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von merle15    erstellt: 05.08.2006    letztes Update: 05.08.2006    Geschichte, Drama / P12    (fertiggestellt)
Hallöchen!!
Ich melde mich mal wieder *smile* Irgendwie find ich keinen richtigen Anschluss zu meiner FF "Blicke Die Töten Können..."" und dieser Songfic spuckte mir schon längere Zeit im Kopf herum. Gearde dieses Lied von Abba "The Winner Takes It All" finde ich am allerschönsten und wollte dann auch unbedingt was dazu schreiben. Nun heraus kam dieser Songfic. Da ich zum ersten Mal so etwas schreibe bin ich sehr auf Kritik aus. Also kritisiert mich wo ihr könnt, damit ich mich verbessern kann!!

Vornweg muss ich erklären, dass es kleine parallelen zu "BDTK". Aber Trotzdem steht der Songfic als alleinige Geschichte im Raum und hat auch mit der FF nichts zu tun. Ganz sicher nicht. Jedenfalls nicht in der Art hehe...

Disclaimer: Die Charaktere Ikuhny, Hiead, Kizna und Zero mit der ganzen Umgebung gehört Yukiri Sugisaki. Das Lied gehört in der Urfassung Abba und ich habe mir davon lediglich die deutsche Musicalversion von "Mamma Mia!" ausgeliehen. Ich verdiene auch kein Geld damit. Aber Yui und Kenzo darf ich mein Eigen nennen höhö...

Vielen Herzlichen Dank an dieser Stelle all meinen lieben und treuen Lesern von "BDTK" und vom andren OneShot "Abschied" *knutschundknuddel*. Vielen Dank geht auch an meine beiden Betas und Freundinnen Anja und Stephie *knuddel*

So genung des ewigen Vorwortes. Viel Spass beim lesen!!


Der Sieger hat die Wahl

Unruhig lief sie vor der Tür auf und ab. Sie war schon so oft durch diese Tür geschritten. In Wut und Verzweiflung, aber auch mit einem Lächeln und voll freudiger Erwartung. Jetzt zögerte sie. Ihr Herz schlug schneller und eine unsichtbare Hand hielt sie zurück. 'Was ist das für ein Gefühl? Ich bin doch schon so oft bei ihm gewesen, warum ist es jetzt so anders?' Nervös ballte und öffnete Ikuhny ihre Hände. Die Schmerzen ignorierend.

'Und wenn es wahr ist?'

Schon seit geschlagenen eineinhalb Stunden installierte sie den neuen Booster. Aber Eeva Leena nahm das neue Programm nur widerwillig an. "Leena, jetzt nimm das neue Programm an oder bei dem nächsten Kampf kannst du dann ohne deinen Piloten dastehen", motze Ikuhny wütend und fuchtelte mit dem Handschuh in Richtung der blauen Göttin.

Ein Piepsen ertönte und ein grünes Fenster öffnete sich. "Na also. Es geht doch." Strahlend bestätigte sie das neue Programm und machte einen Testlauf. Als dieser glückte fuhr sie es runter und zog auch ihren anderen Handschuh aus. Lächelnd drehte sie sich zur Göttin um und winkte ihr zu. "Bis nachher, Leena!", rief sie noch und spazierte zum Ausgang des Hangars.  

Mit einem Blick auf die Uhr stellte sie fest, dass sie zu spät zum Mittagessen kam. Schnellen  Schrittes lief sie die Gänge entlang und wich dabei Anwärtern aus. Als sie um die nächste Ecke lief hörte sich Gelächter und Getuschel. Sich nicht darum scherend ging sie weiter.

"Bin mal gespannt was Allecto dazu sagen wird, wenn sie es erfährt."

Abrupt blieb Ikuhny stehen. Hatte sie gerade ihren Namen gehört?' Was soll ich denn wissen?' Vorsichtig schlich sie sich zurück und versteckte sich einer Nische und lauschte. Was sie hörte ließ ihr Herz stehen bleiben. Ihre Hände ballte sie zu Fäusten und drückte ihre Fingernägel in ihre Handinnenflächen. Doch den Schmerz spürte sie nicht. Auch nicht das Blut, das in einem kleinen Rinnsal durch ihre Fäuste lief.

