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Teil 2
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| von Lucie erstellt: 27.08.2007 letztes Update: 01.10.2007 Drama / P16 (fertiggestellt) | 44 Reviews |
Der Schrank
„Potter“, sagte eine kalte Stimme, doch er reagierte nicht. Seine Knie zitterten und wieder wimmerte er, wie ein Welpen, der von seiner Mutter weggenommen wurde. „Potter“, wiederholte die Stimme erneut, doch dieses Mal war die Kälte nicht so offensichtlich. „Was ist geschehen?“
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Er hustete und räusperte sich, doch kein stimmähnliches Geräusch kam aus seinem Mund, lediglich Schluchzer und Jammern und Tränen. Er fühlte wie er weggezerrt und hingesetzt wurde und wie ihm eine kalte Phiole an die Lippen gepresst wurde. Er öffnete seinen Mund und trank den Inhalt gehorsam aus.
Der Trank war kühl und süß und beruhigte seine raue Kehle beinahe, die nach den langen Minuten des Schluchzens schmerzte und er fühlte, wie sich seine verkrampften Muskeln lösten und ihn das Schluchzen nicht länger zu ersticken drohte. Langsam beruhigte er sich und putzte seine Nase mit einem angebotenen Taschentuch.
„Danke“, murmelte er, noch immer betäubt.
„Bitte sehr“, kam die Antwort und dieses Mal erkannte Harry die Stimme. Es war Snapes.
Er senkte das Taschentuch und sah auf. Zu seiner Verlegenheit konnte er den Mann nicht erkennen, nur einige dunkle und hellere Flecken und die vage Form einer Person, die vor seinen Augen stand.
„Meine Brille“, murmelte er unsicher. „Ich habe sie fallen lassen …“
Die Mann-ähnliche Form verschwand aus seiner Sicht und einige Momente später hörte Harry einen leisen Reparo- Zauberspruch. Als das kühle Gestell auf seine Nase gesetzt wurde, erhielten die Dinge um ihn herum ihre normale Form. Snape eingeschlossen.
„Vielen Dank, Sir“, sagte er so deutlich wie er konnte. Dieses Mal antwortete Snape nicht, sondern nickte nur. „Es tut mir leid“, setzte Harry hinzu und versuchte mit dem wichtigsten Thema zu beginnen: der seit langem fälligen Entschuldigung.
„Ich habe einen Alarm Spruch auf diesen Raum gelegt. Er hat signalisiert, dass etwas geschehen ist“, Snape sah ihn erwartungsvoll an. Harry blickte ohne Furcht, Hass oder Abneigung zurück.
„Ich …“, Harry wusste nicht, was er sagen sollte. „Ich habe diesen Schrank geputzt“, er schluckte. Es war so schwer zu sprechen, er wollte Snape alles mitteilen, er wollte ihn wissen lassen, dass er, Harry, es wusste, dass er verstand …
Er sah, wie Snape einen Seitenblick in Richtung des zuvor genannten Möbelstückes warf.
„Und?“, fragte der Professor erneut, der Ton wachsam, doch voller Hass.
„Ich habe ein … Zertifikat gefunden“, presste Harry irgendwie heraus und er fühlte, wie sein Gesicht vor Scham erglühte. „Von meinen … James Potter und Sirius Black.“ Der Drang seinen Kopf abzuwenden war stark, doch er widerstand. „Es tut mir …“
Irgendwie sah er vor seinen Augen den Pfad, den er an diesem Schrank betreten hatte und der zu ihren Unterhaltungen und ihrer Feindseligkeit geführt hatte, als Snape das Gesicht verzog und eine hässliche, zornige, ziegelrote Färbung annahm.
„War es interessant zu lesen, Potter?“, knurrte er drohend. Harry schüttelte panisch den Kopf.
„Nein, nur …“
„Ein weiterer, wunderbarer Beweis für die außerordentliche Menschlichkeit Ihres Vaters, nicht wahr?“
„Nein, nein, Professor.“
Snape beugte sich so dicht herüber, dass seine Nase beinahe Harrys’ berührte.
„Oder haben Sie einen weiteren Beweis gefunden, dass Ihr Lehrer ein dreckiges Stück Mist ist, das alles verdient, was er bekommen hat?“
„NEIN!“, schrie Harry aus vollem Halse. „Nein!“, wiederholte er etwas ruhiger. „Sind Sie nicht, Sir und ich … und ich…“, Harry fand keine Worte, um sich zu erklären.
„Sie – was?“ Finger gruben sich in seine Armmuskeln, als Snape zugriff.
Harry weigerte sich, zurückzuzucken oder wegzusehen. Er überlegte für einen kurzen Moment, und dann verwendete er jeder Okklumentikfähigkeit, die er besaß, sah geradwegs in diese kalten, schwarzen Seen voll von Hass und Verachtung und konzentrierte sich stark auf seine eigenen Kindheitserinnerungen, auf seine verhasstesten, erniedrigendsten und peinlichsten Erinnerungen, seinen Schrank, sein Eingesperrtsein, seine Verzweiflung, seine Angst, wie er sich nass gemacht hatte, seine erbärmlichen Versuche, vor Dudley und seiner Gang zu fliehen, die Lumpen, die er getragen hatte, die Missgeburts- Beschimpfungen – und schließlich und endlich seine gegenwärtigen Gefühle, von Trauer und Bedauern und Verständnis. Das Mitgefühl, von dem er einst sicher war, dass er es nie dem Bastard der Kerker gegenüber empfinden würde.
„Ich verachte das, was Sie Ihnen angetan haben, Sir“, sagte er zitternd mit heiserer Stimme. „Ich hatte das Gefühl, als hätten sie es mir angetan und jetzt sind sie tot … Sie sind beide tot, aber dieses Mal … Sie sind in mir gestorben.“ Er senkte seinen Kopf und murmelte Richtung Boden: „Ich denke, sie hätten mir dasselbe angetan …“
Die klammernden Hände ließen los.
Harry hörte, wie Snape einen Stuhl näher an ihn heranrückte und sich hinsetzte. Es klang durchdringend in der Stille des Raumes.
Er sah zu Snape, doch das Gesicht des Professors war unbewegt. Einen Augenblick lang wollte Harry aufspringen, Snape schütteln und ihm in die Ohren brüllen, dass es ihm WIRKLICH leid tat, dass alles, was sein Vater und Sirius getan hatten, ihn anwiderte, doch vor allem, dass er nicht sein Vater war und es nie gewesen war, doch alle Kraft verließ ihn und er sank noch tiefer in seinen Stuhl.
Es war absolut sinnlos. Snape hasste seinen Vater aus gutem Grund und er würde ihn für immer hassen, der Professor würde nie über James Potters Gesicht, das er für immer tragen würde, hinwegsehen können, er würde nie über seinen Hass hinwegkommen und Harry könnte ihn niemals überzeugen, dass er anders war. Anders als James Potter und viel mehr wie Severus Snape … Und seltsamerweise, verletzte ihn in diesem Moment der Gedanke, dass Snape ihm nicht glaubte, am meisten.
Der Professor räusperte sich und Harry wandte sein Gesicht wieder ab.
„Sie haben den Raum wirklich gut gesäubert“, Snapes Worte hallten in der Stille seltsam nach.
Dieser Satz brachte Harry völlig durcheinander. Er war am Rande eines weiteren nervösen Zusammenbruchs und er konnte die gemischten Gefühle und Emotionen, die in seinem Kopf umherwirbelten, nicht unterscheiden oder verstehen. Doch Snapes Worte reinigten irgendwie die Luft zwischen ihnen und Harry drehte seinen Kopf zurück zu dem Mann und lächelte unsicher.
„Wirklich?“, es war nur eine überraschte, erstickte Antwort, doch er konnte nichts Besseres hervorbringen.
„Selbst die Zutaten wurden korrekt geordnet.“
„Oh“, Harry war sprachlos. In dem Moment, in dem er aufgeben wollte, Snapes Verständnis zu erringen, äußerte der Mann nicht nur einige zivile Worte, sondern lobte ihn sogar! Etwas ähnliches wie Hoffnung stieg in ihm auf. Vielleicht, würde ihr Krieg endlich enden.
Sie saßen in Schweigen, dann begann Snape zögernd zu sprechen. „Ich denke, ich kann meine Entscheidung, Sie in den Fortgeschrittenen Kurs zu lassen, überdenken …“
Harry war so bestürzt, dass er aufschrie.
„Nein Sir!“ Als Snape zornig den Kopf hob, ergänzte er schnell. „Ich meine, ich bin nicht so gut in Zaubertränke. Es war reiner Zufall, dass ich die Examensprüfung so gut geschrieben habe …“
Snape blickte ihn spöttisch an, doch Harry bemerkte etwas seltsames in seinem Ausdruck.
„Entschuldigen Sie, Mr. Potter, aber ich denke, es ist meine Aufgabe zu entscheiden, wem es gestattet ist und wem nicht, am Unterricht teilzunehmen.“ Oh. Snape scherzte … irgendwie.
„Ich habe zwei Monate verpasst …“ Harry versuchte eine weitere Ausrede. „Und Sie wissen, dass ich nie wirklich gut war. Ich kann mich nicht erinnern, je einen Zaubertrank richtig gebraut zu haben…“
„Sie könnten ein paar Nachhilfestunden bekommen“, antwortete Snape nachdenklich. Doch als Harry nicht reagierte, setzte er hastig hinzu, „obwohl ich akzeptieren kann, wenn Sie nicht an weiterem Untericht mit mir teilnehmen wollen…“
Harry seufzte und fühlte sich nicht wenig gekränkt.
„Das ist es nicht, Sir“, murmelte er und sah den dunklen Mann vor sich an. „Ich …“ Zu seiner Beschämung, fühlte er eine neue Welle von Tränen in seine Augen steigen und er wusste nicht einmal warum.
„Ich verspreche, dass ich Sie nicht so behandeln würde wie … wie ich es tat“, Snapes Worte waren kaum mehr als ein Flüstern, doch Harry fing sie auf.
„Nein, das ist es nicht …“, wiederholte er. Verdammt noch mal, warum konnten diese Tränen nicht an ihrem normalen Platz bleiben!
„Potter?“, Snapes Stimme klang besorgt, als Harrys Tränen wieder fielen. „Was ist los …?“
Harry schüttelte seinen Kopf, unfähig weiterzusprechen. Er holte tief Luft, um sich zu beruhigen, doch es war absolut sinnlos. Der frühere Schmerz kehrte mit voller Macht zurück und er fand sich schluchzend wieder – der einzige Unterschied war, dass er sich dieses Mal nicht wenig beschämt fühlte, aufgrund Snapes Anwesenheit.
„Ich … sehen Sie, es … es tut mir leid, Potter“, stotterte Snape und Harry schüttelte verzweifelt den Kopf.
„Es … liegt … nicht … an Ihnen“, würgte er irgendwie heraus. „Aber ich will das nicht, nur weil … ich habe mich nicht entschuldigt, damit …“
Ein weiteres Taschentuch und eine neue Phiole.
„Es tut mit leid, aber die Beruhigungstränke wirken nicht sehr lange“, unterbrach Snape ihn, „und ich weiß, dass Sie sich nicht entschuldigt haben nur um … um aufgenommen zu werden … und deshalb …“
Harry holte ein paar Mal tief Luft, aber er hatte noch immer einen Schluckauf, so dass er sich nicht traute zu sprechen, deshalb saß er da und versteckte sein Gesicht im Taschentuch.
„Ich bestehe nicht darauf, dass Sie mein Angebot annehmen“, fuhr Snape plötzlich fort, „aber Minerva sagte mir, dass Sie Auror werden möchten … und ich dachte, wir könnten es noch mal versuchen.“
„Ich weiß nicht“, flüsterte Harry. „Ich weiß nicht mehr, was ich will …“
„Warum?“
Harry zuckte die Achseln.
„Weiß nicht“, murmelte er. „Seit Sirius tot ist …“, er unterbrach sich. „Tut mir leid“, murmelte er.
„Nein“, Snape winkte ab. „Fahren Sie fort … Seit Black tot ist …?“
„Alles ist so leer geworden. Und jetzt als ich den Schrank sah …“, peinlich berührt schloss er den Mund und Snape hustete.
„Am Montag“, sprach der Mann plötzlich, „sagten Sie zu mir …“ Snape konnte den Satz nicht beenden. Harry sah ihn fragend an. „Sie sagten mir, dass ich wie Ihr … James Potter … sei …“
Harry fasste sein Taschentuch so fest, dass seine Knöchel weiß wurden.
