Freie Arbeiten / Prosa / Liebesromanzen / Watashi no Sekai
Part 01
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von Stiffy    erstellt: 30.10.2005    letztes Update: 11.07.2009    Romanze / P18 Slash     105 Reviews
Warnung: Shonen Ai / Yaoi

Feedback: Wir würden uns SEHR darüber freuen!!! Feedback geben, könnt ihr uns natürlich hier auf Animexx oder auch in unserem storyeigenen Forum ^^ (Link siehe ein wenig weiter unten)

Disclaimer: Alle Charaktere sind Eigentum von littleblaze und Stiffy. (Copyrightstempel drauf drück)



Kommentar....BITTE LESEN:

Watashi no Sekai?
Die Watashi (so kürzen wir sie gerne ab) ist ein Gemeinschaftsprojekt zwischen mir und littleblaze.

Wir selbst finden jedoch, dass wir mit der Watashi nicht nur eine Story, sondern eher einige Lebensabschnitte zweier Personen erzählen.

In der Watashi selbst werdet ihr im Laufe der Geschichte mit unzähligen Charakteren konfrontiert, werdet Liebe, Schmerz, Verlust, Glück, Einsamkeit, Verzweiflung und noch vielem mehr ausgesetzt sein.

Wir hoffen, etwas wirklich tolles geschaffen zu haben...werden dies aber nur erfahren, wenn ihr unsere Charaktere begleitet und uns das erhoffte Feedback gebt...


Die Entstehungsgeschichte der "Watashi no Sekai"
Alles fing an im Oktober 2002.
Sagte ich gerade 2002? JA, Gott so lang ist das schon her *drop*

littleblaze und ich sind gerade "Freunde" geworden (so per ICQ, Mail etc.) als ich irgendwie auf die Idee kam, doch mal eine gemeinsame Story zu schreiben (fragt mich nicht, wieso ich das damals wollte^^*).
Im Nachhinein erst erfuhr ich, dass littleblaze damals nicht unbedingt begeistert von der Idee war *drop* was sich mittlerweile zum Glück aber geändert hat^^

Wir begannen also mit unser "kleinen" Story, die zu Anfang nicht mal 50 Seiten lang sein sollte.... Doch schon bald wurde uns beiden klar, dass unser anfänglich kleines Projekt etwas ganz Großes werden würde.

Wir verbrachten viele Abende am Telefon oder im ICQ um uns über so manche Kleinigkeiten einig zu werden. Leicht war es nicht, besonders am Anfang, dass dürft ihr ruhig glauben *lol*

Das witzige war, wir sprachen uns so gut wie nie ab, was den Verlauf der Story anging. Einer fing einfach an einen Part zu schreiben und der Andere musste sich damit auseinandersetzen. ^^
Es war selbst für uns immer eine riesen Überraschung, wie die einzelnen Szenen, das abgebrochene Gespräch etc. weitergehen würde....


Warum zwei Perspektiven?
Wenn zwei Personen schreiben, kann man auch super die Gedanken von den zwei Hauptcharakteren beschreiben... Wir fanden es einfach wichtig, dass man nicht nur von einem der beiden die Gefühle etc. erfährt...Und so werden die Charaktere in der Watashi jeweils aus der Ich-Perspektive geschrieben (Sakuya = littleblaze, Kida = Stiffy). Alle anderen Charaktere werden nur aus der Sicht von Sakuya oder Kida beschrieben. (na ja, bis es im späteren Verlauf ein paar kleinere Ausnahmen gibt)

Jetzt denken sich vielleicht viele: "Oh Gott, alles doppelt lesen müssen"
Na ja, in mancher Hinsicht schon, denn einige Szenen bedarf es einfach, sie aus beiden Perspektiven zu sehen, aber glaubt mir, der Großteil der Story ist wirklich nicht "doppelt" geschrieben.


Muss ich jetzt immer hin und her pendeln?
Nein, dieses Ding, das man Partweise von einem Autor zum anderen springen muss, fanden wir selber blöd. Deshalb werden alle Parts, ob von mir oder littleblaze geschrieben NUR von mir hier gepostet.


Wann erscheint der nächste Part?
Da wir ja auch noch ein ganz normales (wenn man das normal nennen kann) Leben haben, dachten wir das wir uns eine Zeitspanne von 7 bis 10 Tage pro Part geben. Also werden im Monat 3 bis 4 Parts erscheinen.
PS: Auf unserer storyeigenen Homepage erscheinen die Parts grundsätzlich früher...


