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von Morwen Eledhwen    erstellt: 05.03.2006    letztes Update: 05.03.2006    Geschichte, Drama / P12    (fertiggestellt)
Autor: Morwen Eledhwen
E-Mail:MorwenEledhwen@gmx.de
Fandom: Moon Child
Disclaimer: Die Rechte an der Handlung und den Charakteren aus "Moon Child" liegen mit großer Wahrscheinlichkeit bei Mister Camui Gackt himself - also nicht mir - und ich verdiene mit dieser Geschichte auch kein Geld.
Kommentar: Dies ist meine erste Fanfic zu "Moon Child", also sollten die Charaktere ein wenig OOC wirken, dann seht es mir bitte nach. ^_~
Enstanden ist die Geschichte seltsamerweise nicht unter dem Einfluß von "Orenji no Taiyou"-in-Dauerschleife-Hören, sondern dem Lied "Over The Rainbow (Piano)" von The Trax (und das ungefähr vier Stunden lang ^^).
Das Lied gehört demzufolge einfach zur Geschichte mit dazu, weil ich wohl sonst nicht in der Lage gewesen wäre, so etwas Depressives zu schreiben. *gg*
Wer "Over The Rainbow" nicht kennt und daran etwas ändern möchte, möge sich bei mir melden. ^^
Insofern - viel Spaß beim Lesen. =)
...
Und ja, ich weiß, dass das Ende ein wenig seltsam ist... *hust*

*~*



Ewigkeit



Kei lag auf dem Dach, die Hände hinter dem Kopf verschränkt, und sah gedankenverloren zum Sternenhimmel empor.

Es war Sommer und zu dieser Jahreszeit war es in Mallepa selbst in der Nacht unerträglich heiß. Der Vampir spürte die Wärme zwar ebenso wie die Sterblichen, doch im Gegensatz zu ihnen machte sie ihm nichts aus. Sein unnatürlicher Körper konnte weder schwitzen noch frieren, er heilte sofort jeden physischen Schaden und selbst dem Licht der Sonne konnte er eine gewisse Zeit lang widerstehen.
Ein Körper gemacht für die Ewigkeit...

*~*

Ewigkeit...

Dieses Wort hatte schon vor langer Zeit seine Bedeutung für ihn verloren.
Als er noch ein junger Sterblicher gewesen war, voller Kraft und Tatendrang, hatte er geglaubt, ewig leben zu können. Doch dann, nachdem er zum Vampir geworden war, hatte er das, was die Ewigkeit wirklich ausmachte, am eigenen Leib zu spüren bekommen.

Denn das, was die Menschen als Ewigkeit verstanden, war nichts weiter als eine romantische Illusion, so etwas wie ewiges Glück oder ewige Freude gab es nicht.

Irgendwann verging alles.

Kei hatte die Menschen, die ihm wichtig waren, alt werden und sterben sehen, während die Zeit ihn selbst verschonte. Er hatte gewusst, dass dies geschehen würde, doch auf den Schmerz, der damit einherging, war er nicht vorbereitet gewesen.
Und ihm war klar geworden, dass so etwas wie Ewigkeit nicht existierte.

Zeitalter kamen und gingen. Eine Ewigkeit gab es nicht.

Kei erlebte die Meiji-Ära und sah, wie diese glorreiche Epoche ein Ende fand, als Kaiser Mutsuhito von seinem geisteskranken Sohn, Kaiser Taisho, abgelöst wurde. Der erste Weltkrieg kam und erst jetzt schien den meisten Japanern bewusst zu werden, dass es noch eine Welt außerhalb ihres Landes gab.

Luka, sein Meister und einziger Gefährte auf seinem Weg durch die Jahrhunderte, war mit ihm auf das asiatische Festland gefahren, von wo aus sie eine Reise begannen, die sie durch die ganze Welt führen sollte.
Sie reisten nach Peking, Hongkong, Kalkutta, Bagdad, Jerusalem und Kairo, dann nach Europa mit seinen herrlichen Städten Rom, Wien, Prag, Berlin und dann weiter in den Westen nach Paris und London.
Mitte der zwanziger Jahre buchten sie ein Zimmer auf einem Kreuzfahrer und überquerten den Ozean Richtung Amerika.
Kei verliebte sich sofort in New York.
Sie blieben mehrere Jahre an der Ostküste, bevor ihre Reise sie weiter nach Süden führte.

