Geschichte: Fanfiktion / Prominente / Sport / Fußball / Adios
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von LillyAmalia    erstellt: 26.06.2007    letztes Update: 26.06.2007    Geschichte, Allgemein / P6    (fertiggestellt)
„Adiós“


Disclaimer
: Ich verdiene mit dieser Fanfiktion kein Geld. Ich kenne keinen der Spieler und möchte deutlich zu verstehen geben, dass diese Story lediglich Fiktion ist. Wie die Spieler in Wirklichkeit sind weiß ich nicht und einige Dinge werden frei erfunden sein. Jedoch werde ich ein paar reale Fakten einbauen.

Inhalt: Saison 2007/2008. Miroslav Klose hat noch im Sommer zu Bayern München gewechselt. Anfangs fühlt er sich erleichtert, doch schnell merkt er, dass er einen vielleicht Fehler begangen hat.

Widmung: Für Kitti. Vielen lieben Dank für deine Freundschaft! Ich bin echt froh dich zu kennen! Auch vielen lieben Dank fürs korrigieren! *knuddel*

Ich würde mich über Kommentare freuen ;)

*~*~*

„Hiermit beende ich mit sofortiger Wirkung meine Karriere als Profi-Fußballer.“ Der Satz hallte in dem großen Raum wieder. Es herrschte Stille, absolute Stille. Die Reporter schienen allesamt den Atem angehalten zu haben und nicht mal einen Fotoapparat hörte man klicken. Es war beängstigend ruhig. Doch dieser Augenblick hielt nicht allzu lange an, denn schon in der nächsten Sekunde stürmten die Journalisten mit Fragen auf ihn ein. „Warum beenden Sie jetzt Ihre Karriere?“ „Was gedenken Sie nun zu tun?“ „Werden Sie nun eine Trainerlaufbahn einschlagen?“

Der junge Mann auf dem Podest schloss für einen kurzen Moment die Augen. Endlich war es raus. Nun war er frei. Nein, richtig frei würde er erst nach der Pressekonferenz sein. Er seufzte und sagte leicht lächelnd: „Immer mit der Ruhe! Ich werde Ihnen fast jede Frage beantworten... Fangen wir mit Ihnen an.“ Er deutete auf eine Frau in der ersten Reihe. „Miro, warum beenden Sie Ihre Karriere ausgerechnet jetzt so mitten in der Saison?“ Innerlich seufzte er. Eigentlich wollte er auf keine der Fragen eine Auskunft geben. Lieber hätte er wie fast immer geschwiegen, doch er hatte sich geschworen, dass er nun einen endgültigen Schlussstrich zog, um ein neues Leben beginnen zu können.

„Nun, ich höre jetzt auf, da es für mich sinnvoll erscheint. Ich habe bereits seit Wochen an keinem Spiel teilnehmen können, da ich körperlich sehr angeschlagen war. Ich glaube, so miese Blutwerte sieht man doch sehr selten.“ Er grinste verschmitzt und einige Presseleute lachten. Was für eine Farce, dachte er und fuhr fort, „Ich hatte gehofft, dass sich meine Verfassung bessert, wenn sich der Rummel um meinen Wechsel gelegt hat, doch es tat sich leider nichts. Des weiteren gibt es auch private Gründe, warum ich gehe. Meine Söhne sind nun 3 Jahre alt und ich habe so viel in ihrer Entwicklung verpasst und das möchte ich unbedingt ändern. Ich möchte zusammen mit meiner Familie irgendwo ansässig werden und dort so viel Zeit wie möglich mit ihr verbringen. Das ist leider als Fußballer nicht möglich.“

Ein Herr aus einer der hinteren Reihen erhob sich und fragte: „Man munkelt, dass Sie sich nie richtig in die Mannschaft integrieren konnten und deswegen auf die Bank mussten. Inwieweit stimmt das?“ Innerlich war Miroslav Klose vollkommen genervt von dieser Pressekonferenz, doch äußerlich mimte er noch immer den netten Miro von nebenan. „Das ist vollkommener Quatsch. Vom ersten Tag an haben wir uns alle ganz gut verstanden. Vor allem auf der sportlichen Ebene. Es machte wirklich Spaß mit den Leuten zu spielen. Wie gesagt, ich bin gesundheitlich extrem angeschlagen und ich sehe keinen Sinn darin, mich weiter zu quälen.“ Noch über eine Stunde beantwortete er die Fragen, bis die ganze Konferenz zu Ende war. Noch bevor er allein den Raum verließ, verabschiedete er sich sowohl von seinem Berater und den Verantwortlichen seines nun ehemaligen Vereins.

