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Geschichte: Fanfiktion
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von Andunie
erstellt: 04.04.2007
letztes Update: 07.03.2009
Geschichte, Abenteuer / P16
(fertiggestellt)
Der erste Schimmer des Tageslichtes zeigte sich bereits am Horizont. Noch schlief die Stadt, doch bald schon würden die ersten ihrer Bewohner erwachen. Die einzigen, die schon auf den Beinen waren, waren Wachen und Sklaven und zu letzteren gehörte ich. Gedankenverloren schüttete ich das Wasser aus dem Brunnen in die große, goldene Schale, die mein Herr jeden Morgen verlangte. Meiner Mutter würde es das Herz brechen, wenn sie wusste, was aus ihrer einzigen Tochter geworden war. Auch wenn es mich weit besser getroffen hatte als meine Freundinnen Caitlyn und Aithne. Mein Herr war Prinz Hector, Sohn des Königs Priamos von Troja. Vor vier Jahren waren wir von Römern gefangen worden und schließlich auf dem Sklavenmarkt hierher verkauft worden. Sklaven meines Volkes gab es wahrhaft selten, denn die meisten Sklaven waren Kriegsgefangene und die machte Niemand im Kampf gegen uns Kelten. Caitlyn, Aithne und ich waren nur gefangen worden, weil wir alleine und vollkommen unbewaffnet in das Gebiet der Römer eingedrungen waren. Ein dummer und folgenschwerer Fehler. Caitlyn war schon in Rom von uns getrennt worden und Aithne arbeitete in einem Freudenhaus ganz in der Nähe.
Wie von alleine hatten mich meine Schritte zu den Gemächern meines Herren getragen. Gestern Abend war er aus Sparta zurückgekommen. Ich hatte gespürt, dass irgendetwas nicht stimmte. Und der Grund dafür war zweifellos diese Frau, die der Bruder meines Herrn, Paris, mitgebracht hatte.
Lautlos öffnete ich die schwere Holztür und ging leisen Schrittes zu dem kleinen Holztisch, auf dem ich immer die Wasserschale abstellte. Mein Blick fiel auf das Gesicht, das sich in der glatten Wasseroberfläche Spiegelte. Ich hatte mich sehr verändert, seit ich meine Heimat verlassen musste. Noch immer fiel mir das lange, rote Haar bis fast auf die Hüften herab und noch immer blitzten meine Augen in einer auffälligen Mischung aus blau und grün. Doch die einst blasse Haut war von der Mittelmeersonne stark gebräunt worden und der Stolz war schon lange aus meinen Augen verschwunden. Das Gesicht, das mich ansah war schon lange nicht mehr das eines Kindes, sondern das einer jungen Frau.
Ich hörte wie mein Herr aufwachte und beeilte mich in die dunkle Ecke des Zimmers zukommen, in der ich sonst immer auf Befehle und Anweisungen wartete. Kaum hatte ich meinen Platz erreicht, da Richtete sich Hector auch schon in seinem Bett auf und seine Frau erhob sich ebenfalls. Beide hatten dunkel braunes Haar, wie die meisten Trojaner. Demütig senkte ich den Kopf und blickte zu Boden.
Ich hörte wie mein Herr sich wusch und ankleidete und wurde schließlich von der Herrin gerufen, ich solle ihr das Haar richten. In den vier Jahren, die ich inzwischen hier lebte hatte ich die Griechische Sprache perfekt zu beherrschen gelernt. Niemand wusste, dass ich inzwischen alles verstand, was sie sagten. Sie wussten so vieles nicht. Genau so war ihnen die Tatsache, dass ich eine Auserwählte der Annea, der großen Göttin, war unbekannt. Schon als Kind hatte ich die Gabe des Heilens besessen. Offene Wunden konnte ich durch eine einfache Berührung heilen. Das einzige Problem dabei war, dass es mir grauenhafte Schmerzen bereitete.
Mit geschickten Fingern flocht ich die dunklen Haare meiner Herrin, da hörte ich ein erschrockenes Aufkeuchen hinter mir. Auch meine Herrin wirbelte herum. Hector stand an einem der riesigen Fenster und starrte wie gebannt zum Horizont. Was ich dort sah faszinierte mich, genau so, wie es mich erschreckte: eine riesige Flotte. Hunderte und aberhunderte von Schiffen. ,,Die Spartaner“ sagte Hector tonlos.
