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von Galato    erstellt: 08.09.2006    letztes Update: 08.09.2006    Geschichte, Romanze / P18    (fertiggestellt)
Er war gerade auf dem Weg zum Mannschaftsbus. Einen Stöpsel seines iPods im Ohr und die Sonnenbrille in die Haare geschoben, sah er die lauernde Journalistenmeute schon von weitem. Am liebsten wäre er umgekehrt, aber das war ja leider nicht möglich. Vor ihm lief Ballack, also vielleicht hatte er noch eine Chance dem Ganzen zu entkommen.

Und richtig. Alle schrieen plötzlich nach Micha, hielten ihm Mikrophone entgegen und bombardierten ihn mit Fragen. Torsten grinste und klopfte seinem Kumpel auf die Schulter.
Doch noch ehe er die Tür des Busses erreichen konnte, hörte er, wie nach ihm gerufen wurde. Unmerklich zuckte er zusammen. Wenn es etwas gab, das ihn zurzeit mehr zur Weißglut trieb als alles andere, dann war es diese eine verdammte Journalistin.

„Was gibt’s denn?“ fragte er sichtlich genervt und drehte sich um. Er würde ihr ja doch nicht entkommen und besser jetzt als nach dem Spiel, sagte er sich.
Doch jedes Mal wenn er in die eiskalten blauen Augen dieser Frau sah, durchfuhr ihn ein Schauer und er hoffte, die Fragen würden nicht all zu hart ausfallen. Es wunderte ihn immer wieder, wie sie andauernd die – zugegeben – richtigen Fragen fand und ihn damit dermaßen aus der Fassung brachte, so dass er niemals gut aussah wenn er die Antworten suchte.

Alles in einem hielt Torsten die Frau für eine eiskalte, abgebrühte Journalistin, die wohl kaum an die Gefühle anderer dachte. Hauptsache, sie entlockte ihrem Opfer irgendeine Information, mit ihren verwirrenden Fragen, die dennoch sehr präzise waren.

„Wie sehen Sie Ihre jetzige Rolle in der Nationalelf und wie kommt es, dass Sie trotz großartiger Fitness nur auf der Bank sitzen werden?“
Torsten stöhnte innerlich auf. Woher hatte sie denn das schon wieder?
„Wer sagt denn, dass ich auf der Bank sitzen werde?“
„Das ist doch unwichtig. Aber was glauben Sie, wie wird sich die Mannschaft gegen die Ukraine schlagen?“
„Wir werden gewinnen.“
„Sie sind aber sehr siegessicher. Keine Angst davor, doch noch zu versagen? Bei diesem wichtigen Testspiel vor der Europameisterschaft?“
„Also versagen werden wir sicherlich nicht.“
„Na schön. Eine letzte Frage noch: Wie weit wird die Mannschaft denn dieses Mal kommen? Im Grunde ist es doch schon ein Wunder, dass sie sich für die Endrunde qualifiziert hat.“
„Wenn sie das sagen...? Wissen Sie was? Denken Sie sich doch einfach ein paar nette Antworten für mich aus. Auf Wiedersehen.“

Damit ging er. Es war wie immer. Am Ende hatte er einfach keine Lust mehr, sich Antworten aus dem Finger zu saugen. Außerdem kam es ihm so vor, als wäre diese Frau regelrecht auf ihn angesetzt worden. Warum auch immer.

*

Das Spiel verloren sie 0:1. Das gute daran war, dass er keinerlei Schuld an diesem Ergebnis hatte. Er saß ja nur auf der Bank. Und trotzdem stürzte sich diese Journalistin abermals auf ihn.
„Was sagen Sie denn nun zu dem Ergebnis, Herr Frings?“ Ihre Augen funkelten vor Hohn.
„Ist doch gut“, sagte er deshalb nur und versuchte den Mannschaftsbus zu erreichen.
„Gut? Wie meinen Sie denn das?“ fragte sie ungläubig.
„Na, wenn wir jetzt schon verlieren, dann tun wir’s halt in der Schweiz nicht mehr.“ Damit stieg er ein und ließ diese blöde Kuh zurück. Wenn das so weiterging... Torsten wollte sich gar nicht erst vorstellen, was diese Frau bei der Euro veranstalten würde. Wenn er nicht aufpasste, lag sie sicherlich mit ’nem Mikro unter seinem Bett...