Langsam erhob sie sich. Ihre Schritte waren langsam und schleppend. Es war ihr egal, ob die zwei Anwärterlotsinnen sie sahen oder nicht. Wichtig war die Wahrheit.


Unwirsch schüttelte sie den Kopf und holte sich so aus ihren Gedanken. Ihre Handinnenflächen brannten, doch sie ignorierte den Schmerz. Denn der Schmerz in ihrem Inneren war schlimmer und drückender.

Zögerlich hob sie ihre Karte und zog sie durch den Kartenleser. Hiead hatte ihr damals ein Programm auf ihre Karte geladen, dass sie auch in sein Zimmer kam. Denn er hatte - wie er betonte - kein Bock jedes Mal wenn sie kommt die Türe zu öffnen. Sie waren erwachsene Menschen und Partner. Außerdem war sie mehr in seinem Zimmer, als in ihrem eigenen.

Ein Piepsen riss sie aus ihren Gedanken. Verwirrt schaute sie zum Kartenleser. Ihre Stirn furchte sich und das rote Lämpchen spiegelte sich in ihren Augen wieder. 'Was soll das denn? Sonst hat er doch auch nie die Tür gesperrt. Und außerdem würde seine Karte ja auch nicht funktionieren.' Sie hörte das Getuschel wieder und Tränen traten in ihre Augen. 'Weltraum, jetzt heule ich schon wieder wegen diesem Idioten rum. Ich bin doch nur hier
um ihn über seinen neuen Booster zu informieren und wegen dem Kampfbericht.'
Sie hob langsam und zögerlich ihre Hand und klopfte an die Metalltür. Ein dumpfer Klopfton hallte durch die Gänge.

Ein paar Augenblicke später hörte sie ein tippen und die Tür öffnete sich. Hiead stand vor der Tür und sah sie verwundert an. "Ikuhny, was suchst du denn hier?" Ihr Herz, dass vorher zum zerspringen angespannt war, schlug wieder einigermaßen normal. So normal wie es halt immer schlug in Hieads Gegenwart.  

Ohne zu antworten schritt sie an ihm vorbei und steuerte das Bett an. Ihre Augenbraue zog sich in die Höhe, als sie das durchwühlte Bett sah. Sie drehte sich um und musterte Hiead. Seine Haare waren feucht und durcheinander. Sein Oberkörper war nackt und um seine Hüfte saß locker ein Handtuch. Eine leichte Röte bedeckte ihre Wangen und sie beschäftige sich mit dem Bericht in ihrer Hand.

"Ich hoffe, dass ich dich nicht gestört habe. Bin nur gekommen um dir den Kampfbericht zu geben. Außerdem ist der Booster angekommen. Beim Testlau-" Plötzlich unterbrach sie sich selber und sah zu Hiead auf. Dieser stand da wie eine gusseiserne Statue und sah sie mit einem unerklärlichen Blick an. Ein eigenartiges Gefühl beschlich sie und ein Geräusch ließ sie zusammenzucken.

Ihr Blick schweifte von Hiead zu der Badtür. Wie vom Donner gerührt saß sie auf dem ungemachten Bett und blickte in kornblaue Augen. Ein Handtuch umwickelte den schlanken Frauenkörper und lange, blonde Haare fielen in nassen Strähnen über ihre Schultern.

Ganz langsam stand Ikuhny auf und die Puzzleteile fügten sich zusammen. Ein halbnackter Hiead, eine halbnackte Blondine frisch aus der Dusche, ein durchwühltes Bett und die nicht funktionierende Karte.

Ich will nichts mehr hören.
Nicht mehr darüber reden.
Tut es mir auch weh: Aus der Traum, ich geh.
Jede Chance verspielt. Jeder Trumpf vergeben, nirgends mehr ein Ass.
Ich seh's ein und pass.