Homepage und Forum!
Die Watashi ist unser Baby, ein MEGA Großprojekt von uns, deshalb hat es natürlich seine ganz eigene Homepage.

Auf der Homepage findet ihr die neuen Parts natürlich früher als irgendwo anders und zudem gibt es dort viele Infos... z.B.:
- Charakter-Infos
- Lexikoneinträge zu verschiedenen Begriffen
- Bilder der Standorte

Natürlich würden wir uns auch mächtig darüber freuen, wenn ihr uns über eventuelle Gedankenfehler/sonstige Fehler in der Story informiert. Wir sind nicht perfekt, aber sehr interessiert zu lernen. ^^

Wir würden uns sehr über einen Besuch freuen:
http://www.watashi-no-sekai.de



Watashi no Sekai
Part 1a - Sakuya (by littleblaze)

„Wach auf Prinzessin.“
Ich reiße die Augen auf und erblicke Kyo grinsend vor meinem Gesicht.
„Lass den Scheiß“, brumme ich, drehe mich weg.
„Komm schon Mann, ich habe keine Lust, wieder zu spät zu kommen.“
Da mir eh nichts anderes überig bleibt, quäle ich mich aus dem Bett, schleife mich in Richtung Bad.
„Ok, das wäre dann schon mal geschafft, ich geh runter.“
„Ja, stopf dich ruhig schon mal voll.“
Das kalte Wasser erfüllt seinen Zweck, auch wenn ich dem lieber entgehen würde. Zum Überfluss, rutsche ich aus und breche mir beinahe den Hals.
Ich schlüpfe, mit einem neuen blauen Fleck am Bein in meine Schuluniform. Noch so ein Grund am liebsten im Bett zu bleiben, die Schuluniform. Ich hasse Schuluniformen, aber noch mehr hasse ich es in den Sommerferien in die Schule zu müssen.
Unten angekommen erwartet mich ein vertrautes Bild. Kyo, der es sich wie jeden Morgen an unserem Frühstückstisch schmecken lässt, meine Mom am Herd, mein Dad mit Zeitung und Kaffee, ein ganz normaler Morgen also.
„Morgen, Sohn“, begrüßt mich mein Dad.
„Morgen“, erwidere ich immer noch schlaftrunken.
„Komm Sakuya, steh nicht wie blöde in der Gegend rum. Setz dich und iss, ihr kommt sonst wieder viel zu spät“, nervt meine Mom und schiebt mich in Richtung Tisch.
Ich setze mich und verschlinge mein Rührei und den Toast schneller als gut für mich ist, was mir auch sofort einen nervigen Schluckauf einbringt.
Auf dem Weg zur Schule, schwärmt Kyo abermals von den Kochkünsten meiner Mom. Ich höre bei diesem Thema nur noch mit halbem Ohr zu, denn es ist fast jeden Morgen das Selbe, und ehrlich gesagt, kann ich nicht verstehen, wie sich jemand so an Essen erfreuen kann.
Das Betreten des Schulhofes, ist schon lange keine Qual mehr für mich. Anders war dies vor zwei Jahren als ich mit meiner Familie nach Japan kam.

~ * ~

Mein Dad war schon lange für eine Beförderung vorgesehen, doch war nie etwas Passendes frei geworden. Kurzum hat man ihm angeboten eine Geschäftsstelle in Japan zu übernehmen. Er war schon öfter geschäftlich in Japan, hatte dort auch meine Mutter kennengelernt, und so entschlossen sich meine Eltern das Angebot anzunehmen.
Ich wurde natürlich nicht groß gefragt, man tat zwar so als würde meine Meinung ins Gewicht fallen, doch als ich mich dagegen aussprach, wurden mir nur die vielen Vorteile aufgezählt.
Mich juckte es aber nicht, ob wir noch mehr Geld hätten, ich wollte auch kein neues, größeres Haus haben, nicht die andere Seite meiner Herkunft kennenlernen. Ich wollte nicht weg von meinen Freunden, wollte nicht in ein Land, das ich nicht kannte, wollte nicht in eine neue Schule, wollte mich nicht mit einer Kultur, mit Leuten auseinander setzten müssen, die mir am Arsch vorbei gingen.
Aber was ein 14-jähriger Junge wollte, zählt oft recht wenig.
Geblendet von Hass stellte ich mich dem, wurde tagelang begafft wie ein Tier im Zoo mit meinen stechend blonden Haaren, meinen grünen Augen. Ich war nicht wie sie, fühlte mich total fehl am Platz und als Schlimmstes empfand ich wohl, dass mir mein Aussehen auch noch peinlich war.
Die zweisprachige Erziehung, die ich genossen hatte, kam mir jetzt zwar zugute, ließ mich nicht wie einen totalen Idioten dastehen, trotzdem hasste ich ES.
Oh ja, wie ich sie alle hasste.