*

Für Susan Jeschke, 27 Jahre alt und Journalistin,  war Torsten Frings der interessanteste Spieler der Nationalelf. Wurde er anfangs unter Rudi Völler bei der WM 2002 noch als Allroundspieler eingesetzt, hatte er sich langsam und sicherlich mit Förderung von Jürgen Klinsmann seinen Stammplatz im zentralen Mittelfeld erobert.

Fußball hatte ihr schon immer gefallen. Schon seit sie aufrecht stehen konnte hatten ihre vier älteren Brüder sie mit dem runden Leder vertraut gemacht. Leider wurde aus ihr so gar keine gute Fußballerin, was ihr aber auch nicht so wichtig war. Sie fand den Sport an sich interessant. Zuerst in dem Verein ihrer Brüder, dann die Bundesliga und die Nationalmannschaft. Und zum Schluss die Artikel, deren Inhalte sie regelrecht aufsaugte. Allerdings fand sie diese immer schlecht geschrieben und so stand ihr Berufswunsch schon im zarten Alter von zehn Jahren fest: Sportjournalistin mit Schwerpunkt Fußball national und international. Auch wenn sie das damals noch nicht so ausformuliert hatte, sondern einfach eines Tages beschloss, über Fußball zu schreiben.

Sie hatte Talent und so war es nicht verwunderlich, dass sie schon bald nach dem Studium für eine bekannte Tageszeitung kleinere Artikel schreiben durfte.
Das Highlight kam dann für sie, als sie eine Art Tagebuch für die Zeitung während der Weltmeisterschaft im eigenen Land führen und die Nationalspieler interviewen durfte.
Jetzt, während der Europameisterschaft in der Schweiz, war sie es wieder, die das Tagebuch schreiben durfte. Und wenn sie sich anstrengte, gelang ihr vielleicht sogar der ein oder andere Leitartikel.

Eigentlich war sie stets freundlich zu den Spielern, wenn sich die Möglichkeit zu einem Interview ergab. Doch aus irgendeinem unerfindlichen Grund war zwischen ihr und Torsten Frings Krieg ausgebrochen. Wenn sie sich richtig erinnerte, hatte sie ihn gleich zu Anfang auf dem falschen Fuß erwischt und ihn angeblich mit unbequemen Fragen genervt. Als er dann ruppig reagierte und sie barsch abfertigen wollte, ließ sie sich das natürlich nicht gefallen. Von da an ging es praktisch bergab. Jedes Mal wenn sie aufeinander trafen, gab es Zoff und Susan gelang es einfach nicht mehr, freundliche Fragen zu stellen, sondern griff ihn sofort an. Sie wollte es ja nicht, aber er ließ ihr einfach keine andere Wahl.

Nur an diesem einen Tag sollte alles ganz anders sein...

*

Michael, Jens, Miro und Torsten begossen ihren Sieg gegen Holland im Viertelfinale nach der so genannten offiziellen Feier noch in einer Kneipe außerhalb von Bern. Sie hatten sich davongeschlichen und gegen ein Uhr morgens wusste sowieso niemand mehr, wo rechts und links war. Also würde sie sicherlich niemand vermissen.

„3:1 gegen Holland, Jungs, und alle Tore selbst geschossen. Das werden wir sicherlich nicht so schnell vergessen“ meinte Torsten und erhob sein Glas. „Auf Miro mit seinen zwei Toren.“
„Und auf Michael, der uns erst mit seinem Anschlusstreffer wieder Hoffnung auf einen Sieg gegeben hatte“, sagte Miro und erhob ebenfalls sein Glas.
„Nicht zu vergessen auf Torsten, der sich die Chance auf ein Tor nicht entgehen ließ und den Ball gleich in den ersten fünf Minuten an Jens vorbei ins eigene Netz segeln ließ“ lachte Michael und hob sein Glas. Torstens Wangen glühten.
„Ach, wenn unser Torwart hier besser aufgepasst hätte...“
„Hey, komm mir nicht mit dieser Nummer! Du hast ja gesehen, was im Strafraum los war“, grinste er und schloss sich mit seinem Glas an. „Auf das Team!“ schloss er und sie stießen an.

Die Kneipe war voll und eigentlich bemerkte kaum jemand die feiernden Nationalspieler. Auch nicht die Journalisten in der anderen Ecke, die ebenso ausgelassen feierten. Alle bis auf eine.

