine Pläne zunächst wichtiger, wenn es ihr nicht allzu schlecht ging. Leonie nahm sich fest vor, ihr Temperament zu zügeln und ein wenig zugänglicher zu werden. Sollte sie die Gelegenheit dazu bekommen. Vorhin hatte er schließlich einige Fragen gehabt. Vielleicht wollte der Pirat zunächst Antworten haben, ehe er entschied was weiter mit ihr geschehen sollte.

Und vielleicht konnte sie eine Art Handel mit ihm abschließen. Sie wusste zwar nicht, wie genau dieser aussehen sollte, aber allein die Tatsache dass er sie hier eingeschlossen und allein gelassen hatte, statt zu verfahren, wie man es von Piraten immer hörte, gab ihr ein wenig Mut. Da sie nicht wusste, was sie sonst tun sollte, begann sie, sich ein wenig genauer in der Kajüte umzusehen. Trotz der Tatsache dass die Einrichtungsgegenstände ganz offensichtlich nicht zusammengehörten – Leonie wollte gar nicht wissen, von wie vielen unterschiedlichen Beutezügen sie stammten und auf welchen Schiffen sie zuvor die Kajüten geziert hatten – war der Raum dennoch recht geschmackvoll eingerichtet.

Die rückwärtige Wand wurde von einem gewaltigen bleiverglasten Fenster eingenommen und sie bot einen wunderschönen Ausblick auf das blaue Meer, den azurfarbenen Himmel und vereinzelte Wolken an selbigem. Staunend trat Leonie einen Schritt näher. Ein solches Fenster besaß nicht einmal der Salon ihres Vaterhauses. Direkt unter dem Fenster befand sich eine ungewöhnlich breite Koje* und die junge Frau fragte sich, wie romantisch es wohl wirkte, vor dem Einschlafen durch das Fenster die Sterne betrachten zu können. Am Fußende des Bettes konnte sie eine schwere hölzerne Truhe ausmachen. Sie wagte aber nicht, den Deckel anzuheben, um ihre Neugier bezüglich ihres Inhalts zu befriedigen. An der Wand daneben hatte man einen mit schmuckvollen Schnitzereien verzierten Sekretär* fest mit dem Boden verschraubt – genau unter einem weiteren kleineren Fenster.

Die angrenzende Wand zierte ein gewaltiges Bücherregal und diesem gegenüber befand sich ein Kleiderschrank. In der Mitte des Raumes war ein runder Tisch mit mehreren Stühlen aufgestellt worden und eine Chaiselongue hatte man an der vierten Wand postiert. Trotz dass das Möbel in recht dunklem Holz gehalten waren, wirkte der Raum durch die großen Fenster doch hell und freundlich, musste die junge Frau sich eingestehen. Doch dann schoss ihr ein gänzlich anderer Gedanke durch den Kopf und ihr Interesse für diese Kajüte bekam einen jähen Dämpfer versetzt: dies hier war eindeutig die Kabine des Kapitäns! Doch weshalb sperrte er sie ausgerechnet in seine eigene Kajüte? Dieses Schiff verfügte doch mit Sicherheit über mindestens eine Zelle.

Bevor die Angst sie aber wieder vollständig in ihren Bann schlagen konnte, schüttelte sie diese Gedanken allerdings ab und trat neugierig an den Sekretär. Sie erschrak jedoch jäh, als sie dort den Steckbrief des Mannes sah, der sie in diesen Raum gesperrt hatte. „Damian Bricassart. Für die Auslieferung dieses Piraten wird die verantwortliche Person in Silber aufgewogen“, las sie laut vor und wurde kreidebleich. Wenn dieser Kerl wirklich Damian Bricassart war, würde sie nichts zu lachen haben. Bricassart galt als der gefährlichste und gefürchtetste Pirat dieser Meere. Es hieß, bisher habe noch niemand eine Begegnung mit ihm überlebt. Außerdem erzählte man sich, er sei ein Dämon und nicht zu töten, da er bereits seit über sechzig Jahren die See unsicher machte, aber dennoch um keinen Tag gealtert zu sein schien.

Ein Schauer durchlief Leonie, als sie daran dachte, dass er tatsächlich sehr jung gewesen zu sein schien. Vielleicht zwischen zwanzig und dreißig Jahren. Außerdem hatte er eindeutig mit französischem Akzent gesprochen, was auch noch den letzten Zweifel an seiner Identität beseitigte. Nicht umsonst lautete einer seiner Beinamen Der Franzose. Schaudernd überlegte sie, was er wohl mit ihr vorhatte. Vor allem nachdem sie ihn vor versammelter Mannschaft diese Ohrfeige gegeben hatte… Bei jedem anderen Menschen hätte sie noch hoffen können, durch eine ausgesprochene Kooperativität und eine angemessene Entschuldigung halbwegs unversehrt davonzukommen. Nicht aber bei Bricassart. Diese Demütigung würde er nicht auf sich sitzen lassen. Eine Entschuldigung würde er gar nicht erst annehmen.

Nein wahrscheinlich überlegte er schon in diesem Moment, welche Bestrafung angemessen wäre, um ihr diese Frechheit zu vergelten. Ein neuerlicher Schauer durchfuhr sie bei dem Gedanken daran. Aber jetzt war es zu spät für diese Grübeleien. Sie konnte es ohnehin nicht mehr ändern und musste nun abwarten, wie man weiter mit ihr verfahren würde. Erschöpft ließ sie sich auf die Kante der Koje sinken und starrte eine Weile geistesabwesend auf die gegenüberliegende Tür. Die Tränen der Angst, die sich einen Weg über ihre Wangen suchten, bemerkte sie nicht einmal. Mit einem Mal hatte sie das Gefühl, als hätte man sie all ihrer Kraft beraubt und resignierend rollte sie sich auf dem Bett zusammen. Fast unverzüglich schlief sie ein.

Trotz ihrer Angst hegte sie die leise Hoffnung, er würde warten, bis sie wach war, wenn er seine Strafe vollziehen wollte. Außerdem hatte sie – seit sie auf diesem Schiff war – kein einziges Mal richtig lange schlafen können. Stets hatte sie befürchten müssen, entdeckt zu werden. Dementsprechend müde war sie nun. Ihre letzten Gedanken galten ihren Eltern und mit Tränen in den Augen glitt sie hinüber ins Reich der Träume – den Steckbrief noch immer umklammernd.

~*~*~*~*~*~


Noch immer leicht verärgert schritt Damian an Deck auf und ab. Immer wieder warf er ungeduldige Blicke auf das Stundenglas und hoffte, dass es bald Mittag werden würde. Denn dann wollte er noch einmal versuchen, Näheres von der kleinen blinden Passagierin zu erfahren. Vor allen Dingen interessierte ihn, ob sie tatsächlich dermaßen verzweifelt war, dass sie ein solches Benehmen an den Tag legte. Oder ob sie am Ende tatsächlich einfach nur dumm war und nicht wusste wie der Name des Schiffes lautete, auf das sie sich geschlichen hatte. Sollte letzteres der Fall sein, hatte er in dem Jahr, das er zur Untätigkeit verdammt gewesen war, doch einiges mehr eingebüßt, was seinen Ruf betraf, als er anfänglich angenommen hatte.

