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von Ereschkigal
erstellt: 24.10.2004
letztes Update: 24.10.2004
Geschichte, Allgemein / P6
(abgebrochen)
Am 8.01.2002 wurde erstmals das Modell "Begleitetes Fahren" vorgestellt, das im Herbst dem Bundesrat vorgelegt werden soll. Dieses Projekt soll die Unfallquoten jugendlicher Fahrer senken, eine Maßnahme die schon in Schweden zu Erfolg geführt hat. Dort konnte die Unfallquote bei Fahranfängern durch begleitetes Fahren um 40% gesenkt werden, ein nicht zu verachtender Erfolg. Das ist schön und gut, aber wir sind hier nicht in Schweden. Schwedens Infrastruktur ist, besonders im südlichen Drittel des Landes, gut ausgebaut. Das Straßennetz hat eine Länge von etwa 210 000 Kilometern und über 70 Prozent der Straßen sind asphaltiert. Auch Deutschland besitzt ein hoch entwickeltes Verkehrssystem mit einem außergewöhnlich dichten Netz von Straßen und insbesondere Autobahnen. Es wird also eher auf die Fahrer als auf die Straßen zurückzuführen sein, dass es hier so viele Unfälle gibt. 1996 waren in Deutschland etwa 42 Millionen Personenkraftwagen und rund 3 Millionen Nutzfahrzeuge zugelassen. Und inzwischen sind es sicher noch ein paar mehr. Nun erhofft man sich hier also denselben Erfolg wie in Schweden. Und um der Bevölkerung die Sache schmackhaft zu machen, überlegen sich die Verantwortlichen selbstverständlich diverse Argumente für dieses Projekt.
Und lustigerweise lassen sich so ziemlich alle wiederlegen, oder sind schon von vornherein nicht sehr schlüssig.
Zum einen sollen also die Unfallquoten gesenkt werden. Die Frage ist, wie will man das erreichen? Denn ich glaube, ehrlich gesagt, nicht, dass 17jährige Jugendliche verantwortungsbewusster sind als andere Autofahrer, im Gegenteil.
Denn Jugendliche, besonders Jungs (das ist nix persöhnliches ^^), haben ein höheres Geltungsbedürfnis als Erwachsene, was sie, mangels coolem Job, durch hippe Klamotten, lässiges Auftreten und einem angemessenen fahrbaren Untersatz, kombiniert mit lässiger Fahrweise, zu kompensieren versuchen. Anna Magnani (1908-1973, Schauspielerin) hatte recht, als sie sagte: "Wenn sich ein Mann am Steuer seines Wagens niederlässt, ist er ein Pfau, der sein Rad in der Hand hat."
Das mag ja mit Skateboard, Inlinern oder Fahrrad noch relativ unbedenklich sein, obwohl nicht wenige Opfer in Verkehrsunfällen eben diese Fortbewegungsmittel nutzen, oder besser gesagt genutzt haben, aber wie sieht es dann erst aus, wenn sich jeder Teenie, der genug Geld hat um sich Führerschein und Auto zu leisten, mit erworbenem Automobil den Verkehr unsicher macht? Als würden die Erwachsenen, die sich stockbesoffen hinters Steuer klemmen nicht schon reichen.
Ein anderes Argument war, dass man so früher den Umgang mit Autos lerne.
Aha, und was tun 17jährige im Fahrunterricht, dass sie so massiv von den Älteren unterscheidet, und unsere geschätzten Verkehrsministerien zu dem Schluss kommen lässt: "Je früher, desto besser"?
Meiner Meinung nach, fahren fast alle Anfänger gleichschlecht, egal wie alt sie sind.
Und ich denke, der Umstand, dass die Tatsache, die besagt, dass rund ein Viertel aller Unfälle in Deutschland von Fahranfängern verursacht wurde, mit der Statistik, aus der hervorgeht, dass die Unfallquote in der Gruppe der 18-24jährigen weltweit am höchsten ist, konform geht, lässt sich eventuell dadurch erklären, dass nun einmal die meisten der Fahranfänger in eben genau diese Altersklasse einzuordnen sind.