Einige Wochen blieb mein Gemütszustand so, bis ich Freundschaft mit Kyo schloss. Durch ihn kam ich in die Schulbaseballmannschaft, meine größte Leidenschaft: Baseball.
Ich war froh darüber, als ich ihr wieder nachgehen konnte, den Schläger schwingen, das Zischen des Balls hören. Und schneller als ich es mir selbst eingestehen konnte, gewöhnte ich mich an Japan, gewöhnte ich mich an die Menschen, an das System. Ich knüpfte schnell weitere Freundschaften, spielte mein Spiel erstklassig, und fand es mit jedem weiteren Tag gar nicht mehr so schlimm, hier sein zu müssen.

~ * ~

Wir begrüßen einige Freunde und Mitschüler und ich spüre sogleich die Blicke einiger Mädchen aus meiner Klasse. Sie tuscheln oft, und Kyo meint, ich solle mir doch einfach eine nehmen, dann würden die Anderen schon Ruhe geben.
Mir einfach eine nehmen? Was für ein grandioser Vorschlag!

Die zwei Stunden des aufgebrummten Sommerkurses vergehen schnell, und ich kann es kaum noch erwarten, mit einigen Jungs noch ein wenig Baseball zu spielen. Dicht gefolgt von Kyo und ein paar anderen Mitschülern renne ich in Richtung Spielfeld. Baseball ist ein beliebter Sport in Japan, was ich früher nie gedacht hätte.
Ich bin einer der ersten auf dem Feld, schlage den kleinen, 144 Gramm schweren Ball immer wieder in die Luft, bis Kyo endlich an seinen Platz steht und ich ihm den Ball zuspielen kann.
Ich liebe Baseball, es ist mir unheimlich wichtig. Mein größter Traum ist es irgendwann wieder in die USA zurück zu gehen und Profispieler zu werden. Davon habe ich immer geträumt.

„Sieh mal Sakuya, da ist deine Traumfrau“, schreit Kyo, was mich gleichzeitig aus den Gedanken und der Konzentration holt.... ich verfehle den mir entgegenkommenden Ball. Ein Ablenkungsmanöver, geschickt eingefädelt, aber zu spät bemerkte ich die Taktik.
„Pass auf, das bekommst du zurück.“
Der nächste Ball entwischt mir nicht, und ich schlage weit ins hintere Feld, ein Home-Run. In gleichmäßigem Lauf und unter gespielten Jubelrufen meiner Mannschaftskollegen laufe ich eine Base nach der anderen ab, wobei mein Blick doch noch einmal kurz zur Tribüne schweift.
Meine Traumfrau. Ich finde Sanae sehr hübsch, sie hat irgendetwas, was mich fasziniert. Aber, auch mit ihr würde ich wahrscheinlich nichts anfangen, und des weiteren hat sie ja schon einen Freund.
Auf meinen Endspurt zur letzten Base lege ich noch ein kleines Siegestänzchen hin und bin einfach nur glücklich darüber, dass ich spielen kann.
Kyo und Tsuzuki liegen auf der Wiese nahe des Spielfeldrandes, ich gehe zu ihnen rüber.
„Das war echt fies“, spiele ich noch ein wenig den Eingeschnappten, woraufhin Kyo mir die Füße unter den Beinen wegzieht und wir in einer kleinen Kabbelei enden.
„Was macht ihr heute Abend?“, fragt Tsuzuki, nachdem wir uns voll verausgabt haben, nach Atem ringend auf der Wiese liegen.
„Was sollen wir schon tun? Morgen ist ein Feiertag, das heißt kein nervender Sommerkurs. Vielleicht sollten wir mal wieder ins Velfarre gehen, die haben ja sowieso jeden Donnerstag auf", antwortet Kyo und schaut mich fragend an.
„Vergiss das Velfarre, lass uns mal was neues ausprobieren“, entgegnet Tsuzuki grinsend.
Kyo und ich wechseln einen fragenden Blick.
„Was haltet ihr von nem neuen Club, der gerade in Roppongi aufgemacht hat?“
Kyo und ich schauen uns ein weiteres Mal an, unser immer breiteres Grinsen gibt Tsuzuki eigentlich schon eine Antwort auf seine Frage.

