Anzeigeoptionen|Review schreiben|Regelverstoß melden|★SocialBookmark
◄   Schriftgröße|Schriftart|Zeilenbreite|Ausrichtung|Zeilenabstand
◄   10px|12px|15px|17px|19px
◄   Times|Arial|Helvetica
◄   25%|50%|75%|100%
◄   Linksbündig|Blocksatz
◄   gering|normal|groß|sehr groß
 
»
von Iceheart    erstellt: 11.04.2005    letztes Update: 04.01.2008    Geschichte, Drama / P18 Slash    (abgebrochen, keine anonymen Reviews)
Disclaimer:

Van Helsing und Dracula sind leider nicht meine Erfindung, sondern die des Schriftstellers Bram Stoker.

Meine Geschichte basiert allerdings auf dem Spielfilm "Van Helsing" von Regisseur Stephen Sommers, dessen Copyright bei den Universal Studios liegt. Dementsprechend liegen die Rechte an den Charakteren auch nicht bei mir, aber die Handlung dieser Story ist mein geistiges Eigentum. Geld wird mit dieser Fanfiktion nicht verdient (schade, aber es macht auch so einen Mordsspaß), sie entsteht lediglich aus purer Freude am Schreiben.

Ergänzungen:
Gábor (Prolog ff), Zdenka (Kapitel 2 ff), Aranka (Kapitel 3 ff), Gortscha (Kapitel 5), Treszka (Kapitel 17ff) und Fayina (Kapitel 18) sind meiner Phantasie entsprungen. Weitere Originalcharaktere werde ich zu gegebener Zeit hier eintragen.

~*~*~


Eventuelle Missgeschicke in Sachen Rechtschreibung bitte ich zu entschuldigen. Ich lese zwar vor dem Veröffentlichen mehrmals Korrektur, aber auch das ist natürlich kein sicherer Schutz vor Fehlern. Wie dem auch sei: Wenn jemand von euch eine solche Peinlichkeit findet, wäre ich für einen entsprechenden Hinweis wirklich dankbar.

Abschließend eine kleine Bitte an alle Leser:

Kommentare, die ein Lob und/oder konstruktive Kritik enthalten, sind neben einer unheilbaren D/G-Sucht und der eigenen Phantasie der beste und wichtigste Ansporn, eine Story wie diese hier fortzusetzen. Zum Schreiben eines Reviews braucht man wenige Minuten, zum Lesen eines Kapitels höchstens eine Stunde - aber um ein Chapter zu verfassen, sitze ich wesentlich länger vorm PC. Wenn ihr also diese oder eine meiner anderen Geschichten lest, dann wäre ich euch dankbar, wenn ihr euch einen Augenblick Zeit nehmen und eure Meinung dazu äußern würdet. :->

Und zu guter Letzt: Habt etwas Geduld mit meinen Updates. Gut Ding will Weile haben und deshalb dauert es eine gewisse Zeit, bis ich ein neues Kapitel veröffentliche. Meistens wird sich der Zeitraum auf ein oder zwei Wochen begrenzen, aber eine entsprechende Garantie kann ich natürlich nicht geben.

So, das war genug des Vorgeplänkels und nun wünsche ich euch viel Angst, Schrecken oder Spaß mit meinem neuesten Werk. ^.~


Titel: "Transsylvanian Nights"

Autor: Iceheart
Genre: Romanze/Drama/Darcfic
Rating: P18-Slash/NC-17
Pairing: Gabriel van Helsing/Graf Vladislaus Dragulia
Zusammenfassung: Siehe Summary im Index.


~ Prolog ~

Schrecken des Krieges


Das fünfzehnte Jahrhundert war eine düstere Zeit für die Welt, angefüllt mit religiösen Machtkämpfen und den bluttriefenden Wirren kriegerischer Auseinandersetzungen. Der finstere Schatten einer schmalen Mondsichel sank auf ganz Europa und drohte die gesamte Christenheit in den todbringenden Schrecken eines entsetzlichen Krieges zu stürzen. Als die Stadt Konstantinopel schließlich in die Hände der türkischen Invasoren gefallen war, strebten diese alsbald eine neuerliche Erweiterung ihres Reiches an und fielen mit einer gewaltigen Streitmacht in Osteuropa ein.

Ihr Siegeszug schien unaufhaltsam.

Schon bald hatten sie große Teile des Balkans erobert und gelangten an die Grenzen eines Landes, welches nicht nur die dort lebenden Menschen als den schönsten Ort der gesamten Schöpfung ansahen.

Endlos weite Gebiete dieses idyllischen Winkels der Welt waren vom satten Grün tiefdunkler Wälder überzogen. Das zeitlose Rauschen jener alten Haine wurde von den mächtigen Ausläufern eisiger Gebirgszüge durchdrungen, deren unbezwingbare, von Eis und Schnee bedeckte Gipfel die im Wind flüsternden Baumkronen überragten. Und obgleich diese majestätischen Berge niemals einen Sommer sahen, zauberte die warme Jahreszeit einen zarten Blütenteppich von solcher Farbenpracht auf die malerische Landschaft der fruchtbaren Täler, wie man ihn in dieser nahezu verschwenderisch wirkenden Fülle an keinem anderen Ort der Welt finden konnte. Ausgedehnte Weingärten und mächtige Flüsse, deren gleichmäßiger Lauf sich zu den Zeiten der Schneeschmelze in tosende Fluten verwandeln konnte, vervollständigten das Bild einer Landschaft, bei deren Erschaffung Gott sich wohl besondere Mühe gegeben hatte; fast schien es so, als ob er seinen Kindern mit dieser Gegend einen irdischen Ersatz für das verlorene Paradies erschaffen wollte.

