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von Gretel of Filz    erstellt: 28.08.2006    letztes Update: 20.02.2011    Geschichte, Parodie / P12    (abgebrochen)
A/N: Und weil es so lange gedauert hat, das nächste Kapitel gleich hinterher...

Kapitel 6

Ungefähr fünfzig Meilen Luftlinie hatten Chaos und seine Passagierin ohne Zwischenfälle zurückgelegt. Es war zwar recht frisch und stürmisch hier oben, aber Krähe biss tapfer die Zähne zusammen. Um sich von ihrer Höhenangst abzulenken, zählte sie in Gedanken wiederholt das kleine Einmaleins auf. Ein bisschen fühlte sie sich wie eine Prinzessin, die auf dem Rücken eines verwunschenen Prinzen, der dazu verdammt war, sein Dasein als Höllendämon zu fristen, aus dem Schloss vor ihren bösen Stiefgeschwistern geflohen war. Eine romantische Vorstellung, die sie diese Tortur etwas leichter ertragen ließ. Chaos-Vincent breitete die kräftigen, weiten Schwingen aus und segelte majestätisch über den unter ihnen in der roten Morgensonne glitzernden Ozean. Da geschah es.  
Vincent wusste, dass er sich nur für eine begrenzte Zeitspanne in den Dämon verwandeln konnte, und er hatte eben diese Zeitspanne genauestens kalkuliert. Seinen Berechnungen nach sollten sie ohne Zwischenfälle in Frankreich ankommen. Was er allerdings nicht einkalkuliert hatte, war seine Schreckhaftigkeit. Als plötzlich ein Schwalbenschwarm über ihm auftauchte und ihn ein feuchter Klecks Vogelscheiße mitten ins Auge traf, erschrak er so sehr, dass er seine Verwandlung nicht mehr länger aufrecht erhalten konnte. Es gab einen ohrenbetäubenden Knall, er spürte, wie die Kraft aus seinem Körper strömte, eine dichte Rauchwolke entfaltete sich um ihn und sein Fräulein. Die konnte noch panisch aufschreien, wohingegen er sich nur ein erstauntes "Ups" abrang, und da fielen sie auch schon... und fielen...
Hunderte Meter ging es hinab im freien Fall, bis Vincent schließlich einfiel, dass er ja auch in seiner normalen Gestalt fliegen konnte. Natürlich nicht so ausdauernd, wie er es als Monster mit der geballten Kraft der Höllenwut konnte, aber es reichte doch, um das Fräulein wenige Meter oberhalb der Wasseroberfläche aufzufangen. Wäre sie aufgeprallt, hätte das bestimmt mehrere Knochenbrüche nach sich gezogen, schließlich wirkte die Wasseroberfläche bei einem Fall aus solcher Höhe hart wie Beton.
Nun hatten sie ein Problem. Vincent, gerade so hoch fliegend, dass seine Stiefel nicht ins Wasser eintauchen und rosten konnten (eigentlich waren die nämlich aus goldüberzogenem Aluminium, echte taiwanesische Wertarbeit), hielt sein Fräulein in den Armen, die bei ihrem Freiflugversuch das Bewusstsein verloren hatte.  
Seine Augen schweiften suchend nach einem Anzeichen von Festland über den Ozean, doch in ihnen spiegelte sich nur endlos weites, glitzerndes Wasser und ein leuchtend blutroter Winterhimmel. Sie waren mitten im Nirgendwo.  