Als der zweite Weltkrieg ausbrach, waren sie gerade in Südamerika.
Fernab der Zivilisation streiften sie durch den nächtlichen Urwald, ernährten sich vom Blut der Tiere und mieden die Ureinwohner, soweit es ihnen möglich war. Es war eine wilde Zeit und so anders als alles, was Kei zuvor erlebt hatte, doch zum ersten Mal seit langem hatte er wieder das Gefühl, am richtigen Platz zu sein.
Denn hier konnte er endlich einmal unbeschwert sein.
Keine Vorsicht mehr, nicht aus Versehen beim Trinken oder der Anwendung seiner übermenschlichen Fähigkeiten beobachtet zu werden. Keine engen Städte mehr, mit Straßen voll von Menschen, deren Blut er vielleicht schon in der nächsten Nacht trinken würde.
Kei hatte sinnloses Töten stets abgelehnt und auch wenn er das Trinken von Blut als notwendige Maßnahme zum Überleben betrachtete - nach jeder seiner "Mahlzeiten" schien es ihm doch, als hätte er ein weiteres Stück seiner Menschlichkeit verloren.
Und so war es auch kein Wunder, dass er sich mit Händen und Füßen wehrte, als Luka den Entschluss fasste, wieder in die Zivilisation zurückzukehren. Es gab eine lange und hitzige Diskussion zwischen ihnen, doch Luka war nicht umzustimmen und schließlich folgte Kei seinem Meister, denn trotz seiner Sehnsucht nach Freiheit brauchte er doch Gesellschaft.

Man konnte die Ewigkeit nicht allein durchstehen.

Es war der Herbst des Jahres 1949, als sie wieder auf japanischem Boden standen, und einmal mehr hatte sich die Welt verändert.
Das Land war ein einziger Trümmerhaufen und die Menschen voller Bitterkeit nach den langen Jahren des Krieges. Die meisten von ihnen hatten alles verloren, was sie sich in ihrem Leben aufgebaut hatten und es gab viele, die nicht mehr den Mut fanden, weiterzumachen.
Das Dorf, in dem Kei aufgewachsen war, existierte nicht mehr. Wie viele kleinere Ortschaften war es im Krieg von der Landkarte getilgt worden.

Kaiser Hirohito hatte bei der bedingungslosen Kapitulation Japans seine Machtstellung verloren und gehörte nun wie so vieles andere auch zu den Relikten einer vergangenen Zeit.

Doch Japan hatte aus diesem Krieg auch gelernt. Das Land öffnete sich nun völlig den ausländischen Einflüssen und bald war der Wiederaufbau in vollem Gange. Die Städte wuchsen, die Häuser wurden immer höher und die Straßen nachts immer heller, erleuchtet von Autoscheinwerfern und Reklametafeln.
Immer mehr Menschen tummelten sich auf den nächtlichen Straßen, und es waren nicht mehr nur Japaner, sondern Menschen aus allen Teilen der Welt.

Die Vampire versuchten, sich in dieser Zeit zurechtzufinden, doch jedes neue Jahrzehnt brachte wieder unzählige neue Entwicklungen mit sich, und selbst Kei, der sich von ihnen beiden am schnellsten an die neuen Erfindungen gewöhnte, kam mit dem Fortschritt kaum noch mit.

Und so zogen sie sich in den Untergrund zurück, nährten sich von denjenigen, die am Rande der Gesellschaft lebten, und versuchten ansonsten, die Menschheit so gut es ging zu meiden.
Dies war auch die Zeit, in der sie soviel Zeit miteinander verbrachten, wie nie zuvor. Allein hätten sie nicht zurechtkommen können, nur die Anwesenheit des jeweils anderen hinderte sie daran, sich der Sonne hinzugeben.
Doch je mehr Zeit Kei mit seinem Meister verbrachte, umso mehr spürte er, wie diesen der Lebenswille verließ.
Luka trank kaum noch, und manchmal fiel er wochenlang in Starre, nur um mit einem Hunger zu erwachen, der ihn in eine rasende Bestie verwandelte, die Kei meist nur mit Mühe zurückhalten konnte.

In der Nacht zur Jahrtausendwende fasste sein Meister schließlich seinen Entschluss. Sie waren beim Trinken von zwei Wachleuten überrascht worden und Luka war so schwach, dass er nicht hätte fliehen können, wenn Kei ihn nicht grob am Arm gepackt und mit sich gezogen hätte.