Die dort ansässigen Menschen verteidigten ihr geliebtes Heimatland mit ungeheurer Tapferkeit gegen die feindlichen Eindringlinge, doch auch Rumänien war dem brachialen Ansturm dieses Feldzuges letztendlich nicht gewachsen.

Mit beängstigender Geschwindigkeit rückten die Türken ins Landesinnere vor. Sie begnügten sich nicht mit ihren Eroberungen, sondern hinterließen während dieses Vormarschs eine entsetzliche Spur der Verwüstung. Die Invasoren plünderten, brandschatzten und mordeten mit schier unstillbarer Blutgier. Und als ob diese Gräueltaten nicht ausreichten, vergingen sie sich mit grausiger Rohheit an jenen, die ihrer Barbarei schutzlos ausgeliefert waren: Die Invasoren schreckten nicht vor der bestialischen Schändung wehrloser Frauen zurück; ja, nicht einmal blutjunge Mädchen waren vor den scheußlichen Nachstellungen der erbarmungslosen Feinde sicher. Erfuhren sie trotz ihres grausamen Rufs dennoch eine unerwartete Gegenwehr, so machten sie sich das widerspenstige Opfer entweder mit brutaler Gewalt oder dem falschen Versprechen gefügig, ihm das Leben zu lassen. Doch wer einmal in ihre Hände fiel, war trotz aller verängstigten Duldsamkeit ihrer abscheulichen Vergehen des Todes.

Furchtbares Leid brach über die Bevölkerung herein. Unzählige Verteidiger ließen ihr Leben an den Austragungsorten erbitterter Schlachten und angesichts dieser schweren Verluste wurde der beherzte Widerstand allmählich schwächer. Die Hoffnung der Menschen auf ein Ende des Kriegs war zutiefst erschüttert und schwand mit jedem Tag mehr dahin; nicht wenige verloren allen Glauben daran, dass man die unbarmherzigen Eroberer aufhalten oder gar in die Flucht schlagen könnte. Die gnadenlosen Türken schlugen jede Abwehr mit einer Kaltblütigkeit nieder, der scheinbar kein Einhalt zu gebieten war.

Doch gerade als die barbarische Finsternis des grausigen Kampfgeschehens schon viele Gebiete des leidgeprüften Landes im eisernen Würgegriff hielt und auch die Unverzagtesten ihre Zuversicht auf eine Wendung zum Guten verloren, geschah etwas, dass einem Wunder gleich kam.

~*~


Die einstmals blühende Walachei war längst in türkischer Hand und als es in diesem Teil Rumäniens kaum noch etwas anderes gab als die Grabesstille geplünderter Dörfer, zogen die Invasoren weiter. Sie rückten zu den Grenzen des Landes jenseits der Wälder vor und nichts schien sie davon abhalten zu können, auch dieses Gebiet unter ihre Herrschaft zu bringen.

Obwohl die Sonne mit der gleichen Wärme wie in allen Jahren zuvor auf die Gegend von Kronstadt bis Bistritz strahlte, schien ihr Licht doch nicht bis auf den einstmals so fruchtbaren Boden vorzudringen. Ganz Transsylvanien war in der eisigen Fessel des Krieges gefangen und je schlimmer der Schrecken tobte, desto mehr wich der warme Klang des Lebens aus dem vormals so idyllischen Landstrich.

Statt heiterem Vogelgezwitscher hörte man nun kaum noch etwas anderes das metallische Geklirr aufeinander prallender Schwerter und die furchtbaren Todesschreie sterbender Soldaten. Die von zarten Blüten übersäten Wiesen wurden von den schweren Stiefeln der Kämpfenden zertrampelt und statt eines milden Landregens von der warmfeuchten Lebenskraft jener getränkt, die ihren Gegnern nicht gewachsen waren. Die dunkle Erde wurde gleichermaßen vom Blut dahin gemetzelter Feinde und gefallener Verteidiger benetzt, aber außer der zerstörerischen Saat des Todes gedieh in jener hart umkämpften Gegend nichts mehr.

Angesichts der beeindruckenden Erfolge in vergangenen Eroberungsfeldzügen waren sich die Türken ihres Sieges sicher. Doch ihnen wurde auf grausige Art bewiesen, dass sie sich viel zu früh gefreut hatten.

~*~


Im schönsten Teil Rumäniens trafen sie auf den unbeugsamen Widerstand der tapfersten Verteidiger des gebeutelten Landes. Sie kämpften ebenso erbittert wie gnadenlos und rückten ihren Angreifern mit einer Unerschrockenheit zuleibe, die diese mitnichten erwartet hatten. Doch die eiskalte Entschlossenheit resultierte nicht nur aus der tiefen Verbundenheit zu ihrer Heimat. Der eigentliche Grund für jene verbissene Kampfstärke war das todesmutige Vorbild an der Spitze des Heeres. Die aufrechten Krieger hatten einen Befehlshaber, der den Begriff Furcht nicht kannte, aber dafür mit dem Ausdruck Grausamkeit schon wesentlich mehr anfangen konnte.

