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von Alistanniel    erstellt: 12.05.2006    letztes Update: 09.08.2006    Geschichte, Parodie / P6    (abgebrochen)
Inhalt: Die wahre Geschichte von drei Musketieren, die sich für Helden halten, und ihrem jungen naiven Lehrling, der nur Unsinn im Sinn hat.

Genre: Humor/Parodie

Dislaimer: 3M, das Musical, gehört Stage Entertainment.

Dedication: für Nadja und Bine, die beste Inspiration, die es gibt *knuddel*

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3 1/2 Musketiere oder wie es wirklich war

von Alistanniel



Es waren einmal drei mutige edle Helden, die als Musketiere ihrem König treu dienten. Das zumindest glaubt, wer über sie hört oder liest. Aber die Wahrheit, die sieht vielleicht ganz anders aus...


Kapitel 1. Aller Anfang ist schwer


Die Tür quietschte erbarmungswürdig, als Aramis sie aufschob. Fast sofort stieg ihm der vertraute Duft von Bier und Schnaps in die Nase. Hier war er zweifelsohne richtig. Und irgendwo mussten ja auch seine Kumpels sein. Nur wo? Er überlegte schon einfach so laut wie möglich nach ihnen zu rufen, als er plötzlich von hinten angerempelt wurde. Gerade wollte er eine Schimpftirade (natürlich eine sehr christliche) loslassen, als er den grinsenden Porthos erkannte.

„Musst du das das denn jedes Mal machen?“ grummelte er.
Der dickliche Musketier zuckte mit den Schultern. „Du fällst aber auch immer wieder darauf rein, Alter.“
„Ich bin NICHT alt!“
„Jaja,“ Porthos klopfte ihm auf die Schulter. „Aber nun setz dich erst einmal zu uns, und bestell dir ein Bier.“ Er schob ihn weiter bis zu dem kleinen Ecktisch, an dem Athos vor einem großen Bierkrug saß.
Dieser hob, als er die zwei nahen sah, die Augenbraue. „Na endlich kommst du daher. Wurde auch langsam Zeit. Und nun erzähl schon! Hast du die Verabredung mit Claire in der Tasche?“
Darauf kam nur ein Schnauben, das er als nein wertete, und er tätschelte seinem Kumpel den Kopf. „Armer Kerl. Beim nächsten Mal klappt es. Was ist denn überhaupt passiert? Sind dir die richtigen Worte nicht eingefallen?“
Erneutes Grummeln. „Nein! Da war nur so ein gottverdammter Tourist, der sich einmischen musste...“ Er hielt inne, als die schöne Kellnerin an den Tisch heran trat. „Zwei doppelte Cognacs.“

Athos runzelte die Stirn. Nach der Bestellung schien es wirklich schlimm gelaufen zu sein. Er wollte Aramis noch einmal tätscheln, bekam zum Dank dafür jedoch nur eins auf die Finger gehaut. Beleidigt zog er die Hand wieder zurück. Das hatte man nun davon, wenn man nett sein wollte.
„Was denn für ein Tourist?“ hakte Porthos neugierig nach und trank einen großen Schluck von seinem Bier.
„Ja was weiß ich denn! Irgendein kleines blondes Burschi mit einem Stadtplan in der Hand, auf einem viel zu voll gepackten Ackergaul.“
„Ackergaul??“ echoten seine Kumpels gleichzeitig.
„So einen hab ich heut auch gesehen.“ Porthos kratze sich am Kopf. Athos nickte nur, auch er hatte jemanden getroffen, auf den die Beschreibung zutraf.
„Und was ist dann passiert? Was hat er gemacht?“
„Er hat das Taschentuch aufgehoben, das Claire FÜR MICH fallen lassen hatte.“
Woraufhin alle beide in Gelächter ausbrachen, und Aramis aussah, als wolle er demnächst einen Mord begehen. Oder auch zwei. Von diesem Gedanken wurde er allerdings wieder abgebracht, als die Kellnerin seine Cognacs auf den Tisch stellte. Den ersten leerte er auf Ex. Das tat gut.

„Morgen früh um acht Uhr werde ich diesem Heini jedenfalls Manieren beibringen“, murmelte er in das zweite Glas hinein. „Was ist eigentlich mit euren beiden Touristen?“
„Sieben Uhr.“
„Sechs Uhr.“
„Hinterm Kloster duellieren?“
„Nein, zum Frühstück einladen.“ Porthos rollte mit den Augen.
„Wie jetzt?“
„NATÜRLICH zum Duell hinterm Kloster.“
Athos grinste wissend. „Das wird ein Kinderspiel. Der arme Irre wusste nicht einmal, dass man sich nicht auf offener Straße duelliert.“
„Saublödes Gesetz, wenn du mich fragst“, meinte Porthos.
„Das saublödeste überhaupt“, brummelte Aramis.
Der älteste der drei Herren seufzte. „Treffen wir uns morgen um sechs, bringen es hinter uns, und dann gehen wir frühstücken.“
„Spinnst du? Ich steh doch nicht zwei Stunden früher als nötig auf der Matte, ich brauch meinen Schönheitsschlaf!“
Porthos kicherte. „Das ist doch bei dir sowieso sinnlos.“
Athos zuckte mit den Schultern. „Bitte, wie du willst. Aber beschwer dich hinterher nicht, dass wir dir nichts übrig gelassen haben.“
„Vom Frühstück? Als ob das was Neues wär.“
„Von dem Kerl!“
„Oh... wehe! Ich muss doch meine Ehre...“
„Sei pünktlich.“ Athos zwinkerte ihm zu.