"Du musst allein weitermachen", sagte sein Meister, und streifte unsanft die Hand seines Gefährten ab.

Kei starrte ihn an, unfähig zu glauben, was er gerade gehört hatte.
"Wie soll ich ohne dich zurechtkommen?" erwiderte er schließlich heftiger, als er es beabsichtigt hatte.

"Finde einen neuen "Freund"..."
Luka lächelte bei diesen Worten.

Plötzlich wurde Kei klar, dass sein Meister es ernst meinte. Doch in diesem Augenblick holten ihre Verfolger sie ein und einmal mehr griff er nach Lukas Arm und brachte sie beide schließlich in Sicherheit.

Als die Morgendämmerung anbrach, standen sie zusammen am Meeresstrand und starrten auf die endlose Fläche des Ozeans hinaus.

"Ich würde es gerne bei Sonnenschein sehen... Es muss ein wunderschöner Anblick sein, wenn die Sonnenstrahlen über die Wellen tanzen und sie zum Glitzern bringen..."

Kei stand schweigend neben seinem Meister, während die Sonne langsam aufging.

"Es wird hell, lass uns gehen", meinte er schließlich, doch Luka schüttelte den Kopf.

"Ich bleibe", sagte er mit Bestimmtheit. "Und du musst gehen."

Und Kei ging.

Rauchwolken stiegen zum Morgenhimmel empor, als der andere Vampir verbrannte.
Und auch, als Kei schon weit entfernt war, sicher vor den tödlichen Strahlen der Sonne, hatte er noch immer die letzten Worte seines Meisters in den Ohren, das Lied, das sie manchmal zusammen gesungen hatte, als die Nächte noch nicht ganz so trostlos waren...

"Yuugure ni kimi to mita
orenji no taiyou
nakisou na kao o shite
eien no sayonara..." [1]

Nach dieser Nacht lernte Kei die wirkliche Einsamkeit kennen.
Hatte er zuvor geglaubt, einsam zu sein, weil es unter den Sterblichen niemanden gab, dem er sich offenbaren durfte, wurde ihm nun klar, dass es nun niemanden sonst von seiner Art gab, der wusste und verstand, was er war.
Falls es andere von seiner Sorte gab, begegnete Kei ihnen nie, auch wenn er oft nach ihnen suchte.

Finde einen neuen Freund...

Wahrscheinlich war es das, was ihn am Leben erhielt - die Hoffnung, irgendwann jemanden zu finden, der ihn als das akzeptierte, was er war.

Als Japans Wirtschaft kurz nach der Jahrtausendwende zusammenbrach und seine Einwohner in Scharen das Land verließen, um eine neue Heimat zu suchen, war Kei einer von ihnen.
Er reiste einige Zeit durch Asien, bis er sich schließlich in Mallepa niederließ, einer Stadt im Süden des Kontinentes.
Mallepa war ein Treffpunkt der Kulturen, eine Stadt, in der die verschiedensten Völker Asiens aufeinander prallten und deren Ideal Frieden und Gleichheit seiner Bürger war.
Doch anstatt fest in die Bevölkerung integriert zu werden, bildeten die Japaner nur eine weitere von vielen ethnischen Minderheiten und dementsprechend wurden sie auch behandelt. Es kam zu Gruppenbildungen innerhalb der Bevölkerung und die verschiedenen Ethnien bekämpften sich gegenseitig in heftigen Straßenschlachten, die nicht selten blutig ausarteten.

Falls Kei jemals etwas wie einen Glauben an die Menschheit besessen hatte - spätestens jetzt war er verschwunden. Wie sollte er in diesem Chaos aus Armut, Diskriminierung und Bandenkriegen jemanden finden, dem er vertrauen konnte?

Er fing an, sich von den Menschen fernzuhalten und trank kaum noch. Seine Kraft ließ nach, ebenso wie sein Lebenswille.
Kaum fünfzehn Jahre nach Lukas Tod beschloss er schließlich auf einem schmutzigen Hinterhof, seiner Existenz endlich ein Ende zu setzen.

Schließlich ging die Sonne auf - und mit ihr kam der Junge.

Aus dunklen, vor Schreck geweiteten Augen sah der Knabe mit an, wie die aufgehende Sonne die Haut des seltsamen Fremden zum Dampfen brachte, doch anstatt wegzulaufen, brachte er ihn zu der Unterkunft, die er sich mit seinem älteren Bruder und einem weiteren Straßenkind teilte.