20 Minuten später haben wir unser Vorhaben für den heutigen Abend geplant, und Kyo und ich verlassen das Feld zusammen um zu duschen und nach Hause zu gehen.
Auf den Weg zu den Umkleidekabinen schweift noch einmal ein kurzer Blick über die Tribüne. Noch immer sitzt sie dort, wunderschön und einfach nur faszinierend, doch eine Sekunde später wird mir der Blick auf Sanae allerdings verwehrt, Takahama.
Ich versuche nicht weiter darüber nachzudenken, warum sie wohl mit so einem Kerl zusammen ist. Immerhin ist er überall bekannt dafür, dass er öfter mal One-Night-Stands hat. Liebt sie ihn wirklich so sehr, dass sie trotzdem bei ihm bleibt? Verstehen kann ich das nicht, aber was soll’s, ist ja nicht mein Problem. Ich renne an Kyo vorbei und lasse mein Handtuch auf seinen Oberschenkel knallen.
„Ahhh, das bekommst du zurück“, brüllt er, versucht mich einzuholen.

~ * ~

Auf dem Nachhauseweg, gehen wir noch mal den Treffpunkt für den Abend durch und kommen kurze Zeit später auf ein anderes Thema zusprechen.
„Welche neuen Kurse hast du belegt?“
„Nichts besonders... einen Französischkurs und Englisch, ansonsten bleibt alles beim Alten“, antworte ich ihm.
„Was machst du eigentlich immer in den Englischstunden Sakuya?“
„Alles mögliche, halt nur kein Englisch. Hausaufgaben, eine neue Spielstrategie entwerfen oder einfach nur Relaxen.“
„Und trotzdem bekommst du die besten Noten.“ Ein wenig Neid liegt in seiner Stimme.
„Kannst ja bei mir Nachhilfe nehmen.“
„So weit kommt es noch, lieber würde ich durchfallen, als dich als Lehrer zu akzeptieren.“
Ich weiß genau, dass er es nicht böse meint, und ehrlich gesagt, käme ich mir schon ein wenig komisch vor, bei einem Freund den Pauker zu spielen.
An der nächsten Kreuzung trennen wir uns.

Ich betrete unser Haus, es ist wie gewohnt leer, aber das macht mir gar nichts. Ich genieße diese paar Stunden, in denen meine Eltern arbeiteten.
Mit einer Coke lasse ich mich auf einen Sessel fallen, greife nach der Fernbedienung und hoffe inständig, mal was anderes zusehen als immer diese nervigen Animes oder Gameshows, aber auch heute werde ich enttäuscht.
Ich schließe meine Augen, und kurz bevor ich einschlafe, denke ich noch mal an Sanae. Vielleicht geht sie ja auch zur Eröffnung von diesem neuen Club.


Part 1b – Kida (by Stiffy)