Aramis nickte seufzend. Was tat man nicht alles für die liebe Ehre? Nachdem er den zweiten Cognac ähnlich schnell, wie den ersten geleert hatte, war die innere Wut zwar verraucht, aber dafür bekam er einen verklärten Blick. Lässig winkte er die Kellnerin zu sich hinüber.
„Ich bekomm noch einen doppelten Cognac.“
„Nein, bekommt er nicht“, sprach da Athos.
Sein jüngerer Kumpel schnaufte. „Verdammt, ich will aber...“
„Willst du nicht. Du hattest wirklich genug!“
„Pah! Das kann ich auch sehr gut selber entscheiden.“
„Na fein. Aber Porthos und ich tragen dich nachher nicht nach Hause.“ Athos grinste triumphierend. Er war einfach derjenige mit Hirn in der Gruppe. Auch wenn die anderen ihm das für gewöhnlich absprachen. Er war eben ein durch und durch unverstandener Charakter. Ob man sich an so etwas gewöhnen konnte?
Mit einem genüsslichen Grinsen klopfte er Aramis, der ihm seinen Cognac klauen wollte, eins auf die Finger. Der Möchtegernpriester streckte ihm darauf beleidigt die Zunge heraus.

Jetzt reichte es Athos. Diese Kindereien waren ja nicht auszuhalten, immer musste er sich für seine Kumpels schämen. Er klatschte mit der Hand auf den Tisch, und winkte mit der anderen die Bardame her.
„Wir würden jetzt gerne zahlen“, sagte er freundlich, aber bestimmt.
„He, ich wollte mir gerade noch etwas zum Nachtmahl...“, maulte Porthos.
Athos seufzte. „Du hast doch schon zu Abend gegessen.“
„Ja, Abendessen, aber ich hatte noch kein Nacht...“ Bei dem Blick seines Freundes beschloss er doch lieber die Klappe zu halten, und sich auf dem Heimweg noch irgendwo schnell etwas mitzunehmen.
So dackelten die drei Helden nach erfolgter Bezahlung hinaus ins Freie. Es herrschte Schweigen, denn jeder fragte sich, warum sie eigentlich schon so früh hatten gehen müssen. Als ob sie etwas dafür konnten, dass Athos so ein früher Vogel war, und sich bereits um sechs Uhr früh ein Duell einteilte. Und jener fragte sich, warum er mit solchen Partnern gestraft war.


Es war ein schöner Morgen im Paris des siebzehnten Jahrhunderts. Ein junger blondhaariger Bursche ritt auf einem dicken Pferd mit eindeutigem Kaltbluteinschlag durch die Straßen. An seinem Gürtel hing ein Degen, und in der Hand hatte er einen Stadtplan. Wo war nur dieses verdammte Karmeliterkloster du Luxembourg?
„Ach Pomme de Terre“, seufzte er. „Es ist nicht leicht neu in einer Stadt zu sein. Nichts findet man. Du hast es gut, du musst dir über so etwas nicht den Kopf zerbrechen...“
Sein Finger wanderte immer wieder über den Stadtplan. Alles gab es da. Bibliothek, Gefängnis, sogar eine Boulangerie. Nur kein Karmeliterkloster. Und er war schon verflucht spät dran. Und das, wo er das erste Treffen mit ganz neuen Freunden hier in der Stadt hatte.
     
„Äh, pardon Monsieur“, wandte er sich an einen vorbei kommenden alten Mann. „Ich suche das Karmeliterkloster du...“
„Was? Ihr müsst lauter sprechen, junger Mann!“
„Ich suche das Karmeliterkloster du Luxembourg!!“
„Liter Trost, hää?“
„KARMELITERKLOSTER!!!“
„Na sagt das doch gleich. Was ist damit?“
„Wie komme ich dahin?“
„Was für eine Trommel?“
„Schon gut, Monsieur, vergesst es“, murmelte D’Artagnan resignierend und lenkte Pomme de Terre in die nächste Gasse, von wo aus ihm eine resolut aussehende junge Frau entgegen kam. Er witterte eine neuerliche Chance.
„Madame, bitte, ich suche das Karmeliterkloster du Luxembourg...“
„Mademoiselle, wenn ich bitten darf!“
„Oh, natürlich. Verzeiht. Aber wo ist denn nun das Kloster?“
Die junge Frau zeigte lässig die Gasse entlang. „An der nächsten Ecke links. Das nächste Mal solltet Ihr euren Plan vielleicht richtig herum halten, dann findet Ihr sicher besser hin.“ Sie grinste leicht und ging davon.
Verwirrt sah D’Artagnan auf den Stadtplan in seiner Hand. Tatsächlich! Norden war unten, und Süden oben. Wie hatte das denn nur passieren können? Aber zumindest lag sein Ziel in Reichweite. Guten Mutes ritt er los.
 
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