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Geschichte: Fanfiktion
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von Deira
erstellt: 05.06.2007
letztes Update: 01.10.2007
Geschichte, Abenteuer / P16
(fertiggestellt)
Garrow hatte in der Nacht Selena seinen Platz im Bett neben Marian überlassen, er selbst hatte mit ein paar Decken vor dem Kamin vorlieb nehmen müssen. Sein Rücken schmerzte. "Eine Dauerlösung ist das nicht, da muss noch ein weiteres Bett her!" Marian nickte langsam. Sie hatte Tee aufgebrüht und für die Kinder Milch warm gemacht.
Plötzlich schlug Garrow mit der Faust auf den Tisch. "Selena wird heute einiges zu erklären haben!" Marian sah ihren Mann erstaunt an. "Du bist ja richtig wütend auf sie!" "Ja, das bin ich, verdammt noch mal! Ich will wissen, was sie sich eigentlich dabei gedacht hat, sich damals einfach so aus dem Staub zu machen. Du weisst doch auch noch, wie schlecht es Mutter damals deswegen ging. Und ich habe mir auch die grössten Sorgen gemacht. Was ist ihr nur eingefallen, sich nie mehr bei uns zu melden. Wir wussten ja nicht mal, ob sie nicht schon längst tot ist!"
Marian legte ihrem Mann beruhigend eine Hand auf den Arm. Aber im Stillen gab sie ihm recht. Oft genug hatte sie ihre Schwiegermutter trösten müssen, wenn diese wieder voller Verzweiflung an ihre verschwundene Tochter dachte, oft hatte die gutherzige Frau geweint. "Sie hat nicht mal gewusst, dass sie bereits ein Enkelkind hat, als sie vor drei Jahren gestorben ist", dachte Marian.
Im Nebenzimmer rumpelte es, und einen Moment später stand Roran samt seinen Holzpferdchen in der Küche. "Milch haben!" forderte der kleine Junge lautstark. Zum ersten Mal heute morgen lächelte Garrow. Sein kleiner Sohn brachte ihn immer zum Lächeln.
Roran griff nach seinem bereits bereitgestellten Becher Milch und verschüttete beim Trinken die Hälfte. "Roran, pass doch ein wenig auf, Frieda muss nun immerhin für ein weiteres Kind Milch geben, da sollten wir nicht so verschwenderisch damit umgehen." Marian sah ihren Sohn mahnend an. Doch Roran lachte nur. "Frieda viel Milch! Mama melken!" Nun musste Marian auch lächeln. Ihr Sohn hatte Frieda die Kuh sehr gerne und schaute ihr oft beim Melken zu. Frieda war in einem kleinen Stall dirket neben dem Haus untergebracht, zusammen mit Martin, dem Esel.
Die Schlafzimmertür öffnete sich und Selena betrat mit ihrem kleinen Sohn an der Hand die Küche. "Guten Morgen," sagte sie schüchtern und leise.
Garrows Lächeln verflog, Selena bemerkte es mit einem traurigen Blick. "Morgen Selena, nun setzt euch erst mal hin und esst etwas, und dann hast du mir einiges zu erklären!" Sie nickte stumm. Garrow hatte ja nicht unrecht, ihre Familie hatte ein Recht darauf zu erfahren, was ihr widerfahren war.
Nach dem Frühstück saßen die drei Erwachsenen noch am Tisch. Marian hatte vorher schnell die Tiere im Stall gefüttert und nun in der Küche eine Decke auf die Erde gelegt. Dort saßen die beiden Kinder. Roran spielte mit seinen Holzpferden und Murtagh schaute zu. Vorhin hatte er auch einmal nach einem der Pferdchen gegriffen, doch Roran hatte es ihm mit einem lauten "MEINS!!!" wieder abgenommen. Nun hatte der kleine Murtagh sich auf der Decke neben Roran zusammengerollt. Sein Rücken tat so weh, aber wenn er sich hinlegte, dann war es etwas besser.
"Ich werde nachher Gertrud holen, sie soll sich um Murtaghs Verletzung kümmern!" Marian sah mitleidig auf das kranke Kind.
"Erzähl uns nun bitte, was damals eigentlich in dich gefahren ist, uns einfach so im Stich zu lassen." Garrow sagte es lauter als notwendig und Murtagh zuckte ein wenig zusammen, während Roran seinen Papa nur groß ansah. Papa wurde doch sonst niemals so laut.