Er war ein attraktiver Mann in jungen Jahren, der erstgeborene Sohn eines transsylvanischen Ritters und somit von edlem Geblüt, doch die ranghohe Position innerhalb der verteidigenden Streitkräfte hatte er nicht nur dank seiner adligen Herkunft oder den unbestreitbaren Verdiensten seiner Vorfahren inne. Die ihm eigenen Charakterzüge waren es, die seine herausragende Stellung als Kriegsherr rechtfertigten.

Niemand hatte es in dieser unruhigen und von erdrückender Hoffnungslosigkeit geprägten Zeit noch für möglich gehalten, aber dieser attraktive Aristokrat aus einer kleinen Ortschaft namens Vaseria lehrte den Türken alsbald wirkungsvoll das Fürchten. Seine brillanten Strategien der Kriegsführung gesellten sich zu einem messerscharfen Verstand und einer eiskalten Gnadenlosigkeit, welcher jene der Eindringlinge bei weitem übertraf.

Der junge Anführer war ebenso erbarmungslos wie klug und diese große Intelligenz verband sich zum beträchtlichen Leidwesen jedes unterlegenen Widersachers mit einem abgrundtief bösen Einfallsreichtum. Alsbald war er der Barbarei der Türken nicht nur mit erbitterten Gefechten, sondern auch durch effektive Maßnahmen der Abschreckung begegnet.

Wer lebend in die Hände seiner Soldaten fiel, bedauerte diesen Umstand rasch - denn es war ein langsamer und qualvoller Tod, den die in Gefangenschaft geratenen Feinde Transsylvaniens auf seinen Befehl hin erlitten.
Den Unglückseligen wurde ein abgerundeter und gefetteter Holzpflock in die Öffnung zwischen ihren Schenkeln eingeführt und war dies auch bereits mit unsäglichem Schmerz verbunden, so sorgte die auf den Körper des Opfers wirkende Schwerkraft im Lauf der Zeit dafür, dass das tückische Mordinstrument den Gefangenen allmählich durchbohrte. Dieses grauenvolle Dahinsiechen konnte mitunter mehrere Tage dauern, die für den Gepfählten mit unmenschlicher Qual verbunden waren - die Meisten bettelten lange vor ihrem Ende um den Tod, aber der Sensenmann ließ viel länger auf sich warten, als die gefolterten Widersacher des jungen Feldherrn es wünschten...

Nicht wenige Untergebene des unbarmherzigen Anführers schreckten vor der entsetzlichen Hinrichtungsmethode zurück, die dieser den türkischen Gefangenen zugedachte. Doch seine eindringlichen Worte hatten jeden Zweifler rasch von der unabdingbaren Notwendigkeit seines Handelns überzeugt.

Tut es., Lautete seine strikte Anweisung. Bevor sie euch und denen, die euch etwas bedeuten, Schlimmeres zufügen können.

Diesem Befehl wurde schließlich ohne weitere Einwände Folge geleistet, denn nicht nur die Türken hatten auf schmerzhafte Weise lernen müssen, dass sie es mit einer Persönlichkeit von einschüchterndem Respekt zu tun hatten - die Reaktion des strengen Heerführers auf Ungehorsam unterschied sich nicht sonderlich von jener Behandlung, die er den verhassten Feinden seines Landes zuteil werden ließ.

Und so dauerte es nicht lang, bis die Grenzen Transsylvaniens auf sein Geheiß durch eine grausige Kennzeichnung abgesteckt waren - die blutig verschmierten, mit verwesenden Leichen gespickten Pfähle waren ebenso wie der bestialische Gestank der verrottenden Körper ein einprägsamer Hinweis darauf, welche furchtbare Rache gefangene Landesfeinde traf.

Die Ruhmestaten des aristokratischen Heerführers blieben natürlich nicht unbeachtet und obgleich er den klangvollen Namen Vladislaus Valerious trug, gaben ihm die Menschen in seiner Heimat den Beinamen Dracula, der gleich in mehrerlei Hinsicht zu ihm passte. Die Anspielung auf ein geflügeltes Fabelwesen kam nicht von ungefähr, denn die prächtige Insignie eines Drachen mit weit ausgebreiteten Schwingen zierte Schild und Rüstung des adligen Befehlshabers. Der Name versinnbildlichte freilich auch einen seiner frappantesten Wesenszüge - die Boshaftigkeit des "Teufelchens" war ebenso groß und unbestreitbar wie die Attraktivität seiner äußeren Erscheinung.
Dank seines gnadenlosen Vorgehens gegen die Türken und der Grausamkeit jener von ihm angeordneten Hinrichtungen hieß er für einige etwas zarter besaitete Beobachter seines erbarmungslosen Waltens jedoch nur Ţepeş - der Pfähler.

~*~


Jener Feldherr aus dem Hause Valerious gab sich indes nicht mit dem Entwurf brillanter Schlachtpläne zufrieden, sondern ging mit eindrucksvollem Beispiel voran und kämpfte selbst in vorderster Front. Der Umgang mit Waffen war ihm nicht fremd, im Gegenteil - dank vieler Stunden unermüdlicher Übung und eines beträchtlichen Talents im Umgang mit Hieb- und Stichwaffen führte Vlad das Schwert so sicher, gewandt und schnell wie kaum ein Anderer. Diese kriegerischen Fähigkeiten verbanden sich mit einer angeborenen Verwegenheit, die ihresgleichen suchte und deshalb fand man ihn für gewöhnlich dort, wo das Gefecht am heftigsten tobte. Oftmals preschte er auf seinem edlen Rappen durch die Reihen der Feinde und schlug ihnen im vollen Galopp die Köpfe vom Leib, aber auch auf seinen eigenen Füßen war er für jeden Widersacher ein gefährlicher Gegner.

