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von Tegan    erstellt: 05.07.2006    letztes Update: 18.01.2010    Geschichte, Allgemein / P18    (fertiggestellt)
Characters, Pairing: Sawyer / Laurie Kane
                               alle anderen Hauptpersonen der Serie

Disclaimer: Die Charaktere von LOST gehören nicht mir, sondern J.J. Abrams, ABC und anderen. Laurie Kane ist mein eigener Charakter. Diese Story ist FanFiktion mit der weder Rechte verletzt, noch Geld verdient werden soll. Ich schreibe sie bloß zu meinen Vergnügen.

Anmerkung: Ich habe Lost gerade erst für mich entdeckt und bin momentan damit beschäftigt die erste Staffel zu gucken, wo ich erst die ersten paar Folgen gesehen habe, und mein Wissen über die Serie aufzustocken. Inhaltliche Fehler seien mir bitte verziehen. Ich wäre dankbar, wenn man mich darauf hinweist.


Unter http://tegans-world.blogspot.com/2011/03/cover-zu-this-side-of-you.html kann man sich das Cover zu der Geschichte anschauen. Mein Dank gilt Aehireiel, die es für mich entworfen hat! Herzlichen Dank dafür!

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This Side of You
written by Tegan
© 2006
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~ 1. ~
Ein wichtiges Erinnerungsstück
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Seit dem Absturz durchsuchte Laurie Kane die Trümmer. Nicht, das sie hoffte, etwas zu finden, dass sie von dieser Insel brachte, sondern weil sie auf der Suche nach der silbernen Kette war, die sie während der Katastrophe verloren hatte. War es lächerlich in den Trümmern eines Flugzeugabsturzes nach einer schlichten Kette zu suchen? Ja, Laurie wusste, dass es dumm war, doch ihr bedeutete diese Kette genau soviel wie ihr Leben. Es war nicht bloß Schmuck für sie, sondern die Erinnerung an ein besseres Leben. Sie musste die Kette wiederfinden. Ohne sie fühlte sie sich wie ein halber Mensch. Während die anderen Überlebenden sich nur langsam damit abfanden, dass augenscheinlich keine Rettung von dieser Insel für sie kam - immerhin saßen sie schon seit knapp zwei Wochen hier fest - sorgte sich Laurie nur darum, ihren wertvollsten Besitz verloren zu haben.

„Laurie“, sprach hinter ihr eine angenehme Männerstimme. Sie hob den Kopf, musste eine Hand schützend vor die Augen halten, da die heiße Sonne sie blendete. Laurie erkannte nur die Gestalt eines Mannes, der vor ihr stand. Sie erhob sich von ihrer knienden Position und sah erst jetzt, das es Sayid war, der sie angesprochen hatte. „Ja?“ „Schon etwas gefunden?“ Verneinend schüttelte Laurie den Kopf. Sayid war einer der Ersten der Gruppe gewesen, mit dem sie nach dem Absturz Kontakte geknüpft hatte. Sie hatte ihm von ihrem Amulett erzählt. Er wusste, das sie es regelrecht verzweifelt suchte. „Nein. Ich bekomme noch einen Anfall“, stöhnte Laurie schwer und strich sich eine Strähne ihres schulterlangen, pechschwarzen Haares aus dem Gesicht.

„Du musst realistisch bleiben. Die Chance, das du die Kette nach dem Absturz noch findest, ist mehr als gering.“ „Ich weiß, Sayid, aber ... ich kann ohne dieses Amulett nicht.“ „Wieso bedeutet es dir soviel?“ hakte er neugierig nach. Das hatte die junge Frau mit den tiefblauen Augen ihm noch nicht erzählt. „Frag nicht“, blockte sie auch diesmal erneut ab. Sie wollte nicht darüber reden. Das Amulett war fort,  das war schon schlimm genug für sie. Es war ein Teil ihrer Vergangenheit, ein Abschnitt, der niemals wieder in ihr Leben zurück kehren würde. Und es änderte auch nichts an dieser Tatsache, wenn sie sich darüber unterhielt. Was vergangen war, gehörte nun einmal der Vergangenheit an. Damit musste sie sich abfinden.