Und somit wäre es ein doch noch etwas längerer Weg, bis er wieder zu seinem alten Ruf unter den Seeleuten zurückgefunden hätte. Aber auch das würde er mit ein wenig Arbeit bewerkstelligen können. Bald würde Bricassart wieder ein Name sein, der in den karibischen Gewässern eine Gänsehaut hervorrief.

Nachdem er die junge Frau in seine Kajüte gesperrt hatte – als Reaktion auf ihr Verhalten – hatte er sich auf das Achterkastell* zurückgezogen. Dieser Bereich des Schiffes war ausschließlich den Führungsoffizieren eines Schiffes vorbehalten und somit neben seiner Kajüte der einzige andere Ort an Bord, an dem er halbwegs ungestört war. Von dem erhöht liegenden Deck aus hatte er seinen wachsamen Blick über das Schiff und die Mannschaft schweifen lassen – insgeheim auf kleinere Verfehlungen seiner Männer hoffend, um ein Ventil für seinen noch immer schwelenden Zorn zu finden – und über die junge Frau und ihr Verhalten nachgedacht.

Die wärmenden Strahlen der morgendlichen Sonne und das stete Rauschen des Wassers hatten schließlich dazu beigetragen, dass sein Zorn zumindest soweit verflog, dass er ihn ohne allzu große Anstrengungen im Zaum halten konnte. Außerdem hatte er versucht die Vorkommnisse von einem rationalen Standpunkt aus zu betrachten. Er hatte sich in sie hineinversetzt und sich gefragt wie er wohl reagiert hätte, wenn man ihn gefasst hätte. Mit allen möglichen Berichten im Kopf welche Strafen auf das an Bord schleichen standen und nach der Entdeckung der schwarzen Flagge wäre er als unbescholtener Bürger sicherlich auch in Panik verfallen.

Die Frau musste in diesem Moment bereits mit ihrem Leben abgeschlossen haben und wollte wohl nur noch einen recht schnellen Tod erfahren – und keine langwierige Folter, egal ob körperlich oder psychisch. Vielleicht war sie auch genau aus diesem Grund handgreiflich geworden. Um ihn so weit zu reizen, dass er kurzen Prozess mit ihr machte. Jedenfalls hätte sie dies beinahe geschafft. Doch diese Theorie hatte er nicht lange unangefochten aufrechterhalten können. Denn da war etwas gewesen, das er in ihren Augen gesehen hatte und das ganz und gar nicht so aussah, als hätte sie mit ihrem Leben abgeschlossen. Vielmehr hatte es wie das letzte Aufbäumen eines Sturms gewirkt, der sich mit aller Macht dagegen wehrte und letzten Endes doch wusste, dass er zum Schweigen gebracht werden würde.

Sicherlich hatte der Anblick des Jolly Roger ihre Angst geschürt. Doch als sie diesen Schrecken überwunden hatte, war ihr Kampfgeist zurückgekehrt und ihre Furcht hatte die Kontrolle über ihr Handeln übernommen. Unglücklicherweise war dies aber nicht nur bei ihr der Fall gewesen. Als sie dermaßen erschrocken aufgesprungen und zu keiner vernünftigen Antwort mehr fähig gewesen war, hatte auch er seine Geduld verloren und sein darauffolgendes Handeln war von seinem allmählich aufflackernden Zorn bestimmt gewesen. Anstatt ruhig auf sie einzugehen hatte er ihr gedroht und sie nur noch mehr verängstigt. Wahrscheinlich war sie letzten Endes zu dem Schluss gekommen, er wolle ihr in der Tat etwas antun und hatte aus diesem Grund Rot gesehen.

Wenn seine Annahme richtig war und sie aus einer gehobeneren Gesellschaftsschicht stammte, war eine solche Handgreiflichkeit die normale Abwehrreaktion und gleichzeitig Waffe einer Frau und demnach die nächstliegende Reaktion gewesen, die sie hatte zeigen können. Nur hatte sie in dem Moment nicht bedacht, dass sie es nicht mit solchen Menschen zu tun hatte, die sie von zu Hause her kannte und die ihre Tat als Abfuhr betrachten und das Ganze auf sich beruhen lassen würden.

All diese Überlegungen hatten letztendlich dazu beigetragen, dass sein Groll sich auf ein bezwingbares Maß reduziert hatte. Er war sogar zu dem Schluss gekommen, dass er bei der jungen Frau mit Drohungen und Einschüchterung wenig erreichen würde. Vielmehr musste er feinfühliger vorgehen und versuchen, den angerichteten Schaden wieder gutzumachen und irgendwie wenigstens einen geringen Teil ihres Vertrauens zu gewinnen, damit sie ihm vielleicht die ganze Geschichte erzählen würde. Wie genau er dies bewerkstelligen sollte, wusste Damian zwar selbst noch nicht einmal – aber irgendwie würde er es schon schaffen. Auch wenn es sicher kein leichtes Unterfangen werden würde. Er war nicht gerade bekannt für seine Menschenfreundlichkeit und allein der Gedanke, über seinen Schatten springen zu müssen, missfiel ihm.

Bisher hatte er seine Ziele immer erreicht. Ein Beweis dafür war allein die Tatsache, dass er sein Schiff zurückbekommen hatte und nun an Deck desselben stand. Bisher hatten seine Vorgehensweisen zwar nicht auf Vertrauen basiert, aber vielleicht war es nicht einmal so falsch, wenn er durch dieses Mädchen neue Taktiken erlernte. Nur konnte er hier nicht auf seine Erfahrungen und Menschenkenntnis zurückgreifen, sondern musste seinen Instinkten vertrauen – und den wenigen angenehmeren Erinnerungen die er an sein bisheriges Leben hatte.

Erneut war er an der Steuerbordreling angekommen und schlug den Rückweg nach Backbord ein. Dass er mit seinem auf- und abtigern wie ein wildes Tier im Käfig seine Mannschaft vollkommen nervös machte, bemerkte er nur am Rande. Endlich war das letzte Sandkorn am Boden des Stundenglases – das er die ganze Zeit über nicht aus den Augen gelassen hatte – angekommen. Nun also war die von ihm gesetzte Frist vorbei und er würde seine neue Taktik in die Tat umsetzen. Unverzüglich machte er auf dem Absatz kehrt und schritt zu seiner Kajüte. Dass die nervösen Blicke seiner Männer ihm folgten, bemerkte er nicht. In einer fließenden Bewegung hatte er den Schlüssel hervorgeholt und ins Schloss gesteckt. Beinahe geräuschlos entriegelte er die Tür und ließ sie langsam aufschwingen.