Und wahrscheinlich wird die einzige Veränderung, die dieses Projekt mit sich bringt, die sein, dass man die Statistik auf 17jährige erweitern kann. Ist doch klasse, oder?
Ein weiterer Vorschlag war es alle Autofahrer regelmäßig an einem Sicherheitstraining teilnehmen zu lassen, wobei zu bezweifeln ist, dass, solange das nicht gesetzlich verankert ist, die Leute die es nötig hätten wirklich dort auftauchen würden.
Genauso wie bei diesem Sprachtest, der vor kurzem in Hamburg bei allen Kindern durchgeführt werden sollte. Die, die es eigentlich betraf, waren nicht da.
Eine Lösung wäre vielleicht, mehr Geschwindigkeitskontrollen durchzuführen und auch öfter eventuelle Trunkenheit am Steuer zu überprüfen.
Nun verteidigte man dieses Projekt gegen die Skeptiker dieser Nation mit dem Einwand, es würde ja ein Jahr lang eine Begleitperson mitfahren um den jungen Fahrer auf eventuelle Fehler aufmerksam zu machen. Schön. Das würde aber voraussetzen, dass diese Person auch weiß, dass ein Fehler gemacht wird. Deshalb dürfen auch nur Leute, es müssen übrigens nicht die Erziehungsberechtigten sein, als Begleitpersonen fungieren, die über 25 sind und seit mindestens sieben Jahren einen Führerschein haben. Auch sehr schön überlegt. Das macht sie aber noch nicht zu verantwortungsbewussten Fahrern. Und selbst wenn der Beifahrer selber sehr gut Auto fährt und überhaupt ein ganz dufter Typ ist, hat er dennoch kaum Möglichkeiten aktiv ins Fahrverhalten des Fahrzeugführers einzugreifen. Es sei denn er greift dem Fahrer ins Lenkrad, was aber in den seltensten Fällen zu einer Entschärfung der Situation führen dürfte. Des weiteren kann ja auch niemand garantieren, dass alle Jugendlichen sich an diese Bestimmungen halten. Es hält sich ja auch bei weitem nicht jeder ans Alkoholverbot beim Autofahren. Sowohl Jugendliche als auch Erwachsene.
Ich will also keineswegs behaupten, dass alle Jugendlichen verantwortungslos seien, genauso wenig, wie alle Erwachsenen die Tugend in Person sind, auch wenn das gerne mal so klassifiziert wird, aber es gibt eben auch schwarze Schafe und um genau die geht es schließlich. Und, es mag selten sein, kommt aber dennoch vor, einige Leute, unter 18 haben durchaus Bekannte, die den Anforderungen einer Begleitperson entsprechen, aber leider alles andere als ein geeignetes Vorbild bei der Handhabung eines Autos sind.
Und wenn jetzt nach einem Unfall per Zufall festgestellt wird:
"Oh, die Begleitperson saß mal wegen Fahrerflucht hinter Gittern!", dürfte es für die eventuellen Opfer etwas zu spät sein. Auch wenn das jetzt, zugegeben, ein relativ krasses Beispiel war. Es reicht ja auch, wenn besagte Begleitperson einfach nicht reagieren konnte. Dann saß zwar eine Begleitperson im Wagen, vielleicht auch eine durchaus kompetente, aber das macht dann den Unfall leider nicht wieder rückgängig.
Und überhaupt, wozu sollte ein 17jähriger ein Auto brauchen? Zur Schule könnte man damit fahren. Aber dann wäre die pünktliche Ankunft im Unterricht von der jeweiligen Verkehrssituation abhängig, ganz anders als wenn man mit der Bahn fahren würde. Und an U- und S-Bahnverbindungen mangelt es ja, zumindest in Hamburg, bei weitem nicht. Also würde man das Auto wohl zur Fahrt in die Disco nutzen. Mit einer Begleitperson. Na sicher doch. Gut, selbst wenn, und man kann davon ausgehen, dass es sich in diesem Fall keineswegs um einen der Erziehungsberechtigten handeln würde, käme man damit wohl wieder auf den Punkt mit der Zuverlässigkeit der Begleitperson zurück.