„Soll ich dir beim suchen helfen?“ „Du hast andere Aufgaben zu erledigen, Sayid. Keine Sorge, wenn es in irgendeiner Form noch existiert, finde ich es auch“, wehrte Laurie dankbar ab. „In Ordnung. Wenn du dennoch Hilfe benötigst, sag mir Bescheid. Ich werde auf jeden Fall die Augen offen halten“, willigte Sayid ein und ging weiter. „Danke“, murmelte sie bloß und wühlte weiter in den Trümmern herum, um das Amulett vielleicht doch noch zu finden. Noch gab sie die Hoffnung nicht auf. „Ich muss es einfach finden. Bitte, lass es nicht verloren sein“, sprach sie mit sich selbst. Ihre ganze Konzentration lag auf ihrer Suche. Vielleicht hatte sie ja heute Erfolg.

œ

Gegen Mittag wurde es am Strand so heiß, das es für manche unerträglich wurde, und sie in den kühlen Schatten oder die Höhlen, wo ein Teil der Überlebenden schlief, flüchteten. Laurie war noch immer auf der Suche nach ihrem Amulett. Dennoch ließ sie sich erschöpft in den Sand sinken, um eine Pause einzulegen. In den Trümmern nach etwas zu suchen, das ihr so unendlich viel bedeutete, war anstrengender als sie zuerst angenommen hatte. Sie gesellte sich zu Claire, die im Schutze des Schatten in Strandnähe saß. „Wie geht es dir?“ erkundigte sich Laurie. Claire lächelte leicht und strich mit der Hand über ihren schwangeren Bauch. „Ganz gut.“ „Und dein Baby?“ „Alles in Ordnung. Jack passt schon auf meinen Zustand auf“, merkte Claire an. Der Arzt hatte sich in den düsteren Stunden direkt nach dem Absturz als Anführer heraus kristallisiert. Irgendwie hatte er es geschafft, alles unter Kontrolle zu bringen. Er hielt ihre Gruppe zusammen.

„Gut, das ein Arzt mit uns an Bord war. Ohne ihn wären wohl einige von uns ziemlich verloren.“ „Ja, allerdings. Er hat meine Hand gut versorgt“, erklärte Laurie und blickte auf ihren linken Arm. Vom Handgelenk zog sich eine ungefähr fünf Zentimeter tiefe Narbe über den halben Unterarm. Das dies die einzige Wunde war, die sie vom Absturz davon getragen hatte, empfand Laurie nach wie vor als Wunder. Eigentlich war die Verletzung gut abgeklungen, Jack hatte sie schon beim Anlegen des Verbandes gewarnt, das eine Narbe zurück bleiben würde, doch ab und zu spürte sie noch einen leichten Schmerz. Ihr Blick streifte für einen langen Moment das Meer.

Ihr Roman war ebenfalls Futter der Fische geworden. In ihrem Koffer hatte sich ihr fertig gestelltes Buch befunden. Aber es war bei dem Verlag in keinster Weise angekommen. In der Besprechung hatte man ihren Roman auseinander genommen, bis nichts gutes, nicht einmal ihr Name übrig geblieben war. Tief enttäuscht hatte sie das Büro verlassen und war in das Flugzeug gestiegen. An Bord hatte sie sich gewünscht, der Blitz möge einschlagen, und dieses grauenhafte Werk, in das sie beim Schreiben so viel Herzblut gesteckt hatte, zerstören. Durch den Absturz war das nun auch passiert. Ihr Manuskript war Geschichte. Als Schriftstellerin hatte sie also auf ganzer Linie versagt.

