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von Lucie    erstellt: 27.08.2007    letztes Update: 01.10.2007    Geschichte, Drama / P16    (fertiggestellt)
Alle Figuren gehören noch immer J.K. Rowling. Der Rest gehört enahma, die diese wundervolle Geschichte zuerst geschrieben hat!


Teil 3/3


Sie hatten Weihnachtsdinner in der Großen Halle zu elft: nur die drei Gryffindors und eine Zweitklässlerin aus Hufflepuff (sie war auch in den Gryffindorturm gezogen) waren von allen Schülern in diesem Jahr in der Schule geblieben, und sieben Erwachsene: Dumbledore, McGonagall, Snape, Trelawney, Hagrid, Flitwick und Filch, als Snape nach ein paar Löffeln der traditionellen Gemüsesuppe, plötzlich aufstand und in offensichtlicher Eile den Raum verließ.

Dumbledors Augen flackerten besorgt, Harry zuckte zusammen und sein Appetit verschwand. Er konnte sich nur einen Grund für Snapes Verhalten vorstellen und Dumbledores Reaktion bestätigte nur seine Besorgnis: sein Ex-Meister hatte den Tränkelehrer gerufen. Absichtlich sah er den Schulleiter fragend an, ohne sich Sorgen zu machen, ob er die Schlange in sich weckte und begegnete zwei nicht-zwinkernden blauen Augen, die sich nicht von ihm abwandten. Nach einem kurzen Augenblick, lächelte Dumbledore und hob beinahe unbemerkt seinen Daumen. „Professor Snape wird in Ordnung sein“, seine Botschaft war klar.

Doch Harry konnte nicht aufhören, sich Sorgen zu machen. Bald entschuldigte er sich und ging zurück in den nun ruhigen Gryffindor Gemeinschaftsraum und ließ sich in einen Stuhl vor dem Kamin fallen. Eine seltsame Vorahnung stieg in ihm auf und nach einigen Minuten des Nachdenkens, erriet er den Ursprung: irgendwo tief in seinem Geist, in dem Teil, den er sich bemühte vor Voldemort zu verschließen, spürte er ein unerträglich schreckliches Gefühl: eine triumphale Fröhlichkeit und die Erwartung von Rache. Harry hatte Angst. Snape war in Todesgefahr, da er war sich sicher. Als er sich stärker auf diesen Teil seines Geistes konzentrierte, flammte auf einmal Schmerz in seiner Narbe auf und seine Sorge verstärkte sich zehnfach.

**********************************************

Harry biss seine Zähne vor Schmerz zusammen und zog seinen eigenen Zauberstab heraus, umklammerte ihn fest und konzentrierte sich stark darauf, Voldemort aus seinem Geist zu vertreiben … doch Voldemort war nicht in seinem Geist, nicht dieses Mal, nur diese Gefühle und in einem schnellen Entschluss, streckte sich Harry noch mehr nach ihnen … und noch mehr …

Und im nächsten Moment fand er sich in einem dämmrigen Raum wieder, mit einem erhobenen Zauberstab in seiner Hand und seine Todesser standen in einem Halbkreis, während ein Mann auf dem Boden vor Schmerzen  infolge des Cruciatus wimmerte … Snape. Der Verräter.

Harry fühlte Hass in seiner Brust erglühen und bewegte den Zauberstab noch einmal. Snape schrie vor Schmerzen. Harry lächelte zufrieden und schritt auf die zitternde Gestalt zu. Als er seinen Zauberstab senkte, wurde der Liegende still.

„Lass es uns jetzt versuchen, Severus“, er schritt näher und trat den Mann in die Rippen. „Legilimens!“

Bilder und Erscheinungen von ihm selbst erschienen in Harrys Geist. Er, wie er Fledermausflügel zerhackte, er, wie er einen blubbernden Trank umrührte, er, wie er den Zauberstob hob, um sich vor Snapes Legilimens Zauber zu schützen – Dinge, um die – er konnte es fühlen – Snape kämpfte, sie nicht zu zeigen, doch all diese Folterflüche schwächten ihn  zu sehr.

„Du wirst sterben, Severus“, sagte er, als der Fluch endete und lehnte sich näher zu dem bleichen Mann. Panik flutete Snapes Augen, bevor sich fassen konnte: Panik und Furcht. „Mein lieber junger Malfoy leistete eine wunderbare Arbeit, indem er dich entlarvte“, er hob seinen Zauberstab und presste ihn auf Snapes Herz.

