Feael Silmarien  
Hallo Jiu!

Es ist mittlerweile etwas her, dass ich diese Geschichte gelesen habe, daher ist sie bei mir nicht mehr so 100%ig präsent, aber ich versuche mal, reviewmäßig das beste daraus zu machen.

Also zunächst: Ich kann mich Runes Kritik nicht anschließen. Z.B. den Satz "Zuweilen kam es aber vor, dass einer der jungen, heranwachsenden Menschen mehr erstrebte als das Dorf und die es umschließenden Berge." verstehe ich doch eher metaphorisch und das "Dorf" als Metonymie. Finde den Satz daher sehr gelungen. Wie auch deine Sprache insgesamt. Vor allem die Einleitung hat es in sich - und das sage ich, die ich ausführlichen Beschreibungen eher abgeneigt bin, also heißt das schon was. ;) Du beschreibst das Dorf, aber es ist nicht "nur" das Dorf, es ist eine ganze Mentalität, eine Weltanschauung, eine Lebensweise, die man tatsächlich antrifft. Überhaupt kommt mir das Setting sehr bekannt vor. Fühle mich da einfach persönlich angesprochen.

Die gekünstelte Sprache ist kein Problem, ich finde sie sogar sehr passend. Wir haben hier keine konkrete Geschichte eines Vaters und einer Tochter. Wir wissen nicht, wo das Dorf liegt und in welcher Zeit sich die beschriebene Begebenheit zuträgt, wir kennen nicht die Namen der Figuren, noch erfahren wir ihr Alter und ihre ganz, ganz besonderen individuellen Eigenheiten. Es handelt sich eben um Figuren, keine Charaktere, Individuen. Ich zumindest lese diese Geschichte als Metapher - oder eher: als Gleichnis. Als ein Konstrukt, das sich wegen seiner Gesichtslosigkeit umso besser auf unzählige Fälle der Realität übertragen lässt. Und wenn die Charaktere gesichtslos sind, finde ich es sehr angebracht, dass die Sprache ebenfalls gesichtslos ist. Gerade diese Gesichtslosigkeit halte ich für eine sehr gute Entscheidung.

Nun ist deine Geschichte aber nicht zu 100% ein Gleichnis, sondern sie enthält Beimischungen der Realität. Figuren und Sprache mögen ja gesichtslos sein, aber ihre Handlungen können aus ihrer Natur heraus von vornherein kein Gesicht haben. Handlungen sind entweder nachvollziehbar oder nicht, daher wäre ich an dieser Stelle doch für etwas Realitätsnähe. Konkret meine ich den Konflikt und Prozess des Loslassens. Ein solcher Konflikt ist nicht an einem Abend entbrannt und am selben erloschen. Wieso räumt der Vater der Tochter so schnell das Recht ein, ihn zu verlassen? Ist er zunächst nicht felsenfest überzeugt davon, dass seine Tochter bleiben MUSS, weil es nun mal seit er denken kann zu seinem - von den Traditionen des Dorfes gepredigten - Weltbild gehört? Das ist nicht nur ein Konflikt zwischen "Ich will weg" und "Ich will dich nicht loslassen", sondern eben zwischen zwei Weltanschauungen. Oder wozu hast du am Anfang so ausführlich die Traditionen des Dorfes eingeführt? Ich kann ihre Rolle, ihren Sinn für die Geschichte im Moment nicht erkennen. Welche Rolle spielt es, dass die Tochter eine "Aufrührerin" ist? Keine. Der Vater gerät hier in keinen Konflikt. Die Einsicht des Vaters kommt mir einfach viel zu schnell. Selbst dafür, dass er nur aus Angst gegen den Weggang seiner Tochter ist. Eine solche Angst zu überwinden kostet schließlich Zeit. Du enthüllst zwar, dass der Vater "schon immer" wusste, dass seine Tochter eines Tages weggehen wollen würde, aber es fehlt mir eine unscheinbare Andeutung weiter am Anfang, denn sonst fühlt es sich - für mich zumindest - ein wenig an den Haaren herbeigezogen an, nur um das zu schnelle Loslassen des Vaters halbwegs ins Glaubwürdige zwangszuverbiegen. Die Erklärung fällt aus einem viel zu heiteren Himmel wie ein Deus ex machina.