Wer es mit Vladislaus aufnehmen musste, dem war das Ende des eigenen Lebens so gut wie sicher und ihm beim Töten zuzuschauen war alles andere als vergnüglich. Nicht wenige behaupteten, dass sein unbestreitbarer Kampfesmut durch einen diabolischen Blutdurst ergänzt wurde und ihm das Morden alles andere als schwer fiel. Doch die Brutalität der Türken heiligte Vlads erbarmungslose Mittel und erstickte jede Kritik an seinem gnadenlosen Vorgehen gegen die Invasoren im Keim.

Gegner hatte Vlad jedoch nicht nur in den Reihen der Landesfeinde oder unter den etwas empfindsameren Gemütern in seiner Heimat.

Wie seine gesamte Familie stand auch der attraktive Feldherr in den Diensten der römisch-katholischen Kirche, aber er war im Gegensatz zu den anderen Angehörigen seines Hauses kein stummer Handlanger des Vatikans. Seine stolze Wesensart verband sich mit einem außergewöhnlich rebellischen Denken, dessen Eigenständigkeit seiner Zeit weit voraus war. Vlads unbeugsam stolzer Charakter verbot ihm das Stillschweigen über Vorgänge, die er mit seinem Gerechtigkeitsempfinden nicht vereinbaren konnte. Hinzu kam noch, dass er nicht gerade auf den Mund gefallen war und sich trotz des ihm entgegen gebrachten Missfallens absolut nicht davor scheute, seine gegensätzlichen Ansichten auch in entsprechender Deutlichkeit kundzutun.

Ein einziger Satz hatte sowohl im Hause Valerious als auch in den Reihen der Kirche für erheblichen Aufruhr gesorgt und war angeblich sogar bis ins ferne Rom vorgedrungen:

Ich kämpfe nicht gegen die Türken, sondern für mein Heimatland.

Im Vatikan war diese Aussage nicht unbedingt auf Wohlwollen gestoßen, denn die Kirche betrachtete den Feldzug gegen die muslimischen Invasoren als Glaubenskrieg. Doch Vlads Kampf gegen die Eindringlinge hatte andere Gründe; ihm ging es nicht darum, die Türken zu missionieren. Ihm lag wesentlich mehr daran, sein Land gegen grausame Eroberer zu verteidigen und welcher Religion diese Feinde angehörten, spielte für ihn trotz eines durchaus vorhandenen Glaubens an Gott eine eher untergeordnete Rolle.

Die Individualität dieses freien Geistes verband sich mit dem Schutz eines hohen gesellschaftlichen Standes und obendrein stießen Vlads revolutionäre Anwandlungen nicht ausschließlich auf Widerspruch, sondern fanden bei einigen ranghohen Würdenträgern innerhalb der Kirchenhierarchie durchaus Gehör. Und so kam es letztendlich, wie es wohl kommen musste: Alsbald fanden sich Menschen, denen der junge Kriegsherr ein schmerzlicher Dorn im Auge war. Diese Personen sahen in dem transsylvanischen Adligen ein äußerst unliebsames Hindernis bei der Durchsetzung ihrer Vorstellungen und Machtansprüche, dessen Beseitigung die Erfüllung eigener Interessen wesentlich unkomplizierter gestalten würde. Folglich ließen sie kaum etwas unversucht, um das lästige Übel aus Vaseria zum Schweigen zu bringen. Doch jedweder Versuch, das Ansehen des aufsässigen Aristokraten durch Intrigen zu schwächen oder ihm auf andere Art Schaden zuzufügen, scheiterte kläglich - Vladislaus Valerious war anscheinend unantastbar.

Doch dann kam es zu einem erbitterten Gefecht, welche die hinterhältigen Bemühungen kirchlicher Ränkeschmiede beinahe überflüssig gemacht hätte.

~*~


Die Türken wussten aus leidvoller Erfahrung genau, wer ihr schlimmster Feind war und in jeder kriegerischen Auseinandersetzung auf transsylvanischem Boden die größte Gefahr darstellte. Deshalb war es nicht ungewöhnlich, dass sie sich im Kampf darauf konzentrierten, jenes wandelnde Ärgernis aus dem Weg zu räumen. Den jungen Heerführer schreckte dies nicht, im Gegenteil - Vladislaus liebte erbitterte Auseinandersetzungen und nahm jede Herausforderung mit entsprechendem Ingrimm an. Er bewies seinen Gegnern ohne einen Hauch Furcht, dass sie auch in Überzahl nichts gegen ihn ausrichten konnten, denn Angst kannte er höchstens aus den bangen Blicken seiner Feinde.

Das Kampfgeschrei der Türken beantwortete er lediglich mit bösem Hohngelächter, um kurz darauf mit bitterer Entschlossenheit die scharfe Klinge seines Schwertes tanzen zu lassen und seinen Gegnern ein Ende zu bereiten, bevor sie auch nur daran denken konnten, ihm ernsthaften Widerstand entgegen zu bringen. Vlad war aus unzähligen Duellen siegreich hervor gegangen und wie viele Leben seine geübte Hand bereits ausgelöscht hatte, wusste er nicht. Doch er verschwendete auch keine Zeit und Mühe, um länger darüber nachzudenken. Wenn allerdings der seltene Fall eintrat, dass sich sein Gewissen tatsächlich einmal mit zaghafter Stimme zu Wort meldete, dann erstickte er diese leisen Bedenken rasch und wirkungsvoll mit jenen stichhaltigen Gegenargumenten, die ihm die Untaten der Türken in die Hände spielten.