„Nein“, sagte er fest. „Ich hatte Unrecht, Sir.“
Snape rutschte auf seinem Stuhl umher und sah weg.
„Der Schulleiter warnte mich, dass Sie nicht wie Ihr Vater seien. Ich hätte auf ihn hören sollen.“ Die Worte wurden so leise geäußert, dass Harry sie eher vermuten konnte, als sie tatsächlich wahrzunehmen.
„Er sagte mir, als wir das letzte Mal sprachen“, sagte Harry nachdenklich, „dass Sie Wunden hätten, die zu tief sind, um zu heilen. Ich glaubte ihm nicht, obwohl ich diese Erinnerung in Ihrem Denkarium gesehen habe. Ich schätze, ich wollte ihm einfach nicht glauben …“
„Das war nicht ausschließlich Ihr Fehler“, Harry sah, wie Snape auf seine trankbefleckten Finger blickte, die leicht bebten. „Ich habe nichts getan, um Ihre Situation zu erleichtern.“
„Aber selbst diese Szene … war so grausam und Sie haben … Sie haben mich nie in der Art erniedrigt, wie sie es mit Ihnen taten …“ Harry fühlte seinen Nacken und seine Ohren vor Scham erglühen. „Und dieser Schrank …“, er konnte nicht weiterreden.
„Es war nicht Ihr Fehler …“, Snape sah ihn wieder an und fragte, „also, wollen Sie es dann mit dem Fortgeschrittenen Zaubertrankkurs versuchen?“
Harry steckte das Taschentuch in seine Tasche.
„Ich weiß es wirklich nicht“, antwortete er ehrlich. „Ich glaube wirklich nicht, dass ich gut genug für diesen Fortgeschrittenen Unterricht bin … Vielleicht sollten Sie mir etwas Nachhilfe geben, sodass Sie entscheiden können, ob Sie mich in Ihrem Unterricht akzeptieren wollen oder nicht.“
„Das ist ein Deal, Mr. Potter.“ Nach ein paar Momenten setzte er hinzu. „Ich war besorgt in diesem Sommer, als Sie … nicht darum gekämpft haben, an dem Unterricht teilzunehmen. Es war so völlig untypisch für Sie …“
Harry zappelte unruhig, dennoch warf er einen kurzen Blick auf den Professor.
„Es war eine gute Ausrede, dass Sie sich geweigert haben, mich aufzunehmen …“, murmelte Harry und schluckte. „Ich habe Ihnen die Schuld gegeben … an Sirius’ Tod …“
Snapes Wangen röteten sich, doch er explodierte nicht.
„Ich verstehe“, krächzte er stattdessen.
„Ich gebe Ihnen jetzt keine Schuld mehr daran“, Harry sah auf seinen Schoß, dankbar dafür, dass Snape ihn nicht anschrie. „In Wahrheit weiß ich, dass es mein Fehler war, und auch Sirius’ … aber vor allem meiner. Ich habe Ihren Unterricht nicht so ernst genommen, wie es hätte tun sollen …“
„Verdammt wahr!“, rief Snape aus und Harry zuckte zusammen.
„Es tut mir leid“, Harry fühlte, wie der Effekt des Beruhigungstrankes erneut nachließ und seine Stimme zitterte. „Es war mein Fehler …“
Doch dann griff eine kräftige Hand nach seiner Schulter und schüttelte ihn energisch.
„Potter, sieh mich an!“, befahl Snape gebieterisch und Harry gehorchte. „Es ist wahr, dass Sie die Stunden nicht so ernst genommen haben, wie Sie es hätten müssen. Doch die anderen Dinge waren nicht allein Ihr Fehler. Dumbledore machte seine Fehler, ebenso wie ich meine machte. Blacks Tod ist auch unser Fehler und auch Blacks eigener Fehler, denn er, als Erwachsener, hätte einsichtsvoller und reifer sein müssen, aber er war immer …“, Snape unterbrach sich selbst und beendete den Satz nicht. „Sie können sich nicht die Schuld für die Taten eines Erwachsenen geben. Sie sind für Ihre Dinge verantwortlich, die Sie – auch jetzt – ernster nehmen sollten. Sie haben mit Zaubertränke aufgehört. Aber Sie haben auch mit Okklumentik aufgehört, obwohl selbst mit Blacks Tod, das Problem mit dem Dunklen Lord in Ihrem Kopf nicht gelöst ist. Und Ihre Noten … und dass Sie auf dem Astronomieturm herumlungern…“, er spottete wieder. „Dumbledore sorgt sich zu Tode wegen Ihnen und Sie verhalten sich nur noch mehr wie eine Dramaqueen mit dieser Empörung … Entschuldigung“, unterbrach er sich wieder.
„Nein Sir, Sie haben Recht …“, sagte Harry und sein Atem stockte schmerzhaft.
Snapes Gesicht verdunkelte sich verärgert.
„Sie hätten nicht den ganzen Sommer mit Ihrem Kummer allein gelassen werden und diese Dinge in sich hineinfressen dürfen.“ Er stand auf und schritt auf und ab. „Ich verstehe, was Albus Absicht war, indem er Sie mit Ihrer Familie allein gelassen hat, vor allem jetzt, wo der Krieg offiziell begonnen hat, aber andererseits ist es offensichtlich, dass Sie mit den Ereignissen des letzten Jahres nicht gut zurecht kommen …“
Harry fühlte sich, als wäre er ein kleines Kind und Ärger stieg in ihm auf, doch er schluckte ihn mit aller Macht herunter. Er wollte keine weitere Konfrontation oder ihre brandneue Höflichkeit riskieren, nur weil er dachte, er wäre reifer, als Snape ihm zugestand. Und im Prinzip hatte der Professor Recht: er hatte Sirius’ Tod als Krönung von allem, was im letzten Jahr geschehen war, nicht verdaut, und sein Unglück in diesem Jahr und die Leere waren die direkten Konsequenzen davon.
Also saß er nur schweigend da und lauschte Snapes Murren.
„Nun“, der Mann schien seine halb-tadelnde Rede zu beenden und blieb vor Harry stehen, „ich denke, wir sollten diesen Nachhilfestunden einen neuen Anfang geben.“
„Meinen Sie Zaubertränke oder Okklumentik, Sir?“, fragte Harry verwirrt.
„Zaubertränke natürlich. Ich glaube nicht, dass ich die geeignetste Person bin, um Sie Okklumentik zu lehren, Potter“, Snapes Augen glitzerten kalt. „Ich sagte Dumbledore letztes Jahr dasselbe. Ein gewisser Level an Vertrauen ist einfach notwendig, damit die Stunden effektiv werden. Das war einer der Hauptgründe für die absolute Sinnlosigkeit des letzten Jahres: wir beide misstrauen einander. Ich denke, Sie sollten gehen und den Schulleiter um diese Okklumentikstunden bitten.“
Harry zuckte leicht die Achseln und seufzte. Er wollte nicht zu Dumbledore gehen. Er wollte nicht die Schlange fühlen, die sich jedes Mal in ihm regte, wenn er dem alten Mann in die Augen sah und andererseits wollte er nicht, dass der Schulleiter noch mehr Dinge über ihn erfuhr, als er ohnehin schon wusste. Doch Snape diese Gedanken zu erklären, konnte einen weiteren, völlig unnötigen Streit verursachen.
„Wann wollen Sie, dass ich zu diesen Stunden komme?“, fragte er stattdessen.
Snape tippte nachdenklich an sein Kinn.
„Im Allgemeinen braue ich montags die Tränke für die Krankenstation, also können Sie kommen und mir damit helfen. Der Großteil dieser Tränke ist relativ einfach, deshalb denke ich nicht, dass Sie damit Schwierigkeiten haben werden“, er lächelte hinterlistig, doch Harry vertrieb seine Verärgerung mit einem leichten Schnauben. „Und donnerstags nach dem Abendessen, wäre eine hervorragende Zeit für das eigentliche Lernen …“
„Zwei Mal in der Woche?“, fragte Harry unsicher. Es stimmte, dass sie – augenscheinlich – einen Waffenstillstand geschlossen hatte, doch das bedeutete nicht, dass er all’ seine übrige Zeit mit seinem Zaubertrankausbilder verbringen wollte.
„Nur bis Sie den Stand des Fortgeschrittenen Kurses aufgeholt haben, Mr. Potter. Ich hoffe, dies wird nach den Weihnachtsferien geschehen sein, das sind noch sieben Wochen von jetzt an …“
„Und was, wenn ich nicht talentiert genug bin, um sie aufzuholen?“, Harry grinste.
„Oh, seien Sie versichert, Mr. Potter“, Snapes boshaftes Lächeln weitete sich, sodass seine gelben Zähne sichtbar wurden. „Wenn ich wollte, hätte selbst Longbottom seinen UTZ bestehen können.“
Einen kurzen Augenblick stieg Ärger in Harry auf, doch er verschwand so schnell, wie er gekommen war und Harry prustete erneut amüsiert.
„Warum wollen Sie mich dann zu einem Zaubertrankschüler machen, Sir?“, fragte er und ließ etwas Spott in seinen Ton einfließen.
„Sie kennen Minerva McGonagall nicht, Mr. Potter“, dieses Mal zog ein echtes Lächeln Snapes Mundwinkel nach oben. „Wenn sie sich etwas in ihren Dickschädel gesetzt hat, kann niemand ihre Meinung jemals ändern. Und letztes Jahr hat sie sich entschlossen, einen Auror aus Ihnen zu machen, deshalb …“
Harry konnte sich ein kurzes Lachen nicht verbeißen.
„Also hat sie praktisch all dies hier arrangiert …?“, er betonte den „dies hier“ Teil nicht besonders, doch Snape schien zu verstehen und schüttelte seinen Kopf.
„Nein Mr. Potter. In Wahrheit waren Sie das“, das Lächeln verschwand aus seinem Gesicht und sein Ausdruck wurde wieder ernst. „Obwohl ich gestehen muss, dass wir uns beide Sorgen um Sie gemacht haben.“
„Sie beide?“, Harry hob ungläubig seinen Kopf.
„Kommen Sie Mr. Potter. Ich mag das Monster der Kerker sein, doch ich bin immer noch ein Lehrer und es ist mein Job zu sehen, wenn etwas mit den Kindern unter meiner Aufsicht nicht stimmt. Es ist nicht so, als wäre Ihr Verhalten nicht durchsichtig genug gewesen …“
„Oh,“ Harry errötete, „also haben Sie sich Sorgen gemacht …“
„Nur von Berufs wegen“, setzte Snape knapp hinzu und machte einen Schritt von Harrys Stuhl weg. „Sie können jetzt gehen, Mr. Potter, und ich sehe Sie morgen.“
„Morgen?“
„Es ist Montag.“
„Oh“, Harry stand auf und schritt auf die Tür zu. Doch als seine Hand bereits auf der Klinke lag, warf er einen Blick auf Snape, der noch immer auf demselben Fleck stand. „Danke, Professor“, halb sprach er, halb flüsterte er es in den dunklen Raum.
Snape reagierte nicht, doch als Harry aus der Tür trat, hörte er ihn plötzlich sprechen: „Zwanzig Punkte für Gryffindor für eine gut erledigte Arbeit.“
An diesem Abend fand Harry alles viel einfacher. Es begann beim Abendessen, als er das Gryffindorstundenglas mit den zusätzlichen Punkten sah (niemand konnte sich erklären, woher Gryffindor zwanzig Punkte an einem Sonntag erhalten hatte, doch Harry sagte kein Wort, er saß und aß schweigend) und es dauerte den ganzen Abend an, zu Hermines Überraschung und Rons Erleichterung. Als sie endlich allein in einer Ecke des Gemeinschaftsraumes waren, überraschte Harry sie.
„Es war Snape, der die zwanzig Punkte gegeben hat.“
Ron nickte abwesend, als er versuchte seinen Text für Verwandlung zu verstehen, doch Hermines Augen wurden groß.
„Was?“
Harry zuckte die Achseln und grinste breit.
„Weil ich den Zaubertrankklassenraum gesäubert habe.“
„Aber …“, Hermine zog die Augenbrauen zusammen, „das war Nachsitzen! Und Snape hat Gryffindor noch nie zuvor Punkte gegeben! Das ist noch nie gehört worden!“
„Und er hat mir angeboten, mich in seinem Fortgeschrittenen Kurs zu akzeptieren“, sagte er einfach.
Hermines Kinnlade fiel runter und Rons Verwandlungsbuch schlug laut auf dem Boden auf.