Laurie hatte einmal geglaubt, viel eher gehofft, ihren Lebensunterhalt mit dem Schreiben verdienen zu können, aber sie war gescheitert. Ihr Traum war brutal vernichtet worden. „Hast du deine Kette schon gefunden?“ fragte Claire plötzlich und riss somit Laurie aus ihren schlechten Gedanken, diese negativen Gedanken, die ihr ständig im Kopf herumspukten, diese harten Aussage des Verlagschefs, die sie nicht vergessen konnte. Energisch schüttelte Laurie den Kopf, wollte nun nicht länger darüber nachdenken. „Nein. Aber so schnell gebe ich nicht auf. Ich werde jetzt weiter suchen“, beschloss sie mit einem schwachen Lächeln. „Viel Glück“, rief Claire der schlanken Frau hinterher, als sie sich erhob und zu dem nächsten Haufen Trümmer wanderte. „Danke“, warf Laurie über die Schulter. Glück konnte sie bei dieser ausweglosen Suche wirklich gebrauchen.

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Leicht streckte Laurie den Rücken durch, um für eine kleine Entspannung in ihrer Muskulatur zu sorgen. Das ständige Bücken und dann wieder aufrichten, und diese Bewegung seit mehreren Tagen, war nicht unbedingt das Richtige für ihren Körper. Ein leiser Seufzer entrang sich ihrer Kehle. Wieder bückte sie sich, um ein paar Trümmer zur Seite zu schieben und den Sand darunter zu untersuchen. „Ah, der Suchhund ist wieder unterwegs! Na, hast du schon etwas gerochen?“ ertönte direkt neben ihr eine raue und äußerst spöttische Stimme. Laurie neigte den Kopf und erkannte den Einzelgänger der Gruppe, Sawyer, der jeden,  wirklich jeden, mit seinen dummen Sprüchen anmachte. Seine einzige Tätigkeit auf dieser Insel war alle anderen Passagiere zu nerven und für Ärger zu sorgen.  Der hatte ihr gerade noch gefehlt. Sie hatte weder Lust, noch Zeit sich mit Sawyer und seinen Kommentaren herumzuschlagen.

„Verschwinde, Sawyer“, zischte Laurie aggressiver als sie es eigentlich beabsichtigte. „Wow, hast du heute aber schlechte Laune“, stellte er grinsend fest. „Nun ... das kann ich irgendwie nachvollziehen. Ich an deiner Stelle hätte auch äußerst schlechte Laune, wenn ich seit dem Absturz wie eine Dumme hier herumlaufen und die Trümmer durchsuchen würde. Was genau suchst du eigentlich?“ „Das geht dich nichts an.“ „Vielleicht habe ich es ja gesehen. Sollte dem wirklich so sein, wäre  ich dein einziger Anhaltspunkt, wo sich dieses Teil, das du unbedingt wiederhaben willst, befindet.“ Schwer stöhnte Laurie auf. Das, was er sagte, ergab sogar Sinn. Also erhob sie sich, um Augenkontakt mit Sawyer aufzunehmen, und weihte ihn ein.

„Ich suche ein Amulett. Es ist eine silberne Kette, an der ein silbernes Kreuz mit einem dunkelroten Stein befestigt ist. Hast du es gesehen?“ Sawyer überlegte angestrengt, wobei ihm deutlich anzusehen war, das er übertrieb und für ihn das alles ein einziger Spaß war. „Nein“, gab er schließlich grinsend zurück. „Wusste ich es doch. Du interessierst dich nur für dein eigenes Vergnügen. Mir bedeutet die Kette wirklich etwas. Also, lass mich bitte in Ruhe.“ Laurie wandte sich um, ein eindeutiges Zeichen, das sie an einer weiteren Unterhaltung mit ihm nicht länger interessiert war. Aber Sawyer war ein Mann, der zwar merkte, dass er nicht erwünscht war, es ihn jedoch nicht sehr störte und er weiterhin an der Stelle verharrte, wo man ihm am liebsten eigenhändig entfernen würde, um ihn loszuwerden.