Auf dem Höhepunkt einer grausigen Schlacht schien sich das Blatt allerdings zu wenden.

Schon seit dem Morgengrauen tobten die erbitterten Gefechte und hatten trotz aller unermüdlichen Tapferkeit ihre Spuren bei jenen Landesverteidigern hinterlassen, die der unbarmherzig scharfen Klinge des allgegenwärtigen Todes entkommen waren.
Dutzende waren an jenem Tag bereits durch einen Schwerthieb des jungen Heerführers gestorben, doch wann immer ein Feind durch Vlads Wirken sein unseliges Leben lassen musste, schienen bereits zwei neue Gegner an die Stelle des gefallenen Widersachers zu treten. Als die Sonne blutrot am Horizont versank, hatte die erbarmungslose Härte des mörderischen Kriegsgeschehens sogar die beachtlichen Kräfte des unerschrockenen Aristokraten beinahe gänzlich aufgezehrt. Vlads wohlproportionierte Glieder schmerzten und schienen so schwer wie Blei. Die schlanke, sein todbringendes Schwert umschließende Hand konnte er kaum noch spüren, denn sie war taub vor Überanstrengung. Doch die zähe Kämpfernatur des schwarzhaarigen Adligen erlaubte weder den Türken noch der eigenen Schwäche den Sieg über seine unbeugsame Willenskraft und so hielt er sich aufrecht, obwohl ihm die Erschöpfung bereits schwindlige Übelkeit bereitete. Die Todesschreie seiner Widersacher belebten Vlads ermattete Sinne, denn diese gequälten Laute waren Musik in seinen Ohren und sorgten dafür, dass er nicht im Stehen einschlief.

Doch seine Angreifer schienen die Gunst der Stunde zu spüren, denn je schwächer er sich fühlte, desto unerbittlicher stürzten sich die türkischen Soldaten auf ihn. Vladislaus wehrte sich mit aller verbliebenen Kraft und mähte seine Gegner nieder wie der Sensenmann höchstselbst. Der einstmals makellose Silberschein seines Schwerts war ebenso besudelt wie seine schützende Rüstung, doch das an der Klinge klebende Blut trocknete dank des unablässigen Kämpfens gar nicht erst ein. Vlad schlug verbissen um sich und gab sich schließlich manches Mal schon damit zufrieden, den zudringlichen Kontrahenten nicht die Leiber zu durchbohren, sondern sie nur kampfunfähig zu machen, ihnen lediglich Arme oder Beine anstatt der wertlosen Häupter abzuschlagen. Diese außergewöhnliche Milde war ein sicheres Zeichen dafür, dass er wirklich müde wurde.

Aber wie der Teufel es wollte, traf ihn schließlich doch ein gegnerischer Hieb.

Vladislaus schrie auf, als er ein fürchterliches Brennen an seinem Unterschenkel spürte. Ehe er wusste, wie ihm geschah, geriet er ins Straucheln und sackte schließlich kraftlos auf dem Boden zusammen. Über ihm ertönte ein wütendes Knurren, während sein schweres Schuhwerk bereits vom eigenen Blut befeuchtet wurde. Es war ungewiss, ob man ihm das Bein abgetrennt hatte, doch die versehrte Gliedmaße war nun wahrhaftig sein geringstes Problem.

Vladislaus Valerious hatte nicht viel mehr als drei Lebensjahrzehnte hinter sich und sollte nun nach all seinen Heldentaten den ehrlosen Tod durch einen Gegner finden, der ihn lediglich aufgrund einer schwächlichen Müdigkeit niederstrecken konnte. Was für ein jämmerliches Ende! Nun, wenigstens musste er sich nicht mehr lange über diesen entwürdigenden Umstand ärgern...

Das Letzte, was er sah, sollte nicht unbedingt ein gotterbärmlicher Landesfeind sein und deshalb schloss er die Augen, als das gegnerische Schwert auf ihn niedersauste. Die nächsten Sekunden zogen sich hin wie eine halbe Ewigkeit. Wie betäubt vernahm Vlad das unheilvolle Zischen einer scharfen Klinge, welche nun lediglich durch die Luft fauchte, aber alsbald seinen Hals durchschneiden würde. Das Wissen um sein unmittelbar bevor stehendes Ende ließ ihn unwillkürlich den Atem anhalten...

... doch der Tod hatte keine Eile.

~*~


Der junge Anführer hörte ein ersticktes Röcheln, dem das Klirren aufschlagenden Metalls direkt folgte. Vladislaus kannte die hässlichen Geräusche, denn oft genug war er selbst der Verursacher solcher Laute gewesen - es klang wie der Aufprall eines schweren Helms auf die zertrampelte Erde unter ihm. Er gewann allerdings rasch Klarheit darüber, dass er selbst nicht der Enthauptete war; die rasenden Schmerzen in seinem Schädel verdeutlichten allzu eindrücklich, dass sich sein Kopf noch an Ort und Stelle befand.

Er setzte mit einiger Mühe den Helm ab, schaute schwerfällig auf und sah gerade noch, wie sich aus der geköpften Kehle seines Gegners ein dunkelroter Blutschwall ergoss, bevor der entseelte Türke mit einem dumpfen Schlag auf den Boden sank. Der Grund seines Überlebens war indes recht simpel: Jemand war ihm zu Hilfe gekommen.

