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von bootstrapbetti    erstellt: 13.03.2007    letztes Update: 26.01.2010    Geschichte, Drama / P18 Slash    (fertiggestellt)
Dankeschön für die Kommentare!

Anmerkung: Roy Makaay hat keinen Bruder, jedenfalls nicht, soweit ich durch meine Recherche in Erfahrung bringen konnte. Das nur so vorneweg. Ich wollte keine reale Person als schwul darstellen, die es gar nicht ist, deshalb der fiktive Bruder.

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Als er am nächsten Tag zum Training fährt, setzt Bastian sein rosa Käppi auf, einfach nur so, als Gag. Poldi wird sich schief lachen. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht läuft er die paar Stufen bis zur Haustüre nach unten und will zu seinem Auto gehen.

Den ersten Blitz sieht er, da ist die Haustüre noch keine zehn Zentimeter geöffnet. Er ahnt Furchtbares und öffnet die Türe ganz. Eine riesige Traube an Journalisten bedrängt ihn, und ein wahres Blitzlichtgewitter geht über ihm herab.

"Bastian, was sagen Sie zu den Gerüchten?"

"Sind Sie froh, Ihr Verhältnis nicht länger verheimlichen zu müssen?"

"Herr Schweinsteiger, wie wird Ihre Liebe das Leben im Verein beeinträchtigen?"

Fragen über Fragen hageln auf ihn herab, und Bastian zieht unwillkürlich den Kopf ein. Wie zur Hölle haben die nur alle seine Privatadresse rausgefunden? Er will sich gar nicht vorstellen, wie es an der Säbener Straße zugehen muss. Mit zusammengepressten Lippen drängt er sich durch die Menge zu seinem Auto und bedauert, seine Sonnenbrille heute nicht aufgesetzt zu haben.

Endlich im Auto sitzend, der ganze Lärm auf einmal verstummt, atmet er erst einmal tief durch. Na, so hatte er sich das aber nicht vorgestellt. Ohne weiter nachzudenken, wirft er den Motor an und prescht davon, so schnell er kann. Bloß weg von hier, weg von der Meute, den Fotografen, den Journalisten.

Nur mit einem halben Auge auf die Straße schielend und viel zu schnell fahrend fischt er sein Handy aus der Tasche und beginnt, Dani eine SMS zu schreiben. Süße, sei vorsichtig. Journalisten sind rund um's Haus, setz eine Sonnenbrille auf. Kuss Basti Mehr schreibt er nicht. Dani ist eine kluge Frau, und er weiß, dass er sich auf sie verlassen kann. Er muss ihr nicht sagen, dass sie keine Interviews geben soll, oder so schnell wie möglich wegfahren soll. Sie ist nicht dumm und kann sich sehr gut alleine helfen. Das ist es auch, was er an ihr so liebt.

Ein heller roter Blitz holt ihn wieder in die Realität zurück. Oh verdammt, jetzt ist er auch noch geblitzt worden. Die Ampel war wohl doch rot. Das wird dem Trainer ganz und gar nicht gefallen. Aber verdammt, das hier ist ja wohl wirklich eine Ausnahmesituation, da wird er vielleicht doch noch einmal ein Auge zu drücken.

Am Trainingsgelände angekommen sieht er die Fans, die heute in riesigen Scharen angereist sind; es sind so viele, dass sie von den Zäunen nur gerade so zurückgehalten werden. Einige haben Plakate gemalt, Schwul oder hetero – ihr seid die Geilsten! und Wir stehen hinter euch. Basti muss unwillkürlich lächeln, als er diese Zuneigung und Unterstützung sieht. Damit hat er nicht gerechnet, im intoleranten, tiefschwarzen, erzkatholischen Bayern.

Einen Augenblick lang zögert er, ob er nicht sein Käppi abnehmen soll, doch dann reißt er sich innerlich am Riemen. So einfach gibt er nicht auf. Er ist ja nicht einmal schwul, also was soll der Unsinn? So leicht zwingt einen Schweinsteiger niemand in die Knie. Noch einmal tief Luft geholt, dann ist er draußen. Schnell die Tasche aus dem Kofferraum gezerrt, einmal den Daumen hoch und ein Lächeln für die Fans, dann ist er auch schon fast im Gebäude.

"Scheiß Schwuchtel!" ruft auf einmal ein Mann. "Wir wollen dich hier nicht haben!" Entsetzt dreht Bastian sich um, doch die Masse der Fans ist unübersichtlich, und er kann ihn nicht sehen. Fest entschlossen dreht er sich um und geht die letzten Schritte bis zur Türe, doch wirklich aufatmen kann er erst, als er schon einige Schritte den Gang entlang gegangen ist und die Geräusche von draußen nicht mehr zu ihm dringen.

::

"Ey Scheiße Schweini, das hab ich mir gedacht", ist das Erste, was er hört, als er die Kabine betritt. Poldi sitzt vor seinem Spind, die Beine weit von sich gestreckt, und sieht ihn an. "Alter, das rosa Käppi, besser hättst du's echt nich machen können."