Susan war so gar nicht nach feiern zumute. Vergeblich hatte sie heute versucht, ihren Freund anzurufen, aber er ging weder an sein Handy, noch an sein Haustelefon. Sie war kein Kontrollfreak, aber während sie ganz allein in der Schweiz war, vermisste sie seine Stimme.
Auch auf ihre SMS reagierte er nicht und so langsam machte sie sich Sorgen.
„Mädchen, dann ruf ihn doch jetzt noch mal an. Deine Trauermiene kann ja niemand ertragen“, hörte sie einen älteren Kollegen zu sich sagen.
„Um diese Zeit?“ Es war halb drei Uhr morgens.
„Nun geh schon!“

Susan nickte fast schon widerwillig, stand auf und verabschiedete sich nach draußen, wo sie mehr Ruhe hatte.
Die Luft fühlte sich warm und angenehm an, nicht mehr so drückend wie tagsüber. Sie atmete tief ein und wählte die Nummer von Toms Haustelefon.

Es dauerte lange, aber endlich hörte sie wie am anderen Ende abgenommen wurde.
„Ja, was gibt’s?“ meldete sich eine Stimme. Eine weibliche Stimme.
„Ich... ich hätte gerne meinen Freund gesprochen“, antwortete Susan und ihre Stimme klang fester als es ihre Gefühlslage war.
„Oh scheiße“, hörte sie die Andere murmeln, dann meldete sich plötzlich Tom.
„Ja?“
„Wie jetzt, ‚Ja’? Hast du nicht mehr zu sagen?“
„Süße, das, das verstehst du völlig falsch. Sie ist meine Arbeitskollegin und wir arbeiten gerade an einem großen Projekt. Da erfordert es halt schon gute Zusammenarbeit und“
„Zusammenarbeit?“ Susan spuckte das Wort regelrecht ins Telefon. „Wo findet diese Zusammenarbeit denn statt? Bei dir im Bett?“
„Nein, natürlich nicht!“ Die Art wie er es sagte – nervös, mit einem Zittern in der Stimme – machte sie misstrauisch. Gerne hätte sie ihm geglaubt. Doch sie hegte schon lange den Verdacht, dass Tom sie betrüge. Nur wahrhaben wollte sie es nicht.
„Komm, jetzt lüg mich nicht an. Sei nicht so feige und sag mir endlich die Wahrheit. Wer ist sie? Deine Geliebte?“

Schweigen.

„Gut. Das sagt alles. Du kannst mich mal gern haben, weißt du das? Seh’ zu, dass du aus meinem Leben verschwindest!“ Dann legte sie auf. Und brach in Tränen aus. Geahnt hatte sie so etwas schon, aber dem ganzen nun doch ins Auge sehen zu müssen, war zu viel. Sie ging um die Hausecke und sank dort die Wand entlang hinunter zu Boden. Den Kopf in die Hände gestützt schluchzte sie leise vor sich hin.


*

„Sagt mal, ist euch auch so warm? Ich brauch jedenfalls mal dringend frische Luft“, meinte Torsten und verschwand Richtung Ausgang.
Er hatte schon einiges getrunken und wunderte sich still darüber, dass er noch geradeaus laufen konnte. Draußen vor der Kneipe streckte er sich einmal kurz und sog tief die warme Nachtluft ein.
Sie hatten gewonnen! Gegen Holland! Torsten konnte es eigentlich noch gar nicht glauben. Es war seine dritte EM und endlich waren sie mal über die Vorrunde hinaus gekommen. Und dann gegen Holland! Torsten hätte vor Freude schreien mögen.

Grinsend stand er da und sah sich den nächtlichen Himmel an. Stille, nur die Stimmen aus der Wirtschaft drangen nach draußen. Hach. Herrlich.

Moment Mal, da war doch noch irgendwas? Wenn ihn seine durch Alkohol beeinträchtigten Sinne nicht täuschten, weinte da doch jemand? Er sah sich um, konnte aber niemanden ausmachen. Vielleicht war es ja Einbildung?

Nein, da war es wieder, ganz deutlich. Schluchzen. Torsten lief ein Stück nach links, nach rechts und letztendlich stolperte er um die Hausecke. Er fand eine junge Frau vor, die ihm merkwürdig bekannt vorkam. Als er sie ansprach und sie zu ihm hochsah, wusste er auch, warum.
Blaue Augen. Doch dieses Mal waren sie alles andere als eiskalt.
„Ach komm, verzieh dich!“ schrie sie ihn an. „Das muss für dich ja eine unheimliche Genugtuung sein, mich endlich mal am Boden zu sehen“, schluchzte sie.