Während er mit zügigen Schritten den langen Flur entlang schritt, wurde ihm bewusst, dass er nun endlich frei war. Er atmete tief durch. Im Moment schossen die Gedanken wie wild durch seinen Kopf, so dass er in diesem Augenblick nicht in der Lage war einen klaren Kopf zu bewahren. Der Pole beschleunigte seine Schritte, die ihn nach draußen, vor das Gebäude, führten. Dort eilte er sofort zu seinem Wagen und machte sich auf in Richtung Flughafen. Er hatte noch etwas zu erledigen. Etwas, was ihm wichtig war. Sogar wichtiger als sich sofort von seinen Teamkollegen zu verabschieden.


xyxyxyy


Wenige Stunden später stand er vor einem großen Stadion. Als er hier vor Jahren begonnen hatte, hatte er fast eine halbe Stunde davor gestanden und es fasziniert angesehen. Jetzt, knapp dreieinhalb Jahre später stand er erneut davor, doch dieses Mal wartete er auf jemanden. Und dieser Jemand tauchte auch schnell auf.
„Ah, Herr Klose. Schön Sie wiederzusehen. Wie geht es Ihnen?“, erkundigte sich der Hausmeister. „Sehr gut, danke der Nachfrage... Kann ich rein kommen?“ „Aber natürlich. Ich habe alles geöffnet. Wenn Sie fertig sind, dann sagen Sie mir doch bitte Bescheid, damit ich abschließen kann, in Ordnung?“ „Ja, vielen Dank... Aber da ist keiner von den Spielern drin, oder?“ „Nein, die sind nicht da. Gut, ich muss dann mal wieder. Bis später.“ „Bis später“, murmelte Miro und betrat leicht zögernd das Stadion.

Es war schon einige Zeit her, dass er diese Gänge das letzte Mal entlang gegangen war. Langsam setzte er Fuß vor Fuß. In den letzten Wochen und Monaten hatte sich der Pole absolut nicht wohl gefühlt, doch seit er dieses Stadion, seine Vergangenheit, betreten hatte, verspürte er, wie die Lebensgeister in ihm geweckt wurden. Warum musste ich erst einen Fehler machen, bevor ich verstanden habe, wo mein Herz hingehört? Wieso habe ich nicht genauso schnell wie Torsten verstanden, dass hier mein Herz hingehört? Schließlich erreichte er das Spielfeld. Lange war es her. Seufzend ließ Miro seinen Blick über den Rasen wandern. Wie sehr hatte er diese spezielle Grünfläche vermisst.

Er biss sich auf die Unterlippe, während er sich nochmals vergewisserte, dass niemand außer ihm hier war. Daraufhin bückte er sich und riss einige Grasbüschel aus und verstaute das Grün in einem kleinen Gefrierbeutel, den er wieder in seiner Jacketasche verschwinden ließ. Anschließend zog er sich seinen Jogginganzug aus und warf ihn zusammen mit der Sporttasche unachtsam beiseite. Auch wenn es ziemlich kühl war, trug er unter dem Jogginganzug nur kurze Sachen. Ohne zu zögern begann er zu laufen. Runde für Runde absolvierte Miro. Obwohl er sich schon nach kurzer Zeit arg ausgelaugt und erschöpft fühlte, lief er weiter, denn irgendwie hatte dieses sture Laufen etwas Beruhigendes und Befreiendes an sich, was ihn dazu trieb weiter zu rennen. Während er so vor sich her lief, merkte er, wie sich seine Gedanken verflüchtigten und er nicht weiter über alles nachdachte. Ihm war jedoch klar, dass spätestens wenn er aufhören würde zu laufen all seine Grübeleien weitergehen würden. So war es immer gewesen und so würde es wohl auch immer bleiben.

Wie viel Zeit vergangen war, wusste Miro nicht als er endlich bei seinen Sachen wieder zum Stehen kam, aber es schien, als hätte er sich lange „ausgetobt“. Es wurde bereits dunkel und der Pole war froh, dass der Hausmeister die Flutlichter angeschaltet hatte. Fröstelnd zog er sich seinen Jogginganzug wieder an. Anschließend ging er auf die Ersatzbank zu, wo er sich niederließ. In seinen Gedanken spielten sich, wie bereits seit vielen Monaten, was- wäre gewesen – wenn – Szenarien ab. Selbst jetzt, wo er seine Karriere beendet hatte, kam er zu keinem sinnvollen Ergebnis. Es war einfach wie verhext. Anscheinend meinte es das Schicksal nicht gut mit ihm, sonst hätte er vor Monaten, als er so sehnlichst nach einem Zeichen gebettelt hatte, einen Wink bekommen.

