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von Rebescha    erstellt: 16.06.2007    letztes Update: 01.07.2007    Geschichte, Romanze / P12    (fertiggestellt, keine anonymen Reviews)
Vielen Dank für die lieben Rewiews. Versuche mir weiter Mühe zu geben und hoffe meine Leser bleiben mir erhalten.
A prospos. Keine der hier beschriebenen Personen gehört mir usw. usf. Ich verdiene kein Geld damit. Bla Bla. ;)
Wünsche viel Spass beim Lesen und bin Für positive und auch negative Kritik offen.
LG Rebescha

2. Krankenhaus

Während der Fahrt beobachte ich…ja, wie heißt er eigentlich? Das kann doch nicht wahr sein. Jetzt bin ich schon ne ganze Weile mit ihm unterwegs und ich kenne nicht mal seinen Namen.
Er hält an einer roten Ampel. Der Regen prasselt immer noch unaufhörlich gegen die Scheiben und ich spüre langsam, wie sich wieder Wärme in meinem Körper einzunisten beginnt.
„Sag Sie, wie heißen Sie eigentlich?“ Ich schaue ihn fragend an und er beginnt zu grinsen, jedoch nicht ohne die Ampel aus den Augen zu lassen.
„Ich heiße Philipp. Lassen wir das ‚Sie’ am besten gleich weg, ok?“ Er schaut mich an, sucht in meinen Augen nach Bestätigung.
Ich nicke.„Rebecca. Nett Dich kennen zu lernen.“
„Ganz meinerseits.“

„Wie spät ist es eigentlich?“ , frage ich als wir auf den Parkplatz des Krankenhauses fahren. Ich glaube wir sind fast eine halbe Stunde gefahren. So kommt es mir zumindest vor. Mein Fuß tut immer noch höllisch weh und ich kann ihn nicht ohne große Schmerzen bewegen.
„Kurz vor halb 10. Warte hier, ich besorge einen Rollstuhl oder so was in der Art.“ Er steigt aus und joggt zügig durch den Regen auf das Gebäude zu.

Irgendwie kommt er mir bekannt vor, als hätte ich ihn schon mal irgendwo gesehen. Kann eigentlich nicht sein. München ist so riesig, da ist es eher unwahrscheinlich, dass man einer Person mehr als einmal über den Weg läuft. Vielleicht sieht er jemandem auch einfach nur sehr ähnlich.
Philipp kommt zurück. Er schiebt einen riesigen Stuhl vor sich her. Er selbst ist dahinter kaum noch zu sehen, nur seine Augenpartie und der dunkelblonde Haarschopf ragen über die monströse Lehne herüber. Sieht komisch aus und ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. Ich sollte mich jedoch nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen, ich selbst bin ja auch nicht die Größte.
Er öffnet die Autotür und reicht mir seine Hand, an der ich mich nach oben ziehe. Im Gegensatz zu meinen Händen sind seine angenehm warm. Er hatte schöne, gepflegte Hände, die trotz ihrer Zierlichkeit mich festhielten und mir so Sicherheit gaben.
„Vielen Dank.“, antworte ich und lasse mich in den gigantischen Stuhl plumpsen. Philipp beginnt zu lachen als er mich in dem Stuhl sieht. „Du siehst so verloren aus in dem Ding.“
„Nicht witzig. Überhaupt nicht witzig…“ , lache ich ihn an, versuche dabei aber böse zu schauen.

Mit einem ächzenden Geräusch öffnet sich die gläserne Tür. Trotz des kurzen Weges vom Wagen zum Eingang hatte uns der Regen wieder eiskalt erwischt. Völlig durchnässt schiebt mich Philipp in Richtung Anmeldung. Dort sitzt ein älterer Herr, der in einer Zeitschrift blättert. Ich klopfe leicht gegen die Scheibe. Er sieht genervt auf.
„Was kann ich für Sie tun?“
„Entschuldigen Sie die Störung, aber ich habe mir den Fuß verknackst und…“
„Moment bitte.“ Das Telefon klingelt.
Ein wenig erbost sehe ich über die Lehne zu Philipp, der mich immer noch freundlich anlächelt. Seine Haare sind klitschnass und ein Wassertropfen nach dem anderen rinnt an seinen Wangen und an seiner Nase herab.
Er sieht eigentlich gar nicht schlecht aus. Hat ein hübsches Gesicht und anscheinend auch einen tollen Körper. Seine Jacke hatte er im Auto gelassen und das beigefarbene T-Shirt lag vom Regen dicht an seinem Körper an. Am schönsten waren jedoch seine Augen. Die sind mir gleich am Anfang aufgefallen. Wunderschöne blaue Augen…
„Rebecca?“ fragend schaut mich Philipp an „Er hat dich was gefragt.“
Erschreckt drehe ich mich zu dem unfreundlichen Mann an der Rezeption, doch der telefoniert noch angeregt mit seinem Gesprächspartner. Im Augenwinkel sehe ich einen weißen Kittel und drehe mich zu ihm. Vor mir steht ein großgewachsener Mann mit leichtem Bierbauch und einer riesigen Brille.
„Mein Name ist Dr. Behrendt, ist alles in Ordnung mit Ihnen?“ Er schaut mich besorgt an und leuchtet mir mit einem kleinen Lämpchen direkt in die Augen.
„Aua, verdammt. Es ist nur mein Fuß, bin umgeknickt!“ Ich blinzele geblendet vor mich hin und sehe direkt vor mir einen hellen Punkt, der jedoch sofort wieder verebbt.
„Ich schicke Ihnen eine Schwester die mit Ihnen die Formalitäten klärt.“