Selena sah ihren Bruder traurig an. "Du hast ja Recht mit deinen Vorwürfen, es tut mir so leid, was ich getan habe, glaub mir, ich habe es in all den Jahren bitter bereut." Sie zögerte einen Moment. "Mutter, sie ist tot, nicht wahr?" fragte sie leise. Garrow nickte. "Sie hat bis zu ihrem Tod gehofft, dich noch einmal zu sehen. Was hast du ihr nur angetan?"
Tränen traten in Selenas Augen. Marian nahm sanft die Hand ihrer Schwägerin. "Erzähl uns doch einfach die ganze Geschichte aus deiner Sicht," bat sie freundlich.
Selena nahm einen Schluck Tee aus dem Becher, den Marian ihr vorhin, als sie aus dem Stall gekommen war, hingestellt hatte. "Ihr wisst doch noch damals, als ich mit Mutter nach Theringsford gegangen bin, um ihre alte Freundin Werona zu besuchen?" Garrow und Marian nickten. Die beiden hatten sich damals gerade verlobt und waren frisch verliebt gewesen, deshalb hatte Garrow seine Mutter und seine Schwester auch nicht begleitet, er hatte Zeit mit Marian verbringen wollen.
"Nun, in Theringsford fand gerade das alljährliche Frühlingsfest statt, und ich stand gerade an einem Marktstand, an dem ein Händler Stoffe anbot, die viel zu teuer für mich waren, als plötzlich Soldaten ins Dorf kamen. Es waren etwa 20 Mann. Die benahmen sich wie die Barbaren, sie zertrümmerten die Marktstände, gingen in die Häuser und zerrten die Leute raus, sogar die alte kranke Großmutter von Bauer Hubert durfte nicht in ihrem Haus bleiben. Außerdem durchwühlten die Soldaten die Ställe der Häuser, und dann wurden sie offenbar fündig.
Zwei Männer wurden aus einem Stall gezerrt, und einer der Soldaten zog sein Schwert, ging auf die beiden zu und sagte laut: "Nun seht ihr alle mal, was mit Rebellenabschaum passiert, die können sich nicht verstecken, wir kriegen sie alle." Und dann schlug dieser Soldat tatsächlich beiden Männern den Kopf ab. Vor uns allen. Wir waren alle so entsetzt."
Garrow nickte. Seine Mutter hatte ihm entsetzt von dem Vorfall berichtet. Aber es war glücklicherweise das erste und das letzte Mal gewesen, dass es einen solchen Vorfall in der Gegen gegeben hatte. Rebellen, so etwas gab es hier sonst nicht.
Selena fuhr mit ihrer Erzählung fort:" Ich war so entsetzt, all das viele Blut, ich musste mich erst einmal hinsetzen, und in all dem Trubel hatte ich auch noch Mutter und Werona aus den Augen verloren. Da kam plötzlich ein Mann auf mich zu und fragte mich feundlich, ob ich mich nicht wohlfühlen würde. Ich sah auf, und es war, bitte lacht nicht, Liebe auf den ersten Blick. Er trug die gleiche Kleidung wie die Soldaten. Ich muss wohl leichenblass gewesen sein, jedenfalls sagte er, dass seine Männer es da wohl etwas übertrieben hätten, und er einer so hübschen jungen Frau wie mir einen so schrecklichen Anblick doch niemals zugemutet hätte. Seine Männer, er wohl wohl der Anführer dieser Soldaten. Aber er war so nett und gutaussehend. Schwarze Haare! So wie die von Murtagh, stellt euch einmal vor, wie er als Erwachsener wahrscheinlich aussehen wird, dann wisst ihr in etwa, wie sein Vater aussieht."
Liebevoll sah sie auf ihren kleinen Sohn, der sich nun wieder hingesetzt hatte. Roran hatte sich inzwischen erbarmt und ihm ein Pferdchen ausgeliehen. Friedlich hockten die beiden auf der Erde nebeneinander.
"In diesem Moment kamen Mutter und Werona angelaufen und Mutter nahm mich an der Hand und zog mich von dem Mann weg," setzte Selena ihre Geschichte fort. "Den ganzen Weg zu Weronas Haus schimpfte sie mit mir und sagte, dass unsereins mit solchen Leuten nichts zu schaffen haben solle.
Am nächsten Abend fand der alljährliche Frühlingstanzabend in Theringsford statt. Ich wollte eigentlich nach dieser grässlichen Geschichte am Vortag gar nicht hingehen, aber Weronas Tochter, Clarita, drängte mich, da sie nicht alleine dahin wollte. Also sind wir doch zu dem Tanzabend gegangen. Dieser nette Mann war auch da. Er tanzte den ganzen Abend mit mir, er sagt mir so hübsche Dinge, und küsste mich, und dann fragte er mich, ob ich mitkommen wolle, er würde in Uru`bean leben und sei ein guter Freund des Königs. Schöne Dinge wollte er mich kaufen und mich sogar heiraten. Ich war so verliebt, es war ja auch das erste Mal, dass ich mich verliebt habe. Also habe ich ihn begleitet, obwohl Mutter bitterlich weinte und mich anflehte, nicht mitzugehen.
