Anzeigeoptionen|Review schreiben|Regelverstoß melden|★SocialBookmark
◄   Schriftgröße|Schriftart|Zeilenbreite|Ausrichtung|Zeilenabstand
◄   10px|12px|15px|17px|19px
◄   Times|Arial|Helvetica
◄   25%|50%|75%|100%
◄   Linksbündig|Blocksatz
◄   gering|normal|groß|sehr groß
«
»
von Windtaenzer    erstellt: 17.05.2007    letztes Update: 13.12.2010    Geschichte, Abenteuer / P16    (fertiggestellt)
Anderntags wurde der Herzog von einem Zupfen an seiner Bettdecke geweckt.

„Daddy?... Daddy!“ Das war unverkennbar Silvius Stimme.

„Mhhm, was?“ murmelte Mac Mountain noch halb in seinen Träumen versunken.

„Was wirst du unternehmen? Du wirst doch Mum irgendwie helfen, oder?“ erkundigte sich sein Sohn laut. Der Junge war nach einer traumlosen Nacht gut ausgeruht und stand unruhig neben dem Bett.

„Was ich zu tun gedenke, werde ich dir schon noch sagen. Aber jetzt höre bitte auf an der Bettdecke zu ziehen und lass deinen alten Vater erst einmal richtig wach werden“ erwiderte Vigilius.

„Von wegen alt, mit 43 ist man doch noch nicht alt! - Aber in Ordnung, wir können uns beim Frühstück darüber unterhalten.“ Silvius liess Vaters Wolldecke los und lief barfuss langsam auf den Rindenschnitzel herum. Daran könnte ich mich gewöhnen. Ob ich für mein Zimmer auch so einen Teppich aus Rindenholz haben kann?

Zufrieden gingen die beiden zum Frühstück. Doch als Vigilius über die Pläne der nächsten Tage sprach, schaute sein Sohn ganz verdrießlich drein. Es passte Silvius gar nicht, dass sein Vater ohne ihn loszureiten gedachte und er zurückbleiben sollte. Der Junge wollte doch auch mitkommen und seine Mutter befreien. Der minderjährige Bursche hoffte aber vergebens auf eine Einladung des Vaters ihn zu begleiten. So blieb Silvius äußerst widerwillig unter der Obhut des Haushofmeisters und der Diener im herzoglichen Wohntrakt zurück. Der Junge hatte zudem die Weisung erhalten, dass er während Vigilius Abwesenheit im Manor bleiben solle und wurde nun von der Leibgarde regelrecht gegen die Außenwelt abgeschirmt.

Nachdem Vigilius alle erdenklichen Sicherheitsmassnahmen getroffen hatte, begab sich er zu seiner zehnköpfigen Suchmannschaft und sie machten sich auf den Weg. Der Herzog hatte bewusst seine altbewährten Streiter zusammengerufen. Denn sein Marschall, die beiden Gefreiten und die Männer aus der Forstwacht hatten ihn schon früher auf heiklen Missionen begleitet. Um gegen Unvorhergesehenes gewappnet zu sein, hatte er dieses Mal auch noch seinen Leibwächter, den Sanitätsoffizier und seinen Wildhüter aufgeboten. Wobei der Wildhüter(38), als Jüngster der Mannschaft, in seiner Tüchtigkeit den älteren Haudegen um nichts nachstand. Die gut ausgerüstete Truppe war zügig durch die Eisbachschlucht geritten und hatte die Pferde über einen Gebirgskamm in den kargen Buschwald geführt. Nach fast zwei Stunden Wegzeit befanden sich die Gruppe jetzt nahe der Bezirks-Grenze, hatte angehalten und war dabei ihr weiteres Vorgehen zu besprechen. Seinen Marschall wollte der Herzog mit zwei Gefreiten zu einem befreundeten Clan an die östliche Küste schicken. Er solle Iain Mac Lachlan, dem Chieftain, in seinem Castle am Meer einen Besuch abstatten, ihn über das Geschehene informieren und um das Durchkämmen seiner Ländereien nach zwielichtigen Gestalten bitten.

Gerade wollte der adelige Führer den vier Förstern ihren Auftrag erteilen, da hörten sie hastiges Hufgetrappel und drehten sich überrascht um. Mac Mountain blieb vor Schreck fast das Herz stehen, als er seinen Sohn auf dem Rücken eines rasenden Pferdes heranstürmen sah. Denn der Ausreißer wurde von einer Meute langbeiniger Felsenwarane verfolgt. Die Reptilien holten immer mehr auf, ausweichen wurde immer schwieriger und eben wurde der junge Reiter ins Bein gezwickt. Silvius blieb nur noch eine Möglichkeit sich den scharfen Zähnen zu entziehen. Während sein Reittier voller Angst dahinjagte, kniete er sich auf dessen Rücken und stach mit einem abgerissenen Ast nach den Augen des angreifenden Monsters. Der Vater hatte sein Pferd herumgerissen und wollte ihm mit dem Schwert zu Hilfe eilen. Doch einer seiner Leute war bereits vom Pferd gesprungen und schoss mit der Armbrust in rascher Folge tödliche Eisenbolzen in die Köpfe der krallenbewehrten Fleischfresser. Unter dem Feuerschutz des Wildhüters und seinen Kollegen, erreichte Silvius unbeschadet seinen bangenden Vater, der ihm helfen musste sein steigendes Pferd zu bändigen. Die erfahrenen Waffenträger nahmen unterdessen Vater und Sohn schützend in ihre Mitte und sicherten in Richtung Berge, falls noch mehr Raubtiere folgen sollten.