„Ach nee, wen haben wir denn da? Kommst du etwa betteln, dass du schon wieder nach Bremen zurückkehren darfst?“, erklang eine gehässige Stimme neben ihm. Erschrocken sah Miro in die Richtung aus der die Stimme gekommen war. Nur wenige Meter entfernt stand sein ehemaliger Teamkollege Torsten Frings. Der Bremer betrachtete den Polen mit einem undefinierbaren Blick und hatte die Arme vor der Brust verschränkt. So wie er da stand, strahlte er eine ungeheure Macht und Überlegenheit aus, gegen die man keine Chance zu haben schien. „Sag mal, haben sie dir in Bayern verboten zu sprechen, oder warum antwortest du mir nicht? Ach, ich vergaß, der Herr Klose muss ja nicht reden. Warum auch? Sonst bekommt er es ja nie so, wie er es gerne haben würde. Einfach mal ein bisschen auf die Tränendrüse drücken und schon haben alle Mitleid! Es hat sich nichts verändert, absolut nichts und noch immer kotzt es mich gewaltig an!“ Torsten wollte gerade wieder gehen, als er ein leises „Bitte bleib“ vernahm. Innerlich lächelte er. Es hatte also geklappt. So setzte er sich neben den Polen und wartete darauf, dass dieser anfing zu sprechen.

„Ich habe meine Karriere als Fußballer beendet.“, murmelte Miro und Torsten hatte Probleme ihn zu verstehen.
„Ach, wenn es mal nicht so läuft, wie du es gerne möchtest, gibst du gleich auf? Das ist wirklich fei...“, sprach Torsten, doch bevor er den Satz beenden konnte, hatte Miro ihn unterbrochen.
„Ich habe nicht aufgegeben. Ich musste aufhören.“
Aber warum?“, erkundigte sich der langhaarige etwas sanfter als zuvor.
„Es... es gibt mehrere Gründe“, antwortete Miro zögernd. Einerseits würde er Torsten gerne alles erzählen, doch andererseits wusste er nicht, ob er dem Mittelfeldspieler vertrauen konnte. Zuviel stand zwischen ihnen und das schien auch sein Gegenüber gerade zu bemerken.
„Ich weiß, dass wir nach meinen Aktionen nicht mehr viel miteinander zu tun hatten, aber du bist und wirst immer ein Freund von mir bleiben. Glaub mir, wenn du mir jetzt etwas erzählst, dann bleibt das auch unter uns... Aber erzähl mir bitte keine Lügen, wie der Presse vorhin.“
Miro warf seine letzten Bedenken über Bord und fing an zu erzählen.

„Ich habe die Presse nicht nur belogen. Ich habe einfach nicht alles erzählt oder die Tatsachen ein bisschen verdreht... Meine Blutwerte sind wirklich schlecht. Jetzt nicht so mies, aber von gut sein, sind sie dennoch weit entfernt. Mein Körper und meine Psyche haben sich seit damals, als das Trara um einen Wechsel entstand und die Gerüchte über meine Familie anfingen, nie erholt. Ich habe ständig nur meine Klappe gehalten und alles in mich hineingefressen. Weißt du, meine Ehe stand wirklich kurz vor dem Ende, aber nicht weil einer von uns beiden fremdgegangen ist, sondern weil ich meine verdammte Fresse gehalten habe!“, brauste Miro auf. Torsten war erstaunt. In all der Zeit hatte er den Stürmer nie so erlebt. Natürlich regte sich der Pole auch mal auf, aber er hatte nie erlebt, dass er derart in Rage war wie jetzt.
„Ich hätte durch dieses schwachsinnige Verhalten fast meine Familie und meine Karriere verloren. Es war so dumm von mir.“
„Es schien in der Situation eben die beste Lösung zu sein“, versuchte Torsten Miro etwas zu beruhigen.
„Aber es war nicht das Richtige und das hat mich fast Kopf und Kragen gekostet. Das Schlimmste dabei ist jedoch, dass ich einige wertvolle Freunde hier in Bremen verloren habe. Allen habe ich mit meinem Verhalten einen Schlag ins Genick gegeben... Ich habe erst gemerkt, dass ich euch auch persönlich und nicht nur vereinsmäßig treffe, als es schon zu spät war. Das kann ich leider nicht mehr gut machen, auch wenn es mir schrecklich leid tut... Nein, Torsten, sag dazu nichts. Fakt ist, dass ich ein verdammtes Arschloch war.“ Die Männer schwiegen einige Minuten, bevor Miroslav fortfuhr.
„Ich habe aus zwei guten Gründen auf der Bank gesessen: Zum einen habe ich miserabel gespielt und zum anderen hatte ich von Anfang an keine Chance gegen die anderen Stürmer. Die Bayern wollten mich nur um zu zeigen: Haha, wir haben Klose und wir kriegen immer das, was wir wollen. In der letzten Zeit habe ich wirklich viel nachgedacht und mir war klar, dass man mich nicht so einfach ziehen lässt, also habe ich meine schlechte Gesundheit vorgeschoben und habe meine Karriere beendet... Tja, damit weißt du alles.“
"Ok, ich könnte jetzt sagen, dass ich dir genau das damals gesagt habe, aber ich lass es lieber bleiben.“
„Wäre wohl besser“, erwiderte Miro kurz angebunden. Wieder erfüllte die beiden ein Schweigen und jeder hing seinen eigenen Gedanken nach, bis Torsten die Stille unterbrach.