In diesem Moment explodierte Harrys Geist beinahe, als er versuchte den Geist seines Todfeindes zu durchbrechen. Er wusste nicht was oder wie man es genau tat, aber er musste etwas tun, oder Snape würde in einem Augenblick tot sein …

Und dann fand er sich sich selbst neben seinem Professor, er, nicht Voldemort, sondern er, Harry mit seinen eigenen Gefühlen und Ängsten, und nach einer schnellen Entscheidung, drückte er Snape seinen Zauberstab in die Hand und murmelte dem überraschten Mann zu:

„Disapparieren Sie, Professor! Jetzt!“, setzte er hinzu, als er fühlte, wie ihn eine andere Präsenz aus dem besetzten Köper herausdrängte. „JETZT“, grollte er wiederum, und mit seiner letzten Willenskraft, ließ er Voldemorts Körper mit aller Kraft zurückweichen und verlor das Bewusstsein.

„ALBUS, DEIN GOLDENER JUNGE IST EIN IDIOT!“

Snapes Schrei war so welterschütternd, dass Harry mit einem derartigen Schreck erwachte, zurücksprang und aus dem Bett fiel, in dem er lag. Im nächsten Moment fühlte er, wie Arme ihn zurück auf die Füße und ins Bett zogen, während eine andere Stimme in amüsiertem Ton antwortete: „Severus, du solltest nicht so zornig sein. Schließlich hat er dein Leben gerettet.“

„Nur ein weiterer Potter, dem ich mein Leben schulde“, murmelte eine Stimme von oben und Harry öffnete seine Augen. „Wunderbar“, fuhr Snape fort, doch Harry konnte ihn nicht sehen, nur die gewöhnlichen Flecken, während sein Lehrer offensichtlich nicht die gleichen Probleme hatte. „Also haben Sie sich entschieden, wieder unter uns zu weilen, Mr. Potter“, schnappte er.

„Als ob ich schlafen könnte, wenn Sie über mir herumbrüllen“, murmelte Harry, während ihn Snape dazu brachte sich aufzusetzen und ihm die Brille auf die Nase setzte.

„Werden Sie nicht frech, Potter. Dass Sie mich gerettet haben, bedeutet nicht, dass Sie Ihr gewöhnliches freches Selbst mir gegenüber sein dürfen“, die Worte waren so typisch Snapes Worte, dass Harry lächelte.

„Ich bin froh, dass es Ihnen auch gut geht, Professor.“

Snape, er sah es, verdrehte seine Augen, doch ein Lächeln spielte um die dünnen Lippen.

„Diese Show von Ihnen war ein Akt der Dummheit, Mr. Potter, und absolut unnötig“, sagte der Mann trocken. „Sie hätten nichts derartiges tun sollen …“

„Severus …“, Dumbledore schüttelte den Kopf.

Snape schloss den Mund und sah Harry an. Der Junge zuckte lediglich die Achseln.

„Ich weiß immer noch nicht, wie man den Unsichtbarkeitstrank richtig braut, Sir“, er streckte sich und gähnte. „Und ich brauche einen Lehrer, um auch die Okklumentik zu bewältigen …“

Snape seufzte, setzte sich auf das Nachbarbett und wandte sich Harry ernst zu. Aus den Augenwinkeln sah Harry Dumbledore den Raum verlassen.

„Es war ein Fehler ihm zu zeigen, dass Sie stark genug sind, ihn zu überwältigen“, sagte Snape laut.

„Er wollte Sie umbringen“, Harrys Antwort war ruhig und vorsichtig. „Ich … ich möchte nicht, dass Sie sterben, Sir.“

„Das ist nicht wichtig, Potter …“

„Das ist wichtiger als alles andere, Sir.“ Harry zappelte, doch er sah nicht weg. „Ich wollte nicht, dass ein anderer wegen mir stirbt …“

„Es war nicht wegen Ihnen …“

„Also, was sonst konnte ihm Malfoy berichten? Wahrscheinlich hat er ihm weitergegeben, wie viele Male ich Sie besucht habe. Zur selben Zeit wurde ich besser in Okklumentik. Ich denke nicht, dass er lange gebraucht hat, um diese Fakten zusammenzuzählen.“ Snape antwortete nicht. Harry setzte mit sanfterer Stimme hinzu: „Und Sie schulden mir nicht Ihr Leben, Professor. Ich war es, der Ihnen dies geschuldet hat“, Harry ließ sich nicht von Snape unterbrechen. „Es war lediglich eine Wiedergutmachung für Ihren Schutz und die Zeit, die Sie mit mir verschwendet haben, obwohl Sie äh … mich nicht leiden können …“

„Ich verschwende nie meine Zeit, Mr. Potter“, schnappte Snape. „Und Sie schulden mir gar nichts. Was ich gab, gab ich Ihnen freiwillig, ohne einen Gedanken an Wiedergutmachung oder solchen Blödsinn …“

„Und außerdem wollte ich Ihnen auch mein Weihnachtsgeschenk geben.“

„Das ist wundervoll. Erzählen Sie mir nicht, Potter, dass Sie mir irgendeinen kindischen Blödsinn gekauft haben, in der Hoffnung, ich wäre gerührt von Ihrer großmütigen Geste!“

Eine weitere snapische Reaktion, grinste Harry.