Mac Mountain hatte seinen Jungen schon im schnappenden Maul einer hungrigen Riesenechse verschwinden sehen und erwartete jetzt von ihm eine plausible Erklärung für seinen Ungehorsam. Außer Atem erzählte Silvius, dass er den Gedanken an ständiges Eingesperrtsein nicht ertragen habe. Deshalb hatte er einfach die Wachmänner der Garde ausgetrickst, war aus dem Toilettenfenster gestiegen und an einer dünnen Liane den Berg hochgeklettert. Ein Pferd hatte er auf der Weide schnell eingefangen und war dann dem Vater und seinen Leuten nachgeeilt. Die Geschichte, wie er unversehens in die Ansammlung der Warane reingeplatzt und nur durch das Durchgehen des erschrockenen Pferdes entkommen war, lies den Anwesenden die Haare zu Berge stehen. Nun fragte der Neuankömmling: „Darf ich vorne bei dir an der Spitze mitreiten, jetzt da ich euch einholt habe?“ Vigilius aber zog ihn erst mal mit einem kräftigen Ruck quer vor sich über den Rücken seines Reittiers und versohlte dem zappelnden Burschen kräftig den Hintern. „MITREITEN?! Was glaubst du eigentlich, warum du zu Hause bleiben solltest?! Ich gebe mir alle Mühe dich zu schützen und du... du machst riskante Zirkusakrobatik an den glitschigen Felsen hoch und rennst Hals über Kopf in die erstbeste Gefahr, die du finden konntest!“, kommentierte Mac Mountain lautstark die harten Hiebe mit seiner Reitgerte.

Erst war der Junge schockiert über die Reaktion seines Erzeugers und hielt sich jammernd seinen schmerzenden Po. Dann aber wurde er von Vigilius unvermittelt in die Arme gezogen und er hörte ihn leise schluchzen: „Was hatte ich eine Angst um dich, bitte tu so was nie wieder. Ich dachte schon, deine letzte Stunde hat geschlagen!“ Es gab immer zwei Seiten, erkannte Silvius. Er hatte den Standpunkt seines besorgten, umsichtigen Vaters völlig außer Acht gelassen und ihm mit seiner unüberlegten Ausbruchsaktion einen höllischen Schrecken eingejagt. Denn was wäre gewesen, wenn er den Trupp seines Vaters nicht gefunden hätte? Wie lange hätte sein Pferd die Hetzjagd noch durchgehalten?

„Verzeih, ich wollte dir nur helfen“ murmelte er entschuldigend.

„Das weiß ich doch, mein Junge. Aber im Moment hilfst du mir am meisten, wenn du zu Hause im Manor bleibst. Dann muss ich nicht immer nachdenken, ob es dir gut geht oder ob du in Gefahr bist. Ich muss mich jetzt auf die Suche nach deiner Mutter konzentrieren und die Ungewissheit über deinen Aufenthalt lenkt mich stark ab. Das kann unter Umständen gefährlich werden.“ Das sah der junge Mann ein und er versprach keine Extra-Touren mehr zu starten.

Jetzt war aber noch das Problem zu lösen, wie der Jüngling wieder nach Hause kam. Alleine zurückschicken kam nicht in Frage und dass alle umkehren mussten, war auch unsinnig. Welcher seiner Leute war wohl am besten geeignet, den Tunichtgut ins Hauptquartier zu eskortieren?

Da bot sich der Wildhüter freiwillig an: „Mein Pferd ist schnell und wendig. Ich werde mich darum kümmern, dass unser jugendlicher Helfer wohlbehalten wieder nach Hause kommt und auch dort bleibt.“

Der Herzog drehte sich zu seinem Jägermeister um. Doch Silvius nahm ihm die Antwort ab und ging ohne weiteres selber zu dem kräftigen jungen Mann hinüber. Der Jäger beugte sich hinunter, wechselte mit ihm einige Worte, schlang dann einen Arm um die Taille des jungen Burschen und zog ihn zu sich aufs Pferd. Vigilius nickte zustimmend, als er sah wie selbstverständlich Silvius den Anweisungen von Atrox Missor gehorchte und sich vor den Reiter in den Sattel setzte. Missor war als Forstlehrmeister den Umgang mit jungen Leuten gewohnt und Silvius hatte Achtung vor ihm. „Also, dann, sei lieb Silvius und dir Missor wünsch ich einen guten Ritt“ verabschiedete sich der Herzog, bevor er mit seinen Leuten weiterzog. Das Pferd auf dem Silvius gekommen war, nahmen sie als zusätzliches Packpferd mit.
«
»
Anzeigeoptionen|Review schreiben|Regelverstoß melden|★SocialBookmark
◄   Schriftgröße|Schriftart|Zeilenbreite|Ausrichtung|Zeilenabstand
◄   10px|12px|15px|17px|19px
◄   Times|Arial|Helvetica
◄   25%|50%|75%|100%
◄   Linksbündig|Blocksatz
◄   gering|normal|groß|sehr groß
> Nutzungsbedingungen <   > Datenschutz <   > Impressum <          v3.9-7097