Damian bemühte sich, keine allzu hastigen Bewegungen zu machen oder dem Mädchen anderweitig Anlass zu neuer Furcht zu geben. Zögernd trat er einen Schritt in den Raum hinein und schloss die Tür wieder, da er die neugierigen Blicke einiger dreisterer Mannschaftsmitglieder lieber aussperren wollte. Aufgrund der erbarmungslos scheinenden Sonne, die das Deck trotz der schwarzen Farbe der Planken auf unangenehme Weise erhellt hatte, brauchte er zunächst eine Weile, um sich an das dunklere Licht der Kajüte zu gewöhnen und etwas erkennen zu können. Bis dahin blieb dem Piraten nichts anderes übrig, als sich auf seine restlichen Sinne zu verlassen. Also lauschte er angestrengt in die Dunkelheit hinein, um einen Hinweis zu erhaschen, wo die junge Frau sich befand und ob sie eine unangenehme Überraschung für ihn vorbereitet hatte.

Er hatte wahrlich keine sonderlich große Lust, nähere Bekanntschaft mit diversen schweren Gegenständen zu machen. Doch so sehr er sich auch konzentrierte, konnte er nicht das leiseste Geräusch ausmachen. Kurz fragte er sich, ob sie es irgendwie geschafft hatte, aus dem Raum zu fliehen, verwarf diesen Gedanken aber augenblicklich wieder. Als seine Augen sich schließlich an das dämmrige Licht gewöhnt hatten, welches trotz der vielen Fenster in der Kajüte herrschte, blickte er sich aufmerksam um. Doch was er sah, entlockte ihm ein leichtes Lächeln – das erste ehrliche Lächeln seit langer Zeit. Die blinde Passagierin lag zusammengerollt wie ein junges Kätzchen in der Koje und schien tief und fest zu schlafen. Der entspannte Ausdruck auf ihrem Gesicht überraschte Damian ein wenig, da ihre Körperhaltung trotz allem noch leicht auf Abwehr hindeutete. Kurz überlegte er, ob er einfach wieder an Deck gehen sollte.

Doch was sollte seine Mannschaft denken, wenn ihr Kapitän lediglich so kurze Zeit bei der Gefangenen blieb? Nein, wenn er aufdringlichen Fragen vorbeugen und sich den Respekt seiner Männer sichern wollte, musste er noch eine Weile warten. Leise setzte er sich in Bewegung und ging auf die Koje zu. Erst jetzt bemerkte er, dass das Mädchen geweint haben musste. Außerdem fiel sein Blick auf eine ihrer Hände, die krampfhaft irgendetwas umklammert hielt, das wie ein Stück Papier aussah. Vorsichtig – um sie nicht zu wecken – löste er ihre Finger und nahm das das Blatt an sich. Möglichst geräuschlos entfaltete er es. Ein kurzer Blick genügte allerdings schon, um ihm zu sagen, dass es sich um seinen Steckbrief handelte.

Wahrscheinlich hatte er ihn auf dem Sekretär liegenlassen. Woher sollte er auch wissen, dass er seine Kajüte plötzlich zu einer Zelle umfunktionieren würde. Nun zumindest wusste das Mädchen jetzt, mit wem sie es zu tun hatte. Allerdings konnte er noch nicht mit Bestimmtheit sagen, ob dies nun ein Vorteil für ihn war. Schließlich musste sie jetzt wahrlich panische Angst vor ihm haben. Jetzt wo sie seinen Namen herausgefunden hatte, würde es wohl noch schwerer werden, sie zum reden zu bewegen. Aber vermutlich würde sie wenigstens weitere unbedachte Handgreiflichkeiten gegen ihn unterlassen. Denn er bezweifelte, dass sie noch nie den Namen Bricassart gehört haben könnte – und sei es auch nur in Geschichten, die das Volk sich über diesen Dämon in Menschengestalt erzählte.

Bei einem solchen Ruf musste wirklich jeder zwangsläufig denken, er wäre so grausam und gnadenlos wie der Teufel persönlich. Dabei hatte er sich doch zumindest ein wenig geändert. Nun da er nicht länger unter der Kontrolle seines Vaters stand, sondern sein eigener Herr war, griff er nicht mehr ganz so wahllos Handelsfahrer an, sondern wählte aus. Zumeist Leute, die selbst nicht ganz legalen Geschäften nachgingen oder ihm auf lang oder kurz gefährlich werden konnten – oder insgesamt kein sonderlich gutes Verhältnis zu seinen Landsleuten hatten. Und dennoch legte er Wert darauf, seinen Ruf aufrecht zu erhalten. Immerhin bot er ihm in manchen Momenten auch einen gewissen Schutz. Und doch musste er es irgendwie bewerkstelligen, dieses Frauenzimmer zu beruhigen.

Hatte er denn überhaupt noch eine Chance, von ihr etwas über die Vorfälle im Hafen von Saint Dominique zu erfahren? Kurz verdüsterte sich Damians Miene ein wenig. Nein so schnell würde er nicht aufgeben. Er musste es zumindest versuchen und würde seinen vorhin gefassten Entschluss weiter verfolgen. Noch immer überlegend, wie er am besten weiter mit dem Mädchen verfahren sollte, versenkte er den Steckbrief nun in einer der Schubladen seines Sekretärs, ehe er sich erneut der Schlafenden zuwandte. Eine ganze Weile betrachtete er sie nachdenklich, ohne sich zu rühren. Warum nur tat er sich das an? Es wäre um so vieles einfacher gewesen, wenn er sie wie jeden anderen Eindringling einfach über Bord geworfen hätte.

Was also hatte ihn zurückgehalten? Waren es wirklich die Informationen, die er sich von ihr erhoffte? Oder wollte er sich mit diesem Vorwand nur etwas vormachen? Und wenn ja: warum tat er dies? So viele Fragen, deren Antwort er wohl nicht finden würde. Wahrscheinlich hatte dieses eine Jahr, das er nun schon von dem Joch seines Vaters befreit war, tatsächlich eine andere Seite an ihm geweckt, welche so etwas wie Gnade kannte. Ehe er begriff, was er tat, trocknete er ihr behutsam die Tränen und seufzte lautlos. Zumindest konnte er sie noch immer aus dem Weg räumen, wenn sie oder ihr Wissen nicht den erhofften Wert für ihn hatte. Wenigstens war es das, was er sich nun einzureden versuchte. Als Erklärung dafür, weshalb er sich den ganzen Stress mit ihr überhaupt antat.

Unter seiner Berührung entrang sich der jungen Frau ein leises Seufzen und sie machte es sich im Schlaf ein wenig bequemer. Durch diese leichte Bewegung fiel Damian auf, dass sie noch immer zitterte wie bereits an Deck und er griff automatisch nach seinem Umhang, den sie im Zimmer abgelegt hatte, um diesen über sie zu breiten. Warum er sie nicht einfach frieren ließ, konnte er allerdings nicht sagen. Nach einem erneuten Blick in ihr Gesicht schritt er erneut zum Sekretär und griff nach einigen Seekarten und Instrumenten, die zur Navigation dienten. Noch einmal ließ er seinen Blick durch die Kajüte schweifen, ehe er diese schließlich wieder verließ. Die nächsten Tage würden sie keinen Hafen anlaufen, sodass das Mädchen ohnehin an Bord gefangen war.