*~*~*


In Frankreich fiel das Frühstück aus. Nachdem Kath den nächtlichen Besuchern ihre Zimmer gezeigt hatte, war sie zurück in ihr Zimmer gehuscht und hatte sich wieselflink daran gemacht, wieder einmal ausschweifend ihrem Tagebuch von den Ereignissen der vergangenen Stunden zu berichten. Sie wusste selber noch nicht ganz, was sie mit den heimlich so verhassten Gästen anstellen sollte, und in den Grübeleien darüber war sie schließlich eingeschlafen. Ihr Kopf ruhte sanft auf der Tastatur. Sie schlief öfter auf Tastaturen, das gab immer so hübsche Abdrücke. In ihrer halb offenen linken Hand ruhte ihr nagelneues Handy, eigentlich hatte sie nämlich noch in Costa del Sol anrufen und ihre Freunde auf den Plan rufen wollen, aber die Müdigkeit hatte gesiegt, bevor sie sich durch das komplizierte Menü gepfriemelt und die Nummer ausfindig gemacht hatte.
Schlossgeister brauchten natürlich keinen Schlaf. Yazoo und Loz machten sich einen Heidenspaß daraus, ihre Gäste immer wieder aufs Neue halb tot zu gruseln. Kath hatte denen ein provisorisches Schlafgemach unten in den tiefsten Schlosskatakomben eingerichtet, gleich zwischen Folterkammer und Chemielabor. Und die Geister setzten alles daran, um ihren Gästen eine haarsträubende, schlaflose Nacht zu bereiten. Entweder, Yazoo huschte ständig durch Wände, Decke und Fußboden und manchmal sogar durch mitten durch ihre vor Angst zitternden Körper hindurch, oder Loz ließ die alten Mauern mit seinem Gejammer und Gegreine in allen möglichen und unmöglichen Oktaven erzittern. So hatten die Fremden sich ein gemütliches Nachtlager bestimmt nicht vorgestellt.
Flucht war jedoch auch keine Option – Kath hatte wohlweislich daran gedacht, die Türen fest mit schwarzer Magie zu versiegeln. Wenn einem schon mal ein solcher Fang in die Finger geriet, würde sie doch nicht leichtfertig riskieren, dass die wieder flüchten konnten, noch bevor ihre Freunde sich ein bisschen mit denen ausgetobt hatten.

*~*~*


Aber es bedarf gar keines Anrufs in Costa del Sol, denn was Kath nicht wusste, war, dass ihre Freunde ohnehin so gut wie auf dem Weg zu ihr waren. Allerdings erst, nachdem Reno und Rude festgestellt hatten, dass Vincent und Krähe verschwunden waren. Was den Zeitpunkt der Abreise noch eine Stunde nach hinten geschoben hatte, da Reno mit der gefundenen Notiz erst einmal zu Rude rennen musste, damit dieser ihm vorlesen konnte, dass Vincent und Fräulein schon mal voraus geflogen waren.  
Außerdem hatte auch Raven noch etwas zu erledigen, die jagte nämlich Cid durch das ganze Haus. Was dem anscheinend wieder zu gefallen schien. Die anderen Bewohner beobachteten das kleine Räuber-und-Gendarm-Spiel über Tische, Sofas und Kleiderschränke mit wachsendem Interesse und sie schlossen schon heimliche Wetten ab, wem der beiden kettenrauchenden Oldies zuerst die Puste ausgehen würde.
"Ach komm, du hast es doch auch gewollt!", brüllte Cid Raven vergnügt zu, die ihn gerade mit Wurfgeschossen aus leeren Muffinpackungen bewarf. Er hüpfte leichtfüßig hinter den Esstisch und grunzte siegessicher. Raven schmiss auf gut Glück noch eine Teetasse hinterher - sie hatte ausgerechnet Cids Lieblingstasse erwischt, die mit Yoda drauf nämlich -, die scheppernd an der Wand zerbarst. Cids eben noch so angeregte Miene verdüsterte sich missbilligend. "Jetzt gehst du aber zu weit", schnarrte er, langte in seine Hosentasche und beförderte eine Stange Zigaretten hervor, die er seiner Angreiferin wütend an den Kopf schleuderte. Die hob sie wieder auf, grinste ihm ein "Danke" zu und warf die Zigaretten Vinya zu.
"Verblödete Gewitterhexe!", brüllte Cid, dem jetzt aufging, was er da gerade getan hatte, "gib mir meine Scheißkippen zurück!"
"Könnt ihr euch nicht verdammt noch mal wie Erwachsene benehmen, yo?", kam es aus der Zimmerecke, in der Reno hockte und gerade seinen Schwimmring und die Schwimmflügel mit den Entchen in seinem Reisekoffer verstaute.
Diz, die aufgrund des Schlafmangels sowieso schon überreizt war, musste wirklich an sich halten. Beinahe überwog das Bedürfnis, Renos Schwimmutensilien in Brand zu stecken, aber sie zwang sich zur Ruhe und ignorierte den Turk. Wortlos drückte sie statt dessen Cid Handfeger und Müllschippe in die Hände. Vinya erbarmte sich Raven und schubste sie aus dem Zimmer. Sie hatten schließlich noch zu packen.