„Oh nein, Professor, nichts kindisches“, er kreuzte die Arme vor der Brust. Snape hob eine Augenbraue in seine Richtung und Harry erkannte dies Zeichen. Es stand für ein „was“. „Es gibt keine Zertifikate mehr in bestimmten Putzschränken …“

Snapes Reaktion kam plötzlich und unerwartet. Er sprang auf seine Füße und verließ den Krankenflügel ohne ein weiteres Wort. Harry seufzte frustriert und schmerzvoll auf, als sich die Tür schloss. Snape vertraute ihm immer noch nicht. Vielleicht hasste der Mann ihn auch noch immer. Und da hatte er gedacht, sie könnten Freunde sein …

Doch später am Abend, als Madame Pomfrey ihn endlich entließ und er in den Gryffindor Turm zurückkehren konnte, attackierten ihn Ron und Hermine beinahe vor Aufregung.

„Snape war hier!“, sagte Ron grinsend. „Er war so … anders als er sonst ist …“

„Er brachte ein großes Paket und bat uns, es dir zu geben“, setzte Hermine hinzu und deutete auf eine eingepackte Schachtel auf ihrem gewöhnlichen Schreibtisch. „Und er wünschte uns frohe Weihnachten!“

„Und er gab uns zwanzig Punkte, weil wir diese Ferien hier bleiben“, schloss Ron grinsend. „Ich denke, du HAST ihm etwas angetan, oder?“

Harry trat neugierig an das Paket heran.

„Ich weiß nicht“, krächzte er heiser. Seine Hände zitterten, als er die Schachtel berührte.

Ein Brief, das erste, was er sah war ein Brief, der an dem eigepackten Ding befestigt war. Harry sah zuerst seine Freunde an, dann öffnete er den Brief.

Potter,
Frohe Weinachten. Und vergessen Sie nicht, am Montag zu erscheinen.
Severus Snape

Harry blinzelte. Snape hatte ihm gerade ein Weihnachtsgeschenk geschickt. Selbst, wenn der Brief kurz und beinahe komplett neutral gehalten war … es musste etwas bedeuten. Seine Augen wurden feucht, als er langsam die Schachtel öffnete.

Sein Atem stockte. Es war ein Denkarium. Dasselbe, in das er bereits zweimal hinein geschaut hatte.

Ron und Hermine nickten ihm aufmunternd zu.

Harry beugte sich vor.

Als seine Nase beinahe die silberne Oberfläche berührte, spürte er den bekannten Sog und wurde wieder einmal in die Erinnerungen von jemandem gezogen – doch, zum ersten Mal in seinem Leben, wühlte er nicht in den Geheimnisse und Gedanken der Betroffenen, sondern es war ein absolut legales und freiwilliges Geschehen …

Er konnte nicht mehr weiter überlegen.

Er stand seiner Mutter von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Sie war genauso wie auf den Fotos: wunderschön. Überrascht zuckte Harry zurück, so konnte er Dumbledore dicht bei ihr stehen sehen, der sich leicht vorbeugte und beide blickten auf ein kleines Bündel in ihren Armen. Ein Baby. Harry Brust wurde enger. Das waren er und seine Mutter zusammen – und dieses Mal waren es nicht nur ein Foto oder eine Beschreibung: es war, als wäre er Teilnehmer dieses Ereignises.

Sie waren im Krankenflügel, Harry erkannte ihn sofort, aber es waren nur die zwei da. Sein Vater, James, war nirgendwo zu sehen.

„Also wie wirst du ihn nennen?“, Dumbledores plötzliche Frage ließ Harry aufspringen und noch mehr zurückweichen, sodass er die dritte Person im Zimmer sehen konnte: Severus Snape stand im Türrahmen: eine Tatsache, die die anderen beiden nicht wahrnahmen. Dieser Severus Snape war ein wenig anders, als der Mann, den Harry aus dem Unterricht kannte: er war dünn, viel dünner als jetzt, sodass seine Wangenknochen deutlich hervorstanden, sein Haar war länger, doch wie immer fettig, hakennasig, doch die Nase war nicht gekrümmt und seine Haut hatte noch nicht die ungesunde gelbe Schattierung, die sie später aufwies. Trotzdem, er sah nicht viel besser aus, als in der anderen Erinnerung, von der Harry das Pech gehabt hatte, sie zu sehen, obwohl das Alter seine Erscheinung leicht verbesserte.