Also konnte er ihr auch die Zeit geben, die sie benötigte, um ihre Gedanken zu ordnen und sich zunächst einmal richtig auszuschlafen. Reden konnten sie auch später noch. Wenn ihre Angst sich vielleicht ein wenig gelegt hatte. Wobei er dies im Grunde stark anzweifelte. Jetzt wo sie seinen Namen kannte. Nun dann würde es also schwieriger werden als erwartet, ihr Vertrauen so weit zu erlangen, dass sie ihm alles berichtete, was er wissen wollte. Leise schloss er die Tür wieder hinter sich, verzichtete aber darauf, den Schlüssel im Schloss herumzudrehen. Kurz ließ er seinen Blick über das Deck schweifen und beobachtete seine Mannschaft. Erst als er sich davon überzeugt hatte, dass alles seinen gewohnten Gang lief, enterte er erneut zum Achterkastell auf und breitete seine mitgebrachten Sachen auf dem bei der vorderen Reling mit den Planken fest verschraubten Kartentisch aus, um noch einmal über ihren Kurs nachzudenken.

~*~*~*~*~*~


Als Leonie erwachte, fühlte sie sich so ausgeruht wie schon lange nicht mehr. Dennoch bemerkte sie sofort, dass jemand in der Kajüte gewesen sein musste, während sie geschlafen hatte. Der Steckbrief von Bricassart war verschwunden und sie konnte ihn auch nach genauerem Umsehen nirgends entdecken. Dennoch war sie sich sicher, ihn noch in der Hand gehabt zu haben, als sie sich in die Koje gelegt hatte, um eine Weile auszuruhen. Also musste irgendjemand ihn ihr aus der Hand genommen und fortgeräumt haben. Ferner war sie mit dem Umhang von Kapitän Bricassart zugedeckt, den sie eigentlich auf dem Stuhl am Sekretär abgelegt hatte, da sie in dem Raum allein war und niemand sie mit Blicken hatte ausziehen können.

Ein wenig durcheinander setzte sie sich auf. Warum hatte man sie nicht geweckt, wenn schon jemand hier herein gekommen war? Mit Sicherheit kam derjenige nicht, um sich nach ihrem Wohlbefinden zu erkundigen. Wahrscheinlicher war, dass sie hatte erneut verhört werden sollen. Und verwunderlich war dies auch ganz und gar nicht. Sie war immerhin ein blinder Passagier und hatte sich unerlaubt an den Nahrungsmittelreserven dieser Piraten vergriffen. Zudem hatte sie ihren Anführer vor versammelter Mannschaft erniedrigt. Und diese Schmach würde er mit Sicherheit nicht auf sich sitzen lassen. Vermutlich war es sogar Bricassart selbst gewesen, der die Kajüte betreten hatte. Schließlich hatte er seine Männer angeherrscht, dass sie sich ihr nicht nähern sollten.

So viel hatte sie zumindest durch das Holz der Tür noch verstehen können. Warum aber hatte der Seeräuber sie nicht geweckt? Sie verstand das alles einfach nicht. Leise seufzend ließ Leonie ihren Blick durch den Raum gleiten, ehe er an dem großen Heckfenster hängen blieb. Offenbar hatte sie den ganzen Tag verschlafen, stellte sie nun mit Schrecken fest, da es bereits wieder zu dämmern schien. Ein weiteres Seufzen entrang sich ihrer Kehle und ihr Blick glitt in die Ferne. Was sollte sie nur tun? Und was würden die Piraten tun? Wäre es besser, sich irgendeine Geschichte auszudenken? Oder sollte sie lieber bei der Wahrheit bleiben? Und wie sollte sie sich dem Piraten gegenüber verhalten? Auf jeden Fall durfte sie ihn nicht noch weiter reizen, so viel stand fest.

Vielleicht wäre auch eine Entschuldigung nicht verkehrt. Andererseits war sie hier unter Gesetzlosen. Diese kannten nicht die gleichen Regeln von Moral und Anstand wie sie. Und sie würden eine solche Geste vielleicht nur als erneuten Auslöser ihrer Wut betrachten. Sollte sie also einfach nicht weiter auf dieses Thema eingehen? Doch noch quälender war für die junge Frau die Frage, wann sie wohl wieder mit den Piraten konfrontiert werden würde. Scheinbar hatten diese keine Eile, wenn sie es nicht einmal für nötig gehalten hatten, sie zu wecken. Doch wie lange würde dies noch so sein? Kaum merklich schüttelte Leonie den Kopf. Egal wie lange sie sich in diesem Raum verkroch, die Piraten würden sie mit Sicherheit früher oder später für ihre Taten zur Rechenschaft ziehen.

Vielleicht war es dann nicht einmal das Schlechteste, wenn sie die Möglichkeit hatte, den Zeitpunkt für ihre Bestrafung wenigstens noch selbst zu bestimmen. Entschlossen und bereit, dem Schicksal ins Gesicht zu schauen, erhob sie sich und schritt zur Tür. Den Umhang legte sie sich dabei wieder um die Schultern, fühlte sie sich so doch ein wenig sicherer und betrachtete ihn unbewusst als eine Art schützende Barriere zwischen sich und ihren potentiellen Feinden. Kurz kam ihr der Gedanke, vielleicht noch eine Weile zu warten, ehe sie diesen Gang antrat. Doch sie verdrängte ihn ebenso schnell, wie er gekommen war. Ein Aufschub brachte ihr rein gar nichts. Dabei stieg höchstens die Wahrscheinlichkeit, dass wieder jemand zu ihr kam und ihr die Fäden aus der Hand nahm.

Nein sie wollte es so schnell wie möglich hinter sich bringen. Sie atmete noch einmal tief durch und drückte anschließend mit wild klopfendem Herzen die Klinke herunter. Die Tür schwang nahezu geräuschlos auf und gab ihr den Blick frei auf konzentriert arbeitende Piraten, die die junge Frau überhaupt nicht beachteten. Kurz wunderte sie sich über den nicht vorhandenen Widerstand der Tür. Hatte Bricassart sie denn nicht eingeschlossen gehabt? Oder hatte er es nicht für nötig gehalten, nach seinem Erscheinen in der Kajüte erneut abzuschließen? Dies wiederum konnte nur bedeuten, dass sie sich auf offener See befanden und auch noch eine ganze Weile lang keinen Hafen ansteuern würden – und sie somit wohl oder übel auf dem Schiff gefangen war.

Dann machte es in der Tat keinen Sinn, die Tür zu verschließen. Noch einmal ließ sie ihren Blick über die Piraten an Deck schweifen. Doch die konnten Leonie im Prinzip egal sein. Sie musste den Kapitän des Schiffes finden. Denn nur der hatte das Recht, über sie zu richten. So sehr sie sich auch davor fürchtete, so wollte sie doch auch wissen, was sie erwartete und es endlich hinter sich bringen. Selbst wenn der Mann Bricassart hieß und dies hier wahrscheinlich ihr letzter Gang war. Sie ging ein paar Schritte aus der Kajüte heraus und blickte sich suchend nach dem Kapitän um. Dabei bemerkte sie, wie einige der nahestehenden Piraten sich gegenseitig anrempelten und verstohlen auf sie deuteten. Erneut lief ihr ein Schauer über den Rücken, als sie ihre Blicke bemerkte. Doch sie gab sich Mühe, sich nichts anmerken zu lassen.

