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Geschichte: Fanfiktion
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von zita
erstellt: 03.06.2005
letztes Update: 24.06.2005
Geschichte, Romanze / P18
(fertiggestellt)
@AlexW: Hi, schön von dir zu hören. Naja, stell dir vor, dein Zeitvertreib für die Nacht liegt schon in deinem Bett, wenn du hereinschlurfst. Ist doch nicht das Schlechteste. Ob nun nötig oder nicht, nett ist es allemal.
Was Celebrian betrifft, der Meister wird noch viel entsetzter sein, bei dem, was noch kommt.
@Vypox: Unterschied ist das halbe Leben *hüstel*. Immer könnte ich ihn nicht so schreiben, aber hier hatte ich ein diebisches Vergnügen daran. Es ist halt doch irgendwie AU.
Ah, ich hab Galadriel nicht mit dümmer gemeint, nur die liebe Tochter. Celeborn ist schon geschlagen, der arme Kerl. Er sucht übrigens noch jemanden, der ihn tröstet.
@ina: Ich seh schon, Elrond braucht sich bestimmt keine Gedanken machen, wer seine Gärten pflegt. Und wenn der Service des Hausherrn für alle Gärtnerinnen so wird wie für diese, kann er bald eine Warteliste auslegen.
@Ithiliell: Warum hat die Gärtnerin Angst vor ihm? Warum sollte überhaupt jemand Angst vor Elrond haben? Selbst Orks brauchen das nicht. Jedenfalls nicht vor dem normalen Elrond. Der hier ist ein Jäger und noch dazu ein ganz geschickter und gemeiner. Warte es ab!
@brennil: Hallöchen, du erfolgreiche Prüfungsbesteherin. Elrond denkt sich schon ein paar ganz gemeine Sachen aus. Wobei `gemein´ natürlich immer relativ ist. Andererseits ist er ja nicht gerade ein Jüngling und hat da schon so seine Erfahrungen. Jedenfalls gehört er nicht zu denen, die auf die Beute einfach verzichten.
@madras: Und hier ist das nächste Kapitel. Ist ja auch Freitag und ich werde es wohl diesmal schaffen, immer pünktlich zu sein. Die Jungs wollen übrigens immer nur das Beste für ihren Vati. Da sind sie ganz brave Söhne.
@YamiTai: Die Hunde sind schon unterwegs. Keine Sorge, die lassen den Jäger nicht alleine rumstehen, sondern treiben schön ordentlich das Wild in seine Richtung. Hier in dem Kapitel zwar noch nicht, aber die Jagd wird im nächsten eröffnet.
@corinnchen: Danke für das große Lob *verneig artig*. Warum traut jeder den Jungs immer nur so üble Sachen zu. Die machen gar nix Böses, echt nicht. Sind eher für die Kleiderfrage zuständig und die Einhaltung aller Termine.
@iary: Nix problem, ich bin ja auch nicht die Schnellste im Review-schreiben. Aber hartnäckig, soviel sei mal gesagt. Wenn ich einmal anfange, höre ich auch nicht wieder auf. *drohendguck*
Grüß die Burschen von mir zurück. In welchen Decken übrigens? Du wirst doch wohl nicht egoistisch sein und alle für dich alleine behalten wollen? Denk daran, Celeborn braucht so viel Aufmerksamkeit, da hast du gar keine Zeit für Methos. Den nehm ich dir rücksichtvoll ab.
@minka: Ja, das ist die Kräuterhexe, obwohl ihr das Hexenhafte etwas abgeht. Die ist ständig auf der Flucht.
Und keine Sorge, der Jäger kommt schon noch auf Touren. eigentlich sogar sehr schnell. Ein bisschen Rückendeckung noch von Erestor und den Jungs und der Chef hat freie Bahn für die pure Entspannung.