Aber das wäre auch das einzige, was ich zu meckern habe. Ansonsten finde ich die Geschichte sehr gelungen. Deine Sprache ist wirklich bemerkenswert, bis auf die Rolle der Dorftraditionen ist nicht mehr und nicht weniger drin als nötig, alles passt und vor allem der Schluss mit dem Spiegel und dem Pfeifen ist eine großartige Idee, finde ich. War sehr angenehm zu lesen und auch anspruchsvoll. Hat mir gefallen.

LG,
Feael
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Ein Auszug: "Sprachlich ist dieser kurze Text bis auf einzelne, kleine Fehler einwandfrei. Durch den flüssigen, runden Stil, den ausgefeilten Wortschatz und den klaren Ausdruck der Autorin ließ die Geschichte sich außerordentlich angenehm lesen."

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Feedback für Kreative
Rune  
Hi!

Hm, "märchenhaft", hat der Vorreviewer geschrieben...

Ich weiß nicht so richtig, was deine Geschichte sein soll. Ein Märchen ist es nicht, da erfüllt es die Kriterien nicht zu, aber eine Geschichte über echte Menschen ist es auch nicht, denn die beiden Protagonisten agieren und sprechen so gekünstelt wie Figuren aus einem 19. Jahrhundert - Theaterstück.

Echte Menschen in einem abgelegenen Bergdorf - zwangsweise bildungsfern - würden sicherlich keine Sätze wie diese von sich geben: "Die Liebe von Eltern flackert nicht so unstet wie eine Kerzenflamme im Windhauch."
So reden allenfalls die Bürgerlichen bei Lessing, Kleist, Fontane und wie die alle hießen.
Und kannst du dir vorstellen, dass eine reale, rebellische Jugendliche, die sich gerade mit ihrem Vater gestritten hat, wenig später solche Sätze sagt wie : „Papa, du wirst immer der Maßstab für die Menschen sein, denen ich begegne. Und wenn ich vor einer wichtigen Entscheidung stehe, werde ich denken ‚Was würde mein Vater sagen?‘“  

Das ist Emilia- und Effi-Sprech. *g*
Aber selbst in solchen alten Dramen und bürgerlichen Trauerspielen e r k l ä r t der Autor nicht wie sich die Personen fühlen, sondern z e i g t es durch Handlungen und Dialoge.

Durch die schwülstige Sprache wirkt die Botschaft >Man muss seine Kinder gehen lassen<  um so banaler. (Oder habe ich die Moral der Geschicht nicht verstanden, und sie ist eine ganz andere?)

Für was für ein Publikum war diese Geschichte gedacht? Was fängt man mit diesen stereotypen und hölzernen Theaterfiguren an? (Das ist nicht abfällig gemeint, falls es so klingen sollte.) Lessing und Co haben einen historischen Wert, der Sinn, dass Schüler so  etwas lesen müssen ist der, dass sie einen Einblick in die Zwänge der Gesellschaft des 19. Jh. bekommen sollen. Aber was ist deine Absicht mit dieser Art Schreibstil?

Manche Sätze sind logisch etwas fragwürdig konstruiert. Z.B. der: "Zuweilen kam es aber vor, dass einer der jungen, heranwachsenden Menschen mehr erstrebte als das Dorf." Und die anderen erstrebten lediglich "das Dorf"? ;-)

Ich hoffe, ich habe dich nicht entmutigt, und das du meine Kritik als konstruktiv auffasst.

LG
Rune
Coco93 (anonymer Nutzer)  
Eine wirklich schöne Idee und ein wirklich toller Schreibstil! Iwe einem wahrhaftigen Märchenbuch entsprungen :)
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