„WAS?“, der rothaarige Junge sprang auf seine Füße. „Was? Hast du von Punkten gesprochen? Und davon in diesen verdammten Fortgeschrittenen Kurs aufgenommen zu sein?“
„Meine Putzkünste müssen ihn verzaubert haben …“, Harry tippte sich gespielt gedankenvoll ans Kinn und grinste.
„Nein“, Hermine schüttelte ihren Kopf.
„Ja“, antwortete Harry.
„Was hast du ihn trinken lassen?“, fragte Ron misstrauisch.
„Nichts.“
Hermine fand ihre Unterhaltung nicht komisch.
„Was ist dann geschehen?“, fragte sie streng.
Harry beendete seine Alberei und seufzte.
„Wir hatten eine Unterhaltung. Wir haben uns beieinander entschuldigt. Das ist alles.“
Ron schüttelte seinen Kopf, als hätte er Wasser in den Ohren.
„Aber warum musstest du dich entschuldigen? Du hast ihm nichts getan! Es war immer er, der dich wie Dreck behandelt hat!“ Am Ende des Satzes, war seine Stimme gespickt von Empörung.
Harry beugte sich runter, hob Rons Buch vom Boden auf und legte es auf ihren Tisch, während er sich umsah. Erst nachdem sich jeder wieder seinem Kram zuwandte, erklärte er. „Doch das habe ich, Ron. Letztes Jahr hat er die Okklumentik Stunden beendet, weil ich in sein Denkarium geschaut habe.“
„Und was hast du gesehen?“, Ron sah fasziniert aus, doch Hermine sah ihn missbilligend an.
„Ron!“, sie wandte sich an Harry und ihr Ausdruck war mehr als tadelnd. „Das war sehr, sehr unhöflich von dir, Harry!“
Harry seufzte.
„Ich weiß. Das war der Grund, weshalb er mich aus dem Okklumentikunterricht geschmissen hat.“
Hermines Gesicht verdunkelte sich, doch sie sagte kein Wort. Ron war im Gegensatz äußerst neugierig.
„Hey Kumpel! Du solltest mir sagen, was du gesehen hast!“
Harry schüttelte nachdrücklich seinen Kopf.
„Ich kann nicht! Ich habe ihm versprochen, niemanden davon zu erzählen. Es war etwas sehr persönliches.“
„Todesser? Du-Weißt-Schon-Wer?“, rätselte Ron.
„RON!“, schrieen Hermine und Harry unisono. Ron verdrehte seine Augen.
„Es geht dich nichts an, Ron“, Harry wedelte mit seinen Armen. „Ich kann es dir nicht sagen.“
Ron runzelte die Stirn, doch drängte nicht weiter. Hermine andererseits beugte sich vor.
„Und warum wollte er so plötzlich mit dir sprechen?“
„Ich bin zusammengebrochen“, sagte Harry einfach. „Ich dachte ich sei alleine. Ich war es tatsächlich, doch er hatte einen Alarmzauber auf den Klassenraum gelegt und der warnte ihn, dass etwas geschehen war.“
„Warnzauber?“ Hermine schien misstrauisch.
„Ich denke, er und McGonagall haben darauf gewartet, dass ich zusammenbreche“, erklärte Harry leicht lächelnd.
„Und er hat dich nicht verspottet, für’s Weinen?“ Ron kratzte seinen Nacken und sein ungläubiger Ausdruck vertiefte sich. „Seltsam. Er muss also doch ein paar menschliche Gefühle besitzen …“
Dieses Mal sagte Hermine nichts dagegen, was bedeutet, dass sie mit Ron übereinstimmte.
„Nun, nicht nur sie haben darauf gewartet“, sagte sie tief in Gedanken.
„Worauf?“, Harry verstand nicht.
„Dass du zusammenbrichst“, sagte sie wie eine Tatsache. „Du standest unter hohem innerem Druck …“
„War das offensichtlich?“ Harry war überrascht. Beide, Ron und Hermine, nickten.
„Wirst du sein Angebot annehmen?“, fragte Hermine plötzlich.
„Ich weiß noch nicht“, seufzte Harry. „Ich habe ein paar Nachhilfestunden und er kann entscheiden, ob er mich in seinem Kurs will oder nicht.“ Er lächelte. „Jedenfalls hat er versprochen mich höflich zu behandeln.“
„Ich muss diesen Raum sehen“, Ron grinste. „Du musst sehr begabt im Reinigen sein, wenn er dir sogar Höflichkeit angeboten hat!“
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Am nächsten Tag, als Harry zu seiner privaten Unterrichtsstunde bei Snape ging, fühlte er die altbekannte Furcht wieder in sich aufsteigen: die Furcht, die er vor dem Zaubertränkeunterricht gefühlt hatte und für einen Moment erwog er den Rückzug. Doch am Ende gewann der gesunde Menschenverstand und Harry klopfte an die Tür zu Snapes Büro.
„Herein“, bellte die kalte Stimme wie gewohnt und plötzlich bedauerte Harry seine vorherige Entscheidung. Er war nicht in der Stimmung, um Snapes kalte und verletzende Bemerkungen über seine Inkompetenz zu ertragen. „Herein!“, wiederholte die Stimme lauter, also atmete Harry tief durch und trat ein.
„Oh, Sie sind’s“, Snape sah von einem köchelnden Kessel auf. „Schließen Sie die Tür.“
Harry gehorchte und machte einen zögernden Schritt vorwärts.
„Kommen Sie her“, sagte Snape irritiert. „Ich verspreche, dass ich nicht beißen werde.“
Harry lächelte gezwungen und schritt beinahe auf Zehenspitzen näher zum Arbeitstisch. Snape zeigte ihm ein dickes, offenes Buch und mit einem Nicken winkte er Harry neben sich, wo ein Messer und sechs Stapel Zutaten darauf warteten, dass er begann.
In einem plötzlichen Entschluss zog Harry seine Robe aus und begann mit einem Seufzen die Arbeit vorzubereiten. Bald schon stand er neben Snape, hackte und schichtete, zerschnitt und zerdrückte die Zutaten in der Reihenfolge, die ihm gesagt wurde, oder die er im Buch las, während ihm Snape von Zeit zu Zeit, kurze Erklärungen über die Unterschiede von Braumethoden und die Eigenschaften verschiedener Zutaten gab. Harry fühlte sich völlig sinnlos, als er versuchte Snapes Ratschlägen und Anordnungen zu folgen, seine pulverisierten Drachenzähne wirkten eher zermatscht und er schaffte es sogar sein Messer anzuschlagen. Seine Hände zitterten vor Nervosität, als er die vorbereiteten Zutaten herübereichte, doch Snape äußerte kein Wort, obwohl der Trank am Ende pink anstatt lila wurde.
„Das reicht für heute“, sagte der Tränkemeister und als Harry sich für seine Ungeschicklichkeit entschuldigen wollte, grinste der Mann nur. „Für den ersten Versuch war das beinahe akzeptabel …“
„Beinahe?“, fragte Harry unsicher. Snapes Grinsen weitete sich.
„Nun, kein A, aber auch kein S. Ein faires M würde ich sagen.“
Harry zuckte die Achseln.
„Das habe ich Ihnen gleich gesagt … Sir.“
Snape hob die Augenbraue.
„Das war erst die erste Stunde. Seien unbesorgt, Mr. Potter, es wird besser werden – wenn Sie aufpassen, natürlich.“
Bevor er ging, gab ihm Snape einige Bücher mit genauen Angaben, was er bis Donnerstag darin lesen sollte.
Es brauchte mehrere Sitzungen, bis Harry an das Arbeiten mit Snape gewöhnt war, doch Ende November fand er ihre Zusammenarbeit beinahe entspannend und ihre Unterhaltungen erleichterten irgendwie stets die Last auf seiner Seele. Generell sprachen sie über Zaubertränke, doch nach der ersten Woche kamen auch andere Themen während ihrer gemeinsamen Sitzungen auf: Quidditch, Geschichte, die Zauberergesellschaft oder andere Schüler oder Lehrer.
Von Zeit zu Zeit, brachte Snape ein paar persönliche Hinweise in ihre Gespräche ein, doch das erste Mal, dass er konkret auf Harrys Probleme Bezug nahm, geschah in der zweiten Novemberwoche, an einem Montag, während ihrer „Krankenflügelsitzung“, wie Harry sie nannte.
„Professor McGonagall sagte mir, dass sie Sie in den letzten Wochen nicht auf dem Astronomieturm gesehen hat“, meinte Snape in diesem seltsamen Plauderton, den sie normalerweise verwendeten, während sie einen leichten Stärkungstrank brauten. Harry reagierte nicht, murmelte nur etwas unverständliches vor sich hin. „Was?“, vertiefte Snape das Thema.
„Ich habe keine Zeit, um dahin zu gehen“, wiederholte Harry beschämt. „Ich habe meine Hausaufgaben und Aufsätze und diesen Zaubertränkestoff …“
„Oh“, Snape hob eine Augenbraue. „Wenn Sie denken, dass Sie das hier an wichtigeren Dingen hindert, können wir damit aufhören …“
Harry sah überrascht auf.
„Nein“, sagte er, doch dann fiel ihm etwas ein. „Aber wenn Sie das nicht möchten, Sir …“
Snape grinste.
„Oh nein, überhaupt nicht. Kostenlose Hilfe ist immer sehr nützlich …“
„Kostenlos?“ Harrys Augen weiteten sich. „All diese Zutaten, die ich verschwendet habe …“
„Macht nichts. Es war nicht mein Geld, und andererseits hätten Sie dieselbe Masse an Material auch im Unterricht verschwendet, wenn nicht noch mehr. Also? Warum haben Sie aufgehört zum Astronomieturm zu gehen?“
Harry rührte seinen Trank einige Male um, bevor er antwortete.
„Nach diesem … Schrank Ereignis, konnte ich nicht mehr um Sirius trauern“, sagte er leise. „Die Art wie sie, wie er Sie behandelt hat … hat etwas in mir getötet“, seine Worte waren ruhig, aber deutlich. „Ich konnte einfach … ich konnte ihn nicht mehr in derselben Weise wie zuvor lieben. Was sie taten war unverzeihlich … selbst wenn sie Kinder waren. Die Sache, die ich in Ihrem Denkarium sah“, er warf seinem Professor einen entschuldigenden Blick zu, doch der Mann ermunterte ihn mit einem Nicken fortzufahren, „es war erniedrigend und alles, aber … Sie in diesem Schrank einzuschließen … war unverzeihlich.“
„Das geschah nicht nur einmal“, Snapes Stimme war heiser und er hob den Blick nicht von dem Mönchskraut, das er zerschnitt. „Sie hörten erst nach dem vierten oder fünften Mal auf, als ich Ihren Vater so sehr verfluchte, dass er beinahe starb“, seine Lippen kräuselten sich zu einem boshaften Lächeln, doch es verschwand schnell und machte einem bitteren Ausdruck Platz. „Ich erhielt einen Monat Nachsitzen, Slytherin wurden hundert Punkte abgezogen und niemand hörte mir zu, als ich sagte, dass ich mich nur verteidigt hatte … Danach hassten mich auch die Leute aus meinem eigenen Haus …“
Harry sagte kein Wort, sondern bereitete seine nächste Zutat in Schweigen vor, und offensichtlich fühlte Snape dasselbe, denn an diesem Tag sprach keiner mehr von ihnen.
Die verstörende Unbeholfenheit verschwand bei ihrem nächsten Treffen, worüber Harry sehr dankbar war, und sie fuhren fort, über gewöhnliche Dinge zu sprechen, doch dieses Mal erreichte Snape die „nicht-neutralen“ Themen schneller, als die letzten Male.
„Was machen Ihre Okklumentikstunden?“, fragte er, während sie einen komplizierten Unsichtbarkeitstrank brauten, der schon Teil des Lehrplans der fünften Klasse gewesen war.
Harry gab vor, die Frage nicht zu hören, doch diese Taktik schlug fehl, denn sein Schweigen teilte Snape alles mit, was er verbergen wollte.
„Das ist im höchsten Grade unverantwortliches Verhalten, Mr. Potter“, er sah mit zornig zusammengezogenen Brauen an seiner Nase herab auf Harry. „Sie kennen die möglichen Konsequenzen …“
„Ich übe jeden Abend meinen Geist zu leeren!“, schnappte Harry und wandte seinen Kopf ab.
„Das reicht nicht aus!“, Snape hob seine Stimme und sein Ärger war für Harry deutlich ersichtlich. „Das ist ein wichtiger Teil davon, doch nicht einmal annährend genug!“
Harry warf sein Messer auf den Tisch und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Ich will keine Okklumentik von Dumbledore lernen und ich werde auch nicht!“, schrie er zornig.