*~*~*


Als Fräulein von der Rattenburg wieder zu sich kam, hatte sie das Gefühl, ihre Füße würden verbrennen. Vorsichtig schlug sie ein Auge auf – und glaubte doch, noch immer zu träumen. Sie lag in weißem, weichem Sand unter einer Palme. Ihre Kleider waren feucht und sie fühlte sich wie ein Eisklotz, aber zu ihren Füßen prasselte ein hell leuchtendes Feuer. Vincent saß auf der anderen Seite des Feuers, die Arme auf die unters Kinn gezogenen Knie gezogen und blinzelte nachdenklich in die knisternden Flammen.
"Wo sind wir?", fragte sie und richtete sich auf. Ah. Einsame Insel. Um sie herum nichts als weißer Sand und Palmen, Wellen schlugen sanft ans Ufer, die Sonne lächelte vom strahlend blauen Himmel... aber es war eiskalt hier. Wie konnten hier überhaupt Palmen wachsen? Die Karibik hatte sie sich irgendwie anders vorgestellt.
Vincent schlug die Augen auf. "Wie schön, du bist wach..."
"Ja, wunderbar, wo sind wir hier?", wiederholte das Fräulein ungeduldig und rubbelte sich über die Oberarme, in einem kläglichen Versuch, sich ein wenig zu wärmen.  
"Ich denke, ungefähr sechzig Meilen nordöstlich von Costa del Sol... ganz grob geschätzt..." Vincent lehnte sich zurück und nestelte verstohlen am Aufschlag seines Mantels.  
"Verdammt kalt hier!" Krähe richtete sich auf und streckte die klammen Finger nach dem wärmenden Lagerfeuer aus. "Wie lange hab ich geschlafen?", fragte sie erschöpft.
"Ungefähr zwei Stunden..." Vincent hatte arge Probleme damit, all die Schnallen seines Capes zu öffnen und fluchte leise in sich hinein. Schließlich hatte er es geschafft, den Umhang zu öffnen. Er stand auf und legte ihn seinem Fräulein aufmerksam um die Schultern.
Die krallte sich darin fest, zog ihn eng um ihre Schultern und bibberte dennoch unaufhörlich. "Bin ich doll verwischt?", fragte sie kleinlaut.
"Ach was", winkte der Vampir ab, "du siehst sehr hübsch aus. Zum Anbeißen, um genau zu sein."
Bei diesen Worten rückte sie lieber ein bisschen von ihm ab und noch näher ans Feuer heran. "Was sollen wir bloß machen... wir sitzen hier fest... wir werden hier sterben, nicht wahr?"
Du vielleicht, vernahm er Chaos' feinfühliges Grunzen, aber Vincent nickte ihr aufmunternd zu. "Die anderen werden uns schon finden. Die müssen ja sowieso hier lang. Und bis dahin... machen wir es uns etwas gemütlich. Hm? Ist doch nett hier." Welches Zugeständnis aus dem Munde einer Person, die einen Großteil seines Daseins in einer ausgestopften Kiste im Keller verbracht hatte, dachte Krähe verbittert.
Eine halbe Stunde lang starrten sie schweigend ins Feuer. Das Fräulein polierte mit dem Ärmel die Schnallen von Vincents Cape, in der Hoffnung, sie könne sich darin spiegeln und würde nicht gleich wieder in Ohnmacht fallen, wenn sie ihr wahrscheinlich dringendst restaurationsbedürftiges Äußeres betrachten würde.
Nach einer Weile wurde ihr aber auch das Polieren angweilig. "Hast du nicht eine Idee, womit wir uns die Zeit vertreiben könnten?" Mutig rückte sie wieder etwas näher zu Vincent heran. Wenn diese vermaledeite Situation auch nur einen Vorteil hatte, dann den, dass sie beide endlich mal ganz allein und völlig ungestört waren, wenn man mal die Aasgeier, die schon erwartungsfroh über ihren Köpfen kreisten, außen vor ließ. Und sie hätte ja gar nicht gedacht, was für muskulöse Oberarme sich unter diesem Cape verbargen... Sie warf das noch immer klatschnasse, mittlerweile schon halb gefrorene Haar zurück und lächelte ihm charmant zu.
Vincent schien allerdings nicht zu begreifen, worauf sie hinaus wollte. Er glaubte, eine gute Idee zu haben, als er in die Tasche seiner ledernen Hose langte und ein längliches, rechteckiges Kästchen zum Vorschein holte, womit er ihr grinsend unter der Nase herum fuchtelte. "Wusste ich doch, dass ich das irgendwann noch gebrauchen könnte. Das dürfte uns ein wenig die Zeit vertreiben."
Das enttäuschte Fräulein ließ den Kopf sinken. Natürlich. Mikado war genau das, was sie mit "Zeitvertreib" im Sinn gehabt hatte.