Wie in Zeitlupe rutschte der Bericht aus ihren tauben Fingern und ihre Augen suchten die von Hiead. Sie sah wie er den Mund öffnete und zum sprechen ansetze. Doch sie wollte nichts hören. Keine lahmen Ausreden und Entschuldigungen. Ihren Blick immer noch auf ihn gerichtet schritt sie durch den Raum zur Tür. Als sie auf seiner Höhe war wendete Ikuhny den Blick ab und lief weiter.

Plötzlich wurde sie am Arm zurückgerissen. Sie fand sich plötzlich in Hieads Umarmung wieder. Sein Atem streifte ihr Gesicht und seine Augen brannten sich in ihre. Er öffnete seinen Mund und ein Wort entfloh seinen Lippen: [i]"Yui..."[/i]

Es klatschte und Tränen brannten in Ikuhnys Augen. Ihre Hand brannte und kribbelte von der Ohrfeige. Die Kruste platze in ihrer Handinnenfläche wieder auf und ein kleines Rinnsal von Blut floss über ihre Hand. Ikuhnys Inneres schrie und brüllte. Doch sie konnte in seinen Augen lesen: Aus und vorbei.

Mit einem Nicken als Antwort auf sein stummes Geständnis sah sie mit einem schmerzverzerrten Blick zu Yui und verließ das Zimmer. Ab jetzt war es das Territorium von Yui. Sie passte.  

Der Sieger hat die Wahl.
Dem Loser bleibt die Qual.
Der eine nimmt und strahlt und der andre zahlt.


Zwei Wochen war es jetzt her. Das Gerücht wurde zur Wahrheit und Ikuhnys Leben hatte sich auf einen Schlag verändert. Die Kämpfe waren immer noch dieselben, doch das Arbeitsverhalten von den Partnern der blauen Göttin war grundlegend anders geworden. Wo früher meist Geplänkel oder Nettigkeiten getauscht wurden, war jetzt eisiges Schweigen. Nur wenn es wirklich nötig war, sprachen sie miteinander. Dann aber nur sachlich und nüchtern.

Für Ikuhny war die Zusammenarbeit mit Hiead sehr schwer. Sonst war sie nach den Kämpfen zum Hangar gelaufen und hatte Hiead empfangen. Doch jetzt machte es Yui. Sobald er herauskam wurde er mit einem stürmischen Kuss empfangen. Strahlend liefen dann die zwei Händchenhalten an ihr vorbei.

Jedes Mal zahlte sie diese Geste mit einem weiteren Peitschenhieb auf ihre eh schon gepeinigte Seele. Aber sie hatte nicht nur innerliche Narben.  

Nachts in deinen Arm war ich so geborgen.
Ich wollt dein Leben sein, schloss dich in mir ein.
Glaubte an uns zwei, dachte nur an morgen.
Ich war zu naiv, fühlte viel zu tief.


Nachts lag sie wach in ihrem Bett und dachte an die gemeinsame Zeit zurück. Niemand hatte gewusst, dass Hiead und Ikuhny ein Paar waren. Sie hielten ihre Beziehung geheim und genossen die stille Zweisamkeit.

Wenn sie jetzt daran dachte, war es sogar besser, dass sie es geheim hielten. Denn es wurde schon viel zu viel über sie geredet und Mitleidige Blicke trafen sie immer wieder.

Tränen liefen über ihre schon nassen Wangen und tropften auf ihr Kissen. Sie sehnte sich nach seinen Umarmungen und Küssen, sie vermisste seine tiefe Bassstimme und die kleinen Gespräche, die innigen Blicke während der Kämpfe... Ihr Inneres verkrampfte sich und ihre Seele schrie nach Hiead.

'Ich liebte dich von ganzen Herzen. Jetzt liebt dich mein gebrochenes Herz immer noch. Gott, ich bin so naiv. Ich habe wirklich gedacht, dass aus uns zwei was werden kann.'
 
Das Schicksal würfelt blind.
Es fragte nicht, wer wir sind.
Und wir versteh'n dann nicht, dass ein Traum zerbricht.
Der Sieger hat die Wahl, die Wahrheit ist banal.
Wer schwächer ist, der fällt. So ist diese Welt.