„Potter …“
„NEIN!“, brüllte Harry und machte einen Schritt weg von Snape, der nun wirklich wütend war.
„Das ist …“
„Selbst wenn Sie Gryffindor jeden Punkt abziehen, ist mir egal!“, Harry zitterte vor Ärger und Verzweiflung. „Ich kann nicht zu Dumbledore gehen! Ich kann ihm meinen Geist nicht öffnen! Ich will seine Hilfe nicht, seine Ratschläge, seine Anweisungen, ich will nicht ein vorsichtig, reglementiertes Leben leben, ich will nicht gegen Voldemort kämpfen und ich will nicht sterben! Sie waren nicht dabei letztes Jahr!“, er entfaltete seine Arme und schlug mit der Faust auf den Tisch. „Sie wissen nicht, wie er mich behandelt hat, mich hin- und herbefohlen hat, ohne ein ernsthaftes Wort! Er hat noch nicht einmal mit mir gesprochen, erst nach Sirius’ Tod!“, er kreischte die letzten Worte beinahe, doch jetzt, nach der Erwähnung von Sirius’ Namen, gewann er plötzlich seine Beherrschung zurück. Er brach in einem Stuhl zusammen und sah entschuldigend zu Snape. „Es tut mir leid, Sir. Ich wollte nicht …“
„Es ist in Ordnung“, seufzte Snape und nachdem er das Feuer gelöscht hatte, setzte er sich neben ihn. Der Trank war ohnehin verdorben. „Aber … Potter, Sie müssen ihm vergeben und wieder mit der Okklumentik beginnen. Es ist sehr, sehr wichtig. Und der Schulleiter ist ein sehr begabter und geduldiger Lehrer“, er setzte es nicht hinzu, doch Harry schien auch so die zweite Hälfte des Satzes zu hören ‚anders als ich’.
„Ich würde Okklumentik lieber von Ihnen lernen“, murmelte er beschämt.
„Was?“, Snape sah ihn an, als sei ihm ein weiteres Körperteil gewachsen.
„Ich würde Okklumentik lieber von Ihnen lernen“, wiederholte Harry, dieses Mal etwas lauter.
Der Mann sah ihn in totalem Unglauben an.
„Sind Sie verrückt geworden, Potter? Ich habe Ihnen schon mitgeteilt, dass für das erfolgreiche Studium der Okklumentik eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Lehrer und Schüler vorhanden sein muss“, sagte er, als spräche er mit einem zurückgebliebenen Kind.
Harry zuckte die Achseln.
„Ich weiß, ich bin nicht so blöd, um mich nicht zu erinnern“, er konnte nicht anders als die Augen verdrehen. „Aber … aber ich vertraue Ihnen mehr als dem Schulleiter.“
Harrys einfacher Satz brachte Snape zum Schweigen. Der Tränkemeister starrte Harry für eine lange Zeit an, dann sprang er auf seine Füße.
„Sie denken, das sei ein guter Witz, nicht wahr, Potter?“, schnappte er.
„Nein“, antwortete Harry so schnell er konnte. „Kein Witz. Es ist die Wahrheit.“
Snape lachte kurz und bitter auf.
„Glauben Sie wirklich, dass ich Ihnen diesen Mist abnehme? Auch ich bin nicht blöd, Mr. Potter!“
„Aber es ist wahr!“ Harry stand auf und tippte ärgerlich mit der Fußspitze.
„Warum sollten Sie?“
„Warum sollte ich nicht?“, fragte Harry zurück, während er sich zwang, ruhig zu bleiben. „Sie haben sich Sorgen um mich gemacht, auch wenn Sie mich nicht mochten. Sie haben mir danach geholfen, mit diesen Stunden und den Gesprächen …“, seine Ohren röteten sich vor Scham. „Ich weiß nicht, aber seit wir begonnen haben … begonnen haben zusammen zu arbeiten, fühle ich mich einfach besser.“ Snape beobachtete ihn wachsam. Harry seufzte. „Wenn Sie mir nicht glauben, können Sie Legilimentik anwenden“, sagte er. „Oder lassen Sie mich Veritasserum trinken. Ich weiß, dass Sie das schon immer wollten.“
Der ungläubige Ausdruck auf Snapes Gesicht wurde langsam von einem amüsiert-überraschten ersetzt.
„Es ist eine Schande, dass Ihr Vater oder Ihr Pate diese Aussage nicht hören konnten“, er grinste.
Harry biss sich auf die Lippen, um nicht zornig loszuschnauzen. „Ich bin nicht wie die“, murmelte er dunkel.
Snape schnaubte, aber kommentierte das nicht.
„Sie müssen Okklumentik bewältigen, Potter“, sagte er später ruhig.
Harry nickte.
„Können Sie … können Sie mich wieder unterrichten, Sir?“, fragte er, doch seine Kehle war so eng vor Nervosität, dass er kaum sprechen konnte.
„Sind Sie sicher, dass Sie mir vertrauen?“, Snapes Stimme war sanft, doch fest.
„Ja“, antwortete Harry nachdrücklich. „Und Sie …?“
Snape bewegte sich unruhig und räusperte sich.
„Wenn Sie versprechen, dass Sie nie wieder mein Denkarium ausspionieren, Mr. Potter, mache ich mit.“
Harry zwang sich, geradewegs in Snapes kalte, schwarze Augen zu blicken.
„Ich verspreche es. Und es tut mir wirklich leid, dass ich es getan habe.“
Für einen sehr langen Moment, starrte Snape unbewegt zurück. „Also schön. Aber was werden Ihre Freunde sagen, wenn sie erfahren, dass Sie nun drei Abende mit dem miesen Slytherinmonster verbringen?“
Harry grinste.
„Ron wird denken, dass ich noch verrückter als zuvor bin. Hermine wird glücklich sein, dass ich mit Okklumentik weitermache. Letztes Jahr, hat sie mich ständig deshalb genervt“, er lehnte sich zurück. „Aber, im Ernst, ich denke, sie werden Ihnen sehr dankbar sein.“
„Dankbar“, wiederholte Snape sarkastisch. „Wofür?“
„Dass Sie mir helfen“, sagte Harry. Snape schnaubte, doch machte keinen weiteren Kommentar.
Bei Beginn der Weihnachtsferien, fühlte sich Harry völlig erschöpft und nicht wenig zurück mit seinen Studien. Glücklicherweise hatte Hermine für Harry einen Stundenplan für die Weihnachtsferien erstellt und sie beide, sie und Ron, hatten entschieden zu bleiben und zu lernen, sodass Harry hoffte, die ganzen Sachen, die er während der ersten beiden Monate vernachlässigt hatte, aufholen zu können.
Hermine ließ ihnen freie Abende, sodass Harry etwas Tee mit Hagrid genießen konnte und einmal sogar mit McGonagall, die absolut erfreut über die Verbesserung von Harrys Noten und Benehmen war.
Obwohl Snape die Nachhilfestunden für beendet erklärt hatte, hörte Harry nicht auf zu den Okklumentikstunden zu gehen und zu ihren „Krankenflügelsitzungen“, um Tränke für Madame Pomfrey zu brauen. Als Harry, nach Snapes Entlassung von den Nachhilfestunden, das erste Mal am Montag danach erschienen war, hatte der Zaubertränkemeister sehr überrascht gewirkt.
„Was machen Sie hier, Potter?“, bellte er nervös.
„Sie sagten, kostenlose Hilfe sei immer nützlich“, antwortete Harry spöttisch und schlüpfte in den Raum neben einen erstarrten Snape.
„Also haben Sie entschieden keine Gnade mit Madame Pomfrey zu haben und noch mehr Zaubertrankzutaten von der Schule zu verschwenden“, sagte er mit einer Stimme, die eigentlich kalt klingen sollte, doch Harry grinste nur.
„Natürlich!“
Harrys Reaktion erschütterte Snape nur noch mehr.
„Ich hätte nie gedacht, dass ich in meinem ganzen Leben einmal mit einem Weasley übereinstimmen würde, aber Sie sind wirklich verrückt geworden, Potter“, flüsterte er mit aufgerissenen Augen, doch er hatte seitdem nicht wieder protestiert.
Das war das Ereignis gewesen, als Harry realisiert hatte, wie leicht und irgendwie herzlich ihre Beziehung geworden war. Selbst seine Okklumentik hatte gewaltige Fortschritte gemacht. Als er Snape nach dem Grund für seine schnelle Verbesserung gefragt hatte, antwortete er Harry in seiner üblichen Weise.
„Ehrlich, Potter, ich muss Ihnen doch nichts über Vertrauen erklären!“, schnappte er.
„Mein Vertrauen oder Ihres?“, fragte Harry zurück.
Snape grollte.
„Beides, du dummes Kind!“
Die Antwort überraschte Harry genug, um es zu wagen, die Frage zu stellen, die ihn schon lange beschäftigte. „Sir, warum haben Sie nie diese … diese Schranktür zerstört?“
„Weil ich nicht konnte“, zischte Snape zurück, doch Harry konnte kein Gift in seinem Ton erkennen, nur Beschämung.
„Warum?“
„Sie haben irgendeinen Schutzzauber darauf gelegt, schätze ich“, sagte er zornig. „Ich habe viele Male versucht ihn zu durchbrechen, wie Sie sich vorstellen können … Ich glaube, es war Black, der diesen Zauber in seiner Hausbibliothek gefunden hat … Ich kann ihn nicht brechen, bis ich genau weiß, was es für ein Zauber ist“, er winkte ab. „Gehen Sie Potter, Ihre Gryffindorfreunde werden nervös, wenn Sie zuviel Zeit hier verbringen … Sie werden denken, das Slytherinmonster habe Sie zum Abendessen verspeist …“
Während er ging, dachte Harry über Snapes erfolglose Versuche nach. Diese Schwachköpfe! Wie konnten sie es wagen …! Aber selbst, wenn Snape den Zauber nicht brechen konnte, er würde. Er hatte einen Vorteil, den Snape nicht hatte: er kannte einen der Leute, die den Zauber darauf gelegt hatten. Und Weihnachten war nicht mehr weit …
Der wirkliche Durchbruch in ihrer Beziehung geschah am Weihnachtsabend: ein sehr passendes Datum um Frieden und solche Dinge im Leben zu schließen.
Sie hatten Weihnachtsdinner in der Großen Halle zu elft: nur die drei Gryffindors und eine Zweitklässlerin aus Hufflepuff (sie war auch in den Gryffindorturm gezogen) waren von allen Schülern in diesem Jahr in der Schule geblieben, und sieben Erwachsene: Dumbledore, McGonagall, Snape, Trelawney, Hagrid, Flitwick und Filch, als Snape nach ein paar Löffeln der traditionellen Gemüsesuppe, plötzlich aufstand und in offensichtlicher Eile den Raum verließ.
Dumbledors Augen flackerten besorgt, Harry zuckte zusammen und sein Appetit verschwand. Er konnte sich nur einen Grund für Snapes Verhalten vorstellen und Dumbledores Reaktion bestätigte nur seine Besorgnis: sein Ex-Meister hatte den Tränkelehrer gerufen. Absichtlich sah er den Schulleiter fragend an, ohne sich Sorgen zu machen, ob er die Schlange in sich weckte und begegnete zwei nicht-zwinkernden blauen Augen, die sich nicht von ihm abwandten. Nach einem kurzen Augenblick, lächelte Dumbledore und hob beinahe unbemerkt seinen Daumen. „Professor Snape wird in Ordnung sein“, seine Botschaft war klar.
Doch Harry konnte nicht aufhören, sich Sorgen zu machen. Bald entschuldigte er sich und ging zurück in den nun ruhigen Gryffindor Gemeinschaftsraum und ließ sich in einen Stuhl vor dem Kamin fallen. Eine seltsame Vorahnung stieg in ihm auf und nach einigen Minuten des Nachdenkens, erriet er den Ursprung: irgendwo tief in seinem Geist, in dem Teil, den er sich bemühte vor Voldemort zu verschließen, spürte er ein unerträglich schreckliches Gefühl: eine triumphale Fröhlichkeit und die Erwartung von Rache. Harry hatte Angst. Snape war in Todesgefahr, da er war sich sicher. Als er sich stärker auf diesen Teil seines Geistes konzentrierte, flammte auf einmal Schmerz in seiner Narbe auf und seine Sorge verstärkte sich zehnfach.