Vladislaus hob mühsam den Blick, runzelte die verschwitzte Stirn, um gegen die untergehende Sonne zu blinzeln - und traute seinen Augen nicht länger. Was der aristokratische Befehlshaber erblickte, konnte kaum wirklich sein. Er runzelte ungläubig die verschmutzte Stirn, schüttelte kurz den Kopf, um den dumpfen Schmerz zu besiegen, doch nach diesem kurzen Moment der Besinnung erwies sich das vermeintliche Trugbild als überaus real:
Vlad schaute tatsächlich geradewegs in das schönste Gesicht, dass er jemals gesehen hatte.

Mit einem Schlag schien die ganze Erschöpfung jenes langen und schweren Tages von ihm abzufallen: Fort war seine Müdigkeit, fort war der sengende Schmerz in seinem versehrten Bein und auch die bleierne Ermattung seiner geschundenen Gliedmaßen gab es nicht mehr. Von einem Augenblick zum anderen nahm Vlad den grausigen Schrecken des Krieges, das entsetzliche Leiden und Sterben um sich herum nicht mehr wahr, weil seine Aufmerksamkeit von der über ihm stehenden Gestalt gefesselt wurde. Aus der rotgoldenen Feuersglut des letzten Sonnenlichts und dem purpurnen Strahlen des abendlichen Horizonts schien ein rettender Engel entstiegen zu sein.
Fürwahr, nur die fehlenden Flügel deuteten darauf hin, dass es sich bei diesem Krieger tatsächlich um ein Geschöpf aus Fleisch und Blut handelte.

Das schulterlange Haar des jungen Mannes war schweißverklebt und völlig zerdrückt von der Last des schweren Helms, den er nun in einer schlanken Hand hielt. Die kastanienbraunen Locken mochten nun nur ein wirres Gestrüpp sein, doch jene verschwitzten Strähnen umrahmten ein Antlitz von anmutiger Schönheit. Vlads Blick wanderte über eine ebenmäßige Stirn zu großen Augen, deren ausdrucksvolles Dunkel an die einsamen Bergseen Transsylvaniens erinnerte. Sie ließen jene Müdigkeit erkennen, die Vladislaus fühlte, und doch konnte die unübersehbare Erschöpfung den zauberhaft leuchtenden Schimmer jenes anziehenden und zugleich so durchdringenden Blicks nicht auslöschen. Der unbestreitbare Reiz dieser Züge wurde durch die gerade Linie einer wohlgeformten Nase, das leichte Zartrosa eines perfekt geschwungenen Lippenpaares und ein festes Kinn unterstrichen. Eine leichte Röte überzog die schweißglänzenden Wangen, die wohl vor ein paar Tagen zum letzten Mal ein Rasiermesser gesehen hatten. Doch die Bartstoppeln nahmen dem hübschen Gesicht nichts von seiner hinreißenden Anmut, sondern betonten die männliche Schönheit der kriegerischen Gestalt auf reizvolle Weise. Leicht hervor stehende Wangenknochen und charmante, um die Winkel eines wohlgeformten Mundes spielende Grübchen rundeten den höchst ansehnlichen Eindruck ab und verliehen dem Antlitz des offenbar nach recht gewandten Schwertkämpfers eine markante Nuance.

Die Rüstung des attraktiven Mannes war verschmutzt, Staub und eingetrocknetes Blut hatten sich vermischt und verklebten den Silberschein der schützenden Hülle beinahe bis zur Unkenntlichkeit. Doch das verunreinigte Metall konnte nicht vollends verbergen, dass sich unter dieser befleckten Umhüllung ein hoch gewachsener Körper von schlankem Wuchs und athletischer Proportion verbarg.

Gott musste dieses überirdisch schöne Wesen wahrhaftig in einer Sternstunde erschaffen haben und warum der Herr überhaupt gestattete, dass es himmlische Gefilde verließ, war Vlad ein Rätsel. Und jetzt stand das hübsche Geschöpf hier, inmitten dieses unsäglich grausamen Elends, umgeben von Krieg, blutigen Kämpfen und den grässlichen Todesschreien sterbender Soldaten und hatte dem gestürzten Anführer das Leben gerettet...

"Gehe ich recht in der Annahme, dass ich die Ehre mit Vladislaus Valerious habe?"

Diese mit sonorer Stimme vorgetragene Frage riss den jungen Kriegsherrn aus seiner unmerklichen Erstarrung.

"Nett, dass wir uns mal kennen lernen." Die trockene Feststellung der ansehnlichen Gestalt wurde von einem schwachen Lächeln begleitet.

Erst in diesem Moment wurde Vlad sich seines Mangels an Fassung bewusst. Er schüttelte schwerfällig den Kopf, um sich von einem allzu lästigen Schwindelgefühl zu befreien und hörte gleichzeitig auf, sein Gegenüber so unverhohlen anzustarren, als ob er einen Geist sähe. Ein entsetzliches Brennen an seinem Unterschenkel tat ein Übriges, um dem kurzen Augenblick gebannter Faszination ein jähes Ende zu setzen und der tückische Schmerz sorgte obendrein dafür, dass er unwillkürlich das Gesicht verzog.

"Wer...", Ein trockenes Husten entrang sich Vlads ausgedörrter Kehle, aber es nützte nicht viel - seine dunkle Stimme war auch nach diesem gequälten Geräusch nicht viel mehr als ein heiseres Krächzen.

