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von Summer2007
erstellt: 29.06.2007
letztes Update: 29.06.2007
Geschichte, Humor / P6
(fertiggestellt)
Für jegliche Kritik bin ich gerne zu haben, also zögert nicht ;-)
„Was?? Was soll das denn?“ Ungläubig schnaubend blickte Leonie auf den Bildschirm ihres Computers.
„Was soll heißen: „Virus gefunden“???“ Erneut blinkte ein Fenster auf. „Das darf doch jetzt nicht wahr sein“, quietschte sie hysterisch und hämmerte wie eine Besessene auf die Eingabetaste ihrer Tastatur.
Doch nichts geschah, auch ihre Maus ließ sich partout nicht dazu verleiten irgendeine Aktion auszuüben. „Was mach ich denn jetzt?“
Da fiel Leonies Blick auf ihr Handy neben ihr. Widerwillig nahm sie es in die Hand und wählte diese verhasste Nummer, die Nummer ihres Ex-Freundes.
„Leo, was verschafft mir die Ehre?“, hörte sie keine zehn Sekunden später die spöttische Stimme von Alex.
Leonie schloss die Augen, eilte aus dem Zimmer und rief sich zur Beherrschung, aber es fiel ihr ausgesprochen schwer ihn nicht anzuschreien.
„Ich brauch deine Hilfe“, brachte sie mit knirschenden Zähnen hervor.
Alex lachte auf. „Das ich das noch mal erleben darf. Was gibt’s denn?“
„Ich habn Virus auf meinem PC und jetzt funktioniert rein gar nichts mehr.“ So sehr es sie auch ärgerte, aber die Verzweifelung in ihrer Stimme ließ sich nicht abstellen.
„Und jetzt soll ich zu dir kommen und den weg machen?“, fragte Alex. „Es reicht auch, wenn du mir am Telefon sagst, was ich machen soll.“ Ein Virus in ihrer Wohnung reichte Leonie vollkommen.
Ihr Ex seufzte. „Was isn das für einer? Hat dein Anti-Virenprogramm den erkannt?“ „Ja, Moment“, murmelte sie hastig und stiefelte über ihr Papierchaos zurück ins Schlafzimmer.
„Irgendwie Mal/Packer oder son Kram, der Trottel sucht noch.“ „Oh.“ Alex´ einzigste Reaktion darauf war ein „Oh“? „Was heißt das?“ fragte Leonie leicht panisch.
„Den kriegst du da allein nicht runter, ich muss schon vorbei kommen, wenn deine Hausarbeit nicht flöten gehen soll.“ Als ob, sie schnaubte verächtlich.
„Schönen Dank auch, ich weiß ganz genau, was du Hirni im Schilde führst“, fauchte sie und legte eiskalt auf.
„So ein Arschloch, natürlich krieg ich den Scheiß da runter!“ Mit einem entschlossen Blitzen in den Augen ließ sie sich wieder in ihren Schreibtischstuhl plumpsen.
„So, du dummes Stück Plastik, du denkst wohl du kannst mir die Laune verderben, was?“ Eine Zornesfalte bildete sich zwischen ihren Augen, als sie den PC erneut hochfuhr und sich immer noch nichts rührte.
„Verdammte Scheiße, das darf ja wohl nicht wahr sein“, schrie sie und hämmerte abermals auf der Tastatur rum. Auf dem Bildschirm blinkte in unregelmäßigen Abständen immer wieder eine Viruswarnung auf.
Panik machte sich bei Leonie breit, ihre Hausarbeit, ihre Recherchen, einfach ihr gesamtes Medizinstudium war auf den Festplatten gespeichert, wenn der jetzt den Geist aufgeben würde... Sie schluckte, gar nicht auszudenken, was dann los wäre.
Leonie seufzte. Sie schaffte es eindeutig nicht alleine, also fuhr sie den PC abermals runter und kroch unter ihren Tisch um die ganzen Stecker zu entfernen. Gerade wollte sie sich erheben, als sie sich den schmerzhaft am Schreibtisch stieß.