Torsten musste sich eingestehen, dass er im ersten Moment genau das Empfand: tiefe Genugtuung. Aber dann war da die Erkenntnis, dass da gerade eine sehr verletzte Frau auf der Erde saß. Und wenn ihm das Herz weich wurde, dann nur weil er keine weinende Frauen sehen konnte. Petra, seine Frau, wusste das nur zu gut.

„Was ist denn los?“ fragte er vorsichtig und kniete sich zu ihr hinunter. Dabei schwankte er gefährlich hin und her, was ihn an seinen Alkoholpegel erinnern ließ.
„Das geht dich ja wohl gar nichts an!“ schleuderte sie ihm zwischen zwei Schluchzern entgegen.
„Aaaach, was bringt es denn sich jetzt noch zu verschließen? Du bist am Boden, sitzt hier rum und weinst dir die Seele aus dem Leib. Du bist doch nicht etwa gefeuert?“ fragte er und es klang fast hoffnungsvoll.
„Nein! Das hättest du wohl gerne!“
„Allerdings“, bestätigte er leise und sah in eine andere Richtung.
„Na ja, wie auch immer. Da muss jedenfalls was ganz Blödes in deinem Leben passiert sein. Und wenn es nicht der Job ist, dann kann es eigentlich nur noch“
„Hör auf und geh endlich!“ unterbrach sie ihn. Vor lauter Ärger über den Nationalspieler hatte sie mittlerweile das Weinen vergessen.
„Kannst du vergessen. Also hat dein Macker mit dir Schluss gemacht?“
„Na und? Er war sowieso blöd!“
„Also hatte ich Recht. Aber ich glaube kaum, dass du ihn so blöd fandest, wie du sagst. Sonst würdest du hier nicht sitzen und rumheulen.“
„Oh, wie mitfühlend“ ätzte sie und schniefte nur noch hin und wieder.

Torsten grinste leicht verlegen. „Jaaah, so bin ich eben. Ich kann halt niemandem lange böse sein.“
Susan sah ihn an und schluckte schwer. Sie war gemein zu ihm, das wusste sie. Es hatte irgendwann angefangen und war außer Kontrolle geraten. War sie Torsten da nicht etwas schuldig? Jetzt, wo er auch noch so nett zu ihr war...

„Solltest du nicht in irgendeiner Bar sitzen und über dein Eigentor sinnieren?“ sagte sie deshalb, aber es hörte sich nicht böswillig an. Susan konnte sich sogar noch ein Lächeln abringen, was Torsten wiederum zu einem breiten Grinsen veranlasste. Schließlich stand er auf und reichte ihr beide Hände.
„Na komm. Vergiss den Blödmann und trink was mit mir.“

Zögernd kam sie seiner Bitte nach und griff nach seinen Händen.
„Siehst du. Ist doch ganz einfach. Da fällt mir ein, wie heißt du eigentlich?“
„Sollte eine Journalistin tatsächlich ihren Namen gegenüber ihrem ständigen Opfer nennen?“
„Unbedingt!“
„Ich bin Susan.“
„Torsten.“
„Ach nee.“

Sie gingen wieder in die Kneipe und Torsten zog sie mit sich an den Tisch der Nationalspieler. Schulterzuckend warf sie im Vorbeigehen einen Blick zu ihren Kollegen hinüber und setzte sich schließlich zwischen Michael und Torsten.
Verwundert sahen Miro, Micha und Jens die Journalistin an. Auch wenn sie schon eine Menge Alkohol gebechert hatten, erkannten sie die Frau.

„Hey, du bist doch die, die den Lutscher immer ärgert, oder?“ kam es von Micha augenzwinkernd. „Hast es wohl auf ihn abgesehen, was?“
„Micha, nun lass sie einfach. Sie wurde gerade von ihrem Freund verlassen. Ist doch richtig, oder?“ fragte Torsten noch einmal nach.
„Danke. Ich glaube die da drüben haben’s noch nicht mitgekriegt.“
„Ach, soll ich noch mal...?“
„NEIN! Um Himmels Willen.“

„Na ja, dann trink mal was. Hier“, sagte Jens und stellte ihr ein sauberes Glas vor die Nase. Was er ihr dann alles ins Glas mixte, wusste Susan nicht mehr so genau. Wahrscheinlich was mit Wodka oder so... Susan hätte eigentlich nicht trinken sollen, aber wenn sie ehrlich zu sich selbst war, dann war es genau das, was sie jetzt brauchte – einen ordentlichen Drink.