Viele, viele Nächte verbrachte sie in ihrer Einsamkeit. Trotz der Schreie in ihrem Inneren, versuchte sie ein sorgloses Leben den anderen vorzugaukeln. Besonders ihm.

Das Schicksal hatte sie nach langen Umwegen zusammengebracht und riss sie nun wieder auseinander. Was hatte denn das noch mit Schicksal zu tun? Gab es das überhaupt? Verzweifelung nagte an ihr und sie verstand es nicht.

'Es war doch alles so schön und herrlich. Warum geht das alles kaputt? Ich versteh es nicht. Ich versteht es nicht...' Weinend schmiss sich Ikuhny aufs Bett. Ihre Finger verkrampften sich in der Bettdecke. Tränen liefen ihr übers Gesicht. Sie konnte es nicht verstehen. Sie wollte es auch nicht.

Langsam setzte sie sich auf und kramte aus ihrer Kiste etwas hervor. Metall blitzte auf im abgedämpften Schein der Lampe. Kühles Metall traf auf erhitzte Haut.

Sie hatte verloren.

Nur sag mir:
Küsst sie so, wie ich dich geküsst hab?
Träumst du noch von mir, wenn du schläfst bei ihr?
Du hast wohl gespürt wie ich dich vermisst hab.
Doch verlor'nes Glück findet nie zurück.


Wie ein Schatten ihres Selbst wandelte sie durch die leeren Gänge. Es war Nacht und hinter den Türen war es still. Die Kämpfe wurden von Tag zu Tag immer schlimmer. Am meisten Probleme jedoch machten die Göttinnen. Aber Ikuhny wusste, dass es nur an einer lag.

Ihre Schritte waren kaum hörbar. Automatisch lenkten ihre Füße sie in eine bestimmte Richtung. Sein Zimmer. Tränen bildeten sich in ihren Augenwinkeln. Krampfhaft schluckte sie die Verräter herunter und starrte auf die Tür.

Bilder taten sich vor ihrem inneren Auge auf. Bilder die sich wie Messerstiche in ihr Herz rammten.
Sie kam gerade von der Kantine, als sie vor sich Yui und Hiead sah. Eng umschlungen. Sich küssend. Stocksteif stand Ikuhny da. Sie konnte sich von diesem Anblick nicht losreißen. Ein Gedanke spukte in ihrem Kopf herum: 'Bist du mit ihr glücklich?'

Ihre Hände verkrampften sich um die Chipkarte. Die Chipkarte die zu seinem Zimmer führte. Ein Schluchzer entfloh ihrer Kehle und Tränen liefen nun doch die altbekannten Bahnen entlang. Langsam glitt sie zu Boden und schlang die Arme um ihren Oberkörper. Dort saß sie zusammengekauert und dachte nach.

"Denkst du eigentlich noch an mich, auch wenn du sie in den Armen hältst oder sie küsst?", schluchzte sie leise.

Durch ein Geräusch vor ihr schreckte sie aus ihren Gedanken. Da stand er. So wie sie ihn liebte. Ihr Herz schrie nach ihm. Verlangte so stark nach ihm, dass es ihr in der Brust wehtat.

Seine Augen spiegelten etwas wieder, doch Ikuhny wollte sie nicht lesen. Versuchte sich einzureden, dass es dort nur Verachtung gab. Denn: Einmal aus, immer aus!

Sie stand auf und ging. Dabei sah und hörte sie nicht seine stumme Bitte:

"Komm zurück..."

Die Punkte sind gezählt, mir hat etwas gefehlt.
Was immer ich auch tu, ich schau nur noch zu.
Das Spiel beginnt von vorn.
Um Liebe oder Zorn.
Um Seele oder Zahl,
der Sieger hat die Wahl.


Mit dem Schmerz in ihrem Inneren versuchte sie umzugehen so gut es ging. Es war ein Teil ihres Alltags. Er füllte zwar nicht die Leere in ihrem Herzen, aber er überbrückte sie.