Denn die Frage ist: Würde diese Person, eventuell ein guter Freund des minderjährigen Fahrers, sich mit dem Alkoholkonsum soweit zurückhalten, dass er oder sie auf dem Rückweg noch in der Lage wären auf Fehler oder eventuelle Gefahren aufmerksam zu machen? Nun könnte man sagen, das höre sich so an, als währen alle potenziellen Begleitpersonen die Unzuverlässigkeit in Person. Das will ich keineswegs damit sagen. Aber die Unfälle werden nun mal nicht von den Verantwortungsbewussten, die hoffentlich die Mehrheit der Bevölkerung bilden verursacht, sondern von der Minderheit, den Verantwortungslosen.
Um noch ein Gegenargument zu nennen: Alle sorgen sich um die Erdressourcen, aber keinem fällt es ein daran zu sparen, und wenn doch, ganz gewiss nicht am Auto.
Aber: früherer Führerschein, bedeutet schneller ein eigenes Auto, woraus mehr Benzinverbrauch, Luftverschmutzung und Staus resultieren. Und Parkplätze wachsen auch nicht auf den Bäumen... obwohl das, zugegeben, sehr praktisch wäre.
Wenn man sich nun die Verteilung von Pro und Contra so ansieht, fällt auf, dass es weit mehr Contra- als Pro-Argumente gibt. Aber das spielt ja anscheinend bei den meisten Gesetzen eh keine Rolle.
Denn wie schon George Bernard Shaw (1856-1950, Schriftsteller) sagte:
"Wir lernen aus Erfahrung, dass die Menschen nicht aus Erfahrung lernen."
Das heißt also, dieser Vorschlag wird, so er denn angenommen wird, erst wieder in Frage gestellt werden, wenn mal wieder etwas wirklich Schlimmes passiert ist.
Das lässt sich mit ein wenig Fantasie mit der Diskussion über Waffengesetze in den USA vergleichen: Alle sind dagegen, wenn Präsident oder Gouverneur sich für verschärfte Waffenbeschränkung aussprechen, aber wenn dann wieder einer mit einem Gewehr Amok läuft, wird der Regierung gleich mangelndes Interesse an der Sicherheit der Bevölkerung vorgeworfen
Die Frage, die mich dabei brennend interessiert ist, würden die verantwortlichen Politiker ihre Fehler zugeben, oder würden sie mit ihrer Handlungsweise
Dagobert Lindlau (Schriftsteller) bestätigen, der gesagt hat:
"Politiker fühlen sich meist zuständig, aber selten verantwortlich." ?
Vielleicht würden sie auch mit aller Macht versuchen, so zu tun, als hätten sie damit sowieso nichts zu tun. Wie Eberhard von Bauchitsch (Flick-Affäre) ganz richtig sagte:
"Es gehört zu den Merkmalen eines Politikers, sich grundsätzlich an nichts erinnern zu können."
Und er muss es ja wissen, nicht wahr?
Abschließend kann man also sagen, dass die Idee "Führerschein ab 17" keineswegs so sinnvoll ist wie sie zunächst scheint. Man sollte eher die Fahrprüfungen etwas erschweren, damit man sicher ist, das da keine tickenden Zeitbomben auf die Menschheit losgelassen werden. Ein psychologisches Gutachten vor Beginn der Prüfung wäre auch nicht schlecht, aber das ginge wohl zu weit, da würden alle protestieren.
Wenn man schon die Fahrprüfung ab 17 einführt, dann sollte auch die Rechtsprechung sich anpassen und jeden der einen Führerschein hat als Erwachsenen behandeln.
Denn momentan wird jeder bis zum Alter von 21 vor Gericht als Heranwachsender bezeichnet und gilt, selbst bei Unfallverschuldung mit Todesfolge als
"nicht ausreichend einsichtsfähig".
Okay, aber sie sind anscheinend verantwortungsvoll genug, um mit 17 ein Auto zu fahren. Eine ziemlich verquere Logik.
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