Du hast natürlich recht: wenn man es genau nimmt, dann binden sie sich eigentlich nur einmal in ihrem Leben. Deswegen hab ich mich ja auch bei Celebrian entschuldigt. Wollen wir hoffen, dass sie Humor hat und nix dagegen. Außerdem kommt Elrond gar nicht mal so schlecht weg. Ich mein, der ist hier ein echter Hingucker.
*
2. Kapitel: Die Beute
...in dem Ameryne sich gründlich verfängt.
Mit Ameryne, die an Elrond hängt
Elrond, der auftaucht, wo er nicht auftauchen soll
Hervarin, dem Apotheker und Klatschmaul
sowie einem Blütenblatt, einer Gewandschließe und einer Apotheke
ach ja, und einer Mauer, die keine ist.
*
Hervarin sah erschrocken von seiner Rezeptur auf, als die Tür zur Apotheke aufflog und Ameryne mit den beiden Körben hereinstürmte. Sie wusste selber, dass ihr Auftritt ein wenig befremdlich auf ihn wirken musste, aber das war ihr jetzt egal.
"Ringelblumen und Kamille", stieß sie hervor und hastete an ihm vorbei. "Ganz frisch. Ich bring sie in die Ölpresse."
"Aber du brauchst nicht..."
"Ich will aber!" fauchte sie und schlug bereits die Tür zum angrenzenden Raum wieder hinter sich zu. Atemlos horchte sie, ob der Apotheker ihr vielleicht folgte. Hervarin war zwar ihr Freund, aber sie würde ihn jetzt nicht ertragen. Zum Glück blieb auf der anderen Seite alles ruhig und so schleppte sie sich regelrecht an einen der langen Holztische, auf dem eine Handpresse montiert war, mit deren Hilfe man den Blüten die wenigen Tropfen ihrer eigentlichen Heilessenz abringen konnte.
Sie schüttete die Blüten in zwei Haufen auf die Arbeitsfläche, starrte eine Weile die noch immer frischen Pflanzen an, die sie mit ihren fröhlichen Farben zu verhöhnen schienen, um schließlich mit einem gequälten Seufzer einfach über der Tischplatte zusammenzusinken und das Gesicht in einem Berg Ringelblumen zu vergraben.
"Er hat mich angesehen", jammerte sie vor sich hin. "Ganz deutlich."
Und sie hatte ihn natürlich auch angesehen. Warum konnte sie sich einfach nicht beherrschen? Sie hatte doch gewusst, dass er im Sommer um diese Tageszeit gelegentlich auf der Terrasse seines Arbeitszimmers war. Sie hätte nicht hinsehen dürfen und dennoch...Seit sie zum ersten Mal einen Fuß in dieses Haus gesetzt hatte, kreiste ihr Denken nur um diesen ganz besonderen Elb. Sie erinnerte sich noch zu gut, wie sie mit den anderen Neuankömmlingen in der großen Eingangshalle gestanden hatte, ganz hinten und so eingeschüchtert von der neuen Umgebung war. All das war in dem Moment vergessen, in dem Elrond die Halle betrat und sie willkommen hieß.
Ameryne konnte es sich einfach nicht erklären, doch damals verblasste einfach alles um sie herum und der ganze Mittelpunkt ihrer Wahrnehmung war dieser hochgewachsene, elegante Elb in der kostbaren Robe, dessen graue Augen bis in die Seele aller Dinge blicken konnten. Ameryne hatte natürlich von der noch frischen und so tragischen Geschichte Celebrians gehört und sie bewunderte ihn dafür, mit welcher inneren Größe er seinen Kummer verbarg. In diesen wenigen Augenblicken war ihr klar geworden, dass sie ihr Herz verloren hatte und zwar ausgerechnet an den Elb, der für immer für sie unerreichbar bleiben musste.
Sie hätte sofort aus Imladris abreisen sollen. Zurück zu ihren Eltern, die nur darauf warteten, um sie mit dem langweiligen Sohn eines alten Kampfgefährten ihres Vaters zu vermählen. Wie sollte sie jemals einen anderen noch lieben können, nachdem sie Elrond begegnet war?