*~*~*


In diesem Leben würden aus Cid und den Turks keine Busenfreunde mehr werden, soviel stand fest. Abermals hatten ihn die Shinra-Schergen außer Gefecht gesetzt, diesmal allerdings lag es nicht an Renos Grobmotorik, sondern an der psychologischen Gewalt, die Rude anwendete. Der Turk hatte sich vor der Tür des Maschinenraums postiert. Während Reno in aller Seelenruhe die Highwind nach Frankreich flog, sah sich der eigentliche Pilot als gottverdammte Geisel auf seinem eigenen gottverdammten Schiff. Mit Rude würde er es auch ohne Waffe allemal aufnehmen, aber nicht mit Satan in dessen Armen. Merlin schnurrte laut wie ein Propeller und ließ es sich gern gefallen, von Rude hinter den Öhrchen gekrault zu werden. Den teuflischen Blick seiner tiefschwarzen Augen wandte er nicht eine Sekunde von Cid ab. Und Rudes "Taktik" wirkte tatsächlich – der sonst bei jeder sich bietenden Gelegenheit wutentbrannt im Dreieck springende Kapitän kauerte mit bockig verschränkten Armen auf dem Fußboden und starrte stur Löcher in die Decke.
Was ihn ganz schön viel Überwindung kostete. Von wegen Katzenallergie! Wenn Cid eine Leiche im Keller hatte (ganzjährig, wohlgemerkt – Vincents gelegentliche Besuche in Rocket Town, in denen er samt Sarg in Cids Keller zu ziehen pflegte, mal außer Acht gelassen), dann war es seine irrationale Katzenphobie. Die Gruppentherapie hatte auch nicht viel gebracht – der Therapeut hatte auf Konfrontation gesetzt und ganz schonend mit dem Streicheln von Plüschkatzen angefangen. Die Hello Kittys fand er ja auch allerliebst. Echte Katzen waren für ihn jedoch noch immer der blanke Horror. Besonders dieses gottverdammte Scheusal, das ihn von Rudes Armen aus hungrig anfunkelte. Das Engelchen auf seiner Schulter flüsterte ihm zu, dass er ab jetzt wohl noch netter zu Raven sein müsste, und das Teufelchen war so damit beschäftigt, sich in die Hosen zu machen, dass es ausnahmsweise mal keine Widerworte gab.
Bald schon flogen sie über Frankreich. Raven studierte die Landkarten und dirigierte Reno in die richtige Richtung. Noch nie war die Highwind so ruhig geflogen. Man musste sich ja schon fragen, wie diese bewegungslegasthenische Rotrübe mit seinen zwei linken Händen es überhaupt in die Reihen der Turks geschafft haben schaffen konnte – als Pilot schien er sich allerdings tatsächlich zu eignen.
Diz hatte eine Art Deja-Vu-Erlebnis, als sie im Frachtraum der Highwind neben Sephiroth saß. Nur waren diesmal die Rollen vertauscht. Sephiroth war gefesselt – oder vielmehr hatten die Mädchen ihn kunstvoll in die hübsche rosa Tapete gehüllt und formvollendet mit dem farblich passenden Geschenkband drapiert. Nur sein Kopf guckte noch hervor. Er sah aus wie ein Sahnebaiser. Natürlich hätte der große, starke Sephiroth sich ohne Probleme befreien können, aber Sephiroth war eben Sephiroth. Er mochte fröhliche Farben. Und er genoss sichtlich die Aufmerksamkeit von Diz, die sich an seine rosa Schulter schmiegte, und die Clouds, dessen Kopf auf seinen Knien lag, schlummernd und selig am Daumen nuckelnd. Die beiden schienen sich nicht einmal daran zu stören, dass er, ohne es eigentlich zu wollen oder überhaupt selbst zu bemerken, pausenlos "muss... durch... den Monsun... hinter... die Zeit..." summte.
Woanders zeigte Vinya Rufus gerade auf Vinya-Art, was sie von dessen erschreckender Verwandlung hielt. Wieder einmal waren sie im Chocobo-Stall zugange, diesmal jedoch hatte Vinya die Kontrolle übernommen. Rufus war mit den Handgelenken um ein Belüftungsrohr gefesselt, was ihn aber kaum zu stören schien – mit verträumtem Blick und sanft hin und her wiegendem Kopf summte er fröhlich das gleiche Lied vor sich hin, das Sephiroth neuerdings zu singen pflegte. Ab und zu brach er ab und fragte mit ganz verklärt leuchtenden Augen, ob Vinya glaube, seine neue Frisur würde ihm stehen, und ob sie in Frankreich mit ihm shoppen gehen würde, da sein schicker weißer Anzug doch gar nicht mehr zeitgemäß war, er brauchte doch sowas von unbedingt stilechte Rockerklamotten, allem voran natürlich einen Nietengürtel. Vinya nickte nur dann und wann, wenn es ihr angepasst erschien, denn sie konnte ihn gar nicht hören, da sie Renos MP3-Player gemopst hatte und ihr auf voller Lautstärke die Spice Girls in die Ohren jaulten.
Schließlich hatte die Highwind ihr Ziel erreicht. Reno legte eine sanfte Landung auf einer Waldlichtung nahe des Zielortes hin. Endlich konnte das eigentliche Abenteuer beginnen...