„Potter“, sagte eine kalte Stimme, doch er reagierte nicht. Seine Knie zitterten und wieder wimmerte er, wie ein Welpen, der von seiner Mutter weggenommen wurde. „Potter“, wiederholte die Stimme erneut, doch dieses Mal war die Kälte nicht so offensichtlich. „Was ist geschehen?“
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Er hustete und räusperte sich, doch kein stimmähnliches Geräusch kam aus seinem Mund, lediglich Schluchzer und Jammern und Tränen. Er fühlte wie er weggezerrt und hingesetzt wurde und wie ihm eine kalte Phiole an die Lippen gepresst wurde. Er öffnete seinen Mund und trank den Inhalt gehorsam aus.
Der Trank war kühl und süß und beruhigte seine raue Kehle beinahe, die nach den langen Minuten des Schluchzens schmerzte und er fühlte, wie sich seine verkrampften Muskeln lösten und ihn das Schluchzen nicht länger zu ersticken drohte. Langsam beruhigte er sich und putzte seine Nase mit einem angebotenen Taschentuch.
„Danke“, murmelte er, noch immer betäubt.
„Bitte sehr“, kam die Antwort und dieses Mal erkannte Harry die Stimme. Es war Snapes.
Er senkte das Taschentuch und sah auf. Zu seiner Verlegenheit konnte er den Mann nicht erkennen, nur einige dunkle und hellere Flecken und die vage Form einer Person, die vor seinen Augen stand.
„Meine Brille“, murmelte er unsicher. „Ich habe sie fallen lassen …“
Die Mann-ähnliche Form verschwand aus seiner Sicht und einige Momente später hörte Harry einen leisen Reparo- Zauberspruch. Als das kühle Gestell auf seine Nase gesetzt wurde, erhielten die Dinge um ihn herum ihre normale Form. Snape eingeschlossen.
„Vielen Dank, Sir“, sagte er so deutlich wie er konnte. Dieses Mal antwortete Snape nicht, sondern nickte nur. „Es tut mir leid“, setzte Harry hinzu und versuchte mit dem wichtigsten Thema zu beginnen: der seit langem fälligen Entschuldigung.
„Ich habe einen Alarm Spruch auf diesen Raum gelegt. Er hat signalisiert, dass etwas geschehen ist“, Snape sah ihn erwartungsvoll an. Harry blickte ohne Furcht, Hass oder Abneigung zurück.
„Ich …“, Harry wusste nicht, was er sagen sollte. „Ich habe diesen Schrank geputzt“, er schluckte. Es war so schwer zu sprechen, er wollte Snape alles mitteilen, er wollte ihn wissen lassen, dass er, Harry, es wusste, dass er verstand …
Er sah, wie Snape einen Seitenblick in Richtung des zuvor genannten Möbelstückes warf.
„Und?“, fragte der Professor erneut, der Ton wachsam, doch voller Hass.
„Ich habe ein … Zertifikat gefunden“, presste Harry irgendwie heraus und er fühlte, wie sein Gesicht vor Scham erglühte. „Von meinen … James Potter und Sirius Black.“ Der Drang seinen Kopf abzuwenden war stark, doch er widerstand. „Es tut mir …“
Irgendwie sah er vor seinen Augen den Pfad, den er an diesem Schrank betreten hatte und der zu ihren Unterhaltungen und ihrer Feindseligkeit geführt hatte, als Snape das Gesicht verzog und eine hässliche, zornige, ziegelrote Färbung annahm.
„War es interessant zu lesen, Potter?“, knurrte er drohend. Harry schüttelte panisch den Kopf.
„Nein, nur …“
„Ein weiterer, wunderbarer Beweis für die außerordentliche Menschlichkeit Ihres Vaters, nicht wahr?“
„Nein, nein, Professor.“
Snape beugte sich so dicht herüber, dass seine Nase beinahe Harrys’ berührte.
„Oder haben Sie einen weiteren Beweis gefunden, dass Ihr Lehrer ein dreckiges Stück Mist ist, das alles verdient, was er bekommen hat?“
„NEIN!“, schrie Harry aus vollem Halse. „Nein!“, wiederholte er etwas ruhiger. „Sind Sie nicht, Sir und ich … und ich…“, Harry fand keine Worte, um sich zu erklären.
„Sie – was?“ Finger gruben sich in seine Armmuskeln, als Snape zugriff.
Harry weigerte sich, zurückzuzucken oder wegzusehen. Er überlegte für einen kurzen Moment, und dann verwendete er jeder Okklumentikfähigkeit, die er besaß, sah geradwegs in diese kalten, schwarzen Seen voll von Hass und Verachtung und konzentrierte sich stark auf seine eigenen Kindheitserinnerungen, auf seine verhasstesten, erniedrigendsten und peinlichsten Erinnerungen, seinen Schrank, sein Eingesperrtsein, seine Verzweiflung, seine Angst, wie er sich nass gemacht hatte, seine erbärmlichen Versuche, vor Dudley und seiner Gang zu fliehen, die Lumpen, die er getragen hatte, die Missgeburts- Beschimpfungen – und schließlich und endlich seine gegenwärtigen Gefühle, von Trauer und Bedauern und Verständnis. Das Mitgefühl, von dem er einst sicher war, dass er es nie dem Bastard der Kerker gegenüber empfinden würde.
„Ich verachte das, was Sie Ihnen angetan haben, Sir“, sagte er zitternd mit heiserer Stimme. „Ich hatte das Gefühl, als hätten sie es mir angetan und jetzt sind sie tot … Sie sind beide tot, aber dieses Mal … Sie sind in mir gestorben.“ Er senkte seinen Kopf und murmelte Richtung Boden: „Ich denke, sie hätten mir dasselbe angetan …“
Die klammernden Hände ließen los.
Harry hörte, wie Snape einen Stuhl näher an ihn heranrückte und sich hinsetzte. Es klang durchdringend in der Stille des Raumes.
Er sah zu Snape, doch das Gesicht des Professors war unbewegt. Einen Augenblick lang wollte Harry aufspringen, Snape schütteln und ihm in die Ohren brüllen, dass es ihm WIRKLICH leid tat, dass alles, was sein Vater und Sirius getan hatten, ihn anwiderte, doch vor allem, dass er nicht sein Vater war und es nie gewesen war, doch alle Kraft verließ ihn und er sank noch tiefer in seinen Stuhl.
Es war absolut sinnlos. Snape hasste seinen Vater aus gutem Grund und er würde ihn für immer hassen, der Professor würde nie über James Potters Gesicht, das er für immer tragen würde, hinwegsehen können, er würde nie über seinen Hass hinwegkommen und Harry könnte ihn niemals überzeugen, dass er anders war. Anders als James Potter und viel mehr wie Severus Snape … Und seltsamerweise, verletzte ihn in diesem Moment der Gedanke, dass Snape ihm nicht glaubte, am meisten.
Der Professor räusperte sich und Harry wandte sein Gesicht wieder ab.
„Sie haben den Raum wirklich gut gesäubert“, Snapes Worte hallten in der Stille seltsam nach.
Dieser Satz brachte Harry völlig durcheinander. Er war am Rande eines weiteren nervösen Zusammenbruchs und er konnte die gemischten Gefühle und Emotionen, die in seinem Kopf umherwirbelten, nicht unterscheiden oder verstehen. Doch Snapes Worte reinigten irgendwie die Luft zwischen ihnen und Harry drehte seinen Kopf zurück zu dem Mann und lächelte unsicher.
„Wirklich?“, es war nur eine überraschte, erstickte Antwort, doch er konnte nichts Besseres hervorbringen.
„Selbst die Zutaten wurden korrekt geordnet.“
„Oh“, Harry war sprachlos. In dem Moment, in dem er aufgeben wollte, Snapes Verständnis zu erringen, äußerte der Mann nicht nur einige zivile Worte, sondern lobte ihn sogar! Etwas ähnliches wie Hoffnung stieg in ihm auf. Vielleicht, würde ihr Krieg endlich enden.
Sie saßen in Schweigen, dann begann Snape zögernd zu sprechen. „Ich denke, ich kann meine Entscheidung, Sie in den Fortgeschrittenen Kurs zu lassen, überdenken …“
Harry war so bestürzt, dass er aufschrie.
„Nein Sir!“ Als Snape zornig den Kopf hob, ergänzte er schnell. „Ich meine, ich bin nicht so gut in Zaubertränke. Es war reiner Zufall, dass ich die Examensprüfung so gut geschrieben habe …“
Snape blickte ihn spöttisch an, doch Harry bemerkte etwas seltsames in seinem Ausdruck.
„Entschuldigen Sie, Mr. Potter, aber ich denke, es ist meine Aufgabe zu entscheiden, wem es gestattet ist und wem nicht, am Unterricht teilzunehmen.“ Oh. Snape scherzte … irgendwie.
„Ich habe zwei Monate verpasst …“ Harry versuchte eine weitere Ausrede. „Und Sie wissen, dass ich nie wirklich gut war. Ich kann mich nicht erinnern, je einen Zaubertrank richtig gebraut zu haben…“
„Sie könnten ein paar Nachhilfestunden bekommen“, antwortete Snape nachdenklich. Doch als Harry nicht reagierte, setzte er hastig hinzu, „obwohl ich akzeptieren kann, wenn Sie nicht an weiterem Untericht mit mir teilnehmen wollen…“
Harry seufzte und fühlte sich nicht wenig gekränkt.
„Das ist es nicht, Sir“, murmelte er und sah den dunklen Mann vor sich an. „Ich …“ Zu seiner Beschämung, fühlte er eine neue Welle von Tränen in seine Augen steigen und er wusste nicht einmal warum.
„Ich verspreche, dass ich Sie nicht so behandeln würde wie … wie ich es tat“, Snapes Worte waren kaum mehr als ein Flüstern, doch Harry fing sie auf.
„Nein, das ist es nicht …“, wiederholte er. Verdammt noch mal, warum konnten diese Tränen nicht an ihrem normalen Platz bleiben!
„Potter?“, Snapes Stimme klang besorgt, als Harrys Tränen wieder fielen. „Was ist los …?“
Harry schüttelte seinen Kopf, unfähig weiterzusprechen. Er holte tief Luft, um sich zu beruhigen, doch es war absolut sinnlos. Der frühere Schmerz kehrte mit voller Macht zurück und er fand sich schluchzend wieder – der einzige Unterschied war, dass er sich dieses Mal nicht wenig beschämt fühlte, aufgrund Snapes Anwesenheit.
„Ich … sehen Sie, es … es tut mir leid, Potter“, stotterte Snape und Harry schüttelte verzweifelt den Kopf.
„Es … liegt … nicht … an Ihnen“, würgte er irgendwie heraus. „Aber ich will das nicht, nur weil … ich habe mich nicht entschuldigt, damit …“
Ein weiteres Taschentuch und eine neue Phiole.
„Es tut mit leid, aber die Beruhigungstränke wirken nicht sehr lange“, unterbrach Snape ihn, „und ich weiß, dass Sie sich nicht entschuldigt haben nur um … um aufgenommen zu werden … und deshalb …“
Harry holte ein paar Mal tief Luft, aber er hatte noch immer einen Schluckauf, so dass er sich nicht traute zu sprechen, deshalb saß er da und versteckte sein Gesicht im Taschentuch.
„Ich bestehe nicht darauf, dass Sie mein Angebot annehmen“, fuhr Snape plötzlich fort, „aber Minerva sagte mir, dass Sie Auror werden möchten … und ich dachte, wir könnten es noch mal versuchen.“
„Ich weiß nicht“, flüsterte Harry. „Ich weiß nicht mehr, was ich will …“
„Warum?“
Harry zuckte die Achseln.
„Weiß nicht“, murmelte er. „Seit Sirius tot ist …“, er unterbrach sich. „Tut mir leid“, murmelte er.
„Nein“, Snape winkte ab. „Fahren Sie fort … Seit Black tot ist …?“
„Alles ist so leer geworden. Und jetzt als ich den Schrank sah …“, peinlich berührt schloss er den Mund und Snape hustete.
„Am Montag“, sprach der Mann plötzlich, „sagten Sie zu mir …“ Snape konnte den Satz nicht beenden. Harry sah ihn fragend an. „Sie sagten mir, dass ich wie Ihr … James Potter … sei …“
Harry fasste sein Taschentuch so fest, dass seine Knöchel weiß wurden.
„Nein“, sagte er fest. „Ich hatte Unrecht, Sir.“
Snape rutschte auf seinem Stuhl umher und sah weg.
„Der Schulleiter warnte mich, dass Sie nicht wie Ihr Vater seien. Ich hätte auf ihn hören sollen.“ Die Worte wurden so leise geäußert, dass Harry sie eher vermuten konnte, als sie tatsächlich wahrzunehmen.