Ameryne seufzte vernehmlich in den Blütenhaufen und spuckte sofort ein schmales Blütenblatt wieder aus, das sie versehentlich eingeatmet hatte.
Seitdem verehrte sie ihn aus der Ferne und nutzte jede Gelegenheit, wenigstens einen Blick auf ihn zu erhaschen, wenn er es nicht merkte. Sie hatte eine besondere Kunst darin entwickelt, ihm nahe zu sein und doch wieder nicht. Der Gedanke, er könnte sie bewusst wahrnehmen, trieb ihr den Angstschweiß auf die Stirn. Meistens hatte er zum Glück nur knappe Anweisungen für sie übrig, auf die sie auch kein Wort herausbekam.
Und jetzt war das passiert! Vor seinen Augen hatte sie sich zum Idioten gemacht. Verstreute die ganze Blüten auf dem Boden und ließ sich dann auch noch auf einen Disput mit seinen Söhnen ein. Elladan und Elrohir waren ihm zwar äußerlich unglaublich ähnlich, aber im Gegensatz zu ihrem bewundernswerten Vater fehlte ihnen jegliche innere Größe. Sie trieben ihre Scherze, genossen die Aufmerksamkeiten der diversen Elbinnen im Gastlichen Haus und nahmen nichts ernst.
Außer natürlich die Jagd auf Orks.
Ameryne errötete schuldbewusst. Die beiden hatten Celebrian aus den Orkhöhlen befreit, ganz alleine. Vielleicht war das ihre Art, den Verlust ihrer wundervollen Mutter zu verarbeiten. Sie durfte nicht so über die beiden urteilen, sie waren schließlich Elronds Trost in einer düsteren Zeit seines Lebens gewesen. Überhaupt versank sie hier unnötig in Selbstmitleid. Es war ja eigentlich gar nichts passiert. Er hatte sie nur angesehen. Und ihr war es unmöglich gewesen, den Blick zu lösen. Das war etwas beängstigend gewesen, wenn sie ehrlich war.
Hervarin rief nach ihr, aber sie zog es vor, ihn jetzt zu ignorieren. Wahrscheinlich wollte er ihr wieder den neuesten Klatsch erzählen. Als ob sie das interessieren würde. Außer natürlich, es drehte sich um Elrond. Der Lord von Imladris war zwar niemand, der wirklich Anlass zu Klatsch gab, doch manchmal kursierten seltsame Gerüchte über Elbinnen, die ihm offenbar nachstellten. Diese Personen mussten völlig schamlos sein! Nach der wunderbaren Celebrian würde er wohl nie wieder eine andere Elbin anrühren.
Ameryne war ganz froh, dass sie erst einige Jahrzehnte nach Celebrians tragischer Abreise in den Westen in Imladris angekommen war. Wahrscheinlich hätte sie es nicht verkraftet, ihn zusammen mit seiner geliebten Gemahlin zu sehen.
`Sehen´ brachte sie wieder zurück zu Elronds Blick. Sie war sich nicht sicher, was da vorgegangen war. Natürlich wusste sie, dass er so wie auch einige andere der schon im ersten Zeitalter geborenen Elben über sehr viel größere Gaben verfügte als jemand wie sie, der erst ein paar Jahrhunderte alt war. Manwe allein wusste, was Elrond veranlasst hatte, sie so genau in Augenschein zu nehmen. Vielleicht ihr seltsames Verhalten oder die Gegenwart seiner Söhne. Sie hoffte nur, er hatte nicht zuviel entdeckt. Dann würde sie wirklich sterben.
Oder zurück zu ihren Eltern gehen, um diesen fürchterlichen Daucinar zu ehelichen und sich den Rest ihres Lebens mit ihm zu langweilen...eine grauenhafte Vorstellung.
Hervarin gab keine Ruhe. Sehr laut und eindringlich rief er jetzt nach ihr. Ameryne verspürte langsam wachsende Verärgerung. Sie richtete sich wieder auf und runzelte die Stirn. Er sollte sie zufrieden lassen. Sie durchlebte gerade eine anstrengende Phase von Selbstmitleid und Verzweiflung - die gedachte sie auch, voll auszukosten. Immerhin gönnte sie sich solche Momente selten genug.