Ich war einfach unsagbar naiv. Zuerst reisten wir nach Theirm, dann ging es weiter nach Uru`bean. Er war so liebevoll auf der Reise dahin. Er war auch der erste Mann mit dem ich, na, ihr wisst schon." Selena wurde ein wenig rot.
Marian winkte ab. "Ja, ja, ich weiss schon was du meinst. Was meinst du denn, wie ich Roran bekommen habe?"
Selena errötete noch ein wenig mehr. Doch dann sprach sie weiter. "Am Anfang war er auch in Uru`bean noch sehr nett zu mir. Doch schon da viel mir auf, dass er viel zu viel trank. Außerdem erfuhr ich nun, wer er tatsächlich war. Morzan, ein Drachenreiter!" Nun wurde Garrow ein wenig ungeduldig. "Drachenreiter, nun rede doch nicht so einen Blödsinn, was sollen denn die Kinder denken." Zu den Kindern gewandt sagte Garrow:" Es gibt keine Drachen!"
Selena lachte bitter. "Doch, die gibt es. Der König hat eine großen schwarzen Drachen, und der von Morzan ist rotbraun. Es gab noch andere Drachenreiter, aber die sind inzwischen alle verstorben oder vielmehr, die haben sich gegenseitig umgebracht, eines natürlichen Todes ist keiner von denen gestorben. Und auch mit Morzan wird es hoffentlich einmal so böse enden, denn er blieb nicht lange nett zu mir. Von Heirat wollte er bald nichts mehr wissen, er trank immer mehr und brüllte mich irgendwann nur noch an, genauso wie seine Diener übrigens. Auch seinen Drachen hat er nicht gut behandelt. Ich weiss bis heute nicht, wie der eigentlich heisst, den Morzan nennt ihn immer nur "Das Verdammte Vieh!" Auch der Drache wurde immer nur angebrüllt von ihm, außerdem lebt er in einem großen Kerker unterhalb von Uru`bean, er darf nie draußen herumfliegen, sieht nie die Sonne. Außerdem vegisst es Morzan im Suff immer, seinen Drachen zu füttern. Wären da nicht ein Mann von der Palastwache, Tornac, und später auch ich, gewesen, dann wäre das arme Tier sicherlich schon verhungert. Wir habe ihm immer Fleisch gebracht."
"Marian sah ihre Schwägerin an. "Warum hast du ihn nicht verlassen?" Selena lächelte traurig. "Ich war dumm und naiv und trozt allem noch verliebt in ihn. Als dann nach zwei Jahren Murtagh geboren wurde, da hoffte ich so sehr, dass alles besser werden würde. Aber es wurde noch schlimmer. Er hat das Kind nicht gewollt. Er wollte, dass ich zu einer der Heilerinnen gehe und es wegmachen lassen, aber ich war schon im vierten Monat, und es war dafür zu spät. Das arme Kind hat Morzan auch von Anfang an nur angebrüllt. Da hätte ich eigentlich schon den armen kleine Wurm packen und gehen sollen.
Aber dann gab es diese Tage, wo Morzan versprach sich zu ändern. Wenn er mit mir ins Bett wollte, dann war er sehr liebevoll, er schenkte mir Blumen und hübschen Schmuck. Da hatte ich dann wieder Hoffnung, dass es besser werden würde. So bin ich auch ein zweites Mal schwanger geworden. Ich habe mich zuerst gar nicht getraut, Morzan davon zu erzählen. Ich habe ernsthaft daran gedacht, dieses Kind nicht zu bekommen, aber ich habe es dann doch nicht übers Herz gebracht, die Schwangerschaft abzubrechen. Im fünften Monat hat Morzan es dann gesehen, der Bauch ließ sich nicht mehr verstecken. Einen Monat ist das nun her. Er saß wie immer betrunken in seinem Speisezimmer und pöbelte die Diener an. Ich kam in den Raum, zusammen mit Murtagh, der am liebsten wieder hinausgegangen wäre, als er sah, dass sein Vater auch da war. Aber ich hielt ihn zurück. Ich hatte Angst, dass Morzan dann wütend werden würde. Hätte ich ihn doch rechtzeitig gehen lassen.