„Streng dich einfach etwas mehr an, okay?“ Toshiki-sensei sieht mich auffordernd an, als er sich von seinem Stuhl erhebt.
Ich stehe auf, schnappe mir meine Tasche und verlasse nach einem letzten Gruß den Klassenraum.
Englisch, immer wieder dieses verdammte Fach! Nachdem ich die Prüfung verhauen habe, musste ich gezwungenermaßen den Englischnachhilfekurs in den Sommerferien belegen.
Ich verlasse das Schulgebäude und gehe hinüber zu den Sportplätzen. Sanae hatte mir versprochen, dort auf mich zu warten, und so sehe ich sie auch schon auf einer der Tribünen, zusammen mit Nori und einem anderen Mädchen.
Sie sieht mich auf sich zukommen und lächelt mir entgegen.
„Sorry, Toshiki-sensei wollt noch kurz mit mir sprechen... Wollen wir los?“
Sanae nickt und steht auf, verabschiedet sich von ihren Freundinnen. Ich reiche ihr die Hand zum Verlassen der Tribüne, was ein paar Mädchen in den hinteren Reihen zum tuscheln veranlasst. Gemeinsam verlassen wir das Schulgelände und machen uns auf den Heimweg.
„Hast du von diesem neuen Club gehört?“, fragt Sanae.
„Du meinst den Vanilla? Ja vorhin, wieso?“, sage ich, und erinnere mich, wie ich von irgendeinem Mädchen gefragt wurde, ob ich mit ihr dort hin gehen wolle. Ich hatte angelehnt.
„Yun hat mich gefragt, ob wir mit hin kommen wollen...“
„Und? Hast du zugesagt?“
„Ich wollte erst dich fragen...“ Erwartungsvoll sieht sie mich von der Seite an. Ich weiß, wie gerne sie dort hin will, ich kann ihr diesen Wunsch nicht abschlagen.
„Okay, lass uns hingehen...“ Sanae beginnt zu strahlen. „Lass uns noch kurz bei mir vorbei, dann komm ich gleich mit zu dir, okay?“
Sie nickt.

Am Häuserblock, in dem ich wohne, angekommen.
„Ich komm gleich wieder!“
Schnell flitze ich die Treppen hoch bis in den dritten Stock. Ich betrete die kleine Wohnung, in der ich seit fünf Jahren wohne. Ein Jahr nachdem meine Ma Takehito kennengelernt hatte, heirateten die beiden und wir sind dann mit ihm zusammen gezogen. Nur vier Monate später kam meine Schwester zur Welt.
„Ich bin wieder da...“
Keine Antwort – wie erwartet. Ich seufze und gehe zum Zimmer von Lynn. Das kleine, schwarzhaarige Mädchen sitzt zwischen ihre Spielsachen auf den Boden und strahlt mich mit ihren Kinderaugen fröhlich an.
„Hallo!!“ Sie wedelt mir mit ihrer Puppe entgegen.
Ich gehe ins Zimmer und nehme sie auf den Arm, gebe ihr einen Kuss auf die Stirn. „Wo ist Mama?“
„Bei der Nachbarin... Spielst du mit mir?“
„Es tut mir leid Schatz, aber ich muss gleich wieder weg...“, antworte ich schweren Herzens, denn ihre Kulleraugen bringen einen immer wieder dazu, nachzugeben. „Ich geh zu Sanae.“
„Ist sie da?“ Lynn reckt ihren Kopf zur Tür.
„Nein, sie wartet unten.“ Ich setze Lynn wieder ab. „Sagst du’s Mama, ja?“
Sie nickt.
„Tschüss Lynn... Morgen spiel ich mit dir, versprochen!“
„Ja!“ Ruft sie fröhlich, hebt ihre Hand und winkt, bevor ich die Tür wieder schließe.
Schnell hole ich mir was zum Anziehen aus meinem Zimmer, verlasse dann die Wohnung wieder und gehe die Treppe hinunter.
Ich hasse diese Wohnung. Als mein Vater noch lebte, hatten wir ein schönes Haus... Seit er tot ist, hat sich so vieles geändert. Meine Mutter wurde immer kühler und hatte kaum noch Zeit. Heute verstehe ich, dass sie viel arbeiten musste, um uns zu ernähren, doch damals, als kleiner Junge, wollte ich das nicht einsehen.
Nun, da sie mit Takehito zusammen ist, muss sie zwar nicht mehr so viel arbeiten, ist aber trotzdem viel zu oft unterwegs. Wahrscheinlich habe ich deswegen keine wirkliche Bindung zu ihr... ich sehe sie einfach zu wenig.
Auch mit Takehito ist es nicht anders. Seit Anfang an konnte ich ihn nicht leiden, vielleicht, weil ich keinen anderen Vater akzeptieren konnte, und er gab sich auch nicht wirklich Mühe, das zu ändern. Unser schlechtes Verhältnis beruht also auf Gegenseitigkeit und da er mich nicht adoptieren wollte, behielt ich letztendlich sogar meinen Namen, den meines richtigen Vaters. Dieser steht nun separat auf dem Türschild.
Na ja, heute kann ich sagen, dass ich vielleicht etwas zu unkooperativ war...
Ich verlasse das Gebäude und ziehe die Glastür hinter mir zu. Sanae steht vor einer Plakatwand und begutachtet diese gelangweilt. Ich gehe auf sie zu und umarme sie von hinten.
„Kein Wunder, dass alle denken, du seist mein Freund!“, lacht sie und befreit sich von mir. Wir machen uns wieder auf den Weg.