Kei saß regungslos im schützenden Schatten ihres Unterschlupfes und starrte gleichgültig vor sich hin.
Wer auch immer der Junge war, er war ihm egal. Und falls er glaubte, er hätte Kei einen Gefallen getan, als er ihn vor der Sonne gerettet hatte, hatte er sich geirrt. Er hatte lediglich den Zeitpunkt seines Todes verschoben.

Denn es gab nichts, was Kei sich mehr wünschte, als zu sterben...

"Hey, sieh mal, Sho!"

Der Junge, der gerade erfolglos versuchte, Kei einen Löffel mit Essen in den Mund zu schieben, sah auf.

Beinahe gegen seinen Willen wanderte der Blick des Vampirs zu dem Jungen hin.
Sho hieß er also...

Wie es schien, hatte die Kinder eine ganze Menge Geld geklaut. Naiv wie sie waren, begannen sie Pläne zu schmieden, was sie mit dem vielen Geld anfangen würden.

'Ihr werden nicht lange leben', dachte Kei. 'Niemand in eurem Alter, der in Besitz von so viel Geld ist, wird lange überleben...'

Und doch...
Mochten diese Kinder noch so jung und unerfahren sein, und ihre Überlebenschancen in dieser Welt noch so gering - als kurze Zeit später ein in einen dunklen Anzug gekleideter älterer Mann den Unterschlupf der Jungen betrat und das Geld zurückverlangte, das sie ihm gestohlen hatten, beschloss Kei, einzugreifen.

Er fiel über den anderen Mann her.

Kei war schwach, doch sein Hunger war so groß, dass er den anderen mühelos zu Boden riss und seine Zähne in dessen Hals versenkte. Wie jedes Mal, wenn er trank, verschwamm seine Sicht und er war in einem Rausch, aus dem er erst wieder erwachte, als sein Hunger gestillt war.

Als er wieder aufsah, stand Sho vor ihm.
Kei wusste, dass er einen grauenhaften Anblick bieten musste, wie er mit der Leiche im Arm und dem blutverschmierten Mund auf dem schmutzigen Boden kniete, und doch wich der Junge nicht vor ihm zurück.
Der Vampir legte den Kopf schief. Irgendetwas sagte ihm, dass dies ein besonderer Moment war...

"Fürchtest du dich nicht?"

Sho schüttelte den Kopf.

Finde einen neuen Freund...

Einmal mehr hallten Lukas Worte durch seinen Geist.

Kei starrte den Jungen an.
Konnte es denn wirklich sein, dass dieser klapperdürre Bengel sein neuer Gefährte sein würde?

Hätte Kei es noch vermocht, er wäre in diesem Augenblick wahrscheinlich in Tränen ausgebrochen...
Leise begann er zu lachen.

Und Sho lächelte.

Seit diesem Tag blieb der Junge bei ihm.

*~*

Kei schlug die Augen auf.

Er musste kurz weggedöst sein, als er einmal mehr in Erinnerungen an vergangene Zeiten geschwelgt hatte. Doch in den kurzen Sommernächten musste er aufpassen, dass er nicht aus Versehen einschlief, sonst würde er noch als weißer Aschehaufen auf dem schwarzen Teerdach enden...

"Kei?"

Der Vampir blinzelte, als plötzlich ein Gesicht über ihm auftauchte und ein Paar blauer Augen ihn besorgt musterte.

"Ist alles in Ordnung mit dir?"

Kei schloss wieder die Augen.

"Wieso bist du noch wach?", erwiderte er, ohne die Frage des anderen zu beantworten.

Shos schiefes Lächeln konnte er auch mit geschlossenen Augen erkennen.

"Ich konnte nicht einschlafen. Es ist einfach zu heiß..."

Kei hörte, wie sich der junge Mann neben ihm niederließ und einen Moment später spürte er, wie Sho den Kopf auf seine Brust bettete und sich an ihn kuschelte.