"Ich komm ja schon!" fauchte sie und marschierte sie zur Tür.
Energisch riss sie die Tür auf...
...und rannte in eine Mauer.
Etwas benommen klammerte sich Ameryne an der Mauer fest, um nicht nach hinten zu fallen und stellte dabei fest, dass diese massive Mauer keine sein konnte. Warum sonst spürte sie kühle Wildseide unter ihren Händen? Außerdem griff die Mauer gerade nach ihr und umfasste ihre Schultern, damit sie nicht fiel.
"So ein stürmischer Empfang."
Sie brauchte sofort und auf der Stelle ein tiefes Loch, um darin zu versinken. Diese Stimme würde sie unter Tausenden wieder erkennen. Das freundliche, dunkle Timbre strich wie ein Hauch über die Seele des Zuhörers, um ihn in den Bann zu ziehen. Ameryne verschob jedwede Schwärmerei für Elronds Stimme auf später. Sie klammerte sich gerade an ihn, ein unhaltbarer Zustand, auch wenn es ihn nicht weiter zu stören schien.
Hastig versuchte sie, einige Schritte zurückzutreten und schrie auf, weil sich ihre langen, widerspenstigen Haare erfolgreich mit den aufwändigen Schließen seiner Robe verheddert hatten. Das fehlte ihr jetzt auch noch.
"Lasst das!" befahl Elrond zwar freundlich, aber sehr bestimmt und zog sie wieder dichter an sich. "Hervarin, wäret Ihr so freundlich, Amerynes Haare aus meiner Kleidung zu lösen?"
"Es geht schon", protestierte Ameryne verzweifelt.
Sie stützte sich mit den Händen an Elronds Brust ab, um sich mit einem energischen Ruck aus dieser misslichen, dieser entsetzlichen Lage zu befreien. Die Haare, die sie dabei wohl unweigerlich verlieren musste, würden auch wieder nachwachsen. Der vorher so hilfreiche Griff um ihre Schulter änderte abrupt seinen Charakter. Nun diente er eindeutig dazu, sie regelrecht gefangen zu halten.
"Das werdet Ihr nicht tun", erklang es recht nah an ihrem linken Ohr. "Hervarin wird nicht lange brauchen, um dieses Gewirr wieder zu lösen. Haltet ruhig, Ameryne. Ihr benehmt Euch, als wäre ich ein Ork!"
"Das haben wir gleich", beeilte sich auch Hervarin nun zu versichern.
"Schneid sie ab!" verlangte Ameryne von ihm und schielte auf den Teil von Elronds Gestalt, der direkt vor ihr war. Die blaugrüne Wildseide war mit herrlichen Stickereien verziert. Sie erkannte eindeutig Blumenmuster. Sie liebte Blumenmuster.
"Nicht nötig", widersprach Hervarin voller Hilfsbereitschaft. "Wenn ich vorsichtig bin, bekomme ich dich frei."
"Es besteht keine Eile", meinte Elrond und Ameryne hätte schwören können, dass er nur mühsam ein Lachen unterdrückte. "Und, meine Liebe, was macht der Kräutergarten diesen Sommer?"
Ameryne glaubte, sich verhört zu haben. Sie hing hier wie eine Klette im wahrsten Sinne des Wortes an Elronds Brust und er machte Konversation. Wahrscheinlich sollte sie ihm dankbar sein, dass er die Situation so gelassen nahm, aber stattdessen spürte sie erneut den Drang, sich loszureißen.
"Stillhalten!" kam es sofort von ihm und sie wurde noch näher gezogen. "Seid Ihr immer so unruhig, junge Dame?"
"Nie!" fauchte sie impulsiv.
"Oh, dann liegt es also an mir."