,,Keltin, lauf zum Apollon Tempel und warne Briseis“ ,,Ja, Herr“
So schnell ich konnte rannte ich auf den Gang hinaus. Vorbei an ein paar anderen Sklaven, die mir verwundert hinterher blickten. Gerade bog ich um eine Ecke, als plötzlich jemand vor mir auftauchte. Es war unmöglich noch zu bremsen und so stolperte ich ungebremst in sie hinein. Wir beide wurden zu Boden geschleudert. Entschuldigungen murmelnd richteten ich mich wieder auf- und erkannte wen ich da umgerannt hatte. ,,Aithne!“ Die Auge des Jungen Mädchens weiteten sich ,, Regan?“ fragte sie verwundert. Ich nickte schnell. Es war schon sehr lange her, dass wir uns das letzte Mal gesehen hatten. Grelle Schminke bedeckte das Gesicht des jungen Mädchens, die Kleider zeigten unanständig viel Haut. Es gab so viel, was ich ihr zu erzählen hatte, doch ich hatte keine Zeit. ,,Du musst dich verstecken!“ sagte ich nach Luft ringend. Aithne packte mich an den Armen ,,Was ist los? Was ist passiert?“ ,,Die Spartaner… eine riesige Flotte…“ brachte ich hervor. Ungläubig sah sie mich an. Nervös leckte ich mir über die Lippen. ,,Es wird Krieg geben“, saget ich, nun in unserer Muttersprache. Verständnislos sah sie mich an. ,,Versteck dich einfach, ja?“ mit diesen Worten riss ich mich von ihr los und rannte weiter. Schnell passierte ich das Stadttor. Im Rennen warf ich einen Blick in Richtung Meer. Das erste Schiff war schon erschreckend nah. Es hatte ein schwarzes Segel und fuhr erheblich schneller als die anderen Schiffe.
Noch einmal Beschleunigte ich mein Tempo und erreichte endlich den Tempel des Apollon. Es widerstrebten mir noch immer diesen Tempel der griechischen Götter zu betreten, dennoch überwand ich mich und betrat den Tempel. ,,Briseis?“ rief ich in die Stille hinein. Im Dämmerlicht des Tempels erkannte ich die schmächtige Gestalt der Cousine meines Herrn. ,,Briseis, Herrin, euer Cousin hat mich geschickt euch zu warnen. Die Spartaner sind gekommen. Ihre gigantische Flotte hat den Strand fast erreicht“ Aus schreckensgeweiteten Augen sah mich die junge Frau an.
Da hörten wir Schreie vom Strand. Schmerzensschreie, die Schreie der Sterbenden. Es hatte begonnen. Briseis stürzte vor der Statue des Apollon auf die Knie und begann zu beten. Ich hingegen hatte schon immer mit Kriegen zu tun gehabt. Ruhig blickte ich mich nach einer Waffe um. Nicht einmal eines der lächerlich kurzen Schwerter der Trojaner lies sich finden. Was eigentlich ja auch kein Wunder war, denn ich befand mich schließlich in einem Tempel. Die Schreie kamen näher. SIE KAMEN HIER HER!!!! Hecktisch blickte ich mich um. Nirgendwo bot sich ein brauchbares Versteck. Sie waren schon auf der Treppe. Schnell duckte ich mich hinter eine goldene Apollonstatue. Die ersten Krieger betraten den Tempel- und ich erkannte wer sie waren. Myrmidonen! Die legendären Krieger des Achilles. In meinem Volk wurden sie geachtet, auch wenn sie unsere Feinde waren. Johlend stürzten sie sich auf die wertvollen Gefäße, die überall herumstanden. Einige liefen nah an meinem Versteck vorbei. Instinktiv duckte ich mich tiefer in den Schatten und