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von Alistanniel    erstellt: 12.05.2006    letztes Update: 09.08.2006    Geschichte, Parodie / P6    (abgebrochen)
Kapitel 2. Das Duell


Anderswo waren an diesem Morgen auch schon einige frühe Vögel auf den Beinen. Mehr oder weniger zumindest. Aramis eher weniger. Er schlurfte mit seinem Pferd am Zügel Athos und Porthos hinterher aus dem Stall, murmelte immer wieder Worte wie „inhuman“, „Bett“ und „schlafen“. Wie er so überhaupt in den Sattel kam, vermochte hinterher niemand mehr zu sagen. Am allerwenigsten er selbst.
„Auf, auf ihr müden Krieger“, befahl der putzmuntere und erbarmungslose Athos. „Wir haben ein wichtiges Duell zu bestreiten!
Seine Aussage wurde mit diversen Morddrohungen kommentiert. Nachdem alle im Sattel saßen, brachen die drei strahlenden Helden (zumindest waren sie dieser Meinung) zu ihrer morgendlichen Verabredung hinter dem Kloster auf. Porthos war zu hungrig zum reden, Aramis zu müde, und Athos hatte es satt immer Ewigkeiten auf eine Antwort warten zu müssen. Erst eindeutige Geräusche, ein Schnarchen und ein Rascheln, erweckten seine Aufmerksamkeit und er drehte sich um.

Überrascht entdeckte der Musketier einen Strick, der vom Sattel seines Pferdes zu dem von Aramis’ reitbarem Untersatz führte. Dessen Kopf war nach vor auf den Hals des Pferdes gesunken, die Arme baumelten links und rechts davon schlaff herab, und unverkennbare Schnarchgeräusche drangen aus seinem Mund.
„Porthos“, sagte Athos ohne jede Regung. „Würdest du dem Affen bitte mal eine runter hauen, du bist näher dran. Und fest, wenn geht.“
Doch dieser wehrte ab. „Du siehst doch, dass ich beschäftigt bin.“ Zur Demonstration hielt er ein großes dick belegtes Baguette, welches er gerade ausgepackt hatte, in die Höhe.
Athos schnaubte entrüstet. „Ja seid ihr denn beide von allen guten Geistern verlassen?!  Seid ihr Musketiere oder Hampelmänner?“
„Ähm“, Porthos hob die freie Hand (in der anderen hielt er das Baguette), „Musketiere. Hast du das etwa vergessen?“
„Nein, aber ich bezweifle es ernstlich.“
Weitere Diskussionen blieben allen, die wach waren, erspart, weil sie in diesem Augenblick hinter dem Karmeliterkloster du Luxembourg ankamen. Pünktlich als die Uhr sechs schlug.

Von der anderen Seite her, galoppierte ein blonder Jüngling auf einem dicken Pferd heran. Vor den drei Helden parierte er durch und setzte einen verlegenen Blick auf. In einer Hand hielt er immer noch den Stadtplan, mit dem er ungelenk vor Athos’ Gesicht herum wedelte.
„Morgen allseits. Ich hab ähm... ich hab mich ein bisschen verritten“, gab er zu. „Ist auch eine verdammt große Stadt, Paris.“
Im Hintergrund kicherte Porthos in sein halb aufgegessenes Baguette hinein, und Aramis gab einen besonders lauten Schnarcher von sich. D’Artagnan hob die Augenbraue und sah Athos an.
„Kennt ihr euch etwa?“
Dieser nickte. „Ich befürchte schon. Wieso?“
„Nur so.“
„Ah ja. Können wir es dann hinter uns bringen?“
„Was? Das Duell?“
„Ja. Ich will nachher noch in frühstücken.“
„Wohlan!“ D’Artagnan zog elegant seinen Degen.
„Und quatsch nicht so kariert daher.“
„He, ich quatsche so wie ich will!“
„Versuchs, und du schmeckst meinen Degen. Obwohl... das tust du ja sowieso. Also sprich von mir aus weiter.“
Athos schwang seinen Degen durch die Luft – und piekste dabei Aramis, wie es aussah ganz versehentlich in den Hintern. Wer die Herren allerdings ein wenig kannte, der wusste, dass es volle Absicht gewesen war. Jener brummte und öffnete etwas verwirrt die Augen.
„Sind wir schon da?“