Natürlich blieb es nicht bei diesem einen Drink, sondern es folgten noch einige weitere. Der Alkohol löste ihre Zunge und bereitwillig plauderte sie Stories aus ihrem Leben aus.
Miro und Jens waren bald k.o. und bestellten sich ein Taxi. Als es da war, entschloss sich Michael kurzerhand auch, das Feld zu räumen und zu dritt verabschiedeten sie sich von Torsten und Susan.

Die zwei saßen nun alleine am Tisch und irgendwie wurde es mit einem Mal ganz ruhig zwischen ihnen. Kurzerhand räumte Susan alles zusammen und legte eine leere Wodkaflasche in die Mitte des Tisches.
„Das ist doch jetzt nicht dein Ernst, oder?“
„Na und ob!“ Dann drehte sie die Flasche und der Hals kam schließlich bei Torsten zu stehen.
„Gut. Wahrheit oder Pflicht?“
„Ach, das ist doch dumm das zu zweit zu spielen... und überhaupt...“
„Wahrheit oder Pflicht?“, drängte sie und schließlich rang sich Torsten zu einem zähneknirschenden „Wahrheit“ durch.
„Gut... ehm... was ging dir bei deinem Eigentor durch den Kopf?“ Es fing zweifelsohne harmlos an, ging dann aber nahtlos über zu intimere Fragen. Dabei hatte Susan das Glück auf ihrer Seite. Der Flaschenhals zeigte ständig auf Torsten. Der nahm das Ganze jedoch mit einem Lächeln hin.
Ihm wurde jetzt erst bewusst, wie attraktiv Susan war. Blonde schulterlange Haare, sanft geschwungene Lippen und dann diese blauen Augen, die er sonst immer so gefürchtet hatte. Noch nie hatte er ihr so bereitwillig die Fragen beantwortet. Auch wenn sie immer weiter unter die Gürtellinie führten. Allerdings waren beide so betrunken, dass sie sich schon zehn Minuten später nicht mehr daran erinnern konnten.

Alles also ganz harmlos.

Dann zeigte die Flasche endlich auf Susan.
„Na also, geht doch“, freute sich Torsten und rieb sich unbeholfen die Hände. „Also: Wahrheit oder Pflicht?“
„Ach, eigentlich hab’ ich gar keine Lust mehr...“ versuchte sich Susan zu retten, was ihr jedoch nicht gelang. Torsten bestand zumindest auf diese eine Chance.
„Na gut... ehm... Wahrheit.“ Torsten hatte vorher auch immer Wahrheit gewählt, von daher dachte sie, wäre es nur fair, wenn sie ihm da jetzt folgen würde.
„Gut. Dann... lass mich mal überlegen.“ Torsten tat so, als bräuchte er einen Augenblick um sich zu sammeln. Dabei hatte er sich schon die ganze Zeit eine Frage ausformuliert.
„Nun mach schon“, drängelte sie und konnte kaum abwarten, was er sie fragen würde.

„Wenn wir miteinander schlafen würden... würdest du am nächsten Tag einen Artikel darüber verfassen?“ Dabei lehnte er sich halb über den Tisch und schaute ihr tief in die Augen.
Susan brauchte nicht lange für ihre Antwort.
„Lass es doch darauf ankommen.“

*

Das Hotelzimmer war klein, aber es war ja auch ihr Zimmer. Seins wäre wesentlich luxuriöser gewesen, jedoch wurde sein Hotel von Journalisten belagert. Darum konnten sie sich also in ihrem Hotel relativ unbeobachtet fühlen.

„Keine Artikel?“ fragte er vorsichtshalber nach und stand dicht vor Susan, ohne sie jedoch zu berühren. Was er hier tat dufte er gar nicht. Was er hier tat war Ehebruch. Gedanken, die sich irgendwo in seinem vom Alkohol vernebelten Hirn verliefen und erst noch nach dem Weg zu seinem Gewissen fragen mussten.
„Kommt ganz darauf an...“ Nein, natürlich würde sie keinen Artikel darüber schreiben. Aber das musste er ja nicht wissen und vielleicht würde er sich so ja ordentlich ins Zeug legen.