Kizna sprach mit ihr. Oft. Aber Ikuhny antwortete nie. Stumm hörte sie zu, doch schweiften ihre Gedanken immer schnell ab. Zu ihm. Wie ein Magnet zog es sie immer wieder zu ihm. Trotz der Schmerzen.

Der Kampf war für heute vorbei. Ikuhny saß im Kontrollraum und gab Hiead Anweisungen und Tipps wie er seinen neuen Booster besser einsetzen könnte. Beim reden tippte sie derweil den Bericht und vermied so den Augenkontakt. Sie wusste, dass er ihr zuhörte. Wenigstens so lange bis er gelandet war. Bei dem Gedanken verkrampfte sich ihr Herz wieder.

Ihre Augen flogen auf den Bildschirm. Dort traf sie Hieads Augen. Schnell drückte sie den Schirm weg. Tränen brannten wieder in ihren Augen. Es tat weh. Sie wünschte sich nichts sehnlicher als in ihr Zimmer zu gehen und ihr Ritual vorzuverlegen. Ihre Bandagierten Arme störten bei der Arbeit, aber Ikuhny wusste, dass dies der erste Schritt zur Besserung war.

Wenn auch in die falsche Richtung.

Sie riskierte einen Blick in den Hangar. Das Bild welches sich ihr bot war ein Bild voller Liebe. Plötzlich formte sich ein Gedanke in ihr, der sie nicht mehr los ließ. Nur dazu brauchte sie Kizna.  

Ein weiter Schritt in ein neues Leben.
Der Pfad in die Ungewissheit.
Ins Verderben.

Ich will nichts mehr hörn, nicht Vergang'nes wecken.
Meinst du es auch gut, dein Trost gibt keinen Mut.
Du musst mir verzeihn.
Ich will mich verstecken hinter einem Zaun ohne Selbstvertrau'n.


"Ikuhny, warte!"

Wie angewurzelt blieb sie stehen. Nicht wegen dem "Warte". Nicht wegen ihrem Namen. Die Stimme. Die Stimme allein ließ alles um sie herum vergessen. Schritte näherten sich ihr. Plötzlich fühlte sie wie zwei starke Arme ihre Schultern packten und sie umdrehten.

"Was soll das? Willst du mich etwa bloßstellen?", herrschte Hiead sie an. Sein Atem streifte ihr Gesicht. Wütend funkelten die rubinroten Augen sie an. Schuldbewusst drehte und wendete sie sich in seinen Armen. Sie musste weg von ihm. Schnell!

Doch alles zerren und reißen nützte nichts. Sie gab auf. Schlaff hing sie in seinen Armen und ihr Atem war flach. Ihr Innerstes verkrampfte sich und trotzdem sah sie zu ihm auf. In seine Augen, welche ein makelloses Rot ausstrahlten. Das Rot eines Rubins. Ikuhny seufzte unmerklich und versuchte sich zu fassen. "Warum sollte ich? Es gibt doch keinen Grund dafür." Ihre Stimme zitterte leicht. Sie musste hier weg. Sofort!

Hiead sog scharf die Luft ein. "Und was sollte die Szene in der Kantine?" Für einen kurzen Moment flackerte Schmerz über sein Gesicht. Doch so schnell er auch kam, so verschwand er wieder.

"Ach hat es dir nicht gepasst, dass ich mit meinem Freund geknutscht hab? Wer hatte mich denn hier vor dem Kopf gestoßen? Ich bestimmt nicht! Im Gegenteil ich habe mich für dich aufgeopfert, meine Freiheit und meine ganzen Freundschaften aufs Spiel gesetzt nur um mit dir zusammen zu sein. Und was passiert? Du vögelst eine daher gelaufene Lotsin. Jetzt erzähl [i]du[/i] mir mal was von "bloßstellen" und sonstiger Scheiße!"

Sie hatte sich so in rage geredet, dass ihre Haare sich aus ihrem Zopf gelöst hatten und einige Strähnen ihr wirr im Gesicht hingen. Plötzlich ließ Hiead sie los und sie stolperte durch den verlorenen Halt rückwärts. Ihr Rücken stieß an die Metallwand. Zitternd stützte sie sich dort ab und rutschte langsam in Richtung Boden.