„Er sagte mir, als wir das letzte Mal sprachen“, sagte Harry nachdenklich, „dass Sie Wunden hätten, die zu tief sind, um zu heilen. Ich glaubte ihm nicht, obwohl ich diese Erinnerung in Ihrem Denkarium gesehen habe. Ich schätze, ich wollte ihm einfach nicht glauben …“
„Das war nicht ausschließlich Ihr Fehler“, Harry sah, wie Snape auf seine trankbefleckten Finger blickte, die leicht bebten. „Ich habe nichts getan, um Ihre Situation zu erleichtern.“
„Aber selbst diese Szene … war so grausam und Sie haben … Sie haben mich nie in der Art erniedrigt, wie sie es mit Ihnen taten …“ Harry fühlte seinen Nacken und seine Ohren vor Scham erglühen. „Und dieser Schrank …“, er konnte nicht weiterreden.
„Es war nicht Ihr Fehler …“, Snape sah ihn wieder an und fragte, „also, wollen Sie es dann mit dem Fortgeschrittenen Zaubertrankkurs versuchen?“
Harry steckte das Taschentuch in seine Tasche.
„Ich weiß es wirklich nicht“, antwortete er ehrlich. „Ich glaube wirklich nicht, dass ich gut genug für diesen Fortgeschrittenen Unterricht bin … Vielleicht sollten Sie mir etwas Nachhilfe geben, sodass Sie entscheiden können, ob Sie mich in Ihrem Unterricht akzeptieren wollen oder nicht.“
„Das ist ein Deal, Mr. Potter.“ Nach ein paar Momenten setzte er hinzu. „Ich war besorgt in diesem Sommer, als Sie … nicht darum gekämpft haben, an dem Unterricht teilzunehmen. Es war so völlig untypisch für Sie …“
Harry zappelte unruhig, dennoch warf er einen kurzen Blick auf den Professor.
„Es war eine gute Ausrede, dass Sie sich geweigert haben, mich aufzunehmen …“, murmelte Harry und schluckte. „Ich habe Ihnen die Schuld gegeben … an Sirius’ Tod …“
Snapes Wangen röteten sich, doch er explodierte nicht.
„Ich verstehe“, krächzte er stattdessen.
„Ich gebe Ihnen jetzt keine Schuld mehr daran“, Harry sah auf seinen Schoß, dankbar dafür, dass Snape ihn nicht anschrie. „In Wahrheit weiß ich, dass es mein Fehler war, und auch Sirius’ … aber vor allem meiner. Ich habe Ihren Unterricht nicht so ernst genommen, wie es hätte tun sollen …“
„Verdammt wahr!“, rief Snape aus und Harry zuckte zusammen.
„Es tut mir leid“, Harry fühlte, wie der Effekt des Beruhigungstrankes erneut nachließ und seine Stimme zitterte. „Es war mein Fehler …“
Doch dann griff eine kräftige Hand nach seiner Schulter und schüttelte ihn energisch.
„Potter, sieh mich an!“, befahl Snape gebieterisch und Harry gehorchte. „Es ist wahr, dass Sie die Stunden nicht so ernst genommen haben, wie Sie es hätten müssen. Doch die anderen Dinge waren nicht allein Ihr Fehler. Dumbledore machte seine Fehler, ebenso wie ich meine machte. Blacks Tod ist auch unser Fehler und auch Blacks eigener Fehler, denn er, als Erwachsener, hätte einsichtsvoller und reifer sein müssen, aber er war immer …“, Snape unterbrach sich selbst und beendete den Satz nicht. „Sie können sich nicht die Schuld für die Taten eines Erwachsenen geben. Sie sind für Ihre Dinge verantwortlich, die Sie – auch jetzt – ernster nehmen sollten. Sie haben mit Zaubertränke aufgehört. Aber Sie haben auch mit Okklumentik aufgehört, obwohl selbst mit Blacks Tod, das Problem mit dem Dunklen Lord in Ihrem Kopf nicht gelöst ist. Und Ihre Noten … und dass Sie auf dem Astronomieturm herumlungern…“, er spottete wieder. „Dumbledore sorgt sich zu Tode wegen Ihnen und Sie verhalten sich nur noch mehr wie eine Dramaqueen mit dieser Empörung … Entschuldigung“, unterbrach er sich wieder.
„Nein Sir, Sie haben Recht …“, sagte Harry und sein Atem stockte schmerzhaft.
Snapes Gesicht verdunkelte sich verärgert.
„Sie hätten nicht den ganzen Sommer mit Ihrem Kummer allein gelassen werden und diese Dinge in sich hineinfressen dürfen.“ Er stand auf und schritt auf und ab. „Ich verstehe, was Albus Absicht war, indem er Sie mit Ihrer Familie allein gelassen hat, vor allem jetzt, wo der Krieg offiziell begonnen hat, aber andererseits ist es offensichtlich, dass Sie mit den Ereignissen des letzten Jahres nicht gut zurecht kommen …“
Harry fühlte sich, als wäre er ein kleines Kind und Ärger stieg in ihm auf, doch er schluckte ihn mit aller Macht herunter. Er wollte keine weitere Konfrontation oder ihre brandneue Höflichkeit riskieren, nur weil er dachte, er wäre reifer, als Snape ihm zugestand. Und im Prinzip hatte der Professor Recht: er hatte Sirius’ Tod als Krönung von allem, was im letzten Jahr geschehen war, nicht verdaut, und sein Unglück in diesem Jahr und die Leere waren die direkten Konsequenzen davon.
Also saß er nur schweigend da und lauschte Snapes Murren.
„Nun“, der Mann schien seine halb-tadelnde Rede zu beenden und blieb vor Harry stehen, „ich denke, wir sollten diesen Nachhilfestunden einen neuen Anfang geben.“
„Meinen Sie Zaubertränke oder Okklumentik, Sir?“, fragte Harry verwirrt.
„Zaubertränke natürlich. Ich glaube nicht, dass ich die geeignetste Person bin, um Sie Okklumentik zu lehren, Potter“, Snapes Augen glitzerten kalt. „Ich sagte Dumbledore letztes Jahr dasselbe. Ein gewisser Level an Vertrauen ist einfach notwendig, damit die Stunden effektiv werden. Das war einer der Hauptgründe für die absolute Sinnlosigkeit des letzten Jahres: wir beide misstrauen einander. Ich denke, Sie sollten gehen und den Schulleiter um diese Okklumentikstunden bitten.“
Harry zuckte leicht die Achseln und seufzte. Er wollte nicht zu Dumbledore gehen. Er wollte nicht die Schlange fühlen, die sich jedes Mal in ihm regte, wenn er dem alten Mann in die Augen sah und andererseits wollte er nicht, dass der Schulleiter noch mehr Dinge über ihn erfuhr, als er ohnehin schon wusste. Doch Snape diese Gedanken zu erklären, konnte einen weiteren, völlig unnötigen Streit verursachen.
„Wann wollen Sie, dass ich zu diesen Stunden komme?“, fragte er stattdessen.
Snape tippte nachdenklich an sein Kinn.
„Im Allgemeinen braue ich montags die Tränke für die Krankenstation, also können Sie kommen und mir damit helfen. Der Großteil dieser Tränke ist relativ einfach, deshalb denke ich nicht, dass Sie damit Schwierigkeiten haben werden“, er lächelte hinterlistig, doch Harry vertrieb seine Verärgerung mit einem leichten Schnauben. „Und donnerstags nach dem Abendessen, wäre eine hervorragende Zeit für das eigentliche Lernen …“
„Zwei Mal in der Woche?“, fragte Harry unsicher. Es stimmte, dass sie – augenscheinlich – einen Waffenstillstand geschlossen hatte, doch das bedeutete nicht, dass er all’ seine übrige Zeit mit seinem Zaubertrankausbilder verbringen wollte.
„Nur bis Sie den Stand des Fortgeschrittenen Kurses aufgeholt haben, Mr. Potter. Ich hoffe, dies wird nach den Weihnachtsferien geschehen sein, das sind noch sieben Wochen von jetzt an …“
„Und was, wenn ich nicht talentiert genug bin, um sie aufzuholen?“, Harry grinste.
„Oh, seien Sie versichert, Mr. Potter“, Snapes boshaftes Lächeln weitete sich, sodass seine gelben Zähne sichtbar wurden. „Wenn ich wollte, hätte selbst Longbottom seinen UTZ bestehen können.“
Einen kurzen Augenblick stieg Ärger in Harry auf, doch er verschwand so schnell, wie er gekommen war und Harry prustete erneut amüsiert.
„Warum wollen Sie mich dann zu einem Zaubertrankschüler machen, Sir?“, fragte er und ließ etwas Spott in seinen Ton einfließen.
„Sie kennen Minerva McGonagall nicht, Mr. Potter“, dieses Mal zog ein echtes Lächeln Snapes Mundwinkel nach oben. „Wenn sie sich etwas in ihren Dickschädel gesetzt hat, kann niemand ihre Meinung jemals ändern. Und letztes Jahr hat sie sich entschlossen, einen Auror aus Ihnen zu machen, deshalb …“
Harry konnte sich ein kurzes Lachen nicht verbeißen.
„Also hat sie praktisch all dies hier arrangiert …?“, er betonte den „dies hier“ Teil nicht besonders, doch Snape schien zu verstehen und schüttelte seinen Kopf.
„Nein Mr. Potter. In Wahrheit waren Sie das“, das Lächeln verschwand aus seinem Gesicht und sein Ausdruck wurde wieder ernst. „Obwohl ich gestehen muss, dass wir uns beide Sorgen um Sie gemacht haben.“
„Sie beide?“, Harry hob ungläubig seinen Kopf.
„Kommen Sie Mr. Potter. Ich mag das Monster der Kerker sein, doch ich bin immer noch ein Lehrer und es ist mein Job zu sehen, wenn etwas mit den Kindern unter meiner Aufsicht nicht stimmt. Es ist nicht so, als wäre Ihr Verhalten nicht durchsichtig genug gewesen …“
„Oh,“ Harry errötete, „also haben Sie sich Sorgen gemacht …“
„Nur von Berufs wegen“, setzte Snape knapp hinzu und machte einen Schritt von Harrys Stuhl weg. „Sie können jetzt gehen, Mr. Potter, und ich sehe Sie morgen.“
„Morgen?“
„Es ist Montag.“
„Oh“, Harry stand auf und schritt auf die Tür zu. Doch als seine Hand bereits auf der Klinke lag, warf er einen Blick auf Snape, der noch immer auf demselben Fleck stand. „Danke, Professor“, halb sprach er, halb flüsterte er es in den dunklen Raum.
Snape reagierte nicht, doch als Harry aus der Tür trat, hörte er ihn plötzlich sprechen: „Zwanzig Punkte für Gryffindor für eine gut erledigte Arbeit.“
An diesem Abend fand Harry alles viel einfacher. Es begann beim Abendessen, als er das Gryffindorstundenglas mit den zusätzlichen Punkten sah (niemand konnte sich erklären, woher Gryffindor zwanzig Punkte an einem Sonntag erhalten hatte, doch Harry sagte kein Wort, er saß und aß schweigend) und es dauerte den ganzen Abend an, zu Hermines Überraschung und Rons Erleichterung. Als sie endlich allein in einer Ecke des Gemeinschaftsraumes waren, überraschte Harry sie.
„Es war Snape, der die zwanzig Punkte gegeben hat.“
Ron nickte abwesend, als er versuchte seinen Text für Verwandlung zu verstehen, doch Hermines Augen wurden groß.
„Was?“
Harry zuckte die Achseln und grinste breit.
„Weil ich den Zaubertrankklassenraum gesäubert habe.“
„Aber …“, Hermine zog die Augenbrauen zusammen, „das war Nachsitzen! Und Snape hat Gryffindor noch nie zuvor Punkte gegeben! Das ist noch nie gehört worden!“
„Und er hat mir angeboten, mich in seinem Fortgeschrittenen Kurs zu akzeptieren“, sagte er einfach.
Hermines Kinnlade fiel runter und Rons Verwandlungsbuch schlug laut auf dem Boden auf.
„WAS?“, der rothaarige Junge sprang auf seine Füße. „Was? Hast du von Punkten gesprochen? Und davon in diesen verdammten Fortgeschrittenen Kurs aufgenommen zu sein?“
„Meine Putzkünste müssen ihn verzaubert haben …“, Harry tippte sich gespielt gedankenvoll ans Kinn und grinste.
„Nein“, Hermine schüttelte ihren Kopf.
„Ja“, antwortete Harry.
„Was hast du ihn trinken lassen?“, fragte Ron misstrauisch.
„Nichts.“
Hermine fand ihre Unterhaltung nicht komisch.
„Was ist dann geschehen?“, fragte sie streng.