verengte die Augen zu Schlitzen, so, dass das weiße nicht mehr so auffällig war. Da erschein plötzlich mein Herr in meinem schmalen Blickfeld. Er rief nach Achilles. Sie redeten, doch ich verstand kein Wort. Irgendwie wurde der Schall in diesem engen Raum hinter der Statue seltsam gebrochen, so dass ich nichts verstehen konnte. Endlich hörte ich, wie sie den Tempel verließen. Noch traute ich mich nicht mein Versteck zu verlassen. Da hörte ich wieder Schritte. Erschrocken hielt ich den Atem an. Wer auch immer den Tempel betreten hatte ahnte, dass noch jemand hier war. Er blieb stehen und lauschte. Dann ging er weiter, doch nun in meine Richtung! Er konnte nicht wisse, dass ich hier war! Ich hatte doch keinen Laut gemacht!Schließlich blieb er wieder stehen, doch nun vor der Apollonstatue. ,,Komm raus, ich weis, dass du da hinter sitzt" Ich atmete noch einmal tief durch und erhob mich. Mit einem schnellen Schritt trat ich hinter der Statue hervor. Ein hochgewachsener Mann stand vor mir. Er hatte dunkelblondes Haar und seine hellblauen Augen wirkten klug und misstrauisch. Das ist Achilles!, durchfuhr es mich. ,,Wer bist du?“ fragte er mich. Er trat einen Schritt auf mich zu, ich wich um die gleiche Distanz zurück. Mit dem Rücken stieß ich gegen die Statue. Verzweifelt blickte ich mich zu beiden Seiten um. Nach rechts konnte ich nicht, dort versperrte mir eine Wand den Fluchtweg, links war es eine Säule. Der einzige Ausweg war also die Flucht nach vorne. Ich stürmte vor, rammte dem Krieger ein Knie zwischen die Beine und meinen Ellbogen in die Seite. Ich wollte mich an ihm vorbeidrängen, doch er packte mich am Arm. ,,Das war die falsche Antwort, Kleine!“ sagte der große Achilles gepresst. Sein Griff war unbarmherzig und fest. Als er mich hinter sich herzog, glaubte ich, er wolle mir den Arm ausreißen. Ich versuchte mich loszureißen, doch das Einzige, was ich dadurch erreichte, war, dass mir Achilles, mit der flachen Hand ins Gesicht schlug. Meine Unterlippe platzte auf und ich spürte, wie warmes Blut mir übers Kinn lief. Achilles hatte wohl erwartet, dass ich anfing zu weinen und um Gnade zu betteln, doch da täuschte er sich. Und mein Schweigen machte ihn scheinbar noch wütender. Unsanft zog er mich hinterher, bis wir schließlich den Strand erreichten. Die Spartaner hatten schon einige Zelte aufgestellt. Einige herumstehende Krieger blickten mich neugierig an. Achilles zerrte mich zu einem Zelt und mir wurde klar, was er vorhatte.
Doch wieder hatte ich mich geirrt. ,,Hey, Patroclos, Ich habe dir was mitgebracht!“ sagte Achilles grinsend, als er mich durch den Eingang des Zeltes stieß. Kurz nachdem wie den Tempel verlassen hatten, hatte er mir die Hände mit einem dünnen Seil auf den Rücken gefesselt. Nun war ich hilflos wie ein Rehkitz. Der legendäre Krieger stieß mich auf die Knie herab, lachte und verließ das Zelt, nachdem er noch einige Worte mit seinem Freund gewechselt hatte. Ich wagte es nicht den Kopf zu heben. Nun hatte ich also einen neuen Herrn, von dem ich nicht sicher sein konnte ob er besser oder schlechter war als mein letzter.