Gratulation, sie hatte dem Gespräch genau die Wendung gegeben, die es auf gar keinen Fall nehmen sollte. Ameryne hätte am liebsten vor Wut aufgeschrieen. "Nein, natürlich nicht."
"Wie sollte es das auch?" plauderte der Elb ihrer Träume entspannt weiter.
Er war wirklich entspannt. Sie spürte es unter ihren Händen. Seine Brust hob und senkte sich gleichmäßig und sein Herzschlag war so ruhig wie der eines Schlafenden. Amerynes eigenes Herz hingegen raste vor Verlegenheit und Panik.
"Hervarin!" knurrte sie mit zusammengebissenen Zähnen. "Wie lange dauert das noch?"
"Hetzt ihn nicht", tadelte Elrond. "Und gönnt mir doch das Vergnügen. Es kommt schließlich nicht gerade häufig vor, dass ich eine hübsche, junge Elleth in meinen Armen halten kann."
Hervarin gluckste. Die Gerüchteküche in Imladris würde noch im Laufe des Tages heißlaufen. Elrond war aber auch zu ahnungslos, was solche Dinge anging. Natürlich hatte er keine Hintergedanken, aber das war Hervarin wahrscheinlich egal. Ameryne konnte schon hören, was da alles geflüstert werden würde und sie ertappte sich dabei, dass die Finger ihrer rechten Hand einen leicht gereizten Rhythmus auf Elronds Brust trommelten.
"Der Kräutergarten?" erinnerte Elrond sie an seine ursprüngliche Frage.
"Wächst und gedeiht." Sie versuchte, den Kopf etwas zu drehen, um Hervarins Fortschritte zu beaufsichtigen. Grauenvoller Weise kollidierte ihr Kopf mit dem Elronds, der sich zu ihr heruntergebeugt hatte.
"Wie schön", sagte er und sein warmer Atem strich über ihre Wange. "Ich habe bislang wohl immer versäumt, mich bei Euch angemessen zu bedanken, wie großartig Ihr Euch darum kümmert. Seit Ihr hier seid, ist er zu ungeahnter Pracht gekommen."
"Ihr braucht mir nicht zu danken", wehrte sie hastig ab. Dieser Elb roch einfach phantastisch. Das hätte sie sich in ihren wildesten Träumen nicht vorstellen können, obwohl sie das eine oder andere Mal tatsächlich darüber nachgedacht hatte. "Sandelholz."
"Wie bitte?"
"Nichts!" Sie hatte es laut ausgesprochen, aber es stimmte. Elrond haftete ein Duft an, der ihre Sinne ausgesprochen stark ansprach. Eine Mischung aus herbem Sandelholz und Zitrone, die perfekt zu ihm passte.
"Ich habe Euch und Eure Arbeit wirklich vernachlässigt", nahm Elrond den ursprünglichen Faden der Unterhaltung wieder auf.
Was soll das jetzt wieder bedeuten? Er machte ihr langsam Angst. Ehrlich gesagt, machte er ihr eigentlich dauernd Angst, nur diesmal näherte sie sich ungekanntem Ausmaß. "Habt Ihr zufällig einen Wunsch, den ich Euch erfüllen könnte?"
Einen gab es zwar, aber auch Elrond konnte wohl nicht die Zeit zurückdrehen, damit dieser ganze Vormittag niemals so verlief. "Nein."
"Ein neues Kleid vielleicht?"
"Was stimmt nicht mit meinem Kleid?" fragte sie verwirrt und wollte zu ihm hochsehen. Es war schmerzhaft, als sich eine noch nicht entwirrte Haarsträhne straffte. "Es ist..."
"Sauber und praktisch", ergänzte Elrond. "Hab ich Recht, Hervarin?"
"Natürlich, Herr", lachte der Apotheker. "Aber mehr auch nicht."
"Ja, mehr auch nicht", wiederholte Elrond sinnend. "Das könnt Ihr heute Abend unmöglich tragen in der Kaminhalle."
"Kaminhalle? Was sollte ich in der Kaminhalle?"