Sie entdeckte Bricassart erst nach einer ganzen Weile auf einem höher gelegenen Deck. Er war über einen Tisch gebeugt, auf dem Seekarten ausgebreitet waren und schien ihr Auftauchen an Deck noch nicht bemerkt zu haben. Komm schon Mädchen, du wirst doch jetzt keinen Rückzieher machen, schalt sie sich gedanklich, da ihre Füße ihr einfach nicht gehorchen und sich in Bewegung setzen wollten. Mit einem Ruck riss sie sich aus ihrer Erstarrung und ging nach einer ganzen Weile mutig voran. Dabei fühlte sie sich in der Tat wie ein Häftling, der seinen Weg zum Galgen antrat. Sie verbot sich, verstohlene Blicke über das Deck gleiten zu lassen und nach einem möglichen Versteck zu suchen. Dies würde sowieso nichts bringen – außer einem möglichen Aufschub.

Direkt vor dem Mann blieb sie schließlich stehen und zwang sich zur Ruhe. Als er ihr auch nach einer ganzen Weile noch immer keine Aufmerksamkeit schenkte, sondern nur weiter die Karten studierte, räusperte Leonie sich kurz und nahm all ihren Mut zusammen, ihn anzusprechen: „Kapitän Bricassart?“

Ihre Stimme war mehr ein Hauchen und klang zittriger, als ihr lieb war. Doch konnte sie ihre Angst nicht so leicht besiegen oder verleugnen. Sie wollte schon die Hoffnung hegen, er hätte sie gar nicht gehört, als er aber den Kopf hob und ihr direkt in die Augen blickte. Als sich der Blick dieser grünen Augen in die Ihren bohrte, spürte die junge Frau, dass sie noch blasser wurde und ihr Herz schlug ihr bis zum Hals. Sie befürchtete schon, er könne es hören, wie es in ihrer Brust hämmerte und versuchte, diese zu zersprengen.

Oui*, der bin ich. Und mit wem habe ich das Vergnügen?“, verlangte er mit ruhiger tiefer Stimme zu erfahren.

Zumindest war er nicht sofort wütend geworden, registrierte Leonie, wäre am liebsten aber dennoch auf der Stelle umgedreht und davon gelaufen. Aber ihre Beine wollten ihr einfach nicht gehorchen. Stattdessen krächzte sie ein „Leonie… Peligron…“

Sie wagte nicht, seinen Blick länger zu erwidern und betrachtete stattdessen die Maserung der Reling hinter ihm. Insgeheim fragte sie sich, weshalb er sich für ihren Namen interessierte, konnte es ihm doch egal sein, wen genau er für das an Bord Schleichen strafen würde. Verstohlen beobachtete sie ihn aus dem Augenwinkel, bereit davonzulaufen, sollte er irgendetwas versuchen. Der Pirat jedoch strich sich lediglich eine widerspenstige Haarsträhne aus dem Gesicht und richtete sich zu seiner vollen Größe auf, da er bisher noch immer über den Kartentisch gebeugt gewesen war.

„Nun Mademoiselle Peligron, ich denke ich gehe recht in der Annahme, dass Ihr noch nicht sehr oft an Bord eines Schiffes gereist seid? Andernfalls wüsstet Ihr schließlich, dass das Achterkastell nur den Führungsoffizieren vorbehalten ist und Passagiere zunächst um Erlaubnis zu fragen haben, ehe sie es betreten.“

Er spielt mit mir, schoss es Leonie durch den Kopf. Einmal mehr drängte sich ihr der Vergleich des Piraten mit einer Raubkatze auf. Schuldbewusst senkte sie jedoch den Kopf und hoffte, er würde ihre Gedanken nicht erraten.

„Es tut mir Leid“, hauchte sie leise und spannte sich instinktiv an. Gab es denn auf diesem Schiff für alles eine Regel, die sie unwissentlich brechen musste?

Pardon*?“, hakte der Pirat nach. Dabei ließ er nicht erkennen, ob er sie tatsächlich nicht verstanden hatte – oder einfach nicht wusste, was genau ihr Leid tat.

„Es tut mir Leid“, wiederholte die junge Frau noch einmal lauter. „Ich wusste in der Tat nicht, dass ich nicht ohne Eure Erlaubnis hier hinauf darf. Ferner tut es mir Leid, dass ich mich an Bord geschlichen und an Euren Vorräten vergriffen habe. Und… ich… möchte mich auch… für mein Verhalten von vorhin entschuldigen.“

Während sie sprach, wanderte eine von Bricassarts Augenbrauen in gespieltem Unglauben in die Höhe. Leonie wäre am liebsten sofort wieder in die Kajüte geflüchtet, doch unglücklicherweise hatte der Pirat sich zwischen sie und die nach unten führende Treppe gestellt. Ob absichtlich oder durch Zufall vermochte sie nicht zu sagen.

Alors* da Ihr nun einmal hier seid, könnt Ihr von mir aus auch bleiben. Ich kann Euch schlecht wegen Eurer Unwissenheit tadeln.“ Während er sprach, rollte er die Seekarten akkurat zusammen und räumte die über den Tisch verstreuten Gerätschaften auf. Erst danach wandte er sich ihr wieder zu.

„Wollt Ihr Euch vielleicht für einen Moment setzen?“ In einer einladenden Geste wies er auf einige Kisten, die in der Nähe standen und wartete geduldig, bis die junge Frau seiner Aufforderung nachgekommen war.

Leonie zögerte kurz und bedachte sowohl die Kiste als auch den Piraten mit misstrauischen Blicken, setzte sich nach einer Weile aber dennoch und beobachtete, wie Bricassart ihr gegenüber auf einer weiteren Kiste Platz nahm.

„Ich hoffe, Ihr habt gut geschlafen und seid nicht mehr ganz so aufgelöst wie noch heute morgen“, fuhr er auch sogleich fort und erntete einen nun eher verwirrten Blick.

Insgeheim fragte das Mädchen sich, was er wohl vorhatte. Weshalb begann er ein verhältnismäßig belangloses Gespräch mit ihr, wie es in höhergestellten gesellschaftlichen Kreisen üblich war, anstatt sie sogleich auf ihre Verfehlungen hin anzusprechen und zur Rechenschaft zu ziehen. Warum hatte er es vorgezogen, zu überhören, dass sie selbst das Gespräch hatte auf ihr Fehlverhalten lenken wollen? Wollte er sie in falscher Sicherheit wiegen? Allerdings war sie zu ängstlich, um diese Gedanken laut auszusprechen. Sie würde es ohnehin früher oder später erfahren, was er von ihr wollte.

Also reagierte sie lediglich mit einem scheuen Nicken auf seine Frage und hauchte ein undeutliches „Danke für den Umhang… Kapitän“, wobei sie sich zu der Anrede, die seinem Rang an Bord entsprach, regelrecht zwingen musste.