Als er sie berührte, durchfuhr sie ein kleiner Stromstoß. Hatte sie sich so etwas nicht heimlich gewünscht? Natürlich hatte sie ihn auf den Kieker, aber so...?

Torsten hatte seine Hände auf ihre Schultern gelegt und ließ sie nun langsam über ihre nackten Arme hinab zu ihren Händen gleiten. Eine feine Gänsehaut lief ihnen hinterher und verursachte ein angenehmes Kribbeln in ihr. Das süße Ziehen in ihrer Körpermitte hatte sie bereits beim Flaschendrehen verspürt, es aber ignoriert. Wer war sie denn, dass sie sich gleich dem nächstbesten Nationalspieler an den Hals schmiss?

Er hatte ihre Hände erreicht und führte sie zu seinem Rücken. Dabei zog er sie so nahe zu sich heran, dass sich ihre weiblichen Rundungen gegen seine Brust drückten. Beide sahen sich erwartungsvoll an und wussten nicht so Recht, ob sie sich küssen sollten oder nicht. Allerdings hatte es wenig Sinn sich so etwas zu fragen, denn der Alkohol verhinderte jede Antwort.
Also ging man nach der einfachen Methode: erlaubt ist, was sich gut anfühlt. Und Susan fand, dass sich Torstens Lippen gerade ganz besonders gut auf ihrem Mund anfühlten.
Ihm ging es nicht anders und in diesem Moment brannte eine Sicherung in ihm durch. Er hatte nur noch diese Frau vor Augen. Und die Art, wie sein Körper auf sie reagierte konnte ja nun nicht wirklich falsch sein, oder?

Der Kuss, der erst noch relativ vorsichtig begann wurde zunehmend fordernder und leidenschaftlicher. Einmal mussten sie sich kurz lösen, um nach Luft zu schnappen. Diese Gelegenheit wurde sofort ausgenutzt, um erste Kleidungsstücke auszuziehen. Bis zum Bett war es nur ein paar Schritte schätzte Torsten ab und zog Susan wieder enger an sich heran. Wieder suchte sein Mund den ihren und wieder forderte seine Zunge Einlass

Susan zupfte an Torstens Gürtel herum und öffnete ihn schließlich. Der Knopf der Jeans folgte und schon stand er nur noch mit Boxershorts bekleidet vor ihr. Die Beule darin drückte sich gegen ihre Körpermitte, was das Ziehen nur noch unerträglicher für sie machte.

Torstens Finger öffneten geschickt ihren BH und sanft schob er die Träger über die Schultern, so dass er schließlich zu Boden fiel. Er küsste ihren Hals, biss sanft in ihren Nacken und ließ seine Hände über ihren Po fahren. Als sie sich an ihrem Hosenbund zuschaffen machten und sie spürte wie er ihre Jeans und ihren Slip zu Boden zog, stöhnte sie erwartungsvoll auf.

Er drückte sie auf das schmale Bett, das gerade mal breit genug für eine Person war und begann damit, beinahe jeden Quadratzentimeter ihres Körpers zu küssen. Torsten gefiel es, wie sich Susan unter seinen Berührungen wand und sich ihm immer wieder entgegendrückte. Vor allem, als er mit seiner Zunge ihr Lustzentrum erkundete.
„Torsten“ stöhnte sie und drückte ihren Rücken durch.
Lächelnd küsste er sich wieder nach oben und erreichte nach etlichen Umwegen ihren Mund.
Susan strich voller Ungeduld über seine Tattoos, seine Brust, seinem Rücken hinab zu dem strammen Po, wo sie versuchte ihm die Boxershorts hinunterzuziehen. Letztendlich  befreite er sich selbst von dem störenden Stoff.

„Ich will dich jetzt“, sagte sie mit heiserer Stimme und spreizte ihre Beine so weit es ging. Er ließ sie noch ein wenig zappeln und strich sanft über ihren Bauch. In seiner Hose, die neben dem Bett auf dem Boden lag, suchte er nach den Kondomen, die er kurz vorher noch besorgt hatte und fand sie auch bald. Er nahm sich eins und packte es aus und sein bestes Stück damit ein.