~ * ~

Es stimmt, kurz nachdem Sanae ein Jahr nach mir auf unsere Schule kam, verbreitete sich das Gerücht, wir seien ein Paar. Weder sie noch ich versuchten den Irrtum klarzustellen, denn es störte uns beide nicht wirklich. Zwar war bei uns nie die Rede davon gewesen, eine derartige Beziehung einzugehen, aber da Sanae ohnehin keine haben wollte, und auch ich nicht besonders scharf danach war, empfanden wir es als nicht notwenig, die anderen darauf hinzuweisen.
Ich kenne Sanae solange ich denken kann. Unsere Eltern waren befreundet und schon immer haben wir miteinander gespielt. Sie ist meine beste Freundin, war nie mehr. Ich kann mit ihr über alles reden, was wir oft auch stundenlang tun, aber mehr kann ich mir nicht vorstellen. Nur ein Mal haben wir uns richtig geküsst, aus Neugier heraus, doch für uns beide war es nichts ernsthaftes. Es blieb die Freundschaft, und so ist es auch heute noch.
Ich war eigentlich schon immer beliebt bei den Mädchen, und auch Sanae ist eine Schönheit, was uns für andere am Anfang zum Traumpaar machte. Tja, aber dabei blieb es nicht lange. Nur ein paar Wochen später wurde ich auf einer Party mit einem Mädchen in einer heiklen Situation erwischt. Sie hatte einen Freund, wie ich erst danach erfuhr und so war das Ganze nicht nur ein Seitensprung meinerseits, sondern hatte ich sie, wie es hieß, auch noch dazu verleitet. Nach diesem Zwischenfall machten noch ein paar Mal ähnliche Geschichten die Runde und Sanae darf sich oft genug anhören, sich doch von mir zu trennen, was sie meist nur mit einem Lachen kommentiert.
Das Einzige, was mich bei der Ganzen Sache mit Sanae und den Gerüchten bedrückt, ist, dass ich so gut wie keine wirklichen männlichen Freunde habe.

~ * ~

Den Rest des Nachmittags verbringen wir bei Sanae zu Hause, bis wir uns Abends auf den Weg in diesen neuen Club begeben.
Sanae hält meine Hand und zieht mich unerbittlich mit. Eigentlich steh ich gar nicht so auf Discos. Einfach zu viel Gedränge und man kann sich nicht wirklich unterhalten, aber was macht man nicht alles für seine beste Freundin.
Nachdem wir an den Türstehern vorbei sind, bläst mir die dicke Luft ins Gesicht. Sanae schleift mich mit in Richtung Theke und lässt sich dann auf einem Barhocker nieder. Neben ihr nehmen Yun und Nori Platz, die mit uns gekommen sind. Ich lege meine Arme von hinten um Sanae. Ich weiß eigentlich nicht, warum wir immer wieder so etwas tun, uns umarmen oder gar Händchen halten.
Ich sehe mich um, erkenne jedoch kein einziges bekanntes Gesicht in meiner Nähe. Auf der Tanzfläche drängen sich die Leute, genau wie auf den Gängen, wo sie versuchen, vorwärts zu kommen. Ich könnte mich niemals jede Woche in solcher Umgebung aufhalten.
Nach einiger Zeit zieht Sanae mich mit auf die Tanzfläche. Bei einem langsamen Stück legt sie ihre Arme um meinen Hals und schmiegt sich an mich. Wir bewegen uns zur Musik, mit geschlossenen Augen. Ich streiche leicht mit den Händen über ihren Rücken.
Nach dem Lied drücke ich Sanae leicht von mir.
„Bin mal kurz wohin...“
Sie nickt und dann verschwinde ich in dem Getümmel, dass mich Richtung Toilette treibt. Es geht nur langsam voran, denn scheinbar hatte nicht nur ich diese glorreiche Idee...
Minuten später, als ich den überfüllten Toiletten endlich entronnen bin, dränge ich mich zur Theke vor, doch Sanae kann ich bei den anderen nicht entdecken. Nori zeigt zur Tanzfläche, was ich mir hätte denken können, denn dort ist Sanae fast immer vorzufinden. Ich will zu ihr gehen, doch dann erstarre ich.
Natürlich habe ich meine Freundin sofort erkannt, genau wie den, mit dem sie tanzt. Unweit von mir entfernt hat Sakuya seine Arme um ihren Körper geschlungen und bewegt sich mit ihr zum Takt der Musik.
Sakuya ist wahnsinnig beliebt, aber dennoch habe ich ihn noch nie mit einem Mädchen gesehen, immer nur mit seinem Baseball. Ich hab nichts mit ihm zu tun und eigentlich hab ich nicht mal wirklich etwas gegen ihn, aber dies nun stört mich, ohne dass ich sagen könnte wieso. Es kann eigentlich keine Eifersucht sein.
Meine Hände ballen sich zu Fäusten, als ich mich zu den beiden durchdränge.