Die meisten Menschen hätte diese Vertraulichkeit zwischen den beiden Männern sicher verwundert, doch seitdem sie zusammen lebten, waren sie es gewohnt, den anderen stets um sich zu haben. Und da Kei gewissermaßen Mutter und Vater zugleich für den Jungen war, war diese Nähe für Sho nur natürlich.
Er musste jederzeit Nähe bekommen können, wenn er welche brauchte, das hatte Kei schon vor langer Zeit bemerkt, als Sho noch ein ungestümes Kind gewesen war, das öfter mal mit Verletzungen heimgekommen war. Und jedes Mal hatte er sich dann in Keis Arme gekuschelt, und der Vampir hatte ihn an sich gedrückt und in seinen Armen gewiegt, bis der Schmerz vergessen war...
Und auch, als Sho älter geworden war, hatte sein Bedürfnis nach dieser Nähe nicht nachgelassen.

"Worüber denkst du nach?", fragte Sho schließlich, nachdem sie beide längere Zeit geschwiegen hatten.

"Über die Ewigkeit...", murmelte der Vampir schläfrig.

"Aha", war alles, was Sho dazu einfiel. Scheinbar gab ihm dieses Thema zu denken, denn es dauerte ein Weile, bevor er erneut zu sprechen begann.
"Glaubst du, wir werden ewig zusammenbleiben?"

Kei öffnete die Augen.
Er war es gewohnt, die seltsamsten Fragen von dem jungen Mann zu hören, doch damit hatte er nicht gerechnet. Zumal es kein Thema war, über das er sich mit einem Sterblichen wie Sho unterhalten konnte...

"Glaubst du denn, du könntest die Ewigkeit ertragen...?", flüsterte er so leise, dass Sho es eigentlich kaum hätte hören können, doch der junge Mann hatte gute Ohren.

"Ich weiß es nicht...", erwiderte Sho nachdenklich, dann lachte er auf einmal auf. "Aber ich glaube, mit dir zusammen könnte ich es."

"Sho..."
Mehr brachte Kei nicht hervor, denn seine Kehle war auf einmal wie zugeschnürt.
Er hatte sich geschworen, den Jungen niemals zum Vampir zu machen. Er liebte Sho einfach zu sehr, um ihn dieser grauenhaften Existenz aussetzen zu können... Doch der andere würde irgendwann alt sein und schließlich sterben. Kei wusste nicht, ob er es ertragen könnte, denjenigen zu verlieren, nach dem er so lange gesucht hatte...
Nach Lukas Tod könnte er noch so einen Verlust einfach nicht verkraften.

"Meinst du das ernst?", fragte er schließlich leise, doch er bekam keine Antwort.

Sho war eingeschlafen.

Kei seufzte, dann streckte er die Hand aus und strich dem jungen Mann sanft über die kurzen, blonden Haare.

"Ewigkeit...", murmelte er. "Manchmal bist du so ein naiver Dummkopf, Sho..."

Die Zeit verging.
Die Sterne begannen langsam zu verblassen und der Horizont erglühte in einem warmen, roten Schein. Das Licht brannte unangenehm in Keis Augen und er spürte, wie seine Haut zu jucken begann. Nicht mehr lange, und er würde wirkliche Schmerzen spüren - die Schmerzen, bei lebendigem Leibe verbrannt zu werden.

Langsam richtete er sich auf, darauf bedacht, Sho nicht zu wecken. Trotz ihres Größenunterschiedes bereitete es ihm keine Probleme, den jungen Mann hochzuheben. Vorsichtig trug er ihn zurück in ihr Zimmer und bettete ihn auf die Couch.

Mit einem unverständlichen Murmeln rollte Sho sich zur Seite und wandte Kei den Rücken zu. Der zuckte nur mit den Schultern, bevor er sich auf sein eigenes Bett sinken ließ.

Verdammt...
Shos Bemerkung hatte ihn wirklich nachdenklich gemacht.
Vielleicht, ja, vielleicht würde er tatsächlich eines Tages die Unsterblichkeit mit Sho teilen. Es würde nichts weiter als purer Egoismus sein, das war ihm klar, doch lieber ein einziges Mal egoistisch sein, als die Ewigkeit allein zu verbringen.
Denn wenn er in den Jahren, in denen er allein umhergestreift war, eines gelernt hatte, dann, dass es doch eine Ewigkeit gab... die Ewigkeit der Einsamkeit.

Kei schloss die Augen.

Die Sonne ging auf.



Ende


*~*

[1]

Refrain von "Orenji no Taiyou", bedeutet ins Englische (die deutsche Sprache ist mir für dieses Lied einfach nicht romantisch genug *hust*) übersetzt etwa:

"In the evening, I saw with you
the orange sun
You looked like you were going to cry
eternal goodbye..."
 
 
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