„Harold nach meinem Vater. Und ich denke, James möchte, dass er auch seinen Namen trägt“, antwortete die junge Frau unsicher und lächelte auf das Baby in ihren Armen hinab. Harry Herz wurde warm.

„Das ist schön“, lächelte der Schulleiter und lehnte sich näher zu der kleinen, schlafenden Gestalt. Neben Harry, machte jetzt Severus Snape einen zögernden Schritt vorwärts, mit einem distanzierten Ausdruck auf dem Gesicht. Was war es? Sehnsucht? Eifersucht? Harry konnte es nicht deuten.

„Ich finde, er ist wunderschön“, sie strahlte Dumbledore glücklich an.

„Er ist wie sein Vater“, sagte der Direktor.

„Ja, aber er hat meine Augen. Und“, sie seufzte, „ich hoffe, er wird mehr wie ich sein, als sein unbesonnener Papa …“, sanft streichelte sie den Kopf des Babys.

In diesem Moment entschloss sich Snape zu reden.

„Direktor“, sagte er in geschäftsmäßigem Ton. „Wenn Sie entschuldigen würden …“

Dumbledore wandte seine Augen von Harry ab.

„Severus“, er lächelte den unbeholfenen, spröden jungen Mann an. „Komm näher“, er winkte ihm zu, doch Snape schien es zu widerstreben sich zu bewegen.

„Eher nicht, Direktor“, sagte er steif und wandte seinen Blick von Harrys Mutter und dem Kind ab. „Ich kam wegen einer wichtigen Sache“, setzte er hinzu.

Harry konnte nicht anders, als Mitleid mit ihm zu haben.

„Severus …“, begann Dumbledore erneut, doch dieses Mal unterbrach ihn Lily Potter.

„Nein Albus. Das ist James’ Kind. Ich verstehe, dass Severus ihn nicht sehen möchte“, sie wandte sich zu Snape und sie tauschten einen irgendwie verständnisvollen Blick.

Dumbledore erhob sich.

„Dann lass uns gehen, Severus …“

Und damit endete die kurze Szene, doch bevor Harry über das Gesehene nachdenken konnte, wirbelte eine andere Erinnerung in den Blickpunkt.

„Evans, hör mir wenigstens zu, denn dieser Idiot von einem Ehemann wird es nicht tun!“ Derselbe junge Severus Snape ragte drohend über Harrys Mutter auf, während ein kleiner Harry mit heruntergezogenen Mundwinkeln zu der bedrohlichen Figur aufsah. Harry musste lächeln. Offensichtlich hatte Snape es schon lange bevor er nach Hogwarts kam geschafft, ihn einzuschüchtern … „Der Dunkle Lord ist hinter euch her. Ihr müsst irgendwas versuchen, das Beste wäre, wenn ihr euch unter den Fidelius Zauber begebt. Er will den Jungen“, er nickte zu Harry, der in diesem Moment begann leise zu weinen. „Wenn du ihn schützen willst, hör mir zu.“

Seine Mutter schien erschrocken, doch sie nickte und drückte Harry fest an sich. Der kleine Junge kuschelte sich eng an ihre Brust und versteckte sein Gesicht in ihrer Robe.

„Danke, aber … Severus … warum hilfst du uns?“ Sie warf der langen Gestalt ein echtes Lächeln zu.

„Das geht dich nichts an, Evans“, er zuckte die Achseln und richtete sich gerade auf. „Aber eine Sache zum Ausgleich: lass deinen kostbaren Sohn nicht zu einem weiteren Tyrann werden, wenn ich darum bitten darf …“

Ein schmerzerfüllter Ausdruck flackerte über das Gesicht seiner Mutter.

„Severus, ich verspreche, so lange ich lebe, werde ich alles tun, um Harry zu einem besseren Kind als es James war, zu erziehen“, nach kurzem Nachdenken setzte sie hinzu: „Und vergiss nicht: Harry ist nicht nur James Sohn. Er ist auch mein Sohn …“

„Das werden wir sehen“, der zukünftige Zaubertrankmeister zog ein spöttisches Gesicht und stolzierte aus dem Raum.

Harry fand sich im Gryffindorgemeinschaftsraum wieder. Nach einer schnellen Entscheidung, rappelte er sich auf die Füße und nach ein paar schnellen, beruhigenden Worten zu seinen Freunden, kletterte er durch das Porträtloch der Fetten Dame und rannte so schnell er konnte in die Kerker.