Harry beendete seine Alberei und seufzte.
„Wir hatten eine Unterhaltung. Wir haben uns beieinander entschuldigt. Das ist alles.“
Ron schüttelte seinen Kopf, als hätte er Wasser in den Ohren.
„Aber warum musstest du dich entschuldigen? Du hast ihm nichts getan! Es war immer er, der dich wie Dreck behandelt hat!“ Am Ende des Satzes, war seine Stimme gespickt von Empörung.
Harry beugte sich runter, hob Rons Buch vom Boden auf und legte es auf ihren Tisch, während er sich umsah. Erst nachdem sich jeder wieder seinem Kram zuwandte, erklärte er. „Doch das habe ich, Ron. Letztes Jahr hat er die Okklumentik Stunden beendet, weil ich in sein Denkarium geschaut habe.“
„Und was hast du gesehen?“, Ron sah fasziniert aus, doch Hermine sah ihn missbilligend an.
„Ron!“, sie wandte sich an Harry und ihr Ausdruck war mehr als tadelnd. „Das war sehr, sehr unhöflich von dir, Harry!“
Harry seufzte.
„Ich weiß. Das war der Grund, weshalb er mich aus dem Okklumentikunterricht geschmissen hat.“
Hermines Gesicht verdunkelte sich, doch sie sagte kein Wort. Ron war im Gegensatz äußerst neugierig.
„Hey Kumpel! Du solltest mir sagen, was du gesehen hast!“
Harry schüttelte nachdrücklich seinen Kopf.
„Ich kann nicht! Ich habe ihm versprochen, niemanden davon zu erzählen. Es war etwas sehr persönliches.“
„Todesser? Du-Weißt-Schon-Wer?“, rätselte Ron.
„RON!“, schrieen Hermine und Harry unisono. Ron verdrehte seine Augen.
„Es geht dich nichts an, Ron“, Harry wedelte mit seinen Armen. „Ich kann es dir nicht sagen.“
Ron runzelte die Stirn, doch drängte nicht weiter. Hermine andererseits beugte sich vor.
„Und warum wollte er so plötzlich mit dir sprechen?“
„Ich bin zusammengebrochen“, sagte Harry einfach. „Ich dachte ich sei alleine. Ich war es tatsächlich, doch er hatte einen Alarmzauber auf den Klassenraum gelegt und der warnte ihn, dass etwas geschehen war.“
„Warnzauber?“ Hermine schien misstrauisch.
„Ich denke, er und McGonagall haben darauf gewartet, dass ich zusammenbreche“, erklärte Harry leicht lächelnd.
„Und er hat dich nicht verspottet, für’s Weinen?“ Ron kratzte seinen Nacken und sein ungläubiger Ausdruck vertiefte sich. „Seltsam. Er muss also doch ein paar menschliche Gefühle besitzen …“
Dieses Mal sagte Hermine nichts dagegen, was bedeutet, dass sie mit Ron übereinstimmte.
„Nun, nicht nur sie haben darauf gewartet“, sagte sie tief in Gedanken.
„Worauf?“, Harry verstand nicht.
„Dass du zusammenbrichst“, sagte sie wie eine Tatsache. „Du standest unter hohem innerem Druck …“
„War das offensichtlich?“ Harry war überrascht. Beide, Ron und Hermine, nickten.
„Wirst du sein Angebot annehmen?“, fragte Hermine plötzlich.
„Ich weiß noch nicht“, seufzte Harry. „Ich habe ein paar Nachhilfestunden und er kann entscheiden, ob er mich in seinem Kurs will oder nicht.“ Er lächelte. „Jedenfalls hat er versprochen mich höflich zu behandeln.“
„Ich muss diesen Raum sehen“, Ron grinste. „Du musst sehr begabt im Reinigen sein, wenn er dir sogar Höflichkeit angeboten hat!“
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Am nächsten Tag, als Harry zu seiner privaten Unterrichtsstunde bei Snape ging, fühlte er die altbekannte Furcht wieder in sich aufsteigen: die Furcht, die er vor dem Zaubertränkeunterricht gefühlt hatte und für einen Moment erwog er den Rückzug. Doch am Ende gewann der gesunde Menschenverstand und Harry klopfte an die Tür zu Snapes Büro.
„Herein“, bellte die kalte Stimme wie gewohnt und plötzlich bedauerte Harry seine vorherige Entscheidung. Er war nicht in der Stimmung, um Snapes kalte und verletzende Bemerkungen über seine Inkompetenz zu ertragen. „Herein!“, wiederholte die Stimme lauter, also atmete Harry tief durch und trat ein.
„Oh, Sie sind’s“, Snape sah von einem köchelnden Kessel auf. „Schließen Sie die Tür.“
Harry gehorchte und machte einen zögernden Schritt vorwärts.
„Kommen Sie her“, sagte Snape irritiert. „Ich verspreche, dass ich nicht beißen werde.“
Harry lächelte gezwungen und schritt beinahe auf Zehenspitzen näher zum Arbeitstisch. Snape zeigte ihm ein dickes, offenes Buch und mit einem Nicken winkte er Harry neben sich, wo ein Messer und sechs Stapel Zutaten darauf warteten, dass er begann.
In einem plötzlichen Entschluss zog Harry seine Robe aus und begann mit einem Seufzen die Arbeit vorzubereiten. Bald schon stand er neben Snape, hackte und schichtete, zerschnitt und zerdrückte die Zutaten in der Reihenfolge, die ihm gesagt wurde, oder die er im Buch las, während ihm Snape von Zeit zu Zeit, kurze Erklärungen über die Unterschiede von Braumethoden und die Eigenschaften verschiedener Zutaten gab. Harry fühlte sich völlig sinnlos, als er versuchte Snapes Ratschlägen und Anordnungen zu folgen, seine pulverisierten Drachenzähne wirkten eher zermatscht und er schaffte es sogar sein Messer anzuschlagen. Seine Hände zitterten vor Nervosität, als er die vorbereiteten Zutaten herübereichte, doch Snape äußerte kein Wort, obwohl der Trank am Ende pink anstatt lila wurde.
„Das reicht für heute“, sagte der Tränkemeister und als Harry sich für seine Ungeschicklichkeit entschuldigen wollte, grinste der Mann nur. „Für den ersten Versuch war das beinahe akzeptabel …“
„Beinahe?“, fragte Harry unsicher. Snapes Grinsen weitete sich.
„Nun, kein A, aber auch kein S. Ein faires M würde ich sagen.“
Harry zuckte die Achseln.
„Das habe ich Ihnen gleich gesagt … Sir.“
Snape hob die Augenbraue.
„Das war erst die erste Stunde. Seien unbesorgt, Mr. Potter, es wird besser werden – wenn Sie aufpassen, natürlich.“
Bevor er ging, gab ihm Snape einige Bücher mit genauen Angaben, was er bis Donnerstag darin lesen sollte.
Es brauchte mehrere Sitzungen, bis Harry an das Arbeiten mit Snape gewöhnt war, doch Ende November fand er ihre Zusammenarbeit beinahe entspannend und ihre Unterhaltungen erleichterten irgendwie stets die Last auf seiner Seele. Generell sprachen sie über Zaubertränke, doch nach der ersten Woche kamen auch andere Themen während ihrer gemeinsamen Sitzungen auf: Quidditch, Geschichte, die Zauberergesellschaft oder andere Schüler oder Lehrer.
Von Zeit zu Zeit, brachte Snape ein paar persönliche Hinweise in ihre Gespräche ein, doch das erste Mal, dass er konkret auf Harrys Probleme Bezug nahm, geschah in der zweiten Novemberwoche, an einem Montag, während ihrer „Krankenflügelsitzung“, wie Harry sie nannte.
„Professor McGonagall sagte mir, dass sie Sie in den letzten Wochen nicht auf dem Astronomieturm gesehen hat“, meinte Snape in diesem seltsamen Plauderton, den sie normalerweise verwendeten, während sie einen leichten Stärkungstrank brauten. Harry reagierte nicht, murmelte nur etwas unverständliches vor sich hin. „Was?“, vertiefte Snape das Thema.
„Ich habe keine Zeit, um dahin zu gehen“, wiederholte Harry beschämt. „Ich habe meine Hausaufgaben und Aufsätze und diesen Zaubertränkestoff …“
„Oh“, Snape hob eine Augenbraue. „Wenn Sie denken, dass Sie das hier an wichtigeren Dingen hindert, können wir damit aufhören …“
Harry sah überrascht auf.
„Nein“, sagte er, doch dann fiel ihm etwas ein. „Aber wenn Sie das nicht möchten, Sir …“
Snape grinste.
„Oh nein, überhaupt nicht. Kostenlose Hilfe ist immer sehr nützlich …“
„Kostenlos?“ Harrys Augen weiteten sich. „All diese Zutaten, die ich verschwendet habe …“
„Macht nichts. Es war nicht mein Geld, und andererseits hätten Sie dieselbe Masse an Material auch im Unterricht verschwendet, wenn nicht noch mehr. Also? Warum haben Sie aufgehört zum Astronomieturm zu gehen?“
Harry rührte seinen Trank einige Male um, bevor er antwortete.
„Nach diesem … Schrank Ereignis, konnte ich nicht mehr um Sirius trauern“, sagte er leise. „Die Art wie sie, wie er Sie behandelt hat … hat etwas in mir getötet“, seine Worte waren ruhig, aber deutlich. „Ich konnte einfach … ich konnte ihn nicht mehr in derselben Weise wie zuvor lieben. Was sie taten war unverzeihlich … selbst wenn sie Kinder waren. Die Sache, die ich in Ihrem Denkarium sah“, er warf seinem Professor einen entschuldigenden Blick zu, doch der Mann ermunterte ihn mit einem Nicken fortzufahren, „es war erniedrigend und alles, aber … Sie in diesem Schrank einzuschließen … war unverzeihlich.“
„Das geschah nicht nur einmal“, Snapes Stimme war heiser und er hob den Blick nicht von dem Mönchskraut, das er zerschnitt. „Sie hörten erst nach dem vierten oder fünften Mal auf, als ich Ihren Vater so sehr verfluchte, dass er beinahe starb“, seine Lippen kräuselten sich zu einem boshaften Lächeln, doch es verschwand schnell und machte einem bitteren Ausdruck Platz. „Ich erhielt einen Monat Nachsitzen, Slytherin wurden hundert Punkte abgezogen und niemand hörte mir zu, als ich sagte, dass ich mich nur verteidigt hatte … Danach hassten mich auch die Leute aus meinem eigenen Haus …“
Harry sagte kein Wort, sondern bereitete seine nächste Zutat in Schweigen vor, und offensichtlich fühlte Snape dasselbe, denn an diesem Tag sprach keiner mehr von ihnen.
Die verstörende Unbeholfenheit verschwand bei ihrem nächsten Treffen, worüber Harry sehr dankbar war, und sie fuhren fort, über gewöhnliche Dinge zu sprechen, doch dieses Mal erreichte Snape die „nicht-neutralen“ Themen schneller, als die letzten Male.
„Was machen Ihre Okklumentikstunden?“, fragte er, während sie einen komplizierten Unsichtbarkeitstrank brauten, der schon Teil des Lehrplans der fünften Klasse gewesen war.
Harry gab vor, die Frage nicht zu hören, doch diese Taktik schlug fehl, denn sein Schweigen teilte Snape alles mit, was er verbergen wollte.
„Das ist im höchsten Grade unverantwortliches Verhalten, Mr. Potter“, er sah mit zornig zusammengezogenen Brauen an seiner Nase herab auf Harry. „Sie kennen die möglichen Konsequenzen …“
„Ich übe jeden Abend meinen Geist zu leeren!“, schnappte Harry und wandte seinen Kopf ab.
„Das reicht nicht aus!“, Snape hob seine Stimme und sein Ärger war für Harry deutlich ersichtlich. „Das ist ein wichtiger Teil davon, doch nicht einmal annährend genug!“
Harry warf sein Messer auf den Tisch und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Ich will keine Okklumentik von Dumbledore lernen und ich werde auch nicht!“, schrie er zornig.
„Potter …“
„NEIN!“, brüllte Harry und machte einen Schritt weg von Snape, der nun wirklich wütend war.