Bastian grinst etwas bedröppelt. "Hallo, Liebling." Erleichtert lässt er sich auf die Bank plumpsen und versucht, die Blicke seiner Mitspieler zu ignorieren. Poldi grinst zurück und spitzt den Mund, als wolle er ihm einen Kuss geben, doch der Rest der Mannschaft ist seltsam ruhig geworden, und Basti weiß viel zu gut, woran das liegt, und es kotzt ihn einfach nur an. Nicht einmal hier können sie normal damit umgehen. Ist er jetzt auf einmal aussätzig, nur weil sich die Blöd mal wieder irre Geschichten aus den Fingern saugt?

"Mann Leute, seids ihr alle bescheuert geworden über Nacht, oder was." Es ist nicht einmal eine wirkliche Frage, und Bastian sieht niemanden an, als er spricht, starrt einfach den Boden vor sich an. Trotzdem fühlen sich alle angesprochen, das merkt er, denn auf einmal herrscht Totenstille in der Kabine. "Ihr seids doch alle echt coole Typen, oder net. Was soll'n der Scheiß jetzt, echt, voll zum Kotzen."

"Echt Mann", sagt Poldi, "seit wann gebt'n ihr'n Scheiß auf das, was die Bild schreibt."

Noch immer ist es still, bis schließlich Roy die Stille bricht. "Stimmt's denn?" fragt er, doch er sieht Bastian offen an, und es liegt nur ehrliches Interesse in seinem Blick. Trotzdem ist Basti gereizt, und an irgendwem muss er es ja auslassen. "Hättest ein Problem damit?" schnauzt er zurück. "Hättest Angst, mit mir zu duschen, oder mitm Poldi, oder was? Isses des? Ich glaub's ja echt net." Entnervt zieht er seine Schuhe von den Füßen und schleudert sie mehr auf den Boden, als dass er sie stellt.

"Nein", sagt Roy, und Bastian sieht auf. "Mein Bruder ist schwul. Ich wette, das könnt ihr morgen alles in der Zeitung nachlesen, komplett mit Fotos von ihm und seinem Freund. Genau wie jeder andere Schwule, der irgendwie mit einem Fußballer in Verbindung steht. Darauf wette ich. Aber ich werd mich auch weiterhin nach der Seife bücken, wenn's das ist, was du meinst."

"Besser hätte ich's nicht sagen können", sagt Brazzo und grinst sein schelmischstes Grinsen. "Und auf dein hässliches Hinterteil werd ich dir, wenn überhaupt, nur noch öfter hauen als bisher. Damit sie was zum Tratschen haben." Langsam kommt wieder Bewegung in die Mannschaft, und sie sagen mehr oder weniger alle, dass sie kein Problem damit hätten, wenn die beiden tatsächlich schwul wären. Bastian beruhigt sich wieder etwas, auch wenn er sich nicht sicher ist, inwieweit sie es wirklich alle ehrlich meinen, und was davon nur vorgetäuscht ist, um sich keine Blöße zu geben. Aber für den Moment wird es wohl genügen müssen.

"Dann kann ich das hier ja getrost aufhängen", meint Rense schließlich und tauscht ein schnelles Grinsen mit Andreas Ottl. Er zeigt die heutige Titelseite in die Runde. Der Beweis ist die Schlagzeile, und darunter eine Fotoserie von Bastians und Lukas' Verabschiedung vom vorherigen Tag. Küsschen jetzt auch in der Öffentlichkeit steht unter dem Bild, und Rense grinst, als er das Papier an die Wand heftet. "Damit haben wir den Beweis", sagt er. "Tolerantestes Team der Liga: FC Bayern. Wir haben ein Herz für Minderheiten. Sogar Holländer sind uns willkommen", Roys linker Schuh fliegt in seine Richtung, und Rense duckt sich gerade noch rechtzeitig, lachend, "außerdem Moslems, Schwarze, und nachdem wir keine Quotenfrauen haben können, haben wir eben Quotenschwule. Ein Hoch auf euch!"

Gelächter bricht aus, und "Hoch!"-Rufe werden laut. Bastian und Poldi grinsen einander über die Distanz hinweg an. Sie sind beide froh, dass ihre Teamkollegen es ihnen so einfach machen. Und als Dankeschön, denkt Bastian bei sich, verdienen sie eine kleine Show.

Gedacht, getan, ohne weitere Umschweife geht er zu Poldi und drückt ihm einen Kuss auf den Mund. Als er fertig ist, wischt Poldi sich demonstrativ den Mund ab und haut ihm sein Trikot um die Ohren. Bastian lacht und revanchiert sich, indem er lauthals verkündet, Lukas wäre so notgeil, dass er eigentlich wirklich jeden küssen würde, wenn Bastian gerade nicht in der Nähe sei.

Dann flüchtet er auf die Toilette, so schnell er kann, denn Poldi ist mit einem lauten Schrei der Empörung bereits aufgesprungen und verfolgt ihn nun. Basti schlägt die Kabinentür hinter sich zu und klettert schnell auf das Klo, so dass Lukas seine Beine nicht malträtieren kann.