*~*~*


"Sag mal, Vincent?" Krähe piekste ihm mit einem Mikadostäbchen in die Schulter. "Hattest du nicht gesagt, die anderen müssten sowieso hier lang fliegen und würden uns schon finden?"
Der Vampir zog die Stirn kraus. Ihre Berührung hatte ihn ganz aus dem Konzept gebracht, er hätte doch fast gewonnen, aber nun fiel ihm das Holzstäbchen aus der Hand und klackerte auf den restlichen Haufen. Schmollend sah er zu ihr auf. "Ja, das sagte ich."
"Und sollten die nicht langsam mal hier auftauchen?", bohrte sie weiter und gab ihrer Frage Nachdruck, indem sie mit dem Stäbchen weiter in seine Schulter piekste.
Vincent zuckte zurück. "Wieso, wie spät ist es?"
Sie seufzte laut und durchdringend. "Ich hab keine Uhr!"
"Oh, Moment!" Vincent vergrub erneut die Hände in den Hosentaschen und kramte eine Weile darin herum. Nach mehreren Minuten, Krähchen war vom vielen genervten Seufzen schon ganz schwindelig geworden, hatte er es endlich gefunden – strahlend präsentierte er ihr sein Handy, neuestes Nokia-Modell, erste Anschaffung von seiner Filmgage und neben seinem Fräulein sein ganzer Stolz. "Es ist genau..."
Fräulein Krähe sprang auf und stürzte sich auf ihn, so dass sie beide hinterrücks durch den Sand kullerten. "Du hast ein HANDY dabei?!", krakeelte sie, blitzte auf ihn herunter und buffte ihm mit der Faust in die Brust, "Du hast ein Handy dabei und das fällt dir jetzt erst ein?!"
Vincent guckte auf das Display und dann hoch in ihre wütenden blauen Augen. "Ehm..."
"Vincent Valentine, sag mir bitte, dass du kein Netz hast, wenn du nicht umgehend eines langsamen, grausamen Todes sterben willst...!" Ihre Stimme zitterte vor unterdrückter Wut.
Aber Vincent brauchte gar nichts zu antworten. Denn da irgendwo ein rothaariger Turk herumlief, der sich auf schlechtes Timing hervorragend verstand, begann natürlich genau in diesem Moment das Handy fröhlich vibrierend in Vincents Hand zu zucken. Die Titelmelodie von Graf Duckula übertönte einen Moment lang das Rauschen der Wellen, das Pfeifen des eisigen Windes und Krähes wütendes Schnauben.