"Wer seid Ihr?" Brachte er schließlich mühsam heraus und schaffte es nur mit erheblicher Anstrengung, eine Hand zu heben und sich mit einer fahrigen Geste mehrere Strähnen wirren Haars aus dem beschmutzten Gesicht zu streichen.

"Man nennt mich die linke Hand Gottes." War die unverhohlen stolze Erwiderung.

Die linke Hand Gottes.
Vlad war mitnichten entgangen, dass er nicht als einziger Kriegsheld mit einem bewundernden Beinamen bedacht wurde. Er hatte schon von jemandem gehört, dessen ruhmreiche Verdienste eine derart ehrenvolle Bezeichnung nach sich gezogen hatten und was ihm über diese Person zu Ohren kam, hatte interessierte Neugier in ihm erweckt. Doch für entsprechende Nachforschungen hatte ihm das Kriegsgeschehen bisher weder Zeit noch Gelegenheit gelassen.

Nun konnte er sich diesen Aufwand wohl sparen, denn jene achtbare Gestalt stand ihm anscheinend direkt gegenüber.

Der hübsche Verteidiger seiner Heimat rammte die blutverschmierte Schwertklinge in die dunkle Erde und stützte seine Hände auf den verzierten Griff der tödlichen Waffe, um Vlads vom Schmerz verschleierten Blick mit einem gefälligen Grinsen zu erwidern. Dieser Gesichtsausdruck verlieh den ohnehin schon anmutigen Zügen eine aufreizend unverfrorene Nuance und rührte bei aller Frechheit doch etwas in Vlads tiefstem Inneren an - etwas, von dessen Existenz er bis zu diesem Moment zwar nichts gewusst hatte, aber das dennoch in seinem Herzen schlummerte und wohl nur darauf wartete, erweckt zu werden...

Allerdings erinnerte ihn diese äußerst respektlose Mimik auch daran, welche Position er inne hatte und welches Verhalten eine Person seines hohen Ranges gegenüber Anderen zeigen sollte. Er biss die Zähne zusammen, atmete tief ein und fand zumindest äußerlich zur angemessenen Contenance zurück.

~*~


"Nun, linke Hand Gottes.", Jetzt war es an Vladislaus, dem Anderen ein spöttisches Grinsen zu schenken.

Als er fort fuhr, hatte seine Stimme den gewohnt sicheren Klang angenommen - er sprach im überheblichen Tonfall eines strengen Gebieters, der ungehöriges Benehmen seitens Untergebener keineswegs duldete.

"Habt Ihr auch einen weniger hochtrabenden Namen?" Fragte er unterkühlt.

Doch hinter der trügerischen Maske eiskalter Ruhe war Vlad froh und dankbar, dass sein attraktiver Gesprächspartner wohl nicht über die Gabe des Gedankenlesens verfügte. Was sich in diesen Augenblicken tatsächlich in ihm abspielte, verrieten höchstens seine scheinbar glühenden Wangen, doch er schob sein äußerst merkwürdiges Befinden auf die voran gegangenen Anstrengungen des Kriegsgeschehens und die lebensgefährliche Situation, der er nur knapp entronnen war. Allerdings fühlte er in einem verborgenen Winkel seines Herzens, dass der eigentliche Grund für diesen inneren Aufruhr wohl nicht bei den erschöpfenden Kämpfen auf diesem Schlachtfeld zu suchen war. Vlad hatte zu oft getötet, an seinen Händen klebte zu viel Blut, als dass der Anblick jener zerschlagenen Körper ihn noch schrecken oder wie zu Beginn dieses entsetzlichen Krieges bis in seine Träume verfolgen konnte. Sowohl die grausigen Schandtaten der türkischen Invasoren als auch die schauerlichen, in unzähligen Gefechten gesammelten Erfahrungen hatten schließlich dafür gesorgt, dass er einen Schutzwall kaltherziger Gleichgültigkeit um den empfindsamen Teil seiner Seele errichtet hatte, der ihm das in Kriegszeiten unabdingbare Morden in ausreichendem Maße erleichterte.

Weshalb der Anblick und das Lächeln dieses Fremden ihn letztendlich so anrührten, war Vladislaus zwar unverständlich, aber konnte sich nicht daran erinnern, dass sein Herz jemals so schnell und unregelmäßig geschlagen hatte wie in jenen Momenten...

Der schneidend kalte Tonfall eines selbstsicheren Befehlshabers brachte den reichlich frechen Retter indes zur angemessenen Räson.

"Mein Name ist van Helsing.", Entgegnete die hoch gewachsene Gestalt mit gebotenem Ernst. "Gabriel van Helsing."

Vladislaus wollte antworten, doch seine ungeheure Erschöpfung vereitelte dieses Vorhaben gründlich.

Gabriel... Gabriel...

Der wohlklingende Name des attraktiven Mannes hämmerte in Vlads schmerzenden Schläfen wieder, während er mit schwindenden Sinnen in sich zusammen sackte. Sowohl der anstrengende Tag auf diesem blutgetränkten Kriegsschauplatz als auch die Verletzung an seinem Bein verlangten nun ihren Tribut. Das unablässige Schwindelgefühl und ein scharfes Stechen in seiner Brust ließen ihn leise aufkeuchen, während sich die Welt allmählich verdunkelte. Vladislaus kämpfte erbittert gegen die drohende Ohnmacht, klammerte sich an den schönen Anblick seines Beschützers und wollte der Finsternis keine Macht über sich geben.

Doch dieser letzte Kampf des vergehenden Tages endete mit einer bitteren Niederlage.