Torsten küsste die junge Frau mit feuriger Leidenschaft und drang voller Eifer in sie hinein. Dass er seine Erregung so lange zügeln konnte, hatte ihn selbst überrascht. Sie wollte ihn haben? Sie sollte ihn bekommen.
Susan schrie auf vor Lust als er in sie eindrang und sich schließlich heftig in ihr bewegte. Gerne hätte sie noch ihre Position geändert, aber sie befürchtete aus dem Bett zu fallen, wenn sie noch großartige Bewegungen machte. Also schlang sie ihre Beine nur noch fester um Torsten und zog ihn noch näher an sich heran.
Er wurde immer schneller in seinen Bewegungen und keuchte dicht an ihrem Ohr. Es dauerte nicht lange, bis sie beide kamen und er erschöpft über sie zusammenbrach.

Ihr Atem ging nun mehr stoßweise und zumindest Susan hätte das eben erlebte gerne wiederholt.
Sein schwerer Körper lag noch immer auf ihr, doch sie nahm sein Gewicht gar nicht wahr. Sie spürte nur die nackte Haut und sein starkes Herzklopfen.

Doch es endete abrupt. Torsten zog sich aus ihr zurück, stand auf und sammelte seine Klamotten auf. Dann verschwand er ins Bad.
Enttäuscht kroch Susan unter die leichte Sommerdecke und wartete darauf, dass Torsten wieder aus dem Bad kam. Sie brauchte nicht lange zu warten.

„Es ist wohl besser, wenn ich jetzt gehe. Und wir vergessen das alles hier. Ja?“ Er sagte es bestimmt und mit einer unheimlichen Festigkeit in der Stimme. Aber ansehen konnte er sie dabei nicht.
„Natürlich“, kam es von ihr und sie zog die Decke noch fester um sich. Obwohl es im Zimmer sehr warm war und ihr Körper glühte, fröstelte es sie. Das letzte, was sie von Torsten sah, war sein Rücken und wie er die Tür hinter sich schloss.
Was hatte sie auch erwartet? Dass er die Nacht über bei ihr bleiben würde? Nein, das konnte sie nicht verlangen. Der Nebel von Alkohol und Verlangen, der ihr Gehirn umhüllt hatte, legte sich allmählich und ihr wurde bewusst, was sie hier getan hatte. Er ist verheiratet. Und nur weil du mit ihm Sex hattest, heißt das noch lange nicht, dass er dich liebt. Das war ihr Gewissen.
Es war doch schließlich alles ganz unverbindlich. Ein One Night Stand.

Torsten stand draußen vor der Zimmertür und wartete noch einen Augenblick, ehe er sich in Bewegung setzte. Der Alkohol verflüchtigte sich ein wenig und ließ seinem Hirn Platz zum Nachdenken.
Er hatte seine Ehefrau betrogen. Er war so ein Schuft. Wenn das an die Öffentlichkeit geriet... Bevor er ging, drehte er sich noch kurz zur Tür um. Hatte er sie ausgenutzt?
Es war hart, nach einem wichtigen Sieg seine Frau nicht in der Nähe zu haben. Der Druck wurde irgendwann einfach zu groß.

Nein. Es beruhte ja auf Gegenseitigkeit und Torsten war sich sicher, dass sie wusste, dass es eine einmalige Angelegenheit war. Ein One Night Stand. Es würde sich nicht wiederholen. Ganz sicher nicht.

*

Einige Tage zogen ins Land und Susan ignorierte Torsten vollkommen, worüber er sehr froh war. Die Zeit der unbequemen Fragen war also vorbei. Vielleicht sollte er ja mit allen Journalistinnen schlafen, die ihn nervten. Dann würde er endlich mal Ruhe haben.

Das Halbfinale gewannen sie jedenfalls. Gegen Spanien, durch ein glückliches 1:0, dass sie schon in den Anfangsminuten schießen konnten. Bastian Schweinsteiger hieß der glückliche Torschütze. Dass sie dieses 1:0 bis zum Ende halten konnten, ließ auch die stärksten Kritiker verstummen, die wie immer etwas über die Abwehr rumzumäkeln hatten.

Und das Finale? Nun, man wird sehen...

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A/N: Hallo erst mal! Tja, eigentlich ist die Geschichte damit schon wieder zu Ende, aber vielleicht schreibe ich doch noch einen zweiten Teil dazu... ich weiß noch nicht *sich unschlüssig ist* Na ja, falls ihr an einem zweiten Teil Interesse haben solltet, dann reviewt einfach *g*
LG,
Galato
 
 
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