Morzan schrie mich sofort an, als er mich bemerkte. Was mir einfallen würde, seinem Drachen heimlich Fleisch zu bringen, und ob ich ihn etwa mit Tornac betrügen würde. Wir wären zusammen bei seinem Drachenvieh, wie er ihn wieder nannte, gesehen worden. Dann fiel sein Blick auf meinen Bauch und er gab mir eine Ohrfeige. Wenigstens geschlagen hat er mich bis dahin noch nie. Er brüllte mich an ich solle ihm mit meinem ekelerregenden dicken Bauch aus den Augen gehen und ob ich ihm noch ein Balg anhängen wolle. Dann griff er nach seinem Schwert," hier stockte Selena der Atem. Marian drückte aufmunternd ihre Hand.
Selena fing sich wieder ein wenig und sprach weiter:" Er griff nach seinem Schwert und warf es nach dem Kleinen, er traf ihm am Rücken, denn Murtagh hatte sich umgedreht und wollte wohl weglaufen, als er sah, dass sein Vater mich schlug. Er schrie nur noch, dass ich das ungeborene Kind loswerden solle, das geborene würde er schon beseitigen. Dann verließ er den Raum, und ich nahm meinen kleinen Schatz und lief mit ihm zu den Heilern, die haben dann wirklich ihr möglichstest getan, aber es war verdammt knapp.
Ich habe tagelang neben meinem Sohn am Bett gesessen, er hatte solche Schmerzen und hat viel geweint. Er sagte immer wieder, dass er nie wieder zu Papa wolle.
Da war für mich das Maß endgültig voll. Ich beschloss das zu tun, was ich von Anfang an hätte tun sollen, nämlich diesen Mann endgültig zu verlassen. Er wird sich nie ändern, er hasst alles und jeden. Seinen Drachen, sein Kind und den Rest der Menschheit. Außerdem gibt es kaum einem Tag, an dem er einmal nüchtern ist. Nicht einmal hat er sich nach seinem Sohn erkundigt, ich hörte hinterher nur dass der König ihn und seinen Drachen auf eine Mission geschickt haben soll. Irgendetwas wurde dem König wohl gestohlen und Morzan soll es zurückholen.
Ich wartete also, bis es Murtagh ein wenig besser ging, und teilte auch den beiden Heilerinnen, die sich um ihn kümmerten, mit, dass ich Morzan verlassen würde. Sie versuchten mich davon abzubringen, als ihnen das nicht gelang, da sagten sie, ich solle wenigstens das Kind dalassen. Dem König würde es bestimmt nicht gefallen, wenn der Sohn seines alten Freundes nicht in seiner Reichweite aufwachsen würde, außerdem sei er viel zu krank um zu reisen."
Marian unterbrach Selena empört. "Was sind das denn für Frauen gewesen? Welche Mutter würde ihr Kind in so einer Hölle zurücklassen? Haben die selbst überhaupt Kinder?" Das war das erste Mal seidem Selena begonnen hatte ihre Geschichte zu erzählen, dass Marian ernsthaft wütend war. Eine Mutter, die ihr Kind alleine lassen sollte. So etwas hatte sie noch nie gehört. Sie sah zu ihrem Roran, der Murtagh mittlerweile sein Pferdchen wieder abgenommen hatte. Wie gut hatte es da doch ihr Kleiner bei ihr und Garrow. Vielleicht waren sie arm und konnten sich keine schöne Kleidung leisten, aber immerhin warf niemand mit Schwertern nach ihrem Kind und Garrow würde sie auch niemals schlagen oder sich bis zum Wahnsinn um den Verstand saufen.
Selena nickte Marian zustimmend zu. "Genau das habe ich den Heilerinnen auch gesagt. Dann habe ich etwas getan, das mir im nachhinein ein wenig leid tut. Eine der beiden Frauen wollte nämlich zum König gehen und ihm sagen, was ich vorhabe. Da bekam ich Angst und habe die Frau gepackt und gegen die nächste Wand geworfen. Ich wusste gar nicht, dass ich so etwas kann, ich habe noch niemals mit jemandem gekämpft. Die Frau wurde bewusstlos, und die andere sah mich nur noch fassungslos an. Ich habe ihr dann gesagt, sie soll Murtaghs Wunde dick und gut verbinden, dann habe ich den Kleinen auf den Arm genommen und meinen langen blauen Mantel um uns gewickelt, so dass man ihn nicht sehen konnte. Die beiden Frauen habe ich im Zimmer eingesperrt. Dann bin ich schnell, es war Gott sei Dank dunkel und kaum jemand hat mich bemerkt, aus der Burg zum Stadttor geschlichen. Ich hatte großes Glück, ein Freund von Tornac hatte an diesem Abend Wachdienst am Stadttor, und er hat mich nicht kontrolliert sondern direkt hinausgelassen. Hoffentlich bekommt er deswegen keinen Ärger. Hätte jemand anderes Dienst gehabt und sie hätten das Kind entdeckt, bestimmt wären wir im Kerker gelandet! So bin ich bei Nacht und Nebel entkommen."