„Das ist …“
„Selbst wenn Sie Gryffindor jeden Punkt abziehen, ist mir egal!“, Harry zitterte vor Ärger und Verzweiflung. „Ich kann nicht zu Dumbledore gehen! Ich kann ihm meinen Geist nicht öffnen! Ich will seine Hilfe nicht, seine Ratschläge, seine Anweisungen, ich will nicht ein vorsichtig, reglementiertes Leben leben, ich will nicht gegen Voldemort kämpfen und ich will nicht sterben! Sie waren nicht dabei letztes Jahr!“, er entfaltete seine Arme und schlug mit der Faust auf den Tisch. „Sie wissen nicht, wie er mich behandelt hat, mich hin- und herbefohlen hat, ohne ein ernsthaftes Wort! Er hat noch nicht einmal mit mir gesprochen, erst nach Sirius’ Tod!“, er kreischte die letzten Worte beinahe, doch jetzt, nach der Erwähnung von Sirius’ Namen, gewann er plötzlich seine Beherrschung zurück. Er brach in einem Stuhl zusammen und sah entschuldigend zu Snape. „Es tut mir leid, Sir. Ich wollte nicht …“
„Es ist in Ordnung“, seufzte Snape und nachdem er das Feuer gelöscht hatte, setzte er sich neben ihn. Der Trank war ohnehin verdorben. „Aber … Potter, Sie müssen ihm vergeben und wieder mit der Okklumentik beginnen. Es ist sehr, sehr wichtig. Und der Schulleiter ist ein sehr begabter und geduldiger Lehrer“, er setzte es nicht hinzu, doch Harry schien auch so die zweite Hälfte des Satzes zu hören ‚anders als ich’.
„Ich würde Okklumentik lieber von Ihnen lernen“, murmelte er beschämt.
„Was?“, Snape sah ihn an, als sei ihm ein weiteres Körperteil gewachsen.
„Ich würde Okklumentik lieber von Ihnen lernen“, wiederholte Harry, dieses Mal etwas lauter.
Der Mann sah ihn in totalem Unglauben an.
„Sind Sie verrückt geworden, Potter? Ich habe Ihnen schon mitgeteilt, dass für das erfolgreiche Studium der Okklumentik eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Lehrer und Schüler vorhanden sein muss“, sagte er, als spräche er mit einem zurückgebliebenen Kind.
Harry zuckte die Achseln.
„Ich weiß, ich bin nicht so blöd, um mich nicht zu erinnern“, er konnte nicht anders als die Augen verdrehen. „Aber … aber ich vertraue Ihnen mehr als dem Schulleiter.“
Harrys einfacher Satz brachte Snape zum Schweigen. Der Tränkemeister starrte Harry für eine lange Zeit an, dann sprang er auf seine Füße.
„Sie denken, das sei ein guter Witz, nicht wahr, Potter?“, schnappte er.
„Nein“, antwortete Harry so schnell er konnte. „Kein Witz. Es ist die Wahrheit.“
Snape lachte kurz und bitter auf.
„Glauben Sie wirklich, dass ich Ihnen diesen Mist abnehme? Auch ich bin nicht blöd, Mr. Potter!“
„Aber es ist wahr!“ Harry stand auf und tippte ärgerlich mit der Fußspitze.
„Warum sollten Sie?“
„Warum sollte ich nicht?“, fragte Harry zurück, während er sich zwang, ruhig zu bleiben. „Sie haben sich Sorgen um mich gemacht, auch wenn Sie mich nicht mochten. Sie haben mir danach geholfen, mit diesen Stunden und den Gesprächen …“, seine Ohren röteten sich vor Scham. „Ich weiß nicht, aber seit wir begonnen haben … begonnen haben zusammen zu arbeiten, fühle ich mich einfach besser.“ Snape beobachtete ihn wachsam. Harry seufzte. „Wenn Sie mir nicht glauben, können Sie Legilimentik anwenden“, sagte er. „Oder lassen Sie mich Veritasserum trinken. Ich weiß, dass Sie das schon immer wollten.“
Der ungläubige Ausdruck auf Snapes Gesicht wurde langsam von einem amüsiert-überraschten ersetzt.
„Es ist eine Schande, dass Ihr Vater oder Ihr Pate diese Aussage nicht hören konnten“, er grinste.
Harry biss sich auf die Lippen, um nicht zornig loszuschnauzen. „Ich bin nicht wie die“, murmelte er dunkel.
Snape schnaubte, aber kommentierte das nicht.
„Sie müssen Okklumentik bewältigen, Potter“, sagte er später ruhig.
Harry nickte.
„Können Sie … können Sie mich wieder unterrichten, Sir?“, fragte er, doch seine Kehle war so eng vor Nervosität, dass er kaum sprechen konnte.
„Sind Sie sicher, dass Sie mir vertrauen?“, Snapes Stimme war sanft, doch fest.
„Ja“, antwortete Harry nachdrücklich. „Und Sie …?“
Snape bewegte sich unruhig und räusperte sich.
„Wenn Sie versprechen, dass Sie nie wieder mein Denkarium ausspionieren, Mr. Potter, mache ich mit.“
Harry zwang sich, geradewegs in Snapes kalte, schwarze Augen zu blicken.
„Ich verspreche es. Und es tut mir wirklich leid, dass ich es getan habe.“
Für einen sehr langen Moment, starrte Snape unbewegt zurück. „Also schön. Aber was werden Ihre Freunde sagen, wenn sie erfahren, dass Sie nun drei Abende mit dem miesen Slytherinmonster verbringen?“
Harry grinste.
„Ron wird denken, dass ich noch verrückter als zuvor bin. Hermine wird glücklich sein, dass ich mit Okklumentik weitermache. Letztes Jahr, hat sie mich ständig deshalb genervt“, er lehnte sich zurück. „Aber, im Ernst, ich denke, sie werden Ihnen sehr dankbar sein.“
„Dankbar“, wiederholte Snape sarkastisch. „Wofür?“
„Dass Sie mir helfen“, sagte Harry. Snape schnaubte, doch machte keinen weiteren Kommentar.
Bei Beginn der Weihnachtsferien, fühlte sich Harry völlig erschöpft und nicht wenig zurück mit seinen Studien. Glücklicherweise hatte Hermine für Harry einen Stundenplan für die Weihnachtsferien erstellt und sie beide, sie und Ron, hatten entschieden zu bleiben und zu lernen, sodass Harry hoffte, die ganzen Sachen, die er während der ersten beiden Monate vernachlässigt hatte, aufholen zu können.
Hermine ließ ihnen freie Abende, sodass Harry etwas Tee mit Hagrid genießen konnte und einmal sogar mit McGonagall, die absolut erfreut über die Verbesserung von Harrys Noten und Benehmen war.
Obwohl Snape die Nachhilfestunden für beendet erklärt hatte, hörte Harry nicht auf zu den Okklumentikstunden zu gehen und zu ihren „Krankenflügelsitzungen“, um Tränke für Madame Pomfrey zu brauen. Als Harry, nach Snapes Entlassung von den Nachhilfestunden, das erste Mal am Montag danach erschienen war, hatte der Zaubertränkemeister sehr überrascht gewirkt.
„Was machen Sie hier, Potter?“, bellte er nervös.
„Sie sagten, kostenlose Hilfe sei immer nützlich“, antwortete Harry spöttisch und schlüpfte in den Raum neben einen erstarrten Snape.
„Also haben Sie entschieden keine Gnade mit Madame Pomfrey zu haben und noch mehr Zaubertrankzutaten von der Schule zu verschwenden“, sagte er mit einer Stimme, die eigentlich kalt klingen sollte, doch Harry grinste nur.
„Natürlich!“
Harrys Reaktion erschütterte Snape nur noch mehr.
„Ich hätte nie gedacht, dass ich in meinem ganzen Leben einmal mit einem Weasley übereinstimmen würde, aber Sie sind wirklich verrückt geworden, Potter“, flüsterte er mit aufgerissenen Augen, doch er hatte seitdem nicht wieder protestiert.
Das war das Ereignis gewesen, als Harry realisiert hatte, wie leicht und irgendwie herzlich ihre Beziehung geworden war. Selbst seine Okklumentik hatte gewaltige Fortschritte gemacht. Als er Snape nach dem Grund für seine schnelle Verbesserung gefragt hatte, antwortete er Harry in seiner üblichen Weise.
„Ehrlich, Potter, ich muss Ihnen doch nichts über Vertrauen erklären!“, schnappte er.
„Mein Vertrauen oder Ihres?“, fragte Harry zurück.
Snape grollte.
„Beides, du dummes Kind!“
Die Antwort überraschte Harry genug, um es zu wagen, die Frage zu stellen, die ihn schon lange beschäftigte. „Sir, warum haben Sie nie diese … diese Schranktür zerstört?“
„Weil ich nicht konnte“, zischte Snape zurück, doch Harry konnte kein Gift in seinem Ton erkennen, nur Beschämung.
„Warum?“
„Sie haben irgendeinen Schutzzauber darauf gelegt, schätze ich“, sagte er zornig. „Ich habe viele Male versucht ihn zu durchbrechen, wie Sie sich vorstellen können … Ich glaube, es war Black, der diesen Zauber in seiner Hausbibliothek gefunden hat … Ich kann ihn nicht brechen, bis ich genau weiß, was es für ein Zauber ist“, er winkte ab. „Gehen Sie Potter, Ihre Gryffindorfreunde werden nervös, wenn Sie zuviel Zeit hier verbringen … Sie werden denken, das Slytherinmonster habe Sie zum Abendessen verspeist …“
Während er ging, dachte Harry über Snapes erfolglose Versuche nach. Diese Schwachköpfe! Wie konnten sie es wagen …! Aber selbst, wenn Snape den Zauber nicht brechen konnte, er würde. Er hatte einen Vorteil, den Snape nicht hatte: er kannte einen der Leute, die den Zauber darauf gelegt hatten. Und Weihnachten war nicht mehr weit …
Der wirkliche Durchbruch in ihrer Beziehung geschah am Weihnachtsabend: ein sehr passendes Datum um Frieden und solche Dinge im Leben zu schließen.
Sie hatten Weihnachtsdinner in der Großen Halle zu elft: nur die drei Gryffindors und eine Zweitklässlerin aus Hufflepuff (sie war auch in den Gryffindorturm gezogen) waren von allen Schülern in diesem Jahr in der Schule geblieben, und sieben Erwachsene: Dumbledore, McGonagall, Snape, Trelawney, Hagrid, Flitwick und Filch, als Snape nach ein paar Löffeln der traditionellen Gemüsesuppe, plötzlich aufstand und in offensichtlicher Eile den Raum verließ.
Dumbledors Augen flackerten besorgt, Harry zuckte zusammen und sein Appetit verschwand. Er konnte sich nur einen Grund für Snapes Verhalten vorstellen und Dumbledores Reaktion bestätigte nur seine Besorgnis: sein Ex-Meister hatte den Tränkelehrer gerufen. Absichtlich sah er den Schulleiter fragend an, ohne sich Sorgen zu machen, ob er die Schlange in sich weckte und begegnete zwei nicht-zwinkernden blauen Augen, die sich nicht von ihm abwandten. Nach einem kurzen Augenblick, lächelte Dumbledore und hob beinahe unbemerkt seinen Daumen. „Professor Snape wird in Ordnung sein“, seine Botschaft war klar.
Doch Harry konnte nicht aufhören, sich Sorgen zu machen. Bald entschuldigte er sich und ging zurück in den nun ruhigen Gryffindor Gemeinschaftsraum und ließ sich in einen Stuhl vor dem Kamin fallen. Eine seltsame Vorahnung stieg in ihm auf und nach einigen Minuten des Nachdenkens, erriet er den Ursprung: irgendwo tief in seinem Geist, in dem Teil, den er sich bemühte vor Voldemort zu verschließen, spürte er ein unerträglich schreckliches Gefühl: eine triumphale Fröhlichkeit und die Erwartung von Rache. Harry hatte Angst. Snape war in Todesgefahr, da er war sich sicher. Als er sich stärker auf diesen Teil seines Geistes konzentrierte, flammte auf einmal Schmerz in seiner Narbe auf und seine Sorge verstärkte sich zehnfach.
by enahma
Vielen, vielen Dank für eure Reviews. Ich habe mich riesig über diese viele Zustimmung gefreut und ich hoffe, ihr bleibt mir auch weiterhin treu.
Die Figuren gehören immer noch J.K. Rowling, die Geschichte gehört enahma und ist unter "The cupboard" auf ff.net im Original nachlesbar.
Bis zum nächsten Kapitel-
Gruß Lucie
Vielen, vielen Dank für eure Reviews. Ich habe mich riesig über diese viele Zustimmung gefreut und ich hoffe, ihr bleibt mir auch weiterhin treu.
Die Figuren gehören immer noch J.K. Rowling, die Geschichte gehört enahma und ist unter "The cupboard" auf ff.net im Original nachlesbar.
Bis zum nächsten Kapitel-
Gruß Lucie
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