D’Artagnan kam, indem er Athos attackierte (oder zumindest versuchte er es), einer Antwort zuvor. Dieser sprang lässig zur Seite. Das Schauspiel wiederholte sich noch ein paar Mal, wobei das Gesicht des Musketiers immer gelangweilter wurde. Schließlich konnte er ein Gähnen nicht mehr unterdrücken.
„Na, etwa schon müde?“ grinste D’Artagnan, der sich in seinen Angriffen nicht beirren ließ. Es musste ja sehr schneidig aussehen, wie er da so kämpfte. Zu schade, dass kein weibliches Publikum anwesend war, das ihn bewundern konnte.
„Träum weiter“, konterte Athos. „Pass auf! Hinter dir!“
D’Artagnan drehte sich abrupt um – und landete mit der Schnauze direkt im Dreck. Athos hatte das Ablenkungsmanöver genutzt, um ihm einen kräftigen Schubs zu geben. Zufrieden rieb er sich die Hände.
„So, der nächste.“
„Aber ef ift noff gar nifft fieben Uhr“, protestierte der blonde Jüngling, während er sich wieder aufrappelte und den Schlamm ausspuckte. „Und der nächste Termin ist doch erst für sieben...“
Porthos interessierte das allerdings herzlich wenig, und er zückte seinen Degen, nachdem er sein Baguette inzwischen zu Ende verspeist hatte. Erneut klirrten die Waffen, und im Hintergrund feuerte Athos seinen Kumpel kräftig an.

„Moment mal“, warf D’Artagnan plötzlich ein, und brachte seinen Kontrahenten mit einer entsprechenden Geste zum Innehalten. „Hier stimmt ganz eindeutig etwas nicht.“
Porthos nickte. „Ja, du stehst noch.“
„Friss Metall!“ Der Jungspund stürzte sich wutentbrannt auf den Musketier und beide gingen mit Karacho zu Boden.
Und D’Artagnan landete schneller als ihm lieb war zum zweiten Mal mit dem Gesicht im Dreck. Grummelnd wischte er sich wieder sauber und murmelte allerlei Flüche in seinen nicht vorhandenen Bart.
Aramis war inzwischen von Athos mit etwas Wasser aus dem nahen Brunnen übergossen worden, sodass er nun zwangsläufig wach war. Nach wie vor streichfähig, aber zumindest konnte er auf seinen zwei Beinen stehen, und den Degen in der Hand halten. Für den Grünschnabel musste das wohl genug sein.
Doch der junge Bursche wählte nun eine ganz andere Taktik. Er steckte seine Waffe beiseite, und begann damit im Kreis um den Musketier herum zu laufen. Bis dieser so verwirrt war, dass er nicht mehr wusste, was er tun sollte. Lässig stupste D’Artagnan ihm mit dem Finger gegen Stirn, sodass er steif wie ein Brett nach hinten umkippte.
Im Hintergrund protestierten Athos und Porthos lautstark mit Worten wie „Schiebung!“, „Unfair!“ und „Platzverweis!“
Doch der am Boden liegende Aramis war keineswegs besiegt, wie es den Anschein hatte. Ohne sich aufzurichten, trat er hämisch grinsend D’Artagnan den Fuß weg, sodass er zum dritten Mal voll mit dem Gesicht im Schlamm landete. Athos und Porthos applaudierten.

„Gut, dann können wir ja frühstücken gehen“, warf der etwas beleibte Mann ein.
Athos rollte mit den Augen. „Du denkst auch nur an das Eine.“
„Ja was denn? Man muss gut essen, um bei Kräften zu bleiben. Und als Musketier seiner Majestät muss man stets kampfstark sein, das solltest DU aber wissen.“
Bei dieser Aussage richtete sich D’Artagnan kerzengerade auf. „Oh! Ihr seid Musketiere??“
„Und du bist ein Fan?“ mutmaßte Aramis.
Doch dieser schüttelte den Kopf. „Nein, ich will auch einer werden!“
„Ein Fan?“
„Ein Musketier!“
Die drei Herren sahen in diesem Moment drein, als hätte er ihnen gerade den Untergang der bekannten Welt angekündigt. Weil jeder gleichzeitig losmeckerte, gingen die einzelnen Äußerungen ineinander unter. Zum Glück für D’Artagnan.
„Pass mal auf, du Grünschnabel“, begann Athos. „Musketier zu sein ist kein Kinderspiel.“
„Ich weiß.“
„Man muss hart dafür arbeiten.“
„Ich weiß.“
„Und jeden königlichen Befehl ausführen.“
„Ich weiß.“
„Egal wie dumm er auch scheinen mag.“
„Ich weiß.“
„Man muss auch…“
„Ich weiß.“
„Auf keinen Fall darf man…“
„Ich weiß.“
Athos resignierte. Ihm fiel nichts mehr ein. Und nach den Blicken seiner Kumpels zu schließen, ihnen auch ebenso wenig.
„Na dann komm halt mit zum Frühstücken, Kleiner.“
Sekunden später bereute er den Satz bereits. Denn D’Artagnan hüpfte vor Freude wie wild umher, lachte und jubelte.
„Habe ich erwähnt, dass das eine ernste Arbeit ist?“ fügte Athos überflüssigerweise an. Wenn er sich Porthos und Aramis so ansah, stand er mit dieser Auffassung sowieso allein da. Also schnappte er sich die Zügel seines Pferdes, und erwartete, dass die anderen (inklusive der Neue) ihm folgten.
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