„Was willst du noch?“ stöhnte Laurie, ohne sich umzudrehen. „Ich habe etwas anderes gefunden, das dir gehört“, sprach er amüsiert. „Tatsächlich? Toll, dann hast du Kleidung gefunden. Wer sagt dir denn, das sie mir gehört?“ Für einen langen Moment schwieg Sawyer. Als Laurie schließlich seine Stimme hörte, wie er etwas laut vorlas, Worte, die sie in- und auswendig kannte, war sie hellwach und wirbelte herum.  „Leise stieg sie die Treppe hoch. Die Stufen unter ihren Füßen gaben ein knarrendes Geräusch von sich. Ein unwohler Schauer rieselte ihren Rücken hinab. Schon als Kind hatte sie Angst vor großen, dunklen Räumen gehabt. Und das Haus, das in totale Finsternis getaucht war, machte den Eindruck eines Geisterhauses.“ Entsetzt starrte Laurie auf das Manuskript in Sawyers Händen. Er hatte es gefunden. Es hatte den Absturz überlebt. Manche Seiten waren etwas zerrissen, aber im Grunde war es in einem erstaunlich guten Zustand.

Die Angst in ihr von Laurie Kane“, las Sawyer die Zeilen auf der ersten Seite vor. Mit einem breiten Grinsen blickte er die Schriftstellerin an. „Das ist mein Buch. Gib es her“, forderte sie hektisch und streckte die Hände danach aus, doch Sawyer umfasste die Blätter fester und hielt den Arm hoch. „Kommt gar nicht in Frage. Wir sitzen hier auf einer Insel fest. Ich brauche eine Beschäftigung.“ „Dann lies etwas anderes.“ „ Hier gibt es nicht viele Möglichkeiten etwas zu lesen. Oder hat die Insel eine Bücherei, von der ich nichts weiß? Ich lese  dieses Buch. Du kannst es wiederhaben, wenn ich fertig bin und mir ein vernichtendes Urteil darüber gebildet habe.“

„Ich will aber nicht, dass du es liest“, zischte Laurie wütend. Ein weiteres grausames Urteil über ihren armseligen Schreibstil, ihre schlechte Ideen und deren noch schlechtere Ausführung, selbst wenn es eine solch unbedeutende Meinung wie die dieses arroganten Bastards war, konnte sie nicht verkraften. Sie hatte genügend vernichtende Kritik einstecken müssen. „Ich lese es trotzdem. Diese Chance muss ich ergreifen, wenn wir hier schon eine Berühmtheit haben.“ „Ich bin keine Berühmtheit“, murmelte Laurie, als Sawyer sich umdrehte und lässig davon ging, mit ihrem Buch.

An seinem Schlafplatz drehte sich Sawyer noch einmal zu Laurie um. Sie widmete sich bereits wieder den Trümmern. Der geschockte Ausdruck in ihren Augen, als sie das Buch in seiner Hand entdeckt hatte, war ihm nicht entgangen. Auch nicht die Traurigkeit, der Schmerz in ihrer Stimme, als sie auf seinen Spruch mit der Berühmtheit geantwortet hatte. Ja, er hatte ihre Antwort gehört. Sie hatte zwar leise gesprochen, doch er hatte jedes einzelne Wort genauestens verstanden. Anscheinend war sie nicht sehr überzeugt von dem, was  sie selbst geschrieben hatte. Und er fragte sich, warum dem so war. Sollte ein Künstler nicht hinter dem stehen, was er erschuf? Nachdem er ihre Reaktion auf das Manuskript erlebt hatte, war er wirklich neugierig geworden. Wieso wollte sie nicht, dass jemand ihr Werk las? Wovor hatte sie eine solche Angst?

Sein Blick streifte Laurie erneut. Er beobachtete, wie sie ihre Hand hob und etwas von ihren Wangen fort wischte. Es waren versteckte Tränen, die sie niemanden zeigen wollte. Sie weinte? Das Amulett schien ihr wirklich verdammt viel zu bedeuten, denn der Eindruck, den sie dort machte, war wirklich jämmerlich. Sie trauerte einem Stück Schmuck hinterher. Sawyer ließ sich auf den Liegestuhl fallen, den er selbst in den Trümmern gefunden und für sich beansprucht hatte, und wühlte in seinem Rucksack herum. Schließlich hielt er in seiner Hand, wonach er gesucht hatte. Es war ein silbernes Kreuz, in dessen Mitte ein dunkelroter Stein funkelte, und das an einer langen Kette hing. Instinktiv ließ er es in seiner Hosentasche verschwinden. Es war Lauries Amulett.
 
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