"Ratet", erklang seine leise Stimme ganz dicht neben ihrem Ohr.
Ein Alptraum, erkannte Ameryne. Wahrscheinlich lag sie noch immer auf den Ringelblumen und hatte gerade einen Alptraum. Womöglich erstickte sie auch mit den ganzen Ringelblumen im Gesicht und hatte bereits Halluzinationen. Sterben hatte sie sich immer angenehmer vorgestellt.
"Das war wohl eine Einladung", half Hervarin, der ihr anhaltendes Schweigen absolut falsch deutete.
"Genau, eine Einladung", bekräftigte Elrond und es klang, als befehligte er die Truppen zum Angriff auf den Schicksalsberg. "Und Ihr werdet mir die Ehre geben, meine Begleitung zu sein. Sozusagen eine Anerkennung für Eure Arbeit, Frau Gärtnerin."
"Aber ich-" Diesmal kam sie von ihm los und starrte zu ihm hoch. Ein Fehler, eindeutig. Man widersprach ihm nicht erfolgreich, wenn man so nah an seinem Gesicht war.
"Acht Uhr", bekräftigte Elrond und seine Augen schimmerten irgendwie bedrohlich. "Lasst mich nicht warten."
Damit ließ er sie los und war einen Atemzug später verschwunden. Die Erinnerung an seine Gegenwart hing allerdings noch deutlich im Raum. Selbst Hervarin atmete hörbar aus. "Was hast du bloß angestellt, Ameryne?"
Fragend sah sie ihn an. "Gar nichts. Wie kommst du darauf?"
Ihr Freund schüttelte leicht den Kopf. "Er hat dich im Visier, meine Liebe, und zwar sehr deutlich."
"Du erzählst Unfug!" schrie sie ihn unbeherrscht an. "Elrond weiß nicht einmal, dass ich existiere."
"Dafür hatte er aber eine Menge Vergnügen daran, dich so im Arm zu halten." Hervarin verschränkte die Arme vor der Brust und nagte etwas an seiner Unterlippe. "Ich weiß zwar nicht, wie es dir gelungen ist, aber hier gibt es Dutzende Elbinnen, die ein Vermögen für den Trick geben würden."
Mit einem wütenden Schrei und einem Fußstampfen stürmte Ameryne aus dem dämmrigen Raum. Sie würde sofort ihre Sachen packen und Imladris verlassen. Dann wurde sie eben die Gemahlin von Daucinar! Wenigstens blieben ihr dann Hervarin und seine Klatschmäuler erspart.
Und sie musste Elrond natürlich warnen, was da ausgekocht wurde. Das war sie ihm einfach schuldig. Dieser Elb war zu edel, um die Abgründe dieser Schandmäuler überhaupt nur nachvollziehen zu können. Gerüchte wie dieses konnten nur das Andenken an seine reine Liebe zu Celebrian beschmutzen und das würde ihn verletzen. Etwas, das Ameryne nicht ertragen konnte. Also musste sie doch in der Kaminhalle erscheinen. Aber nur kurz, beschloss sie und nur, um ihm ihre Befürchtungen mitzuteilen.
Andererseits konnte sie ihm auch einen Brief schreiben. Das ging auch. Oder sie suchte ihn einfach morgen auf. Ameryne durchquerte mit langen Schritten den Garten, eine düstere Miene auf dem Gesicht. Abends konnte sie ihm ausrichten lassen, dass sie eben kein Kleid hatte, das angemessen war und sie ihn am nächsten Morgen aufsuchen würde.
Ja, so würde es gehen. Außerdem stimmte es. Sie hatte keine prächtige Robe, sie brauchte auch gar keine.
Oder sie schrieb ihm wirklich nur einen Brief. Eigentlich sogar noch besser. Warum sollte sie ihn auch belästigen? Es war sicher nur sein Pflichtgefühl, das zu dieser Einladung geführt hatte.
"Das wird es sein", erklärte sie einem Rosenbusch. "Pflichtgefühl. So ist er eben."
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tbc
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