Als Leonie aber nach dem Umhang greifen wollte, um ihn sich von den Schultern zu streifen und seinem Besitzer zurückzugeben, hielt Bricassart unvermittelt ihre Hand fest. Diese unerwartete Berührung ließ das Mädchen heftig zusammenzucken, als hätte es sich gerade verbrannt. Sie widerstand allerdings dem Drang, zurückzuweichen, wollte sie den Piraten doch nicht unbedingt gleich wieder wütend machen. Allerdings konnte sie nicht verhindern, dass sie sich leicht versteifte. Bricassart ignorierte diese Reaktion gekonnt.

„Lasst ihn lieber an“, meinte er ohne Umschweife. „Soweit ich mich erinnere, hatte Euer Kleid mehr preisgegeben, als dass es verdeckte und ich bin nicht sicher, ob meine Männer den Befehl, Euch nicht anzurühren, befolgen würden, wenn Ihr Euch ihnen halbnackt präsentiertet.“

Nach diesen Worten ließ er ihre Hand wieder los und erhob sich. Argwöhnisch beobachtete Leonie, wie der Pirat langsam zur Heckreling ging und eine Weile hinaus auf das Meer blickte, ehe er sich ihr wieder zuwandte. Lässig lehnte er sich mit dem Rücken an das Holzgeländer. Nachdenklich betrachtete der Pirat sie eine ganze Weile schweigend und der jungen Frau wurde immer unwohler unter diesem Blick. Konnte er nicht einfach sagen, was er nun beabsichtigte mit ihr zu tun? Dann wüsste sie wenigstens, woran sie war.

Was das Mädchen jedoch nicht ahnte, war, dass der Seeräuber sich selbst noch nicht einmal genau darüber im Klaren war, wie er weiter mit ihr verfahren sollte. Er überlegte fieberhaft, wie er sie ein wenig von ihrer Angst befreien und gesprächig machen könnte. Doch es fiel ihm nicht gerade leicht, eine Lösung zu finden, da er für gewöhnlich nicht gerade einfühlsam mit seinen Feinden umspringen musste. Auf jeden Fall aber stand für ihn fest, dass er nicht sofort mit der sprichwörtlichen Tür ins Haus fallen durfte. Es musste irgendeinen Weg geben, zumindest einen geringen Teil ihres Vertrauens zu gewinnen. Das würde es für ihn nicht nur einfacher gestalten, an Informationen zu gelangen. Es würde auch ihren Aufenthalt an Bord weniger problematisch gestalten. Doch wie sollte er dies nur bewerkstelligen?

Nachdenklich betrachtete er sie und stellte einmal mehr fest, dass die junge Frau sich in einem wahrhaft jämmerlichen Zustand befand. Und ebendiese Feststellung brachte ihn auf eine Idee, wie er sie vielleicht zunächst einmal scheinbar in Sicherheit wiegen konnte.

„Habt Ihr Hunger?“, fragte er plötzlich in ihre düsteren Gedanken hinein und konnte an ihrem leichten Zusammenzucken erkennen, dass sie nicht damit gerechnet hatte, angesprochen zu werden.

Leicht verwirrt hob sie den Blick und sah ihn zum ersten Mal direkt an. In ihrem Blick stand jedoch auch eine Frage geschrieben, die sie kurz darauf laut auszusprechen wagte: „Was? Wie bitte?“

Bricassart konnte erkennen, dass sie glaubte, sich verhört zu haben und musste seine Belustigung darüber verbergen. Natürlich war es nicht das gewesen, was sie von ihm erwartet hatte. Zumal jetzt, da sie seinen Namen kannte. Aber vielleicht konnte er sie ja davon überzeugen, dass man nicht ausschließlich irgendwelchen Geschichten glauben, sondern auch einmal selbst einen Blick hinter die Fassade werfen sollte. Der Piratenkapitän lächelte leicht und strich sich erneut eine Haarsträhne aus dem Gesicht, ehe er seine Frage geduldig wiederholte.

„Ich wollte wissen, ob Ihr hungrig seid und ob Ihr mir wohl die Ehre erweisen würdet, mit mir gemeinsam zu Abend zu essen.“

Als er seine Frage erneut gestellt hatte, war Leonie sich sicher, sich nicht verhört zu haben und starrte den Mann einen Moment einfach nur perplex an. Mit solch einer Frage hatte sie am Allerwenigsten gerechnet und war zunächst vollkommen überrumpelt. Dann jedoch besann sie sich auf ihre Kinderstube und senkte züchtig den Kopf, richtete ihren Blick zu Boden. In ihrem Kopf überschlugen sich allerdings die Gedanken. Was hatte er vor? Wollte er sie vergiften und anschließend im Meer entsorgen? Unwahrscheinlich. Er könnte sie doch viel einfacher aus dem Weg räumen. Und wenn sie ehrlich zu sich selbst war, hatte sie Hunger. Sehr großen sogar. Immerhin lag ihre letzte Mahlzeit über einen Tag zurück, was ihr Magen vernehmlich knurrend bestätigte.

Also nahm sie die Einladung dankend an, ohne noch länger darüber nachzudenken. Nicht dass er es sich noch anders überlegte und sie hungern ließ.

Bon*, dann werde ich unserem Maître de cuisine* sagen, dass er sich heute ein wenig mehr anstrengen muss“, entgegnete er noch immer leicht lächelnd und machte sich auf den Weg zur Kombüse*. Innerlich triumphierte Bricassart, dass sein Plan aufzugehen schien und sie zumindest nicht alles von vornherein abblockte.

Leonie ihrerseits blickte dem Piraten verwirrt hinterher. Sie wusste einfach nicht, was sie von diesem Verhalten denken sollte. Warum war er nicht wütend beziehungsweise zeigte seine Wut nicht offen? Sie hatte sich immerhin auf sein Schiff geschlichen, seine Lebensmittel gestohlen, ihn geschlagen! Und nun führte er mit ihr eine nette kleine Konversation und lud sie zum Essen ein. Einmal mehr fragte sie sich, was er wohl vorhatte. Doch durch dieses Verhalten seinerseits schöpfte sie auch wieder neuen Mut und eine leise Hoffnung, dass sie doch nicht den Tod auf diesem Schiff finden musste, regte sich in ihrem Geist.

Langsam erhob sie sich von der Kiste und trat an die Heckreling. Als ihr der Fahrtwind in das Gesicht blies und mit ihrem offenen Haar spielte, schloss sie für einen Moment die Augen und genoss das Gefühl von Freiheit. Sie atmete die salzige Seeluft tief ein und war froh, nicht länger unten im Lagerraum sein zu müssen, wo es dunkel und muffig war und sie nur die Erinnerung an die Sonne und frische Luft hatte, statt beides genießen zu können. Und doch wurde ihre neu erwachte Hoffnung plötzlich von einer dunklen Wolke der Sorge überschattet, als ihre Gedanken abdrifteten und zu ihrer Familie wanderten. Ob diese wohl auch hatten fliehen können? Sie hoffte es inständig.

Aber was war, wenn sie auch aus Versehen auf ein Piratenschiff gegangen waren? Oder auf eines der Franzosen oder Spanier? Als Leonie die Augen wieder öffnete, lief ihr eine einzelne Träne über die Wange.

