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von thatisntme    erstellt: 20.06.2006    letztes Update: 13.08.2008    Geschichte, Romanze / P16 Slash    (fertiggestellt)
3.Kapitel: The journey: First Day

„Carry!“, die schrille Stimme einer meiner Lieblingskundinnen schallt unüberhörbar durch den Laden.
„Oh, Mrs Kellingstone, freut mich Sie wieder einmal begrüßen zu dürfen. Sie waren ja schon seit Ewigkeiten nicht mehr hier!“ Küsschen links, Küsschen rechts. Händeschütteln und Kaffe servieren. Es kommt nicht oft vor, dass ich so viel Zeit wie heute habe, aber wenn es denn mal der Fall ist, dann kann ich mir mit meinen werten Kunden doch auch einmal gemütlich machen. Mrs Kellingstone ist eine sehr höfliche, aber eben auch sehr schrille Frau, die seit Beginn meiner Karriere meine Kreationen trägt. Sie ist eine füllige Dame und sie bekommt bereits Falten, aber dennoch scheint sie auf ihre Art sexy zu sein, einfach, weil sie sich in ihrer Haut wohl fühlt und das auch zeigt.
Sie ist seit einigen Jahren verwitwet. Ihr Mann hat ihr sein gesamtes Vermögen vermacht, wovon Mrs Kellingstone auch nicht schlecht lebt.
„Ach, Schatz, weißt du... Eigentlich bin ich nicht hier um ein Kleid zu kaufen.“, demütig lässt die rundliche, aufgeweckte Mrs Kellingstone ihre Tasse sinken und sieht mich um Verzeihung heischend an.
Ich sehe verwundert, allerdings nicht verärgert an, bin ich heute doch für jede Art von Ablenkung dankbar. Mrs Kellingstone seufzt laut und theatralisch auf, sieht mich einige Sekunden lang an.
„Die Sache ist die...“, beginnt sie. „Ich habe mit einem der Veranstalter einer kleinen Modeveranstaltung eine Wette abgeschlossen...“, wieder dieser bettelnde Blick.
„Also, ich habe gesagt, ich würde es schaffen eine bekannte UND erfolgreiche Designerin zu seiner Veranstaltung zu bringen. Und... na ja, dass sie dort ihre Kleider auch vorstellt. Du weißt schon... Modeschau und so etwas.“
Ja, ich weiß jetzt schon was kommt. Sie kennt keine anderen Designer als mich. Alle anderen würden sie nicht beachten, kennen sie Mrs Kellingstone doch nicht einmal. Also wird sie mich anbetteln. Oh Gott, und wie ich es hasse, mit anderen Designern in ein Hotel gequetscht zu werden, mitten unter all diesen perfekten Models, die so ganz anders sind als die meinigen.
„Sag es jetzt, oder nie.“ Mrs Kellingstone sieht mich zweifelnd an, tut schließlich aber doch, worum ich sie gerade bat.
„Würdest du für mich diese Designerin sein, ich möchte wirklich nur ungern verlieren. Es geht um mein Ehre!“, theatralisch legt sich Mrs Kellingstone die Hand über die Augen, schnieft übertrieben laut und will Mitleid heischen. Und, ja, ich bin ein Mensch der schnell Mitleid hat, auch wenn es wahnsinnig schlecht gespielt ist und ich weiß, wie wenig die betreffende Person in Wirklichkeit leidet.
Entnervt seufze ich auf.
„Wann? Wie? Wo? Welches Thema?“ Nicht, dass jetzt jemand denkt, ich würde dafür extra Kleider entwerfen, nein, um Gottes Willen. Ich werde einfach Kleider nehmen die noch keiner kennt, weder von Entwürfen oder Anproben.
„In New York, in 5 Tagen, kein Thema, ihr werdet in einem Hotel untergebracht.“, kommt es wie aus der Pistole geschossen von Mrs Kellingstone die mich freudig anstrahlt.
„Gut. Der Flug wird mir bezahlt, auch der Aufenthalt für mich UND MEINE Models.“
„Gebonkt!“ Mit diesen Worten fällt mir Mrs Kellingstone um den Hals, drückt mich an ihren vollen Busen und ich kann mich regelrecht denken HÖREN „Der Teufel hat eine schrille Stimme und trägt gerne Sommerkleider...“.