„Aua!“, jammerte sie und kam mit einem noch wütenderen Gesichtsausdruck wieder zum Vorschein. „Was für ein herrlicher Tag“, bemerkte sie sarkastisch, strich sich die widerspenstigen, braunen Haare aus dem Gesicht und bückte sich abermals um ihre PC hochzuheben.
„Auch noch schwer machen, du Scheißteil, was?“, fauchte Leonie. „Aber warte, gleich wird dir das Lachen vergehen.“ Ein Spezialist war das Einzigste, das ihr jetzt Sinn machte und den würde sie hoffentlich drei Straßen weiter finden.
Mit einem düsteren Gesichtsausdruck, einem PC auf dem Arm und leise gemurmelten Verwünschungen gegen alle Hacker dieser Welt, gab sie vorbeigehenden Passanten ein merkwürdiges Bild ab, mochte es in Bremen auch selten geben, aber das war Leonie schnurzpiepegal.
Zehn Minuten später kam sie mit schmerzenden Armen und pochendem Kopf an ihrer letzten erdenklichen Anlaufstelle an.
„Kann ich ihnen helfen?“ Zwei grün-braune Augen sahen sie fragend an. Leonie war einen Augenblick verdutzt, nickte aber kurze Zeit später dankbar. „Das ist furchtbar nett, ich glaub sonst erledigt sich mein Problem gleich von selbst indem mein PC auf den Boden knallt."
Ihr blonder Gegenüber schaute sie amüsiert an und hielt ihr dann die Tür zum PC-Laden auf. Nett, entschied Leonie, verdammt süß und charmant, Eigenschaften, die sie bei Alex verzweifelt gesucht hatte.
„Ah, Herr Fritz, da sind sie wieder“, kam ein Mann auf den Blondschopf zu, während Leonie zu einem Tisch in ihrer Nähe zusteuerte.
„Das scheint einer dieser üblen Mal/Packer Viren zu sein, aber das kriegen wir mit passender Software schnell wieder hin“, versicherte der Mann Leonies flüchtigem Bekannten. Dieser seufzte, als Leonie schlagartig herumwirbelte.
„Moment mal, genau so einen Scheiß hat mir mein Anti-Virenprogramm auch angezeigt“, sagte sie mit erschrockener Miene und entschied sich ihren kranken PC neben ihr abzustellen. Ihre Arme schrieen geradezu nach Erlösung.
„Kein Grund zur Beunruhigung“, lächelte der brünette Mitarbeiter. „Wir überprüfen das und dann können sie ihren PC in ein paar Tagen wieder abholen.“ Leonie nickte. „Wir bräuchten nur noch ihren Namen, Adresse und Telefonnummer“, fuhr er fort und deutete auf einen leeren Schreibtisch, offenbar seinem eigenen.
Sie nickte abermals und ging zu besagten Tisch. „Auch bei ihnen Herr Fritz wird das kein Problem sein, wir melden uns bei ihnen, nur bräuchten wir noch Telefonnummer und Adresse. „Geht in Ordnung.“
Da war sie schon wieder, diese Stimme. Sie verursachte bei Leonie eine wohlige Gänsehaut und wär sie nicht so wütend und aufgeschmissen, hätte sie sich wohl an den netten jungen Mann rangemacht.
Sie seufzte, als sich Besagter neben sie setzte und sie angrinste. „Das wird schon wieder“, sagte er. „Ich hoffe es“, murmelte Leonie düster und fing an, ihre Personalien auf das ihr entgegengestreckte Papier zu schreiben.
„Gut, wir melden uns dann bei ihnen Frau Sievers und bei ihnen natürlich auch Herr Fritz.“ Leonie nickte, schüttelte ihrem hoffentlichen Lebensretter zum Abschied die Hand und wandte sich zum Gehen.
„Darf ich sie vielleicht noch zu einem Kaffe einladen?“ Sie drehte sich überrascht um erblickte ihren Leidensgenossen. „Wenn ich den Kaffe gegen irgendwas Hochprozentiges eintauschen darf, nehm ich das gerne an“, erwiderte sie mit einem mattem grinsen.
Trotzdem leugnete sie nicht, dass sie sich über das Angebot freute. Ihr Gegenüber lachte und hielt Leonie abermals die Tür auf. „So schlimm?“ „Sie haben ja keine Ahnung“, schnaubte sie.