„Lehnt Euch lieber nicht zu weit über die Reling. Wir wollen doch nicht, dass Ihr das Gleichgewicht verliert und über Bord geht.“

Erschrocken zuckte Leonie zusammen, als sie so urplötzlich aus ihren Gedanken gerissen wurde und drehte sich zu Bricassart um, die Träne dabei aus der Bewegung heraus fortwischend. Einmal mehr bedachte sie ihn mit einem verwirrten Blick.

„Wie bitte?“ Was meinte er jetzt schon wieder mit dieser Andeutung?

Doch anstatt zu antworten trat er zunächst neben sie und blickte hinunter zum Wasser. „Wirklich lästige Biester. Sie haben es sich zur Gewohnheit gemacht, den Schiffen zu folgen. In der Hoffnung auf diverse Abfälle oder auch den ein oder anderen über Bord gegangenen Seemann. Also seid vorsichtig und lehnt Euch nicht zu weit über die Reling. Denn ich bin sicher, Ihr wollt lieber auf eine Bekanntschaft mit ihnen verzichten.“

Verwirrt folgte sie seinem Blick und entdeckte im Kielwasser* des Schiffes vier Dreiecksflossen aus dem Wasser ragen, die dem Schiff in einigem Abstand folgten. Haie! Erschrocken trat sie einen Schritt zurück. Nein auf die Bekanntschaft mit diesen menschenfressenden Bestien wollte sie wahrlich verzichten. Scheu hob sie ihren Blick und sah dem Piraten kurz in die Augen.

„Danke für die Warnung“, hauchte Leonie und ärgerte sich einmal mehr darüber, dass sie ihre Angst nicht besser verbergen konnte.

Der Pirat machte eine abwehrende Geste. „Bildet Euch nichts darauf ein. Solange Ihr meine Fragen noch nicht beantwortet habt, seid Ihr für mich noch immer von Wert. Und es wäre schade, wenn ich wegen eines dummen Unfalls nicht an Eure Informationen käme.“

Durch diese Worte ernüchtert blickte die junge Frau noch einmal zu den Haien hinab. Am liebsten hätte sie ihren Dank in diesem Augenblick wieder zurückgenommen. Wie konnte sie auch so dumm sein, zu glauben, er hätte sie um ihrer selbst willen gewarnt.

„Der Smutje* meinte, dass er ungefähr eine halbe Stunde benötigt, um das Abendessen zuzubereiten“, fügte er in sachlichem Ton hinzu, ehe er sich noch einmal einer der Seekarten zuwandte. Damit war für Bricassart also scheinbar das Thema über ihren Aufenthalt an Bord vorerst beendet.

Etwas unschlüssig stand das Mädchen noch eine Weile dem Piraten gegenüber, der sie geflissentlich ignorierte, ehe sie sich entschied, noch nicht wieder unter Deck zu gehen. Dort war sie schließlich lange genug eingesperrt gewesen. Nun wollte sie die frische Luft genießen. Immerhin hatte Bricassart ihr nicht befohlen, wieder in die Kajüte zu gehen. Zögernd trat sie also wieder auf die Kisten zu, den Piraten dabei keine Sekunde lang aus den Augen lassend, und setzte sich noch einmal.

Zunächst begnügte sie sich damit, ihren Blick über den für sie sichtbaren Teil des Schiffes schweifen zu lassen und den Piraten bei ihren Arbeiten zuzusehen, die diese mit der Routine jahrelanger Übung ausführten. Anschließend ließ sie ihren Blick erneut über das endlos erscheinende Meer schweifen. Doch auch dies wurde ihr irgendwann zu langweilig und sie nutzte die Gelegenheit, um diesen von jedermann gefürchteten Piraten etwas genauer zu betrachten.

Er hatte ein recht markantes Gesicht, scharf geschnittene und beinahe aristokratische Züge. Seine hohen Wangenknochen schienen ganz und gar nicht auf eine französische Herkunft hinzudeuten. Ebenso wenig wie seine schmale, leicht gebogene Nase, die an den Schnabel eines Raubvogels erinnerte. Seine stechendgrünen Augen verbargen sich hinter langen schwarzen Wimpern. Von demselben Schwarz waren auch seine fein geschwungenen Augenbrauen und das schulterlange Haar, welches sein Gesicht mit dem blassen Teint einzurahmen schien.

An sich konnte Leonie an diesem Mann nichts Furchterregendes finden. Im Gegenteil – er schien ihr sogar besser auszusehen als so manch anderer, den sie auf dem Anwesen ihrer Eltern kennengelernt hatte. Doch diesen Gedanken verscheuchte sie schnell wieder. Er war Pirat, rief sie sich erneut ins Gedächtnis. Vielleicht sah er ja nicht furchterregend aus, aber wenn stimmte, was sie schon alles über ihn gehört hatte, dann war er wohl der Grausamste unter den Freibeutern der Karibik. Und diesen Ruf versuchte er durch seine komplett in schwarz gehaltene Kleidung noch zu unterstreichen.

Ein hörbar genervtes Durchatmen ließ Leonie augenblicklich aus ihren Gedanken wieder auftauchen.

„Möchtet Ihr Euch vor dem Abendessen nicht vielleicht noch ein wenig frisch machen?“, sprach er sie direkt an und bohrte seinen Blick erneut in ihre Augen.

Die junge Frau konnte heraushören, dass er versuchte, seinen Unmut zu verbergen, um sie nicht wieder in ihr mental errichtetes Schneckenhaus zurückzutreiben, aus dem sie gerade zaghaft begonnen hatte, ihre Fühler herauszustrecken.

„Soweit ich weiß, pflegen die Mesdemoiselles* Eures Standes dies zu tun. Von mir aus könnt Ihr Euch auch wieder damit begnügen, meine Mannschaft zu beobachten. Wenn Ihr allerdings damit fortfahrt, mich die ganze Zeit über anzustarren… alors* wie soll ich sagen? Dann sehe ich mich gezwungen, Euch erneut von Deck zu entfernen.“

Als er an ihrem erschrockenen Gesichtsausdruck erkannte, dass er seinen Unwillen über ihr Verhalten offenbar nicht gut genug verborgen hatte, zwang er sich zur Ruhe und schwächte seinen Tonfall durch ein leichtes Lächeln noch ein wenig ab. Wie sehr er es doch hasste, sich dermaßen verstellen zu müssen!

Leonie wurde dennoch zuerst kreidebleich und im Anschluss feuerrot. Wie konnte sie auch so dumm sein, ihn die ganze Zeit anzustarren und zu mustern? Es war doch nur vorhersehbar, dass er dies irgendwann bemerkten würde. Und dass es ihm alles andere als gefiel, hätte sie sich auch denken können. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, erhob sie sich und ging schnellen Schrittes in die Kapitänskajüte zurück.

Nachdem sie die Tür geschlossen hatte, lehnte sie sich erst einmal an das Holz und atmete tief durch. Versuchte, ihr wild schlagendes Herz wieder einigermaßen zu beruhigen. Sie fühlte sich wie nach einem langen und schnellen Lauf und musste erst einmal wieder zu Atem kommen. Wie konnte ihr nur so etwas passieren? Wie konnte sie nur so naiv sein? Nur weil auf Piratenschiffen angeblich keine Zucht und Ordnung herrschten und man keinerlei Anstand zu kennen schien, musste sie nicht auch gleich ihre gute Erziehung außer Acht lassen und diesen Piraten so unverblümt anstarren. Sie hätte sich doch denken können, dass er es früher oder später bemerken würde. Hatte denn nicht auch sie immer die vielen Blicke bemerkt, die andere Männer ihr zugeworfen hatten, wenn sie mit ihren Eltern irgendwohin eingeladen gewesen war?

