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Geschichte: Fanfiktion
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von Abraxania
erstellt: 22.02.2007
letztes Update: 21.07.2007
Geschichte, Romanze / P16
(fertiggestellt)
Kapitel 2
„Harry! Hermine! Kommt schnell!“
Harry hob den Kopf und schaute besorgt zu Ron, der sich über eine Gestalt am Boden beugte. Harry strich sich mit dem Handrücken über die verschwitzte Stirn. Der Staub brannte auf seiner Haut, als er ihn verrieb.
Noch immer war er überrascht, dass sich seine Stirn glatt anfühlte und die Narbe, die ihn seit seiner Geburt gezeichnet hatte, seit seinem Sieg über Voldemort vor mehreren Jahren verschwunden war.
Vor sechs Jahren und drei Monaten und neun Tagen, um genau zu sein. Dieser Tag hatte sich in sein Gedächtnis eingebrannt und nicht nur wegen der Vernichtung des Dunklen Lords…
Harry ging auf Ron und Hermine zu, die sich nun ebenfalls über den leblosen Körper am Boden beugte. Er fühlte das Verlangen zu rennen, doch seine Angst vor dem was er vorfinden könnte hielt ihn davor zurück.
Er verabscheute diese Momente, wo Ron, Hermine und er über das verhasste Schlachtfeld gingen und nach den Überlebenden und Verletzten suchten.
Sie fanden zu wenige Überlebende und zu viele Tote, denen Sie nicht mehr helfen konnten. Aber er hatte Hermine versprochen, diese Rundgänge mit ihr gemeinsam durchzustehen, um denen zu helfen, denen noch zu helfen war.
Zu oft hatten Ron, Hermine und er sich über Zauberer und Hexen gebeugt, die sie gekannt hatten, deren Gesichter noch wenige Stunden zuvor ein Lachen erhellt hatte. Und dann waren sie tot und starrten mit blinden Augen zu ihnen herauf. Dieser Krieg hatte schon zu viele Opfer gekostet und Harry fürchtete, dass es so schnell kein Ende nehmen würde.
Er schloss die Augen, als er über eine verkrümmte Figur am Boden stieg, deren Beine in einem seltsamen Winkel vom Körper abstanden. Harry musste nicht hinsehen, um zu wissen, dass diese Beine nie wieder laufen würden. Ein Schauder lief über seinen Rücken, als sein Umhang an dem Schuh des Toten kurz hängen blieb.
Als er wieder die Augenlider hob, sah er wie Ron und Hermine heftig diskutierten. Hermine hatte die Hände in die Hüfte gestemmt und sich zu Ron hinüber gebeugt, um ihm zwischen den Zähnen etwas zuzuzischen. Ron hatte die Arme vor der Brust verschränkt und schüttelte vehement den Kopf. Sein Gesicht war von dem scheinbar hitzigen Streit gerötet und passte sich allmählich seinem feuerroten Schopf an, den er im Nacken zu einem Pferdeschwanz gebunden hatte.
„Harry!“ rief Ron ihm entgegen. „Harry! Sag Du ihr bitte, dass sie das nicht machen kann!“
Harry seufzte. Ron und Hermine hatten sich seit ihrer Verlobung vor einem halben Jahr vermehrt gestritten.
Er wusste nicht worum es ging, weder Ron noch Hermine sprachen mit ihm darüber. Sie hatten sich einmal versprochen, sich niemals bei dem einen über den anderen zu beschweren, denn sonst, so hatten sie befürchtet, würden sie sich irgendwann einmal gegeneinander aufbringen, und ihre Freundschaft würde daran zerbrechen.
Da nun aber Ron ihm gegenüber niemals auch nur einmal über Hermine sprach und Hermine im Gegenzug vor Harry so offensichtlich Rons Namen ignorierte, befürchtete er das Schlimmste.
Es hatte wohl etwas mit dieser Sache zu tun, dass Hermine nicht heiraten wollte, während sich die Zaubererwelt im Bürgerkrieg befand.
Unfreiwillig hatte Harry einmal mit anhören müssen, wie Ron sich darüber erboste und der davon stapfenden Hermine hinterher brüllte: „Das ist Prinzipienreiterei! Genauso wie deine blöde „Befreit-die-Hauselfen“-Aktion! Es ist einfach hirnverbrannt!“
Harry schüttelte den Kopf. Ron war ein guter Mensch. Er hatte Mut wie kein anderer, das Herz am rechten Fleck und liebte seine Hermine über alles. Aber sein Feingefühl ließ einfach zu wünschen übrig. Das war schon zu Schulzeiten so gewesen und er fürchtete, dass es auch so bleiben würde.
Harry holte noch einmal tief Luft und sprang über einen tausendfach zersplitterten Steinbrocken, den ein Fluch im Kampf getroffen haben musste.
Hoffentlich würde Harry nicht zwischen die Fronten seiner beiden besten Freunde geraten, er hatte genug vom Krieg.