Einen Augenblick lang fühlte er sich verloren. Da war kein Licht unter Snapes Bürotür und er wusste wirklich nicht, wo die Privaträume des Professors waren. Doch bald entdeckte er eine weitere Tür, ganz in der Nähe des Büros. Also atmete Harry tief durch und klopfte.

Er musste nicht lange warten. Es stellte sich heraus, dass es in der Tat Snapes Räume waren, denn es war der Zaubertrankmeister persönlich, der die Tür öffnete.

„Potter?“, er sah Harry an, doch bevor er noch etwas sagen konnte, machte Harry einen Schritt auf ihn zu und umarmte ihn fest für einen langen Moment.

„Vielen Dank, Professor. Das war das schönste Geschenk, das ich jemals bekommen habe. Und Ihnen auch Frohe Weihnachten“, flüsterte er dem absolut geschockten Mann zu.

Als er Snape losließ und versuchte zu fliehen, stoppte ihn eine schwere Hand auf seiner Schulter.

„Harry, warte.“ Snapes Stimme war heiser vor Emotionen und zitterte ein wenig. Harry drehte sich um, erstaunt über die Verwendung seines Vornamens.

„Sir?“

„Ich wollte dir nur sagen, dass deine Mutter Recht hatte. Du bist nicht dein Vater. Ich hätte es schon vor langer Zeit einsehen sollen …“, Snape seufzte und Harry schluckte. „Und … es tut mir leid …“

Die lang benötigte Entschuldigung schockierte Harry mehr, als sein gefühlvolle Tat Snape schockiert hatte.

„Das … das ist in Ordnung, Sir“, stotterte er und schaffte ein schüchternes Lächeln.

Snape lächelte zurück.

„Dann sehe ich Sie am Montag. Jetzt gehen Sie und genießen Sie Ihre Ferien! Ich bin sicher, Ihre Freunde warten bereits auf Sie. Frohe Weihnachten.“

„Ja“, Harrys Lächeln verbreiterte sich. „Bis Montag Sir. Und noch einmal, Frohe Weihnachten.“

Nachdem die Tür ins Schloss gefallen war, stürzte Harry zurück in den Gryffindor Turm.

„Was ist passiert, Kumpel?“, grüßte ihn Rons Frage, als er Harrys abwesenden Gesichtsausdruck sah.

„Das Unmögliche“, antwortete Harry ginsend. „Ich habe Snape umarmt und er hat mich Harry genannt.“

„Du – was?“ Ron starrte ihn an, doch Hermine lachte, frisch, frei, fröhlich.

„Ich schätze er hat dich irgendiwe lieb gewonnen, Harry. Ich weiß nicht, wie du das geschafft hast …“

Harrys Gesichtsausdruck wandelte sich.

„Er hat mich nicht lieb gewonnen, Hermine. Er toleriert mich nur …“

Hermine sprang auf ihn zu und boxte mit ihrer Faust spielerisch gegen seine Brust.

„Tolerieren … Komm schon Harry, versuch’s noch mal! Er hat dir freiwillig Nachhilfestunden gegeben, er schenkt dir seine Erinnerungen, er nennt dich beim Vornamen …“

Harry wunderte sich.

„Meinst du wirklich?“, fragte er mit dünner Stimme und etwas wie Hoffnung wuchs in seiner Brust.

„Ich weiß nicht, warum dir das so wichtig ist, Kumpel, aber ich denke, Hermine hat Recht“, Rons tiefe Stimme klang amüsiert.

Harry richtete seine Augen auf seine Freunde. Beide lächelten ihn aufmunternd an. In diesem Moment war es, als wäre ihm ein schweres Gewicht von den Schultern genommen und plötzlich fühlte er sich gut, einfach gut, ohne irgendwelche Sorgen und Unbehagen, das erste Mal seit Sirius Tod. Die Leere verschwand, zusammen mit dem Gefühl der Bedeutungslosigkeit, nur eine feine, leuchtende Wärme blieb an ihrer Stelle.

Harry lächelte schließlich wieder.

Es schien, als sei dies sein bestes Weihnachtsfest.


FIN


Vielen, vielen Dank für eure zahlreichen Reviews. Ihr habt mich mit eurer Reaktion auf diese Geschichte wirklich überwältigt!

Letztes Mal hatte ich ein paar Schwierigkeiten mit der Formatierung, mein spezieller Dank geht an felina, die mir dann den entscheidenden Tipp gegeben hat.

Bis zur nächsten Story-
Gruß Lucie
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