„Sind wir nicht schon etwas spät? Die anderen warten sicher schon, im Essraum.“, gibt Maria zu bedenken, als wir in unserem Hotel, am Eingang stehen.
„Ja... Wer konnte auch wissen, dass unser Taxifahrer gerade erst seinen beschissenen Schein gemacht hat! Die sollen gefälligst warten, bis wir da sind!“, wütend stampfe ich mit dem Fuß auf, mache somit allen (also Maria) verständlich, dass wir jetzt, wie geplant, einchecken werden, unsere Sachen IN RUHE auspacken und dann erst runter in den Speisesaal gehen werden. Und wir werden uns nicht stressen lassen!
Betont langsam trotte ich auf die Information zu. Ich bin sauer und kindsköpfig stur. Und deshalb werde ich jetzt aus Trotz meine armen Untergebenen auf mich warten lassen, einfach weil ich gerade Lust dazu habe. Na gut... Womöglich auch, weil ich so ein wenig mehr Zeit mit Maria alleine verbringen kann...
Maria folgt mir, wie immer, lächelnd. Mit ihrem sogar ziemlich kleinen Rolli schreitet sie hinter mir her, während ich mit meinen Megarolli plump herumstampfe. Maria holt unseren Zimmerschlüssel, geht mit mir gemeinsam zum Aufzug. Und ich kann nicht anders. Meine Fantasie geht mit mir durch. Ich stelle mir vor, die Aufzugtür wäre ein großes Eichentor, mit fragilen Verzierungen und Inschriften. Der Gang vor uns ist ein kleiner Marmorweg. Man hört das Klackern unserer Schritte auf diesem Boden. Maria geht neben mir, mit einem Blumenstrauß in der Hand. Sie trägt ein weißes Kleid, mit Schleier und langen Handschuhen. Schwarze, rote und blaue Rosen schmücken ihren Rocksaum und sanfte Linien in diesen drei Farben zieren das gesamte Kleid. Ihr Haar ist mit einigen geflochtenen Strähnen ausgestattet und sie ist nur wenig geschminkt. Ihre Augen glitzern voller Freude. Und ich schreite mit ihr auf das Tor zu. Ich trage einen schwarzen Anzug, einen hohen Zylinder und meine Haare sind zu einem Zopf zusammengebunden. Glocken klingen und ich vernehme freudige Glückwünsche. Eine Hochzeit... Eine wunderschöne Hochzeit, wie ich sie mir nur mit Maria erträumen könnte.
„Carry? Wollen Sie nicht einsteigen?“, fragend und leicht verwirrt sieht Maria mich an, steht mit einem Fuß bereits in dem vollbesetzten Aufzug. Ich nicke stumm, bin noch halb in meinem Tagtraum und quetsche mich samt Rolli in den Aufzug, drücke dabei unser Stockwerk.
Im Aufzug drohe ich beinahe wieder in meinen Tagträumen zu versinken, stehe ich doch Haut an Haut mit Maria im Aufzug. Ich spüre die Wärme ihres Körpers, sehe in ihre freundlichen Augen und ich komme auch nicht umhin ihren weichen Busen an dem meinen zu spüren. Und es erregt mich auch. Etwas zittrig greife ich wieder nach meinem Rolli, als die Aufzugtür sich öffnet, auf jener Ebene auf der wir aussteigen müssen.
Wir haben gleich die erste Tür links. Ein ganz normales Zimmer. War ja klar, würde mich wundern, wenn es die Presidentensuite wäre. Aber ich muss zugeben ich mag dieses Zimmer, auch wenn ich gerade erst im Wohnzimmer angekommen bin. Maria ist schon weiter als ich und ich kann ihr lautes, schrilles Lachen hören, dass sie nur von sich gibt, wenn sie etwas wirklich amüsiert. Neugierig, was denn so lustig sei, trotte ich ins Schlafzimmer wo Maria gerade ist und erkenne augenblicklich den Grund ihres Lachens.
Ein Doppelbett. Ein riesiges Doppelbett. Dunkelrote Seide, schummriges Licht. Es ist eindeutig für welche Art von Zimmergenossen dieses Zimmer gedacht ist.
„Und ich...“, keucht Maria zwischen einigen Lachern. „...hab mich schon gewundert, warum mich der Typ am Empfang so komisch angesehen hat...“
Vor lauter Lachen muss Maria sich setzen, während ich nur ein leises Kichern herausbringe, da ich mir nicht sicher bin ob es wirklich so lustig ist, dieses Missgeschick. Vielleicht sollten wir ein anderes Zimmer nehmen? Aber weshalb? Was habe ich denn für einen Grund, das Zimmer wechseln zu wollen? Immerhin bin ich ja nicht „lesbisch“ oder so. Ja... in Momenten wie diesen wünsche ich mir wirklich, mein Coming-Out schon längst hinter mir zu haben.
Verdammt! Mit Maria gemeinsam in einem Zimmer ist ja schon hart genug (obwohl es mir lieber ist, als dass sie mit einem der anderen Models ein Zimmer bewohnt), aber in einem Bett zu schlafen... Ich weiß nicht, was mir des nachts so alles einfällt, wenn ich mir dessen bewusst bin, dass ein solche wunderbarer, wie auch geliebter Mensch neben mir liegt, vollkommen wehrlos und voller Vertrauen in mich.
Und es ist diese Angst, die Angst Maria zu verletzen, die mich grübeln lässt und wegen der ich wohl nicht sehr viel Schlaf genießen werde, die nächsten Tage.
Tja... spätestens jetzt weiß ich, dass diese eine Woche sehr ereignisreich werden wird...



tbc.

thati
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