"Schweini, du alte Sau", ruft Poldi von draußen, und Bastian muss lachen, endlich, endlich kann er wieder lachen, nachdem er gedacht hat, der Tag könnte nur noch furchtbar enden.

::

"Ey, Schweini."

Sie haben im Training mal wieder zuviel herumgealbert, und irgendwann ist Hitzfeld ihre "Flirterei" auf die Nerven gegangen und er hat sie zu Straf-Liegestützen verdonnert. Während die anderen also Freistöße üben, liegen sie zwei hier und schwitzen. Hoch, klatschen, runter. Bastian sieht neidisch zu Roque, der gerade einen Freistoß knapp am Tor vorbeizirkelt.

Hitzfeld weiß genau, dass er, Bastian, normalerweise immer sofort dabei ist, wenn es um Freistöße geht. Er beißt die Zähne zusammen und sieht nicht mehr hin. Hoch, klatschen, runter. Poldi scheint das Ganze nicht so sehr zu stören, denn er blödelt noch immer herum und versucht ständig, eine Unterhaltung anzufangen. "Ey, Schweini, jetz hör mal zu. Schweini Mann, Alter, hörst du mir zu? Es is wichtig!"

"Poldi, echt, net so viel Text!" keucht er zwischen zwei Liegestützen. Hoch, klatschen, runter.

"Alter, ich hab ne saugeile Idee!" Poldi hält inne und grinst zu ihm herüber.

Bastian kennt dieses Grinsen. Es verheißt nichts Gutes. "Ich will's gar net wissen." Hoch, klatschen, runter.

"Oh doch, Schatzi." Lukas grinst noch breiter und endlich hört auch Bastian für einen Moment auf mit der Übung. "Wir haben eh schon genug Stress, willst du, dass wir später die Schuhe putzen dürfen?" Er schüttelt den Kopf und macht weiter.

Auch wenn er ihn nicht ansieht, so weiß Bastian doch genau, wie Lukas reagiert. Er rollt demonstrativ die Augen, bis sie ihm fast ausfallen, seufzt so laut, dass ihn sicherlich auch die Fans hinter der Absperrung am anderen Ende des Platzes gehört haben, und fängt dann wieder an mit seinen Liegestützen. Es ist doch schön, wie durchschaubar sein bester Freund manchmal ist.

Doch mit dem, was Poldi gerade macht, hat er nicht gerechnet – auf einmal sieht er dessen Gesicht direkt vor seinem eigenen, denn Lukas pumpt sich jetzt nicht mehr neben Bastian hoch und runter, sondern direkt vor ihm, so nahe, dass ihre Nasenspitzen sich fast berühren. "So, Alter, nochmal ganz in Ruhe", sagt Poldi und grinst schon wieder so unheilsvoll. "Ich hab nen Plan, und wenn du nich mitmachst, bist du'n Schisser."

"Gott, echt, wie alt bist du gleich wieder?" Hoch, klatschen, runter.

"Musst mich nicht Gott nennen, Poldi reicht vollkommen."

Bastian beißt sich auf die Zähne. Wie oft hat er selbst diesen bescheuerten Spruch schon losgelassen und sich über Lukas' genervtes Gesicht gefreut. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück. "Du hörst dich trotzdem an wie 'n Kindergartenkind."

"Mir egal, Herr Ach-So-Erwachsen. Die Idee is trotzdem geil. Und ich werd's durchziehen, auch ohne dass du weißt, was los is. So sieht's nämlich aus. Wart's nur ab, bei unser'm nächsten gemeinsamen Tor, da werden sie was zu reden haben. Denk dran!"

"Ja, ja", sagt Basti nur. Hoch, klatschen, runter. Poldi und seine bescheuerten Ideen. Manchmal ist er so begeisterungsfähig, ist Feuer und Flamme für irgendetwas, und dann vergisst er es in den nächsten fünf Minuten wieder. So sind bis jetzt auch die meisten seiner "genialen Pläne" im Nirwana versunken, und auch diesmal denkt Bastian nicht weiter darüber nach. Hoch, klatschen, runter.

Hitzfeld schreit irgendwelche Anweisungen, und Poldi ist endlich mal still, und Bastian fragt sich, was wohl in den Zeitungen steht, und ob er sich tatsächlich darüber Gedanken machen soll. Gibt es überhaupt schwule Fußballer in Deutschland? Basti kennt keinen. Aber irgendjemanden muss es doch geben, oder? Hoch, klatschen, runter.

Wär ja doch irgendwie unglaublich. Immerhin gibt es überall Schwule, sogar in der Politik und so. Basti muss über sich selbst den Kopf schütteln, als er das denkt. Das hört sich ja an, als ob es eine Epidemie wäre.

Er hört schon die Stimme des Nachrichtensprechers in seinem Kopf – und schon wieder gibt es ein neues Opfer des gefährlichen Schwulitis-Virus, für das die Wissenschaft bis heute kein Gegenmittel gefunden hat. Basti grinst. Neuestes Opfer: Bastian Schweinsteiger. Jedenfalls, wenn man der Bild glauben darf. Und es weiß ja wohl wirklich jeder, wie viel von dem, was dieses Blatt schreibt, auch tatsächlich wahr ist.
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