*~*~*


Sephiroth, von Tapete und Geschenkband befreit, schritt als erster die Rampe herunter, gefolgt von Raven. Die tat sich mit dem Geradeauslaufen mal wieder schwerer als nötig, grabschte nach Sephiroth' Hand und sprang von der Rampe.
"Einfach aufgelegt!" Reno klappte kopfschüttelnd sein Handy zu. "Ist das zu glauben? Möchte wissen, wo die sich rumtreiben, yo." Dann hopste er ebenfalls die Rampe herunter und dachte sich noch nebenbei, was Sephiroth kann, kann ich schon lange. Er griff nach Diz' Handgelenk, die hinter ihm lief. Diz hatte mit dieser plötzlichen Fürsorglichkeit nun überhaupt nicht gerechnet, reflexartig entriss sie ihm ihre Hand wieder und stolperte vor Schreck einen Schritt zurück. Dabei trampelte sie mit ihren hohen Absätzen Cid hinter ihr auf den Fuß, der es plötzlich sehr eilig hatte, vor Rude und dem fauchenden Kater in dessen Armen zu flüchten. Cids Schulter rammte sich sehr schmerzhaft in Diz' Rücken, die wäre beinahe auf Boomer getreten, der sich zwischen all den Beinen hindurch wuselte, und da verlor sie auch schon das Gleichgewicht und flog mit weit ausgebreiteten Armen die Rampe herunter. Gleichzeitig stieß Sephiroth Reno nach vorn, so dass der genau in ihre Flugbahn stolperte. Reno schaffte es gerade noch, Sephiroth ein leises "Danke, yo" zuzuraunen, die Arme auszubreiten und sein dümmlichstes Grinsen aufzusetzen, da purzelte Diz auch schon in seine Arme. Beide stolperten zurück, Diz kniff die Augen zusammen, bevor seine roten Strähnen ihr noch eins auspieksen konnten, und da lagen sie auch schon lang.
Beinahe wäre Diz trotz des Schreckens halbwegs dankbar über die weiche Landung gewesen, wenn sich nicht sofort alle drei Hunde winselnd und schwanzwedelnd auf sie gestürzt hätten. Fluffy schlabberte ihr hingebungsvoll über das ganze Gesicht, Boomer verbiss sich eifersüchtig in Renos Bein, worauf er Diz aus Leibeskräften "Aua, das tut weeeeeh, yooooooo" ins Ohr brüllte. Zu allem Überfluss schien Dark Nation etwas zu verwechseln und hüpfte Diz auf den Rücken. Raven und Sephiroth beobachteten schockiert, wie der riesige schwarze Rüde mit dem hübschen rosa Halsband merkwürdig ruckartige Bewegungen auf Diz' Bein vollzog. Nur Cid handelte geistesgegenwärtig, verscheuchte den Angreifer und packte Diz unsanft am Kragen, um sie wieder auf die Beine zu stellen. Sephiroth und Raven gingen Reno zur Hilfe, der puterrot angelaufen und ausnahmsweise mal wirklich sprachlos war.
Cid drehte sich um und lugte ins Innere des Flugschiffs. Noch waren sie nicht komplett – Vinya und Rufus fehlten noch. Da, plötzlich ertönte ein gedämpftes, lang gezogenes PFFFFFFFFFFFFFT, gefolgt von einem Quietschen, als würde jemand gewaltsam an den Belüftungsrohren im Flugschiff herumhantieren. Cid wich sämtliche Farbe aus dem Gesicht. Um seine Augenwinkel begann es merkwürdig zu zucken. Wenn diese bescheuerten Rammelhäschen da drin etwas kaputt gemacht hatten, er würde sie eigenhändig umbringen. Er schüttelte sich vor Wut, schmiss seinen kaputten Speer, den er bisher doch gehütet hatte wie seinen Augapfel, achtlos zur Seite und stampfte zurück ins Innere, dem Geräusch folgend. Da liefen ihm auch schon ein sehr schuldbewusster Rufus und eine kaum verhalten kichernde Vinya entgegen.  
"Was zum Teufel-", konnte Cid noch heiser brüllen, da sah er schon das Malheur – Rufus, noch immer in Handschellen, und dazwischen klemmte ein verbogenes Stück Rohr, das eigentlich in die Lüftung des Chocobo-Stalls gehörte.
"Sorry, hab den Schlüssel verloren", sagte Vinya achselzuckend und duckte sich unter Cid hinweg, wobei sie ihren Rufus an dem Rohr hinter sich her zog. Der Pilot gewann endlich seine alte Form zurück - wutentbrannt stürzte er sich auf Rufus, packte ihn an den Schultern und schüttelte ihn kräftig, wobei er ohne Punkt und Komma auf ihn einschimpfte, nur mit Ausrufezeichen.
Rufus jubelte innerlich vor Glück, als eine leise Melodie den Kapitän ablenkte. Der ließ endlich von ihm ab und griff nach dem Handy in seiner Jackentasche, das leiernd "Walking On Sunshine" dudelte. Einen Moment lang verharrte Cid, Rufus beim Kragen gepackt, dann warf er ihn achtlos beiseite und zückte den kleinen Quälgeist.
"Verdammte Scheiße?", meldete er sich in seiner gewohnten Art und wurde noch blasser, als er die Stimme am anderen Ende erkannte, die ihm panisch ins Ohr jammerte.
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