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Geschichte: Fanfiktion
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von Abraxania
erstellt: 22.02.2007
letztes Update: 21.07.2007
Geschichte, Romanze / P16
(fertiggestellt)
Kapitel 1
Er war alles geworden, was sein Vater von ihm verlangt hatte. Er war stark, tödlich und ein mächtiger Zauberer seiner Zeit.
Sein Gewissen hatte er schon vor langer Zeit aus seinem Kopf verbannt.
Er hatte immer gehorcht.
Sein ganzes Leben lang war er dazu ausgebildet und trainiert worden, das Erbe seines Vaters anzutreten, sein Ebenbild zu sein. Und doch war er nichts als sein Untergebener und sein Handlanger. Er war genau das, was sein Vater sich immer erträumt hatte: seine mächtigste Waffe.
Sein Vater hatte die Macht und er machte für ihn die schmutzige Arbeit.
Nicht weil er es wollte, oder gar weil er seine Vater liebte.
Oh nein. Er verabscheute seinen Vater.
Aber er war der einzige Vater, den er kannte.
Er fürchtete nicht die Gräueltaten, die er im Auftrag seines Vaters beging.
Nein, er sah sie als Herausforderung an.
Es hatte ihn schon immer gereizt, Grenzen zu übertreten, sich selbst über das Mögliche hinaus zu katapultieren. Er hatte ein Leben der Extreme geführt. Seine Macht und sein Können waren mit dem Alter gewachsen. Er hatte sich körperlich und psychisch weit über das Menschliche hinaus gewagt, um sein Versagen als Sohn in jungen Jahren wieder gut zu machen.
Und sein Vater hatte ihn angetrieben und genötigt, sich immer wieder zu übertreffen, sich selbst zu besiegen. Doch noch hatte er keine Vergebung von seinem Vater bekommen, denn das, wovor er tief in seinem Innersten wirklich Angst hatte, hatte er noch nicht besiegt:
seine Gefühle.
Gefühle, so hatte ihm sein Vater schon früh beigebracht, waren nichts weiter als Schwäche.
Und die Liebe war das törichtste aller Gefühle, denn es machte verwundbar. Und so hatte er sich der Liebe verschlossen.
Ja, er hatte zwar besessen. Aber niemals hatte er geliebt.
Und doch waren es seine sorgsam unterdrückten Gefühle gewesen, die sein Gewissen in sein Bewusstsein zurückgeholt hatten. Und das Gewissen, so hatte er gelernt, war der Anfang der eigenen Vernichtung.
Und deswegen lag er hier.
Er hatte gezögert. Er hatte Schwäche gezeigt.
Sein Gewissen hatte ihn davon abgehalten. Der kommende Tod war seine gerechte Strafe.
Es war ein junges Mädchen gewesen, dem er heute gegenübergestanden hatte. Es hatte lange schwarzbraune Locken und ein bezauberndes Gesicht, das von der Panik entstellt war, als es ihn entdeckt hatte.
Fast alle Zauberer und Hexen kannten sein Gesicht. Und für die meisten war es das Letzte, was sie in ihrem Leben sahen, bevor der Tod sie holte.
Sein Auftrag war einfach und klar gewesen:
Er sollte der Armee des Feindes die entscheidende moralische Stichwunde zufügen, die den Sieg für seine Seite in dieser Schlacht herbeiführen würde. Er sollte Verheeren unter der Nachhut anrichten, die aus jungen unerfahrenen Zauberern und Hexen bestand, die nur in allergrößter Not auf das Schlachtfeld geholt werden sollten. Er sollte sie alle ermorden.
Und dann hatte er dem Mädchen gegenüber gestanden.
Es hatte ihn entdeckt, als er sich unter die Nachhut gemischt hatte. Mitten unter sie. Die Kapuze tief in sein Gesicht gezogen.
Aus ihrer eigenen Mitte zuzuschlagen war sein Plan gewesen. Er hatte sich erhofft, das ausgelöste Chaos und die Verwirrung ausnutzen zu können. Doch es kam alles ganz anders.
Das Mädchen war vielleicht sechzehn gewesen. Ein junges Ding, das seine Zeit eigentlich hätte auf Hogwarts verbringen sollen und nicht auf dem Schlachtfeld.
Hogwarts. Der Gedanke an seine Schulzeit löste eine Kettenreaktion in ihm aus und die Erinnerung an die vergangenen Tage seiner Jugend machte ihn wehmütig und traurig. Seine unbeschwerteste Zeit war es gewesen. Und er hatte diese Zeit geliebt, bis sie je zerstört wurde. Durch seine eigenen Taten. Liebe ist das gefährlichste aller Gefühle. Es macht verletzbar.
Er hatte den tödlichen Zauber nicht aussprechen können. Er hatte gewartet, dass die Bilder seiner Jugend an ihm vorbeizogen, damit er mit seinem jetzigen Leben weitermachen konnte: dem Krieg und der Vernichtung.
Doch die Bilder gingen nicht weg und das Mädchen nutzte seine letzte Chance.
Der Fluch hatte ihn unerwartet getroffen. Er war nicht tödlich, aber hatte ihn schwer verletzt und er wusste, dass das Blut und sein Leben ihn langsam und unerbittlich verließen.
Er war erstaunt, dass ihm der Gedanke zu sterben, nichts auszumachen schien. Es gab nichts, was ihn hier hielt. Und es gab niemanden, der um ihn trauern würde.
„Hierher! Ich habe ihn gefunden!“ Der Schrei von einer Frau gellte über das verlassene Schlachtfeld.
Er hörte, wie mehrere Personen auf ihn zu rannten. Jemand kniete sich zu ihm nieder und drehte seinen Kopf hin und her. Er war nicht fähig zu sprechen.
„Ist er tot?“ fragte die erstickte Stimme der Frau, die ihm irgendwie bekannt vorkam. Doch sein Geist war bereits zu umnachtet, um sie noch zuordnen zu können.
„So gut wie.“ antwortete die kühle Stimme eines Mannes, die ebenso vertraut klang. Er versuchte den Kopf zu schütteln, um wieder klar zu denken, Doch er konnte sich nicht bewegen. Waren diese Leute hier um ihm zu helfen?
„Was werden wir jetzt tun?“ schluchzte die Frau.
„Wir können uns nicht mit ihm belasten. Wir müssen sehen, dass wir wegkommen.“
Er meinte ein leises Bedauern im Tonfall des Mannes herauszuhören.
„Sie werden ihn finden! Wir können ihn so nicht liegen lassen!“ Die Frau, die ihn gefunden hatte, kreischte fast.
„Du hast vollkommen Recht. So können wir ihn nicht liegen lassen.“
Und plötzlich erkannte er die Stimme, die beim letzten Satz einen zynischen Klang angenommen hatte. Es war die Stimme seines Vaters. Die andere Stimme, die seiner Mutter gehörte war verstummt. Er hörte nur noch ein leises Schluchzen. Da war ihm klar, dass sie nicht gekommen waren, um ihm zu helfen.
Er lächelte bitter. Auch wenn sein Gesicht es nicht widerspiegelte, da er keine Kraft mehr dazu hatte.
Er wusste, was jetzt kommen würde. Er hatte es selber schon oft getan. Doch er hatte nie geglaubt, dass es auch einmal ihn treffen würde.
Und dann hörte er den Fluch aus dem Mund seines Vaters:
„Silencio totalis!“
Die Welt um Draco wurde dunkel.
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