Ikuhny schlang die Arme um ihre Beine und legte den Kopf darauf. Ihre Haare verdeckten das Gesicht. Leise Schluchzer drangen an Hieads Ohr. Unschlüssig stand er vor seiner Lotsin und schaute sie nur an. Sein Blick veränderte sich und er zog sie hoch in seine Arme. Ein warmes Gefühl breitete sich in beiden aus. Wie als ob sie endlich zu Hause angekommen wären.

Weinend warf sie ihre Arme um seinen Hals und drückte sich an ihn. Vorsichtig strich er mit seiner Hand über ihren zitternden Rücken. "Ssscht, Ikuhny. Alles wird wieder gut. Ich bin bei dir.", flüsterte er ihr beruhigend zu. Vorsichtig hob sie ihren Kopf und sah ihn verschwommen an. Schniefend ließ sie Hiead los. "Lass es bitte. Du weißt genau, dass nichts gut wird. Es wird nie wieder so sein wie früher." Mit diesen Worten streichelte sie ihn flüchtig über die Wange und rannte weg.

'Bitte, Hiead, verzeih mir. Aber ich kann nicht mehr. Durch meinen Ausbruch und deine Umarmung ist alles nur noch schlimmer geworden. Wie naiv bin ich?' Tränen liefen wieder über ihre Wangen. Als sie um die Ecke kam lehnte sie sich an die Wand und weinte.

Denn ich weiß:
Der Sieger hat die Wahl.
Das Spiel beginnt von vorn.
Um Liebe oder Zorn.
Um Seele oder Zahl.


Drei Monate sind seit dem letzten Vorfall zwischen Hiead und Ikuhny vergangen. Beide verhielten sich so normal wie es ging. Keiner der Freunde ahnte was zwischen ihnen vorgefallen war.

Kizna saß seufzend im Ruheraum auf der Wiese und starrte auf das verliebte Pärchen vor ihr. "Ach Ikuhny, meinst du ihn dadurch vergessen zu können?", flüsterte sie traurig vor sich hin und sah wie Ikuhnys Freund Kenzo ihr lachend den Bauch kitzelte. Sie wurde aus ihren trüben Gedanken gerissen als sie zwei Lippen auf ihrem Nacken spürte. "Hey mein Kätzchen. Was ist los mit dir?", murmelte Zero. Sie nickte in Richtung Ikuhny und Kenzo. "Das ist los."

Ikuhny lachte und tollte. Doch ihr Innerstes schrie. Es krümmte sich bei jedem Kuss von ihm, bei jeder Berührung, bei jedem liebkosenden Wort. Sie wünschte sich nichts sehnlicher als in ihr Zimmer zu gehen und dort weiter zu machen, wo sie gestern Abend aufgehört hatte. Aus dem Augenwinkel sah sie Kizna und Zero zusammen sich küssen. Abrupt wand sie sich aus der Umarmung und stand auf.

"Ikuh was ist denn jetzt schon wieder los?", fragte Kenzo genervt und für sich mit gespreizten Fingern durchs Haar. Sich das Gras von der Hose klopfend drehte sie sich um und ihre Rehbraunen Augen sahen ihn an. "Wage es nie wieder mich so zu nennen." Mit diesen Worten lief sie davon.

--

Nach dem Kampf ging Ikuhny duschen und zog sich um zum schlafen. Ihr Blick fiel aufs Bett und ihr Ritual. Sollte sie es wieder wagen? Nein, sie musste davon loskommen. Sie wusste, dass es davon nicht besser wurde, doch war es wie eine starke Macht, welche sie immer wieder in ihren Bann zog.

Gerade als sie das Licht löschen wollte, klopfte es an ihre Tür. Verwundert zog sie die Hand zurück und ging auf die Tür zu. Vorsichtig öffnete sie diese und erstarrte. Ihre Augen weiteten sich und Tränen bildeten sich in ihnen.