Gesagt, getan. Kurze Zeit später kam eine Schwester angewackelt. Sie war klein, rund und sah irgendwie freundlich aus. Sie brachte zwei Decken und zwei Tassen mit, die sie uns freudig entgegen streckte.
„Hallo. Ich bin Theresia und ich habe euch was warmes mitgebracht.“ Freudig legt mir Philipp die Decke um die Schultern und reicht mir die Tasse, um sich danach selbst in das wärmende Stück Stoff einzuwickeln und den heißen Tee richtig zu genießen.
Nach und nach nimmt Theresia meine Personalien auf und ich bemerke wie Philipp sich immer wieder unruhig umschaut und nervös mit den Händen an der Tasse trommelt.
Als Theresia mir alle möglichen Fragen gestellt hat, widme ich meine Aufmerksamkeit voll und ganz meinem Gegenüber.
„Philipp, was ist los mit Dir?“
„Nichts schon gut.“ Wieder schaut er sich um, als würde er nach etwas suchen.
„Wenn du weg musst, dann fahr, ich halte Dich doch eh schon viel zu lange auf und verderbe Dir dein Wochenende.“, verständnisvoll schaue ich ihn an, sehe wie er die Tasse in seinen Händen dreht. Seine schlanken Finger umfassen sie kräftig.
„Ach quatsch. Mach Dir mal keine Sorgen um mich. Erstmal muss dein Fuß versorgt werden.“

Eine Stunde und 37 Minuten später betrete ich wieder den Warteraum. Diesmal habe ich wirklich genauestens auf die Uhr geachtet und gehofft, dass alles schnell vorbeigeht. Ich glaube, dass ich mittlerweile im Dunklen leuchte, so viele Röntgenaufnahmen, wie Dr. Behrendt von mir hat machen lassen.
Er hatte wirklich auf mich gewartet.
„Und?“, fragte der nun schon wieder trockene Philipp erwartungsvoll.
„Starke Bänderdehnung. Verband. Schiene. Krücken…und Stöckelschuhverbot. Ruhe wäre auch nicht schlecht, hat Dr. Behrendt gesagt. Man gut, dass ich auch Turnschuhe zu Hause habe. Und Wochenende.“, verschmitzt zwinkere ich ihm zu. „Krücken bringt Theresia mir gleich vorbei.“
„Hast ja noch mal Glück gehabt. Hätte auch schlimmer sein können.“, erwidert er.

Pfeifend kommt die rundliche Schwester um die Ecke geschlurft. In der Hand zwei rote Krücken.

Philipp und ich verlassen das Krankenhaus. Der Herr von der Anmeldung telefoniert immer noch oder vielleicht doch schon wieder? Glaube nicht...
Es ist mittlerweile stockdunkel geworden und das Licht der Laternen auf dem Parkplatz bringt nur wenig Hilfe. Wenigstens regnete es nicht mehr.
Das Auto endlich ertastet, steigen wir ein und Philipp startet den Motor.
„Wo musst du denn überhaupt hin?“
„Helenienstraße.“
Philipp schaut mich mit einer hochgezogenen Augenbraue an und beginnt in seinem Handschuhfach zu wühlen, um dann stolz sein ‚Tom-Tom’ zu präsentieren.
Ich fange laut an zu lachen, als er versucht das Ding in Gang zu bringen und das alles nicht so funktioniert wie er es gern hätte.
„Verdammter Mist. Ich lasse mir auch jeden Müll andrehen.“, flucht er und tippt wie wild auf dem Display herum. Vorsichtig nehme ich ihm das Navigationssystem aus der Hand und beginne die notwendigen Daten einzugeben. Verdutzt schaut er mich an, lässt mich aber gewähren.
„Dann viel Glück dabei.“, sagt er mit leichtem Sarkasmusunterton.
„Bitte in 50 Metern rechts abbiegen.“, ertönt die Computerstimme.
Ich grinse ihn besserwisserisch an und dafür schenkt er mir einen ‚fiesen’ Blick.

„Sie haben Ihr Ziel erreicht.“, Philipp stellt das Navigationssystem ab.
„Na dann….Vielen Dank für alles.“ Ich reiche ihm zum Abschied meine Hand, die er ergreift.
„Es gibt nichts zu danken. Nicht für so was.“ Er hält meine Hand und beginnt mit dem Daumen kaum merklich über sie zu streichen, sieht mir tief in die Augen. Ein Schauer fährt über meinen Rücken. Ich habe das Gefühl, als würde ich in diesen blauen Augen ertrinken. Tiefblau wie das Meer so unergründlich und unbekannt schauen sie mich an.
„Ich sollte jetzt wirklich reingehen.“ Ich öffne die Tür und versuche auszusteigen, was sich jedoch als äußert schwierig gestaltet, da der Verband nicht auch noch schmutzig werden sollte. Ungestüm rolle ich mich aus dem Auto, nicht ohne das Lachen des jungen Mannes wahrzunehmen.
Gut Rebecca! Du bekommst auch in jeder Situation hin dich zu blamieren.
Ich winke ihm zu „Einen schönen Abend wünsche ich Dir noch.“ „Dito und gute Besserung.“, antwortet er. Das ist wohl das letzte was ich von ihm zu hören bekommen werde.

Ich will gerade in meiner Haustür verschwinden, da…
„Sehen wir uns wieder?“ Mein Herz macht einen Sprung. Darauf hatte ich gehofft. Ich drehe mich um und sehe in ein bittendes Gesicht, dass über den Beifahrersitz nach draußen schaut.
„Sehr gern.“ Ich werfe ihm die Visitenkarte meiner Kanzlei auf den Sitz, schenke ihm ein letztes Lächeln, dann fällt meine Haustür ins Schloss.

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Und? Was sagt Ihr?
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