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von Suiluj
erstellt: 09.07.2005
letztes Update: 13.07.2005
Geschichte, Allgemein / P6
(abgebrochen, keine anonymen Reviews)
"Wie geht's?", fragt ein Blinder einen Lahmen.
"Wie du siehst", antwortet der Lahme.
(G. C. Lichtenberg, 1742-1799)
Wieso kann man hier das Verhalten des Blinden akzeptieren, das des Lahmen aber nicht?
Der Blinde sieht nicht, dass der Lahme lahm ist. Der dagegen kann sehr wohl die Behinderung des Blinden erkennen.
Der Blinde beleidigt den Lahmen also unabsichtlich, ja, ohne es zu merken. Er kann für seine Behinderung nichts, kann diejenige seines Gegenübers aber gerade deswegen nicht erkennen. Dafür kann man ihn weder verantwortlich machen noch verurteilen.
Doch genau das tut der Lahme in vollem Wissen über die Unfähigkeit seines Gegenübers, seine Lage (also die des Lahmen) zu erkennen und die entsprechende Pietät walten zu lassen. Stattdessen rächt er sich an seinem eigentlich unschuldigen Gegenüber, ja, beschimpft ihn aufs Übelste. Dies lässt sich nicht tolerieren, denn er weiss genau, wie sehr er den Blinden dadurch verletzt.
Nun sollte man diese auf den ersten Blick eher komische Situation aber nicht einfach so stehen lassen, denn dahinter stecken gewaltige Probleme: Das der Rache, das der Angemessenheit und viele weitere andere.
Der Lahme rächt sich an seinem Gegenüber, das noch gar nciht weiss, dass es einen fehler begangen hat, auf eine geradezu unmenschliche (und gerade deshalb allzu menschliche) Art und Weise. Er zahlt gleiches mit gleichem heim, nach dem Prinzip "Auge um Auge, Zahn um Zahn". Dabei stellt er die Möglichkeit, dass der Blinde gar nichts von dieser Untat wissen könnte, völlig in den Hintergrund.
Doch wie verhalten wir uns, wenn wir beleidigt werden, oft auch einfach durch Unwissenheit? Wir zahlen es ebenso in gleicher Münze heim, beleidigen die andere person und nennen das dann noch "Schlagfertigkeit". Dass diese Schlagfertigkeit wörtlich gemeint ist, also als Bereitschaft, zuzuschlagen, vergessen wir dabei, und nennen das ganze noch einen guten Charakterzug.
Auch die Angemessenheit der Reaktion ist fragwürdig. Der Lahme hätte den Blinden gern auf seine eigene Behinderung aufmerksam machen können, aber ihn gleich zu beleidigen, geht klar zu weit. Denn während die Unachtsamkeit des Blinden tatsächlich nicht mehr ist, ist die Beleidigung des Lahmen vorsätzlich und damit auch absichtlich geschehen.
Doch sind wir hier anders? Wir denken doch auch nicht darüber nach, warum jemand jetzt einen fehler gemacht hat, sondern werfen ihm diesen Fehler gleich vor und fassen den Vorsatz, dieser Person nicht mehr zu trauen, ja, ihr sogar zu schaden. Dabei wäre uns selbst eigentlich klar, dass das nicht angeht.
Wir sollten uns öfter überlegen, wieso etwas geschehen ist, statt es gleich zu kritisieren, denn oft steckt nicht die Absicht, zu schaden oder sich zu widersetzen, sondern allein Unachtsamkeit und Unwissenheit dahinter.
"Wie du siehst", antwortet der Lahme.
(G. C. Lichtenberg, 1742-1799)
Wieso kann man hier das Verhalten des Blinden akzeptieren, das des Lahmen aber nicht?
Der Blinde sieht nicht, dass der Lahme lahm ist. Der dagegen kann sehr wohl die Behinderung des Blinden erkennen.
Der Blinde beleidigt den Lahmen also unabsichtlich, ja, ohne es zu merken. Er kann für seine Behinderung nichts, kann diejenige seines Gegenübers aber gerade deswegen nicht erkennen. Dafür kann man ihn weder verantwortlich machen noch verurteilen.
Doch genau das tut der Lahme in vollem Wissen über die Unfähigkeit seines Gegenübers, seine Lage (also die des Lahmen) zu erkennen und die entsprechende Pietät walten zu lassen. Stattdessen rächt er sich an seinem eigentlich unschuldigen Gegenüber, ja, beschimpft ihn aufs Übelste. Dies lässt sich nicht tolerieren, denn er weiss genau, wie sehr er den Blinden dadurch verletzt.
Nun sollte man diese auf den ersten Blick eher komische Situation aber nicht einfach so stehen lassen, denn dahinter stecken gewaltige Probleme: Das der Rache, das der Angemessenheit und viele weitere andere.
Der Lahme rächt sich an seinem Gegenüber, das noch gar nciht weiss, dass es einen fehler begangen hat, auf eine geradezu unmenschliche (und gerade deshalb allzu menschliche) Art und Weise. Er zahlt gleiches mit gleichem heim, nach dem Prinzip "Auge um Auge, Zahn um Zahn". Dabei stellt er die Möglichkeit, dass der Blinde gar nichts von dieser Untat wissen könnte, völlig in den Hintergrund.
Doch wie verhalten wir uns, wenn wir beleidigt werden, oft auch einfach durch Unwissenheit? Wir zahlen es ebenso in gleicher Münze heim, beleidigen die andere person und nennen das dann noch "Schlagfertigkeit". Dass diese Schlagfertigkeit wörtlich gemeint ist, also als Bereitschaft, zuzuschlagen, vergessen wir dabei, und nennen das ganze noch einen guten Charakterzug.
Auch die Angemessenheit der Reaktion ist fragwürdig. Der Lahme hätte den Blinden gern auf seine eigene Behinderung aufmerksam machen können, aber ihn gleich zu beleidigen, geht klar zu weit. Denn während die Unachtsamkeit des Blinden tatsächlich nicht mehr ist, ist die Beleidigung des Lahmen vorsätzlich und damit auch absichtlich geschehen.
Doch sind wir hier anders? Wir denken doch auch nicht darüber nach, warum jemand jetzt einen fehler gemacht hat, sondern werfen ihm diesen Fehler gleich vor und fassen den Vorsatz, dieser Person nicht mehr zu trauen, ja, ihr sogar zu schaden. Dabei wäre uns selbst eigentlich klar, dass das nicht angeht.
Wir sollten uns öfter überlegen, wieso etwas geschehen ist, statt es gleich zu kritisieren, denn oft steckt nicht die Absicht, zu schaden oder sich zu widersetzen, sondern allein Unachtsamkeit und Unwissenheit dahinter.
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