"Lass mich bitte rein.", flüsterte er und seine Stimme ließ sie zittern. "Warum?", kam es heiser von ihren Lippen. Ohne zu antworten schob er sie sanft zur Seite und betrat das Zimmer. Seit seinem letzten Besuch hatte sich hier einiges verändert. Es wirkte alles so dunkel und wo vorher noch unendliche viele Bilder und Krimskrams waren, schlug ihm jetzt die Nacktheit des Raumes entgegen.

"Was willst du hier, Hiead? Ich habe dich nicht gebeten einzutreten und außerdem was sollen  die anderen von dir denken?" Ihre Stimme wurde bei jedem Wort fester und während sie sprach schloss sie die Tür und lief auf ihn zu.

Sein Blick streifte kurz ihr Gesicht bevor seine Aufmerksam auf den Nachttisch gerichtet war. Er stutzte und zog die Augenbrauen zusammen. Zischend zog er den Atem ein und drehte sich zu seiner ehemaligen Geliebten um. "Ich hatte Zweifel in meiner Entscheidung, aber du nimmst sie mir." Mit diesen Worten griff er hinter sich und schleuderte die Truhe, die auf dem
Nachttisch stand, vor ihre Füße. Diese sprang auf und heraus fielen Klingen und Glasscherben. Teilweise noch mit Blut verklebt.

Ikuhny stand geschockt da. Eine der Klingen rutschte genau vor ihre Füße. Vorsichtig kniete sie sich hin und nahm diese in ihre Hände. Tränen tropften von ihrem Gesicht auf das kühle Metall. Mit tränenerstickter Stimme flüsterte sie: "Welche Zweifel habe ich weggewischt?"  

Über Hieads Gesicht flackerte Schmerz und Enttäuschung. "Ich wollte es würde anders laufen. Das du die jenige wärst, aber das Schicksal fragte mich nicht."  Langsam sah Ikuhny auf. "Ach ja? Ich dachte du würdest über dem Schicksal stehen." Ein kurzes, bitteres Lachen erfüllte den Raum. Doch so schnell wie es kam, verebbte es auch wieder. "Was möchtest du von mir?"

Er senkte seinen Blick und dieser fiel auf eine blutige Klinge. Langsam streckte er seine Hand nach ihr aus. "Ich werde Yui heiraten." Ein Klirren ertönte und ließ Hiead aufblicken. Da stand sie. Seine Lotsin. Seine Geliebte. Sein Leben.

Die Worte waren die schwersten die je über seine Lippen gekommen waren. Allein der Schmerz in ihren Augen, sagte ihm, dass es ein Fehler war. Doch was ist schon richtig und falsch? Er hatte sich entschieden. Sie hatte sich entschieden. Beide lebten ihr Leben. Mit einem neuen Partner an der Seite. Der Pilot und seine Lotsin. Ein Unterschied wie Göttin und Victim. Und doch kann der eine ohne den anderen nicht Leben.

Ikuhnys Seele zerbarst bei den vier Wörtern. Ein kurzer Schmerz flammte auf. Bevor die Flamme für immer erlosch. Sie zitterte unkontrolliert und ließ es geschehen, dass ihr Liebster sie noch einmal in die Arme nahm.

Ein letztes Mal standen die beiden eng umschlungen in dem kleinen Zimmer. Sie klammerten sich aneinander wie zwei Ertrinkende. Waren sie es nicht auch? Hiead strich ihr das Haar aus dem Gesicht und sah in ihre Rehbraunen Augen. Sie waren stumpf. Er senkte seine Lippen auf ihre und spürte wie sich ihre Finger in seine Haare verkrampften. Sie erwiderte den Kuss zaghaft.

Langsam löste er sich von ihr und schritt zur Tür. Dort blieb er stehen.

"Ich liebe dich..."

Sie hatte gewonnen. Doch für welchen Preis?

Der Sieger hat die Wahl.  

Ende

Für Lob, Kritik und sonstigen Anregungen bin ich gerne Offen! Bis zum nächsten Mal *winke*

Viele liebe Grüße
Eure merle
 
 
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