Part 1c - Sakuya (by littleblaze)

Abgesehen von der schlechten Luft und der Menge der Besucher, stößt der neue Club auf allgemeinen Anklang.
„Ist ja irre, voll bis unters Dach“, strahlt Tsuzuki.
„Was hast du erwartet, ist halt Neueröffnung“, entgegnet Kyo.
Wir stehen am höchsten Punkt des Clubs, ich lehne mich gegen das Geländer und lasse meinen Blick über den riesigen Raum schweifen, während meine beiden Begleiter Wetten darüber abschließen, wer wohl als erster die Aufmerksamkeit eines weiblichen Wesens erringt.
Ein toller Anblick, alleine die vielen verschiedenen Haarfarben sind der reinste Wahnsinn. Keine Ahnung wie manche Jungendliche es schaffen, ihrem Haar bei jedem Clubbesuch eine andere Farbe zu verleihen und am nächsten Schultag wieder das ganz normale Schwarz zu tragen. Von blond über grün, rot, blau bis hin zu gestreift ist alles vertreten, aber am Ende bleibt mein Blick doch auf schwarzem Haar hängen.
Ich gebe Kyo zu verstehen, dass wir uns jetzt ins Getümmel schmeißen sollten, und wir schaffen es tatsächlich die Bar lebend zu erreichen. Wir setzen uns auf die Barhocker, die gerade frei werden und bestellen uns eine Cola.
Kyo lässt prüfend den Blick über die Tanzfläche schweifen, und teilt uns zwei Minuten später mit, dass er sein auserwähltes Opfer gefunden hat. Wohl eher sein erster Versuch von vielen am heutigen Abend.
„Also, bis gleich Sakuya. Wünsch mir Glück“, grinst er schelmisch und geht in Richtung Tanzfläche. Auf halben Weg dreht er allerdings noch einmal um, und flüstert mir ins Ohr:
„Sanae ist ganz alleine da, Sakuya. Kein Takahama weit und breit, also sitzt nicht so blöde hier rum.“ Ein Augenzwinkern und schon ist er wieder weg.
Wie ich feststellen muss, hat Tsuzuki sich auch schon aufgemacht, um seine heutige Wahl zu beschwatzen, und so alleine auf einem Hocker vor mich hinzuschimmeln, ist sowieso nicht mein Ding, also folge ich Kyos Ratschlag. Was kann sie schon machen, außer freundlich lächeln abzuwinken.
Sie bemerkt mich erst, als ich nahe bei ihr stehe und sie freundlich anlächle.
„Hallo Sakuya“, strahlt sie mir entgegen.
„Hallo Sanae! Tanzen wir?“
Ein kleiner Rotschimmer, der sie noch um einiges schöner macht und ihre Freundinnen, geben ihr daraufhin einen kleinen Schubs in meine Richtung.
„Ja, gerne!“
Ich führe Sanae zur Tanzfläche, ihre schmale Hand in meiner Eigenen. Ein kleines freies Plätzchen gefunden, und schon ändert sich die Musikrichtung, ein langsamer verträumter Song schwebt durch den Raum, Zufall oder Schicksal?
Ich bin ein guter Tänzer, was ich wohl auch meiner Mom zu verdanken habe, obwohl man bei solchen Liedern eigentlich kein besonderes Talent benötigt. Sanae weiterhin anlächelnd, ziehe ich sie leicht an mich, lege meine Hände auf ihren Rücken und führe uns über die Tanzfläche. Am Anfang scheint es ihr, besser gesagt, scheine ich ihr ein wenig fremd zu sein, doch nach einiger Zeit legt sie ihren Kopf gegen meine Brust. Sie ist einen Kopf kleiner als ich, lässt mich den angenehmen Duft ihres Shampoos wahrnehmen. Ich spüre ihren warmen Atem, der durch mein dünnes Shirt stößt, fühle ihre Hände, auf meinen Rücken ruhen.