Achilles Freund… wie hatte er ihn noch genannt?... Patroclos erhob sich von seinem Platz und setzte sich vor mich. ,,Wie ist dein Name?“ fragte er mich sanft. Seine Stimme klang jung, er konnte kaum älter sein als ich. Erstaunt hob ich den Kopf. Das Haar des Jungen war schulterlang und dunkelblond. Er sah Achilles erstaunlich ähnlich, doch seine grauen Augen waren freundlicher, die Härte, die in den Augen der meisten Männer zu erkennen war fehlte völlig. ,,Regan“ antwortete ich leise. Patroclos lächelte.. ,,Du warst eine ihrer Sklavinnen, oder?“ fragte der Junge. Ich nickte nur. Vorsichtig ergriff er eine Strähne meines Haares und betrachtete sie. ,,Solch eine Haarfarbe habe ich noch nie gesehen. Wunderschön, wie das Meer bei Sonnenuntergang“ sagte er leise. Ich merkte, wie ich errötete. Dieser Spartaner behandelte mich nicht wie eine Sklavin. Warum? ,,Ich danke euch, Herr“ sagte ich und schlug die Augen nieder. ,,Nenn mich nicht ,,Herr“, bitte“, Ich spürte, wie er sich über mich beugte, und unwillkürlich spannte ich mich an. ,,Keine angst“ sagte Patroclos leise. Dann merkte ich, wie er vorsichtig die Fesseln um meine Handgelenke löste. Seine Hände strichen dabei leicht über meine Haut und ein leichtes Kribbeln durchfuhr mich. Endlich löste sich das Seil und Patroclos setzte sich wieder vor mich. Seine grauen Augen musterten mich. ,,Zu welchem Volk gehörst du?“ fragte er nach kurzem Schweigen. ,,Zu den Kelten“ antwortete ich und betrachtete meine aufgescheuerten Handgelenke. ,,Eine Keltin? Ich habe schon viel von eurem Volk gehört“ ,,Ich ebenfalls von dem euren“, erwiderte ich. Der junge Krieger stand auf und streckte mir eine Hand entgegen. Zögerlich ergriff ich sie und lies mich von ihm auf die Füße ziehen. Er war ein ganzes Stück größer als ich, aber nicht sonderlich viel älter. Siebzehn, schätzte ich. Er führte mich hinüber zu seiner Pritsche und setzte sich darauf. Ich tat es ihm gleich. Kaum hatte ich mich gesetzt reichte er mich eine Schale, die mit Wasser gefüllt war, und in der ein sauberer Lappen lag. Dankbar ergriff ich sie und begann damit mir das inzwischen getrocknete Blut aus dem Gesicht zu waschen. Aus den Augenwinkeln bemerkte ich, dass Patroclos mich nachdenklich betrachtete. Und etwas war in seinem Blick, das ich nicht zu deuten wusste. Nur wusste ich, dass es nichts Bedrohliches war.
Das Wasser in der Schale war bereits rot von meinem Blut. ,,Wie ist das passiert?“ ,,Achilles“ sagte ich nur. In diesem Moment raschelten die Lederbänder am Eingang des Zeltes. Überrascht hob ich den Kopf. Ein Mädchen trat ein. Sie hielt ein Tablett mit Brot und Früchten in den Händen. Sie war eine Sklavin, erkannte ich. Das kurze, zerfetzte Kleid schlotterte um sie herum, wie um ein Skelett, so dünn war sie. Das lange, weizenblonde Haar hatte seinen Glanz verloren. Sie hielt demütig den Kopf gesenkt, doch sie Blickte kurz auf, um nicht über irgendetwas zu stolpern. ,,Caitlyn?“ flüsterte ich. ,,CAITLYN!“ ungeachtet des Jungen Spartaners, der mich verwirrt ansah sprang ich auf. Plötzliches Erkennen blitzte in ihren Augen auf. ,,Regan!“ Das Tablett glitt ihr aus der Hand. Glücklich fielen wir uns in die Arme. Ich spürte ihre Knochen durch ihre Kleider stechen. Sie war wirklich erschreckend dürr. ,,Ich bin so froh dich wiederzusehen!“ flüsterte sie. Ich hingegen brachte keinen Ton über die Lippen. Tränen der Freude rannen mir über die Wangen.
Ein Ruf von draußen lies Caitlyn wie unter Schlägen zusammenzucken. ,, Schlange! Komm her!“ Ohne Zweifel wurde Caitlyn von ihrem Herrn ,,Schlange“ genannt. Sie sah mich noch einmal verzweifelt an und verschwand dann nach draußen. Traurig blickte ich ihr nach. Caitlyn lebte! Jedenfalls soweit man das noch leben nennen konnte. Rasch bückte ich mich, um das Essen und das Tablett aufzuheben. Sofort war Patroclos neben mir und half das mir beim Aufsammeln. ,,Sie ist Menelaos’ Sklavin… ihr kennt euch?“ brach Patroclos schließlich das Schweigen. ,,Sie wurde mit mir zusammen gefangen. Vor vier Jahren wurden wir getrennt“ Wieder traten mir Tränen in die Augen. ,,Ich hatte gedacht sie sei tot…“ sagte ich tonlos. Nun rann mir die erste Träne über die Wange. Patroclos hob zögerlich die Hand. Dann strich er mir zärtlich über die Wange und wischte die Träne fort…
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