„Wen von deinen ehemaligen Freunden vermisst du am meisten?“
„Auch wenn es ziemlich schleimig klingt: dich. Ich fand dich vom ersten Moment an sympathisch und ich war froh, dass wir uns auch immer recht gut verstanden haben. Umso mehr haben mir deine Kommentare gegenüber der Bild wehgetan. So mies die Bild auch sein mag, aber es schmerzte. Als ich davon hörte, zerbrach die Freundschaft zwischen uns für mich. Und dann haben die Medien den Rest getan. Wir haben uns echt gegen einander aufscheuchen lassen. Unglaublich. Diese Farce beim Spiel gegen die Slowakei war echt der Hammer. Jetzt nicht grade im positiven Sinne, aber kaum zu glauben, dass uns die Leute das abgekauft haben.“
Lachend nickte Torsten. „Da sagst du was!“
„Was meinst du, können wir das Kriegsbeil irgendwann begraben?“, fragte Miro und musterte den Langhaarigen. Alles was er als Antwort bekam war ein Grinsen und eine Umarmung. Es war nicht mehr wie früher, nein, dieses Mal würde es viel besser sein. Ein engeres Band der Freundschaft verband sie nun. Beide hofften, dass es jetzt auch auf Dauer so bestehen blieb.

Sie saßen noch eine ganze Weile da, bis Miro auf seine Armbanduhr sah und auf polnisch fluchend aufstand. „Alles in Ordnung?“ „Nein, ich habe meinen Flieger verpasst!“ „Ach, das ist kein Problem. Du kannst mit zu mir kommen“, schmunzelte Torsten. „Nein, das ist echt nett, aber ich muss zu Sylwia. Ich will sie ungern so lange mit den Zwillingen alleine lassen, wenn sie sich nicht wohl fühlt!“ „Was ist denn los? Ist Sylwia ernsthaft krank?“, erkundigte sich der Bremer besorgt. Er kannte Miro’s Frau schon einige Zeit und wusste, dass sie eigentlich so gut wie nie krank war. Der Pole entspannte sich ein wenig und lächelte. „Sie ist nicht krank. Nur ein kleines bisschen schwanger...“ Überrascht umarmte Torsten seinen ehemaligen Kollegen erneut und gratulierte ihm.

Gemeinsam verließen sie nun langsam das Stadion. Bevor sie sich vollkommen von dem Bau entfernten drehte sich Miroslav Klose noch einmal um.
Innerhalb von wenigen Stunden hatte sich sein Leben komplett geändert. Doch dieses Mal war er zufrieden mit sich und seinen Entscheidungen. Seit langem fühlte er sich mal wieder richtig gut und er wusste tief in seinem Herzen, dass sein Leben einen neuen Weg ging. Er schwor sich, es sich nie wieder so leicht zu machen. Er würde nichts mehr in sich hineinfressen. Endlich wollte er für künftige Dinge Stellung beziehen und nicht mehr den Kopf in den Sand stecken. Diesen Wandel ging er tief in seinem Herzen ein und er würde ihm helfen nicht mehr Strauß zu spielen.

Torsten hielt in diesem Moment ein wenig Abstand, denn auch ihm war klar, dass Miro dabei war sich zu verändern. Vor allem war er dabei sich von seinem Leben, seinem alten Leben zu verabschieden.
Erst als er ein kurzes Gemurmel hörte und Miro weiterging, setzte er sich wieder in Bewegung und überbrückte die zwischen ihnen herrschende Distanz. Was sein ehemaliger Kollege gemurmelt hatte, wusste er nicht, aber das war ihm auch egal.

In Miroslav Kloses Gedanken hallte sein letztes Wort, das an das Stadion gerichtet hatte, wieder.

„Adiós.“


ENDE
 
 
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