Meine Finger malen kleine Kreise, bringe sie damit zum Lachen. Eng aneinandergedrückt, genieße ich ihre Nähe für den Augenblick sehr.
Kurz bevor der Song endet, flüstert mir Sanae ins Ohr, dass sie mal zur Toilette müsse. Ich lächele ihr zu, und gebe ihr einen kleinen Kuss auf die Stirn. Keine Ahnung warum ich das tue, aber ich finde es einfach passend in diesem Moment. Vielleicht lasse ich mich aber auch viel zu viel von Kyo und den anderen beeinflussen? Sie lächelt verlegen und verschwindet in die angegebene Richtung. Ich schaue ihr für einen kurzen Moment nach... ob es ein Fehler wäre, ihr mein Herz zu schenken?
Ich drehe mich um, mit dem Vorhaben die Tanzfläche zu verlassen, und ein zorniges Gesicht erscheint vor meinem, Takahama.
Ich erstarre.
Sein Gesichtsausdruck verrät nichts Gutes, er schaut kurz an mir vorbei. Sucht er Sanae? Wahrscheinlich! Wie viel mag er gesehen haben?
Eigentlich ist es mir egal, was er sieht oder denkt, aber immerhin könnte ich mit meiner kleinen Aktion Sanae in Schwierigkeiten gebracht haben, und das wollte ich ganz bestimmt nicht. Und, wenn man es genau nimmt, hat er allen Grund sauer zu sein, immerhin habe ich sehr intensiv mit seiner Freundin getanzt, und sie sogar geküsst.
Da ich größeren Streit vermeiden möchte, entscheide ich mich dafür, mich bei ihm für mein Verhalten zu entschuldigen, auch wenn mich diese Tat innerlich ankotzt. Ich will also gerade meine kleine Entschuldigung vom Stapel lassen, als sich sein Blick auf komische Weise ändert. Ich möchte dem am liebsten ausweichen, und doch kann ich nichts anderes tun, als ihm in seine Augen zuschauen.
Ich registriere eine Bewegung auf mich zu kommen, eine Falle?
Innerlich bereite ich mich darauf vor, dass er mich schlagen wird. Aber kein Aufprall, kein Schmerz, stattdessen seine Finger, die durch meine Haare streifen.
Ich verstehe nicht, was hier gerade passiert, und warum zum Teufel stehe ich nur wie blöde da und lasse es geschehen?
Er lässt von mir ab und bewegt sich einen kleinen Schritt auf mich zu. Ich versuche auszuweichen, und stelle mit Ehrleichterung fest, dass mein Fuß mir gehorcht und mich einen Schritt nach hinten gehen lässt. Leider bringt mir das nicht den gewünschten Effekt, denn ein Kerl, dem ich wohl in die Hacken getreten bin, versetzt mir einen Schubs und ich bewege mich wieder in die entgegengesetzte, in seine Richtung.
Ich will hier weg, ich fühle mich wie ein in die Enge getriebenes Tier. Innerlich rechne ich immer noch mit einen gewaltsamen Angriff seitens Takahama, doch er beugt sich nur ein klein wenig zu mir vor, und mit weitaufgerissenen Augen vernehme ich die Worte, die er mir zuflüstert. Danach dreht er sich um und verlässt die Tanzfläche.

Auf dem Heimweg fragen mich meine Freunde immer wieder, warum ich so still sei, und ob es mit Sanae nicht geklappt hätte. Ich erwidere nichts darauf, komme nur mit der Ausrede, dass ich mich nicht besonders fühle, aber das Einzige, an das ich im Moment denken kann, sind die Worte die er zu mir gesagt hat:
„Weißt du eigentlich wie schön du bist?“


Part 1 - Ende

Wir würden uns sehr über einen Besuch auf der storyeigenen Homepage freuen:
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