Er spürte kaum noch, wie zwei schlankgliedrige Hände sich seines geschwächten Körpers annahmen und ihn vom Boden des Landes aufhoben, welches er so tapfer verteidigt hatte. Starke Arme umfassten Vlads Rücken und schoben sich gleichzeitig behutsam unter seine Kniekehlen, um ihn fortzubringen vom Elend und dem allgegenwärtigen Tod dieses furchtbaren Orts.

Seine erhitzte und schweißverklebte Wange sank gegen angenehm kühles Metall, welches ebenso dunkelrot besudelt war wie jenes seiner eigenen Rüstung. Er schloss langsam die Augen und ergab sich dem schwächenden Schmerz, der innerlichen Erschöpfung. Doch Qual und Ermattung waren längst nicht alles, was er fühlte.

Eine seltsame, bis zu diesen Augenblicken lang entbehrte Wärme umfing seine Seele und schien ihm einzuflüstern, dass ihm nichts geschehen konnte, wenn er dem allzu verlockenden Dämmerzustand kränklicher Müdigkeit nun Macht über sich gäbe. Dem jungen Anführer war dieses Empfindung nicht gänzlich fremd, auch wenn ihm weder die eigene Familie noch eine seiner zahlreichen Liebschaften jemals etwas Ähnliches geschenkt hatte.
In einer längst entschwundenen Kindheit hatte ihm die treueste Seele seiner Dienerschaft das gleiche Gefühl tiefer Geborgenheit vermittelt, welches er nun verspürte. Und fürwahr, Gábor schien bis heute der Einzige im Hause Valerious zu sein, der ihn nicht nur als Erben von Besitz und Titel ansah, sondern auch als fühlenden Menschen.

Obwohl er seinen Retter erst seit ein paar Minuten kannte, vermittelte ihm die schützende Umarmung dieses Mannes eine Sicherheit, wie sie beruhigender kaum sein konnte. Vladislaus verstand nicht, was in ihm vorging, warum dieser hübsche Fremde ihn so faszinierte und weshalb es Gabriel so schnell gelungen war, sein Vertrauen zu gewinnen. Für den Moment kümmerte ihn dies auch nicht weiter, denn er war sogar zum Nachdenken zu erschöpft.

Gabriel van Helsing...

Dieser klangvolle Name war Vlads letzter Gedanke, bevor er leise seufzte und sein Kopf schließlich nach vorn kippte.

Eine erholsame Dunkelheit raubte ihm die Sinne und durch diesen Sieg der Kraftlosigkeit über sein bewusstes Selbst entging ihm die interessante Tatsache, dass er nicht als Einziger mit merkwürdigen Emotionen kämpfte: Trotz der wirren Unordnung von Vlads ebenholzfarbenen Haarsträhnen, trotz seiner verschmutzten Wangen und der blutig befleckten Rüstung hing Gabriels Blick wie gefesselt an der nunmehr völlig reglosen Gestalt in seinen Armen.


*** /me ist wie immer sehr interessiert an eurer Meinung! Bin mal gespannt, wer als erstes auf den "Review posten"-Button drückt. ^.^ ***


EDIT: (20.04.2005)

Hallo meine Lieben,

ich danke euch allen für die Reviews. /me hat sich wie immer sehr gefreut! ^.^

@ kitten:

Ah, ein neues Gesicht in meiner Leserschaft! *freutsich* Dein Wunsch nach einer Fortsetzung sei mir Befehl. *g*

@ Pharaonin:

"Es hat mich schon die ganze Zeit interessiert, wie sich die beiden kennen gelernt haben."

Dazu muss ich anmerken, dass dieser Prolog für meine aktuelle Fanfiktion eigentlich gar nicht geplant war, jedenfalls nicht in dieser Form. Aber irgendwann habe ich mich gefragt, wie und wo sich zwei Individuen dieser Wesensart wohl begegnen könnten. Und siehe da... schon war der Einfall mit dem Schlachtfeld nicht mehr fern. *fg*

"Ich hoffe doch, dass Aranka später noch auftauchen wird. Sie hat zwar bis jetzt einen verhältnismäßig kurzen Auftritt gehabt, aber das kann sich ja jetzt ändern."

Was Aranka angeht, kann ich Dir Hoffnung machen - selbstverständlich hat sie ihre Rolle in dieser Geschichte und ihr Auftauchen ist auch gar nicht mehr fern!

@ Kokoro:

"... ich habe alles genossen (sagen wir, den Anfang etwas weniger vom Inhalt, aber der Stil war fantastisch!)"

Das mit dem Anfang ist immer so eine Geschichte... für D/G-Versessene sind Szenen mit diesen Beiden natürlich am Spannendsten; aber wie das bei einem Prolog nun mal so ist, sollte man halt ein bisschen auf die Ausgangslage der Story eingehen. :->

@ Turquenione:

"Vlad scheint's ja voll erwischt zu haben!"

Hehe... japp, genau so ist es. Ob er das allerdings wahrhaben will, klärt sich im nächsten Chapter. ;->
 
»
Anzeigeoptionen|Review schreiben|Regelverstoß melden|★SocialBookmark
◄   Schriftgröße|Schriftart|Zeilenbreite|Ausrichtung|Zeilenabstand
◄   10px|12px|15px|17px|19px
◄   Times|Arial|Helvetica
◄   25%|50%|75%|100%
◄   Linksbündig|Blocksatz
◄   gering|normal|groß|sehr groß
> Nutzungsbedingungen <   > Datenschutz <   > Impressum <          v3.3-6311