"Und dann hast du dich bis hier durchgeschlagen, mit dem verletzten Kind?" Garrow sah seine Schwester bewundernd an. So etwas hätte er ihr niemals zugetraut, sie war immer so zart und zerbrechlich gewesen. Selena nickte. "Ja, und es war sehr hart, den Kleinen musste ich die meiste Zeit tragen, dann war da noch mein Babybauch, ich hatte Angst, dass es dem Baby im Bauch zu viel werden würde und ich Wehen bekommen könnte. Ich hatte zum Glück etwas Geld mitgenommen, so dass wir zumindest etwas zu essen kaufen konnten, geschlafen haben wir im Wald, ich kann nun sogar ein Lagerfeuer anmachen, oder in alten Scheunen. Es war eine schreckliche Reise oder vielmehr Flucht, ich dachte oft, wir schaffen es nicht."
Erschöpft sah Selena ihren Bruder und ihre Schwägerin an.
"Als es dann vorgestern noch zu schneien anfing und so kalt wurde, da dachte ich, es ist vorbei. Aber ich musste doch an meine Kinder denken..."
"Du hast sehr viel durchgemacht!" Mitleidig sah Marian Selena an. Doch dann viel ihr etwas anderes ein. "Besteht die Gefahr, dass dieser Morzan hier auftaucht und Ärger macht?" Selena schüttelte den Kopf. "Nein, ich glaube nicht. Kennengelernt hat er mich ja nicht hier, und es hat ihn auch niemals interessiert, etwas über meine Familie zu erfahren oder über meine Herkunft. Vielleicht bemerkt er nicht einmal dass wir nicht mehr da sind, die Kinder wollte er ja noch nicht einmal haben. Vielleicht ist er sogar froh, uns los zu sein. Da kann er sich in Ruhe zu Tode saufen."
Selena sah nun ihren Bruder direkt an. "Garrow, es tut mir so leid, ich hätte euch niemals verlassen und mit Morzan mitgehen dürfen. Ich weiss, dass ich euch allen viel Kummer bereitet habe, besonders Mutter, und ich weiss nicht, ob du mir das jemals verzeihen kannst. Ich könnte es verstehen, wenn du nichts mehr mit mir zu tun haben willst, aber bitte, denk an meine armen Kinder! Die brauchen eure Hilfe." Selena begann zu schluchzen.
Garrow starrte einen Augenblick vor sich hin. Dann stand er auf und nahm Selena in die Arme und strich ihr sanft über ihr Haar. "Nun wein doch nicht, du bist doch meine kleine Schwester, natürlich verzeihe ich dir. Wir helfen euch natürlich, und die Kinder bekommen wir schon irgendwie alle durch." Dann schmunzelte er sogar leicht. "Roran wird ein wenig Gesellschaft guttun."
Selena lächelte schüchtern zurück. "Wisst ihr, eigentlich hätte ich schon in Theirm merken müssen, dass Morzan nichts für mich ist, ich war dort bei einer Wahrsagerin, und die hat mir gesagt, ich hätte mich in den falschen Mann verliebt und dass er mich sehr unglüclich machen würde. Sie hatte auch eine Wehrkatze dort, mit der konnte ich sogar sprechen..." "Halt, stopp," unterbrach Garrow sie. "Zuerst Drachen, dann Wehrkatzen, was kommt als nächstes? Zwerge oder Einhörner?"
Marian musste schmunzeln. Ich Mann war einfach in manchen Dingen ein wenig zu bodenständig. An Übersinnliches und Fabelwesen glaubte er einfach nicht. "Sein Esel könnte morgen anfangen Goldstücke zu kacken, er würde es nicht glauben und denken es ist ein Trick," dachte sie belustigt.
Dann stand sie auf. "Ich werde nun Gertrud holen, sie soll nach deinem Sohn sehen.
Selena sah Marian nach, als sie das Haus verlies. Ihr Blick fiel auf die spielenden Kinder. Dann legte sie beschützend eine Hand auf ihren Bauch, in dem ihr Baby gerade kräftig strampelte.Die Wahrsagerin hatte noch eine andere, schrecklichere Prophezeiung gemacht, aber an die wollte Selena nun nicht denken.
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