„Ron! Du bist der egoistischste Mann, der mir jemals untergekommen ist! Harry, sag Du doch auch mal was dazu!“ Hermines Augen hatten sich zu schmalen Schlitzen verengt und funkelten Ron böse an.
„Der egoistischste Mann, der Dir jemals untergekommen ist? Ja? Das hältst Du also von mir?“ Ron schnaubte verächtlich. „Ich muss Dir leider widersprechen, meine liebe Hermine. Der egoistischste Mann, den Du je kennen gelernt hast, liegt nämlich zu Deinen Füßen!“
Erzürnt trat Ron mit dem Fuß gegen den unbeweglich am Boden liegenden Körper.
„Ron! Hör sofort damit auf!“ fauchte Hermine.
Harry warf seinem langjährigen Freund einen verwunderten Blick zu und wandte sich der Gestalt im Staub des Schlachtfeldes zu. Ron, der Harry beobachtet hatte und den Körper der gekrümmten Figur mit seinem Umhang und den breiten Schultern fast verdeckt hatte, trat zur Seite und wies mit einer dramatischen Geste neben sich.
Harry folgte mit den Augen Rons ausgestreckter Hand und hielt erschrocken den Atem an. Im Staub vor ihm lag ein junger Mann und ein einziger Blick auf das fast weißblonde Haar langte, um ihm zu verraten, wen er da vor sich hatte.
„Das… das ist…“ Es verschlug Harry die Sprache, aber Ron war nur zu gewillt ihm zu helfen.
„Draco Malfoy! Ganz genau!“
Harry kniete sich in den Sand und fühlte nach dem Puls an Dracos blutverkrustetem Hals. Er spürte ein schwaches, unregelmäßiges Pulsieren unter seinen Fingerspitzen.
„Er lebt noch!“
Harry blickte genauer auf Draco Malfoy, der sein Feind war, seit er das erste Mal Hogwarts betreten hatte. Die sichtbare Haut war von aufgeplatzten Wunden übersät und es musste noch schlimmere Wunden geben, denn unter seinem Körper breitete sich eine riesige Blutlache immer weiter aus. Harry gab Draco noch eine halbe Stunde, bevor er völlig verblutet war.
„Sieht nicht gut aus für ihn.“ Es war keine Frage sondern eine Feststellung, die er an Hermine richtete. Hermine nickte und wandte sich wutentbrannt an Ron: „Und wenn es nach diesem feinen Herrn da geht, dann bleibt das auch so! Uns läuft die Zeit davon!“
„Harry!“ brüllte Ron zurück. „Nun mach ihr doch mal klar, wen sie da vor sich hat! Das ist nicht irgendein Zauberer, dem sie da helfen will! Das ist Draco Malfoy! Unser schlimmster Feind!“
Harry sah auf Rons Schläfe, an der die Adern pulsierten.
„Du willst ihm helfen, Hermine?“ Harry kannte die Antwort noch bevor Hermine den Mund aufmachte.
„Harry! Ich helfe allen! Du weißt, dass wir allen helfen. Egal ob Todesser oder nicht!“
Harry nickte. Auch den verletzten Todessern war Hermine stets zur Hilfe gekommen. Sie hatte sie notdürftig versorgt, soweit ihre Heilkräfte dies zuließen und hatte sie dann zurückgelassen, bis sie von den anderen Todessern gefunden wurden. Oder eben auch nicht. Aber Hermine hatte ihnen stets eine faire Chance auf Rettung gegeben. Es war ihr Beitrag zum ersehnten Frieden.
„Hermine! Bei Merlin! Bist Du von allen guten Geistern verlassen!? Sieh Dich doch einmal um! Siehst Du hier die ganzen Toten und Leichen liegen? Was meinst Du wie viele davon auf Malfyos Konto gehen? Zwei? Zehn? Oder vielleicht doch hundert? Er ist ein Mörder! Einer der Anführer der Todesser! Wenn er stirbt, dann hat uns das dem Sieg näher gebracht als jede Schlacht gegen die Zauberer der dunklen Seite. Verstehst Du das denn nicht!?“
„Ich verstehe Dich sehr gut, Ron Weasly. Du brauchst nicht zu brüllen.“ zischte Hermine zurück. „Aber ich werde meinen Prinzipien treu bleiben. Ich helfe allen! Selbst wenn es Draco Malfoy ist.“
Hermine beugte sich zu Draco und suchte nach der Wunde, aus der scheinbar so viel Blut floss. Ron geriet in Rage.
„Harry! Du musst es ihr verbieten! Auf mich hört sie ja nicht. Sie versorgt gerade unseren schlimmsten Feind! Einen blutrünstigen, gewissenlosen Mörder. Wieviele unserer Freunde hat er umgebracht? Er hat sogar fast Dumbledore ermordet!“
„Er hat ihn aber nicht getötet.“ erwiderte Hermine.