Sie konnte sich noch gut daran erinnern, wie unangenehm ihr dieses Gefühl, angestarrt zu werden, immer gewesen war. Und auf einmal benahm sie sich auch nicht anders. Noch dazu bei einem Piraten, auf dessen Gunst sie angewiesen war. Sie konnte nur hoffen, ihn nicht allzu sehr verärgert zu haben. Und insgeheim schwor sie sich, dass ihr so etwas nicht noch einmal passieren würde.

Als ihre glühenden Wangen sich wieder etwas abgekühlt und ihre Gesichtsfarbe wieder ein wenig blasser geworden war, überdachte sie noch einmal ihre Lage. Bisher war der Pirat nicht zu unfreundlich gewesen. Und das trotz ihres Verhaltens ihm gegenüber. Natürlich war er auch nicht übertrieben freundlich gewesen. Warum auch? Aber immerhin hatten sie sich auf eine kühle und distanzierte Höflichkeit geeinigt. Und das war beinahe schon mehr, als Leonie zu hoffen gewagt hatte nach allem, was vorgefallen war.

Sicherlich konnte er sich denken, dass sie großen Hunger hatte. Immerhin waren sie bereits seit geraumer Zeit auf See und sie hatte sich nie getraut, so viel von den Vorräten zu nehmen, wie sie bräuchte, um richtig satt zu werden. Stattdessen hatte sie über den Tag verteilt gerade so viel gegessen, um ihre Magenkrämpfe auf ein erträgliches Maß herabzusetzen. Nun gut – doch weshalb lud er sie dann gleich zu einem Abendessen in seiner Kajüte ein? Selbst wenn er sie gesprächiger machen wollte, indem er ihr zunächst gab, was sie – oder besser ihr entkräfteter Körper – brauchte, warum gab er ihr dann nicht einfach eine Ration, wie sie seine Männer bekamen? Unwillig verzog sie das Gesicht, als das dumpfe Pochen hinter ihrer Stirn stärker wurde.

Seit Beginn der Reise war dieser Kopfschmerz ihr ständiger Begleiter gewesen. Ein unliebsamer Begleiter – aber kein Unbekannter. Auch zu Hause hatte sie manches Mal diesen dumpfen Druck verspürt, wenn sie ihren Hunger wegen irgendeiner Angelegenheit zu lange ignoriert hatte. Nach ihrem vormittäglichen Schlaf war dieser allerdings kurzzeitig verschwunden gewesen. Wahrscheinlich als kleiner Dank dafür, dass sie wenigstens ein Defizit ihres Körpers wieder aufgefüllt hatte. Doch nun kehrte er mit geballter Macht zurück und erschwerte es Leonie, einen klaren Gedanken zu fassen. Also musste sie es wohl auf später verschieben, über ihre Lage und die Pläne des Kapitäns nachzugrübeln.

Sie solle sich vor dem Essen frischmachen, hatte er gemeint. Zweifelnd blickte die junge Frau an sich herab. Bei dem Anblick, der sich ihr bot, entrang sich ihrer Kehle ein Seufzen. Ein kurzes Frischmachen würde da wohl nicht ausreichen, um aus ihr wieder eine junge Frau von Stand werden zu lassen. Wie also sollte sie dies in so kurzer Zeit schaffen? Mit Sicherheit würde sie aber seinen Unwillen auf sich ziehen, wenn sie zu lange benötigte.

Gedankenverloren fuhr sie sich mit den Fingern durch ihr Haar und verfing sich prompt in einem ausgewachsenen Fitz. Durch die fehlende Hygiene waren ihre Haare stumpf und brüchig geworden und aufgrund ihrer Länge würde sie nun einiges an Arbeit haben, um die Fitze wieder herauszubekommen. Aber es half ihr rein gar nichts, an die Tür gelehnt zu verharren und sich lediglich zu überlegen, was sie zu tun hatte. Auf diese Art und Weise würde sie mit Sicherheit nicht rechtzeitig fertig werden.

Suchend ließ sie ihren Blick durch das Zimmer schweifen, bis dieser an dem großen Kleiderschrank hängenblieb. Wenn es in diesem Raum das geben sollte, was sie benötigte, dann würde es wahrscheinlich dort drin sein. Allerdings überkamen sie zeitgleich auch Zweifel, ob sie ihn einfach so öffnen und durchforsten durfte, oder ob sie seinen Besitzer erst um Erlaubnis fragen sollte. Bei dem Gedanken daran, wieder an Deck zu gehen und Bricassart darauf anzusprechen, stellten sich allerdings ihre Nackenhaare auf und sie zog es vor, diesen Gedanken nicht weiter zu verfolgen. Wie sagte man so schön: lieber danach um Entschuldigung bitten, als zuvor um Erlaubnis zu fragen!

Zögerlich ging sie also auf den großen Kleiderschrank zu, in der Hoffnung in einem der Fächer vielleicht so etwas wie eine Haarbürste zu finden. Als sie bei ihrem Ziel angekommen war, schloss sie einen Moment gequält die Augen und wartete, bis der Schwindel wieder abgeklungen war, den ihr die wenigen Schritte verursacht hatten. Scheinbar hatten ihr die Tage unter Deck doch mehr zugesetzt, als sie ursprünglich angenommen hatte. Sie fühlte sich entkräftet und ihr Magen knurrte immer lauter.

Als ihr Kreislauf sich wieder einigermaßen beruhigt hatte, öffnete sie zögernd die hölzernen Schranktüren. Hinter der Linken der beiden entdeckte sie allerdings zunächst nichts, was für sie von Nutzen sein konnte. Die Fächer enthielten nichts weiter als Herrenbekleidung – ausnahmslos in schwarz gehalten. In Gedanken schalt sie sich eine dumme Gans. Was hatte sie denn auch erwartet, das der Kapitän in seinem Schrank aufbewahren könnte? Als es jedoch auch hinter der anderen Schranktür auf den ersten Blick nicht besser aussah, keimte eine leichte Wut in ihr auf.

Wenn er wollte, dass sie sich ein wenig herrichtete, musste er ihr auch die benötigten Utensilien dafür zur Verfügung stellen! Gerade als sie den Schrank frustriert wieder schließen wollte, fiel ihr Blick auf ein kleines Kästchen, das ziemlich versteckt in der hintersten Ecke eines Fachs stand. Von Neugier gepackt streckte sie ihre Hand danach aus. Zögerlich als würde sie versuchen, ein scheues Tier zu streicheln. Auch wenn ihr Verstand ihr sagte, dass es falsch war, die Schatulle zu öffnen, so siegte doch ihre Neugier und Leonie konnte nicht anders, als einen Blick hineinzuwerfen.

TBC...
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