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Dein Review zum Text 'Nachtschnee‘ ist fertig!

"Von der orthografischen Seite gibt es soweit nichts zu bemängeln- was bei einem so kurzen Text auch verwunderlich wäre. Was Dinge wie Satzstellung und Ausdrucksweise angeht, muss ich voranschicken, dass sich dieser Text in kein Schema pressen lässt und auch nicht..."

Das komplette Feedback findest du unter ‚http://feedbackfuerkreative.over-blog.de/article--nachtschnee-von-melmoth-47984913.html‘ Wir würden uns sehr über Rückmeldung freuen.

Grüße
Feedback für Kreative
oxymoron  
Hallo!

Du weißt, diese kleine Geschichte gefällt mir sehr. Ein wunderschöner Text, der einen mit seiner poetischen Kraft in den Bann zieht.

Schön allerdings kann man wirklich nur den Text nennen, nicht dessen Inhalt. SIE mögen behaupten, was sie wollen, es ist unzweifelhaft Folter. Die körperlichen, aber vor allem auch die psychischen Auswirkungen hast du auf eine Art eingefangen, die den Prozess zugleich nachempfindbar macht (soweit so etwas möglich ist) und künstlerisch erhöht. Kein wirklich Betroffener könnte wohl noch solche Ausdrucksformen für seinen Verfall und nahenden Zusammenbruch finden, aber gleichzeitig sind es gerade die Metaphern, die eine unwirklichliche Atmosphäre schaffen und so den schwebenden, realitäts- und kontrolleverlierenden Zustand, in den der Schlafentzug versetzt, in Sprache bannen. Wirklich wissen kann man wohl nie, wie es ist, wie es wäre, aber hier hat man das Gefühl, dass man zumindest eine Ahnung bekommt, wobei die melancholische Schönheit der Sprache, die das ermöglicht, zugleich einen Kontrast zu der verzweifelten Situation, die so gar nichts Schönes hat, bildet und den Text so für den Leser zu einer überraschend angenehmen Lektüre macht. Das innewohnende Grauen kommt sehr leise und unaufdringlich und dadurch wirkungsvoller als eine drastische Darstellung es bewirken könnte.

Dass die Geschichte so zeitlos ist, mag ich, „irgendwann in den letzten 100 Jahren“ passt genau, und wenn nicht das Neonlicht wäre, hätten es wahrscheinlich auch die letzten 1000 Jahre sein können. Auch wenn es stimmt, dass einen Großteil dieser Zeit wohl direkteren Methoden der Vorzug gegeben wurde, wäre es praktisch überall vorstellbar, so dass es unter „Historisches“ gut eingeordnet ist, auch wenn es genauso gut vorige Woche spielen könnte.

Ebenso offen wie Zeit und Ort ist die Situation. Das Klammern an den Entschluss, nicht *lügen* zu wollen, verweist darauf, dass wir es hier mit jemandem zu tun haben, der nicht wirklich etwas weiß, der mit der Organisation, die ihn in den Fängen hat, vielleicht nie etwas zu tun hatte. Man kann vermuten, die Person ist unschuldig, was immer das in diesem Zusammenhang meint, und ihr wird Unrecht getan. Für die Geschichte ist das aber im Grunde belanglos. Der Mensch hätte auch den – eher erwarteten – Entschluss fassen können, nichts zu sagen oder nichts zu verraten, hätte auch andeuten können, er sei ein feindlicher Spion, ein Verräter, ein Verbrecher. SIE hätten ein Gesicht und ein erkennbares, mehr oder weniger verwerfliches Ziel haben können. Geändert hätte das wenig. In meinen Augen gewinnt die Geschichte dadurch nur, dass die Situation nicht genauer umrissen ist, das gibt ihr etwas Allgemeingültiges, man möchte fast sagen Reines.

Wie schon gesagt, erinnern mich einige Momente an eine andere Geschichte von dir, die mir bis heute nachgeht. Diese plötzliche, unheilige … Intimität. Hier nur eine Spur davon, aber genug, um diesen alten Schauder auszulösen. Es kriecht einem unter die Haut, insofern, dass es an etwas sehr Existenzielles rührt, und zugleich, indem es durch die intensive Sprache beinahe physische Empfindungen auszulösen vermag, etwa bei dem kalten Schleim der Stunden, oder bei dem Gefühl, dass sich der so vielgestaltige Nachtschnee körnig auf das Gesicht setzt.

Zuguterletzt kann ich nur sagen: Hut ab, und dir für diesen Text danken. Ich freue mich sehr, dass die grünen Substanzen bei dir endlich einmal wieder ihre Wirkung tun und die Inquisition nicht zum vollkommenen Unterdrücker wird. Man hofft auf mehr. ^^

Liebe Grüße,
Oxymoron
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