„Und das macht ihn jetzt zu einem gutem Menschen? Hermine! Er ist ein Monster! Vielleicht war er es sogar, der Ginny umgebracht hat!“
Harry spürte, wie sein Herz sich zusammenzog, als er Ron den Namen von Ginny aussprechen hörte. Die Erinnerung an ihren Tod war wie ein Faustschlag in seine Magengrube.
Ginny, seine große Liebe.
Harry hatte Ginny beschützen wollen, hatte sie fernhalten wollen von allem, was ihr hätte gefährlich werden können und somit auch von ihm. Es hatte ihm fast das Herz gebrochen. Und seine Hoffnung, dass ihre Liebe zu ihm vielleicht mit der Zeit abkühlen und sie ihn vergessen würde, hatte sich als Irrglauben erwiesen.
Er hatte es jedes Mal in ihren Augen gesehen, wenn er ihr gegenüberstand. Und er wusste, sie hatte seine Liebe zu ihr auch in seinen Augen gesehen. Aber sie hatte es akzeptiert und still darauf gewartet, dass die Zeiten sich ändern würden.
Und die Zeiten änderten sich, aber sie wurden nur noch schlimmer. Harry musste einsehen, dass der Krieg jeden einholte, auch diejenigen, die ihm hatten fern bleiben wollen. Und in einem schwachen Moment hatte er seiner Sehnsucht nach Ginny nachgegeben, hatte sich eingeredet, dass sie mit ihm sicherer sein würde als alleine auf dem Schlachtfeld ohne seine Hilfe. Was war er doch für ein Narr gewesen.
Das alles geschah vor sechs Jahren, drei Monaten und zehn Tagen.
Sie hatten sich schließlich ihrer Liebe hingegeben und Ginny hatte ihm versprechen müssen, immer in seiner Nähe zu bleiben. Zu ihrem eigenen Schutz.
Harry schloss die Augen und kämpfte gegen die Bitterkeit seiner Gefühle an. Mit diesem Versprechen hatte Ginny ihr Todesurteil unterzeichnet.
Gewiss, niemand hatte ahnen können, dass er am Tag darauf Voldemort bereits gegenüberstehen würde…
Harry war von dem Kampf mit dem Dunklen Lord völlig berauscht. Fixiert auf sein einziges Ziel, Lord Voldemort für immer zu vernichten, sah er nicht, was um ihn herum geschah.
Er sah nicht, wie Lucius Malfoy seinem Gebieter zur Hilfe eilte. Als Harry das grausame Gesicht des Todessers entdeckte, war es schon zu spät. Der tödliche Fluch hatte Lucius Zauberstab bereits verlassen und ein grüner Strahl schoss auf ihn zu. Doch dann hörte er einen erstickten Schrei. Jemand bewegte sich hinter ihm und stellte sich als lebendes Schild zwischen ihn und den Todesfluch.
Dann geschah alles ganz schnell. Harrys und Voldemorts Zauberstab verbanden sich in Priori Incantatem als gegen Harrys rechte Seite eine leblose Gestalt sank. Eine rote lange Haarsträhne fiel über seine Schulter. Und Harry erkannte die schreckliche Wahrheit. Sein Schrei war fürchterlich und sein Zorn so unendlich, dass der schlimmste der unverzeihlichen Flüche, den Voldemort in diesem Moment gesprochen hatte, von Harrys Wut übermannt wurde. Sein Zauberstab drängte die Kraft des anderen zurück und der tödliche Fluch traf Voldemort selbst. Harry verschwendete keinen Blick mehr auf seinen Gegner und fing den reglosen Körper auf, der neben ihm zu Boden fiel.
„Ginny! Nein!“ schluchzte Harry und vergrub sein Gesicht in ihrem langen roten Haar. Er wiegte ihren Körper vor und zurück und redete leise auf sie ein, aber Ginny konnte ihm nicht mehr antworten. Ihre Augen waren leer. Harrys Augen suchten voll Hass nach Lucius Malfoy. Er war nirgends mehr zu entdecken. Der Untergang seines Gebieters hatte ihn in die Flucht geschlagen.
Harry schlang seine Arme um Ginnys Schultern. Er war es so leid, dass die die er liebte starben, um ihn zu retten. Und er hätte sein Leben in genau diesem Moment tausend mal gegeben um Ginny zu retten.
Und so hatten sie ihn gefunden. Zusammengekauert auf dem Boden mit der toten Ginny in seinen Armen. Als Ron seine Schwester entdeckt hatte, war er neben Harry auf die Knie gefallen. Harry hatte ihn mit Verzweiflung angeblickt und sich einfach nur schuldig gefühlt.
„Ginny.“ hatte Ron geflüstert und seit dem war ihr Name zwischen Ihnen nie mehr gefallen und Ron hatte nie danach gefragt, was geschehen war.
Und nun hatte Ron das Schweigen gebrochen. „Er hat sie nicht getötet.“ sagte Harry leise. Rons Blicke schnellten zu seinem Freund. „Es ist sein Vater gewesen.“
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