„Clemens.“ Sie drehte sich um. „Wie?“ Er lächelte. „Sie können mich gerne Clemens nennen, schließlich sind wir Leidensgenossen.“ Auch Leonie lächelte. „Stimmt. Ich bin Leonie.“ Clemens schüttelte ihre Hand. „Freut mich.“
Je öfter sie ich ansah, desto sympathischer war er ihr. Jetzt erst fielen ihr die wenigen Sommersprossen auf, die sich über seinen Nasenrücken und seinen oberen Wangenpartien verteilten.
Clemens sah wirklich ziemlich gut aus. Normalerweise stand sie nicht auf blonde Männer, aber ihm machte sie liebend gerne eine Ausnahme. „Was ist denn so wichtiges auf ihrem PC?“, riss Umschwärmter Leonie aus ihren Gedanken.
Ihr Blick verdüsterte sich schlagartig. „Meine Hausarbeit, an der ich seit drei Wochen sitze, plus meine Recherchen für Besagtes Werk.“ Clemens hob eine Augenbraue. „Machen sie keine Sicherheitskopien?“
Ihre Wangen färbten sich leicht rot. „Ich hatte keine Rohlinge mehr und ich hätte auch nicht gedacht, dass mir irgendjemand ernsthaft einen Virus über ICQ schickt.“ Er stutzte. „Haben sie den Mist auch von jemanden aus ihrer Kontaktliste geschickt bekommen?“ „Ja, allerdings und als ich bemerkt habe, was das ist, hat derjenige nicht auf mein Anschreiben reagiert.“
Clemens nickte. „War bei mir genauso und zehn Sekunden später verabschiedete sich mein PC ganz von mir.“ Sein gespielt trauerndes Gesicht brachte Leonie zum Lachen, überhaupt besserte sich ihre Laune langsam.
Sie waren an einem Cafe angekommen und dankbar nahm Leonie auf den von Clemens angebotenen Stuhl platz und seufzte. „Und ich dachte, es könnte gar nicht mehr schlimmer kommen, als ich auch noch meinen Ex-Freund um Hilfe bitten musste.“
Belustigt sah Clemens sie an. „Ist das ein Computerfreak oder wieso haben sie ausgerechnet ihn gefragt?“ „Freak ist gar kein Ausdruck.“ Leonie schüttelte ihren Kopf und strich sich die Haare aus dem Gesicht. „Manchmal glaube ich, dass er mit seinem PC verheiratet ist.“
Sanft tätschelte Clemens ihre Hand. „Das wird schon“, sagte er, als eine Bedienung zu ihrem Tisch kam. „Was kann ich ihnen bringen?“, fragte diese und zückte ihren Notizblock und Kugelschreiber.
„Einen Ramazotti“, sagte Leonie deprimiert und erntete von Clemens einen Lacher. „Ich nehm auch einen“, sagte er der Frau, die darauf verschwand. „Sie haben das tatsächlich ernst gemeint?“
Leonie lächelte. „Todernst, sonst platz ich gleich vor Wut und Kopfschmerzen.“ „Auch noch krank?“, fragte Clemens gespielt besorgt und grinste. „Ich hab mir beim PC abbauen nur den Kopf gestoßen, als wenn’s nicht schon schlimm genug wäre.“
„Ach kommen sie, lassen sie sich dadurch die Laune nicht verderben, das passt gar nicht zu ihnen.“ Leonie sah auf und sah Clemens lächeln, als die Bedienung mit den beiden Gläsern kam. „Na dann, Prost“, grinste Clemens und reichte ihr ein Glas mit der dunklen Flüssigkeit.
„Danke, auf das alles besser wird“, lächelte Leonie, stieß mit Clemens an und nahm einen Schluck von dem alkoholischen Getränk. „Und besser?“, fragte er mit einem forschenden Gesichtsausdruck.
„Es wird, es wird“, seufzte sie theatralisch und sah ich an. Wieder diese hübschen Augen. Vielleicht war dieser Tag doch nicht so schlimm wie vor wenigen Stunden noch befürchtet. Clemens lächelte sie an. Hatte sie vielleicht gesagt? Der Tag war doch klasse.
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